Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

Buchseite und Rezensionen zu 'Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie' von Rachel Joyce
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Inhaltsangabe zu "Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:384
EAN:9783596198658
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Rezensionen zu "Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie"

  1. 4
    21. Dez 2018 

    Halleluja

    Anfang des Jahres 1988 betreibt Frank in England einen Plattenladen. Von den aufkommenden CDs will er nichts wissen. Vinyl ist das einzig Wahre. Sein Shop befindet sich in der Unity Street einer heimeligen kleinen Sackgasse. Auch dort ist Mauds Tattooshop, Bruder Anthonys Andenkenladen, ein Bestattungsunternehmen. Sie bilden eine Gemeinschaft, die zusammenhält. Eines Tages fällt die junge Deutsche Ilse Brauchmann vor Franks Laden in Ohnmacht. Frank ist außer sich, vor allem als ihm die junge fragile Schönheit erzählt, sie höre keine Musik. Das muss Frank ändern, Musik ist für ihn alles. Er hat ein Gespür dafür, welche Musikstücke für die Menschen bestimmt sind, die in seinen Shop kommen.

    Frank und seine Mutter Peg, Frank und seine Musik, Frank und Ilse, Ilse und die Musik. Und Kit und Maud und Bruder Anthony. Sie könnte ihre kleine Insel bilden in einer nicht ganz so freundlichen Welt. Doch ist es ihnen vergönnt gegen eine Immobilienentwicklungsfirma zu bestehen, die ein Haus nach dem anderen aufkauft und seinem Schicksal überlässt? Und wie steht es mit Frank und Ilses eigenem Leben? Haben sie das notwendige Vertrauen zueinander, um als Paar bestehen zu können?

    In Rückblenden kann man miterleben, wie Peg ihrem Sohn die Liebe zur Musik gibt, ihre Erzählungen, ihr Wissen ist unerschöpflich. Doch sonst gibt sie Frank nicht viel. So bleibt Frank die Musik, durch sie spricht er zu den Menschen. Er hilft wo er kann, ohne selbst etwas zu erwarten. Gerade das braucht Ilse, die eine Art Flucht aus Deutschland angetreten hat.

    Diese wunderbar melancholisch-süße Geschichte um Frank und Ilse zieht einen sofort in ihren Bann. Man lauscht der Musik, die man im eigenen Herzen hat. Man beschäftigt sich mit der Musik, von der Frank erzählt. Man wünscht sich, dass Frank und Ilse ein Herz und eine Seele sind. Dass ihre Seelen im Gleichklang schwingen. Man hat förmlich die Bilder für den nächsten Weihnachtsfilm im Kopf, für den diese wundersame Story die Grundlage bilden kann. Obwohl dieser Roman nicht zur Weihnachtszeit erschienen ist, passt er doch bestens in diese Jahreszeit. Tatsächlich ist er komponiert wie eine einzigartige Filmmusik, die einen zum Träumen bringt. Die passende Playlist ist zum Beispiel auf YouTube zu finden.

    4,5 Sterne

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Theresienstädter Requiem: Novelle

Buchseite und Rezensionen zu 'Theresienstädter Requiem: Novelle' von Antonín Brousek
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Inhaltsangabe zu "Theresienstädter Requiem: Novelle"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:127
EAN:9783150113332
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Schlafes Bruder: Roman. Jubiläumsausgabe

Buchseite und Rezensionen zu 'Schlafes Bruder: Roman. Jubiläumsausgabe' von Robert Schneider
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Schlafes Bruder: Roman. Jubiläumsausgabe"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
EAN:9783150113905
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Rezensionen zu "Schlafes Bruder: Roman. Jubiläumsausgabe"

  1. Eine besondere Geschichte

    Klappentext:

    „»Das ist die Geschichte des Musikers Johannes Elias Alder, der zweiundzwanzigjährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu schlafen.«

