Flo, der Flummi und das Schnack: und andere Vorlesegeschichten für Kinder und Eltern, die sich nicht langweilen möchten

Buchseite und Rezensionen zu 'Flo, der Flummi und das Schnack: und andere Vorlesegeschichten für Kinder und Eltern, die sich nicht langweilen möchten' von David Rupp
NAN
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Inhaltsangabe zu "Flo, der Flummi und das Schnack: und andere Vorlesegeschichten für Kinder und Eltern, die sich nicht langweilen möchten"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag:
EAN:9783462000412

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Herzfaden: Roman der Augsburger Puppenkiste

Buchseite und Rezensionen zu 'Herzfaden: Roman der Augsburger Puppenkiste' von Thomas Hettche
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Herzfaden: Roman der Augsburger Puppenkiste"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
Verlag:
EAN:9783462052565

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Rezensionen zu "Herzfaden: Roman der Augsburger Puppenkiste"

  1. Ein Herzensbuch - nicht nur wegen Urmel & Co.

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Sep 2020 

    "„Der Herzfaden?“ fragt Hatü.
    „Der wichtigste Faden einer Marionette. Nicht sie wird mit ihm geführt, sondern mit ihm führt sie uns. Der Herzfaden einer Marionette macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.“" (S. 64)

    Ein für mich unwiderstehliches Thema hat Thomas Hettche für seinen neuen Roman "Herzfaden" gewählt: die Augsburger Puppenkiste. Ich selbst bin mit deren zauberhaften Marionetten und Geschichten aufgewachsen und sehe mit Freude, wie die Geschichten Jung und Alt bis heute begeistern. Urmel, Kater Mikesch, Jim Knopf und die Katze mit Hut sind aus dem Leben meiner Familie jedenfalls nicht wegzudenken. Und wenn die Holzköpfe der Figuren uns zuzublinzeln, zu erröten oder kokett zu lächeln scheinen, weiß ich nun, dass der "Herzfaden" dafür verantwortlich ist.

    Allerdings beschränkt sich Thomas Hettche bei weitem nicht auf die bewegte Geschichte dieses Marionettentheaters. Dass der von Matthias Beckmann wunderschön illustrierte Roman über zwei Handlungsstränge verfügt, wird bereits an den beiden Druckfarben blau und rot deutlich. Während die blauen Abschnitte im Präsens die Geschichte der Puppenschnitzerin und Marionettenspielerin Hannelore Marschall-Oehmichen, genannt Hatü (1931 – 2003), Tochter des Gründers Walter Oehmichen, erzählen, spielen die roten, fantastischen Teile im Jetzt, erzählt in der Vergangenheitsform:

    "Die Vergangenheit ist die Gegenwart und die Gegenwart die Vergangenheit. Die Zeit löst sich in der Dunkelheit auf. In einer Geschichte setzt sie sich wieder zusammen." (S. 193)

    Das Mädchen mit dem iPhone bleibt namenlos. Sie leidet unter der Scheidung der Eltern und der Besuch mit dem Vater im Puppentheater kratzt am Selbstbewusstsein der Zwölfjährigen. Weinend läuft sie davon und landet in dem sehr alten Haus voller geheimer Türen und Treppen auf dem Dachboden bei den Marionetten. Nicht nur, dass die Puppen plötzlich ihre Fäden abstreifen und sie selbst auf deren Größe schrumpft, es taucht auch noch eine riesenhafte Frau auf, die sich als Hatü, Mitbegründerin der Puppenbühne, vorstellt. Während Hatü ihr ihre und die Geschichte der Augsburger Puppenkiste erzählt, begreift die wieder lebendig gewordene Puppenschnitzerin gleichzeitig nach und nach, warum dieses Mädchen zu ihr gefunden hat. Alles hängt zusammen mit der ersten Puppe, die sie während der Kinderlandverschickung geschnitzt hat, dem Kasperl mit dem bösen Gesicht, vor dem sie sich immer gefürchtet hat. Das Mädchen wiederum kann den Dachboden nicht verlassen, bevor es nicht den Kasperl vertrieben und dessen geheimnisvolle Geschichte erfahren hat.

    Kunstvoll bettet Thomas Hettche in diese magische Erzählung Hatüs Erinnerungen ein. Von den ersten Puppen, die der Vater, ein Schauspieler und Landesleiter der Reichstheaterkammer, aus dem Krieg mitbringt, über das erste Wohnzimmer-Theater, den Puppenschrein, mit der selbstgebauten Spielbrücke und allen Puppen, die allesamt beim Luftangriff auf Augsburg am 25.02.1944 verbrennen. Nach dem Krieg nimmt die Familie einen neuen Anlauf und am 26.02.1948 lädt die Augsburger Puppenkiste mit „Der gestiefelte Kater“ zur Premiere ein. Allerdings ist dieser Teil des Romans weit mehr als die Chronik von Deutschlands berühmtestem Puppentheater, sondern Kindheit im Krieg und Jugend im Nachkriegsdeutschland, Grauen, aber auch Wiederauferstehung, zu der Walter Oehmichen beitrug:

    "Wir müssen die Herzen der Jugend erreichen, die von den Nazis verdorben wurden. Und die Fäden, mit denen wir sie wieder an Kultur anknüpfen, das sind die Fäden meiner Marionetten." (S. 128)

    "Herzfaden" ist ein Roman für Jugendliche wie Erwachsene, den man auf verschiedenen Ebenen lesen und verstehen kann. Wie schön, dass er auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2020 steht. Ich drücke die Daumen!

