Zeitenwende: Putins Krieg und die Folgen

Buchseite und Rezensionen zu 'Zeitenwende: Putins Krieg und die Folgen' von Rüdiger von Fritsch
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Inhaltsangabe zu "Zeitenwende: Putins Krieg und die Folgen"

Format:Broschiert
Seiten:183
Verlag: Aufbau
EAN:9783351041762
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Rezensionen zu "Zeitenwende: Putins Krieg und die Folgen"

  1. So schreibt man ein Sachbuch für die Allgemeinheit!

    Kurzmeinung: Gut, man kann sich das alles aus der Zeitung zusammensuchen - aber so ist es doch viel bequemer.

    Man merkt dem Büchlein an, dass sein Autor „an der Front war“ bzw. weiß, wovon er spricht und dass er sein Wissen aus tätiger Erfahrung und nicht nur aus der Schreibstube hat. Als Diplomat war er von 2014 bis 2019 Botschafter in Russland.

    Rüdiger von Fritsch schreibt: „Der russische Präsident begab sich auf eine historische Mission, die Berufung Russlands zu vollenden und sich selbst einen Platz in der Geschichte des Landes und der Weltgeschichte zu sichern. Auf schreckliche Weise sollte ihm dies gelingen.“

    Als Leser versteht man (endlich), dass das ganze wunderschöne Land dem fatalen Wahn Putins geopfert werden soll, Russland zur einstigen zaristischen Größe zurückzuführen; was die Russen (einst) einmal besaßen, wird so angesehen, dass es für immer zu ihnen gehört und nur „heimgeholt“ werden muss. Ein solches Machtverständnis erinnert an den Islam, der genau so argumentiert. Eigentlich ist die „Russifizierung der Welt“ das Ziel. Russland ist ein imperialistischer Staat bis auf die Knochen, der Kommunismus besteht quasi nur noch auf dem Papier, keine Macht geht vom Volke aus –es ist eine Diktatur geworden.

    Alles Unliebsame wird zu „ausländischer Agentenschaft“ erklärt, Furcht zu verbreiten ist das staatliche Mittel der Zeit, Korruption und Vetternwirtschaft blühen, Käuflichkeit und Erpressung sind an der Tagesordnung. Die heimische Wirtschaft jedoch liegt mehr oder weniger am Boden. Trotzdem fühlt sich „der Russe“ überlegen, die Progandanda hat ihn voll im Griff. Doch wie lange wird dies noch so weitergehen, wenn der Krieg anhält und eine generelle Mobilmachung nicht mehr verschleiern kann, dass Russland Krieg führt?

    Rüdiger von Fritsch überfordert nicht durch (unnötige) Daten, zieht dennoch einen weiten Bogen und gibt eine vorsichtige Einschätzung der Zukunft. Alles ist unterlegt durch eigene Anschauung, sauber zu Papier gebracht, stringent, in einem Guß.

    Fazit: So will ich das popälarwissenschaftliche politische Buch. Ohne Bandwurmsätze, klar verständlich, klare Meinung, klare Kante. Frisch zeigt, dass es möglich ist.

    Aufbauverlag, 2022
    Kategorie: Sachbuch. Politik.

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Die Schlacht: Waterloo 1815

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Schlacht: Waterloo 1815' von Klaus-Jürgen Bremm
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Inhaltsangabe zu "Die Schlacht: Waterloo 1815"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783534272303
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Rezensionen zu "Die Schlacht: Waterloo 1815"

