Eingefroren am Nordpol

Buchseite und Rezensionen zu 'Eingefroren am Nordpol' von Markus Rex
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eingefroren am Nordpol"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
EAN:9783570104149
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Rezensionen zu "Eingefroren am Nordpol"

  1. Forschung auf der Eisscholle

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Jan 2021 

    Der Autor:⠀

    Markus Rex ist Professor für Atmosphärenphysik an der Universität Potsdam und leitet auch das entsprechende Forschungsgebiet des Alfred-Wegener Instituts (AWI). Als Polar-, Klima- und Atmosphäreforscher beschäftigt er sich besonders mit dem Klimasystem der Polargebiete sowie der Ozonschicht.⠀

    Bevor er die Leitung der MOSAiC-Expedition übernahm, hatte er zur Erforschung der Klimaprozesse bereits an zahlreichen Expeditionen in der ganzen Welt teilgenommen, auch in der Arktis und Antarktis.⠀

    Zwischen Abenteuer und Forschung:⠀

    Bei “Eingefroren am Nordpol” handelt es sich um das Logbuch der einzigartigen, international besetzten Forschungsmission MOSAiC¹, geschrieben von Expeditionsleiter Markus Rex. ‘MOSAiC’ steht für ‘Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate’, also ‘multidisziplinäres treibendes Observatorium zur Erforschung des arktischen Klimas’.⠀

    Wie bitte – ‘treibendes’?⠀

    Ja, denn die beteiligten Wissenschaftler aus 20 Nationen stellten ihre Forschungen aus dem Blickwinkel einer ganz besonderen Basis heraus an! Los ging es am 20. September 2019, als das Schiff »Polarstern« den Hafen der Stadt Tromsø in Nordnorwegen verließ und sich auf die Suche nach einer geeigneten Eisscholle machte, die für die nächsten Monate, fast ein ganzes Jahr, zur treibenden Forschungsstation werden sollte – und das im Winterhalbjahr, der tiefsten Polarnacht.⠀

    Denn das Eis der Arktis ist im Winter vielerorts so dick, das selbst Eisbrecher keine Chance mehr haben, aber wenn man sich geschickt am richtigen Ort einfrieren und dann mitdriften lässt, trägt die Bewegung des Eises einen dorthin, wohin man will.⠀

    ____⠀
    ¹ als leise Kritik sei angemerkt, dass Abkürzungen nicht immer näher erläutert werden, wie zum Beispiel, was ist eine CTD-Rosette – oder eben, aus was setzt sich ‘MOSAiC’ zusammen? Letzteres wird natürlich im Laufe des Buches inhaltlich erklärt, nur fehlt die Zusammensetzung des Begriffs.⠀

    Warum das Ganze?⠀

    Das grundlegende Ziel der Expedition war das Zusammentragen wissenschaftlicher Daten aller Art in der Zentralarktis: aus dem arktischen Ozean, dem Packeis und der Atmosphäre. Daten dieser Art konnte man zuvor noch nie in diesem Umfang erheben, weil es technisch und logistisch schlicht nicht möglich war. Die Auswertung des Materials (diese wird Wissenschaftler noch einige Jahrzehnte beschäftigen) soll es in Zukunft ermöglichen, die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Komponenten des Systems Zentralarktis zu verstehen.⠀

    Wenn man sich anschaut, wie viele Länder, Institute und Wissenschaftler beteiligt waren, welche Anzahl und Vielfalt an Daten mit zig Messapparaturen erhoben wurden, was für eine enorme Vorbereitungs- und Nachbearbeitungszeit in diesem Projekt stecken, dann ist es sicher nicht übertrieben, wenn MOSAiC vielerorts als “größte Arktisexpedition aller Zeiten” angepriesen wird.⠀

    Wer jetzt fürchtet, mit eiskalten Fakten erschlagen zu werden, muss sich allerdings keine Sorgen machen. Dies ist kein nüchterner, strikt auf die nackten Daten reduzierter Forschungsbericht, sondern ein Expeditionsbericht, in dem das Abenteuer nicht fehlt. Immerhin sieht Rex sich in der Tradition der legendären “Fram”-Expedition vor mehr als 125 Jahren, bei der Leiter Fridtjof Nansen sein Schiff ebenfalls willentlich einfrieren ließ.⠀

