Teatime im Jane-Austen-Club: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Teatime im Jane-Austen-Club: Roman' von Natalie Jenner
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Teatime im Jane-Austen-Club: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:398
EAN:9783746638690
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Rezensionen zu "Teatime im Jane-Austen-Club: Roman"

  1. In Gedenken an Jane Austen

    Bei dem Titel habe ich lediglich Jane Austen gesehen und mich direkt darauf gestürzt ohne zu schauen worum es eigentlich geht. Aber manchmal sind gerade solche Spontanzugriffe dann genau richtig.

    Chawton ist der Ort, an dem Jane Austen bis zu ihrem Tod ihre letzten Lebensjahre verbracht hat und es ist erstaunlich, dass sie auch noch 1945 Einfluss auf die Dorfgemeinschaft hat, wo sie doch bereits 1817 starb, also weit mehr als hundert Jahre zuvor.

    Ich kenne eher die Filme zu ihren Romanen und habe diese geliebt, weil mir ihre Romane im Original etwas zu sperrig waren. Da ist es schön den Austausch über ihre Werke mittels dieses schönen Romans zu bekommen.

    Natalie Jenner, von der ich zuvor weder etwas gehört noch gelesen hatte, schreibt sehr entspannt. Man kann sich alles gut vorstellen und wird von dem Geschriebenen nicht überfordert. Sprich man kommt gut mit, kann sich gut orientieren und überanstrengend sich nicht. Schöne leichte Kost eben.

    Ich mochte, dass die agierenden Akteure Ähnlichkeiten haben mit Figuren aus Austens Werken und dennoch stehen sie gut für sich. Die Entstehung des Jane Austen Museums wird schon spannend dargestellt.

    Mich konnten die Passagen in England etwas mehr begeistern als die in Amerika, was aber wohl auch mit der Umgebung zu tun hatte, da z.B. Los Angeles natürlich viel wilder und lauter ist als das beschauliche Chawton. Mimi Harrison war mir zwar durchaus sympathisch, weil man irgendwie auch an Marylin denkt, aber Evie und Adam habe ich einfach mehr ins Herz schließen können als sie, weil ich mich ihnen näher fühlte als Mimi..

    In meinem Augen liest sich das Buch für alle, egal ob Austen- Fan oder nicht, sehr gut, weil es interessant Jane Austen mit den Nachkriegsjahren verknüpft, eine Zeit die mich immer am meisten fesseln kann in Büchern. Es stimmt irgendwie froh, dass Literatur Menschen in den schwersten Zeit Halt gibt und genau das vermittelt dieser Roman.

    Fazit: Schöne Lektüre für Zwischendurch zum Seele baumeln lassen. Gern empfehle ich hier weiter.

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Eine Frage der Geduld

Buchseite und Rezensionen zu 'Eine Frage der Geduld' von Karen Witemeyer
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eine Frage der Geduld"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:207
Verlag: Francke-Buch
EAN:9783963622885
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Rezensionen zu "Eine Frage der Geduld"

  1. Mit viel Geduld gelangt man irgendwann ans Ziel

    "Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld." (Röm. 12, 12)
    Texas 1849:
    Victoria (Tori) Adams neuste Idee, die umliegenden Farmen mit ihren Waren zu beliefern, stößt vor allem bei Fuhrunternehmer Benjamin Porter auf offene Ohren. Zusammen mit ihrem Sohn Lewis will Tori nun ihre erste Fahrt machen. Dabei hat insbesondere Ben großes Interesse, Tori zu begleiten. Den längst hat er ein Auge auf die Ladenbesitzerin aus Harpers Station geworfen. Weshalb er sie bei dieser Fahrt beschützen und ihr Herz erobern möchte. Doch Toris Herz zu gewinnen, ist nicht gerade einfach. Erst nach einem dramatischen Ereignis muss sich Tori mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, um endlich Vertrauen für die Zukunft zu finden.