    So beginnt der Debütroman von Robert Schneider, mit dem ihm vor 30 Jahren ein literarischer Welterfolg gelang. Der Auftaktsatz nimmt die Geschichte über das Leben eines Genies in der Enge eines österreichischen Bergdorfs vorweg: Schon als Kind ist der 1803 geborene Elias Außenseiter, sein außergewöhnlich scharfes Gehör und sein musikalisches Talent sorgen bei den Dorfbewohnern für Aufsehen und Argwohn. Die unerfüllte Liebe zu seiner Cousine Elsbeth quält ihn im Laufe der Jahre, und sie treibt ihn an. Bei einem Orgelwettbewerb in Feldberg improvisiert Elias über den Bach-Choral »Komm, o Tod, du Schlafes Bruder« und entfacht eine ungeahnt starke Wirkung auf sein Publikum und sich selbst.“

    Der Verlag Reclam hat auch mit dieser Neuerscheinung im Jahre 2022 einem Klassiker wieder eine neue Stimme gegeben. Ja, auch mit „nur“ 30 Jahren auf dem Buchrücken darf dieser Titel selbstredend als Klassiker bezeichnet werden - sein Erfolg ist ungebrochen.

    Titelfigur Elias ist das verkannte Genie in diesem Dorf was wohl seine Heimat sein soll. Aber fühlt man sich nicht in der Heimat eigentlich wohl? Elias zweifelt an sich, an der Liebe, an den Menschen die ihn umgeben aber dennoch fällt er immer wieder zurück in ein Bett aus Noten, Melodien, Takten und Sätzen. Die Musik ist sein Anker und die unerfüllte Liebe zu Elsbeth wird sein Antreiber für das Denken und Fühlen der Musik die er den Lesern in gewisser Weise zu Gehör bringt. Dabei entsteht oft etwas ganz anderes!

    In diesem Buch werden viele Punkte auf besondere Weise angesprochen. Liebe, Hass, Verrat, Missgunst, Dummheit uvm. und alles hat seinen passenden Lauf und hält in gewisser Weise dem Leser den Spiegel hin. Autor Robert Schneider zeigt eine gewisse Haltung damit und regt den Leser immer wieder zum Nachdenken an - man kommt unweigerlich nicht drumherum. Die Figuren werden einerseits immer mit einer gewissen Nähe beschrieben aber dennoch bleiben wir auch oft auf Distanz - für meine Begriffe sehr gut gewählt um die eigenen Gedanken dazu walten lassen zu können. Wer in der Klassik bewandert ist, wird seine wahre Freude haben beim lesen. Schneider verwendet vom Meister Johann Sebastian Bach den Choral »Komm, o Tod, du Schlafes Bruder« immer wieder und ja, es empfiehlt sich das komplette Stück, die Kantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ (BWV 56), einfach mal dazu zu hören. Vieles hier wirkt zweideutig, wirkt philosophisch, hat eine besondere Wirkung auf den Leser, muss nicht immer hinterfragt werden sondern einfach auch mal so stehen gelassen werden. Kurzum: es ist ein wahrlich besonderes Buch!

    Ich vergebe hier 4 sehr gute Sterne von 5 und spreche eine Leseempfehlung aus!

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  1. 30-jähriges Jubiläum eines eigentümlichen Klassikers

    Das Jahr 2022 startet mit einigen bemerkenswerten Neuauflagen von Klassikern. Während beispielsweise Umberto Ecos "Der Name der Rose" sein 40-jähriges Bestehen durch eine neue Prachtausgabe feiert, lässt sich auch der Reclam Verlag nicht lumpen und besticht zum 30-jährigen Werkjubiläum durch eine hochwertige Neuauflage von Robert Schneiders Welterfolg "Schlafes Bruder".

    Nicht nur der neue Schutzumschlag zieht die Blicke auf sich, sondern es gibt auch eine Überraschung, wenn man diesen entfernt: Das von anderen Auflagen bereits bekannte "Bildnis Walter Stucki" von Albert Anker erstrahlt im bedruckten Einband erstmals vollständig und damit in neuem Glanz.