    Arktisforschung vor über einem Jahrhundert:⠀

    In Interviews schwärmt Rex von dessen gigantischer Pionierleistung, spricht davon, wie Nansen und seine Mannschaft todesmutig und entbehrungsreich drei Jahre lang isoliert im Eis festsaßen – und Messungen anstellten, die für die MOSAiC-Expedition hilfreiche Vergleichswerte darstellen, wie zum Beispiel Temperatur und Eisdicke.⠀

    Und der Vergleich war ernüchternd: die Temperatur war zum Teil geschlagene 10 Grad höher als zur Zeit der Nansen-Expedition, man fand offenes Wasser dort vor, wo Eis sein sollte… Der Klimawandel lässt sich nicht mehr leugnen – bald könnte die Arktis im Sommer komplett eisfrei sein, und das hätte Folgen für die ganze Welt.⠀

    Die Arktis ist laut Rex das Epizentrum des Klimawandels, ein System mit überaus komplexen Wechselwirkungsmechanismen. Wie bei einem Uhrwerk greift ein Teil ins andere, so dass sich einzelne Entwicklungen stets auf das Funktionieren des ganzen Systems auswirken – so ist die Arktis auch die “Wetterküche” für das Klima in unseren Breiten!⠀

    Markus Rex schreibt fundiert und dabei unterhaltsam. Im gelingt die Balance: abwechslungsreich und mit Liebe zum stimmigen Detail einerseits, wissenschaftlich untermauert und detailliert andererseits – zu trocken liest es sich so oder so nicht. Sein Logbuch ist daher nicht nur für Menschen mit Vorkenntnissen interessant, die schon mit den Abenteuern der großen Forscher wie Nansen und Amundsen vertraut sind. Auch für Laien gilt: wer sich für die Arktis, das Thema Klimaforschung oder wissenschaftliche Themen an sich interessiert, ist hier sicher nicht falsch.⠀

    Der lebhafte Stil trägt den Leser durch dieses spannende Abenteuer: angefangen bei der Suche nach der richtigen Scholle zum Andocken bis hin zur korrekten Begegnungsetikette mit Eisbären (von der Gefahr her nicht zu unterschätzen!)– oder der ernüchternden Beschreibung des schmelzenden Eises am Nordpol. Durch Covid-19 wurde der geplante Ablauf gehörig gefährdet, auf diese Probleme geht Rex nicht nur im Verlauf des Tagebuchs, sondern auch in einem eigenen Kapitel ein: “Auf Messers Schneide”.⠀

    Er schildert dem Leser die Expedition anschaulich, bringt ihm allerlei damit verbundene Themen nahe und gibt auch einen Einblick in die Schönheit der Arktis. Fakten verschiedenster Art werden locker ins Tagebuch eingeflochten, wie zum Beispiel Informationen über das Nordlicht, das Leben an Bord, die verschiedenen an der Expedition beteiligten Personen oder die Andockmanöver mit anderen Eisbrechern.⠀

    Die Gestaltung des Buches:⠀

    Das Buch enthält zahlreiche exklusive Fotos von der Expedition, die den Text wunderbar ergänzen, dazu findet sich im Vorderdeckel eine Karte der Arktis mit Markierung des Expeditionsverlauf und im Rückdeckel eine Übersicht über das Forschungscamp auf der Scholle, mit den aufgebauten wissenschaftlichen Geräten. Es handelt sich hier aber nicht um einen Bildband! Die Bilder sind daher nicht auf Hochglanzpapier und auch nicht immer auf eigenen Seiten abgedruckt, sondern fügen sich in den Textfluss ein.⠀

    Farbig abgehobene Infokästen enthalten ergänzend zum Logbuch weitere wissenschaftliche, technische, oder politische Fakten, wie zum Beispiel Daten zum Schiff, Informationen zu verschiedenen Eisformen, Antworten auf Fragen wie “Was essen Polarfahrer?” oder “Wem gehört die Arktis?”. Diese Kästen muss man nicht unbedingt lesen, um das Logbuch an sich zu verstehen, sie sind nur ein Angebot für interessierte Leser*innen, die tiefer in die Materie eintauchen wollen.⠀

