Fake – Wer soll dir jetzt noch glauben?

Buchseite und Rezensionen zu 'Fake – Wer soll dir jetzt noch glauben?' von Arno Strobel
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Fake – Wer soll dir jetzt noch glauben?"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:368
EAN:9783596706662
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Rezensionen zu "Fake – Wer soll dir jetzt noch glauben?"

  1. "Auf den Leim gegangen!"

    "FAKE oder FAKT?"

    Der neue Thriller von Arno Strobel ließ mich vor Vorfreude förmlich "glühen".

    Der Autor wurde 1962 in Saarlouis/ Deutschland geboren und schreibt seit 2014, einen erfolgreichen Roman nach dem Anderen.
    Beruflich war er vorher in der Informations - & Versorgungsechnik - Branche tätig.

    Das Cover in Knallrot, mit dem sich von Ausgabe zu Ausgabe ändernden Titel, ist ein echter "Eyecatcher".

    Ich gestehe, dass ich ein Fan dieses Autoren bin. Aber gerade weil ich die meisten seiner Bücher gelesen habe, werden meine Erwartungen immer größer.
    So auch hier.

    Mein persönliches Leseerlebnis
    Erzählstil, Aufbau, Spannung, Finale:

    Der flüssige lesbare Erzählstil ist auch hier sehr gut gelungen. Ich fliege durch die Seiten.
    Der logische Aufbau der Story nimmt mich mit in das Zentrum, des Geschehens.
    Die Erzählung findet im ersten Teil in der "ICH"-Perspektive statt.
    Später wechselt es, in die eines anderen Protagonisten.
    Die Übergänge zwischen den Kapiteln, sind regelmäßig mit kleinen bis großen Cliffhangern versehen.
    Schon nach etwa 10% der erzählten Geschichte, dachte ich, den Täter jetzt schon ausmachen zu können...
    Oh Mann, bin ich hier dem Autoren auf "den Leim gegangen"!
    Zum Finale ist dann die Auflösung aller Erzählstränge erfolgt und der Täter steht fest.
    Ich war sehr überrascht und habe mich sehr über das Erlebnis "getäuscht " worden zu sein - gefreut.

    Zusammenfassung:
    Ein toller, ungewöhnlich erzählter Thriller, der nicht nur Nervenkitzel sondern auch ein Gefühl der Ausweglosigkeit und Triumpf, miteinander koppelt.
    Fazit:
    Ein weiterer, ausgezeichneter Thriller, der sicher viele Fans dieses Genre und darüber hinaus, begeistern wird. Von mir gibt es für das Gesamtpaket: ausgezeichnete 5 Lesesterne!

    ISDN: 978-3596706662
    Veröffentlichung: 31.08.2022
    Verlag: Fischer
    Format: elektr., Hörbuch & Taschenbuch

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Hush - Ende des Schweigens

Buchseite und Rezensionen zu 'Hush - Ende des Schweigens' von  Loewe Jugendbücher
NAN
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Inhaltsangabe zu "Hush - Ende des Schweigens"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:400
Verlag: Loewe
EAN:9783743206441
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Die Jagd

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Jagd' von Sasha Filipenko
5
5 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Jagd"

Ein Journalist, der zu viel weiß. Ein Sohn, der seinen Vater verrät. Ein Oligarch, der keine Gnade kennt. Ein korrupter Schreiberling ohne jeden Skrupel. Medien, die auf Bestellung einen Ruf ruinieren. Sasha Filipenko erzählt die Geschichte des idealistischen Journalisten Anton Quint, der sich mit einem Oligarchen anlegt. Worauf dieser den Befehl gibt, Quint fertigzumachen. Die Hetzjagd ist eröffnet.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
Verlag: Diogenes
EAN:9783257071580
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Rezensionen zu "Die Jagd"

  1. Das Sinnbild für Mobbing und Schikane...

    Da mir die anderen Romane des Autors sehr gefielen, musste ich natürlich auch hier reinlesen und es hat mich ehrlich gesagt umgehauen.

    In der Geschichte geht es um Anton Quint, einem Journalisten, der gerne provokativ schreibt und Missstände aufdeckt. Seine letzte Enthüllung hat leider einem Oligarchen so gar nicht gefallen und er muss die Konsequenzen tragen. Wie weit geht man, um sich selbst treu zu bleiben?

    Der Roman las sich für mich fast so wie ein Drehbuch oder Theaterstück, da viel Redeanteil enthalten ist und der Leser Hinweise bekommt, was ihn als Nächstes erwarten wird.

    Es wird sehr anschaulich dargestellt wie die russische Gesellschaft tickt und dass es eben nur darauf ankommt wer Macht und Geld hat und nicht wer im Recht ist. So lässt sich auch verstehen warum auch aktuell im Land kaum Widerstand zu spüren ist, denn da gehören Mut und Mumm dazu das auszuhalten.

    Die eigentliche Jagd auf den Journalisten hat mir Gänsehaut verschafft, denn mir war nicht klar wie grausam es zugehen könnte. Man konnte sich intensiv vorstellen wie sich Anton Quint quält und ich muss gestehen, dass ich sehr schnell aufgegeben und mich zurückgezogen hätte.

    Lews Erzählungen über sein Leben als junger Mann und wie er dann zum Gangster wurde, das hatte schon etwas für sich. Es machte ihn jetzt nicht sympathisch, aber sein Handeln war doch irgendwie nachvollziehbar, schließlich musste er aus seinem Schlamassel wieder heraus. Und auch für den Oligarchensohn hatte ich irgendwie Mitgefühl, das hat Filipenko sehr geschickt gemacht.

    Fazit: Eine bedrückende Geschichte, die mich völlig in ihren Bann gezogen und mich begeistert hat. Klare Leseempfehlung. Klasse!

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  1. 5
    04. Apr 2022 

    Böse Hetze

    Als ich hörte, dass ein neuer Filipenko bei Diogenes herauskommt, freute ich mich natürlich. Nachdem ich "Rote Kreuze" gelesen hatte, wurde Sasha Filipenko für mich zu einem Autor, den ich beobachten werde und dessen Werke ein Muss für mich sind. Sein 2021 in Deutschland herausgekommenes Buch "Der ehemalige Sohn" kam in meinen Augen nicht an "Rote Kreuze" heran, welches in meinen Augen definitiv ein Meisterwerk in seiner Intensität ist. Nun war ich auf "Die Jagd" gespannt.

    Dieses Buch war besser als "Der ehemalige Sohn", kommt aber wieder in meinen Augen nicht an "Rote Kreuze" heran. In "Die Jagd" baut der Autor ein spannenderes Szenario auf als in "Der ehemalige Sohn", aber er berührt mich mit diesem Buch wieder nicht so, wie er dies mit "Rote Kreuze" geschafft hat. Aber Sasha Filipenko berührt mich und trifft mich. 5 Sterne war mir "Die Jagd" daher dennoch wert. Warum?

    Nun, Sasha Filipenko zeichnet in "Die Jagd" ein wirklich erschütterndes Szenario, welches momentan perfekt ins aktuelle Zeitgeschehen passt. Hier wird eine Welt gezeichnet, die vollkommen abstößt, die aber zeigt, wie die Eliten in Russland herrschen, wie dieses System funktioniert. Dieses Buch zeigt damit genauso, wie dieses momentane Geschehen, dieser erschreckende Krieg ermöglicht wurde und wieso es in Russland so viele Befürworter von Putins Handeln gibt/geben kann. Dieses Buch zeigt, was das Wesen einer Diktatur ist, wie es ist, wenn die Angst regiert und man gewissen Herrschaften nicht unangenehm auffallen möchte. Und dieses Buch und auch anderes Handeln in Russland, Belorussland und der Ukraine zeigt mutiges Handeln unglaublich mutiger Menschen, wie auch Sasha Filipenko absolut couragiert ist und man dafür laut Danke sagen muss, gerade in diesen Zeiten.

    Denn in diesem Buch macht ein guter Journalist seine Arbeit, er deckt auf, prangert an. Und kommt damit einem Oligarchen zu nahe, schadet ihm gar. Und auch dieser reagiert, er reagiert, wie ein guter Oligarch reagiert, er schützt seine Position. Und zwar mit allen Mitteln! Wie dies halt in solchen Ländern wie Russland möglich ist. Und diese Reaktion wird es auch in anderen, ähnlich gelagerten Ländern geben, wenn man versucht die Mächtigen zu begrenzen. Also ist "Die Jagd" auch ein Buch für jene, die an unserer Demokratie zweifeln und anscheinend vergessen haben, welche Strukturen es in den östlichen Bundesländern vor der Wende gab.

    Aufgebaut ist dieses Buch wieder etwas eigenwillig, diesmal in Form einer Sonatenhauptsatzform der musikalischen Formenlehre. Jedes der drei Bücher von Sasha Filipenko, die ich bisher gelesen habe, ist anders aufgebaut, was auch für die Qualität dieses Schriftstellers spricht. Und mich unheimlich neugierig macht auf die weiteren Werke des Autors. Mit denen uns Diogenes vielleicht noch konfrontieren wird. Mal schauen.

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  1. Spannung in Form einer Sonatenhauptsatzform

    Erschüttert und aufgewühlt war ich nach diesem Roman: so viel eiskaltes Handeln, so wenig Empathie und 0 Unrechtsbewusstsein! Und warum das Ganze? Weil Anton Quint, Journalist und frisch gebackener Vater, schon zu viel über den Oligarchen Wladimir Slawin herausgefunden hatte.

    Dass der Autor inzwischen nicht mehr weder in Belarus noch in Russland lebt, kann ich sehr gut nachvollziehen - zu sehr zeigt er die Probleme Russlands auf, legt den Finger in die Wunde. Und so lesen wir von einem Showprozess wegen eines leeren Posts in ‚social media‘, von einem Bären, der angebunden zur Unterhaltung von Hunden in einer Grube zerrissen wird (ein Anwalt auf die gleiche Art!), von Methoden, die angewendet werden wenn einer ernsthafte Probleme bereitet (ein LKW an der Kreuzung, eine Kugel in den Kopf, Gift, ein Sturz aus einem vergitterten Fenster……….), von der ‚sanften‘ Tour (‚Nieren zerkloppen‘, ein paar Finger brechen), aber auch die Methode ‚Plus minus auf Heimatliebe‘.

    Die Spannung wird geschickt aufgebaut: Lew Smyslow besucht in Lugano seinen um 10 Jahre jüngeren Bruder Mark kurz vor dessen Konzert. (Daher auch die Gestaltung des Romans als Sonatenhauptsatzform!) Er erzählt nicht nur, wie es ihm nach dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Absturz der Familie erging, sondern auch, wie er Arbeit bei Kalos (Freund aus Kindheitstagen) ‚Onkel Wolodja‘ fand und wie diese Arbeit ausschaut. (Und ich fragte mich dauernd, warum Lew ihm das alles erzählt.)

    Auch in diesem Buch (wie auch in seinen früheren) werden keine Namen genannt, aber jeder weiß bestimmt, wer mit ‚Imperator‘ gemeint ist. Ich konnte das Buch vor lauter Spannung nicht mehr aus der Hand legen! Bei den ganzen Beobachtungen („Was auch immer im Land passiert, wie sehr die Staatsmacht auch pfuscht, meine Kommentare stellen klar, dass an allem die USA schuld sind.“) fiel mir die alte Führungs-Weisheit ein, die da lautet: ‚der Fisch stinkt vom Kopf her‘.

    Ich empfehle dieses neue Werk von Sasha Filipenko jedem, der sich mit der aktuellen russischen Geschichte beschäftigt! Fünf Sterne vergebe ich an diesen Roman, der mich lange beschäftigen wird!

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  1. 5 Sterne für diesen Lese-Knaller

    !ein Lesehighlight 2022!

