Buchliste: Bücher, die in der Nazizeit spielen

In dieser Liste findest du Romane, die ganz in der Nazizeit spielen oder in denen die Zeit des Nationalsozialismus einen wichtigen Teil der Handlung ausmacht.
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    3
    3 von 5 (1 Bewertung)
  2. [title_1] von [field_author]
    4.4
    4.4 von 5 (5 Bewertungen)
    Inspiriert von der Geschichte einer realen Heldin, beleuchtet Martha Hall Kelly den Zweiten Weltkrieg aus einer neuen, weiblichen Perspektive. 1939: Die New Yorkerin Caroline Ferriday liebt ihr Leben. Ihre Stelle im Konsulat erfüllt sie, und ihr...
  3. [title_1] von [field_author]
    4
    4 von 5 (8 Bewertungen)
    Um seine Familie zu retten, muss sich der Jude Isaak Rubinstein in die Gestapo einschleusen und mitten unter Wölfen zum Spion werden ... Nürnberg 1942: Isaak Rubinstein, der ständig in Angst um seine Familie lebt, bittet eine Widerstandskämpferin um...
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    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
  5. [title_1] von [field_author]
    3
    3 von 5 (1 Bewertung)
    Oslo, 1942. Die Stadt ist von den Nazis besetzt. Die Jüdin Esther kämpft im Widerstand - bis sie verraten wird. In letzter Sekunde gelingt ihr die Flucht nach Schweden. Ihre Familie jedoch wird deportiert. In Stockholm trifft Esther den...
  6. [title_1] von [field_author]
    4
    4 von 5 (8 Bewertungen)
  7. [title_1] von [field_author]
    4.2
    4.2 von 5 (9 Bewertungen)
    Seine Stimme füllte Konzertsäle, betörte die Damenwelt, eroberte in Deutschland, Europa, Amerika ein Millionenpublikum. Joseph Schmidt, Sohn orthodoxer Juden aus Czernowitz, hat es weit gebracht. 1942 aber gelten Kunst und Ruhm nichts mehr. Auf der...
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    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
  9. [title_1] von [field_author]
    4.5
    4.5 von 5 (8 Bewertungen)
    Siena, 1942. Der zwölfjährige Lorenzo soll den Krieg bei seinem Großvater und seiner Tante überstehen. Noch ist es in der Toskana friedlich. Auf den weiten Plätzen der verwinkelten Stadt freundet er sich mit Franco an, der seine glühende Verehrung...
  10. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
    Gebundenes Buch"Effingers" ist ein Familienroman - eine Chronik der Familie Effinger über vier Generationen hinweg. Außer dass sie Juden sind, unterscheidet sich ihr Schicksal in nichts von dem anderer gutsituierter gebildeter Bürger im Berlin der...
  11. [title_1] von [field_author]
    4.35
    4.4 von 5 (3 Bewertungen)
    Boschwitz, Ulrich Alexander: Der Reisende, Roman, Nachwort: Peter Graf, Frankfurt/Main, Büchergilde Gutenberg 2018, 303 S., OLwd., sehr gut erhalten
  12. [title_1] von [field_author]
    4.5
    4.5 von 5 (2 Bewertungen)
    »Jahrelang bin ich vor meiner Geschichte davongelaufen. Dann erfand ich sie neu.« Für den Roman seiner Familie hat der Schauspieler Christian Berkel seinen Wurzeln nachgespürt. Er hat Archive besucht, Briefwechsel gelesen und Reisen unternommen....
  13. [title_1] von [field_author]
    4
    4 von 5 (3 Bewertungen)
    Broschiertes BuchNach dem großen Bestseller-Erfolg von "Bella Germania" jetzt endlich der neue Roman von Daniel Speck! Was, wenn deine Familie in Wahrheit eine andere ist?Ein sonniger Herbsttag auf Sizilien. Schatztaucher ziehen ein altes Flugzeug...
  14. [title_1] von [field_author]
    4.5
    4.5 von 5 (4 Bewertungen)
    Frankfurt 1963. Eva, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger...
  15. [title_1] von [field_author]
    4.85
    4.9 von 5 (7 Bewertungen)
    Deutschland, 1902. Mathis ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, sein Leben zwischen Äckern und Feldern scheint vorherbestimmt. Erst als der Jahrmarkt im Dorf Einzug hält, bekommt Mathis eine Ahnung von der großen, weiten Welt jenseits der...
  16. [title_1] von [field_author]
    4.25
    4.3 von 5 (4 Bewertungen)
    Das vornehme Ostseebad Zoppot bei Danzig in den 1920er Jahren. Hier herrschen überschäumende Lebenslust und unbeschwerte Sommerfrische. Die vier Freunde Lore, Gundi, Julius und Erik erfreuen die Kurgäste mit flotten Rhythmen und eingängigen Melodien...
  17. [title_1] von [field_author]
    4
    4 von 5 (2 Bewertungen)
    Nach dem dringlich herbeigesehnten Ende des Krieges besetzen die sowjetischen Truppen das Land. Viele Gutsfamilien verlassen ihre Heimat und ziehen in den Westen. Auch Gebhards Brüder und seine Mutter. Er jedoch kann sich einfach nicht dazu...
  18. [title_1] von [field_author]
    3.5
    3.5 von 5 (2 Bewertungen)
  19. [title_1] von [field_author]
    4
    4 von 5 (1 Bewertung)
    Schuld und Verrat, Mut und Widerstand Amsterdam ist von den Nazis besetzt. Hanneke verbringt ihre Tage damit, Schwarzmarktgüter zu beschaffen, ihre Abende damit, ihren besorgten Eltern genau das zu verheimlichen, und jede wache Minute damit, um...
  20. [title_1] von [field_author]
    4
    4 von 5 (1 Bewertung)
    Gebundenes BuchVeit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass...
  21. [title_1] von [field_author]
    4.75
    4.8 von 5 (4 Bewertungen)
    1944. Kathrin Mändler tritt eine Stelle als Krankenschwester an und meint, endlich ihren Platz im Leben gefunden zu haben. Als die junge Frau kurz darauf dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, fühlt sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen...
  22. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
    Gebundenes Buch1939 muss die elfjährige Hannah mit ihrer Familie aus Berlin fliehen, denn sie ist Jüdin. Ein Schiff soll sie nach Kuba bringen, doch nur die Wenigsten dürfen die St. Louis dort verlassen. Auch Hannahs Familie wird auseinandergerissen...
  23. [title_1] von [field_author]
    4.75
    4.8 von 5 (4 Bewertungen)
    Zwei Schwestern im besetzten Frankreich: Vianne, die Ältere, muss ihren Mann in den Krieg ziehen lassen und wird im Kampf um das Überleben ihrer kleinen Tochter vor furchtbare Entscheidungen gestellt. Die jüngere Isabelle schließt sich indes der...
  24. [title_1] von [field_author]
    4.5
    4.5 von 5 (2 Bewertungen)
    Frankfurt, 1938: Als Sängerin darf die Jüdin Anni nicht mehr auftreten. Nur mit Mühe kann sie für sich und ihre kleine Tochter Ruth sorgen. Die Angst vor dem NS-Regime wird immer größer, aber all ihre Bemühungen, gemeinsam auszureisen, scheitern....
  25. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
    Zwei Brüder aus Riga machen Karriere: erst in Nazideutschland, dann als Spione der jungen Bundesrepublik. Die Jüdin Ev ist mal des einen, mal des anderen Geliebte. In der leidenschaftlichen Ménage à trois tun sich moralische Abgründe auf, die zu...
  26. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
