Tage in der Geschichte der Stille

Buchseite und Rezensionen zu 'Tage in der Geschichte der Stille' von Merethe Lindstrøm
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Eva und Simon haben ein schönes und erfülltes Leben: ein großes Haus, drei erwachsene Töchter, verdienter Ruhestand nach erfolgreichen Karrieren als Lehrerin und Arzt. Doch als Simon aufhört zu sprechen, beginnt die Vergangenheit an Eva zu nagen. Bedingt durch die Stille, die mit Simons Rückzug entsteht, macht sie sich auf die Suche im Gespräch mit sich selbst nach den erschwiegenen Flecken in ihren beiden Leben. Sie versucht sich zu öffnen, sich der Isolation und Stille zu entziehen, in der sie schon viel länger leben, als sie es sich eingestehen will. Sie sucht das Gespräch mit dem örtlichen Priester, arbeitet allein an ihrer Erinnerung und plötzlich tauchen einzelne Bilder auf, werden für sie wieder greifbar: der mysteriöse Einbrecher damals, als die Kinder noch klein waren, die jähe Entlassung der ehemaligen Hausangestellten, die ihnen doch beiden so nah stand. Doch während Eva ihrer eigenen Lebensgeschichte näher kommt, verschwindet Simon in sich selbst, verstummt zusehends, bis er fast kein Wort mehr herausbringt. Eva beginnt zu verstehen, dass seine Erinnerungen andere sind als ihre. Ein für die Poetik seiner Sprache mit dem Kritikerprisen 2011 und dem Literaturpreis des Nordischen Rates 2012 ausgezeichneter Roman, der zwischen Erinnerung und Vergessen oszilliert. Ein Buch über das Schweigen und die Liebe zweier Menschen, die sich am Ende eingestehen müssen, dass es Dinge gibt, die vielleicht immer unaussprechlich bleiben.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:221
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Rezensionen zu "Tage in der Geschichte der Stille"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Okt 2019 

    Vom Schweigen und Verschwinden

    Eva, pensionierte Lehrerin, und Simon, Arzt im Ruhestand, leben in einem schönen Haus, die drei gemeinsamen Töchter sind längst erwachsen und ausgezogen. Simon ist deutlich älter und hat bereits mit den Malaisen des Alters zu tun. Er spricht nicht mehr, wirkt verwirrt, geht verloren. Ob es sich dabei um eine bewusste Entscheidung handelt oder um das Symptom einer Krankheit, bleibt lange ungewiss.

    „Seine schleichende Veränderung begann vor ein paar Jahren. Aber vielleicht war seine Rastlosigkeit schon lange zuvor da, vielleicht ist sie ein Ausdruck für etwas, das er sich lange gewünscht hatte. Sich davon zu machen.“ (S. 14)

    Eva, die Ich-Erzählerin, tut sich schwer mit dem Schweigen. Sie vermisst die Gespräche, empfindet die Stille als bedrückend. Neuerdings geht Simon zweimal wöchentlich in eine Senioreneinrichtung, die Töchter wollen die Mutter überreden, dass er ganz dorthin übersiedelt, um sie zu entlasten.

    Eva berichtet uns in Episoden aus ihrem und Simons Leben. Beide haben schon schlimme Dinge erlebt, die ihre Biografie prägen. Sie kennen zwar die Erlebnisse des jeweils anderen, konnten sich aber nicht einmal den eigenen Töchtern anvertrauen. Dadurch wird die Hemmschwelle immer höher und den Kindern ist es unmöglich, aktuelle Ereignisse und Entscheidungen ihrer Eltern nachzuvollziehen. Konflikte stellen sich ein.