    Der Inhalt ist den meisten Leser:innen vermutlich bekannt: Der 1803 geborene Johannes Elias Alder findet im vorarlbergischen Dorf Eschberg keinen Anschluss an die Dorfgemeinschaft. Sein perfektes Gehör, seine schrille Stimme und sein vorzeitiges Altern machen aus dem Jungen einen Sonderling. Daran können auch sein außergewöhnliches musikalisches Talent als Organist oder seine Liebe zur fünf Jahre jüngeren Cousine Elsbeth nichts ändern. Damit diese Liebe nicht einen Augenblick ruht, beschließt Elias mit 22 Jahren nicht mehr zu schlafen, denn letztlich seien Schlaf und Tod wie Brüder, wie es schon ein Bach-Choral verlauten ließ. Eine verhängnisvolle Entscheidung, die zum vorzeitigen Tode Elias' führt, wie es der Erzähler bereits im Prolog vorwegnimmt.

    In einem ergänzenden und sehr informativen Nachwort versucht Rainer Moritz dem Überraschungserfolg des Romans von 1992 auf die Schliche zu kommen und erklärt auch noch einmal die immense Bedeutung des Buches für den finanziell damals angeschlagenen Reclam Verlag. Mehr als zwei Millionen verkaufter Exemplare später wirkt "Schlafes Bruder" jedenfalls auch nach 30 Jahren alles andere als angestaubt.

    Es ist wohl diese eigentümliche Mischung aus Märchen, Anti-Heimat- und Bildungsroman einerseits und der außergewöhnlichen Erzählstruktur auf der anderen Seite, die "Schlafes Bruder" auch heute noch zum Teil bessere Verkaufszahlen beschert als einigen Neuerscheinungen. Der auktoriale Erzähler, der von Beginn an überhaupt keine Zweifel an seinen Sympathien für den "Helden" Elias aufkommen lässt, berichtet nicht nur vom tragischen kurzen Leben des Protagonisten, sondern spottet auch über Eschberg und seine Bewohner:innen, von denen bis auf wenige Ausnahmen wirklich kaum einmal jemand Empathie für den verstoßenen Sonderling hervorbringt. Die Sprache macht dabei sicherlich einen Großteil des Charmes dieses Gegenwarts-Klassikers aus. Robert Schneider setzt auf einen bewusst der Handlungszeit angepassten Stil, in dem häufig auch sprachliche Besonderheiten aus dem Vorarlberg auftauchen.

    Der Roman überzeugt vor allem in den Momenten, in denen Schneider und sein Erzähler auf Empathie und Wärme setzen, das Herz ansprechen - ein zentrales Element, auf das auch Rainer Moritz im Nachwort noch einmal hinweist. Der schwarzhumorige Spott und die sehr häufig eingesetzten Übertreibungen in der Handlung sorgten bei mir hingegen das ein oder andere Mal für Stirnrunzeln und hinterließen den Eindruck, dass "Schlafes Bruder" ein wenig länger wirkte, als es mit seinen gut 200 Seiten in Wahrheit ist. Gelungen ist wiederum die Figurenstruktur, aus der insbesondere Peter hervorsticht, dessen niederer Charakter vom Erzähler ausgiebig besprochen wird; der auf der anderen Seite aber durch seine Liebe zu Elias eigentlich die einzige Figur ist, auf die dieser bis zum Ende zählen kann - eine wunderbare Ambivalenz.

    Insgesamt bietet diese bibliophile Ausgabe also nicht nur durch ihre schöne Gestaltung, sondern auch durch die wahrlich außergewöhnliche Geschichte des Elias Alder genügend Anreize, um "Schlafes Bruder" abermals oder sogar erstmalig zu entdecken.