    Meine Meinung:
    Diesmal beschert mir die "Kleine Auszeit-Reihe" eine verzwickte, dramatische Liebesgeschichte. Bei der geht es besonders um das Thema Geduld und Vertrauen. Den dies muss der Fuhrunternehmer Ben definitiv bei Tori haben. Tori lebt mit ihrem Sohn in der Frauenkolonie Harpers Station, seit sie in der Vergangenheit etwas Traumatisches erlebt hat. Seitdem ist sie auch keinem Mann mehr an sich herangelassen oder ist mit jemandem ausgegangen. Ben will das nun unbedingt ändern und Toris Herz gewinnen. Den er ist, sich sicher in Tori die Frau fürs Leben gefunden zu haben. Doch wie will man ein Herz gewinnen, das so ablehnend und kalt ist? Mit Lewis und Gottes Hilfe ist sich Ben sicher, dass er es schaffen wird. Seine einfühlsame, liebevolle Art lässt den Fuhrunternehmer sofort sympathisch erscheinen und das Herz von Lewis hat sofort erobert. Tori dagegen wirkt oft ängstlich, sensibel, jedoch mitunter robust, ehrgeizig und liebenswert. Dies muss sie auch sein als Ladenbesitzerin und Mutter. Besonders bei so einem kleinen Wirbelwind wie Lewis, der sie ganz schön auf Trab hält. Gerade für ihn wäre eine Vaterfigur durchaus wichtig, weil es in der Frauenkolonie nur wenig Männer gibt. Die Geschichte von Tori und Ben konnte mich wieder einmal begeistern. Trotz der Kürze der Auszeit-Bücher erfahre ich genügend über Tori und er Liebesentwicklung der beiden. Natürlich wird es nicht so tief behandelt wie bei ihren anderen Büchern der Autorin. Doch zur kürzeren Unterhaltung dient es auf jeden Fall. Das Besondere allerdings ist, dass der christliche Glaube ebenfalls Raum in diesem Buch findet. Meist sind diese Bücher der Einstieg für eine Reihe oder um die Autoren kennenzulernen. In "Selbst ist die Frau!", treffen wir auf Toris Freundin Emma und genauso spielt "Herz auf Empfang" und "Das Glück kommt per Express" in der Frauenkolonie Harper Station. Wieder einmal konnte mich die Autorin in die Welt des Wilden Westens entführen. Selbst zu dieser Zeit gab es Sorgen, Probleme und Schicksalsschläge, doch der Glaube an Gott spielt hier noch eine stärkere Rolle als heute. Lassen sie sich von den Romanen dieser Autorin so verzaubern wie ich. Von mir gibt es 5 von 5 Sterne für dieses Buch.

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Die Schönheit der Nacht: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Schönheit der Nacht: Roman' von Nina George
4.6
4.6 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Schönheit der Nacht: Roman"

Vor der beeindruckenden Kulisse der bretonischen Küste lässt Bestseller-Autorin Nina George zwei Frauen sich selbst neu entdecken: ihre Wünsche und Träume, ihre Sinnlichkeit, ihr Begehren.

Die angesehene Pariser Verhaltensbiologin Claire sehnt sich immer rastloser danach, zu spüren, dass sie lebt und nicht nur funktioniert. Die junge Julie wartet auf etwas, das sie innerlich in Brand steckt – auf des Lebens Rausch, auf Farben, Mut und Leidenschaft. In der glühenden Sommerhitze der Bretagne, am Ende der Welt, entdecken die beiden unterschiedlichen Frauen Lebenslust und Leidenschaft neu – und werden danach nie wieder dieselben sein.
In der "Schönheit der Nacht" erzählt Nina George, Autorin des Welt-Bestsellers „Das Lavendelzimmer“, sinnlich, intensiv und präzise von Weiblichkeit in allen Facetten: eine Geschichte vom Werden, vom Versteinern und vom Aufbrechen.