    Klappentext:
    „Ein Journalist, der zu viel weiß. Ein Sohn, der seinen Vater verrät. Ein Oligarch, der keine Gnade kennt. Ein korrupter Schreiberling ohne jeden Skrupel. Medien, die auf Bestellung einen Ruf ruinieren. Sasha Filipenko erzählt die Geschichte des idealistischen Journalisten Anton Quint, der sich mit einem Oligarchen anlegt. Worauf dieser den Befehl gibt, Quint fertigzumachen. Die Hetzjagd ist eröffnet.“

    Sasha Filipenko gehört nach „Rote Kreuze“ zu meinem ganz festen Stamm-Autoren-Repertoire. In seinem aktuellen Werk „Die Jagd“ dürfen wir ihn wieder in Höchstleistung erleben. Der bietet uns eine Hetzjagd an! Also nutzen wir Leser diese Chance und lassen uns jagen oder werden wir die Jäger sein?
    Journalist Anton Quint hat etwas, was andere nicht haben und das ist zu viel Wissen. Ich will hier versuchen ganz behutsam auf den Inhalt neugierig zu machen, ohne etwas zu verraten. Dieses Wissen wird ihm zum Verhängnis. Und dann ist da noch dieser Oligarch mit einer Macht, die den Leser fast erschlägt. Wow! Filipenko fängt auch in diesem Buch wieder eine politische Lage in den Ostländern auf und zeigt schonungslos und offen das Böse. Hier braucht man wahrlich etwas stärkere Nerven. Wer offen durch die Welt geht und sich für Weltpolitik ein wenig interessiert, wird hier viele Parallelen erkennen, und wie gesagt, kennt man das als Leser von Filipenko sehr gut. Er zeigt aber auch, das Idealismus und zu viel Akribie komplett das Gegenteil erzielen können und den Menschen der dies betreibt, aus der Bahn werfen kann. Filipenko hat auch hier wieder einen scharfen und dieses Mal auch etwas gewaltbereiten Ton am Leib. Hier werden wir Leser mit Gewalt konfrontiert, aber keine Angst, Sie werden kein blaues Auge dabei bekommen oder gar den KGB auf den Hals gehetzt bekommen. Aber seien Sie vorsichtig und auf der Hut! Anton wollte auch nur „Gutes tun“ und trat in ein Wespennest und zertrat dabei fast die Königin. Er wird zum Spielball, die Hetzjagd die hier beschrieben wird, bringt uns Leser wirklich in Fahrt und fast um den Verstand.
    Es war wieder ein Fest Filipenko zu lesen, er hat einen grandiosen und treffenden Stil. Er bohrt in Wunden und traut sich den Mund aufzumachen. Er weiß genau den Leser gekonnt am Ball zu halten, er weiß, wie er uns gefangen nehmen muss um dieser Geschichte treu zu bleiben.
    Dieses Buch bekommt von mir wieder 5 von 5 Sterne verliehen und eine Leseempfehlung!

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Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern

Buchseite und Rezensionen zu 'Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern' von Irene Vallejo
4.6
4.6 von 5 (12 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern"

Das Buch ist eine der schönsten Erfindungen der Menschheit. Bücher lassen Worte durch Zeit und Raum reisen und sorgen dafür, dass Ideen und Geschichten Generationen überdauern. Irene Vallejo nimmt uns mit auf eine abenteuerliche Reise durch die faszinierende Geschichte des Buches, von den Anfängen der Bibliothek von Alexandria bis zum Untergang des Römischen Reiches. Dabei treffen wir auf rebellische Nonnen, gewiefte Buchhändler, unermüdliche Geschichtenerzählerinnen und andere Menschen, die sich der Welt der Bücher verschrieben haben.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:640
Verlag: Diogenes
EAN:9783257071986
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Rezensionen zu "Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern"

  1. Die Magie der Bücher...

    Ich bin sonst nicht wirklich der Sachbuchfan, aber allein die Optik hat mich neugierig werden lassen, weil der Goldstaub auf dem Cover magisch geglitzert hat.

    Das Sachbuch mit seinen beinahe 800 Seiten wirkt im ersten Moment respekteinflößend und ich brauchte einen Moment, um mich an den Schreibstil zu gewöhnen, aber ist man dann erstmal drin, dann kann man sich komplett verlieren.

    Es wird nicht die komplette Entwicklung des Buches beleuchtet, sondern von der Entstehung rund um Alexandrias Bibliothek bis hin zum Ende des Römischen Reiches und es war faszinierend zu lesen wie früh schon die Möglichkeit bestand sich über Schrift auszutauschen und nicht nur über das Erzählen von Geschichten. Auch der eigentliche Sinn von niedergeschriebenen Worten hat sich mir noch mehr erschlossen, da sie nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern um Wissen zu speichern, damit dieses nicht verloren geht.

    Das Besondere ist wohl, dass es der Autorin gelingt den Bezug zur heutigen Zeit zu schaffen, denn immer wieder tauchen Vergleiche mit der Gegenwart auf, so dass man sich gut identifizieren kann.

    Ich hatte einige Aha- Momente und wunderte mich doch sehr, wieviel alles nicht damals im Geschichtsunterricht erwähnt worden ist.

    Ich habe das Buch Portionsweise gelesen, um den Genuss länger aufrecht zu halten und um das Gefühl von Längen nicht entstehen zu lassen.

    Fazit: Liest sich wie eine spannende Geschichtsdokumentation. Klare Leseempfehlung.

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  1. 3
    12. Jul 2022 

    Umfangreiches Werk über die Entstehung des Buches in der Antike

    Ein golden blühender Papyrus ziert das Buchcover. Der Titel „Papyrus“ und sein Untertitel „Die Geschichte der Welt in Büchern“ lassen vermuten, worum es in diesem Buch geht.
    Irene Vallejo, die Autorin des Buches, die während des Philologie-Studiums ihre Leidenschaft für die Antike entdeckte, teilt in dem Werk ihr Wissen über die Entstehung der Bücher in der Antike mit.

    Gleich am Anfang versetzt die Autorin ihre Leserschaft in die Jahrhunderte v. Chr., nimmt sie nach Griechenland und Ägypten mit. Spannend erzählt sie über die Gründung von Alexandria und über das Menschenleben damals, über die Herrscher und Krieger der Zeit. Erstaunlich ist es, dass gerade diese kriegerischen Herrscher den Bau der Bibliothek von Alexandria ermöglicht und für die Beschaffung der Bücherwerke aus der ganzen Welt gesorgt haben.

    Spannend ist die Geschichte über die Entstehung der Bücher, die zu der Zeit eigentlich keine Bücher im heutigen Sinne waren.
    Ich fand in dem Buch viele interessante Fakten, die mit der Geschichte der Bücher und Literatur verbunden sind. So haben mich die Erzählungen über die Entstehung des Alphabets, die ursprünglichen Methoden des Lesens- und Schreibenlernens, die Geburt der ersten Bibliotheken und das Erfinden der Katalogisierung in ihren Bann gezogen. Es sind faszinierende Geschichten mit vielen historisch belegten Fakten, aber auch voll Fantasie.

    Hilfreich ist es, dass die trockenen geschichtlichen Fakten - sowohl durch die Bezüge zu Gegenwart, wie auch durch interessante Anekdoten - gekonnt von der Autorin gelockert wurden.

    Im Buch gibt es viele wunderschöne, poetisch angehauchte Sätze, wie diese über den Besitz von Büchern: (Seite 65)
    „Der Zufluchtsort, an dem wir all das bergen, was wir zu vergessen fürchten. Die Erinnerung der Welt. Ein Damm gegen den Tsunami der Zeit“

    Anstrengend fand ich, dass die Autorin sich in ihrem Buch an kein Schema und keine Chronologie hält. Ihre Erzählung ist sprunghaft, die Themen und angesprochenen Epochen wechseln ständig, das Lesen - trotz der meistens leichten Sprache – ist ermüdend. Bei vielen historisch belegten Fakten fehlte mir der Bezug zur Geschichte des Buches, das immer wiederkehrende Thema der Antike fand ich irgendwann störend und die Einschübe mit persönlichen Anekdoten für die Geschichte der Bücherentstehung irrelevant.

    „Papyrus“ ist keine leichte Lektüre, die man in einem Zug lesen kann. Auch dann nicht, wenn man Bücher liebt und an ihrer Entstehung, ihrer Geschichte interessiert ist. Die enorme Zahl von unterschiedlichen Themen und Informationen belegen auch das 45-seitiger Quellenverzeichnis, 11-seitige Auflistung der „Für die deutsche Übersetzung hinzugezogener Literatur“ und neun Seiten der aufgelisteten „Weiterführenden Literatur“. Diese insgesamt 65-seitige Liste ergänzt zum Schluss das Buch.

    „Papyrus“ ist ein sehr umfangreiches Werk, für den man sich viel Zeit nehmen sollte um ihn in aller Ruhe studieren zu können.

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  1. Eine lehrreiche Liebeserklärung ans Buch

    Seit fast 5000 Jahren faszinieren das Buch und seine Vorstufen die Menschheit. Wie ist es entstanden und wie hat es sich entwickelt? Eine Reise in die Geschichte fördert Erstaunliches zutage.

    „Papyrus - Die Geschichte der Welt in Büchern“ ist ein literaturhistorisches Sachbuch mit autobiografischen Zügen von Irene Vallejo.

    Meine Meinung:
    Das Buch besteht aus zwei Teilen, die insgesamt 34 Kapitel umfassen. Sie werden eingerahmt durch einen Prolog und einen Epilog.

    Die Sprache ist leicht verständlich, sehr anschaulich und unprätentiös, aber nicht zu simpel. Dank des plastischen Schreibstils gelingt es der Autorin, Historisches auf lebhafte Art zu vermitteln.

    Inhaltlich liegen die Schwerpunkte eindeutig auf den alten Griechen und dem antiken Rom. Wissenswerte Details und weniger bekannte Aspekte rund um Bücher, Bibliotheken und das Schreiben greift das Buch auf und stellt damit auch für Geschichtsbewanderte eine große Fundgrube dar.

    Trotz der mehr als 600 Seiten konnte mich die Autorin immer wieder überraschen. Längen und Wiederholungen halten sich in Grenzen. Zwar ist das Buch aufgrund des Themas und der Faktenfülle in inhaltlicher Sicht durchaus gewichtig und lässt sich nicht in Rekordtempo durchlesen. Dennoch hat es mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt.

    Obwohl der Fokus auf der länger zurückliegenden Vergangenheit ist, geht die Autorin auch auf jüngere Werke ein. Das macht Lust, diese Bücher selbst zu lesen, und es verdeutlicht, dass sie weiß, wovon sie schreibt.

    Persönliche Erinnerungen und Anekdoten unterbrechen die historischen Ausführungen. An diesen Stellen weicht der Genretyp des Sachbuches stark auf. Auch die damit verknüpfte Ich-Perspektive ist gewöhnungsbedürftig. Dies jedoch macht auch den Charme des Buches aus.

    Das umfangreiche Quellenverzeichnis, die weiterführende Literatur und das Personenverzeichnis runden das Buch ab. Sie belegen noch einmal die fundierte und ausführliche Recherche der Autorin.

    Die Gestaltung des Hardcovers mit den Goldelementen, dem Leineneinband und dem Lesebändchen wirkt ansprechend und hochwertig. Einzig der deutsche Untertitel ist nicht ganz so gut gelungen, weil er missverständlicher formuliert ist als das spanischsprachige Original („El infinito en un junco - La invención de los libros en el mundo antiguo“).

    Mein Fazit:
    Nicht nur in optischer, sondern auch in inhaltlicher Hinsicht ist „Papyrus - Die Geschichte der Welt in Büchern“ ein Schmuckstück im Regal. Das Werk von Irene Vallejo ist sehr empfehlenswert nicht nur, aber vor allem für Bibliophile.

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  1. Ein Meisterwerk für Bibliophile!

    "Papyrus" von Irene Vallejo hat aus zwei Gründen sogleich mein Interesse gweckt: Zum einen liebe ich Bücher über Bücher. Zum anderen besticht das Werk durch ein traumhaft schönes Cover. Dennoch war ich skeptisch, ob ich mich auf die Lektüre des umfangreichen Werkes einlassen sollte. Würde mich dieses Sachbuch über die Geschichte der (antiken) Welt vermittelt über die parallel erzählte Entstehungsgeschichte des Buches begeistern können? Sollte ich mich auf das Wagnis der Lektüre einlassen? Es heißt, wer nicht wagt, der auch nicht gewinnt. Daher beschloss ich, mich auf die Entdeckungsreise zu begeben und schon bald versank ich in Vallejos meisterhaft erzählten und brilliant recherchierten Werk. Sehr schnell war ich höchst fasziniert, denn so viel Wissenswertes und Überraschendes gab es zu entdecken. Vergleichbares hatte ich bis dato noch nicht gelesen. "Papyrus" ist eine wahre Fundgrube, ein wertvoller Schatz, der darauf wartet, von Bibliophilen gehoben zu werden. Es versteht sich von selbst, dass ich den konkreten Inhalt dieser Schatztruhe hier nicht in allen Details verraten kann. Ist es nicht wichtig, dass jeder bibliophile Abenteurer sich selbst auf die Reise begibt? Und ist es nicht Teil des Abenteuers, den Schatz eigenständig und ohne fremde Hilfe zu heben? Erlaubt ist allerhöchtens ein kleiner "Lockruf", um den bibliophilen Entdeckungsreisenden dazu zu motivieren, seine bequeme Komfortzone zu verlassen und selbst die Schatztruhe zu heben, um den wertvollen Inhalt zu durchstöbern. 