    Thomas Hettche: Herzfaden. Mit siebenundzwanzig Zeichnungen von Matthias Beckmann. Kiepenheuer & Witsch 2020
    www.kiwi-verlag.de

  1. Der Dachboden

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Sep 2020 

    Im Haus der Augsburger Puppenkiste tritt ein 12jähriges Mädchen neugierig durch ein geheime Tür. Sie landet auf einem dunklen Dachboden und findet den Weg zurück nicht. Doch plötzlich hört sie Geräusche und überrascht trifft sie auf Marionetten und sie selbst ist auf einmal so groß wie Urmel, Jim Knopf, Prinzessin Li Si und wie sie alle heißen. Ihre Geschichte und die des Theaters wird erzählt von Hatü, der Tochter des Gründers. Das Mädchen erfährt vom zweiten Weltkrieg und von Walter Oehmichen, der aus der Kriegsgefangenschaft mit der Idee des Puppentheaters heimkehrt.

    Die Nazizeit und der Krieg haben Spuren hinterlassen, bei Walter Oehmichen, aber auch bei seiner Frau und den beiden Töchtern. Die Menschen brauchen etwas, das ihre kindliche Seele erreicht. Der Krieg und die Nazi-Gräuel können nicht ungeschehen gemacht werden und sie dürfen nicht vergessen werden. Doch vielleicht können die Menschen etwas wie Kultur wiederfinden. Hier möchte Oehmichen ein Angebot machen, zunächst um die Kinder zu erreichen. Doch bald gibt es auch Inszenierungen für Erwachsene. Seine Tochter Hannelore, die Hatü genannt wird, ist schon früh dabei. Noch als Jugendliche schnitzt sie ihre erste Marionette, einen Kasperl, der sie irgendwie ängstigt, so dass der Vater ihm freundlichere Züge geben will.

    In der Nachkriegszeit als alles darniederlag, war es eine ungewöhnliche Idee, ein Marionetten-Theater zu gründen. Doch vielleicht brauchten die Menschen einfach etwas Positives und durch den Mund der Puppen kann man manchmal mehr sagen als man es als Mensch wagen würde. Die Zeiten waren schwer, aber mit den Jahren machte sich auch eine Aufbruchstimmung breit. Hatü erzählt von einer Zeit, wie sie das Mädchen nie erlebte. Die Entbehrungen, aber auch der Mut des Neubeginns. Die Geschichte der Puppen und einiger großartiger Inszenierungen, die die Augsburger Puppenkiste weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht haben. Aber auch die Geschichte des Kasperls, die die damalige Zeit so deutlich widerspiegelt. Man glaubt, beinahe selbst auf diesem fensterlosen Dachboden zu sitzen und Hatü zu lauschen. Man fühlt sich ein wenig am eigenen Herzfaden gezupft und ist froh, dass man sich von den Ereignissen auf diesem Dachboden berühren lassen durfte.

  1. Die Augsburger Puppenkiste ist mehr …

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Sep 2020 

    Kurzmeinung: Hat mich nicht so geflasht wie "Die Pfaueninsel", aber ihr werdet dem Urmel wiederbegegnen! Tas ist tsicher.

    Der Roman „Herzfaden“ von Thomas Hettche, zur Zeit (10.9.2020) sich auf der Longlist des Deutschen Buchpreises befindend und somit bereits als einer der besten deutschen Romane dieses Jahres ausgezeichnet, beschäftigt sich mit den Erfindern der Augsburger Puppenkiste.

    Die Familie von Walter Oehmichen, wobei Walter in leiternder Position am Stadttheater Augsburg beschäftigt war, wurde wie die meisten deutschen Familien in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen. Es ist nicht ganz klar, wie weit Walter Oehmichen oder die Familie selbst die Nazi-Ideologie mittrugen und verinnerlicherten, ob sie einfache Mitläufer waren oder mehr dahinter stand, die Kinder waren jedenfalls in der Hitlerjugend und wurden dort und auch im Schulunterricht entsprechend gehirngewaschen. Andererseits setzte der Vater auch verbotene Stücke auf den Spielplan, ein wenig getarnt, unter falscher Flagge, aber durchaus erkennbar. Widerstandskämpfer aber waren sie alle nicht.

    Die jüngere Tochter Hannelore erbt vom Vater die Liebe zur Schnitzkunst und zum Puppentheater und hilft ihm in der Nachkriegszeit tatkräftig, das kleine Theater aufzubauen. Als das Fernsehen in seinen Kinderschuhen noch, auf die Marionettenspieler und seine Geschichten aufmerksam werden, stehen die Zeichen auf Grün: die Augsburger Puppenkiste wird berühmt und ist aus keinem Kinderzimmer mehr wegzudenken.

    Kommentar: Thomas Hettche schreibt wie gewohnt in anmutiger Sprache und in einer zweifachen Erzählung diese Entwicklung auf. Dabei werden die Toten groß und die Lebenden klein. Warum ist das so? fragt sich der Leser. Und warum hat Hatü denn Angst gehabt vor dem Kasperl mit der großen Nase?

    Wie auch immer: man entdeckt im Roman „Herzfaden“ den Herzfaden, das ist der Faden, den die Puppen gar nicht haben, denn er ist unsichtbar. Und man entdeckt die Freunde der Kindheit wieder und ihren ernsten Hintergrund. Einen Schuss Surrealismus, wie es gerade modern ist, hat der Autor mit den Szenen auf dem Dachboden mit eingegossen. Hat dieser Schluck Surrealismus einen tieferen Sinn?

    Die Metaebene des Romans ist mehr angedeutet als ausgeführt, aber sie ist da. Ausgburger Puppenkiste und Zweiter Weltkrieg sind zeitgleich, das hat Auswirkungen auf den Roman und auf das Leben. Die Augsburger Puppenkiste ist gleichzeitig Märchen, Hoffnung und Auseinandersetzung. Gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart, wie der Autor schreibt.

