Violet: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Violet: Roman' von Tracy Chevalier
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

England, dreißiger Jahre. Die Abende, an denen Violet mit einer Gruppe ungewöhnlicher Frauen wunderschöne Stickereien für die Kathedrale in Winchester anfertigt, sind der Aufbruch in eine neue Welt. Sie zeigen Violet, dass sie mit ihrem Auszug aus dem mütterlichen Zuhause die richtige Entscheidung getroffen hat. Schnell lernt und schätzt sie die Kunst des Stickens und lässt sich von Arthur in die des Läutens der Kirchturmglocken einweihen. Violet gewinnt durch das starke Band der Freundschaft zwischen den Frauen und die wachsende Nähe zu Arthur an Lebensmut und überwindet die Lebenskrise infolge des Ersten Weltkriegs. Und die Kirchturmglocken könnten wahrhaftig ihr neues Leben in Winchester einläuten…

Format:Broschiert
Seiten:352
Verlag: Atlantik
EAN:9783455007473
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Rezensionen zu "Violet: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Jan 2020 

    Schön und einfühlsam

    Violet hat im 1. Weltkrieg ihren Verlobten verloren, genau wie ihren Bruder. Sie lebte sie allein mit ihrer zänkischen und herrschsüchtigen Mutter und als Enddreißigerin wagt sie den Schritt und zieht aus. Sie reiht sich in das Heer der alleinstehenden, berufstätigen Frauen ein, die schlecht bezahlt und mitleidig angesehen werden. Sie genießt ihre Freiheit, auch wenn sie kaum mit Lohn überleben kann. In der Kathedrale von Winchester trifft sie zufällig auf einen Gruppe von Frauen, die Knie- und Sitzkissen besticken. Fasziniert von dieser Arbeit tritt sie dem Stickkreis bei. Auch die Begegnung mit Arthur, einem der Glöckner der Kathedrale, wird ihrem Leben eine neue Richtung geben.

    Nach den ersten Seiten war ich zunächst etwas enttäuscht. Ein Roman über ein „spätes Mädchen“, dass ihr Leben zwischen Büro, reichlich Tee und Handarbeiten verbringt – auf den ersten Blick nicht sehr ereignisreich. Aber schon bald hatte mich die Geschichte gefangen. In sehr ruhigem Ton wird die Geschichte einer Frau in den Zwischenkriegsjahren erzählt. Enttäuschte Hoffnungen, zerplatzte Lebensträume und die Schwierigkeit ein selbst bestimmtes Leben zu führen, das alles spornt Violet an, sich nicht unterkriegen zu lassen.

    Man kann sagen, es ist eine Emanzipationsgeschichte, gelebt zu einer Zeit, als Emanzipation eher ein Schimpfwort war. Der Krieg hat so viele Opfer gefordert, dass kaltherzig vom „Frauenüberschuss“ gesprochen wurde und diese Frauen mussten sich einen Platz in der Gesellschaft erobern. Das alles in einer Gesellschaft, in der weibliche Berufstätigkeit allenfalls als Übergang zwischen Schule und Eheakzeptiert wurde.

    Das zweite Thema ist die Stickerei und es wirklich schön zu lesen, wie diese Handarbeiten entstanden sind und welchen Stellenwert sie im kirchlichen Leben hatte. Violet findet im Sticken nicht nur ein Hobby, sie findet darin auch Ruhe und Bestätigung durch die anderen Stickerinnen. Freundschaften entstehen, die Violet stützen und tragen.

    Ein sehr schönes, leises Buch für das man sich Zeit nehmen sollte um die Sprache zu genießen und sich in das Leben dieser Frau zu denken.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Jan 2020 

    Öffnet Augen

    Nach dem letzten Buch von Tracy Chevalier habe ich mir einen Goldpepping in den Garten gepflanzt. Jetzt möchte ich sticken lernen. Die Autorin ist vielseitig und kann Begeisterung für Themen wecken, auf die man nie gekommen wäre.
    Mit diesem Buch zeigt sie, dass wir in Sachen Emanzipation doch schon dazugelernt haben.