    Was also packte Vallejo in die begehrte Schatzkiste? Es sind vor allem zahlreiche Reliquien aus der Antike darin. Enthalten sind seltene Hinweise, warum Alexander der Große etwa vermeintlich mit einer Illias zu Bett ging und warum er als Vorbote der Globalisierung gilt. Enthalten sind aber auch zahlreiche Informationen über die Urform des Buches: den Papyrus und Einblicke in Techniken, wie dieser vor dem Vergessen bewahrt werden sollte. Fundstücke aus weit zurückliegenden Zeiten sollen wohl ermöglichen beispielsweise die Lieblingsbücher der damaligen Zeit zu benennen. Die Schatztruhe enthält detaillierte Informationen über die vielen Facetten der Entstehung und Entwicklung der Buckkunst. Selbst das Geheimnis rund um die Frage, wer die Autorenschaft begründete und erstmalig einen Papyrus mit Namen versah, wird gelüftet. Delikat sind auch Hinweise auf Mordtechniken, die mittels des Buches ausgeübt werden können. Der Inhalt der Truhe ist wirklich vielgestaltig und außerordentlich wertvoll. Indem man über diesen Schatz verfügt, wird man befähigt, die Entstehung und Entwicklung der Buchgeschichte nachvollziehen zu können; es gibt Bezüge bis in die Gegenwart hinein. Überraschende aber stichhaltige Beweise dafür, dass (vermeintlich) recht neue Errungenschaften im Kontext der Kuklturwissenschaften eine weit längere Historie haben, sind ebenfalls enthalten. Es gibt so vieles zu entdecken für den, der sich auf die Entdeckungsreise begibt. Für seine Anstrengungen wird der bibliophile Abenteurer reich belohnt werden. Das reicht noch nicht, um dem Lockruf zu folgen?

    Dann folgt hier noch ein kurzer Einblick im Orginalton:

    "Die Leidenschaft des Büchersammlers gleicht der eines Reisenden. Jede Bibliothek ist eine Reise; jedes Buch ist ein Fahrschein mit unbegrenzter Gültigkeit. Alexander zog durch Afrika und Asien, ohne sich von seinem Exemplar der Illias zu trennen; Historikern zufolge suchte er darin Rat und nährte seine Sehnsucht nach höherer Bedeutung. Die Lektüre eröffnete ihm, wie ein Kompass, Wege ins Unbekannte" (51)

    Und genau das leisten Bücher: Sie eröffnen uns Einblicke in neue, unbekannte Welten und zwar ohne dass wir den Ort, an dem wir uns befinden, verlasasen müssen. 

    Auch Vallejo nimmt bibliophile LeserInnen gerne mit auf die Reise. Folgt ihrer Einladung, denn ihr Werk ist allemal eine Entdeckung wert: brilliant geschrieben, sachlich sehr gut recherchiert. Mit viel Umsicht vermittelt Vallejo Einblicke in sehr komplexe Themen. Fast wünschte man, diese faszinierende Entdeckungsreise möge nie enden, doch zufrieden kehrt man nach weit über 600 Seiten heim. Mit einem Lächeln im Gesicht erfreut man sich, dass man selbst Teil einer solchen, unglaublich bereichernden Buchwelt sein darf.

    Jedem Bibliophilen kann ich die Lektüre nur wärmstens empfehlen. 

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  1. Der Weg zum Papier

    Autorin
    Irene Vallejo

    Inhalt
    Zitat von Umberto Eco

    "Alles, was wir über uns wissen, verdanken wir der Überlieferung aus Büchern, und das seit bald zweitausend Jahren. Bisher aber gibt es keinen Beweis dafür, dass die elektronischen Geräte ähnlich lange überdauern werden. Und dann ist da unsere taktile, haptische, auch emotionale Verbindung mit Büchern. Wenn wir im Keller Bücher finden, die wir einst als Kind gelesen haben, bewegt uns das. Wenn wir aber eines Tages die Diskette finden, die wir als Kind verwendet haben, kann unser Computer sie nicht mehr lesen, und die Diskette ist dieselbe wie die einer beliebig anderen Person. Dass wir den persönlichen Kontakt verlieren, ist nicht nur für Bibliophile ein Desaster. Eine kleine Minderheit elektronischer Taliban wird nur mit iPads und E-Books umgehen, alle anderen werden Bücher weiterhin brauchen, davon bin ich überzeugt.“
    Quelle: aus Interview mit Umberto Eco, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Dezember 2010 in http://w-wie-wissenschaft.blogspot.com/2010/12/book.html, 28.05.2022.

    Der berühmte Universalgelehrte Umberto Eco schwärmte vom Buch als technisch vollendetstes Meisterwerk. Noch immer gelten Bücher selbst heute im technischen Digitalzeitalter als die verlässlichsten Speichermedien von Wissen.
    Die spanische Philologin Irene Vallejo hat den erstaunlichen Siegeszug des Buches auf 752 Seiten aufgeschrieben. Ihre Aufzeichnung umfasst 3000 Jahre Buchgeschichte in Anekdoten und Fragmenten, die sie wie ein Patchwork zusammensetzt.
    Ihre Geschichte der Welt in Büchern beginnt im fernen Alexandria im dritten Jahrhundert v. Christus und umspannt den Bogen bis zum Untergang des römischen Reiches 476 mit der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustus.
    Die Autorin rekonstruiert die Geschichte des Buches in den unterschiedlichsten Formen: von den Anfängen des Buches in seiner Entstehungsgeschichte, von Frühformen und Äquivalenten „von Rauch, Stein, Ton, Schilf, Seide, Leder, Holz und neu Kunststoff und Licht“, eingebunden im jeweiligen Kontext von der Papyrusrolle über die Schiefertafel bis hin zum heutigen Informationsträger Papier.

    Sprache und Stil
    „Papyrus, die Geschichte der Welt in Büchern“ von Irene Vallejo ist eine Zeitreise in die Antike verbunden mit der Welt der Bücher in der heutigen Zeit. Die Autorin spannt einen Bogen von Antiken Griechenland bis zum Römischen Reich. Bücher spielen eine große Rolle in der Antike. Marcus Antonius legte Kleopatra 200 000 Bände für die große Bibliothek zu Füßen. Er wusste, dass sie dies nicht gelangweilt zur Kenntnis nehmen würde.

    "In Alexandria waren Bücher Treibstoff für Leidenschaften" (S. 29)

    Alexander der Große, war vierundzwanzig Jahre alt, als er Alexandria gründete. Schon als Kind war er von den Heldentaten des Achills so fasziniert, dass er ihm nacheiferte und ihn dabei weit übertraf. Von seinem wichtigsten Buch Ilias trennte er sich nie.

    „Das war Alexander Traum: selbst zur Legende zu werden, in der Literatur eingehen, um in Erinnerung zu bleiben. Und das hat er geschafft.“ (S. 45)

    Heute blättern wir Buchseite für Buchseite um oder scrollen auf unseren elektronischen Geräten. Auf Informationen wollen wir nicht verzichten.Bis Anfang des 3. J Jh. v. Chr. lässt sich Papyrus als Schreibmaterial nachweisen. Papyrus galt im alten Ägypten als sehr kostbar. Dieser besondere Wert wird schon im Wort deutlich. Es stammt aus dem Griechischen „pa per aa“ in der Bedeutung „was dem Pharao gehört“.

    „Der Gebrauch einer Schriftrolle hat mit dem Lesen von Buchseiten nicht viel gemeinsam.“ (S. 81)

    Für Dokumente und Schriften wurde der wertvolle Papyrus genutzt. Im alltäglichen Gebrauch schrieb man auf Holz oder Tontafeln.

    Erst im Mittelalter wurde Papyrus durch das wesentlich widerstandsfähigere Pergament ersetzt. Pergament herzustellen war teuer, daher wurde es nur für besondere Schriften verwendet.

    „Bücher aus Papyrus - leicht, schön anzusehen und transportabel- waren empfindliche Gegenstände.“ (S. 115)

    Der Edelsteinpolierer Johannes Gensfleisch, ist der Erfinder der Bleiletter, die mit einem Handgießgerät in eine Hohlform gegossen wurde. Mit einer Druckerpresse und schwarze Farbe entstanden die ersten bedruckten Seiten. Das erste gedruckte Buch war eine lateinische Bibel.

    „Unterdessen erfindet ein Edelsteinpolierer namens Gutenberg einen seltsamen Metallkopisten, der niemals ruht.“ (S. 649)

    Mit Alexander der Große (336 v. Chr. bis 323 v. Chr.) beginnt nicht nur der Traum, die Welt zu erobern, sondern auch die Umsetzung der ersten Bibliothek in Ägypten. 331 v. Chr. entsteht die berühmteste Bibliothek mit der größten Büchersammlung der Antike in Alexandria. Hunderttausende von Papyrusrollen wurden in der großen Bibliothek von Alexandria aufbewahrt.

    „Papyrusrollen, die in ihrem Inneren lange Texte bergen, mit Feder und Tinte von Hand beschrieben: So sehen die Bücher aus, die nach und nach die Bibliothek von Alexandria füllen.“ (S. 61)

    Ein großes Feuer soll alles zerstört haben. Aber genaues weiß man bis heute nicht. Weder die genaue Lage der Bibliothek, noch Zeitpunkt und Ursache ihrer Zerstörung sind bekannt. Eine weitere große Bibliothek stand um 200 v. Chr. in Pergamon.

    Mit ihrem Streifzug durch die Bibliotheken der Antike stellt Vallejo einen Bezug zur Bodlain Library in Oxford her. Diese riesige Bibliothek gleicht einem Labyrinth. Noch heute müssen Regelungen, die aus der Frühzeit stammen, durch einen Schwur bestätigt werden. Erst dann bekommt man Einlass in die Bodlain Library.

    „Kein Buch zu entwenden, zu beschädigen oder zu verunstalten. In der Bibliothek kein Feuer anzünden oder anderen dabei behilflich zu sein." (S. 93)

    Neben Büchern und Bibliotheken erfahren wir auch viel über Schriftsteller in der Antike. Ovid wurde in das Dorf Tomin verbannt, das heutige Constanța in Rumänien. Ob es seine unzüchtigen Schriften waren, die dazu führten, ihn in die Verbannung zu schicken oder eine politische Verschwörung, ist bis heute nicht geklärt. Ovid selbst schreibt kryptisch, dass seine Verfehlung für seine Verbannung in seiner Schrift carmen et error „Gedicht und Verfehlung“ liegt.

    Christoph Ransmayr hat den Stoff der Verbannung Ovids in seinen 1988 erschienen Roman „Die letzte Welt“ verarbeitet.

    Irene Vallejo schreibt sehr anschaulich und gut recherchiert. Man merkt der Autorin ihre Leidenschaft für die Antike an. Ihre Geschichte „Papyrus, die Geschichte der Welt in Büchern“, bewegt sich auf der Ebene der griechischen und römischen Antike. Sie gestaltet ihr Buch in zwei große Blöcke: „Griechenland denkt in die Zukunft“ und „Die Wege Roms“. Vallejo stellt in ihrer Chronologie immer wieder Verbindungen zu der heutigen Zeit her, aber ihr Fokus bleibt auf dem Ausgangspunkt der Antike.

    Ein ausführliches Quellenverzeichnis, eine Liste „Weiterführende Literatur von der Autorin zusammengestellt“ sowie ein Personenregister runden das Sachbuch ab.

    Das Buchcover wirkt anspruchsvoll, mit einem grün goldenen Papyrus auf weißen Untergrund. Der Buchtitel ist in einer grünen Schrift gehalten und der Untertitel in Gold.

    Fazit
    „Papyrus, die Geschichte der Welt in Büchern“ spannt einen Bogen über historische Details zu Fakten und kleinen Episoden rund um das Buch. Geschickt verbindet Irene Vallejo die Chronologie mit persönlichen Erfahrungen und Entwicklungen der Gegenwart.
    Nebenbei entsteht ein komplexer Exkurs in die antike griechische und römische Zeit.