    Anfang 1945, Berlin steht in Flammen. Doch die UFA dreht einen Film über den Tag, an dem der Führer mit seinem Volk den Sieg feiern wird. Ein Motorrad saust durch schöne Kulissen, der Vater zeigt seinem Sohn, wofür er in Russland gekämpft hat. Noch...
  27. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (4 Bewertungen)
    »Das ist mein ganzes Leben« – mit diesen Worten übergibt Charlotte einem Vertrauten 1942 einen Koffer voller Bilder. Sie erzählen ihre viel zu kurze Geschichte: von der Kindheit im Berlin der 20 Jahre, dem frühen Tod der Mutter, dem Zugang zu...
  28. [title_1] von [field_author]
    3.65
    3.7 von 5 (3 Bewertungen)
    Die Diktatur im Pausenmodus: Stadt und Spiele im Sommer 1936 Im Sommer 1936 steht Berlin ganz im Zeichen der Olympischen Spiele. Zehntausende strömen in die deutsche Hauptstadt, die die Nationalsozialisten in diesen sechzehn Tagen als weltoffene...
  29. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (2 Bewertungen)
    Einst war er der »Große Zabbatini«, der 1939 in Berlin als Bühnenzauberer Erfolge feierte, heute ist er ein mürrischer alter Mann in Los Angeles, der den Glauben an die Magie des Lebens verloren hat. Bis ihn ein kleiner Junge aufsucht, der mit...
  30. [title_1] von [field_author]
    NAN
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    Wie weit geht eine Mutter, um ihre Kinder zu retten? Wie weit geht eine Tochter, um ihren Vater zu rächen? Wie kann eine tiefe, alles verzehrende Liebe die Generationen überdauern und alte Wunden heilen? Als sich die junge Felicity auf die Suche...
  31. [title_1] von [field_author]
    NAN
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    London 2011. Die junge Läuferin Jennifer will an den Olympischen Spielen teilnehmen. Jetzt aber drohen Panikattacken ihren Traum zu gefährden. Mit ihrem Trainer, dem Iren Gregory, der sie heimlich liebt, reist Jennifer nach Mandeville, auf den...
  32. [title_1] von [field_author]
    4
    4 von 5 (1 Bewertung)
    Broschiertes BuchWarschau 1939. Mika liebt seinen Großvater Jakob sehr. Gemeinsam lebt die Familie im Ghetto. Als Jakob stirbt, erbt Mika dessen geheimnisvollen Mantel und entdeckt darin eine Puppe. Jakob hatte sie gebastelt, ebenso wie das Krokodil...
  33. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
    Hermine ist sicher die eigensinnigste, lebenslustigste Frau im Dorf, als sie, verrückt vor Liebe, an einem Tag im Mai ihren Karl heiratet. Ewige Treue schwört sie ihm bis in den Tod und darüber hinaus. Karls Einberufung in die Wehrmacht zerstört die...
  34. [title_1] von [field_author]
    3.65
    3.7 von 5 (3 Bewertungen)
    Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in...
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    5
    5 von 5 (3 Bewertungen)
    „Einer der eindrucksvollsten Romane der dreißiger Jahre.“ Klaus Harpprecht Poetisch und berührend erzählt Anna Gmeyner die Geschichte von fünf Kindern, die in derselben Nacht im Frühjahr 1920 gezeugt werden, aber in ganz unterschiedlichen Milieus...
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    5 von 5 (1 Bewertung)
  37. [title_1] von [field_author]
    NAN
    (0 Bewertungen)
    Adam Cohen ist 1938 achtzehn Jahre alt. Edward Cohen wird um das Jahr 2000 erwachsen. Zwei Generationen trennen sie – aber eine Geschichte vereint sie. Von der Macht der Familienbande und der Kraft von Wahlverwandtschaften erzählt dieser Roman und...
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    NAN
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    Auf einem Passagierdampfer, auf der Passage von New York nach Buenos Aires, kommt es zu einer außergewöhnlichen Konfrontation: Der amtierende Schachweltmeister Mirko Czentovic, ein derber, unsensibler Mensch, dessen Inselbegabung für Schach alleine...
  39. [title_1] von [field_author]
    NAN
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    Frankreich, August 1940: Der junge amerikanische Journalist Varian Fry erhält vom Emergency Rescue Committee in Marseille den Auftrag, 200 verfolgten Künstlern die Ausreise in die USA zu ermöglichen. Die Arbeit Frys ist illegal und brandgefährlich,...
  40. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
    November 1938: Der jüdische Kaufmann Richard Graubart wird in seinem Haus von einem Rollkommando der SS ermordet. Seine Familie wird nach Wien ausgewiesen, von dort wird ihr - wie Graubarts Bruder Siegfried, einem führenden Mitglied der...
  41. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
    Ein einzigartiges Panorama des Berliner Lebens in der Nazizeit: Hans Falladas eindringliche Darstellung des Widerstands der kleinen Leute avancierte rund 60 Jahre nach ihrer Entstehung zum überragenden Publikumserfolg in Deutschland und der Welt....
  42. [title_1] von [field_author]
    NAN
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    Was hält Menschen am Leben, die alles verloren haben? Gibt es für sie eine Heimkehr in ihr Leben vor dem Schrecken? Stefanie Zweig erzählt die Geschichte der Frankfurter Familie Sternberg von 1941 bis 1948. Mit großer Menschlichkeit und...
  43. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
    Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er … und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ein Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder. Die fast kriminalistische Erforschung...
  44. [title_1] von [field_author]
    NAN
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    Molching bei München. Hans und Rosa Hubermann nehmen die kleine Liesel Meminger bei sich auf - für eine bescheidene Beihilfe, die ihnen die ersten Kriegsjahre kaum erträglicher macht. Für Liesel jedoch bricht eine Zeit voller Hoffnung, voll schieren...
  45. [title_1] von [field_author]
    5
    5 von 5 (1 Bewertung)
    2009 Deutschland; Junge Frau; Lebensbewältigung; Resignation; Geschichte 1910-1945; Belletristische Darstellung; Sachgruppe(n) 830 Deutsche Literatur; B Belletristik [WieNeu, ohne Mängel, als Geschenk geeignet 830 Deutsche Literatur ]
  46. [title_1] von [field_author]
    NAN
    (0 Bewertungen)
    »In einer kleinen Stadt an der Ostsee treffen zufällig sechs Gestalten zusammen: ›Der Junge‹; Gregor, der KPD-Funktionär; Judith, die Jüdin; am Ort selbst befinden sich der Pfarrer Helander; Knudsen, der Fischer und Kutterbesitzer; als letzter die...
  47. [title_1] von [field_author]
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    5 von 5 (1 Bewertung)
    Eine großangelegte Familien-Saga, ein exemplarischer Zeitroman. Ralph Giordano formt einen bisher wenig beachteten Stoff episch aus: Er erzählt vom Schicksal sogenannter "jüdischer Mischlinge" in den Jahren der nationalsozialistischen...