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Mein kleines Prachttier: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Mein kleines Prachttier: Roman' von Marieke Lucas Rijneveld
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Inhaltsangabe zu "Mein kleines Prachttier: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:364
EAN:9783518430255
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Das Glück ist eine Bohne: und andere Geschichten

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Glück ist eine Bohne: und andere Geschichten' von Teresa Präauer
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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:312
Verlag: Wallstein
EAN:9783835339484
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Rainbow In The Dark: Die Autobiografie

Buchseite und Rezensionen zu 'Rainbow In The Dark: Die Autobiografie' von Ronnie James Dio
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Inhaltsangabe zu "Rainbow In The Dark: Die Autobiografie"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag:
EAN:9783940822154
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Schlafes Bruder: Roman (Reclam Taschenbuch)

Buchseite und Rezensionen zu 'Schlafes Bruder: Roman (Reclam Taschenbuch)' von Robert Schneider
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Inhaltsangabe zu "Schlafes Bruder: Roman (Reclam Taschenbuch)"

Format:Taschenbuch
Seiten:212
EAN:9783150205679
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Kulturgeschichten: Nicht nur für Flötisten

Buchseite und Rezensionen zu 'Kulturgeschichten: Nicht nur für Flötisten' von Anja Weinberger
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Inhaltsangabe zu "Kulturgeschichten: Nicht nur für Flötisten"

Format:Taschenbuch
Seiten:191
Verlag:
EAN:9783950480054
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Als du mich sahst: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Als du mich sahst: Roman' von Robinne Lee
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Als du mich sahst: Roman"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:432
Verlag:
EAN:9783785726792
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Rezensionen zu "Als du mich sahst: Roman"

  1. Hat mich nicht überzeugt

    Als die 39-jährige Solène ihre Tochter zu einer angesagten britischen Boyband begleitet, trifft sie auf Hayes, den 20-jährigen Sänger der Band. Zwischen den beiden knistert es gewaltig und bald wird trotz des Altersunterschieds aus Leidenschaft Liebe. Doch die Presse kommt ihnen auf die Spur und die Fans drehen durch. Hat ihre Liebe eine Chance?

    Das Cover ist wunderschön und hat hat mich sehr neugierig gemacht. Der Klappentext hat mich total angesprochen, denn dass die Frau deutlich älter als der Mann ist, kommt recht selten in Liebesgeschichten vor.
    Der Schreibstil ließ sich flüssig lesen und so kam ich sehr schnell voran.
    Die Charaktere wurden gut ausgearbeitet. Insbesondere Solène und Hayes wurden gut beschrieben, ebenso ihre Gedanken und Gefühle. Allerdings fand ich Hayes für sein Alter viel zu reif und erwachsen. So ist doch kein 20-jähriger Star einer Boyband. Das ließ mich dann doch etwas an ihm zweifeln und so ganz realistisch wirkte er nicht auf mich.
    Auf die Story habe ich mich wirklich sehr gefreut, da mich bereits die Leseprobe, die ich vor einiger Zeit mal gelesen hatte, gefesselt hat. Dementsprechend gespannt war ich auf das Buch.
    Leider gab es in der Story einige Längen, die es mir schwer machten, dabei zu bleiben. Auch gab es sehr viele Sexszenen, die mir für diesen Roman irgendwie zu viele waren. Was mich allerdings sehr gestört hat, war die fehlende Entwicklung der Story. Ich hatte das Gefühl, als wenn es nur um Sex ging, wenn die beiden sich gesehen haben. Das ist natürlich ein wichtiger Aspekt, aber es sollte eben nur einer sein und nicht der einzige. Mir fehlte einfach der Pepp in der Geschichte und der Beziehung der beiden. Auch hätte ich mir gewünscht, dass der Altersunterschied eine viel größere Rolle spielt bzw. die Auswirkungen auf ihre Beziehung. Das gab es aber für mich nicht.

    Mich hat dieser Roman leider nicht vom Hocker gerissen, so wie ich es erhofft habe. Ich vergebe daher 3 von 5 Sternen.