    „Wir sind die einzigen Lebewesen, die fabulieren, die die Dunkelheit mit Märchen verteilen, die durch die Geschichten lernen, mit dem Chaos zu leben, die mit dem Hauch ihrer Worte die Glut der Lagerfeuer schüren, die weite Strecken zurücklegen, um Geschichten zu Fremden zu bringen. Und wer die gleichen Geschichten kennt, ist sich nicht mehr fremd.“ (S. 660)

    Irene Vallejo
    Papyrus
    Die Geschichte der Welt in Büchern
    Aus dem Spanischen von
    Maria Meinel und Luis Ruby
    Diogenes Verlag AG Zürich
    Erschienen am 27.April 2022

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  1. Die Bibel der Buchbegeisterung

    Als ich in der Grundschule war, gab es eine Werbekampagne mit dem Slogan „Buch macht kluch“ – Irene Vallejos literarisch gefärbtes Sachbuch „Papyrus“ fällt genau in diese Kategorie und ich musste mich während der Lektüre immer wieder an dieses alte Mantra erinnern. „Papyrus“ macht auf sehr intelligente, lesbare und unterhaltende Weise klug, denn Irene Vallejo gelingt das Kunststück mit ihrer Spurensuche nach den Ursprüngen des Buches, der Literatur und des Wissens der weit entfernten Zeit der Antike den Staub abzuklopfen, Leben einzuhauchen und klarzustellen, dass wir uns in vielerlei Hinsicht gar nicht so weit von unseren „Lese-Vorfahren“ entfernt haben.

    Vallejo beginnt ihre Reise durch die Buchwelt der Antike im alten Ägypten und setzt ihre Reise in der hellenistischen Welt fort. Während die ägyptisch-griechischen Bemühungen um die Literatur noch recht beschaulich daherkommen, setzt mit der Übernahme der Weltherrschaft durch das römische Reich eine straffere, hektischere Organisation ein. Vallejo trägt den Leser mit unfassbarer Begeisterung, unglaublichem Fachwissen und Kenntnisreichtum und begnadeter Übersicht durch die turbulenten Anfangsjahrhunderte des geschriebenen und überlieferten Wortes. Ihre detaillierten Ausführungen werden durch eingängige und unvergessliche Anekdoten (ich werde Senecas Reichtum nie wieder vergessen) ebenso bereichert, wie durch Ausflüge in bis heute erhaltene antike Texte. Gegenwartsbezüge schafft Vallejo immer wieder gekonnt durch Vergleiche und Verweise auf neuere Literatur- und Kulturbeispiele oder auch durch Erinnerungen an ihre eigene Vita. Letztere bringen zwar einen persönlichen Touch in „Papyrus“, waren meines Erachtens aber nicht immer so glücklich gewählt wie die literarischen Bezüge, was aber dem Gesamtkunstwerk letztlich nicht abträglich ist. Auch wenn Papyrus auf den letzten hundert Seiten ein wenig von der Langatmigkeit eingeholt wird, ist dieses Buch eine hundertprozentige Leseempfehlung für alle Bibliophilen und Liebhaber von Universalwissen.
    Man ist nach der Lektüre sehr viel schlauer als vorher, übermannt von all den Informationen, die auf einen in unnachahmlich liebevoller Art einprasseln und die durch die kurzen Kapitel doch recht beherrschbar werden, und schließt erschöpft und rundum glücklich diesen Seitenrausch, der eigentlich nicht von dieser Welt zu sein scheint, aber mit fantastischer Übersicht Ordnung in das Chaos der antiken Buchentwicklung bringt.
    Mein einziger wesentlicher Kritikpunkt bezieht sich auf die Wahl des deutschen Untertitels, der auf die Nennung der Antike verzichtet und suggeriert, dass wir es hier mit einem Ritt durch die Weltgeschichte mittels Büchern zu tun hätten – das erschließt sich mir einfach nicht, es sei denn, man ist von Verlagsseite davon ausgegangen, dass sich die Antike einfach nicht mehr verkauft…

    „Papyrus“ muss man lesen und bewahren, denn das Buch ist auch in seiner Umschlaggestaltung wunderschön – eine kleine Bibel der Buchbegeisterung.

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  1. Eine Hommage an die Welt des Buches

    Wenn man das Werk der Spanierin, Irene Vallejo, in den Händen hält, ist es schon ein imposantes Gefühl. Auf den Leser wartet ein umfangreiches Buch, gespickt mit vielen Informationen. Obendrein zauberhaft gestaltet und verarbeitet.
    Vallejo beschreibt eine große Zeitspanne, wobei der Fokus eindeutig in der Antike liegt, und sie geht dabei auf die Entstehung der Schrift, und alles was damit zu tun hat, ein.
    Sie erzählt vom römischen Reich, den Griechen und findet auch immer wieder Verbindungen und Vergleiche zur Neuzeit.

    Sie lässt uns an der Entstehung der größten Bibliothek der Welt, der Bibliothek von Alexandria, teilhaben. Alles weitere dehnt sich in etwa bis zum Ende des römischen Reiches aus. Dabei zieht sie viele historische Fakten zu Rate, knüpft aber auch viele Verbindungen zu bekannten Personen und Werken. Sie bringt viele Vergleiche zur neuen Zeit mit ein, stellt die Fakten gegenüber.
    Es wird deutlich, dass es ein harter Weg war zu dem Buch, wie wir es heute kennen. Die Herstellung von Papier war aufwendig, die Vervielfältigung der Werke ebenfalls schwierig und langwierig, und auch waren die Schriften damals nicht jedem zugänglich.
    Damals, wie heute, fielen auch viele Werke der Zerstörung zum Opfer. Bibliotheken fingen Feuer, alles war für immer verloren. Heute gibt es Speichermedien, die uns dabei helfen, alles langfristig zur Verfügung stellen zu können, doch auch heute noch verschwinden Bücher.

    Vallejo bettet viele weitere Informationen ein. Informiert über die Bedeutung von Klassikern, beschreibt den Weg der ersten Buchhändler, um nur einige Beispiele zu nennen.
    Dieses Sachbuch ist so komplex, obwohl es in einigen Zügen fast schon romanähnlich wirkt, das man sehr aufmerksam lesen muss, um wirklich alles aufsaugen zu können was es an Fakten zu bieten hat. Dabei schafft die Autorin aber einen harmonischen Rahmen und lockert es durch amüsante Informationen auf, so dass es nicht wie eine trockene Lektüre wirkt. Zu Beginn hätte ich nicht gedacht, dass die Geschichte der Welt so spannend sein kann. Ich muss aber zugeben, dass es auch anstrengend ist, diese Fülle zu verarbeiten, dennoch lohnen sich der Aufwand und die Energie definitiv.

    Bezeichnend und spürbar ist die Liebe der Autorin zu Büchern. Sie kennt unheimlich viele einschlägige Werke, konnte sich so ein fundiertes Wissen aneignen, was sie dem Leser zukommen lässt, in ihren kleineren Anekdoten, die sie um die historischen Fakten und die Entstehungsgeschichte, herum puzzelt. Ich kann das Buch wirklich empfehlen, es hat mich viel Tage begleitet und ich habe es mit Wehmut am Ende zugeklappt.

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  1. Von dem Wunder der Verbreitung des Alphabets

    Kurzmeinung: Dieses Buch müssen Bibliophile lesen!

    Es ist nicht selbstverständlich, dass die Allgemeinheit liest. Und doch ist unsere Gesellschaft darauf aufgebaut, dass diese seltsamen Zeichen, dieses Alphabet, das zusammengesetzt Wörter bildet, dann Texte, von allen verstanden wird. Die wenigen Menschen, die, aus den verschiedensten Gründen, nicht lesen können, sind bei uns benachteiligt. Aber es war nicht immer so.

    Irene Vallejo erzählt frisch und manchmal ein wenig frei und frech von der Entstehung des Buches in der Welt. Dabei fängt sie naturgemäß am Anfang an, im Orient, bei den Ägyptern, bei den Höhlenmalern sogar, die die ersten Zeichen in Wände ritzten. Vallejos Schwerpunkt liegt allerdings auf der Antike. Die griechische Kultur, sozusagen globalisiert durch Alexander den Großen, war eine Hochkultur. Sie sammelte Bücher. Bibliotheken entstanden und arme Gelehrte. Als die Römer die Welt eroberten, kopierten und integrierten sie das alte Kulturgut Griechenlands und bauten darauf auf.

    Wer also „Papyrus“ von Irene Vallejo liest, bekommt einen Schnellkurs in griechischer und römischer Geschichte, immer auf die Literatur bezogen, wenngleich sich die Autorin auch manchen Ausflug in die Moderne erlaubt, zu der sie immer wieder einmal Parallelen zieht.

    Sie schreibt sehr fluffig, lässt zugunsten von zufälligen Assoziationen oft die Chronologie der Ereignisse links liegen, um aber immer wieder auf ihren Ausgangspunkt zurückzukommen. Das ist unterhaltsam zu lesen; gleichzeitig lernt man eine Menge. Wer hätte gedacht, dass Ovid ein alter Lustmolch war und nach Rumänien verbannt wurde wegen seiner unzüchtigen Schriften oder Platon für eine vollumfängliche Zensur von Dichtern und Denkern eintrat, obwohl er selber einer war?

    A apropos Zensur. Die Autorin vertritt die Auffassung, dass Selbstzensur die schlimmste, weil wirksamste Zensur überhaupt wäre … um so unverständlicher, dass sich Übersetzer und/oder Lektoren von Werken aus dem Fremdsprachigen das Recht herausnehmen, diese Werke übersetzerisch zu ideologisieren. Was auch hier passiert ist, was ich stark vermute! Wer einen fremdsprachigen, nicht gegenderten Text ins Deutsche gendert, übersetzt nicht nur, sondern verfälscht regelrecht. Für diese Unsitte geht ein Stern flöten.

    Fazit: Jedenfalls ist die Tatsache, dass die breite Allgemeinheit lesen kann und lesen darf und vollumfänglich Bücher und Bibliotheken dafür zur Verfügung hat, ein Wunder und es ist Irene Vallejo zu danken, dass sie uns daran erinnert, wo wir herkommen, von einer Herrschaft der Reichen, die alle anderen ausgeschlossen hat.

    Kategorie: Sachbuch
    Verlag: Diogenes, 2022

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  1. Zeitreise in die Welt der Bücher...

    Als Büchernärrin war eigentlich klar, dass ich über ein Buch stolpern würde, welches die Entstehung des Buches schildert. Was ich geboten bekam war aber nochmal gänzlich anders.

    Die optische Gestaltung wirkt enorm edel mit den goldenen Verzierungen und dass die Papyruspflanze das komplette Cover einnimmt. Ich war vorher noch mit keiner Abbildung einer solchen Pflanze in Berührung gekommen.

    Irene Vallejo schreibt mit einer sehr bildlichen und fesselnden Sprache, so dass sich dieses Sachbuch sehr kurzweilig liest, obwohl es so seitenstark ist. Zudem lässt es sich auch kurz immer mal wieder in kleinen Abschnitten lesen, da man immer wieder rein findet.

    Die Entstehung von der allerersten Bibliothek in Alexandria hat mich doch sehr gefesselt. Heute ist es ja beinahe eine Selbstverständlichkeit an Lesestoff zu kommen, selbst wenn man nur einen kleinen Geldbeutel hat, kann man in die örtliche Bücherei gehen. Dass Bücher damals vor dem Buchdruck so kostbar waren, das wusste ich, aber dass sie so begehrt waren und darum gekämpft wurde, weil Bücher als Reichtum galten, das war mir dann doch nicht so präsent.

    Es wird immer wieder deutlich wie wichtig das Buch für den Menschen war und ist, hat es doch Wissen auch über die Jahrhunderte weitergegeben und konserviert, damit es nicht verloren geht.

    Ich mochte, dass immer wieder ein Bogen zur heutigen Zeit geschlagen wird, da man so noch mehr am Ball blieb und selbst mehr Bezug zum Erzählten bekommt.

    Für mich war es zudem schön zu lesen wie hart die Menschen gekämpft haben für Bücher und ohne all dem hätten wir heute vielleicht gar nicht den Luxus so einfach an Lektüre zu kommen. Wirklich mal etwas Anderes.

    Fazit: Ein Buch, welches aufklärt und sich in meinen Augen hervorragend als Geschenk für Bücherfreunde eignet.

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  1. Das Scheitern einer Lobeshymne

    Papyrus, der aus Pflanzenfasern hergestellte Stoff, den wir eher mit den alten Ägyptern verbinden, ist nicht nur Titel des Buches, sondern der Anfang der schriftlichen Mobilität, aus denen dann letztendlich unsere Bücher entstanden und mit ihnen viel Freud und Leid die Welt eroberte.