Manja: Ein Roman um fünf Kinder

Buchseite und Rezensionen zu 'Manja: Ein Roman um fünf Kinder' von Anna Gmeyner
5
5 von 5 (3 Bewertungen)

„Einer der eindrucksvollsten Romane der dreißiger Jahre.“ Klaus Harpprecht Poetisch und berührend erzählt Anna Gmeyner die Geschichte von fünf Kindern, die in derselben Nacht im Frühjahr 1920 gezeugt werden, aber in ganz unterschiedlichen Milieus aufwachsen. Eigentlich trennen sie Welten, und dennoch sind sie Freunde geworden, verbunden durch eine innige Zuneigung zu Manja – dem Mädchen aus armen ostjüdischen Verhältnissen. Für diese Freundschaft müssen sie immer wieder kämpfen: zu Hause, in der Schule und in ihrer Freizeit. Doch letztlich bleiben sie Gefangene ihrer Zeit, an der Manja zerbricht und mit ihr die Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:544
Verlag: Aufbau Verlag
EAN:9783351034153
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Rezensionen zu "Manja: Ein Roman um fünf Kinder"

  1. Eine berührende Geschichte um fünf Kinder

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Sep 2016 

    Prolog - das Ende (1934)
    Vier Kinder warten auf Manja - Karl, Franz, Heini und Harry. Sie sitzen auf einer Mauer, ihrem geheimen Treffpunkt und warten auf ihre Freundin, die sie alle verbindet und die den Kern ihrer seltsamen Gemeinschaft bildet. Ohne Manja ist ihre Freundschaft zerbrechlich und wird die schwierige Zeit nicht überdauern.

    Inhalt
    Im ersten Teil wird zunächst erzählt, unter welchen Umständen die fünf Kinder gezeugt werden - alle in der gleichen Nacht im Jahre 1922 - und wer ihre Eltern sind.

    Heini Heidemanns Vater Ernst Heidemann ist ein Kriegsheimkehrer und Arzt, der auf dem Schlachtfeld einen Lungenschuss erlitten hat. Fast möchte er aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit seine Geliebte Hanna Heidemann verlassen, die darüber tief unglücklich ist. Doch auf dem Weg zum Bahnhof kehrt er um, und die beiden feiern eine glückliche Vereinigung. Ihre liebevolle Zuneigung überdauert die Zeit und Heini wächst in einem humanistischen Elternhaus auf, sich der Liebe der Eltern gewiss. Als Ernst im Krankenhaus aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung einen Zusammenbruch erleidet, bittet Hanna den reichen Bankier Hartung um Geld für den Aufenthalt in einem Luftkurort. Hartung gerührt von solch einer Liebe gewährt ihr eine großzügige Summe. Im Gegenzug verlangt er allerdings, dass Hanna nach der Genesung ihres Mannes Heini zu seinem Sohn Harry mitbringt, so lernen sich die beiden Jungen kennen.

    Harry Hartung ist ein zartes Kind, dessen Mutter Hilde ihrer Aufgabe nur unzureichend nachkommen kann. Sie liebt ihren geschäftstüchtigen Ehemann, den Kommerzienrat Max Hartung nicht, hat regelrecht Angst vor ihm, genau wie Harry, der keine Beziehung zu seinem strengen Vater aufbauen kann. Hartung ist ein assimilierter Jude, der im Namen der nationalen Sache illegal mit Waffen handelt und gut dabei verdient . So gut, dass er das Anwesen Bucheneck des mittellosen Adligen Adrian erwirbt, in den sich wiederum seine Frau verliebt. Hartungs Portier in der Bank ist der faschistische Meißner, mit dessen Sohn Franz sich Harry anfreundet.