    „Es gab keine Erklärung. Er konnte es niemandem erklären, es kam so plötzlich. Die Depression. In schweren Phasen war er manchmal mehrere Wochen da, ohne anwesend zu sein, ohne wahrzunehmen, wie die Tage vergingen. Nur ich wusste davon. Die Kinder nicht. Ich habe ihnen nichts erzählt, von der Sonnenfinsternis. Von den Verwandten, den ganzen Menschen aus der Vergangenheit, die weg sind.“ (S. 35)
    Das Schweigen und das Verschwinden sind zentrale Motive des Romans. Beide Eheleute empfinden unabhängig voneinander eine schwere Schuld, mit der sie fertig zu werden versuchen. Allerdings nicht miteinander, sondern jeder für sich – ohne Hilfe von außen.

    „Schuld ist relativ, antwortete ihr der Priester. (…) Und das Gefühl von Schuld entspricht wohl nicht immer der Härte des Verbrechens.“ (S.53)

    Über drei Jahre hatten sie eine Haushaltshilfe: Marija, die zur Freundin wurde. Aufgrund eines „Vorfalls“ musste sie gehen. Lange bleiben die näheren Umstände im Dunklen, es gibt nur Andeutungen und weitere Episoden.

    „Ich kann das Warum nicht erklären. Warum ausgerechnet Marija? (…)
    Wir haben sie hereingelassen. Wir hatten scheinbar die ganze Zeit auf sie gewartet.“ (S.85)

    Es baut sich von Beginn an Spannung auf. Was ist geschehen? Welche Erlebnisse der Vergangenheit haben noch eine dermaßen große Auswirkung auf die Gegenwart? Warum spricht Simon nicht mehr? Warum pflegt Eva das Grab eines unbekannten Jungen?

    Die Autorin hat ihren Roman genial komponiert. Gegenwart und Vergangenheit stehen im Wechsel. Immer, wenn sie an neuralgische Punkte kommt, wird wieder geschwiegen. Dennoch wird das Bild für den Leser immer vollständiger. Brillant gemacht.

    Hinzu kommt eine sehr hohe sprachliche Dichte. Ich habe langsam gelesen, die Formulierungen genossen. Es gibt Sätze zum Niederknien, zum Nachdenken. Nichts ist leicht, alles hat eine Bedeutung, man möchte die beiden Alten verstehen. Dennoch ist der Roman keinesfalls verkopft, sondern sehr gut lesbar.

    Am Ende versteht man die beiden Eheleute nicht unbedingt, dazu wird manches einfach verschwiegen. Aber die wesentlichen Sachverhalte liegen auf dem Tisch und laden zum Nachsinnen über das Gelesene ein. Das ist es, was ich von guter Literatur erwarte.

    Meine volle Lese-Empfehlung für diesen tiefgründigen und großartig geschriebenen/ übersetzten Roman! Ein Buch, das in Erinnerung bleibt und einen Dauerplatz in meinem Regal bekommt.

 

Mehr als die Erinnerung

Buchseite und Rezensionen zu 'Mehr als die Erinnerung' von Melanie Metzenthin
NAN
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Der neue Roman der Bild-Bestsellerautorin Melanie Metzenthin ist ein mitreißendes Porträt der zwanziger Jahre und ein bewegender Appell an die Liebe.

Gut Mohlenberg, 1920: In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen kümmert die junge Medizinerin Friederike von Aalen sich liebevoll um die Patienten. Einer von ihnen ist Friederikes Mann Bernhard, der nach einer Hirnverletzung im Krieg ihre besondere Zuwendung braucht. Der schneidige Leutnant von einst erinnert sich an vieles nicht, aber mit seiner Frau verbindet ihn noch immer eine tiefe Liebe.