  1. Nach Niederlagen und

    Nach Niederlagen und erzwungener Abdankung und Exil auf Elba kommt Napoleon zurück, was ihm durch die Unbeliebtheit des erneut auf den französichen Thron installierten Boubonenregimes einfach gemacht wird. In einem wahren Siegeslauf durchquert er Frankreich gen Norden, wobei sich ihm immer mehr seiner ehemaligen Generäle samt ihrer Truppen anschließen. Die aufgeschreckten Siegermächte, die ja bekanntlich auf dem Wiener Kongress bereits an einer Nachkriegsordnung basteln, befürchten, dass Napoleon mit der Eroberung Brüssels ein Achtungserfolg gelingen könnte, der seine Position innerhalb Frankreichs und Europas stärken könne, weshalb sie diese um jeden Preis verhindern möchten. So kommt es zur Schlacht von Waterloo, einem geographisch wie auch inhaltlich eigentlich falschem Begriff. Denn tatsächlich handelte es sich um mehrere Schlachten, wobei keine davon im namensgebenden Ort stattfand. Dennoch ist dieses weltgeschichtliche Ringen, an dem insgeasmt 180000 Soldaten aus Preußen, England, den Niederlanden und Frankreich teilnahmen, unter diesem Namen in die Historie eingegangen.

    Bremm schildert die Auseinandersetzungen an den verschiedenen einzelschauplätzen minutiös in all ihren Einzelheiten. Er spart nicht an Kritik an Fehlentscheidungen der einzelnen beteiligten Feldherren, weist ihnen aber letztendlich keine entscheidende Auswirkung zu. Am Ende der Schlacht ist Napoleon allerdings endgültig Geschichte, dens seine Truppen, insbesondere die Garde imperialé, sindt aufgerieben, so dass ein erneuter Einmarsch der Allianztruppen in Paris nur eine Frage der Zeit gewesen wäre. Andererseits stellt sich die bei Bremm gar nicht aufgekommene Frage, was passiert wäre, wenn Napoleon als Sieger aus der Schlacht hervorgegangen wäre. Aber sein Nimbus als unbesiegbarer Feldherr war ja bereits schon zuvor gebrochen, und der Verlust, den seine Truppen in der Schlacht erlitten hatten, wäre ja ebenso enorm gewesen. Also vermutlich hätte ein Sieg bei Waterloo lediglich das unvermeidbare Ende Napoleons hinausgezögert, ohne es verhindern zu können. Opfer dieses gescheiterten Versuchs der Rückkehr zur Macht sind vor allem die zahlreichen Toten und Verwundeten, deren Leid Bremm eindringlich beschreibt.

    Ein lehrreiches Buch für alle, die sich für das Zeitalter der Napoleonischen Kriege interessieren, aber auch für die, die sich all zu schnell in naiver Heldenverklärung verirren.

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Ringel, Rangel, Rosen

Buchseite und Rezensionen zu 'Ringel, Rangel, Rosen' von Kirsten Boie
NAN
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Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:109
EAN:
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Hitlers Geldfälscher

Buchseite und Rezensionen zu 'Hitlers Geldfälscher' von Lawrence Malkin
NAN
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Inhaltsangabe zu "Hitlers Geldfälscher"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:467
Verlag:
EAN:
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Der Dreißigjährige Krieg.

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Dreißigjährige Krieg. ' von  Peter H.Wilson
5
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Inhaltsangabe zu "Der Dreißigjährige Krieg. "

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:1168
Verlag: wbg Theiss
EAN:9783806241358
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Rezensionen zu "Der Dreißigjährige Krieg. "

  1. Kompaktes Wissen

    Klappentext:

    „Der Dreißigjährige Krieg kostete Millionen Leben und veränderte die politische wie religiöse Landkarte Europas. Bis heute hält die Auseinandersetzung mit dem verheerenden Krieg an. War es ein »teutscher« Krieg? In erster Linie ein Religionskrieg? Oder war es der Kampf Frankreichs, Schwedens, Englands, niederländischer und deutscher Protestanten gegen die spanisch-habsburgische Hegemonie? Peter H. Wilsons große Gesamtdarstellung nimmt alle Aspekte in den Blick: beginnend mit der Vorgeschichte des Krieges und einem europaweiten Panorama der strukturellen Gegebenheiten über eine breite Schilderung des Kriegsgeschehens bis hin zum Westfälischen Frieden und den Folgen. In die Darstellung eingestreut finden sich Kurzporträts der wichtigsten politischen und militärischen Akteure. Doch Wilson verharrt nicht auf der Ebene der großen Gestalter, ihn interessieren immer auch Schicksal und Lebensrealitäten der gewöhnlichen Soldaten und Zivilisten. Ein opus magnum im besten Sinn.“