    Franz Meißners Zeugung offenbart das ganze Elend einer unglücklichen, in ärmlichen Verhältnissen lebenden Familie, in der Frieda Meißner ebenfalls Angst vor ihrem zornigen Ehemann Anton hat. So hält sie in dieser einen Nacht still und wehrt die Annäherungsversuche ihres Mannes nicht ab, obwohl sie es gerne würde. Meißner, der seine vorherige Stellung verloren hat, hasst seine Portierstätigkeit beim reichen "Juden" und verachtet die Roten. Nichtsdestotrotz freundet sich sein Sohn mit dem Klassenkameraden Karl an, dessen Vater ein Kommunist ist.

    Karl Müller stammt genau wie Franz aus ärmlichen Verhältnissen, aufgrund seiner kommunistischen Einstellung ist sein Vater Eduard ständig arbeitslos und seine Mutter verdingt sich als Wäscherin. Doch im Gegensatz zu den Meißners herrscht ein liebevoller Umgang in der Familie. Anna Müller ist im Gegensatz zu Frieda eine zupackende, warmherzige Frau, die ihrem Mann zur Seite steht und sich im Krankenhaus der kleinen Manja annimmt, da deren Mutter zu wenig Milch hat.

    Manja wird gezeugt von zwei Menschen, die sich in einer verzweifelten Nacht aneinander klammern. Doch während die Ostjüdin Lea, Manjas Mutter, am Leben bleibt, erschießt sich Manjas Vater, da er den Bildern des Krieges nicht entkommen kann. In ihrer Verzweiflung heiratet Manjas Mutter den polnischen und jüdischen Kaufmann Leo Meirowitz, der schon lange um ihre Hand anhält. Gemeinsam ziehen sie nach Berlin. Als Leo, der ahnt, dass Manja nicht seine Tochter ist, Gewissheit erhält, verlässt er Lea mit ihren drei Kindern, die daraufhin in das gleiche Haus zieht, in dem auch die Müllers leben. Aber Lea hat nichts von Annas zupackender Art, so muss Manja mit für ihre Mutter und ihre Geschwister sorgen.

    Manja lernt Karl beim Einzug kennen und über ihn auch die anderen drei Jungen. Fortan treffen sie sich immer mittwochs und samstags an der Mauer und verbringen gemeinsam unbeschwerte Stunden der Kindheit. Nur an diesem Ort können sie unabhängig von ihrem sozialen und politischen Umfeld, Freunde sein, füreinander da sein und ihre Träume ausleben.

    Doch ihre gemeinsame Zeit erfährt eine Bedrohung durch den aufkommenden Nationalsozialismus, der die Lebensbedingungen der Kinder und deren Familien grundlegend verändert. Während Kommerzienrat Hartung sich Anfeindungen und Schikanen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ausgesetzt sieht, ist diese für den Faschisten Anton Meißner das Sprungbrett für den Aufstieg aus seinem bisherigen sozialen Milieu. Nun kann er sich ein Dienstmädchen leisten und eifrig sammelt er Material gegen Hartung und Heidemann, der ihm mit seiner humanistischen Haltung ein Dorn im Auge ist. Karls Vater hingegen wird als Kommunist verhaftet, während Manja als Ostjüdin ebenfalls den Schmähungen ausgesetzt ist. Die Freundschaft der Kinder wird auf eine harte Probe gestellt. Plötzlich stehen sie auf verschiedenen Seiten, Franz, der im Jungvolk ist, der Viertel-Jude Harry, Karl und Heini, die Manja beide heiraten möchten, sie alle werden noch von ihr zusammen gehalten. Aber wie lange können die Kinder die sozialen und politischen Umstände ausblenden?
    Die Lage eskaliert, als ein Schulkamerad von Franz und Karl, Martin mit zum geheimen Treffpunkt der Freunde will. Er ist von Manja angetan, doch sie weist ihn zurück. Etwas, dass Martin nicht ertragen kann und so startet er einen erneuten Anlauf und passt Manja eines Abends ab - mit fatalen Folgen für das junge Mädchen und die Freundschaft der Kinder.

    Bewertung
    Obwohl es so viele Romane gegen das Vergessen gibt, auch aus der Anfangszeit des Nationalsozialismus, bietet dieser einen tiefen Einblick in das Alltagsleben ganz unterschiedlicher Familien, die den Kommunismus und den Faschismus, aber auch eine humanistische, pazifistische Einstellung repräsentieren. Obwohl die Familien und deren einzelnen Mitglieder so verschieden sind: arm und reich, gebildet und sozial benachteiligt, naiv und weltgewandt, überwinden die fünf Kinder in ihrer Unschuld all diese Gegensätze und knüpfen unbeeindruckt von den Erwachsenen ihr Band der Freundschaft. Bis diese Unschuld angegriffen wird und auch sie in dieser unmenschlichen Zeit kapitulieren muss.

    Anja Gmeyner gelingt ein sensibel gezeichnetes Bild der Kinder, ihrer Familien und der tiefgreifenden Veränderungen, die sich aufgrund der politischen Verhältnisse und des staatliche verordneten Antisemitismus ergeben.
    Dabei bedient sie sich einer bilderreichen, fast schon poetischen Sprache, die vor allem die Zwischentöne in den vielen Gesprächen innerhalb des Romans beleuchtet. Ihr Affinität zum Bildbereich der Musik ist dabei unüberhörbar. Getragen wird das Hörbuch von der wunderbaren Vorleserin Iris Berben, die die Ungeheuerlichkeiten der Ereignisse mit ihrer Stimme unterstreicht.

    Ein wichtiger Roman, der glücklicherweise wieder entdeckt worden ist, und hoffentlich noch viele Leser/innen oder Zuhörer/innen erreichen kann.