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flüchtig: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'flüchtig: Roman' von Achleitner, Hubert
3.8
3.8 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "flüchtig: Roman"

Maria ist verschwunden. Seit Monaten hat Herwig, mit dem sie seit fast dreißig Jahren verheiratet ist, nichts von ihr gehört. Dass sie ihren Job gekündigt und seinen Volvo mitgenommen hat, lässt zumindest hoffen, dass sie noch am Leben ist. Doch was ist passiert, mit ihrer Ehe, ihrer Liebe, ihrem gemeinsamen Leben? Hubert Achleitner schickt seine Protagonisten auf eine abenteuerliche Reise, die sie von den österreichischen Bergen quer durch Europa bis nach Griechenland führt. Und die für beide doch in erster Linie eine hochemotionale Reise in ihr Inneres bedeutet. Ein weiser und sehr musikalischer Roman über Liebe und Sehnsucht, das Schicksal und das flüchtige Glück … „Flüchtig wie die angezupften Töne der Bouzouki waren die Begegnungen mit diesen Menschen. Dennoch hinterließ jeder von ihnen eine Melodie in meinem Herzen, die weiterschwingt.“

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
Verlag:
EAN:9783552059726
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Rezensionen zu "flüchtig: Roman"

  1. Wenig innovativ

    Dieses Buch fängt vielversprechend an. In einem sehr schönen Erzählstil, mit Humor und Raffinesse, erfährt man von Maria, die mit Mitte 50 ihr gesichertes Leben hinter sich gelassen hat und obendrein noch verschwunden ist. Man freut sich auf Originelles und Rätselhaftes und muss dann direkt im zweiten Kapitel die Vollbremsung einlegen. Da wird weit ausgeholt, Familie, Jugend, Eltern, Umfeld eines jeden Protagonisten, ob wichtig oder nicht, wird gründlich beleuchtet, bis man so gegen Seite 80 den Faden wiederfindet.

    Der Autor ergeht sich in ausführlichen Betrachtungen der Welt der 70er Jahre und hat sicherlich recht, genau so war es, aber wer möchte das wissen? Wer alt genug ist, dabei gewesen zu sein, der weiß es schon und wer jünger ist, den interessiert es nicht sehr und der hat auch wenig Lust zu googeln, wer Leonhard Coen wohl sein mag.
    Dann kommt Herwig daher, Lehrer, 60, sieht aber keinen Tag älter aus als 50, trägt die berühmten abgewetzten Cordhosen, die man einst so trug als Intellektueller, die alle kennen, die sie miterlebt haben, die aber seit 30 Jahren im Straßenbild nicht mehr auftauchen. Der Eindruck drängt sich auf, hier ist ein Autor doch sehr im vergangenen Jahrhundert verhaftet, auch wenn seine Protagonisten Smartphones bedienen.

    Ist das durchstanden, geht Maria endlich auf ihren Selbstfindungstrip und, man staunt, stolpert prompt über ein Hippiefestival. Ich möchte nicht behaupten, dass es die heute nicht mehr gibt, das mag sein, aber sie sind nachweislich rar. Fast möchte man Maria um ihr Glück beneiden, würde es sie in irgendeiner Form weiterbringen. Leider sieht sie es wohl eher touristisch. Haben wir das auch erlebt, abgehakt, Foto, weiter.

    Was eine Reise zu sich selbst sein sollte, wird hier zur Farce. Weitgehend unreflektiert hakt Maria alle Stationen ab, die gemeinhin zur Selbstfindung dienen, erlebt sie aber nicht. Stattdessen werden Lebensweisheiten zum Besten gegeben, hübsch formuliert, aber schon lange nicht mehr neu.

    Hier kann jemand schreiben, leider hat er nichts Besonderes zu erzählen.
    Im Verlauf des Buches schießt auch noch der eigentlich schöne Stil, immer öfter über das Ziel hinaus und wird blumig. „…der Segen des Mutterglücks verlieh ihr eine zeitlose Reife…. Sie war von exotischer Anmut und hatte das Leuchten eines blühenden Kirschbaums.“

    Mit diesem Buch liefert der Autor recht passabel seine Gedanken zum Thema Älterwerden, nur sind die weder neu noch innovativ. Es wird vermutlich sein Publikum finden, ich fand es eher altbacken und klischeehaft.