    Wenn man sich einen kompakten und übersichtlichen Überblick über den Verlauf des Dreißigjährigen Krieges verschaffen möchte, ist man mit diesem Buch bestens aufgehoben. Autor Peter H. Wilson geht nicht nur Ursachen und Verlauf auf den Grund, er hinterfragt auch viele Geschehnisse und erweitert somit das eigene Denk- und Blickfeld. Ich persönlich mag solche Anregungen immer sehr. Auch sein Ausdruck und seine Wortwahl sind äußerst gelungen. Er ist distanziert, aber dennoch treffsicher mit seinen Worten. Wilson hat mit diesem Buch eine lesenswerte Gesamtdarstellung geschaffen, die für jeden Geschichtsinteressierten sehr gut lesbar und verständlich ist. Hier geht niemand mehr mit einem Fragezeichen über dem Kopf raus. Wilson beleuchtet eben auch die Hintergründe sehr detailliert. Er verliert sich dabei keineswegs und gibt wertvolle Informationen an den Leser weiter. Die kleinen Illustrationen waren zudem ein sehr guter Blickpunkt bei so einem schweren geschichtsträchtigem Thema.

    5 von 5 Sterne gibt es von mir!

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Feuersturm: Eine Geschichte des Zweiten Weltkriegs

Buchseite und Rezensionen zu 'Feuersturm: Eine Geschichte des Zweiten Weltkriegs' von Andrew Roberts
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:896
Verlag: Beck C. H.
EAN:9783406700521
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Rezensionen zu "Feuersturm: Eine Geschichte des Zweiten Weltkriegs"

  1. Naja, kann man lesen, muss man aber nicht

    Andrew Roberts hat mit "Feuersturm" eine weitere Darstellung des Zweiten Weltkriegs vorgelegt, die ich wahrscheinlich niemals gekauft hätte, aber bei meiner letzten Bestellung bei der Landesbildungszentrale war noch Luft, also habe ich mir dieses Buch mitliefern lassen. Und aufgrund einer Flaute auf dem Büchermarkt (zugeggebnermaßen subjektiv empfunden) habe ich das "Werk" nun gelesen, das Urteil ist etwas zwiespältig. Insgesamt gesehen bietet die Darstellung eine brauchbare Übersicht über den Kriegsverlauf an den verschiedenen Fronten in Europa, Asien und Afrika, aber auch nicht mehr. Und das liefern zahlreiche andere Darstellungen zum Zweiten Weltkrieg auch, nur sind die, zumindest die mir bekannten, wissenschaftlich solider. An einigen Stellen betreibt Roberts einen wahren Heldenkult, was die Taten einzelner Soldaten betrifft, eine Art zu schreiben, über die die Wissenschaft eigentlich hinaus sein sollte. Zudem weist er ständig auf die Verstrickung insbesondere der deutschen Generäle in die Verbrechen des Nationalsozialismus hin, kann sich dann aber einer deutlichen Bewunderung ihrer taktischen Leistungen nicht entziehen. Und dass Hiltler böse war, muss man auch nicht bei jeder Gelegenheit erneut betonen, wem das nicht klar ist, der muss ein Neonazi sein. Störend sind auch zahlreich eingebundene Anekdötchen, die für die historische Erkenntnis unheimlich wichtig sind, so etwa die Tatsache, dass Hitlers Freude über Siege im Westen getrübt wurde durch einen Diener, der ihm persönliche Gegenstände gestohlen habe. Ja, wenn das die Geschichtsschreibung nicht revolutioniert, was dann? Im Abschlusskapitel stellt sich Andrews dann die Frage, warum die Achsenmächte den Krieg verloren haben. Die verblüffende Antwort: weil Hitler Nazi war. Für diese Erkenntnis musste ich nun 786 Seiten darstellenden Text lesen und gelegentlich im Anhang suchen, weil der Autor die Unsitte hat, immer Historiker zu zitieren, aber diese nicht mit Namen zu nennen (Ein Historiker führt aus....), meiner Meinung nach eine Respektlosigkeit gegenüber den Kollegen der Fachzunft. Man fragt sich, warum der renommierte Beck-Verlag so eine banales Werk ins Programm aufgenommen hat und warum es dann auch noch über die Landesbildungszentralen weitergegeben wird. Wer sich ernsthaft mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen möchte, sollte auf die Bände der Darstellung "Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg", die vom Militärgeschichtlichem Forschungsamt Freiburg herausgegeben wurde, zurückgreifen, die zumindest teilweise auch als Taschenbuch relativ preisgünstig erhältlich ist und die ein Lehrstück für fundierte, wissenschaftliche Geschichtsschreibung zum Thema Zweiter Weltkrieg darstellten Hätte ich tatsächlich fast 40 € für die bisher nur gebunden erhältliche Ausgabe von "Feuersturm" ausgegeben, hätte ich mich geärgert, die 2 € Selbstkostenanteil bei der Bildungszentrale sind demgegenüber angemessen und zu verschmerzen.