  1. Eindrucksvoll, poetisch, berührend, aktuell ...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Mai 2016 

    Ein Roman über fünf Kinder und ihre ganz besondere Freundschaft. Die Geschichte spielt zu einer Zeit, in der sich Deutschland für den Nationalsozialismus und gegen Vernunft und Menschlichkeit entschieden hat. Dadurch weist dieser eindrucksvolle Roman erschreckend viele Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft auf.

    Worum geht es in diesem Roman?
    Poetisch und berührend erzählt Anna Gmeyner die Geschichte von fünf Kindern, die in derselben Nacht im Frühjahr 1920 gezeugt werden, aber in ganz unterschiedlichen Milieus aufwachsen. Eigentlich trennen sie Welten, und dennoch sind sie zu Freunden geworden, verbunden durch eine innige Zuneigung zu Manja – dem Mädchen aus armen ostjüdischen Verhältnissen. Für ihre Freundschaft nehmen die fünf Konflikte in Kauf, mit den Eltern, der Schule, der Hitlerjugend. Letztlich aber bleiben sie Gefangene ihrer Zeit, an der Manja tragisch zerbricht und mit ihr die Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft. (Quelle: Aufbau Verlag)

    Die fünf Kinder, deren Geschichte hier erzählt wird, kommen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Doch für Kinder spielt so etwas keine Rolle - zumindest, wenn die Kinder klein sind. Da interessiert nicht, was der Vater von Beruf ist oder welcher Religion man angehört. Mit den fünf Familien präsentiert die Autorin Anna Gmeyner einen Querschnitt durch die deutsche Gesellschaft in der Zeit vor dem Dritten Reich.

    "Trommeln, gellende Rufe, Sprechchor, Blasinstrumente, Fahnen und Stiefel, Stiefel über das ganze Land. Bricht ein Krieg aus, oder feiert man einen seltsamen Karneval? Männer und Frauen werfen sich aus der abgelaufenen Spur ihres Lebens in den Tumult dieser Nacht. Arme sollen reich werden, Müde kräftig, vertrocknete Weiber begehrt. Blinde werden sehen und Lahme gehen. Alles wird anders, nichts ist vorüber. Jahrmarkt und Erlösung. Sie jubeln und winken. 'Heil Hitler! Juda verrecke! Deutschland ist erwacht!'" (S. 255)

    Die Familien
    Familie Müller - linksorientiert, aus dem Arbeitermilieu. Der Vater setzt sich für die Rechte der Arbeiter ein und wird aufgrund seiner "falschen" politischen Gesinnung im Nazi-Deutschland verfolgt.
    Familie Meissner - spießig und kleinbürgerlich. Der Vater ist ein Neider und Opportunist. Er missgönnt seinen besser gestellten Zeitgenossen ihren Wohlstand, biedert sich aber gern an und buhlt um deren Anerkennung. Für ihn kommt der Nationalsozialismus gerade recht. Verlierer werden zu Gewinnern. Und er ist somit bei der Machtverteilung der Nazis ganz vorne dabei. Endlich kann er Rache nehmen für die vermeintliche Ungerechtigkeit, die er in seinem bisherigen Leben erdulden musste.
    Familie Hartung - wohlhabend, mächtig und angesehen, jüdisch. Kommerzienrat Hartung hatte bisher ein Händchen, wenn es um Geldangelegenheiten ging. Kaum ein Geschäft, bei dem er nicht mitgemischt und verdient hat. Die Familie ist jüdischer Abstammung. Aber Jude scheint nicht gleich Jude zu sein. Herr Hartung unterstützt die arische Bewegung und ihre Rassengesetze. Denn er sieht sich nicht als Jude - dafür ist er zu einflussreich und wohlhabend. Die Juden, das sind die Anderen. Ein fataler Irrtum, wie sich für ihn herausstellen wird.
    Familie Heidemann - intellektuell und humanistisch. Ernst Heidemann ist Arzt und Menschenfreund. Herkunft, politische und religiöse Gesinnung eines Menschen sind ihm egal. Gewalt ist ihm zuwider. Er setzt sich bedingungslos für jene ein, die Hilfe brauchen. Dabei ist er kein mutiger Mensch. Aber sein Gerechtigkeitsempfinden lässt es nicht zu, sich von der politischen Rechtsbewegung in Deutschland vereinnahmen zu lassen. Dadurch bringt er sich und seine Familie in Gefahr. Denn die Nazis lassen keine anders Denkenden zu.
    Manjas Familie - ostjüdisch, arm, die Mutter alleinerziehend. Manja muss die Erwachsenenrolle in ihrer Familie übernehmen. Sie kümmert sich um ihre jüngeren Brüder .... und um ihre Mutter. Denn Lea Meirowitz ist psychisch labil und trinkt. Als jüdische alleinerziehende Mutter ist sie der Willkür der von Männern dominierten Gesellschaft ausgeliefert. Sie droht, an der Verantwortung für ihre Familie zu zerbrechen.

    "Wenn man ihn gefragt hätte, warum er sich der Gefahr der Entdeckung und der Grausamkeit von Strafen aussetze, um zweimal in der Woche an der Mauer, wie seine neuen Freunde sich ausgedrückt hätten, den Sohn eines Schiebers und eines Kulturbolschewisten, eine schmierige kleine Ostjüdin und seinen roten Schulkameraden zu treffen, hätte er darauf keine Antwort gewusst. Eine ihm sonst unbekannte Treue zwang ihn, daran festzuhalten. In der Kameradschaft der Hitlerjungen, die seine sonstige freie Zeit füllte und seinen Sprachschatz mit neuen Worten, blieb der Raum, den diese Abende einnahmen, unbesetzt, und die Zärtlichkeit, die er für Manja wie für keinen anderen Menschen fühlte, war wie eine kleine Insel, über die, ohne sie zu zerstören, die neuen Worte hinspritzten." (S. 362)

    Wenn ich auf das Cover des Buches blicke und dieses kleine Mädchen mit ihrem unbeschwerten Lachen betrachte, sehe ich tatsächlich Manja vor mir. Ihre Unbeschwertheit ist ihre Stärke. Trotz aller Sorgen zuhause und der Verantwortung, die sie von der Mutter aufgebürdet bekommt, schafft sie es, sich ihre Kindlichkeit zu bewahren. Sie ist ein Sonnenschein, voller Fantasie und Träumen. Ihre Begeisterung für das Leben hat etwas Ansteckendes. Mit ihrem Elan reißt sie ihre Freund mit, die sie nahezu anbeten. Es macht Spaß, die fünf Freunde in ihrer Kindlichkeit und Unbeschwertheit zu erleben. Man möchte ihnen ewig beim Spielen in ihrer kleinen idyllischen Welt zusehen und wünscht sich so sehr, dass hier Freundschaften entstanden sind, die ein Leben lang andauern werden. Man ahnt jedoch, dass dieses Glück nicht von Dauer ist.