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  1. Ein faszinierendes Debüt

    MEINE MEINUNG
    Mit seinem Roman „flüchtig“ hat der der Österreicher Hubert Achleitner ein faszinierendes und tiefgründiges Debüt vorgelegt, das mich den berührenden und nachdenklich stimmenden Momenten aber auch seinem frischen Erzählstil sehr begeistern konnte. Hubert Achleitner ist den meisten eher als kreativer Musiker und Künstler Hubert von Goisern bekannt, hat einst den sogenannten „Alpenrock“ salonfähig gemacht erfunden und erfreut sich immer noch einer großen Fangemeinde im deutschsprachigen Raum.
    Der Autor nimmt uns in seiner beschwingten, mitreißenden und wundervoll warmherzig erzählten Geschichte mit auf einen ereignisreichen und abenteuerlichen Roadtrip, der die Figuren von den österreichischen Bergen über etliche Zwischenstopps wie einem friedvollen Hippiecamp in den Alpen bis nach Nordgriechenland führen wird.
    Die fesselnde Geschichte um die 55-jährige Hauptfigur Maria, die ihrem eingefahren Leben entflieht und von heute auf morgen in den Süden flüchtet, lässt Achleitner weitgehend von der Nebenfigur Lisa, einer Reisebekanntschaft und späteren Freundin Marias, rückblickend aber keineswegs chronologisch erzählen. Zudem streut er aber auch immer wieder weiterführende Passagen aus Sicht eines allwissenden Erzählers ein. So erfahren wir über Zufallsbekanntschaften und bedeutsame Begebenheiten während ihrer gemeinsamen Reise, lernen in verschiedenen Episoden Marias Ehemann Herwig und Auszüge aus ihren bewegenden Lebensgeschichten aber auch eine ganze Menge interessante, mal mehr und mal weniger wichtige Nebenfiguren kennen. Nach und nach erhalten wir immer mehr Einblicke in die Gründe für Marias plötzliche Flucht aus ihrer unglücklichen, festgefahrenen Ehe und einem unerfüllten Leben. Ihre Reise wird zu ihrer persönlichen Suche nach dem Sinn des Lebens, einem emotionalen Trip in ihr Seelenleben, und lässt sie schließlich sich selbst finden.
    Überhaupt scheinen sich in dieser berührenden Geschichte viele Figuren auf einer Art Flucht zu befinden – vor dem derzeitigen Leben, vor schmerzvollen Erfahrungen, vor Verantwortung, vor sich selbst. Alle sind sie auf der Suche nach ein bisschen Glück, Freiheit, Liebe und Anerkennung, angetrieben von hoffnungsvollen Träumen nach einem anderen, besseren, erfüllteren Leben. Immer wieder greift der Autor den Begriff „flüchtig“ als eine Art Leitmotiv in der Geschichte auf und zeigt spielerisch seine unterschiedlichen Bedeutungen auf.
    Die vielschichtige und sehr liebevolle Charakterisierung der interessanten, teilweise recht eigenwilligen Figuren mit all ihren Ecken und Kanten ist dem Autor hervorragend gelungen. Sehr gut konnte ich mich in ihr Innenleben hineinversetzen und ihre Handlungen nachvollziehen. Schade ist nur, dass sich die Geschichte durch die Vielzahl an eingeführten Charakteren fast ein wenig von der Hauptfigur Maria abzuwenden scheint.
    Achleitner versteht es, besondere Stimmungen sehr feinfühlig einzufangen und immer wieder eine unnachahmliche Atmosphäre heraufzubeschwören. Insbesondere die Naturgewalten ziehen sich als roter Faden durch die Handlung und scheinen bisweilen, die Geschicke der Charaktere zu leiten. Und natürlich spielt auch die die Musik eine wichtige Rolle in diesem Roman. Die vielen musikalischen Verweise und die vielen eingestreuten Musiktitel, die als eine Art Playlist die Handlung durchziehen, sind sehr schön in die Geschichte eingewoben und verleihen dem Roman das gewisse Etwas.
    FAZIT
    Ein faszinierendes, sehr gelungenes Debüt mit einer bewegenden, tiefgründigen Geschichte über die Liebe, Sehnsucht, die Suche nach Glück und einem erfüllten Leben. Lesenswert!