    Fazit: Die Augsburger Puppenkiste, wiederauferstanden nach einer Bombennacht in Augsburg, hat eine Geschichte, weil sie Teil der Geschichte ist.

    Auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2020
    Kategorie: Anspruchsvoller Roman
    Verlag: Kiwi, 2020

  1. Ein raffinierter Tanz zwischen Historie, Realität und Fantasie,

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Sep 2020 

    Dies ist eins von den Büchern, die man eigentlich gleich nach dem Beenden noch einmal lesen möchte. Ich weiß nicht, ob ich alles verstanden habe, aber was ich verstanden habe ist weise, zauberhaft, bittersüß und ich glaube, ich könnte noch sehr viel mehr verstehen.

    Natürlich erfährt man hier die Geschichte der Augsburger Puppenkiste: Wer war Walter Oehmichen, wie kam er zum Puppenspiel und was faszinierte seine Tochter Hannelore, die Hatü genannt wurde, daran? Es liest sich ein bisschen wie der amerikanische Traum in Deutschland: Vom einfachen Schauspieler, quer durch den Krieg zu einer Institution im frisch erfundenen deutschen Fernsehen.

    Zu dieser Familiengeschichte gehört auch ein gutes Stück Zweiter Weltkrieg, den man hier aber eher fühlt als dass man Fakten geliefert bekäme. Wie kommt man durch den Krieg mit einer Künstlerseele? Wie fühlt es sich an, wenn plötzlich Nachbarn, Freunde und Kollegen zu Geächteten werden, man mitten im Wahnsinn steckt und überleben will. Und wie sieht wohl ein Kind den Krieg, das nicht versteht, was passiert und sich wundert, dass seine Welt kopfsteht. Da kann ein Puppenspiel die Tür in eine andere Welt öffnen, wenn man den Herzfaden sieht, der eine Marionette lebendig macht, dieser Herzfaden, der bewirkt, dass Generationen dahinschmelzen wenn das Urmel sagt: „Ich tomme mit!“

    „Der Herzfaden, hat sie die Stimme ihres Vaters im Ohr, ist der wichtigste Faden einer Marionette. Er macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.“

    Das ist der eine wundervolle Teil dieses Buches.
    Zusätzlich begleiten wir in der heutigen Zeit ein Mädchen, das sich verlaufen hat und in einer zauberhaften, aber beklemmenden Zwischenwelt gelandet ist. Auf dem Dachboden eines Puppentheaters trifft es auf eine riesige Hatü und hat selbst Marionettengröße. Wie kann das sein? Dieser Aspekt des Buches gibt Rätsel auf.
    „Die Vergangenheit ist die Gegenwart und die Gegenwart die Vergangenheit. Die Zeit löst sich in der Dunkelheit auf. In einer Geschichte setzt sie sich wieder zusammen.“
    Was ist ein Märchen und was geben uns Geschichten? Sind Märchen für Kinder gemacht? Von Geschichten wie Jim Knopf kann jeder etwas mitnehmen, egal wie alt er ist. Und vielleicht sollte man Märchen viel näher an sich heranlassen, statt es als Kinderkram abzutun…

    Das ist einer von unzähligen Interpretationsansätzen, die dieses Buch bietet. Wirklich festmachen kann man nicht so viel, stattdessen liefert es unendliche Möglichkeiten und eine Geschichte, die zaubrisch, morbide und nicht einzuordnen ist. Aber muss man denn immer alles einordnen?

    Man kann sich auch einfach fallen lassen, in dieses Buch voller Klugheit und Atmosphäre, nimmt dabei ein Stückchen Historie mit und hat das Staunen gelernt. Dieses Buch hat auch einen Herzfaden. Es packt den Leser auf der Gefühlsebene, in einer Zwischenwelt, die nicht jeder sieht. Das ist deutlich mehr, als man von einem guten Buch verlangen kann, so etwas machen die sehr guten Bücher.

 

Herzfaden: Roman der Augsburger Puppenkiste

Buchseite und Rezensionen zu 'Herzfaden: Roman der Augsburger Puppenkiste' von Thomas Hettche
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Herzfaden: Roman der Augsburger Puppenkiste"

Ein zwölfjähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen märchenhaften Dachboden, auf dem viele Freunde warten: die Prinzessin Li Si, Kater Mikesch, Lukas, der Lokomotivführer. Vor allem aber die Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat und nun ihre Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat. Sie beginnt im 2. Weltkrieg, als Walter Oehmichen, ein Schauspieler des Augsburger Stadttheaters, in der Gefangenschaft einen Puppenschnitzer kennenlernt und für die eigene Familie ein Marionettentheater baut. In der Bombennacht 1944 verbrennt es zu Schutt und Asche. »Herzfaden« erzählt von der Kraft der Fantasie in dunkler Zeit und von der Wiedergeburt dieses Theaters. Nach dem Krieg gibt Walters Tochter Hatü in der Augsburger Puppenkiste Waisenkindern wie dem Urmel und kleinen Helden wie Kalle Wirsch ein Gesicht. Generationen von Kindern sind mit ihren Marionetten aufgewachsen. Die Augsburger Puppenkiste gehört zur DNA dieses Landes, seit in der ersten TV-Ser

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:263
Verlag:
EAN:

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Rezensionen zu "Herzfaden: Roman der Augsburger Puppenkiste"

  1. Ein Herzensbuch - nicht nur wegen Urmel & Co.

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Sep 2020 

    "„Der Herzfaden?“ fragt Hatü.
    „Der wichtigste Faden einer Marionette. Nicht sie wird mit ihm geführt, sondern mit ihm führt sie uns. Der Herzfaden einer Marionette macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.“" (S. 64)

    Ein für mich unwiderstehliches Thema hat Thomas Hettche für seinen neuen Roman "Herzfaden" gewählt: die Augsburger Puppenkiste. Ich selbst bin mit deren zauberhaften Marionetten und Geschichten aufgewachsen und sehe mit Freude, wie die Geschichten Jung und Alt bis heute begeistern. Urmel, Kater Mikesch, Jim Knopf und die Katze mit Hut sind aus dem Leben meiner Familie jedenfalls nicht wegzudenken. Und wenn die Holzköpfe der Figuren uns zuzublinzeln, zu erröten oder kokett zu lächeln scheinen, weiß ich nun, dass der "Herzfaden" dafür verantwortlich ist.