"Sie ist eine Frau, die in die Seelen der Menschen schaut." Thalia Magazin "Stories"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:320
Verlag: Knaur TB
EAN:9783426519882
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Rezensionen zu "Die Schönheit der Nacht: Roman"

  1. 4
    13. Feb 2019 

    Nicht Versteinern, sondern Tanzen

    Bei diesem Roman von Nina George handelt es sich um die Geschichte zweier Frauen, die an verschiedenen Stellen ihres jeweiligen Lebens stehend, aufeinandertreffen. Und dieses Aufeinandertreffen dieser beiden brennenden Charaktere löst eine Kettenreaktion in ihren Leben aus. Die Eine, Claire, 44 Jahre alt, steht mitten im Leben, verheiratet mit Gilles, einem kreativen Filmmusikkomponisten, hat einen 22-jährigen Sohn, Nicolas, ist eine renommierte Professorin für Verhaltensbiologie in Paris, musste sehr früh/zu früh in ihrem Leben lernen, für ihre älteren Geschwister (Anaelle und Ludovic) zu sorgen, da ihre Mutter psychisch krank war, wuchs ab 13 Jahren mit ihren Geschwistern bei einer Großmutter väterlicherseits, Jeanne Le Du, in der Bretagne am Meer auf und wurde durch ihr bisheriges Leben und auch durch die Berufswahl eine immer mehr sehr rational denkende und handelnde Frau, die es schnell gelernt hat, ihr Gefühlsleben zu verstecken. Nach außen hin sehr kühl wirkend, hat sie auch immer mehr verlernt, Gefühle zu empfinden, diese zu leben und auch zu zeigen. Dies hat dann irgendwann auch Spuren in der Ehe hinterlassen. Und das Alles macht sie unzufrieden in ihrem Leben. Die Zweite, Julie, 19 Jahre alt, Freundin von Nicolas, mit vielen Ängsten behaftet, in einem Hotel angestellt, heimliche Sängerin, ist ein immer mit sich hadernder Charakter. Gilles, Claire, Nicolas und Julie fahren zusammen in den Urlaub an die bretonische Küste und das Leben tobt. Es geht um Gefühle und Gedanken, Wünsche und Erwartungen, und um deren Umsetzung, bzw. die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber oder das Zurückschrecken davor, aus der Angst vor den Konsequenzen. Und es geht auch um Kommunikation und das Fehlen von dieser und die daraus entstehenden Folgen. Es geht um Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung, und es geht um die Lebensplanung und die Schwierigkeiten um die Gestaltung des Lebens. Und natürlich geht es auch um die schöpferischste Kraft, die Liebe und ihre Folgen. Und es geht schlussendlich darum, wo Frauen in unserer Welt stehen, wo sie sich selbst stehen sehen und was sie zu tun bereit sind dafür.

    Sprachlich ist dieses Buch in einem schönen Ton gehalten, hat einen schönen Sprachklang und es entstehen viele Bilder im Kopf. Es lässt sich gut lesen und ist spannend geschrieben. Es ist auch ein gewisser Sog merkbar. Die Beschreibung der bretonischen Natur ist wunderbar gemacht, man wähnt sich in diesem Szenario. Es wird viel sinniert in diesem Buch, über das Leben und über die Menschen, und das auch manchmal etwas trivial wirkend, aber im letzten Drittel nimmt das Buch eine rasante Fahrt auf, was es in meiner Wertung nach oben schießen lässt und mich wieder an die Kraft des Lavendelzimmers denken ließ.

    Dieses Buch wird nicht jedem gefallen, ich fand es erst plätschernd und dann rasant. Lest es und urteilt selbst.

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  1. Lesekreis-Lektüre

    Im Mittelpunkt dieses Romans stehen zwei Frauen: Claire und Julie, die sich zufällig in einem Hotel in Paris begegnen, in dem Claire eine Nacht verbringt und ihren Mann Gilles betrügt - als Ausgleich für sein Fremdgehen.

    "Wenn ein Fremder sie umfasste und nichts davon wusste, nichts erwartete, und ihn das Fehlen jener Claire, die andere in ihr sahen, nicht mal irritierte, dann löste sich alles auf" (16)

    - Erwartungen, die an Madame le Professeur, an die Verhaltensforscherin, Ehefrau und Mutter gestellt werden.

    Julie arbeitet in jenem Hotel und während sie ein Zimmer reinigt, singt sie heimlich, was sie jedoch gegenüber Claire leugnet, als sie im Flur aufeinander treffen.