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  1. Ich breche eine Lanze für den leisen Roman!

    Kurzmeinung: Sehr zärtlich und österreichisch. Love it!

    Hubert Achleitner ist meist unter seinem Pseudonym Hubert von Goisern unterwegs. Er ist Musiker, aber eigentlich ein Allroundkünstler. Nun hat er ein Buch geschrieben. Und dieses Buch ist gut.

    Die Handlung ist zwar einfach. Maria, fünfundfünzig, leitende Bankangestellte, ist mit Wig verheiratet, einem tollen, kiffenden Lehrer. Pscht, das darf keiner wissen, sonst fliegt er. Eines Tages, aus Gründen, leert sie das gemeinsame Bankkonto, wirft ihrem Chef die Kündigung vor die Füße und verschwindet. Wortlos. Spurlos.

    „flüchtig“ ist ein leises Buch. Ein Buch, das mit Zärtlichkeit geschrieben ist und mit solcher gelesen gehört. Es passiert nicht allzuviel, wenngleich der Leser sowohl aus dem Leben wie auch die Handlungsmotive einiger Menschen erfährt. Manches wird ausgeleuchtet, manches nur angerissen.

    „flüchtig“ ist eine Alltagsgeschichte. Eine, die Widerhall findet im Herzen derer, die auch gern mal alles hinschmeißen wollen. Und es ist eine Geschichte für Langverheiratete oder Langverpaarte, die wissen, dass der Alltag einfach sein muss, aber seine monotonen Tücken hat. Wie das Leben selber halt.

    Was an „flüchtig“ bezaubert, ist sein Stil und seine Klugheit. Wie gut, dass das Lektorat nicht alle sprachlichen Österreichereien herausgestrichen hat, das macht den Roman authentisch und eigen Es ist sicher ein Roman, der heimatverbunden ist, obwohl er nach Griechenland reist.

    „Eintausend Jahre waren für die fünfundzwanzige Lisa nur unwesentlich weniger entfernt als der Urknall“. Für solche Sätze liebt die geneigte Leserin den Roman.

    Fazit: Eine Alltagsgeschichte oder eine Ausbruchsgeschichte, so charmant geschrieben, in einfühlsamen Sprachbildern und treffenden Lebensbeobachtungen und Lebensbemerkungen, leise, mit unspektakulärem Ende, was dann aber doch passt.
    (Phrasen, Floskeln: keine. Es geht völlig ohne jeden Luftschnapper!).