    Die Kinder haben ein gemeinsames Versteck - "die Mauer". Hier haben sie sich eine eigene sichere Welt geschaffen, in der Erwachsene keinen Zugang haben und das, was in der Gesellschaft passiert, keine Rolle spielt. Ihre Freundschaft liefert ihnen die Kraft, mit dem Alltag zurechtzukommen. Denn jedes der Kinder hat seine Sorgen, ob es nun die Angst vor dem überstrengen und brutalen Vater ist, ... oder die Suche nach Anerkennung bei dem Vater, der sich lieber einen anderen Sohn gewünscht hätte, ... oder die Angst um den verschleppten Vater ... oder einfach das Problem, jüdisch zu sein.

    Die Geschichte um Manja und ihre Freunde hat mich sehr betroffen gemacht. Anfangs genießt man die Unbeschwertheit der Kinder. Mit der Zeit wird diese jedoch durch die braune Stimmung in der Gesellschaft überschattet. Man spürt, dass sich Schreckliches anbahnt und die Kinder nur noch als Verlierer aus ihrem Alltagskampf hervorgehen können. Die Entwicklung der damaligen Gesellschaft weist erschreckend viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit auf. Damals wie heute braucht es nur ein paar, die das "braune" Gedankengut verbreiten, und damals wie heute gibt es leider zuviele Dumme, die sich von diesem Gedankengut vereinnahmen lassen.

    "'Wir schwören, dass wir uns nie verlassen', sagte Manja. 'Wir sind nicht allein, wir sind fünf. Wir schwören, dass wir nicht auseinandergehen, auch wenn wir groß sind, auch wenn etwas geschieht, auch wenn alles anders wird, auch wenn es die Großen haben wollen.' Sie zögerte einen Augenblick, suchte nach Worten. 'Wir schwören, dass wir uns helfen werden, mehr als allen anderen Menschen, dass nichts, nichts und nichts uns auseinanderbringt, wir schwören ...', schloss sie leise mit der sinnlosen, ewigen Formel aller Eide, 'dass alles immer so bleiben wird wie jetzt.'" (S. 248)

    Die Sprache von Anna Gmeyner ist sehr kontrastreich. Sie wirkt fantasievoll und bildhaft. Und doch gibt es ganze Textpassagen, in der Anna Gmeyner dazu übergeht, mit Teilsätzen und Aufzählungen zu arbeiten, die den Lesefluss zum Stocken bringen. Dies wirkt oft verstörend und macht sprach- und atemlos, wird jedoch den traurigen und bedrückenden Passagen in diesem Roman mehr als gerecht.

    Fazit:
    Anhand der Geschichte von 5 Familien unterschiedlicher sozialer Herkunft präsentiert Anna Gmeyner einen eindrucksvollen Querschnitt durch die Gesellschaft in der Zeit vor dem Dritten Reich. Die hier erzählte Geschichte hat leider nichts an Aktualität eingebüßt. Selten hat mich in letzter Zeit ein Buch so tief berührt wie dieses. Klare Leseempfehlung!

    © Renie

  1. Eindringlich und poetisch - ein Buch, das unter die Haut geht...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Dez 2015 

    Eines der wichtigsten Werke der Exilliteratur erzählt so berührend wie poetisch die Geschichte von fünf Kindern, die 1920 in derselben Nacht gezeugt werden, aber in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen aufwachsen. Die fünf verbindet eine innige Freundschaft, die aufgrund der politischen Ansichten ihrer Eltern in Feindschaft umzuschlagen droht. Heini, Franz, Harry, Karl und Manja sind in derselben Stadt geboren und leben doch in unterschiedlichen Welten. Die Väter der Jungen sind ein klassenbewusster Arbeiter, ein kleinbürgerlicher Faschist, ein liberal-intellektueller Arzt und ein großbürgerlich-jüdischer Kommerzienrat. Manja, deren Mutter aus armen ostjüdischen Verhältnissen stammt, steht im Zentrum der Freundschaft: Die Zuneigung zu ihr bestärkt die vier, Konflikte in Kauf zu nehmen - mit den Eltern, der Schule, der Hitlerjugend. Letztlich aber bleiben die fünf Gefangene ihrer Zeit, an der Manja tragisch zerbricht und mit ihr die Hoffnung der Jungen auf eine menschenwürdige Zukunft.

    Dieses Buch gehört zu denjenigen, bei denen mir das Verfassen einer Rezension nicht leicht fällt. Zu groß der Eindruck, den das Geschriebene hinterlassen hat, zu gewaltig das Werk, als dass eine Rezension dem wirklich gerecht werden könnte. Und doch will ich versuchen zu vermitteln, weshalb dies ein Buch ist, das unbedingt entdeckt werden will, sollte, muss.

    Von Anfang an schafft Anna Gmeyner hier das Verbindende zwischen den Familien, um deren Kinder es hier geht - die Nacht der Zeugung ist es, mit der dieser Roman beginnt. Und schon hier wird deutlich, wes Geistes Kind die verschiedenen Eltern sind und ob die Kinder zukünftig in einem liebevollen oder aber in einem strengen und angstbesetzten Zuhause aufwachsen werden. Von einem Liebesakt bis hin zur Vergewaltigung reicht das Spektrum der Zeugung - und hier ahnt noch niemand, wie eng das Leben der dabei entstandenen Kinder einmal miteinander verknüpft sein wird.