    1932 war der letzte Krieg zwar vorbei, trotzdem hatte die Bevölkerung noch mit den Folgen zu kämpfen. Violet hat zum Beispiel ihren Verlobten verloren und ist „sitzengeblieben“, 38 Jahre alt, keinen Mann abbekommen und muss in der Zeitung lesen, wie man über den Frauenüberhang witzelt.
    Irgendwann hält sie es nicht mehr aus daheim mit ihrer Mutter, der man nichts rechtmachen kann, und zieht nach Winchester, besorgt sich einen Job, ein Zimmer und tritt der Stickgruppe bei, die die kunstvollen Sitzkissen für die Kathedrale gestaltet.

    Eigentlich geht es um nicht viel. Eine Frau möchte ein selbstbestimmtes Leben, was nicht verboten ist, aber überall misstrauisch beobachtet wird. Die Vermieterin kontrolliert Telefonate, Besuch und den Kohlenkonsum, alleine essen gehen ist ein Spießrutenlauf, abends ausgehen höchst anrüchig und Bruder und Mutter erwarten ganz selbstverständlich, dass Violet immer zur Verfügung steht, hat sie doch keine eigene Familie zu versorgen. Nur beim Sticken kann Violet abschalten, eine kontemplative Tätigkeit, die ihr Freude bereitet, gesellschaftlich anerkannt ist und bei der Schönes entsteht.

    Nichts davon ist neu, es ist auch keine große Geschichte, die einen in Atem hält, allerdings habe ich dieses Thema noch nie so komprimiert vor Augen geführt bekommen. Violets Leben ist trist und leidvoll, auch wenn sie nichts Offensichtliches zu erleiden hat. Es geht um gesellschaftliche Normen, bei denen alleinstehende Frauen nicht vorgesehen sind, Engstirnigkeit, ein Frauenbild, das Frauen irgendwo zwischen Kindern und Haustieren ansiedelt. Das ist tragisch und schockierend, wenn auch kein Pageturner. Im Mittelteil zieht es sich ein klein wenig.

    Ein bisschen aufgelockert wird das Geschehen durch eine sehr zaghafte Liebelei, bei der man Interessantes über Glocken und den Beruf eines Glöckners lernt.
    Dieses Buch ist beeindruckend, fesselnd und lenkt dem Blick auf ein Thema, was öfter am Rande wahrgenommen, aber selten direkt beleuchtet wird. Es öffnet Augen.

 

Sind die Medien noch zu retten?

Rezensionen zu "Sind die Medien noch zu retten?"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Jun 2017 

    Sind die Medien noch zu retten?

    Thilo Baum / Frank Eckert
    Sind die Medien noch zu retten?
    Midas Management

    Autor: Thilo Baum (* 1970) und Frank Eckert (* 1967) sind Journalisten und kennen den Medienbetrieb von innen. Sie analysieren den derzeitigen Zustand der Publizistik und erinnern an die elementaren Regeln des redaktionellen Arbeitens. (Quelle: Midas Management)

    Anmerkung: Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dem Buch um eines aus dem Bereich “Sachbuch” handelt, gibt es an dieser Stelle nicht wie üblich, eine Inhaltsangabe. Das Buch folgt keiner Story, welche zusammengefasst werden könnte.

    Das Buch ist in 9 Großkapitel (plus Vorwort und Nachwort) geteilt. Diese Großkapitel sind jeweils noch mal in Unterkapitel unterteilt, die wiederum auch Zwischenüberschriften besitzen. Beim Aufschlagen steht sofort ein Zitat, welches zeigt, dass das behandelte Thema keinesfalls nur ein Problem der Neuzeit ist. Das Thema, über welches die Autoren schreiben, wird in der heutigen Medienwelt sehr oft benutzt (nach dem Lesen des Buches wird einem klar, dass dies oft auch falsch benutzt wird). Ein Wort, das dabei heraussticht ist “Lügenpresse”. Die Autoren verdeutlichen an mehr oder weniger aktuellen Themen, wie der Umgang von und mit den Medien aussieht. Jedes der Beispiele ist dabei mit einer Quelle versehen, sodass man als Leser alles selbstständig nochmals nachschlagen kann. Am Ende des Buches befindet sich auch nochmals eine Angabe der Literatur. Dabei wird Kritik seitens der Autoren großgeschrieben (und das auch gegenüber den Journalisten). Einseitigkeit lässt sich also nicht feststellen. Wer nur mal eben quer lesen möchte oder aber zu einem bestimmten Thema, der kann auf das Schlagwortverzeichnis zurückgreifen. Beim Lesen begegnen einem oftmals Einschübe bzw. Kommentare, die dick gedruckt sind und sich somit gut vom Text abheben. Eine sehr gute Idee, nur leider manchmal hätten diese auch wegbleiben können, da sie fast 1:1 aus dem Text stammen.