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Die letzte Blüte Roms: Das Zeitalter Justinians

Buchseite und Rezensionen zu 'Die letzte Blüte Roms: Das Zeitalter Justinians' von  Peter Heather
5
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Inhaltsangabe zu "Die letzte Blüte Roms: Das Zeitalter Justinians"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
Verlag: wbg Theiss
EAN:9783806238921
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Rezensionen zu "Die letzte Blüte Roms: Das Zeitalter Justinians"

  1. 5
    09. Mär 2021 

    Spätantike Geschichte, fundiert dargeboten

    Lange habe ich gezögert, mir dieses Buch zuzulegen, doch nun hat die Wissenschaftliche Buchgesellschaft eine kostengünstigere Paperback-Ausgabe herausgegeben. Und vorweg: ja, die Anschaffung und Lektüre hat sich gelohnt.

    Peter Heathers Studie "Die letzte Blüte Roms. Das Zeitalter Justinians" stellt im Schwerpunkt die Regierungsjahre (525-565 n.Chr.) dar, eine Zeit, in der es kurze Zeit so aussah, als könne das alte römische Reich wiederaufleben. Gut ein halbes Jahrhundert nach dem Untergang des Weströmischen Reiches eroberte das Byzantinische (Oströmische) Reich in den Vandalenkriegen die reichen nordafrikanischen Provinzen zurück, um danach dem Gotenreich in Italien den Garaus zu machen, einem langwierigen, verlustreichen, aber letztendlich von Erfolg gekröntem Unterfangen. So gesehen kann man tatsächlich von der letzten Blüte Roms sprechen. Aber was war der Preis dafür? Und war es ein Programm, dem Justinian folgte? Das sind die beiden Leitfragen, denen Heather in seiner Studie nachgeht. Die Antworten sind ambivalent. Was die Frage nach dem Programm betrifft, so beantwortet sie Heather mit einem klaren Nein. Jusinian war weniger ein Gestalter als ein Getriebener, wie so viele seiner Vorgänger und auch Nachfolger musste er ständig seine Daseinsberechtigung als Kaiser nachweisen und sich gegen potentielle Mitbewerber durchsetzen. Dazu brauchte es Erfolge, um so mehr, als dass das Regime beim Nika-Aufstand am Rande des Abgrundes stand. Verluste/ausbleibende Erfolge in den Auseinandersetzungen mit den Persern an der Ostgrenze, religiöse Spannungen wegen des Konzils von Calchedon, in dem es um die Frage der göttlichen und menschlichen Natur Jesus ging, die aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar sind, entluden sich in diesem Aufstand der Zirkusparteien, der buchstäblich in letzter Sekunde niedergeschlagen wurde. Und damit beginnt das bis heute bekannte uralte Spiel: Um von innenpolitischen Problemen abzulenken, wird ein Krieg inszeniert. Und da traf es sich eben gut, dass die Perser sich auf einen längeren Waffenstillstand einließen und dass Nachfolgestreitigkeiten im Vandalenreich den Byzantinern Anlass zum Einschreiten gab. Und da das mit eher unklarem Auftrag gestartete Herr gleich nach der Landung in Nordafrika große Erfolge erzielte, beschloss der verantwortliche Feldherr Belisar, gleich das Königreich der Vandalen zu zerschlagen und dem römischen Reich wieder einzugliedern. Damit war der nächste Schritt fast vorprogrammiert, der über Sizilien nach Italien, wobei auch hier die Auseinandersetzungen um die Nachfolge Theoderichs den Vorwand für das Einschreiten der Byzantiner abgaben.Selbstredend verschafften diese militärischen Erfolge Justinian den Rückhalt in seinem Reich, den er brauchte, auch um die nach wie vor schwelenden relgiösen streitereien zu beenden.