    Nichts anderes als "Die Geschichte der Welt in Büchern" ist Vallejos Intention und mit reichhaltiger Liebe zum Detail erschuf sie einen einzigartigen Schmöker für Buch-, Geschichts- und Geschichtenliebhaber. Grob unterteilt in "Griechenland denkt in die Zukunft" mit 87, und "Die Wege Roms"mit nochmal 48 Kapiteln hält sie sich locker an den Zeitstrahl der Geschichte vom ca 5 Jahrhundert vor Christus bis zum Untergang Roms und dem Beginn des Mittelalters. Eine strikte Einhaltung des Zeitablauf darf man aber nicht erwarten, dafür werden Geburt und Tod von Herrschern, Ideen und Orten oft unerwartet, aber immer mit großem Gewinn, von Wissenseinschüben, Denkverbindungen und natürlich Literatur bis in unsere heutige Zeit verglichen und erzählt. Ein, zwei autobiografische Kapitel geben auch Einblick in Vallejos Leben und unterstreichen ihre Leidenschaft für Bücher, die ihrem Werk eine großartige Brillanz verleihen. (Der Diogenes Verlag hat es wohl erkannt und lässt vorauseilend auch das Cover dezent, aber eindrücklich glänzen. Bravo!)

    Die Entwicklung des Buches von der Schriftrolle aus Papyrus, über das haltbarere Pergament, bis hin zum handlicheren Kodex ist gespickt mit zahlreichen Wörtern, die sprachwissenschaftlich ihre Ursprünge in der Gechichte haben und mit Orten und Erfindungen verknüpft sind. Die Rolle des Schauspielers ward einst auf ihr geschrieben und haftet nun noch hartnäckig am Bühnenkünstler. Das Pergament wurde in Pergamon erfunden, und naja, Papier.... (siehe Titel).

    Vor dem Buch gab es die mündliche Überlieferung und mit dem Redner Betonung und Sinn des Textes. Als man begann, wichtige Dinge schriftlich zu fixieren, war Papyrus wertvoll, der gemeißelte Stein mühsam. Buchstaben vermissten noch die Vokale, längere Texte Absatz und Interpunktion. Aber als all das überwunden war und die Dekadenz Einzug hielt, wars das Feuer, der Schimmel und schließlich Zensur, die den Geschichten unserer Vorfahren den Garaus machten. Vor allem Frauen in fast allen Zeiten, ward der Mund und damit Zeugnis verboten.

    Auch der erstaunliche Wandel, vom schriftkundigen und eifrig kopierenden Sklaven, der auch die Texte vorlesen musste, da man dem Text die Vereinnahmung der Seele des Sprechers unterstellte, bis zum Alleinstellungsmerkmal des alphabetisierten Adels, beschäftigte mich. Texte sind Wissen, Ideen und Welten.

    Zahlreiche Namen, im Nebel meine Gedächtnisses verschollen, treten, mit neuem Sinn versehen, wieder an die Oberfläche. Aus Halbwissen geborenes Chaos wird sanft geordnet und neu in Schubladen einsortiert, die ich lange nich geöffnet hatte. Die Griechen waren es, die einst die bahnbrechende Idee einer allumfassenden Bibliothek in Alexandria hatten. Die Ägypter bauten sie 2001 neu.

    Wenige Texte, manchmal nur Bruchstücke haben überlebt, paradoxerweise in jenen Stätten, die sich in der Überwachung genehmer Lektüre hervortaten. Ironischerweise hat es ein großer Buchvertreiber 2009 auch versucht, ihren Kunden ein elektronisches Buch auf den Rechnern zu löschen. Der Aufschrei war mäßig, der Vorfall bald vergessen. Es bleibt trotzdem der Gedanke, ob sich die Geschichte ständig wiederholen will und wir als Leser einfach die Pflicht haben, wachsam zu bleiben.

    Aber was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass dieses Buch ein wahres Füllhorn an Geschichts- und Buchkenntnissen ist, sich aber wirklich niemand davor scheuen sollte. Denn Frau Vallejo erzählt auf sehr unterhaltsame Art und niemand käme dabei auf die Idee, wieder im Klassenzimmer zu sitzen. Sie verführt, bedenkt, teilt und bereichert. Sie erwähnte Bücher, die zu meinen Favoriten zählen, Bücher von denen ich nur gehört habe und natürlich solche, die mir unbekannt sind. Ich bin gewillt ihren Spuren zu folgen, werde aber hoffentlich immer wieder an dieses Buch zurückdenken, das es vortefflich versteht, zu begeistern.

    Ich weiß einfach nicht, wie ich dieses Buch angemessen loben soll. Es wird seine Leser finden, da bin ich mir sicher. Bei mir jedenfalls wird es in vorderster Reihe stehen und mich immer daran erinnern, dass es wichtig ist, zu lesen und dass da draußen Menschen existieren, die für dieselbe Leidenschaft brennen.

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  1. 5
    21. Mai 2022 

    Uneitel und voller Begeisterung für die Welt der Bücher!

    Ein Buch über Bücher? Weltgeschichte anhand des Mediums und großer Werke erfahren? Mich hat das schon damals an der Uni sehr fasziniert, wenn es auch große Unterschiede bei der Aufbereitung des Themas gab. Manche Autoren haben es verstanden, einen guten Überblick zu geben, aber man konnte sich wenig vorstellen, bei anderen ist man regelrecht in die damalige Welt eingetaucht. Umso mehr hat mich Papyrus interessiert und ich wurde nicht enttäuscht:
    Der Autorin merkt man jederzeit ihre Begeisterung für die Welt der Bücher an. Ich habe mich tatsächlich an meine Studienzeit erinnert gefühlt, wenn mal eine Vorlesung eben nicht langweiliges Herunterrasseln von Fakten war, sondern der Dozent gebrannt hat und allein damit fesseln konnte. Exakt so ist es mit Papyrus! Und eben wie diese gleichfalls begeisterten und begeisternden Vorlesungen damals begleitet man hier die Autorin durch den einen oder anderen Exkurs. Manchmal mag man sich fragen, ob das noch zum Thema gehört, aber uninteressant wird es auf keiner einzigen Seite. Mich persönlich stört auch nicht, dass der Fokus eher auf der Antike liegt, eine Vorliebe der Autorin.
    Ebenfalls ein Punkt, der mir während des Studiums immer wieder im Positiven wie im Negativen begegnet ist: Es gibt keinen Grund, extra kompliziert zu schreiben! So ist der Schreibstil im vorliegenden Buch wunderbar einfach gehalten, ohne dabei beliebig zu werden. Die Autorin schafft es somit, das Wissen unterhaltsam an den Leser zu bringen.
    Fazit: Absolute Leseempfehlung für alle, die sich für das Thema interessieren oder auch nur neugierig sind, in die Welt des Buchs abzutauchen.

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  1. Faszination Bücher

    Schon das Cover hat mich angezogen. Aber wer – wie ich – Bücher mag, der kommt an Büchern über Bücher kaum vorbei. Die Autorin Irene Vallejo taucht in diese Welt ganz tief ein und geht weit in die Vergangenheit zurück. Dabei gab es nicht unbedingt Neues zu entdecken, aber dennoch ist es interessant und spannend und regt auch zum Nachdenken an.
    Bücher sollte bewahren für alle Zeiten, doch es stellte sich heraus, dass nichts für ewig, sondern ziemlich vergänglich ist.
    Das Buch ist gut strukturiert und lässt sich angenehm flüssig lesen. Dabei schlägt die Autorin einen weiten Bogen über viele Jahrhunderte hinweg.
    Interessant ist für mich, wie exzessiv manche Menschen hinter Büchern her waren. Ein Herrscher hatte die Idee, in seiner Bibliothek von Alexandria eine umfassende Sammlung zu haben und sie sollte sogar Kopien enthalten, da beim Kopieren immer wieder Fehler durch Unachtsamkeit oder Interpretation auftauchen. Welch ein wahnsinniges Unterfangen!
    Die Autorin geht vielen Fragen in ihrem Buch nach: Warum gibt es Bücher? Warum werden manche zu Klassikern? Warum werden Bücher vernichtet und warum werden andere kopiert?
    Es ist ein interessantes Buch über Sprache, Wörter und Bücher, das mir gut gefallen hat.

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Die Kinder sind Könige: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Kinder sind Könige: Roman' von Delphine de Vigan
4.6
4.6 von 5 (10 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Kinder sind Könige: Roman"

Mélanie war als junges Mädchen ein großer Fan von Formaten wie ›Big Brother‹. Sie hatte stets davon geträumt, gesehen und berühmt zu werden. Jahre später, als Mutter zweier Kinder, ist es ihr gelungen: Sie ist eine erfolgreiche Youtuberin mit Tausenden von Followern. Objekt ihrer Videos und Posts sind ihre Kinder, die auf Schritt und Tritt gefilmt werden. Seit Kurzem kommt ihre kleine Tochter dem Filmen jedoch immer unwilliger nach. Mélanie tut das als eine Laune ab. Denn wie könnte man die unendliche Liebe, die ihnen aus dem Netz entgegenkommt, als Last empfinden? Kurz darauf verschwindet Kimmy nach einem Versteckspiel spurlos. Wie, fragt sich die ermittelnde Polizeibeamtin Clara, soll man einen Verdächtigen ausmachen bei einem Kind, das Tausende Menschen kennen und mehrfach täglich sehen? Schnell begreift sie, dass ihre Methoden der Ermittlung in der virtuellen Welt vollkommen nutzlos sind …

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
EAN:9783832181888
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Rezensionen zu "Die Kinder sind Könige: Roman"

  1. Vermarktet

    Mélanie wollte schon als junges Mädchen berühmt werden. Inzwischen ist sie Mutter von zwei Kindern und hat ihr Ziel erreicht. Auf Youtube hat sie sehr viele Follower, die ihre Kinder hautnah miterleben können. Doch ihre Kinder, ganz besonders die sechsjährige Tochter Kimmy, haben seit einiger Zeit keine Lust mehr darauf, sich ständig filmen zu lassen, was Mélanie nicht versteht. Dann verschwindet Kimmy beim Verstecken spielen spurlos.
    Wieder einmal ist es Delphine de Vigan gelungen, mich gleich in die Geschichte hineinzuziehen, denn die Geschichte ist sehr realitätsnah. Es gibt Menschen, die ihr Leben in den Sozialen Medien leben und die Realität kaum noch wahrnehmen. Auch ihre Kinder werden dort präsentiert, ohne dass die Kleinen darauf Einfluss nehmen können.
    Der Schreibstil ist recht nüchtern und etwas distanziert. Meist wird aus der Perspektive von Mélanie und Clara erzählt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Kinder mehr zu Wort kommen, um ihre Gefühle mitzuerleben.
    Mélanie fühlte sich in ihrer Familie nicht wirklich geliebt. Sie war ein Fan von Reality-Shows und wollte genauso viel Aufmerksamkeit. Die bekommt sie nun auf Kosten ihrer Kinder. Ihr Youtube-Kanal ist erfolgreich und das Einkommen nicht zu verachten. Als Kimmy keine Lust mehr hat, schiebt sie es auf eine Laune und übersieht dabei, dass ihre Bedürfnisse und Träume nicht die von Kimmy sind.
    Die Polizistin Clara Roussel übernimmt diesen Fall. Es wird nicht leicht, denn wie soll man ein Motiv und einen Verdächtigen ausmachen, wenn die ganze Welt mit dem Leben der Kinder so vertraut ist. Mélanie ist verzweifelt und begreift nicht, was sie anders hätte machen können. Zum Glück geht Clara die Sache nüchtern an. Was sie herausfindet, ist wirklich tragisch.
    Später bekommen wir noch einen Einblick, wie die Kinder diese Medienpräsenz rückblickend sehen, denn das alles ist nicht einfach an ihnen vorbeigegangen. Sie haben dieses böse Spiel ihrer Mutter zuliebe mitgespielt.
    Dieser Roman ist bedrückend, spannend und macht nachdenklich.

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  1. 4
    14. Mai 2022 

    Das Leben ist eine Reality-Show...