    Allerdings beschränkt sich Thomas Hettche bei weitem nicht auf die bewegte Geschichte dieses Marionettentheaters. Dass der von Matthias Beckmann wunderschön illustrierte Roman über zwei Handlungsstränge verfügt, wird bereits an den beiden Druckfarben blau und rot deutlich. Während die blauen Abschnitte im Präsens die Geschichte der Puppenschnitzerin und Marionettenspielerin Hannelore Marschall-Oehmichen, genannt Hatü (1931 – 2003), Tochter des Gründers Walter Oehmichen, erzählen, spielen die roten, fantastischen Teile im Jetzt, erzählt in der Vergangenheitsform:

    "Die Vergangenheit ist die Gegenwart und die Gegenwart die Vergangenheit. Die Zeit löst sich in der Dunkelheit auf. In einer Geschichte setzt sie sich wieder zusammen." (S. 193)

    Das Mädchen mit dem iPhone bleibt namenlos. Sie leidet unter der Scheidung der Eltern und der Besuch mit dem Vater im Puppentheater kratzt am Selbstbewusstsein der Zwölfjährigen. Weinend läuft sie davon und landet in dem sehr alten Haus voller geheimer Türen und Treppen auf dem Dachboden bei den Marionetten. Nicht nur, dass die Puppen plötzlich ihre Fäden abstreifen und sie selbst auf deren Größe schrumpft, es taucht auch noch eine riesenhafte Frau auf, die sich als Hatü, Mitbegründerin der Puppenbühne, vorstellt. Während Hatü ihr ihre und die Geschichte der Augsburger Puppenkiste erzählt, begreift die wieder lebendig gewordene Puppenschnitzerin gleichzeitig nach und nach, warum dieses Mädchen zu ihr gefunden hat. Alles hängt zusammen mit der ersten Puppe, die sie während der Kinderlandverschickung geschnitzt hat, dem Kasperl mit dem bösen Gesicht, vor dem sie sich immer gefürchtet hat. Das Mädchen wiederum kann den Dachboden nicht verlassen, bevor es nicht den Kasperl vertrieben und dessen geheimnisvolle Geschichte erfahren hat.

    Kunstvoll bettet Thomas Hettche in diese magische Erzählung Hatüs Erinnerungen ein. Von den ersten Puppen, die der Vater, ein Schauspieler und Landesleiter der Reichstheaterkammer, aus dem Krieg mitbringt, über das erste Wohnzimmer-Theater, den Puppenschrein, mit der selbstgebauten Spielbrücke und allen Puppen, die allesamt beim Luftangriff auf Augsburg am 25.02.1944 verbrennen. Nach dem Krieg nimmt die Familie einen neuen Anlauf und am 26.02.1948 lädt die Augsburger Puppenkiste mit „Der gestiefelte Kater“ zur Premiere ein. Allerdings ist dieser Teil des Romans weit mehr als die Chronik von Deutschlands berühmtestem Puppentheater, sondern Kindheit im Krieg und Jugend im Nachkriegsdeutschland, Grauen, aber auch Wiederauferstehung, zu der Walter Oehmichen beitrug:

    "Wir müssen die Herzen der Jugend erreichen, die von den Nazis verdorben wurden. Und die Fäden, mit denen wir sie wieder an Kultur anknüpfen, das sind die Fäden meiner Marionetten." (S. 128)

    "Herzfaden" ist ein Roman für Jugendliche wie Erwachsene, den man auf verschiedenen Ebenen lesen und verstehen kann. Wie schön, dass er auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2020 steht. Ich drücke die Daumen!

    Thomas Hettche: Herzfaden. Mit siebenundzwanzig Zeichnungen von Matthias Beckmann. Kiepenheuer & Witsch 2020
    www.kiwi-verlag.de

  1. Der Dachboden

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Sep 2020 

    Im Haus der Augsburger Puppenkiste tritt ein 12jähriges Mädchen neugierig durch ein geheime Tür. Sie landet auf einem dunklen Dachboden und findet den Weg zurück nicht. Doch plötzlich hört sie Geräusche und überrascht trifft sie auf Marionetten und sie selbst ist auf einmal so groß wie Urmel, Jim Knopf, Prinzessin Li Si und wie sie alle heißen. Ihre Geschichte und die des Theaters wird erzählt von Hatü, der Tochter des Gründers. Das Mädchen erfährt vom zweiten Weltkrieg und von Walter Oehmichen, der aus der Kriegsgefangenschaft mit der Idee des Puppentheaters heimkehrt.

    Die Nazizeit und der Krieg haben Spuren hinterlassen, bei Walter Oehmichen, aber auch bei seiner Frau und den beiden Töchtern. Die Menschen brauchen etwas, das ihre kindliche Seele erreicht. Der Krieg und die Nazi-Gräuel können nicht ungeschehen gemacht werden und sie dürfen nicht vergessen werden. Doch vielleicht können die Menschen etwas wie Kultur wiederfinden. Hier möchte Oehmichen ein Angebot machen, zunächst um die Kinder zu erreichen. Doch bald gibt es auch Inszenierungen für Erwachsene. Seine Tochter Hannelore, die Hatü genannt wird, ist schon früh dabei. Noch als Jugendliche schnitzt sie ihre erste Marionette, einen Kasperl, der sie irgendwie ängstigt, so dass der Vater ihm freundlichere Züge geben will.