    "Als sich die Tür der 22 öffnete, der Gesang abbrach, stellte Claire fest, dass Stimmen nur eine akustische Umrandung der inneren Beschaffenheit nachzeichnen und das Äußere meist unvermutet anders ist. [...]
    Zwei Ertappte, dachte Claire, die entblößt voreinanderstehen und die andere am liebsten dafür ohrfeigen würden." (13-14)

    Die Überraschung ist groß, als sie sich anschließend zum Abendessen in Claires Zuhause wiederbegegnen. Denn Julie ist die Freundin von Claires und Gilles´ Sohn Nicolas - doch Julie tut so, als sähen sie sich zum ersten Mal, während Claire ihr zu verstehen gibt, sie müsse weder Nicolas noch Gilles anlügen.

    Gilles, ein Künstler, der Filmmusiken schreibt, das Kochen liebt und ein Genussmensch zu sein scheint, betrügt ebenfalls seine Frau, wofür diese sogar Verständnis zu haben scheint.

    "Sie wusste, dass Gilles´Geliebte nichts mit ihr zu tun hatten. Sondern nur mit ihm. Darüber je zu sprechen, ihr Wissen preiszugeben, hätte bedeutet, dass es in diese Küche gelangt wäre. In dieses Leben, in ihr Bett, in ihren Kopf. Ressourcenverschwendung. Sie hasste es, zu viel Kraft für Emotionen auszugeben, die nichts an der Vergangenheit änderten." (29)

    Sie glaubt, er bräuchte die Affären, weil er in einer beruflichen Krise stecke und frustriert sei, dass sie das Geld verdient. Ob sie wirklich so rational damit umgeht, wie sie die Leser*innen in ihren Reflexionen Glauben macht?

    Die Ehe zwischen Claire und Gilles ist an einem Punkt angelangt, an dem das Ungesagte, das Schweigen permanent greifbar ist, aber keiner ausspricht, ob noch etwas übrig bleibt, wenn das Verbindende, der gemeinsame Sohn auszieht, um in Straßburg zu studieren.

    Vielleicht aus Angst, die "Geister in einer Flasche" (39) kämen heraus, lädt Gilles Julie spontan ein, den Sommer gemeinsam mit ihnen in der Bretagne zu verbringen. Dort hat Claire von ihrer Großmutter väterlicherseits, der Schriftstellerin Jeanne Le Du, ein Haus geerbt. Jeanne Le Du hatte sich bereit erklärt, nachdem die Mutter der Kinder in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde, sich um die Kinder zu kümmern. Claire findet am Meer, im Beisein ihrer Großmutter, endlich Ruhe und kann die Verantwortung für ihre Geschwister, die sie bereits als 6-Jährige übernommen hat, obwohl diese älter sind, teilweise abgeben. Nur im Meer fühlt sie sich im Einklang mit sich selbst und frei - das hat sie Jeanne zu verdanken.

    Claire ist geworden - eine Verhaltensbiologin, die sich jederzeit unter Kontrolle hat und alles stets zu analysieren scheint - sich selbst und das Verhalten der anderen. Wann ist sie versteinert und hat nach außen keine Gefühle mehr zugelassen, obwohl sie in ihr brodeln? Seit sie als Elfjährige die Verantwortung für ihre Geschwister übernommen hat? Warum hat sie sich zusammengefaltet statt sich zu entfalten?

    Julie hingegen ist im Werden, eine Frau, die noch nicht weiß, wer sie ist. Die leidenschaftlich singt, aber niemandem davon erzählt - Angst hat, laut zu singen.

    "Dieses Gefühl, ein Niemand zu sein. Während alle um einen herum ein Jemand waren." (54)
    "Sie sehnte sich voller Unruhe nach jemandem oder nach etwas, über dem sie ihre Hitze ausgießen konnte. Sie sehnte sich nach Blut, nach Rausch, nach Lebenslust, nach Grenzen, die sich verschoben, so dass sie endlich sehen konnte, wo ihr Leben hinführte, sie wollte Farben und Wahrheit und Intensivität und leben, satt werden, mehr als satt! Nur: wie?" (98)

    Ob Nicolas dieses Verlangen stillen kann?

    Abwechselnd aus der Sie-Perspektive der beiden Frauen, an deren Gedankenstrom die Leser*innen teilhaben, erzählt der Roman von der Begegnung dieser beiden Frauen, die an einer Wegkreuzung stehen. Ihre Annäherung führt dazu, dass sich ihrer beider Leben verändert.