    Wer ist ihnen in den Social Media nicht schon begegnet: den niedlichen Kindern, stolz präsentiert von ihren Eltern, obwohl bekannt ist, dass das Darknet und einschlägig Interessierte auf der Suche nach genau solchen Fotos und Filmen sind, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen? Oftmals sind es Momentaufnahmen, dem Zufall geschuldet, kleine Peinlichkeiten oder Niedlichkeiten des Kindes, die mit der ganzen Welt geteilt werden sollen. Doch manche Eltern schaffen damit für sich und ihre Kinder eine Parallelwelt. Eine auf Hochglanz polierte und mit Filtern unterlegte perfekte Realität, die beim Zuschauer Bewunderung und Sehnsüchte weckt.

    Ich habe mich ehrlich gesagt nie zuvor gefragt, was Eltern abgesehen von den gewaltigen Einnahmemöglichkeiten dazu motivieren könnte, ihre Kinder tagein tagaus zu filmen und einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, immer niedlich, stets gut gelaunt, sich der allgegenwärtigen Kamera ständig bewusst. Doch Delphine de Vigan stellt sich dieser Frage. Mit Melanie, einer Frau, die zeitlebens immer am Rande des Geschehens stand und doch so gerne gesehen werden wollte, präsentiert sie eine Frau, der das Internet schließlich die Möglichkeit bietet, all die Anerkennung zu bekommen, die das wahre Leben ihr stets versagt hat. Sie ist abhängig von den Klicks und Likes ihrer ständig wachsenden Followerschar und setzt dafür vor allem auf die Anziehungskraft ihrer Kinder.

    Doch nun ist Melanies kleine Tochter Kimmy plötzlich verschwunden. Die rasch hinzugezogene Polizei findet keine Spur des Mädchens, und so geht man schließlich vom Schlimmsten aus. Clara leitet die polizeilichen Ermittlungen und steht nun trotz ihrer Berufserfahrung vor einer neuen Herausforderung. Das verschwundene Mädchen ist durch die Social Media Millionen von Menschen bekannt, wo soll man da anfangen zu suchen?!

    Clara ist zwar im gleichen Alter wie Melanie, doch sind die beiden Frauen grundverschieden. Die Polizeibeamtin ist die Tochter von kritisch hinterfagenden Eltern, die zeitlebens gegen vieles demonstriert haben, auch gegen Big Brother & Co. Einen Fernseher kauften die Eltern erst, als Clara als Jugendliche darauf gepocht hat. Das kritisch Hinterfragende hat Clara von ihren Eltern übernommen, auch wenn sie nun im Staatsdienst ist und sich dementsprechend angepasst verhalten muss. Im Gegensatz zu Melanie strebt Clara ein Leben unter dem Radar an und versucht möglichst wenig elekronische Spuren zu hinterlassen.

    Die Welt der Social Media ist Clara nicht unbekannt aber doch fremd. Als sie sich mit den zahllosen Youtube-Beiträgen von Melanies Familie befasst, bekommt sie eine Ahnung von dem, was von den Kindern gefordert wird und was das für sie bedeutet: das Leben ist eine Reality-Show. Und was die Mutter zu ignorieren versucht, wird Clara nach Sichtung der Beiträge immer deutlicher: das kleine Mädchen wirkt neuerdings trotz aller Filter zunehmend unwilliger und unglücklicher. Kleine Gesten nur, aber von außen gesehen doch deutlich erkennbar. Doch trotz dieser Erkenntnis ist klar, dass Kimmy wohl kaum weggelaufen sein dürfte. Wo also ist das kleine Mädchen?!

    Aufgemacht wie ein Krimi befasst sich dieser Roman mit einem sehr aktuellen und doch oft vernachlässigten Thema: der Internetpräsenz von Kindern. Dabei widmet Delphine de Vigan der Darstellung der Hauptcharaktere Melanie und Clara viel Raum, lässt die beiden jedoch trotzdem auf Distanz zum/zur Leser:in. Sie stehen als Gegenpole zum Geschehen einander gegenüber - auf der einen Seite die Kreatorin einer Parallelwelt mit und auf Kosten ihrer Kinder, auf der anderen Seite die kritisch Hinterfragende, die sich mit den Folgen dieser Entwicklung befasst. Dadurch lässt sich die eigentliche Thematik in ihrer ganzen Bandbreite gut darstellen.

    Dem Roman ist anzumerken, wie intensiv sich die Autorin mit dem Thema auseinandergesetzt und dafür recherchiert hat. Ihre Erkenntnisse fließen hier allesamt in die Erzählung ein, was zuweilen etwas dozierend und essayhaft erscheint, die Brisanz der Problematik aber herausstreicht. Einerseits als Bruch, andererseits als interessante Ergänzung empfand ich das letzte Viertel des Buches. Zehn Jahre nach den geschilderten Ereignissen um Kimmys Verschwinden schlidert Delphine de Vigan, was die Entscheidung Melanies, vor allem in einer Scheinwelt zu leben, bei den Beteiligten auszulösen vermochte. Besonders erschreckend fand ich dabei die Möglichkeit, am sog. Truman-Syndrom zu erkranken, einer Wahnvorstellung, dauerhaft von versteckten Kameras gefilmt zu werden.

    Alles in allem ein wachrüttelnder Roman, der die Frage aufwirft, inwieweit hier der Gesetzgeber gefordert ist, weitreichendere Maßnahmen zum Schutz der Kinder zu ergreifen. Und inwieweit jeder einzelen von uns gefordert ist, diese Entwicklung zu boykottieren. Ausbleibende Klicks würden die Zurschaustellung von Kindern unterbinden. Aber schon beim Schreiben dieses Satzes ist mir klar, wie blauäugig es ist zu glauben, dass das möglich wäre. Es gibt Entwicklungen, die sich wohl nicht mehr umkehren lassen. Aber vielleicht gibt es doch Möglichkeiten, dass immer mehr Menschen diese kritisch hinterfragen? Delphine de Vigan hat hierzu definitiv ihren Beitrag geleistet!

    Ein Roman, der viel Stoff zum Nachdenken liefert...

    © Parden

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  1. Gesellschaftskritischer Pageturner

    Für ihren neuesten Roman hat sich Delphine de Vigan einem brisanten, viel zu wenig beachteten Thema angenommen. Haben Eltern das Recht, ihre Kinder auf Kanälen wie YouTube oder Instagram zu präsentieren? Wer schützt sie vor dem Selbstdarstellungstrieb der Erwachsenen? Zahlreiche Eltern machen ihr Familienleben öffentlich, lassen ihre Kinder vor der Kamera Aufgaben bewältigen oder das neueste Spielzeug testen. Wo bleibt die Privatsphäre? Wer schützt Kinder vor pädophilen Usern? Welche psychischen Schäden können entstehen, wenn der Alltag vom Blick durch die Kamera und den „Druck“, das neueste Video hochzuladen, bestimmt wird?
    Seit der ersten Reality Show träumt Mélanie davon, ein Star zu sein. Als junge Mutter gelingt ihr schließlich ein durchschlagender Erfolg mit ihrem YouTube-Kanal „Happy Récré“, der innerhalb kürzester Zeit zu einem der erfolgreichsten Familienkanäle Frankreichs avanciert. Mehrmals in der Woche stehen ihre Kinder Kimmy und Sammy vor der Kamera. Mélanie ist glücklich, geht ganz in ihrer Fangemeinde auf, fühlt sich von ihren Followern geliebt, verdient nebenbei horrende Summen Geld und betont wie sehr auch ihre Kinder es lieben, immer wieder neue Videos zu drehen. Eines Tages verschwindet die kleine Kimmy beim Versteckspielen spurlos. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt; die Polizei ermittelt und ist plötzlich mit den besonderen Bedingungen der virtuellen Welt konfrontiert. Polizistin Clara, deren Leben in größtmöglichem Kontrast zu dem von Mélanie steht, vertieft sich in die Videos von „Happy Récré“ in der Hoffnung, die richtige Spur zu finden.

    Delphine de Vigan hat einen Pageturner geschrieben, den ich innerhalb kürzester Zeit gelesen habe. „Die Kinder sind Könige“ liest sich wie ein Krimi, bei dem sich ganz nebenbei die Problematik der Veröffentlichung privater Videos oder Bilder entfaltet, Informationen zu gesetzlichen Regelungen einfließen und die Grauzone Internet thematisiert wird. Die sehr unterschiedlichen Perspektiven, die vor allem durch Mélanie und Clara, aber auch Sammy, Kimmy, den Ehemann und die Nachbarn vertreten sind, geben dem Roman Tiefe. Ich bin vor allem dankbar für den Einblick in Melanies Welt, die erschreckend, aber auch erhellend für mich war. Ich begreife nun eher die Gründe, die Menschen dazu bewegen, ihr Leben derart öffentlich zu inszenieren. Auch die Spätfolgen eines in der Kindheit erfahrenen medialen Missbrauchs werden im Roman thematisiert, mögliche psychische Beeinträchtigungen im Erwachsenenalter aufgezeigt und eventuelle Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung geschildert. Delphine de Vigan ist ein gesellschaftskritischer Roman gelungen, der viel Stoff zum Nachdenken bietet und sich zugleich leicht und spannend liest.

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  1. Wenn die Kindheit keine Kindheit mehr ist

    Mein erstes Buch von der Autorin, die Erwartungen waren hoch - immerhin schwärmt wirklich jeder von ihr. Gleichzeitig hört man auch ständig, "Die Kinder sind Könige" sei anders als ihre bisherigen Romane; ob das so ist, kann ich nicht beurteilen, was ich aber sagen kann: Ich fand es gut, aber nicht vollkommen überzeugend.

    Die Ausgangssituation ist die, dass die junge Mutter Mélanie gemeinsam mit ihren Kindern einen YouTube-Kanal aufgebaut hat, der mehrere Millionen Abonnenten hat, zahlreiche Klicks generiert und der Familie so das Einkommen mehr als sicherstellen kann. Mélanie selbst hat in der Vergangenheit vergeblich versucht, sich im Rampenlicht zu behaupten, nun gelingt ihr über Sohn Sammy und Tochter Kimmy auf einem ganz speziellen Weg der Einstieg in die Welt derer, die dank ihrer Internet-Präsenz bekannt sind. In den auf YouTube hochgeladenen Videos stehen Sammy und Kimmy im Mittelpunkt, sie machen Challenges, Pranks, Unboxings und vieles mehr. Die Fans sind begeistert, besonders von der kleinen Kimmy, und so werden auch auf Instagram fleißig Stories hochgeladen. So lange, bis Kimmy bei einem der seltenen Male, die sie draußen mit anderen Kindern spielen kann, plötzlich verschwindet.

    Im Zentrum des Romans steht nun einerseits natürlich die Ermittlung, ganz besonders aber auch die Frage um das Wohl der Kinder über die vermutete Entführung hinaus. Kann ein Kind im Alter von 6 Jahren wirklich "wollen", dass man es ständig filmt, kann es "wollen", dass es mehrmals in der Woche stundenlang Videos aufnehmen soll, dabei viele Szenen mehrmals - und das nur, um den Menschen da draußen, die es nicht kennt und von denen es keinerlei Vorstellung hat, zu gefallen? Denn das ist Mélanies feste Überzeugung. Ihre Kinder führen ein Leben fernab von dem, wie andere Kinder in ihrem Alter es haben - Freizeit haben sie kaum, und selbst dann dürfen sie nur selten mit den Nachbarskindern spielen. Sie erfahren Ausgrenzung und Hänseleien aufgrund ihres unfreiwilligen Hobbys, gleichzeitig überbordende Liebe von wildfremden Menschen, die Fotos und Autogramme von ihnen wollen. Welche Kleidung sie tragen und mit welchen Spielsachen sie spielen, darüber bestimmen ihre Abonnenten und die Verträge mit großen Firmen. Und dazu kommt, dass nahezu alles, was sie tun, ständig öffentlich für alle einsehbar ist - Privatsphäre ist Fehlanzeige.

    Im Fall der mutmaßlichen Entführung stehen die Ermittler*innen zunächst ohne wirkliche Hinweise da. Niemand hat etwas Brauchbares gesehen, auch der Entführer lässt nichts von sich hören - und so steigt die Angst, während Kimmys Überlebenschancen mit jeder Stunde sinken. An den Ermittlungen beteiligt ist unter anderem die Polizistin Clara; sie ist neben Mélanie die zweite Protagonistin des Romans und beschäftigt sich viel mit dem auf YouTube und Instagram hochgeladenen Videomaterial über Kimmy und ihren Bruder.