    Ein Register ermöglicht das Nachschlagen von Personen, Instituten, Fachbegriffen und diversen Schlagworten. Wie oben schon erwähnt, hätte ich mir dazu noch ein Abkürzungsverzeichnis gewünscht.⠀

    Fazit:⠀

    Am 20. September verließ die »Polarstern« den Hafen von Tromsö, um sich am Nordpol einfrieren zu lassen – an Bord Wissenschaftler aus 20 Nationen. Ziel war es, ein Jahr lang Daten zu sammeln und das System Zentralarktis zu erforschen, mit besonderem Augenmerk auf den Auswirkungen des Klimawandels. Expeditionsleiter Markus Rex berichtet im Logbuch der Expedition von Herausforderungen und Gefahren, aber auch vom Alltag auf der driftenden Eisscholle, die den Wissenschaftlern als Basis diente.⠀

    Das wirkt auf mich als Laiin wissenschaftlich fundiert, liest sich aber auch unterhaltsam – ein echtes modernes Abenteuer in der Tradition der großen Polarforscher des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Aber das Buch lässt einen auch nachdenklich und besorgt zurück, denn der Klimawandel scheint in Rex’ Aufzeichnungen mehr als offensichtlich…⠀

 

The Great Escape: Geschichten von der Seefahrt 1950-1970

Buchseite und Rezensionen zu 'The Great Escape: Geschichten von der Seefahrt 1950-1970' von Julia Dellith
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783862068272
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Rezensionen zu "The Great Escape: Geschichten von der Seefahrt 1950-1970"

  1. Tolle Seefahrts-Fotosammlung

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Dez 2020 

    Einblick in die Seefahrt aus vergangenen Zeiten wird einem in diesem Buch versprochen. Früher wurden junge Männer in die Ferne auf Abenteuer und Entdeckungsreisen gelockt, die auch die ein oder andere Gefahren bereithielten (Krankheiten, Piraten) - und all das soll in diesem Buch eingefangen worden sein.
    Und das Buch hält was es verspricht - eine wunderbare Fotosammlung der 1950-1970er Jahre über die Seefahrt, wie sie wohl kaum einer heute noch kennt. Die Autorin hat wirklich eine tolle Auswahl der Fotos getroffen, die Atmosphäre der damaligen Zeit/Abenteuer geht auf einen über.
    Das Buch regt zum Träumen an, über die große und weite Welt - insbesondere in Zeiten, wo das Reisen nicht so möglich ist, wie jetzt gerade.

    Die Auswahl des Textes finde ich hingegen nicht so gelungen - auf der einen Seite ist die Platzierung teilweise ungünstig gewählt, auf der anderen Seite hätte ich mir noch viel mehr Informationen gewünscht.

    Von mir gibt es für dieses Buch eine Empfehlung - für Leute mit Interesse an der Seefahrt wäre es auch eine tolle Geschenksidee.

 

Der Elternkompass:

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Elternkompass:' von Nicola Schmidt
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Elternkompass:"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783833875267
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Rezensionen zu "Der Elternkompass:"