Da geschehen in der Gegend kurz hintereinander zwei grausame Morde. Man ist schnell bei der Hand mit den Verdächtigungen: Es muss einer der »Geisteskranken von Mohlenberg« gewesen sein! Doch Friederike würde für ihre Patienten die Hand ins Feuer legen und stellt heimlich eigene Nachforschungen an. Was weiß Walter Pietsch, der Mann mit den schlimmen Verbrennungen, den sie vor Kurzem erst eingestellt haben? Und welche Rolle spielt der hochintelligente, aber kühle Dr. Weiß? Zu spät begreift Friederike, dass sie mit ihren Fragen sich selbst und die Menschen in ihrer Nähe in große Gefahr gebracht hat …

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:379
Verlag: Tinte & Feder
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Effingers: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Effingers: Roman' von Gabriele Tergit
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

'Effingers' ist ein Familienroman – eine Chronik der Familie Effinger über vier Generationen hinweg. Außer dass sie Juden sind, unterscheidet sich ihr Schicksal in nichts von dem anderer gutsituierter gebildeter Bürger im Berlin der Jahrhundertwende. Alle fahren sie im sich immer wiederholenden Lebenskarussell, das sich durch Glück, Schmerz, Leichtsinn, Erfolg und Scheitern dreht. 'Effingers' ist ein typisch deutsches Bürgerschicksal in Berlin, wie es das der 'Buddenbrooks' in Lübeck war.
Als der Nationalsozialismus sich breitmacht, wird das deutsche Schicksal zu einem jüdischen. Wer wachsam ist, wandert aus.
Die Geschichte der Familie Effinger beginnt mit einem Brief des 17-jährigen Lehrlings Paul Effinger, und sie endet mit einem Brief: dem Abschiedsbrief des nunmehr 80-Jährigen kurz vor seiner Deportation in die Vernichtungslager.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:904
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Rezensionen zu "Effingers: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Okt 2019 

    Eine großartige Familienchronik

    Gabriele Tergit hat den Roman „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann bewundert. So sollen sich manche Motive entsprechen, auch wird eine Familie ins Zentrum des Romans gestellt. Daher rührt wohl der oft zitierte Vergleich der beiden Werke.
    „Effingers“ erschien zum ersten Mal 1951. Zu nah war da möglicherweise noch der Zweite Weltkrieg, das Buch war nicht annähernd so erfolgreich, wie es das verdient hätte. Ohne die Neuauflage in diesem Jahr wäre ich sicher nicht in den Genuss dieses epochalen Werkes gekommen, das die Jahre 1879 bis 1939 mit atemberaubender Genauigkeit der historischen Ereignisse sowie der gesellschaftlichen Entwicklungen abbildet.

    Familie Effinger ist eine deutsch-jüdische Familie. Die Brüder Paul und Karl werden erfolgreiche Unternehmer und bauen ihre kleine Schraubenfabrik nach und nach aus. Schließlich produzieren sie Automobile und exportieren sie ins Ausland. Obwohl Geschwister, haben die beiden eine völlig unterschiedliche Persönlichkeit: Paul ist eher der sparsam-fleißige Kaufmann, Karl der Lebemann, der gerne feiert und Luxus um sich hat. Entsprechend unterschiedlich wählen sie ihre Gefährtinnen und in konträrem Umfeld wachsen ihre Kinder auf.

    Die Stärke Tergits liegt in ihren detaillierten Beschreibungen dieser Lebensumstände, die ich niemals als langweilig empfunden habe. Kurze Kapitel wechseln sich ab, stellen eine Vielzahl an Charakteren vor (der vorangestellte Familienstammbaum ist sehr hilfreich). Mal boomt die Wirtschaft, mal gibt es Krisen. Die Gesellschaft wandelt sich enorm, Frauen fordern ihre Rechte ein. Dabei darf man feststellen, dass sich viele Dinge, viele Trends und die Kritik daran wiederholen und damit völlig zeitlos sind.

    Anschaulich wird dem Leser die deutsche Geschichte aufgefrischt: Der Große Krieg, die Versailler Verträge, Wirtschaftskrisen, Inflation, Weimarer Republik, Nazi-Terror - Immer aus dem Blickwinkel dieser wohlhabenden, privilegierten Großfamilie erzählt und doch auch darüber Bericht erstattend, wie es dem „einfachen“ Volk erging.
    Der latent vorhandene Antisemitismus tritt dabei erst gegen Ende in den Vordergrund, als die Nationalsozialisten an die Macht kommen und mit einer gnadenlosen Ungerechtigkeit „durchregieren“.