    1920 ist das Jahr, in dem die Kinder gezeugt werden - und so wachsen sie aus der Weimarer Republik nach Kriegsende langsam in den Nationalsozialismus hinein, wobei der Leser die Möglichkeit erhält, sie vierzehn Jahre lang auf diesem Weg zu begleiten.

    "Nach dem Krieg, verstehst du, als wir wiederkamen, da habe ich geglaubt, was man da erlebt hat, was keiner überlebt hat, das wird nie wiederkommen, das war das letzte Mal (...) eine Zeit sah es aus, als ob das Land anders geworden wäre, weiter, menschlicher. Stimmt nicht. (...) Und jetzt, langsam, von allem Seiten schleicht sich´s wieder ein..."

    Vier Jungen und ein Mädchen - und eine große, tiefe Freundschaft, trotz aller Unterschiede, das ist es, was die fünf Kinder auszeichnet. Anna Gmeyner gelingt es hier gekonnt, gleichzeitig das Trennende und das Verbindende der Einzelschicksale zu präsentieren und dabei einen Einblick in einen Querschnitt der gesellschaftlichen Schichten zu gewähren.

    Heini Heidemann ist der Sohn einer bildungsbürgerlichen, humanistisch gesinnten Arztfamilie und wächst liebevoll und ohne Vorurteile auf. Karli Müller ist das Kind einer Arbeiterfamilie, der Vater aktiver Kommunist und frühzeitig inhaftiert, die Mutter hält die Familie mit viel Energie und Arbeitsamkeit zusammen. Harry ist der Sohn des jüdischen Großindustriellen Hartung und wächst in wohlhabenden Verhältnissen auf, jedoch einsam und ohne die Liebe seiner Eltern. Franz Meißner wächst in einer kleinbürgerlichen Familie auf, in der alle unter dem patriarchalischen und gewaltbereiten Vater leiden, der frühzeitig auf den Zug des Nationalsozialismus aufspringt und so einen sozialen Aufstieg erfährt, der sonst nicht möglich gewesen wäre. Manja schließlich ist das Kind einer ostjüdischen Mutter, alleinerziehend, mittellos und lebensuntüchtig, jedes Kind von einem anderen Vater. Früh muss Manja Verantwortung übernehmen für den Haushalt und ihre Geschwister, und doch ist sie es, die in aller Leben einen Sonnenstrahl zaubert.

    "Wenn man nicht ein bisschen Distanz zu den Dingen hätte, könnte man es manchmal wirklich nicht aushalten. Ich sitze jeden freien Augenblick bei den Büchern. Telefon und Radio abgestellt. Das ist meine Insel."

    Was hier an den geschilderten Familien klischeemäßig und konstruiert wirken könnte - verstärkt noch durch die scharfzüngige und bösartige Hausverwalterin, den verarmten Adligen, den schmierigen und dummdreisten Hitlerjungen - löst Anna Gmeyner geschickt auf, indem sie allen Personen ein wahres Gesicht gibt, eine Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen, individuelle Nuancen, die sie dem Leser greifbar machen.

    Zunehmend verweben sich die Schicksale der Kinder und mit ihnen auch die ihrer Familien. Zunächst unbeeindruckt von dem Geschehen um sie herum, leben die Fünf ihre Freundschaft, schaffen sich ihre Insel, Manja mit ihrem hellen Gemüt und immer das Gute annehmend als Lichtgestalt unter ihnen. Sie lehrt die Jungen mit ihren Augen zu sehen und pflanzt eine tiefe Sehnsucht in ihnen. Doch die gesellschaftlichen Veränderungen hinterlassen allmählich ihre Spuren, graben Gräben, die immer schwieriger zu überwinden sind, die Lawine reißt alle mit und trotz aller Widerstände lässt sich die sich anbahnende Katastrophe nicht aufhalten...

    "Einen Augenblick lang hatte die Kassiopeia deutlich mit ihren fünf strahlenden Endsternen über dem Kirchturm gestanden. Nun verschwand sie sehr schnell unter schwarzen, treibenden Wolken."

    Anna Gmeyner schafft hier sehr eindringliche Bilder, die sie auf eine unglaublich poetische Art und mit einer beeindruckenden Genauigkeit schildert. Oftmals saß ich da mit einem Kopfschütteln, weil das Gelesene derart zart und und gleichzeitig kraftvoll wirkte, so wunderschön konstruiert, dass es mich berührte allein schon durch die Art des Schreibens. Viele Sätze habe ich mehrfach gelesen, einfach um sie wiederholt auf mich wirken zu lassen. Auch die Symbolträchtigkeit der Sprache hat mich beeindrucken und bezaubern können.

    „Ich weiß, was du meinst Manja“, rief er lebhaft. „Bei uns in der Schule, vor langer Zeit, war einmal ein Käfer im auf dem Rücken. Ich habe ihn umgedreht, damit er kriechen kann, und da waren Jungs, die haben ihn immer wieder auf den Rücken gelegt, damit er zappelt. Das waren die anderen." --- „Es gibt viele andere“, sagt sie still. --- „Ja, nicht? Auf einmal schrecklich viele“, gab er zu. --- „Aber Manja, wenn wir feig sind und alle Menschen wie wir, dann müssen alle Käfer auf der Welt auf dem Rücken liegen.“ --- Manja schweigt und drückt seine Hand. „Einen Käfer hast du umgedreht“, sagt sie, „er krabbelt wieder.“

    1984 erschien das Buch erstmals in Deutschland. 1938 jedoch wurde es bereits vom Querido-Verlag in Amsterdam veröffentlicht. Anna Gmeyner schrieb diesen Roman, der es schafft, das schleichende Grauen und das allmähliche und unaufhaltsame Erstarken des Nationalsozialismus so (be-)greifbar werden zu lassen wie kaum etwas anderes, das ich bislang gelesen habe, im Exil in Paris. Der Zeitpunkt des Entstehens dieses Zeitzeugnisses zeigt, dass es sie gab, diejenigen, die das Unheil vorausgeahnt haben, das erst in den Jahren darauf zur vollen Größe wuchs.