  1. Unverzichtbarer Begleiter für alle Eltern

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Dez 2020 

    Die Autorin Nicola Schmidt ist keine Pädagogin und keine Psychologin, sondern Wissenschaftsjournalistin. Trotzdem ist sie mittlerweile eine der „radikalsten Denkerinnen der aktuellen Erziehungsdebatte“, wie ihr Verlag schreibt.
    Wie es dazu kam? Die Geburt ihres ersten Kindes stürzte die Wissenschaftlerin in tiefe Konflikte. Die Ratschläge, die sie von allen Seiten erhielt, waren widersprüchlich und passten so garnicht in ihre Vorstellungswelt. Da begann sie damit, was sie gelernt hatte, nämlich mit Recherchieren. Über 900 wissenschaftliche Studien zum Thema Erziehung hat sie gelesen und alles Wesentliche herausgefiltert, was wirklich gut und wichtig ist für eine geglückte Erziehung.
    Das Buch umfasst drei große Kapitel, die in einzelne Unterkapitel gegliedert werden. Es beginnt mit „ Schwangerschaft, Geburt und das neue Leben“, geht weiter mit „ Kleinkinder - Wenn das Leben laufen lernt“ und endet mit „Schulkindalter - Wie Kinder fürs Leben lernen“.
    Trotz der enormen Fülle an Fakten und Informationen liest sich das Buch leicht. Immer wieder finden sich am Rand , mit roter Schrift hervorgehoben, einzelne Sätze, die das Wesentliche des Abschnitts auf einen Punkt bringen, z.B. „ Wir sollten immer nur über das Verhalten eines Kindes urteilen, nie über seine Persönlichkeit.“
    Hin und wieder gibt es stichpunktartige „ Merkzettel“, wie z. B. „ Wie schläft das Baby nachts sicher?“ Das reicht von „ in einem Schlafsack“ bis „ rauchfrei“.
    Die Autorin macht den Eltern Mut, sich mehr auf ihr Bauchgefühl zu verlassen als auf die unterschiedlichen Empfehlungen und Mahnungen.
    Interessant ist auch immer wieder der Vergleich mit anderen Kulturen. Hier relativieren sich Gebote, die bei uns in Stein gemeißelt scheinen.
    „ Der Elternkompass“ ist ein faktenbasierter, keineswegs belehrender oder dogmatisierender Erziehungsratgeber. Er ist ein unverzichtbarer Begleiter, ein richtungsweisendes Nachschlagewerk für alle Eltern.
    Positiv hervorheben möchte ich noch den zukunftsweisenden Blick der Autorin. Sie möchte „ die Welt verändern, indem wir unsere Kinder anders erziehen.“
    Denn: „ Die Erziehung unserer Kinder wird die Gesellschaft unseres Jahrhunderts prägen.“

 

Virus: Die Wiederkehr der Seuchen

Buchseite und Rezensionen zu 'Virus: Die Wiederkehr der Seuchen' von Nathan Wolfe
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Virus: Die Wiederkehr der Seuchen"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:338
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Virus: Die Wiederkehr der Seuchen"

  1. Betrifft uns jetzt.

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Okt 2020 

    Wie abgebrüht muss man sein, um in dieser Pandemiezeit, die inzwischen alle Lebensbereiche beeinflusst und über die wir täglich in den Medien die neuesten Entwicklungen vernehmen, auch noch ein Sachbuch zu lesen, das sich mit Seuchen aller Art ausführlich beschäftigt? Nun ja, ziemlich!

    Aber so panne ist es nun auch wieder nicht. Die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel "The viral storm", 2012 dann auf deutsch und wurde jetzt im Juni 2020 vom Rowohlt Verlag, mit dem Rückentexthinweis auf Covid19 neu aufgelegt. Allerdings scheint nur der Umschlag einen neuen Anstrich bekommen zu haben, denn die Erzählungen brechen 2011 ab und es werden zwar erstaunlich gute Tipps für baldige zukünftige Pandemien gegeben, vieles scheint wie die Faust aufs Auge des Corona Virus aus 2019 zu passen, aber die aktuelle Lage wird nicht besprochen, das Virus hat sich nur namentlich aufs Cover verirrt.

    Zuerst gibt es eine kleine Lektion in Biologie. Bakterien, Pilze und Pflanzen besitzen Zellen und können sich selbständig vermehren, Viren und Prionen sind auf Wirtszellen angewiesen, damit sie einen ordentlichen Stammbaum bekommen. Viele sind harmlos, manche sind sogar von Vorteil, ein paar krankmachende Rüpel aber verderben allen den Ruf. Die zu entdecken und zu bekämpfen, ohne auf allen Ebenen tabula rasa zu machen, das ist Wissenschaft.

    Und die Wissenschaft musste sich anstrengen. Sie musste nicht nur im tiefsten Kongo schauen, welche Mikrobiome dort den Menschenaffen scheinbar verschonen, um dann beim Verzehr von Bushmeat beim Menschen gnadenlos zuzuschlagen, sie musste auch verstehen, was den Menschen so anfällig macht und was der Sapiens seitdem alles falsch macht.