    Tergit erzählt die Geschichte, die auch die Geschichte ihrer eigenen Familie sein soll, fast nüchtern, ohne ausladende Moral. Dadurch kamen mir die Figuren unglaublich nah, ich fühlte mit ihnen. Es ist die Geschichte einer deutschen Familie jüdischen Glaubens, die unbedingt gelesen gehört. Von mit volle Punktzahl!
    5/5 Sterne

 

Notschek

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NAN
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"Ich fessle dich. Gefesselt bist du frei." - Bedingungen von Selbstbestimmung und persönlicher Identität sind ein zentrales Thema in Jonas-Philipp Dallmanns spannendem Debütroman.

Als Notschek in die Mansarde zieht, kommt Unruhe in das abgelegene Vorstadthaus, in dem der Ich-Erzähler mit seiner Frau Maria lebt. Eigentlich soll Notschek nur vorübergehend Unterschlupf finden, aber sein Aufenthalt zieht sich in die Länge. Der nervöse Bohemien spielt sich als Rechthaber auf, er politisiert, verschlingt Zeitungen und sitzt in Wirtshäusern herum. Er scheint jedoch als Einziger eine beunruhigende Entwicklung zu verstehen: Kontingentierung lässt die Lebensmittel knapp werden, die Zeitungen werden verboten und eine Ausgangssperre wird verhängt.

Das Leben verengt sich auf das Vorstadthaus und die Dreiecksbeziehung der Bewohner, die sich zunehmend mit sinnlosen Verrichtungen beschäftigen: Notschek ordnet einen Nachlass, Maria zeichnet Wäsche und der Ich-Erzähler patrouilliert durch Haus und Garten. Von einem Nachbarn erhält er eine Warnung - kurz darauf ist dieser verschwunden.

Jonas-Philipp Dallmann spannt den Leser gekonnt auf die Folter. Seine Sprache und der unerwartete Handlungsverlauf entfachen einen geradezu klaustrophobischen Sog. Das scheinbar harmlose Kammerspiel um einen schrulligen Wichtigtuer und dessen grüblerischen Beobachter entpuppt sich als kafkaesk-orwellsche Gesellschaftsvision, in der die politischen Utopien und Wahnideen des 20. Jahrhunderts bruchstückhaft aufscheinen.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:295
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Chita: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Chita: Roman' von Lafcadio Hearn
NAN
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Dies ist die Geschichte eines verlorenen Mädchens, eingebunden in die Erzählung von einem in jeder Hinsicht umwerfenden Sturms, wie es sie in der Literatur nicht ein zweites Mal gegeben hat.

Ihren richtigen Namen kennt niemand, nicht einmal Conchita selbst weiß, wer sie ist und woher sie kommt. Chita ruft sie der spanische Fischer, Feliu, der sie eines Tages, nachdem ein Hurricane vor der Küste von New Orleans gewütet hat, aus den Armen ihrer toten Mutter vor dem Ertrinken rettet. Er und seine kinderlose Frau Carmen geben ihr ein neues Zuhause. Doch das Glück, das sie teilen, während der Sturm ganze Inseldörfer ausgelöscht, Leben zerstört und Familien zerrissen hat - wovon hängt es ab? Dass Chitas Vater, der Mann, der ihren richtigen Namen kennt, tot ist. Oder dass er im Glauben lebt, seine Tochter wäre tot, und ihr nie wieder begegnet …

Ja, unerschöpflich ist dieser Roman, berührend und voller Farbe, mitreißend im Sog einer Sprache, mit der Lafcadio Hearn ein grandioses Naturschauspiel aufführt. Ein Wirbelsturm ist dieses kleine Meisterwerk, das von einem Wirbelsturm erzählt und davon, wie zerbrechlich menschliche Beziehungen sind, und dass es gleichzeitig nichts gibt, was der Gewalt der Natur widersteht.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:136
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Wir können alles sein

Buchseite und Rezensionen zu 'Wir können alles sein' von Johanna Kramer
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Ist es besser, von einer traurigen Liebe zerrissen zu werden, als überhaupt nicht zu lieben?