    Bewertung und Diskussion im Lesekreis

    "Beeindruckender Roman", das war der Tenor im Lesekreis. Die Figuren sind "glaubwürdig" und ihre Entwicklung ist nachvollziehbar. Claire - eine starke Protagonistin, die als Verhaltensforscherin für interessante Erkenntnisse während des Lesens sorgt.

    Warum finden Männer nie etwas im Kühlschrank?
    "Weil es sich nicht bewegt. Würde der Abwasch tanzen oder die Wäsche sich von allein auf die Maschine zubewegen, dann würden die Objekte über jene Reizaufmerksamkeitsschwelle steigen, die das testosterongesättigte Gehirn benötigt, im eine Aktion einzuleiten, wie etwas Jagd oder erhöhte Wachsamkeit. [...]
    Das war natürlich vulgär-populistischer Genderquatsch, aber hatte zumindest zu einem gewissen Verständnis von visuellen Reizschwellenmustern beigetragen." (169)

    Nina Georges Roman spricht meines Erachtens Frauen an, vielleicht vor allem die im mittleren Alter, die "geworden" sind und sich nun fragen, ob sie den eingeschlagenen Weg weiter gehen wollen oder doch eine neue Richtung einschlagen möchten. Die Reflexionen Claires laden dazu ein, sich mit dem eigenen Leben auseinander zu setzen, genauso wie die Gedanken Julies, deren Lebensweg erst eine Richtung finden muss. Damit wird es auch eine spannende Lektüre für Frauen Anfang 20, denn auch Julies Leben erfährt eine Entwicklung.
    Die Begegnung der beiden Frauen führt dazu, dass Julie sich ihrer selbst bewusst wird und auch Claire ihren bisherigen Lebensentwurf in Frage stellt. Von der Thematik her ein Roman, der mich angesprochen hat, auch deshalb, weil Claire in ihren Gedanken die gängigen Verhaltensstereotype von Frauen und Männern seziert.
    So beschreibt sie treffend, wie Mädchen und Jungen sich an einem Strand tummeln, den Erwachsene meiden.
    "Die Mädchen lagen in Grüppchen zusammen, unter der Düne, die Jungen weiter vorne, näher am Meer. Nie zu nah beieinander, nicht am Tag, auf keinen Fall, das konnte alles verderben, alles. Es gab Regeln an diesem Strand, und sie waren gleichsam unausgesprochen und voller Verheißung." (113)

    Eine Situation, die Nina George, wie sie im Nachwort schildert, selbst beobachtet hat. Junge Menschen, die "sehnsüchtig [warteten], dass es endlich losging. DAS LEBEN! sie warteten, dass ihnen jemand geschah. Oder etwas." (309)

    Eine Beobachtung, die sie dazu gebracht hat, über ihr eigenes Leben nachzudenken, und so entstand die Idee, über Claire und Julie zu schreiben. Eine gewordene Frau und eine werdende, die sich gegen die gängigen Klischees wenden und einen Weg jenseits betretener Pfade einschlagen.

    "Metaphernreich", ein Roman, in dem eine Vielzahl "rhetorischer Mittel gekonnt und funktionell eingesetzt werden" - waren im Lesekreis Stimmen zur Sprache Georges. Gegen Ende war es einigen von uns "too much" der Bilder, im Bestreben die Gedanken und Gefühle Figuren besonders anschaulich darzustellen.

    Kann man darüber hinwegsehen, wenn die Bildsprache ein wenig ausufert, dann wartet eine interessante Geschichte auf die Leser*innen und dazu ein Angebot, das eigene Leben zu reflektieren - meisterhaft angeregt von Nina George mit ihrem klugen Blick auf Menschen und deren Interaktionen.

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  1. Wie viele Frauen kann eine Frau sein?