    In der Nachkriegszeit als alles darniederlag, war es eine ungewöhnliche Idee, ein Marionetten-Theater zu gründen. Doch vielleicht brauchten die Menschen einfach etwas Positives und durch den Mund der Puppen kann man manchmal mehr sagen als man es als Mensch wagen würde. Die Zeiten waren schwer, aber mit den Jahren machte sich auch eine Aufbruchstimmung breit. Hatü erzählt von einer Zeit, wie sie das Mädchen nie erlebte. Die Entbehrungen, aber auch der Mut des Neubeginns. Die Geschichte der Puppen und einiger großartiger Inszenierungen, die die Augsburger Puppenkiste weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht haben. Aber auch die Geschichte des Kasperls, die die damalige Zeit so deutlich widerspiegelt. Man glaubt, beinahe selbst auf diesem fensterlosen Dachboden zu sitzen und Hatü zu lauschen. Man fühlt sich ein wenig am eigenen Herzfaden gezupft und ist froh, dass man sich von den Ereignissen auf diesem Dachboden berühren lassen durfte.

  1. Die Augsburger Puppenkiste ist mehr …

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Sep 2020 

    Kurzmeinung: Hat mich nicht so geflasht wie "Die Pfaueninsel", aber ihr werdet dem Urmel wiederbegegnen! Tas ist tsicher.

    Der Roman „Herzfaden“ von Thomas Hettche, zur Zeit (10.9.2020) sich auf der Longlist des Deutschen Buchpreises befindend und somit bereits als einer der besten deutschen Romane dieses Jahres ausgezeichnet, beschäftigt sich mit den Erfindern der Augsburger Puppenkiste.

    Die Familie von Walter Oehmichen, wobei Walter in leiternder Position am Stadttheater Augsburg beschäftigt war, wurde wie die meisten deutschen Familien in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen. Es ist nicht ganz klar, wie weit Walter Oehmichen oder die Familie selbst die Nazi-Ideologie mittrugen und verinnerlicherten, ob sie einfache Mitläufer waren oder mehr dahinter stand, die Kinder waren jedenfalls in der Hitlerjugend und wurden dort und auch im Schulunterricht entsprechend gehirngewaschen. Andererseits setzte der Vater auch verbotene Stücke auf den Spielplan, ein wenig getarnt, unter falscher Flagge, aber durchaus erkennbar. Widerstandskämpfer aber waren sie alle nicht.

    Die jüngere Tochter Hannelore erbt vom Vater die Liebe zur Schnitzkunst und zum Puppentheater und hilft ihm in der Nachkriegszeit tatkräftig, das kleine Theater aufzubauen. Als das Fernsehen in seinen Kinderschuhen noch, auf die Marionettenspieler und seine Geschichten aufmerksam werden, stehen die Zeichen auf Grün: die Augsburger Puppenkiste wird berühmt und ist aus keinem Kinderzimmer mehr wegzudenken.

    Kommentar: Thomas Hettche schreibt wie gewohnt in anmutiger Sprache und in einer zweifachen Erzählung diese Entwicklung auf. Dabei werden die Toten groß und die Lebenden klein. Warum ist das so? fragt sich der Leser. Und warum hat Hatü denn Angst gehabt vor dem Kasperl mit der großen Nase?

    Wie auch immer: man entdeckt im Roman „Herzfaden“ den Herzfaden, das ist der Faden, den die Puppen gar nicht haben, denn er ist unsichtbar. Und man entdeckt die Freunde der Kindheit wieder und ihren ernsten Hintergrund. Einen Schuss Surrealismus, wie es gerade modern ist, hat der Autor mit den Szenen auf dem Dachboden mit eingegossen. Hat dieser Schluck Surrealismus einen tieferen Sinn?

    Die Metaebene des Romans ist mehr angedeutet als ausgeführt, aber sie ist da. Ausgburger Puppenkiste und Zweiter Weltkrieg sind zeitgleich, das hat Auswirkungen auf den Roman und auf das Leben. Die Augsburger Puppenkiste ist gleichzeitig Märchen, Hoffnung und Auseinandersetzung. Gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart, wie der Autor schreibt.

    Fazit: Die Augsburger Puppenkiste, wiederauferstanden nach einer Bombennacht in Augsburg, hat eine Geschichte, weil sie Teil der Geschichte ist.

    Auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2020
    Kategorie: Anspruchsvoller Roman
    Verlag: Kiwi, 2020

  1. Ein raffinierter Tanz zwischen Historie, Realität und Fantasie,

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Sep 2020 

    Dies ist eins von den Büchern, die man eigentlich gleich nach dem Beenden noch einmal lesen möchte. Ich weiß nicht, ob ich alles verstanden habe, aber was ich verstanden habe ist weise, zauberhaft, bittersüß und ich glaube, ich könnte noch sehr viel mehr verstehen.

    Natürlich erfährt man hier die Geschichte der Augsburger Puppenkiste: Wer war Walter Oehmichen, wie kam er zum Puppenspiel und was faszinierte seine Tochter Hannelore, die Hatü genannt wurde, daran? Es liest sich ein bisschen wie der amerikanische Traum in Deutschland: Vom einfachen Schauspieler, quer durch den Krieg zu einer Institution im frisch erfundenen deutschen Fernsehen.