    Was die Frage nach dem Preis betrifft: es war ein verdammt hoher. Unzählig ist die Zahl der durch die Kriege Getöteten oder Versklavten, was allein schon den wichtigsten Aspekt darstellt. Rein ökonomisch betrachtet vielen die Reichtümer vor allem Nordafrikas an Byzanz, nur müssen die zuvor aufgewendeten Kosten für die militärischen Aktionen dagegen gerechnet werden. Und nicht nur das, Byzanz war nicht (mehr) in der Lage, seine militärische Präsenz an allen Fronten stark zu halten. Von Norden drangen imer wieder fremde Völker zu Raubzügen ins Reich ein, aber in seinen Auswirkungen weitaus schlimmer, die Perser nutzen das Fehlen der im Westen eingesetzten Truppen, um das den Osten des Byzantinischen Reiches zu bedrängen, ein Unterfangen, der zum Untergang der damaligen Weltstadt Antiochia führte. Die Provinzen konnten zwar letztendlich von Byzanz gehalten werden, aber nur, um unter den Nachfolgern Justinians gut hundert Jahre später endgültig verloren zu gehen. Makabrerweise war dies eine Folge des Jahrhunderte langen Dauerkrieges zwische den Römern und den Persern, der letztlich beide Mächte so sehr auszehrte, dass sie den durch den Aufstieg des Islam befeuerten Arabern nichts mehr entgegenzusetzten hatten. Das alles ist nicht Justinians Schuld, wie Heather mehrfach betont. Aber muss man sich nicht auch fragen, ob die Eroberungskriege im Westen nicht doch langfristige Auswirkungen hatten, in dem Sinn, dass die damaligen Verluste eben doch zu einer Schwächung nicht nur des Militärs führte. Aber damit geraten wir in den Bereich der Spekulation.

    Kleines Bonmot am Rande, Heather zieht in seiner 2018 erstmals in Großbritannien veröffentlichten Sudie des Öfteren Paralellen zu heute, mein Lieblingszitat ist auf S. 93, wo über den Vorgänger und Onkel Jusitnians heißt: Justin konnte auf ein paar außergewöhnliche erfolgreiche Monate zurückblicken (was mehr ist, als zum Beispiel Donald Trump je von sich wird behaupten können). Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago

Buchseite und Rezensionen zu 'Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago' von Michael Sommer
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
Verlag: Beck C. H.
EAN:9783406767203
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Rezensionen zu "Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago"

  1. 3
    22. Mär 2021 

    Das Buch ist sehr gut in dem, was es macht.