Carolina ist achtundzwanzig Jahre alt und auf der Suche nach sich selbst, als sie Brida begegnet, einer Heilerin, die vor den Trümmern ihrer zweiten Ehe steht. Zwanzig Jahre trennen die beiden Frauen. Doch während Carolina vom ersten Augenblick an erkennt, welche Liebe sie verbindet, hat Brida nicht nur Angst, sich auf die Beziehung einzulassen, auch ihr Mann verhindert einen Neuanfang. Ohne Hoffnung bricht Carolina alleine nach Schottland auf, um ihren Weg als Schriftstellerin zu gehen.


Ein Roman über die Macht der Liebe, die Angst davor und den Mut, den man braucht, um seiner inneren Stimme zu folgen.


»Bri, ich glaube das Meer fließt zwischen uns. Ein Gefühl, als bewegten sich all die Wassermassen in allen Weltmeeren gleichzeitig.« - Carolina 


Eine illustrierte Ausgabe mit Kohlezeichnungen, die Lust auf eine Reise nach Schottland machen.


Für mehr Infos besuchen Sie die Autorin unter www.johannakramer.de


Leserstimmen


Herzzerreißend und einfach außergewöhnlich schön
Es ist kein Liebesroman, wie wir ihn kennen.Es ist eine Offenbarung. Ein Gefühl. Ein Sehnen.
Außergewöhnlich und einfach atemberaubend schön.
Wenn ich nicht wüsste, dass es sich hierbei um ein Debüt handelt, würde ich es nicht glauben." - Susi Aly (Magische Momente-Alys Bücherblog)


"Diese wundervolle Geschichte über die Liebe zweier Menschen kann ich nur jedem empfehlen, der die Liebe liebt und an sie glaubt, sie ist so viel mehr als eine Liebesgeschichte für Frauen. Diese Geschichte kann alles sein!" - Jona G. – Autorin


"Sinnlich, berührend und verzaubernd." zeffmother


"Wir können alles sein ist ein ruhiges Buch. Es berührt auf seine ganz eigene Weise und es erzählt davon, dass die Liebe uns das Leben ermöglich kann, das uns glücklich macht, wenn wir sie lassen. Und dabei ist es egal, was diese Liebe umfasst. Ob einen Menschen, einen Beruf oder etwas ganz anderes. Solange es nur unsere Seele berührt." A.D. WiLK - Autorin


"Beim ersten Lesen hat mich die atmosphärische und gefühlvolle Geschichte festgehalten. Teilweise musste ich auch hier schon, der Schönheit willen, einzelne Sätze mehrfach hintereinander lesen. Während des zweiten Lesens ließ ich den künstlerisch geschriebenen, fast schon poetischen Sätzen ihren Raum." M.R.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:288
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Wir können alles sein"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Aug 2019 

    Alles kann sein!