    "Jeder Augenblick wächst wie eine Pflanze aus dem dunklen Boden des Gewesenen, das ihn unsichtbar und ungreifbar gestaltet und bestimmt, wächst mit verborgenen und verzweigten Wurzeln in der Erde des Vergangenen. Jedes Wort, jede Tat, jeder Schmerz geht einen langen Weg durch dunkle Schächte, bis er deutlich geformt und sichtbar vor uns steht. Was die Kinder nur erlitten und nicht verstanden, führte weiter zurück als ihr Erinnern, reichte in die Zeit, bevor sie waren und ehe ihr Leben begann. Und auch das war nicht der Anfang."

    Eindringlich und poetisch - ein Buch, das unter die Haut geht. Eine Erzählung, die berührt, durch den Schreibstil sowie durch das eigentiche Geschehen. Nichts, das man einfach so runterliest, sondern etwas, das man miterlebt, mitträgt. Zuweilen unerträglich, so dass man versucht ist zu rufen: 'Bitte nicht!' - und doch in dem Wissen, dass diese geschilderten Schicksale und die Geschichte einer Freundschaft, die von gesellschaftlichen Zwängen zerfleischt zu werden droht, nur für unzählige wahre Schicksale stehen.

    Überaus beeindruckend und für mich eine wahre Entdeckung, die ich noch vielen weiteren Lesern wünsche...

    © Parden

 

Jeder stirbt für sich allein

Buchseite und Rezensionen zu 'Jeder stirbt für sich allein' von Hans Fallada
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

»Das beste Buch, das je über den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus geschrieben wurde.«
Primo Levi

»Ein literarisches Großereignis.«
The New York Times

Ein einzigartiges Panorama des Berliner Lebens in der Nazizeit: Hans Falladas eindrückliche und berührende Darstellung des Widerstands der kleinen Leute avanciert rund sechzig Jahre nach der Entstehung zum internationalen Publikumserfolg. Jetzt erscheint erstmals die ungekürzte Fassung nach dem bislang unveröffentlichten Originalmanuskript.

Ein Berliner Ehepaar wagte einen aussichtslosen Widerstand gegen die Nazis und wurde 1943 hingerichtet. Von ihrem Schicksal erfuhr Hans Fallada aus einer Gestapo-Akte, die ihm durch den Dichter und späteren Kulturminister Johannes R. Becher in die Hände kam. Fieberhaft schrieb Fallada daraufhin im Herbst 1946 in weniger als vier Wochen seinen letzten Roman nieder und schuf ein Panorama des Lebens der „normalen“ Leute im Berlin der Nazizeit: Nachdem ihr Sohn in Hitlers Krieg gefallen ist, wollen Anna und Otto Quangel Zeichen des Widerstands setzen. Sie schreiben Botschaften auf Karten und verteilen sie in der Stadt. Die stillen, nüchternen Eheleute träumen von einem weitreichenden Erfolg und ahnen nicht, dass Kommissar Escherich ihnen längst auf der Spur ist. – Diese Neuausgabe präsentiert Falladas letzten Roman erstmals in der ungekürzten Originalfassung und zeigt ihn rauer, intensiver, authentischer. Ergänzt wird der Text durch ein Nachwort, Glossar und Dokumente zum zeithistorischen Kontext.

»Der Erfolg von ›Jeder stirbt für sich allein‹ zeigt, dass das Schwarzweißbild der Hitlerjahre endlich einer nuancierten Wahrnehmung weicht.« F. A. Z.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:704
EAN:9783746628110
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Rezensionen zu "Jeder stirbt für sich allein"

  1. Das beste Buch über den Alltag im Dritten Reich

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Dez 2014 

    Wie war das denn damals eigentlich unter Hitler? Jeder kennt wohl die Dokumentationen über die Massenaufmärsche der Nürnberger Parteitage, über den Krieg im Osten und die Bilder der Leichenberge in den KZ’s. Fallada beschreibt in „Jeder stirbt für sich allein" all das nicht. Das macht das Buch aber nicht weniger bestürzend.

    Das Ehepaar Quangel ist ein einfaches Arbeiter-Ehepaar im Berlin zu Beginn des Krieges. Es gibt Millionen Quangels, die in bescheidenen Verhältnissen leben und deren einzger Sohn an der Front ist - und schließlich fällt. Ein Schlüsselerlebnis für die Quangels, die sich mit dem sinnlosen Tod nicht länger abfinden wollen und in ihrer Ohnmacht und Verzweiflung beginnen anonym Postkarten zu verteilen, in denen sie zum Widerstand aufrufen. Eine aussichtsloste Geste eigentlich in einem Land, in dem die eine Hälfte die andere beschnüffelt und einsperrt, in dem niemand mehr dem anderen vertrauen kann.

    Die Gesellschaft ist längst ein apokalyptischer, rechtsfreier Raum, in der systematisch die niedersten Instinkte der Menschen gefördert werden. Gaunereien, Diebstahl, Körperverletzung bis hin zum Mord sind legitim und werden von der Justiz nicht verfolgt, sofern sie der Stabilität des Systems dienen und der Täter Partei- oder SS-Miglied ist. Das Schreiben und Verteilen von Postkarten, die den Sinn des Krieges hinterfragen, ist dagegen ein Kapitalverbrechen. Und sie sind ja tatsächlich auch gefährlich, weil, sobald ein einziger aus der Gleichschaltung ausbricht, jedes Lügengebäude ins Wanken gerät.

    Fallada beschreibt wie das Dritte Reich im Alltag funktionierte und in seiner ganzen Monstrosität möglich wurde. Nicht nur durch die Hitlers und Himmlers und eine Handvoll Getreuer, sondern durch ein völliges Versagen der Justiz, durch die Millionen Mittäter, die nicht nur schwiegen, sondern aktiv mitmachten und um kleiner persönlicher Vorteile willen ihre Nachbarn oder Kollegen ans Messer lieferten.