    Denn seien wir mal ehrlich, Seuchen hat es schon früher gegeben und aus heutiger Sicht fällt es uns leicht, mit dem Finger auf die Fehler zu zeigen, die uns jetzt niemals mehr unterlaufen würden... wenn es denn so einfach wäre und wir ab sofort auf Urlaub, Sofortlieferungen, Familienzuwachs und vieles mehr verzichten würden. Unsere Welt ist hoffnungslos vernetzt, unsere Wirtschaft hängt wie Bandsalat zusammen, immer mehr Menschen drängen sich auf engstem Raum und der größte Teil der Bevölkerung wird abgehängt. Abgehängt von sauberen Trinkwasser, abgehängt von Hygienestandards und medizinischer Vorsorge und abghängt von regulären Märkten. So enstehen Brennpunkte, in denen Seuchen ausbrechen und mit immer schnellerem Tempo die ganze Welt umrunden können.

    Mit viel Sachverstand führt uns Wolfe durch die frühe Menschheitsgeschichte, klärt über Fachbegriffe auf, beschreibt, was er und seine Kollegen tun, damit Seuchen verstanden und eingedämmt werden können und macht Vorschläge, wie eine zukünftige, weil immer dringender werdende Arbeit der Länder und Behörden aussehen könnte. Aber ein Großteil des Buches befasst sich auch mit erstaunlichen Sidesteps, die mich auf den gut 300 Seiten bei Laune gehalten haben, zwar nur sekundär dem Thema geschuldet, aber für ein umfassendes Verständnis wirkungsvoll schienen.

    Natürlich wirbt der Virologe Nathan Wolfe zum Schluss für mehr Geld und Aufmerksamkeit in seinem Fachgebiet (vermutlich fließt das Geld seit diesem Jahr). Die Wichtigkeit für Mensch und Wirtschaft dürfte inzwischen jedem einleuchten, aber sein Vorschlag sämtliche Social Media Kanäle zu überwachen und so zukünftige Ausbruchsherde schneller identifizieren zu können, hat dann doch bei mir einen kleinen roten Alarmknopf anspringen lassen.

    Alles in allem aber ist es ein vernünftiges Buch von einem Fachmann, unaufgeregt, aber doch eindringlich und gänzlich ohne Verschwörungstheorien.

 

Fräulein Draußen

Buchseite und Rezensionen zu 'Fräulein Draußen' von Heckmann, Kathrin
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Fräulein Draußen"

Format:Broschiert
Seiten:256
Verlag:
EAN:9783864931055
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Rezensionen zu "Fräulein Draußen"

  1. Reiseführer oder Reisebericht? Letztlich zu unpersönlich.

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Jul 2020 

    Kurzmeinung: Aussteigerbücher müssen mich durch die Persönlichkeit überzeugen, die dahintersteht. Das Fräulein ist mir im Buch etwas zu zurückhaltend.

    Am Ende des eigentlichen Buches stellt Kathrin Heckmann unter der Überschrift „Zum Nachwandern“ die im Buch erzählten und im Leben erlebten Fernwanderwege vor, die sie gegangen ist. Das sind: die Uckermärker Landrunde in Brandenburg, der Nordseewanderweg in Dänemark, der South West Coast Path in England, der Amatola Trail in Südafrika, und der Bibbulmun Track in Westaustralien.

    Gerne hätte die geneigte Leserin ja etwas über die Buschtoilette erfahren, aber, niente. Auch Begegnungen mit den Leuten kommen zu kurz und man vermisst in den Erzählungen Fräulein Heckmanns Systematik. Weder sind ihre „Kurzgeschichten zum Wandern“ chronologisch geordnet, man weiß nie, in welchen Jahr sie unterwegs ist, noch sonst nach einem erkennbaren System. Und was dazwischen ist, zwischen den Reisen, weiß man auch nicht.

    Was man bekommt, sind unzusammenhängende Kurzgeschichten über Fernwanderungen des „Fräulein Draußen“. Diese sind sympathisch und eloquent geschrieben, entsprechen aber selten dem, was man erwartet hat.

    Was hat man erwartet? Was Persönliches. Man wollte das Fräulein kennenlernen.