    Carolina und Brida lernen sich kennen, als Carolina Hilfe für ihre krebskranke Mutter sucht. Brida arbeitet mit Energien, will damit Gefühle und Gedanken beeinflussen. Die Frauen fühlen eine starke Bindung zueinander, so als ob sie sich schon längst kennen würden. Bald beginnen sie, Zeit miteinander zu verbringen. Dann wagt Carolina einen entscheidenden lebensverändernden Schritt.
    Johanna Kramer debütiert mit einem wunderbar poetischen und emotionalen Roman über zwei sehr unterschiedliche Frauen. Erscheint die 50-jährige Brida zunächst als die Haltgebende, Stärkere von den beiden, verändert sich die gut zwanzig Jahre jüngere Carolina jedoch mit der Zeit immer mehr. Carolina kündigt ihren einengenden Bürojob, beginnt zu schreiben, deklariert sich gegenüber Brida.
    Brida zaudert und zögert. Bridas Verhalten ist nachvollziehbar. Zwei Frauen, beide haben einen Partner. Brida will ihren Mann nicht verlassen, begibt sich in eine Co-Abhängigkeit zu dem Mann, der sie betrügt. Ihr fehlen der Mut und die Entschlossenheit der jungen Frau. Erst nach und nach besinnt sie sich auf ihre eigenen Bedürfnisse.
    Die Autorin beschreibt den Konflikt, den die Frauen, jede für sich, aber auch miteinander austragen, sehr gefühlvoll. Finazielle Sicherheit, Alter, Sexualität, das Verlassen der Komfortzone, das Wagen eines neuen Lebensabschnittes, es braucht Mut dazu.
    Wir können alles sein. Und alles kann sein, wenn man nur den Mut dazu aufbringt.

 

Das Girlfriend-Experiment: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Girlfriend-Experiment: Roman' von Catherine Lacey
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Eine Erkundung der Liebe in Zeiten der Künstlichkeit – »Catherine Lacey spielt in ihrer eigenen Liga.« The New York Times.

In hypnotischen Sätzen zieht uns Catherine Laceys Roman hinein in das Girlfriend-Experiment, ins Leben gerufen von Kurt Sky, einem so berühmten wie exzentrischen Schauspieler. Die Geschichte um Kurt und die als »emotionale Freundin« angestellte Mary Parson zeigt uns eine artifizielle, doch allzu reale Welt und hinterfragt spielerisch die Konventionen, die unsere intimsten Momente bestimmen. Laceys Antworten auf diese Fragen sind höchst beunruhigend.

»Das ›must read‹ des Jahres. So analytisch wie menschlich, empathisch und entlarvend. Wie Don DeLillo für Millenials.« Vogue

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:311
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Rezensionen zu "Das Girlfriend-Experiment: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Okt 2019 

    Fragwürdige Versuche

    Was war denn das? Das ist die Frage, die bei mir nach der Lektüre dieses Buches entsteht. Eigentlich will ich genau so etwas nicht. Aber hier kann ich trotzdem nicht vollkommen negativ reagieren. Denn die Art der Schreibe hat etwas. Catherine Lacey hat eine interessante und tiefgründige Sprache. Das Thema interessiert mich jetzt weniger, es stößt mich eher ab, aber nachdenklich lässt es mich trotzdem werden. Ich würde sagen, Ziel erreicht Catherine!