    Zu dieser Familiengeschichte gehört auch ein gutes Stück Zweiter Weltkrieg, den man hier aber eher fühlt als dass man Fakten geliefert bekäme. Wie kommt man durch den Krieg mit einer Künstlerseele? Wie fühlt es sich an, wenn plötzlich Nachbarn, Freunde und Kollegen zu Geächteten werden, man mitten im Wahnsinn steckt und überleben will. Und wie sieht wohl ein Kind den Krieg, das nicht versteht, was passiert und sich wundert, dass seine Welt kopfsteht. Da kann ein Puppenspiel die Tür in eine andere Welt öffnen, wenn man den Herzfaden sieht, der eine Marionette lebendig macht, dieser Herzfaden, der bewirkt, dass Generationen dahinschmelzen wenn das Urmel sagt: „Ich tomme mit!“

    „Der Herzfaden, hat sie die Stimme ihres Vaters im Ohr, ist der wichtigste Faden einer Marionette. Er macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.“

    Das ist der eine wundervolle Teil dieses Buches.
    Zusätzlich begleiten wir in der heutigen Zeit ein Mädchen, das sich verlaufen hat und in einer zauberhaften, aber beklemmenden Zwischenwelt gelandet ist. Auf dem Dachboden eines Puppentheaters trifft es auf eine riesige Hatü und hat selbst Marionettengröße. Wie kann das sein? Dieser Aspekt des Buches gibt Rätsel auf.
    „Die Vergangenheit ist die Gegenwart und die Gegenwart die Vergangenheit. Die Zeit löst sich in der Dunkelheit auf. In einer Geschichte setzt sie sich wieder zusammen.“
    Was ist ein Märchen und was geben uns Geschichten? Sind Märchen für Kinder gemacht? Von Geschichten wie Jim Knopf kann jeder etwas mitnehmen, egal wie alt er ist. Und vielleicht sollte man Märchen viel näher an sich heranlassen, statt es als Kinderkram abzutun…

    Das ist einer von unzähligen Interpretationsansätzen, die dieses Buch bietet. Wirklich festmachen kann man nicht so viel, stattdessen liefert es unendliche Möglichkeiten und eine Geschichte, die zaubrisch, morbide und nicht einzuordnen ist. Aber muss man denn immer alles einordnen?

    Man kann sich auch einfach fallen lassen, in dieses Buch voller Klugheit und Atmosphäre, nimmt dabei ein Stückchen Historie mit und hat das Staunen gelernt. Dieses Buch hat auch einen Herzfaden. Es packt den Leser auf der Gefühlsebene, in einer Zwischenwelt, die nicht jeder sieht. Das ist deutlich mehr, als man von einem guten Buch verlangen kann, so etwas machen die sehr guten Bücher.

 

Geschichten aus Nian: Der Keysor (NIAN-ZYKLUS)

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Format:Broschiert
Seiten:332
Verlag:
EAN:9783947086634

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Format:Kindle Ausgabe
Seiten:132
Verlag:
EAN:

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Rezensionen zu "Der geflügelte Dolch (Der Herr von Buchenhain 1)"

  1. Ein toller erster Teil der den Leser ins Mittelalter mitnimmt

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Aug 2020 

    Landogar ist auf dem Weg in das Dorf Alshafen . Räuberbanden ziehen plündernt umher . Deshalb möchte er den Herzog Alfward fragen , ob er seine Hilfe bräuchte . Dort lernt er auch Alfrun kennen , die Tochter des Herzogs . Durch sie wird Landogar zu persönlichen Getreuen ihres Bruders Alfgar .

    Zu Beginn wird der Leser mit dem Dorf und der dazugehörigen Burg Falkeneck bekannt gemacht . Hier und in der näheren Umgebung spielt sich auch die Handlung ab . Die Geschichte ist eher ruhig am Anfang aber im Laufe der nachfolgenden Seiten nimmt die Spannung zu . Die Charaktere sind sehr gut beschrieben . Da sticht Landogar heraus . Aber auch die anderen Ritter und Gefolgsleute sollte man nicht außer acht lassen .Der Schreib - und Erzählstil ist leicht und flüssig zu lesen ich bin auch sehr gut mitgekommen , auch deshalb weil die nicht zu viele Personen mitspielen . Ich finde ,es ist genau richtig .

    Fazit : Dieses historische Fantasy ist bildhaft beschrieben und zwar so , als ob ich selbst mit dabei wäre . Ritterkämpfe , Kampfübungen , Falkenjagden , dies alles bietet diese Story . Das Cover ist mir etwas zu dunkel , aber es passt zu diesem Buch . Es ist der erste Teil einer Reihe um den Ritter Landogar und der Burg Falkeneck . Dieses Fantasy Abenteuer ist in sich abgeschlossen , aber der Schluss macht doch neugierig auf den zweiten Teil .

 

Geschichten aus Nian: Lindenreiter

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Inhaltsangabe zu "Geschichten aus Nian: Lindenreiter"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:260
Verlag:
EAN:9783956672774

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Format:Kindle Ausgabe
Seiten:166
Verlag:
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Rezensionen zu "Der trotzige Fuchs (Der Herr von Buchenhain 2)"

  1. Es ist ein tolles historisches Fantasybuch

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Aug 2020 

    Landogar , ein Ritter der Burg Falkeneck dient dem Prinzen von Kordorien . Er ist vom Erfolg verwöhnt . Die Schlachten dir er mit seiner Truppe auskämpft sind von Sieg gekrönt . Aber dann wird er leichtsinnig ...

    Der Schreibstil ist sehr bildhaft , flüssig und leicht zu lesen . Ich konnte die Geschehnisse praktisch vor Augen sehen . Die Charaktere passen hervorragend in die Geschichte. Da ist mir sofort Landogar aufgefallen . Er hat sozusagen das Herz am richtigen Fleck . Obwohl er als Ritter so manche Schlacht beiwohnt . Die Spannung erhöht sich während der Handlung , gerade auch was den Schluss betrifft .