    Der Autor hat hier ein einwandfreies wissenschaftliches Werk verfasst, mit ausführlicher Quellenforschung und Behandlung offener Forschungsfragen. Was hier herausgekommen ist, ist ein Werk für Studenten, Wissenschaftler und Amateurhistoriker. Für mich jedoch, den das Thema durchaus interessiert und der einfach gerne in die Ereignisgeschichte eingetaucht wäre, ist dies leider ein sehr mühsam zu lesendes Buch. Ständig die Verwendung von Konjuntiv I und immer wieder die Vergleiche von schriftlichen Quellen, sind zwar handwerklich korrekt gemacht, aber für mich komplett uninteressant. Ich lese gerne Geschichtsbücher, wenn sie spannend die Geschichte erzählen. Der Autor holt hier jedoch immer sehr weit aus mit seinen Theorienvergleichen, Hintergrundinformationen und Ereignisinterpretationen, wodurch es auf mich teilweise etwas langatmig wirkt.
    Anderseits werden Leser, die sich intensiv mit diesem Konflikt beschäftigen wollen, zufriedengestellt werden, denn der Autor geht auch detailliert auf die Vorgeschichte, die Zwischenkriegsphasen, die Nachkriegszeit und die Peripherie ein, auf die kulturellen und politischen Hintergründe, auf die Rezeption in Literatur und Kunst im späteren Europa, auf einfach alles, was irgendwie mit den Punischen Kriegen zu tun hat. Mangel an Vollständigkeit kann hier sicher nicht kritisiert werden.
    Wie gesagt, finde ich, dass dieses Buch absolut gelungen ist und ein großartiges Grundlagenbuch zu den Punischen Kriegen abgibt, nur bin ich halt nicht das Zielpublikum. Dieses Werk reduziert auf ein Beck-Wissen-Format und ich hätte es verschlungen, so ist es mir jedoch zu viel.
    Fazit: Für die interessierte Leserschaft zu empfehlen.

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  1. 5
    01. Mär 2021 

    Es ist nicht die erste, aber

    Es ist nicht die erste, aber sicherlich die bisher beste Darstellung der Punischen Kriege, die ich bisher gelesen habe. Dem Oldenburger Althistoriker gelingt es, die die Weltgeschichte prägenden Phase der drei mit der Zerstörung Karthagos endenden Kriege informativ und fesselnd darzustellen. In einem relativ kurzen Zeitraum von ca. 120 Jahren (264 v. Chr. -146v. Chr) vollzog sich ein völliger Wandel innerhalb der Mittelmeerwelt, der am Ende Roms Aufstieg zur Weltmacht sah. Ausgehend von einem eher zweitrangigen Anlass auf der Insel Sizilien.entwickelte sich ein Vernichtungskrieg zwischen der Seemacht Karthago und der auf Italien beschränkten Landmacht Rom. Plündernde Ex-Söldner besetzten die Stadt Messina an der Meerenge zwischen Sizilien und der Stiefelspitze Italiens, als sie die Reaktion der mit Karthago verbündeten Syrakusaner fürchteten, wandten sie sich mit der Bitte um Unterstützung an den römischen Senat. Was trieb diesen an, dem Hilfegesuch zu entsprechen? Im Vorfeld hatten die Römer eigentlich ein gutes Verhältnis zu Karthago und erkannten in einigen Verträgen deren Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer an. Doch nun riskierten sie eine Auseinandersetzung, deren Ausgang durchaus unklar war, da die Römer es anders als in ihren bisherigen inneritalischen Kriegen mit einem gleichwertigen, möglicherweise sogar übermächtigen Gegner zu tun hatten. Die Antriebsfedern waren letztendlich die zu erwartende Beute im Siegesfall und vor allem innenpolitische Beweggründe. Senatsmitglieder, die sich im sogenannten cursus honorum bewähren wollten, sahen in erfolgreich geführten militärischen Kommandos eine hervorragende Möglichkeit, sich für höhere Weihen zu profilieren. Der letztere Beweggrund war genauso wichtig für die dem ersten Punischen Krieg folgenden Auseinandersetzungen, auch mit Griechen und den Diadochenreichen. Am Ende stand der 264 nicht unbedingt absehbare Aufstieg Roms zur Weltmacht. Mit der Eroberung Siziliens hatten die Römer den ersten Schritt aus dem Festland getan, danach folgte ihe Ausdehnung in Spanien, Griechenland und Nordafrika. Der Preis dafür war sicherlich ein hoher, aber letztendlich war, so Sommer, der Bestand der römischen Suprematie in Italien, der Machtbasis Roms, nie ernsthaft in Gefahr. Selbst Hannibals Zug nach Italien führte nicht zum Zusammenbruch der römischen Macht, da die Bundesgenossen, anders als von den Karhagern erhofft, trotz aller Niederlagen fest an der Seite Roms standen. So verpuffte Hannibals Initiative letztendlich in einem Abnutzungskrieg, den die Karthager fernab ihrer Machtbasis (die zudem mit Spanien auch noch verloren ging), nicht gewinnen konnten. Nicht zufällig endete dann der zweite Punische Krieg mit der Schlacht von Zama in Nordafrika. Und das Ende Karthagos im dritten Punischen Krieg war letztendlich vorprogrammiert, denn angesichts der römischen Übermacht waren die Karthager chancenlos.