    Claire Cousteau ist Professorin, Mutter, Ehefrau. Ihr Metier ist die Verhaltensbiologie für Fossilien hegt sie ein Faible, seit sie mit 11 Jahren zum ersten Mal das Meer gesehen hat. Das Eheleben mit Gilles wirkt von außen harmonisch, gediegen, doch seit langem schon sprechen sie nur mehr in langgeübten Floskeln miteinander. Sie schweigen, berühren sich nicht, betrügen einander. Claire ist die Frau, die für alles einen Plan hat, außer für das Kind damals, das ist passiert. Sie ist diejenige, die eine Feier verlässt, bevor man sich zu duzen beginnt. Versteinert, wie die Fossilien, die sie liebt, wie der Talisstein, der ihr eines Tages abhandenkommt.
    Wie viele Frauen kann eine Frau sein, auch diese Frage stellt sich Julie, Nicholas angehende Verlobte. Ihr Zusammentreffen mit Claire beginnt mit einer gegenseitigen Lüge.
    Ein kleines Ereignis zieht sich fortan wie eine Ruptur durch Claires Sein. Claire und Julie, diese beiden unterschiedlichen Frauen, begeben sich in den gemeinsamen Wochen in der Bretagne am Meer auf die Suche, die eine wo sie sich verloren hat, die andere wohin sie sich begeben will.
    Nina George erzählt von zwei Frauen und doch von so vielen. Sie erzählt vom, Erblühen, vom Selbstglück und der Erfindungslust bis zum Zurückhalten, Zusammenfalten und Anpassen. Es ist eine Geschichte über Mut und Stärke, über den Wunsch, gesehen, gehört zu werden. Es ist ein Buch voll brennender Leidenschaft für das Leben, auch für die Liebe, aber vor allem ein Buch über den Willen zum Aufbruch und zur Veränderung.
    Eine Frau kann vieles sein, aber eines muss sie immer sein, sie selbst.
    Dieses Buch war für mich die Überraschung des Frühjahrs. Ein Buch mit dem Titel „Die Schönheit der Nacht“ mit diesem Cover kann auch vieles sein.
    Mich aber hat es auf der ersten Seite schon überzeugt. „Es gab sie, diese aus einem unbekannten Nichts emporschnellende, die Seele mit fester Hand packende Sehnsucht, sich einfach fallen zu lassen und in der Tiefe des Meeres zu versinken…“ vertigo marée, jetzt habe ich auch ein Wort für dieses unbändige Verlangen frei zu sein, von allem.
    Und neben all den klugen, richtigen, wichtigen Worten Georges erlebt man die Schönheit der Bretagne, als ob man dort wäre, ein Buch zum Hören ist es außerdem, ein wunderbarer Soundtrack begleitet den Leser vom klassischen Chanson bis hin zum Tango Argentino. Alors on danse!

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  1. Wie es ist eine Frau zu sein...

    Ehrlich gesagt hatte ich mich vor Leseantritt gar nicht damit beschäftigt, was mich im Roman erwarten würde, denn das Buch ist aufgrund der Autorin einfach so eingezogen, da mich jedes Werk von ihr bisher verzaubert hat. Doch was ich dann bekam, war so viel mehr als ich mit dieser Rezension ausdrücken kann.

    In der Geschichte geht es um zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da ist zum einen Ehefrau und Mutter Claire, die mit Mitte vierzig an ihrem Lebensentwurf zweifelt. Hat sie in all den Jahren die richtigen Entscheidungen getroffen? Zum anderen ist da Julie, noch keine zwanzig, am Anfang ihres Lebens und völlig frei zu entscheiden, was sie machen will. Doch dann treffen die Frauen zufällig aufeinander und nichts ist mehr wie zuvor...

    Der beobachtende Erzähler, der uns durch die Geschehnisse führt, verwöhnt den Leser mit einer bildgewaltigen Sprache, die seinesgleichen sucht. Fast hat man den Eindruck als würde man Liebe in Form von Worten erfahren. Es fällt schwer dies zu beschreiben, daher formuliere ich es so: einfach schön.

    Auch wenn ich noch weit von der Vierzig entfernt bin, so konnte ich mich dennoch gut mit Claire und ihrem Gefühl "versteinert zu sein" identifizieren. Durch sie wird wirklich sehr schön deutlich in welchem Zwiespalt wir Frauen oft stecken. Ihre Reaktionen waren stets nachvollziehbar und es fühlte sich beinahe so ans als wäre man als Leserin sie selbst.