    Fazit : Dieses Fantasybuch ist mal etwas ganz anderes . Es ist , als ob die Geschichte im Mittelalter spielt . Auf Drachen , Gestaltenwandler usw . trifft man in diesem Fantasy nicht . In dieser Geschichte gibt es viele Kampfszenen , aber auch die Liebe spielt eine Rolle . Es sind vier Kapitel in diesem Buch die genau die richtige Länge haben . Dies ist der zweite Teil einer Reihe , den ersten habe ich nicht gelesen und bin trotzdem sehr gut in das Buch hinein gekommen . Es ist in sich abgeschlossen , aber das Ende ist doch offen . Wie geht es mit Landogar weiter ?

 

Die Geschichtensammlerin: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Geschichtensammlerin: Roman' von Jessica Kasper Kramer
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Geschichtensammlerin: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783336548156

Diskussionen zu "Flo, der Flummi und das Schnack: und andere Vorlesegeschichten für Kinder und Eltern, die sich nicht langweilen möchten"

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Rezensionen zu "Die Geschichtensammlerin: Roman"

  1. Ein kindlicher und märchenhafter Blick auf ein Grauen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Aug 2020 

    Ein naiver und kindlicher Blick auf die sozialistische Diktatur Rumäniens. Das kann gefallen. Das gefällt auch vielen. Nur halt mir nicht. Für mich war das zu überzogen und zu übertrieben. Und auch ein Blick, der das geschehene Grauen in Rumänien etwas minimalisiert. In meinen Augen zumindest. Diese grauenhaften Ereignisse in Rumänien brauchen einen erwachsenen Blick. Ein Kind, welches in einer Diktatur aufwächst, wird sicher frühzeitig so erzogen, dass es eben nicht die ganze Familie gefährdet. Das ist der erste Punkt, der mir sehr missfallen hat. Gut, es gab sicher auch Kinder, die Fehler begangen haben, oder einfach kindlich gehandelt haben. Ja, mag sein. Aber mir hat das eben nicht gefallen, muss es ja auch nicht! Das nächste, was ich bemängele, ist dieses etwas altkluge Kind und seine Sicht. Vielleicht sollte ich einfach nicht mehr zu Büchern greifen, in denen kindliche Erzählstimmen vorkommen. Aber das Thema Rumänien hat mich einfach gereizt. Nun gut. Das nächste, was mir etwas aufgestoßen ist. Eine amerikanische Autorin, hhmm, ich habe nichts über einen Bezug zu Rumänien herausfinden können. Gut, man muss keinen Bezug zu etwas haben, um gute Bücher schreiben zu können. Aber vielleicht hätte etwas mehr Nähe hier helfen können. Obwohl schon einige geschichtliche Informationen durchsickern, aber dünn gesät, weil kindlich betrachtet. Leider! Und der nächste Punkt, der mir nicht so gefallen hat, ist dieser etwas märchenhafte Aspekt. Gut, über diesen wird halt auch der ewige Kampf des Guten gegen das Böse symbolisiert, oder auch Ileanas Kampf für das Gute. Aber letztendlich ist dies alles etwas zu einfach in meinen Augen. Geht es doch in diesem Buch über das Grauen, dass Ceaușescu und seine Securitate über Rumänien gebracht hat. Und dies sollte in meinen Augen anders betrachtet werden. Aber dies ist meine persönliche Meinung dazu.

 

Snow White Learns Witchcraft: Stories and Poems

Buchseite und Rezensionen zu 'Snow White Learns Witchcraft: Stories and Poems' von Theodora Goss
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Snow White Learns Witchcraft: Stories and Poems"

Format:Taschenbuch
Seiten:224
Verlag:
EAN:9781732644007

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Mai: Romantisches Liebesepos

Buchseite und Rezensionen zu 'Mai: Romantisches Liebesepos' von  Karel Hynek Mácha
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mai: Romantisches Liebesepos"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:140
Verlag:
EAN:9783903124097

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Rezensionen zu "Mai: Romantisches Liebesepos"

  1. Tschechisches Nationalgedicht...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Jul 2020 

    Nun ja, vielleicht ist 'Nationalgedicht' etwas übertrieben, aber lt. Klappentext und wiederholter Versicherung des Übersetzers kann in Tschechien so gut wie jeder Passagen des MAI auswendig. Das Gedicht gilt wohl zumindest als wichtigstes Werk der tschechischen Romantik. Karel Hynek Mácha, der gerade einmal 25 Jahre alt wurde, schrieb dieses 'Romantische Liebesepos' im Jahr 1836. Bis heute zählt dieses Gedicht zur Schullektüre, dient aber wohl auch nach wie vor als Inspirationsquelle der tschechischen Literatur. Dies entnahm ich dem sehr ausführlichen Nachwort, das immerhin etwa ein Drittel des Buchumfangs ausmacht.

    Gedichte. Wie liest man ein Gedicht richtig? Dazu noch in einer Leserunde mit einem sehr präsenten Übersetzer? Und wie schreibt man anschließend auch noch eine angemessene Rezension? Gar nicht so einfach.

    Gelesen habe ich das Epos letztendlich dreimal, beim letzten Mal habe ich es mir dann auch noch zeitgleich vom Übersetzer vorlesen lassen, wodurch es noch einmal einen anderen Charakter bekam - z.B. durch das Lesen über das Zeilenende hinaus (s. Video im Anhang).

    Doch worum geht es in dem Gedicht eigentlich? Dies verrät der Klappentext im Grunde ganz gut:

    „Es war spät Abend – erster Mai – abends der Mai – war Liebeszeit." Mit diesen Worten beginnt das Kurzepos über Liebe und Tod des tschechischen Romantikers Karel Hynek Mácha (1810–1836). Ein Räuberhauptmann wird hingerichtet, weil er die Verführung seiner Geliebten gerächt hat. In eindrucksvollen Bildern verabschiedet er sich von der Erde. Das Kurzepos „Mai“ ist nicht nur eines der wichtigsten Werke der Romantik, es diente auch wegen seines avantgardistischen Bilderreichtums den tschechischen Surrealisten als Vorbild und stellt bis heute ein Fundament der tschechischen Dichtung dar.