    Wie so ziemlich jede historische Darstellung beginnt Sommer mit einer Übersicht über die Quellenlage, die in diesem Fall eindeutig römisch geprägt ist. Es gibt leider nur die Sicht der Sieger auf diesen Konflikt, was alles hätten uns wohl karthagische Quellen verraten können? Und, nun völlig in kontrafaktische Geschichtsschreibung abgleitend, was wäre gewesen, wenn sich die in einer Abfolge verschiedener Kriege gegen die Römer unterlegenen Kathager, Griechen und Seleukiden verbündet hätten, wie es Hannibal gern gesehen hätte?

    Wer sich für die antike Geschichte interesssiert, sollte sich diese Studie zu Gemüte führen.

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Militärgeschichte des Mittelalters

Buchseite und Rezensionen zu 'Militärgeschichte des Mittelalters' von Martin Clauss
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Militärgeschichte des Mittelalters"

Format:Taschenbuch
Seiten:128
Verlag:
EAN:9783406757525
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Rezensionen zu "Militärgeschichte des Mittelalters"

  1. 2
    21. Sep 2020 

    Leider nicht, was ich erwartet hatte.

    Dieses Buch ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch der fantastischen Beck-Wissen-Reihe manchmal Fehlgriffe passieren. Was mich hier am meisten stört, ist, dass dieses Büchlein eigentlich nur eine Ereignisgeschichte mit Fokus auf der Abfolge von Schlachten, Kämpfen und Kriegen ist, während hingegen Militärtechnik, Strategien, Logistik und all die anderen Dinge viel zu kurz kommen. Meine persönliche Erwartungshaltung wurde somit nicht erfüllt, aber vielleicht gibt es ja Leser, die genau das wollen.
    Mein zweiter Kritikpunkt betrifft die geographische Eingrenzung. Ich finde es sehr schade, dass der Fokus auf Frankreich, England, Deutschland und Italien beschränkt wurde, wobei England und Italien auch noch sehr kurz kommen. Statt einer trockenen Ereignisgeschichte hätte ich mir einen größeren geographischen Blickwinkel gewünscht mit eben der militärischen Differenzierung. So aber habe ich das alles als relativ uninteressant empfunden.
    Fazit: Nicht zu empfehlen, außer man interessiert sich für genau dieses spezielle Thema.

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