    Wir haben hier eine etwas weltfremde junge Frau, Mary Parson, die in zwei verschiedenen Handlungssträngen mit den eigenwilligen Seiten unserer Welt konfrontiert wird. Der erste Handlungsstrang beinhaltet den Umgang mit alternativer Medizin und der zweite Handlungsstrang thematisiert ein Experiment um die Liebe. Wobei ich den ersten Handlungsstrang als zu einseitig betrachtet finde, aber für die Handlung des Buches ist diese einseitige Betrachtung ein Muss. Durch verschiedene bisher ungeklärte und mittlerweile chronische Schmerzzustände gerät Mary an Ed und sein PAKing. Dadurch, dass diese vielversprechende Behandlung sehr teuer ist, gerät Mary unter Zugzwang und findet Zugang zum gutbezahlten Girlfriend-Experiment. Der etwas dubiose Schauspieler Kurt Sky steckt dahinter, er stellt verschiedene Frauen als "Freundinnen" ein und lässt sie durch ein Wissenschaftler-Team filmen und beobachten, er möchte das für ihn bisher unergründliche Thema Liebe beleuchten. Mary übernimmt den Part der emotionalen Freundin, es gibt noch viele weitere, zum Beispiel die mütterliche Freundin, die Wut-Freundin usw.. Wobei der Handlungsrahmen der "Freundinnen" sehr genau abgesteckt ist! Kann der Mensch das Empfinden Verliebter steuern? Ein gruseliger Gedanke! Aber in dem Roman ist dieser Gedanke äußerst interessant gestrickt. Trotzdem konnte mich dieses Buch nicht richtig erreichen, was wahrscheinlich an den Themen liegt. Das Buch lässt mich regelrecht erkalten, ich betrachte wie aus der Ferne das Geschehen und verbleibe seltsam unberührt. Das Thema Liebe steuern?!?! Wer will so etwas? Gut, dann tut es wahrscheinlich nicht mehr so weh, aber die Schmetterlinge tanzen dann auch nicht mehr so sehr. Und das eine wiegt das andere doch irgendwie auf, oder? Und auch negative Erfahrungen gehören zu uns, auch und vielleicht gerade in der Liebe. Beim Lesen frage ich mich immer wieder warum das Ganze? Diese Frage wird schlussendlich zwar beantwortet, aber ich frage ich mich dennoch: Was sollte das? Dieses Buch zeigt das Kalte in unserer Welt. Und? Dies wissen wir doch mittlerweile und gehen mit diesem Wissen um, in dem wir uns schützen. Aber wie schützen wir uns? In dem wir ebenso erkalten?!?

    Oder verirren sich hier meine Gedanken und die Geschichte in diesem Buch ist einfach nur ein gelungener Coup?!

 

Suleika öffnet die Augen: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Suleika öffnet die Augen: Roman' von Gusel Jachina
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

„Dieser Roman trifft mitten ins Herz.“ Ljudmila Ulitzkaja.

Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten. Ein anrührendes und meisterhaftes Debüt, das in 21 Sprachen übersetzt ist.

Vielfach preisgekrönt, u.a. als Großes Buch 2015 und mit dem Jasnaja Poljana-Preis 2015.

„Für mich bleibt es ein Rätsel, wie es einer so jungen Autorin gelungen ist, ein so eindringliches Werk zu schaffen.“ Ljudmila Ulitzkaja.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:528
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Rezensionen zu "Suleika öffnet die Augen: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 01. Aug 2019 

    Emanzipation im Arbeitslager?

    Suleika ist 30 Jahre alt, als Stalins Soldaten ihren Mann erschießen und Suleika aus ihrer Heimat deportieren. Ein sehr langer und beschwerlicher Weg führt die junge Tatarin mit anderen „Umgesiedelten“ nach Sibirien. Im Lager bringt sie ihren Sohn Jusuf zur Welt, eine Welt die sich für Suleika unaufhörlich verändert.
    „Suleika öffnet die Augen“, ein Satz, der in diesem Buch immer wieder aufscheint. Zunächst erleben wir Suleika noch in ihrem Zuhause, wo ihr Leben nicht viel mehr wert ist, als das der Tiere im Stall. Es ist eine patriarchalische Welt, die Bäuerin lebt nach dem Willen ihres Mannes und dem Allahs. Die Handlung beginnt im Jahre 1930, der Zeit der stalinistischen Entkulakisierung und endet kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Während dieser Zeit erlebt Suleika einen ungeheuren Wandel ihrer äußeren Lebensumstände, aber auch ihres eigenen Denkens.
    Es ist eine harte entbehrungsreiche Zeit, als eine kleine Gruppe der Ausgesiedelten in der sibirischen Einöde ein Lager aus dem Boden stampft. Suleika, die schon vier Töchter begraben musste, zieht einen Sohn groß, wird Köchin, Krankenschwester, Jägerin, Geliebte. Emanzipiert durch ein erzwungenes Leben im Arbeitslager? Das ist nicht die Botschaft, die ich gerne lesen möchte.
    Irgendwo in dieser Zeit nach dem Aufbau des Lagers hat mich die Autorin verloren. War die Geschichte anfangs noch sehr eindrücklich, voller Bilder und Tiefgang, dümpelt die Handlung zeitweise wie ein großer, träger Fluss vor sich hin. Die Erzählung mäandert zwischen verschiedenen Personen – etwa dem Lagerkommandanten Ignatow, oder dem deutschstämmigen Arztes Wolf Karlowitsch Leibe, dessen Entwicklung für mich nicht nachvollziehbar war – hin und her. Suleika wird immer mehr Randfigur. In der Gemeinschaft hat jeder seinen Platz gefunden. Fast schien es so als ob der kommunistische Ansatz seinem Ideal gerecht wurde, ein kleines utopisches Arbeitslager, das solidarisch funktioniert und sogar dem Kommandanten von der Gemeinschaft das Leben gerettet wurde.
    Nach einem wirklich sehr mitnehmenden Anfang, leider ein Schluss, der mich nicht überzeugen konnte.