    Cover: Das Cover ist in der Grundfarbe in einem schlichten Weiß gehalten. Der Titel steht in Rot auf der der Vorderseite, womit er sich perfekt vom Hintergrund abhebt. Außerdem sehen wir auf der Vorderseite noch einige Abbildungen, die zum Thema “Medien” passen (Hände mit Rekordern, Mikrofone, …).

    Fazit: Ein Buch das ich hauptsächlich jedem empfehlen kann, der etwas veröffentlicht (Blogger, Forenbetreiber, usw.). Da das behandelte Thema aber in aller Munde ist, kann auch dem ein oder anderen das Buch gefallen. Nicht unbedingt ein Buch das man in einem Wisch durchliest aber das muss man auch nicht zwingend. Von mir bekommt das Buch 4/5 Sternen.

    Klappentext: Immer mehr Menschen beklagen, was sie sehen, hören und lesen und die Medienkritik nimmt zu – bis hin zum Vorwurf der »Lügenpresse«. Doch welche Kritik ist berechtigt, und welche nicht?
    Dieses Buch zeigt:
    • wie Medien mit ihrem Verhalten das Publikum vertreiben, und
    • wie Medien ungewollt zum Rechtsruck in Deutschland beitragen.
    Ein Großteil der Kritik argumentiert politisch: Medien würden bestimmte Strömungen verschweigen, andere dagegen fördern. Trifft dieser Vorwurf wirklich zu oder gibt es noch andere Gründe, weshalb Medien immer mehr an Reichweite verlieren? Dieses Buch geht den Gründen für die aktuelle Vertrauenskrise nach und stellt fest, dass viele Fehler und Defizite gar keine komplizierten Ursachen haben, sondern auf mangelhafter Kenntnis und Anwendung des journalistischen Handwerks beruhen: Medien verkaufen Meinungen als Tatsachen, schmieden aus Eitelkeit Kampagnen oder halten sich nicht an rechtsstaatliche Prinzipien.
    Die beiden Autoren legen den Finger in die Wunde und unterbreiten konkrete Vorschläge, was Medien liefern sollten, um glaubwürdig zu sein:
    • Journalismus statt Politik,
    • sachliche Berichte statt Polemik und
    • Kommunikation auf Augenhöhe statt von oben herab.
    Ein Buch für Medienmacher und Mediennutzer – und alle politisch Interessierten dazu.
    Denn guter Journalismus ist heute so wichtig wie kaum zuvor. (Quelle: Midas Management)

    Autor: Thilo Baum / Frank Eckert
    Titel: Sind die Medien noch zu retten?
    Verlag: Midas Management
    Genre: Sachbuch
    Seiten: 422
    Preis: 17,90
    ISBN: 978-3907100882

    http://wurm200.blogspot.de/

 

Sind die Medien noch zu retten?

Rezensionen zu "Sind die Medien noch zu retten?"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Jun 2017 

    Sind die Medien noch zu retten?

    Thilo Baum / Frank Eckert
    Sind die Medien noch zu retten?
    Midas Management

    Autor: Thilo Baum (* 1970) und Frank Eckert (* 1967) sind Journalisten und kennen den Medienbetrieb von innen. Sie analysieren den derzeitigen Zustand der Publizistik und erinnern an die elementaren Regeln des redaktionellen Arbeitens. (Quelle: Midas Management)

    Anmerkung: Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dem Buch um eines aus dem Bereich “Sachbuch” handelt, gibt es an dieser Stelle nicht wie üblich, eine Inhaltsangabe. Das Buch folgt keiner Story, welche zusammengefasst werden könnte.