    Die Ausgangssituation ist spannend, gerade auch, da Themen wie dieses hochaktuell und sehr problematisch sind. Denn rechtlich gesehen ist hier alles im grünen Bereich, als Zuschauer sieht und bewundert man nur die dargestellte heile Welt, hinterfragt aber kaum mal, ob diese auch der Realität entspricht und wie es wohl abseits der Kamera aussieht. Dennoch würde bei einem genaueren Blick auf die Umstände wohl niemand sagen, dass Kinder wie Sammy und Kimmy eine schöne Kindheit, oder überhaupt eine echte Kindheit, erleben; aber das will eben niemand sehen.
    In dieser Hinsicht ht mir der Roman sehr gut gefallen. Gefehlt hat mir allerdings die Nähe zu den Figuren; Mélanie war mir schlichtweg unsympathisch, wobei das vermutlich auch so beabsichtigt war; mit Clara konnte ich, wenn ich sie auch etwas lieber mochte, beinahe ebenso wenig anfangen. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass der Roman zu oberflächlich bleibt, und vom allseits hochgelobten, fesselnden Schreibstil De Vigans habe ich hier noch nicht allzu viel gespürt.
    Ich fand den Roman keinesfalls schlecht, meine Erwartungen waren einfach nur andere und vielleicht auch etwas zu hohe. Trotzdem habe ich die Lektüre genossen und werde sicher noch andere Bücher der Autorin lesen.

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  1. Lasst mir ein Like da!

    Meine Lieben, gerne teile ich meine Rezension zu Delphine de Vigans „Die Kinder sind Könige“ mit Euch und bitte schenkt mir ein Like, wenn sie Euch gefällt…so würde sich wahrscheinlich Mélanie Claux/Diores Anfang einer Buchbesprechung lesen. Mélanie ist die Protagonistin des neuen Romans von de Vigan. Als junge Frau war sie süchtig nach Reality-TV-Formaten und nachdem sie selbst in einer Show sehr kläglich scheiterte, strebt sie nach Ruhm, Liebe und Followern auf Social-Media-Plattformen. Schnell erkennt sie, dass ihre Kinder die eigentlichen Stars sind und so beginnt sie diese mehr oder weniger rund um die Uhr zu filmen, zu streamen, herauszufordern auf der Jagd nach Abonnenten und Likes. Als ihre Tochter verschwindet, nimmt sich die gewissenhafte Procédurière Clara des Falls an und entdeckt die Schattenseiten einer Berühmtheit im Internet.

    Ich mag grundsätzlich eigentlich keine Romane, die mir klar und deutlich etwas vermitteln wollen, mir ihre Weltsicht aufzwingen und dazu auch noch zu recht überspitzten Maßnahmen greifen. „Die Kinder sind Könige“ fällt in jeglicher Hinsicht in diese Kategorie, und dennoch hat er mir ausgesprochen gut gefallen. So muss ich als erstes zugeben, dass ich mir nach der Lektüre gar nicht mal so sicher bin, dass das Leben der Instagram-Ikone Mélanie wirklich übertrieben dargestellt wird. Die Selbstinszenierung, das Teilen und Teilhabenlassen sind wesentlich, um den Algorithmus und die Abonnenten glücklich zu machen und bei Mélanie entwickelt sich das zu einer Sucht, die ein Teil ihres Lifestyles zu sein scheint. Die begründet und angebrachte Kritik, die der Roman in den Mittelpunkt stellt, beruht natürlich besonders auf der Tatsache, dass die Protagonistin ihre Kinder gnadenlos zur Schau stellt. Hier haben mich besonders die Blindheit der Mutter für die Bedürfnisse ihrer Kinder erschreckt und die geschilderten potenziellen (fiktiven?) psychologischen Folgeerscheinungen einer dauerhaften Ausstellung bei Instagram und Co. sehr fasziniert. De Vigan bringt gerade diesen psychologischen Kontext so überaus glaubhaft zur Darstellung, dass einem schon angst und bange werden kann. Als Kommentar zu unserer heutigen medienhörigen Zeit, in der ein Leben nur eine Wertigkeit zu haben scheint, wenn es öffentlich gelebt wird, funktioniert der Roman in seiner ganzen Bitterkeit trotz seiner Holzhammermethode ausgezeichnet.

    Die Figurenkonzeption ist insofern spannend, als dass sie zwar auf eine starke Kontrastierung zwischen der Polizistin Clara und der Influencerin Mélanie setzt, aber eine allzu deutliche Gut-Böse-Differenz ausgespart wird. Auch wenn die Autorin mit stereotypen, genretypischen Merkmalen (die einsame, arbeitswütige Polizistin und die oberflächliche, gefilterte Fee) arbeitet: die Innensichten in die beiden Frauenfiguren sind absolut glaubwürdig und dienen natürlich auch wieder der nachdrücklichen Darstellung des eigentlichen kritischen Ansinnens des Romans.

    Der Text ist gut geschrieben und sehr lesbar, das Verschwinden des Mädchens ausgezeichnet und spannend inszeniert, sodass man mit großem Interesse der Handlung folgt. Hierzu tragen auch die eingefügten Polizeiberichte Claras bei und die Aufteilung der Handlung auf verschiedene Zeitebene.

    Ein nachdenklich stimmender Roman, den ich trotz seiner allzu bekannten und offensichtlichen Kritik empfehlen kann, weil er einfach gut zu lesen ist.

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  1. Folgen von Social Media

    Folgen von Social Media

    Ein brandaktuelles Thema wird in diesem Buch aufgegriffen, und insbesondere aus dem inhaltlichen Grund hoffe ich, dass das Buch eine breite Leserschaft erreichen wird. Social Media - Segen oder Fluch? Manchen sind die Gefahren noch nicht so klar, Auswirkungen folgen oftmals erst in der Zukunft. Alles im Internet hinterlässt spuren, es kann also gar nicht oft auf dieses Thema/diese Gefahr hin sensibilisiert werden.
    Die Autorin zeigt sehr gut die Gefahren von Social Media in diesem gesellschaftskritischen Krimi auf - was passiert wenn Kindern in/mit Social Media groß werden - was macht es mit den Personen. Es wird auch darauf eingegangen, wie weit das ganze geht: Eltern die ihre Kinder für Social Media "ausbeuten". Teilweise geht es wirklich unter die Haut.
    Der Schreibstil ist gut und flüssig - die Geschichte wirklich interessant aufgebaut.
    Ich kann dieses Buch wirklich absolut weiterempfehlen - es ist ein Buch das beschäftigt, das Geschriebene wirkt noch lange nachdem man das Buch beendet hat, nach.
    Ich kann dieses Buch wirklich absolut weiterempfehlen - es ist ein Buch das beschäftigt, das Geschriebene wirkt noch lange nachdem man das Buch beendet hat, nach.

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  1. 5
    13. Mär 2022 

    Erschreckend, aber vermutlich Realität

    Schon als junges Mädchen war Mélanie Dior ein Fan von Reality Shows, doch sie selbst scheiterte bereits in der ersten Episode von „Rendez-vous dans le noir“. Was liegt also näher, als diese Träume nun als Mutter auszuleben und ihre beiden Kinder vor der Kamera zu präsentieren. Auf ihrem Kanal „Happy Recré“ zeigt sie das tägliche Leben mit Sammy, Kimmy und Ehemann Bruno. Doch als eines Tages die kleine Kimmy verschwindet, wird das gesamte Ausmaß der Ausbeutung hinter den unschuldigen Videos sichtbar.

    Delphine de Vigan greift in ihrem neuen Roman „Die Kinder sind Könige“ ein sehr brisantes und aktuelles Thema auf: die Präsentation der eigenen Kinder auf Social Media-Kanälen. Erzählt wird die Handlung dabei aus verschiedenen Perspektiven und ist wie eine Fallakte mit Vernehmungsprotokollen und Beschreibungen von Beweismitteln aufbereitet. Kriminalpolizistin Clara Roussel liefert uns dabei ihren Blick auf die Ereignisse. Mit den sozialen Medien hatte sie bisher wenig Berührungspunkte und ist daher auch geschockt, als sie den Kanal der Familie sichtet. Hat denn niemand festgestellt, wie traurig und abwesend die kleine Kimmy seit Wochen aussieht? Und wie sehr ihr großer Bruder Sammy sich abmüht, sie gleichzeitig zu schützen und den Fans eine gute Show zu bieten?

    Der Roman ist definitiv kein Krimi, der Fokus liegt nicht auf der Lösung des eigentlichen Falls. Er ist viel mehr eine durchaus unterhaltsame, aber auch schockierende Sozialkritik an Eltern, die ihre Träume und Wünsche durch die eigenen Kinder ausleben wollen. Die sind dann zwar, wie der Titel es sagt, „Könige“ und haben materiell gesehen alles, was sie möchten. Versagt bleibt ihnen jedoch etwas viel Wichtigeres: eine Kindheit, bedingungslose Liebe und Privatsphäre. Vor allem Mutter Mélanie ist für das Leid ihrer Kinder entsetzlich blind.

    Nach zwei Dritteln wechselt die zeitliche Ebene und wir erleben die Diors im Jahr 2031, in welchem die Autorin auslotet, welche Ausmaße die sozialen Medien angenommen haben könnten und gleichzeitig schildert, was aus der Familie geworden ist. Ein wirklich erschreckender Roman, der von der Realität gar nicht so weit entfernt sein dürfte.

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  1. 5
    11. Mär 2022 

    Aktuell und wichtig

    Delphine de Vigan ist eine der wichtigsten Stimmen der französischen Gegenwartsliteratur. „ Die Kinder sind Könige“ ist ihr elfter Roman. Das Buch stand in Frankreich auf der Bestsellerliste und sorgte dort für Diskussionen. Das Thema ist auch höchst aktuell. Es geht um das ausgesprochen lukrative Geschäft mit Kinder- Influencern und fragt danach, was das mit den Heranwachsenden macht.
    Melanie, aufgewachsen mit Fernsehformaten wie „ Big Brother“, träumt seit ihrer Jugend davon, ein Star zu werden. Sie macht sogar ein Casting für eine Reality- Show, ist dafür aber zu unscheinbar.
    Doch nun, als junge Mutter, ist sie an ihrem Ziel angekommen. Ihr Familienkanal „Happy Recre“ ist auf YouTube äußerst erfolgreich. Stars der Sendung sind ihre beiden 8- und 6jährigen Kinder Sammy und Kimmy. Beinahe täglich dreht sie Videos von ihnen, postet Fotos auf Instagram. Millionen Follower schauen zu, wie Kimmy und Sammy begeistert Pakete auspacken, in denen Spielzeug, Süßigkeiten oder andere Produkte für Kinder sind. Sie sind live dabei, wenn es bestimmte Challenges zu machen gilt, begleiten die Familie auf Einkaufstouren, bei denen alle Produkte gekauft werden, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnen. Melanie lässt die Follower abstimmen, welche Sneaker ihre Tochter tragen soll usw. Das gesamte Familienleben wird gefilmt, gepostet; alles ist eine einzige Inszenierung.
    Doch seit einiger Zeit scheint das Ganze der kleinen Kimmy immer weniger Spaß zu machen. Sie wirkt müde, unwillig, wendet sich von der Kamera ab. Und dann verschwindet das Mädchen beim Versteckspielen mit ihrem Bruder und einigen Nachbarskindern. Ist sie weggelaufen oder war sie Opfer eines Verbrechens?
    Die Eltern vermuten Neider, die ihr Kind entführt haben. Die Polizei beginnt zu ermitteln. Die Polizistin Clara, eine Frau gleichen Alters wie Melanie, vertieft sich in den Fall. Sie schaut sich Hunderte von Videos an und ist entsetzt von dieser ihr völlig fremden Welt. „ Das muss man gesehen haben, um es zu glauben.“
    Delphine de Vigan erzählt diese Geschichte aus zwei Blickwinkeln. Da ist zum einen Melanie, die Mutter. Sie liebt ihre Kinder und will nur das Beste für sie. So glaubt sie, dass dieses Leben im Überfluss ihre Kinder glücklich macht und dass diese die Bewunderung und Zuneigung der Follower genießen. Sie selbst ist abhängig von den Likes und den Herzchen ihrer Community.
    Clara dagegen, völlig anders sozialisiert als Melanie, ist abgestoßen von dieser Welt des ständigen Konsums. Sie fragt sich auch, was das mit den Kindern macht. „ Was können sich Kinder wünschen, die alles haben? …Welche Art von Erwachsenen wird aus ihnen?“
    Der Roman wechselt zwischen den Perspektiven hin und her. Dazwischen sind Transkriptionen der geposteten Videos und Vernehmungsprotokolle der Polizei abgedruckt. So bekommt der Leser einen tiefen Einblick in die Parallelwelt der Influencer.
    Delphine de Vigan klagt nicht an, sondern berichtet nüchtern und klar. Trotzdem wird ihr Anliegen deutlich. Es geht ihr um das Wohl der Kinder, die von ihren Eltern ausgebeutet werden. Schließlich ist dieses Geschäft sehr lukrativ. Die Kinder haben keine unbeschwerte Kindheit, auch wenn das vorgegaukelt wird. Ihnen wird jegliche Privatsphäre genommen, sie haben keinerlei Freiräume und können so überhaupt nicht wie normale Kinder aufwachsen. Stattdessen müssen sie lächeln, funktionieren, perfekt sein.
    Im dritten Teil des Romans geht die Autorin ins Jahr 2031 und der Leser erfährt, wie es mit Kimmy und Sammy weiter gegangen ist. Hier zeigt sie deutlich, welche Folgen ein solches Aufwachsen für die Kinder hat.
    Delphine de Vigan hat ein notwendiges Buch geschrieben, das die Augen öffnet und zum Nachdenken anregt. Sie packt sehr viele Informationen in ihren Roman, doch kann sie diese meist gut in die Romanhandlung integrieren. Ihr Fokus liegt weniger auf der Krimi- Ebene , sondern auf der Darstellung dieser Welt und den psychischen Auswirkungen auf die Beteiligten. Mit Melanie und Clara hat sie zwei konträre Frauenfiguren geschaffen, deren Hintergründe sie näher beleuchtet und ihnen so mehr Tiefe gibt. Während Melanies Sprache aus Klischees und Übertreibungen besteht, ist die von Clara reflektiert und sachlich.
    „ Die Kinder sind Könige“ ist ein wichtiges Buch, vielschichtig und aufrüttelnd , dabei spannend zu lesen.
    Übrigens: Frankreich hat als erstes Land innerhalb Europa ein Gesetz erlassen, das die jungen Influencer ähnlich wie Kinderschauspieler vor Kinderarbeit und Ausbeutung schützen soll und ihnen ein Recht gibt auf digitales Vergessen, d.h. auf ihre Anweisung hin müssen die Plattformen sämtliche Inhalte löschen.