 

Der Schmerz: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Schmerz: Roman' von André de Richaud
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Thérèse Delombre lebt mit ihrem Sohn Georges in einem Dorf in der Provence. Die junge Offizierswitwe leidet un- ter Einsamkeit und einem sexuellen Begehren, das sie nicht einmal beim Namen nennen kann. Und so konzentriert sie all ihre Aufmerksamkeit auf den kleinen Georges.
Als deutsche Kriegsgefangene ins Dorf kommen, wird alles anders. Heimlich beginnt Thérèse ein Verhältnis mit dem schönen Otto Rülf. Ihr Sohn begegnet dem Fremden, der Thérèse nach einigen Monaten wieder verlässt, mit Miss- trauen und Abneigung. Eine böswillige Nachbarin verrät Thérèse, sie wird von allen geächtet. Und sie ist schwanger.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:220
EAN:
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Sommerkinder

Buchseite und Rezensionen zu 'Sommerkinder' von Lilian Kaufmann
NAN
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Manchmal hält das Schicksal mehr für dich bereit als du je geahnt hättest
Ein bewegender und mitreißender Roman über Liebe, Freundschaft und das Leben

Als die dreiundzwanzigjährige Studentin Emily in Bangkok landet, ist es ihre erste große Reise. Doch sie ist nicht lange alleine: In ihrem Hostel trifft sie auf Annika und Julius. Sie alle sind auf der Suche – nach einem vermissten Freund, Ablenkung oder sich selbst – und freunden sich schnell an. Doch die Harmonie zwischen den neuen Freunden gerät ins Wanken, als sie Yan, einen faszinierenden Globetrotter, kennenlernen. Yan scheint auf alles eine Antwort zu haben und verbirgt ein Geheimnis, das auf keinen Fall offenbart werden darf. Einige Tage später verschwindet er spurlos. Zumindest scheint es so: Denn niemand ahnt, dass Yan einen ganz bestimmten Plan verfolgt. Und dass Emily, Julius und Annika sich keinesfalls zufällig kennengelernt haben ...

Erste Leserstimmen
„Sensibel, feinfühlig und mitreißend entwickelt die Autorin ein Geflecht aus Liebe, Freundschaft und Sinnfragen des Lebens.“
„Lillian Kaufmann beschreibt die verschiedenen Formen der Liebe derart gut, dass man den Roman gar nicht mehr aus der Hand legen mag.“
„Spannung bis zum Ende“
„Dies war zwar mein erstes Buch von der Autorin, aber sicher nicht das letzte!“
„flüssiger Schreibstil, vielschichtige Charaktere und eine verwobene Handlung“

Über die Autorin

Lilian Kaufmann ist 1991 geboren und Ärztin in der Inneren Medizin. Parallel dazu geht sie ihrer Leidenschaft zum Schreiben nach, die sie seit ihrer Kindheit begleitet und es ihr ermöglichte, sich in kreative Parallelwelten zu flüchten. Inspiration holt sie sich am liebsten auf Reisen.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:355
EAN:
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