    Das Buch ist in 9 Großkapitel (plus Vorwort und Nachwort) geteilt. Diese Großkapitel sind jeweils noch mal in Unterkapitel unterteilt, die wiederum auch Zwischenüberschriften besitzen. Beim Aufschlagen steht sofort ein Zitat, welches zeigt, dass das behandelte Thema keinesfalls nur ein Problem der Neuzeit ist. Das Thema, über welches die Autoren schreiben, wird in der heutigen Medienwelt sehr oft benutzt (nach dem Lesen des Buches wird einem klar, dass dies oft auch falsch benutzt wird). Ein Wort, das dabei heraussticht ist “Lügenpresse”. Die Autoren verdeutlichen an mehr oder weniger aktuellen Themen, wie der Umgang von und mit den Medien aussieht. Jedes der Beispiele ist dabei mit einer Quelle versehen, sodass man als Leser alles selbstständig nochmals nachschlagen kann. Am Ende des Buches befindet sich auch nochmals eine Angabe der Literatur. Dabei wird Kritik seitens der Autoren großgeschrieben (und das auch gegenüber den Journalisten). Einseitigkeit lässt sich also nicht feststellen. Wer nur mal eben quer lesen möchte oder aber zu einem bestimmten Thema, der kann auf das Schlagwortverzeichnis zurückgreifen. Beim Lesen begegnen einem oftmals Einschübe bzw. Kommentare, die dick gedruckt sind und sich somit gut vom Text abheben. Eine sehr gute Idee, nur leider manchmal hätten diese auch wegbleiben können, da sie fast 1:1 aus dem Text stammen.

    Cover: Das Cover ist in der Grundfarbe in einem schlichten Weiß gehalten. Der Titel steht in Rot auf der der Vorderseite, womit er sich perfekt vom Hintergrund abhebt. Außerdem sehen wir auf der Vorderseite noch einige Abbildungen, die zum Thema “Medien” passen (Hände mit Rekordern, Mikrofone, …).

    Fazit: Ein Buch das ich hauptsächlich jedem empfehlen kann, der etwas veröffentlicht (Blogger, Forenbetreiber, usw.). Da das behandelte Thema aber in aller Munde ist, kann auch dem ein oder anderen das Buch gefallen. Nicht unbedingt ein Buch das man in einem Wisch durchliest aber das muss man auch nicht zwingend. Von mir bekommt das Buch 4/5 Sternen.

    Klappentext: Immer mehr Menschen beklagen, was sie sehen, hören und lesen und die Medienkritik nimmt zu – bis hin zum Vorwurf der »Lügenpresse«. Doch welche Kritik ist berechtigt, und welche nicht?
    Dieses Buch zeigt:
    • wie Medien mit ihrem Verhalten das Publikum vertreiben, und
    • wie Medien ungewollt zum Rechtsruck in Deutschland beitragen.
    Ein Großteil der Kritik argumentiert politisch: Medien würden bestimmte Strömungen verschweigen, andere dagegen fördern. Trifft dieser Vorwurf wirklich zu oder gibt es noch andere Gründe, weshalb Medien immer mehr an Reichweite verlieren? Dieses Buch geht den Gründen für die aktuelle Vertrauenskrise nach und stellt fest, dass viele Fehler und Defizite gar keine komplizierten Ursachen haben, sondern auf mangelhafter Kenntnis und Anwendung des journalistischen Handwerks beruhen: Medien verkaufen Meinungen als Tatsachen, schmieden aus Eitelkeit Kampagnen oder halten sich nicht an rechtsstaatliche Prinzipien.
    Die beiden Autoren legen den Finger in die Wunde und unterbreiten konkrete Vorschläge, was Medien liefern sollten, um glaubwürdig zu sein:
    • Journalismus statt Politik,
    • sachliche Berichte statt Polemik und
    • Kommunikation auf Augenhöhe statt von oben herab.
    Ein Buch für Medienmacher und Mediennutzer – und alle politisch Interessierten dazu.
    Denn guter Journalismus ist heute so wichtig wie kaum zuvor. (Quelle: Midas Management)

    Autor: Thilo Baum / Frank Eckert
    Titel: Sind die Medien noch zu retten?
    Verlag: Midas Management
    Genre: Sachbuch
    Seiten: 422
    Preis: 17,90
    ISBN: 978-3907100882

    http://wurm200.blogspot.de/

 

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