    Ich kann nicht behaupten, wirklich alle Stellen verstanden zu haben, aber das haben Gedichte zuweilen so an sich, so meine Erfahrung. Dies mag auch an mir liegen und meiner fehlenden Vorstellungskraft, bestimmte Bilder betreffend. Was mich allerdings verwirrt hat, war der Untertitel: 'Romantisches Liebesepo's. Romantisch ist durchaus doppeldeutig und hier im Sinne der kulturgeschichtlichen Epoche 'Romantik' gemeint. Aber ein Liebesepos war es für mich dennoch nicht, sondern vielmehr ein leises Drama voller intensiver Bilder.

    Hier geht es vor allem um die letzten Stunden des Räuberhauptmanns vor seiner Hinrichtung, um seine düsteren Gedanken und Erinnerungen - die Tat geschah aus Eifersucht, Wilhelms große Liebe Jarmila wurde von einem anderen verführt, was der Räuberhauptmann nicht ertrug. Aber außer einem kurzen Verweis auf den Hintergrund der Tat spielte hier für mich die Liebe selbst tatsächlich keine große Rolle.

    Interessanterweise betonte der Übersetzer in der Leserunde, dass das Werk in Tschechien unbedingt als Liebesepos wahrgenommen wird. Bis heute treffen sich lt. Ondřej Cikán die Verliebten am 1. Mai unter der Mácha-Statue und lesen sich Teile des Epos gegenseitig vor, weinen dabei z.T. sogar gemeinsam. Da ich nicht Teil dieser Tradition bin, nehme ich das so zwar zur Kenntnis, kann dies aber nicht nachempfinden - und bleibe bei meinem Eindruck, dass es sich hier v.a. um ein leises Drama handelt.

    Abgesehen von dieser Irritation konnte mich das Epos und v.a. dessen Übersetzung ins Deutsche wirklich beeindrucken. Im Grunde handelt es sich hierbei um eine Mischung aus Lyrik (Lieder) und Epos (Gedicht mit Handlung). Auch dies lernte ich durch Hinweise des Übersetzers.

    Düster ist dieses Werk, hoffnungslos gar durch das Nichts, das einen nach Ansicht des Räuberhauptmanns Wilhelm nach dem Tod erwartet. Und dem entgegen setzt Karel Hynek Mácha die Schönheiten der Natur, in Bildern, die vor meinen Augen Gestalt annahmen und die stellenweise geradezu eine Sehnsucht heraufbeschworen. Gerade die Passagen mit den Naturbeschreibungen konnten mich hier sehr begeistern - so z.B. auf S. 69:

    Es schläft der See geschwungen
    Mitten im Tal, das blüht, ganz weiß.
    Wie sich das Blau ans Ufer schmiegt -
    Um weiter grün dann aufzublühn,
    Und immer heller wird das Grün,
    Bis es als bleicher Schein verfliegt.
    Und Höfe stehn im weiten Kreis,
    Das Ufer dann und wann zu säumen.
    Im See der weißen Vögel Chor,
    Der schnellen Boote helles Schäumen,
    Bis nach den dunklen Bergen vor
    Der weite See sich neigt.
    Weiße Höfe, der Boote Wipfel -
    Turm - Stadt - der weißen Vögel Funken -
    Die Hügelkette - dunkle Gipfel -
    Das alles ist im See versunken,
    Als Spiegelbild gezeigt.

    Was mir gefallen hat, war die Tatsache, dass das Gedicht nicht einem bestimmten Versmaß unterworfen ist, sondern 'wild' hin und herwechselt, wie auch im Nachwort ausführlich erläutert wird. Das dadurch wechselnde Tempo in Abstimmung zur jeweiligen Handlung oder Stimmung - ein genialer Schachzug.

    Sehr beeindruckt hat mich die Leistung des Übersetzers. Schon das Übersetzen von Prosa verlangt eine große Sorgfalt, ein Abwägen und Feilen von Worten und Satzstellungen. Aber Verse? Die sich dann in der 'fremden' Sprache tatsächlich reimen und trotzdem ein flüssiges Ganzes bilden? Noch dazu im wechselnden Versmaß, wie im tschechischen Original? Hut ab! Das Nachwort bietet dann noch einen kleinen Eindruck davon, wieviel Mühe tatsächlich auf den Text verwandt wurde...

    Die Aufmachung des Hardcover-Buches finde ich sehr gelungen, sehr liebevoll bis ins Detail. Die Gegenüberstellung des Textes (links im Original, rechts in der Übersetzung) bietet Sprachkundigen jederzeit die Möglichkeit eines Vergleichs. Tschechisch kann ich leider kein einziges Wort, aber ich habe zwischendurch trotzdem immer mal zur linken Seite gelinst. Die Illustrationen verstärken die Düsternis des Textes noch, sind von daher passend (auch hinsichtlich der Spiegelungen des Sees oder auch der Zweisprachigkeit, wie im Nachwort geschildert), auch wenn sie meinen persönlichen Geschmack überhaupt nicht treffen. Aber über Geschmack lässt sich eben nicht streiten.

    Der lange Anhang hat mich zunächst etwas erschlagen, aber ich habe bald begriffen, dass dies noch einmal die intensive Auseinandersetzung des Übersetzers mit dem berühmten Werk verdeutlicht. Manche Passagen sind womöglich eher etwas für Studierende, da sie sehr wissenschaftlich wirken, aber den Überblick selbst fand ich auch recht interessant.

    Alles in allem eine kleine Perle, die sich zu entdecken lohnt.

    © Parden

 

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