    Man wollte mehr als zwei, drei Worte zu den Beweggründen, ein Leben im Draußen zu führen. Insoweit erwartete man sehr viel mehr als nur das, was auch in einem Wanderführer steht, aber weniger als das, was in einem Tierlexikon steht. Das heißt, weniger kalte Information und mehr Eindruck und Gefühl. Mehr Erzählung als Aufzählung. Mehr vom Fräulein. Das Draußen ging größtenteils in Ordnung. Obwohl.

    Das Fräulein ist nämlich außerordentlich belehrend was die Flora und Fauna angeht, in dem es unterwegs ist. Das ist durchaus manchmal interessant. Aber das Fräulein nimmt den Leser nur dann wirklich mit auf die Wanderschaft, insoweit es den persönlichen Bezug zu sich herstellt, zum Beispiel wie es lernt, über seine Insektenphobie hinwegzukommen oder seine Angst vor Bären überwindet.

    Die Kurzgeschichten/Trails stehen leider völlig verbindungslos hintereinander. Wie halt in einem Kurzgeschichtenbuch. Nie weiß man, was das Fräulein dazu bewogen hat, gerade hierhin oder dorthin zu marschieren und in welcher Reihenfolge ihr welche Ideen in den Kopf kamen. So sagt man ein ums andermal: Aha, anstatt Ahhh!

    Ein einziges Mal, beim Beschreiten und Abschreiten des Bibbulmun Track in Westaustralien kam das Wanderbuch dem nahe, was die geneigte Leserin in ihm gesucht hat. Aber kaum ließ die geneigte Leserin sich in die Erzählung ein, war sie schon zu Ende. Und die nächste begann.

    Fazit: Schade, dass Fräuleins Reisen so verkürzt daherkommen, durchsetzt mit Natur-Belehrungen, die zwar auch ins Buch gehören, aber viel feiner dosiert sein müssen, denn wenn die Leserin ein Tierlexikon durchlesen will, dann guckt sie in ein Tierlexikon. Man merkt halt, dass das Buch aus einem Blog kommt und nicht aus einem Guß ist.

    Kategorie: Reisebericht
    Verlag: Ullstein.Paperback, 2020.

 

Schach: Die Welt auf 64 Feldern

Buchseite und Rezensionen zu 'Schach: Die Welt auf 64 Feldern' von Mann, Christian
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Schach: Die Welt auf 64 Feldern"

Format:Taschenbuch
Seiten:128
Verlag:
EAN:9783406739705
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Rezensionen zu "Schach: Die Welt auf 64 Feldern"

  1. Tolles Buch über ein interessantes, unbekanntes Thema.

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Mai 2020 

    Der gewählte Untertitel „Die Welt auf 64 Feldern“ klingt schön, keine Frage, impliziert für mich aber einen anderen Inhalt. Treffender wäre mich „Die Welt des Schachsports“, denn darum geht es, nicht um Regeln und Strategien. Und eben deshalb habe ich das Buch so faszinierend gefunden und beinahe an einem einzigen Nachmittag gelesen.
    Zunächst behandelt das Buch die Geschichte des Schachs, wobei für meinen Geschmack der Teil „Ursprünge und Verbreitung“ etwas zu kurz geraten ist, aber das ist mein persönliches Interesse. Hauptsächlich wird die Zeit vom ersten Weltmeister bis zur Gegenwart thematisiert, wobei jeder einzelne der 16 Weltmeister kurz porträtiert wird, was ich sehr interessant gefunden habe. Denn jeder dieser hat einen ganz individuellen Charakter und eine eigene Geschichte.
    Weiters beschäftigt sich das Buch mit der Lebensweise und dem Denken der Schachspieler: Einkünfte, Training, Psychologie etc… Gerade dieser Aspekt war für mich unbekannt und entsprechend interessant. Und schließlich befasst sich das Buch noch mit der Bedeutung des Schachspiels in der Gesellschaft.
    Wer die Spielregeln kennenlernen möchte, kann dies auch, denn diese werden im Anhang kurz erläutert. Aber das Ziel dieses Buches ist es nicht, Regeln und Strategien zu vermitteln. Wer das sucht, ist hier fehl am Platz. Wer aber einfach einmal die Welt des Schachsports allgemein kennenlernen möchte, der sollte hier unbedingt zugreifen.
    Fazit: Sehr zu empfehlen.

 

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