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  1. Packend-sozialkritischer Roman über die virtuelle Welt

    In der heutigen Generation „über 50“ ist man in die moderne Medienwelt einigermaßen hineingewachsen. Whattsapp, E-mails, Smartphone – all das wird beherrscht. Ja, man hat auch ein Facebook oder Instagram Account, um sich über aktuelle Buchempfehlungen zu informieren oder die Urlaubsbilder der Freunde zeitnah zu sehen. Man weiß auch, dass es Influencer und Follower gibt. Und nun kommt Delphine de Vigan und zeigt uns einen ganz neuen, beängstigenden Bereich dieser virtuellen Welt, einen, in dem Eltern ihre Kinder ausstellen, mit ihnen werben, sie instrumentalisieren und ihnen damit unbewusst die Privatsphäre rauben. Wofür? Für mehr Klicks, mehr Follower und natürlich mehr Geld. Unfassbar und aufrüttelnd!

    Bereits von der ersten Seite an wird man als Leser in die Geschichte eingesogen. Die 6-jährige Kimmy Diore hat mit den Nachbarskindern Verstecken gespielt und ist anschließend nicht mehr auffindbar. Die Polizei, allen voran Ermittlerin Clara, recherchiert im Umfeld der Familie, wo Überraschendes zutage tritt: Die Eltern Melanie und Bruno betreiben seit Jahren den Internetkanal „happy recre“, über den sie ihr Leben in Stories, Clips und Videos inszenieren, die sie über verschiedene Kanäle im Internet teilen. Im Mittelpunkt steht dabei ihre niedliche Tochter Kimmy, doch auch der zwei Jahre ältere Sohn Sammy ist fester Bestandteil des Formats. Mutter Melanie hat bei der Ausarbeitung ihres Geschäftsmodells durchaus Geschick bewiesen. Die Zahl ihrer Follower geht mittlerweile in Millionenhöhe. Dadurch konnte sie viele lukrative Sponsorenverträge mit Spielzeug-, Nahrungsmittel- und Bekleidungsherstellern abschließen. Vater Bruno hat seinen Job in der IT Branche aufgegeben, um seine Arbeitskraft vollkommen in den Dienst von „happy recre“ stecken zu können. Die Familie generiert aus diesem Format ein immenses Einkommen. Die Kinder wachsen in Überfluss und Konsum auf. Melanie wird dabei nicht müde, neue Challenges zu erfinden, bei denen übermäßige Fastfood-Bestellungen ins Haus kommen oder Einkaufswagen mit sinnlosen, aber z.B. konsequent einfarbigen Produkten gefüllt werden – Hauptsache, die Label sind gut sichtbar und alles ist vor der Kamera unterhaltsam inszeniert. Nach und nach erschließt sich für den Leser die völlig befremdliche virtuelle Welt von „happy recre“. Mutter Melanie ist emotional völlig abhängig von den Likes, den Herzen, der Liebe, die ihr von Seiten der Follower-Gemeinde entgegenschlagen.

    Doch man verurteilt Melanie nur bedingt. De Vigan wendet sich ihren Figuren sehr intensiv zu. So beschreibt sie auch Melanies Geschichte, ihre Suche nach medialer Aufmerksamkeit schon in jüngeren Jahren. Man bekommt einen tiefen Einblick in die Psyche dieser Frau, die sich schon immer danach sehnte, berühmt zu sein, die nun zwanghaft ihre innere Leere dadurch aufzufüllen sucht, indem sie ihr familiäres Glück zur Schau stellt und öffentlich macht. Die Autorin nähert sich jeder Figur auf höchst empathische Weise. Sie zeigt Ambivalenzen, seelische Narben und innere Konflikte überaus nachvollziehbar auf. An Melanies Liebe zu ihren Kindern bestehen niemals Zweifel, auch wenn man ihr Verhalten als zwanghaft und übergriffig empfinden muss.

    Ebenso nah kommt man Ermittlerin Clara, einer Frau, die völlig anders aufgewachsen ist als Melanie, die sich bewusst gegen Kinder entschieden hat und sich sehr stark auf ihren Beruf fokussiert. Clara hat noch nie in einem Fall um ein vermisstes Kind recherchieren müssen. Sie schaut sich sukzessive alle Videos, Stories und Posts von „happy recre“ an, wertet Protokolle und Fakten aus. Sie kommt schon früh zu dem Schluss, dass „Kimmy Diore in einer Parallelwelt aufgewachsen ist, in einer ganz und gar künstlichen Welt, einer virtuellen Welt, die sie, Clara, nicht kannte. Diese Welt gehorchte Regeln, über die sie nicht das Geringste wusste.“ (S. 57)
    Die Handlung entwickelt sich wie in einem spannenden Kriminalroman. Aus verschiedenen Perspektiven wird das Bild für den Leser immer kompletter und anschaulicher. Dabei wird besonderer Wert auf eine umfassend glaubwürdige Entwicklung gelegt, hier ist nichts nur schwarz oder nur weiß. Das macht den Plot so faszinierend. Mit jedem Tag, den das Mädchen länger vermisst wird, steigen die Befürchtungen, dass es kein gutes Ende mit Kimmy nehmen wird, zumal wirtschaftlicher Erfolg auch immer Neider hat und angesichts des Vermögens der Familie eine grausame Entführung möglich ist. Die Wahrscheinlichkeit eines Gewaltverbrechens nimmt von Tag zu Tag zu… Dieser auf Familie und Polizei lastende Druck wird sehr authentisch transportiert. Die Autorin beschränkt sich in diesem Roman jedoch nicht nur auf die Auflösung des Kriminalfalles, sondern wirft auch noch einen bedrückenden Blick in die Zukunft der Protagonisten: Was macht eine medial hergestellte Öffentlichkeit mit der Kinderseele, wie wirkt sich das Erlebte im Erwachsenenalter aus?

    Delphine de Vigan hat bereits in zahlreichen Romanen gezeigt, dass sie sich relevanten gesellschaftlichen Themen auf sensible Weise nähern kann. Das beweist sie auch hier auf eindrückliche Weise. Sie zeigt die verschiedenen Positionen ohne laute Anklage auf, gibt damit dem Leser die Chance, sich selbst ein Bild zu machen. Sie belegt die tückische Dynamik der sozialen Medien, beweist, wie schnell ein labiler Mensch in den Strudel dieser Scheinwelt geraten kann, der Abhängigkeit und Suchtverhalten nach sich zieht. Der Mutter geraten die Bedürfnisse ihrer Kinder dabei vollkommen aus dem Gesichtsfeld. Die Autorin schildert sachlich und bezieht gerade dadurch Stellung. Beim Leser halten sich Faszination und Unglaube die Waage, zunächst sicher geglaubte Annahmen werden widerlegt.

    „Die Kinder sind Könige“ ist ein überaus packender, vielschichtiger und gesellschaftskritischer Roman, der von Doris Heinemann hervorragend aus dem Französischen übersetzt wurde. Hat man erst einmal begonnen, kann man ihn kaum aus der Hand legen. Hier stimmt einfach alles: Plot, Figuren, Struktur und Schreibstil. Große Lese-Empfehlung!

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  1. Die gestohlene Kindheit

    In diesem Buch geht es um Kinderrechte und wie die Eltern durch das tägliche Filmen dieses mit den Füßen treten. Doch erstmal zur Geschichte.

    Melanie lebt mit ihrem Mann ihrem älterem Sohn, Sam, und ihrer kleinen Tochter, Kimmy in einem noblem Vorort von Paris. Ihr Mann hat seinen Job als IT- Spezialist aufgegeben und sich stattdessen um das Schneiden der Filme von seinen Kindern spezialisiert. Das ganze Familieneinkommen hängt von diesen Filmen ab. Sie erhalten von den Sponsoren viel Geld, wenn die Kinder Geschenke aufmachen, wo ein Markenartikel enthalten ist. Es wird ihre Freude und auch das Ausprobieren des Artikels gefilmt. Darüber hinaus wird auch gefilmt, wenn Melanie ihren Kindern alles erlaubt (und immer bei Fragen mit "Ja" antwortet), oder wenn sie beim Einkaufen Gegenstände in den Einkaufswagen legen, die mit "B" anfangen. Es geht um Konsum und dieses wird gefilmt.

    Doch eines Tages verschwindet Kimmy. Melanie ist entsetzt und hilflos. Denn durch Kimmy wird wie gesagt das Familieneinkommen gesichtert.

    In dieses Buch gibt es zwei Antagonisten: Melanie, die total in dieser You- Tube- Blase aufgegangen ist und sich vom Umfeld abkapselt und die ermittelnde Polizistin Clara. Durch sie erlebt der Leser den You- Tube Wahnsinn. Dieses Buch entwickelt einen Sog wie ein Krimi. Als Leser fiebert man mit und möchte wissen wer Kimmy entführt hat. Auf der anderen Seite entdeckt der Leser durch Clara den Schrecken im Internet, von dem ich überhaupt keine Ahnung hatte.

    Fazit: Ein gut lesendes Buch, welches mich begeistert und vpm Thema auch wirklich schockiert hat.

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Der Traumpalast: Im Bann der Bilder

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Traumpalast: Im Bann der Bilder' von Peter Prange
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Inhaltsangabe zu "Der Traumpalast: Im Bann der Bilder"

Großes Kino - Die Roaring Twenties im Spiegel der Ufa-Traumfabrik: der große Zeitgeschichte-Roman nach dem Erfolg von »Eine Familie in Deutschland« von Bestsellerautor Peter Prange. Berlin, Anfang der zwanziger Jahre: Ein neues Lebensgefühl bricht sich Bahn - Freiheit! Es ist die Vision von glanzvollen Stars, spektakulären Großfilmen und glitzernden Kinopalästen, die Tino, Bankier und Lebemann, an der gerade gegründeten Ufa begeistert. Er riskiert alles, um mit der deutschen Traumfabrik Hollywood Paroli zu bieten. Rahel will als Journalistin Wege gehen, die Frauen bisher verschlossen waren. Als die zwei einander begegnen, ahnen sie nicht, welche Wende ihr Leben dadurch nimmt. Denn bald stellt sich ihnen die alles entscheidende Frage: Wie weit darf Freiheit gehen? In der Politik, in der Kunst – und in der Liebe.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
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EAN:9783651025783
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Blond

Buchseite und Rezensionen zu 'Blond' von Joyce Carol Oates
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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:1024
Verlag: Ecco Verlag
EAN:9783753000046
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