    Kategorie: Belletristik
    Verlag: Paul Zsolnay, 2020

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  1. Ein Glas voll Murmeln

    Maria und Herwig, seit mehr als dreißig Jahren sind sie verheiratet. Sie hat einen guten Job bei der Bank und hält sich mit Sport fit. Er ist Lehrer, progressiv, Musikliebhaber, raucht heimlich den einen oder anderen Joint und ist verliebt in eine junge Kollegin Nora. Doch eines Tages kündigt Maria ihren Job, nimmt ihre Ersparnisse, das Auto und verlässt Herwig. Ohne Worte des Abschieds und ohne Hinweise auf ihren Verbleib.
    Hubert Achleitner schreibt in „flüchtig“ über die Löslichkeit langjähriger Beziehungen. Besser bekannt ist der Autor als Hubert von Goisern, stilübergreifender Musiker und großartiger Liedermacher. Seine musikalische Affinität spiegelt sich in seinem Debütroman wieder. „Heast as net“ war einer seiner größten Erfolge, wo ganz wenige Worten ganz große Stimmung erzeugen. Mit diesem Buch ging es mir ganz anders. Die Protagonistin ist Mitte fünfzig, steht am Wendepunkt ihres Lebens, trifft die Entscheidung für einen Neuanfang. Diese Frau könnte mir so nahestehen, doch ich konnte nicht hören, was sie zu sagen hatte.
    Eva Maria Magdalena, wie die Protagonistin mit vollem Namen heißt - diese religiöse Dreifaltigkeit des Namens ist nicht zufällig - macht sich auf die Suche. Weg aus dem Alltag, der belanglosen Gewohnheit, weg von einem Mann, der einer anderen seine Liebe gesteht. Ihre Reise führt sie bis nach Griechenland, wo sie Ioannis kennenlernt, letztlich wieder bei einem Mann landet.
    „…inzwischen habe ich die Wohnung schon zweimal aufgeräumt, gekehrt, gewischt, die Terrasse und die Fenster geputzt, die ganze Wäsche gewaschen, gebügelt…Ich habe alles repariert, was kaputt war…..und alles entsorgt, was sich nicht mehr reparieren ließ. Aber Ordnung ist flüchtig. Ich muss mich also beeilen mit dem Schreiben, bevor sich von neuem Staub über die Dinge legt und sie nach mir zu rufen beginnen.“
    Es ist nicht nur Maria, die sich in diesem Roman auf die Suche macht. Da sind Nora, die Tramperin Lisa (die auch einleitende als Ich-Erzählerin fungiert, bis der Autor später zu einer neutralen Erzählform wechselt), der Grieche Ioannis mit seinem Großvater, der Mönch, Hereigs Vater. Und natürlich Herwig, der in meinen Augen das Abziehbild eines „man after midlife“ schlechthin ist.
    Die Personen, die direkt oder indirekt Marias Weg kreuzen, sind alle von etwas getrieben, haben Wünsche und Sehnsüchte. Haben ihre eigene Geschichte und hier gerät Hubert Achleitner beim Erzählen sehr gerne vom Hundertsten ins Tausende. Er ergeht sich in geschichtliche, religiöse, mystische, musikalische Betrachtungen. Vom zweiten Weltkrieg, verschollenen Großvätern, griechischem Widerstand, dem Schicksal sudetendeutscher Flüchtlinge. Von einer Geburt in einer Gondel bei Talfahrt und dem Berg Athos als Ende einer Reise. Von samischen Klängen über Leonard Cohen, André Heller bis zu Mikis Theodorakis. Und immer wieder Glaube, göttlicher Ruf und Berufung.
    Ein Wunsch und eine Sehnsucht war es lange Zeit für den Musiker auch einen Roman zu verfassen. Diesen Wunsch hat sich Hubert Achleitner mit dem Roman „flüchtig“, erfüllen können. Musikalisch ist Hubert von Goisern einer, der innovativ Grenzen überschreitet. Hubert Achleitner hat auch literarisch sehr viele gute Ideen. Doch wenn gute Ideen wie Murmeln sind in einem Glas, das umfällt: Sie rollen in alle Richtungen davon und lassen sich nur mühsam wieder aufklauben.

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  1. Verschwunden

    Was ich bis jetzt nicht wusste - bei dem Autor handelt es sich um Hubert von Goisern. Das macht für mich das Buch noch einmal mehr zu etwas besonderem und ich muss sagen, ich bin insbesondere auf Grund des emotionalen Tiefgangs sehr überrascht.

    Wo ist Maria? Job gekündigt und Auto weg - das würde zumindest darauf hindeuten, dass sie am Leben ist und einen Plan hat. Dennoch hat sie ohne ein Wort ihren Ehemann zurück gelassen. Warum? Was ist passiert?
    Kann ihr Mann die Freiheit nutzen?
    Monate später bekommt er einen Brief von Maria, in dem sie versucht zu erklären und erzählt, was passiert ist.
    Man verfolgt die Reise bis nach Griechenland und wird auf ein kleines Abenteuer mit emotionalem Tiefgang mitgenommen.

    Der Schreibstil ist der Wahnsinn - die Sätze haben so einen Tiefgang, und die Charakterisierung der Protagonisten ist absolut gelungen. Selten bekommt man so rundum vollendete Charaktere in einem Roman.

    Von mir gibt es eine absolute Empfehlung.

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