    Was Julie betrifft, so kann sich wohl jeder über fünfundzwanzig an seine Jugend und seine Zerissenheit erinnern. Ihre Abneigung dem Meer gegenüber hat mich tief berührt und es hat mich gefreut, dass sie sich letztendlich ihren Ängsten stellt.

    Für mich ist dieser Roman etwas, dass meine Seele berührt hat, in mir tief verborgene Gefühle geweckt und mich doch arg nachdenklich gestimmt hat.

    Ein Genuss war es zudem von der bretonischen Landschaft zu lesen, was sich wie ein Kurzurlaub angefühlt hat.

    Fazit: Ein unglaublicher Roman, den in meinen Augen jede Frau gelesen haben sollte, um dann über sich selbst nachzudenken. Weltklasse und für mich in jedem Fall eine Lesehighlight im Jahr 2018.

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  1. Zwei Frauen auf der Suche

    Dr. Stéphenie Claire Cousteau ist eine 44-jährige Frau, die auf den ersten Blick alles hat. Sie arbeitet als Verhaltensbiologin an einer Pariser Universität. Mit ihrem Mann Gilles, einem Komponisten, führt Claire seit vielen Jahren eine Ehe. Der gemeinsame Sohn Nicolas, kurz Nico, ist erwachsen. Dennoch hat die Professorin das Gefühl, dass ihr irgendetwas fehlt. Auch Julie, die 19-jährige Freundin von Nico und Angestellte in einem Hotel, ist noch auf der Suche. Ein gemeinsamer Aufenthalt in der Bretagne bringt die beiden Frauen einander näher, die ein Geheimnis teilen…

    „Die Schönheit der Nacht“ ist ein anspruchsvoller Roman von Nina George über die Suche nach Freiheit, nach Liebe, nach dem Sinn des Lebens und letztendlich nach sich selbst.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus 33 Kapiteln von angenehmer Länge. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Claire und der von Julie.

    Begeistern konnte mich wieder einmal der intensive Erzählstil der Autorin. Die Sprache ist voll von Emotionen und tollen Sprachbildern. Immer wieder gibt es poetisch anmutende Passagen. Eingebaut werden auch wundervolle Zitate aus Liedern und anderen Werken. Dabei werden auf hervorragende Art Stimmungen transportiert wie beispielsweise eine Melancholie, die sich durch weite Teile des Romans zieht.

    Durch diese besondere Art des Erzählens fiel es mir leicht, die Gedanken- und Gefühlswelt von Claire nachzuvollziehen. Die Vielschichtigkeit der Hauptprotagonistin hat mir gut gefallen. Auch Claire wirkt sehr authentisch und ist ein reizvoller Charakter.

    Inhaltlich ist der Roman sehr tiefgründig und bietet viele Denkanstöße. Gleich mehrere Fragen philosophischer Art werden aufgeworfen. Unterschiedliche Facetten der Weiblichkeit werden thematisiert. Somit konnte mich der Roman nicht nur emotional bewegen, sondern auch zum Nachdenken anregen. Obwohl er erst ab dem letzten Drittel an Spannung gewinnt und gegen Ende mit einer Wendung überrascht, kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Dazu trägt das französische Flair bei, was für mich ein weiterer Pluspunkt ist.

    Interessant sind auch die ausführlichen Dankesworte zum Ende des Romans. Sie geben unter anderem Aufschluss über die Entstehung der Geschichte.

    Sehr gelungen ist auch die schöne und hochwertige Aufmachung der gebundenen Ausgabe. Das Cover ist ansprechend und geheimnisvoll. Auch der klangvolle Titel ist treffend gewählt.

    Mein Fazit:
    „Die Schönheit der Nacht“ von Nina Georg ist ein besonderer Roman der leisen Töne, der bei mir noch eine Weile nachklingen wird. Ich kann die Lektüre sehr empfehlen.

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Die Sonne, so strahlend und Schwarz

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Sonne, so strahlend und Schwarz' von Chantal-Fleur Sandjon
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Sonne, so strahlend und Schwarz"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783522202862
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Rezensionen zu "Die Sonne, so strahlend und Schwarz"

  1. 5
    07. Aug 2022 

    Ein queerer Coming-of-Age-Roman in Versform...

    Seit ihrer ersten Begegnung ist Nova völlig fasziniert von Akoua. Ihre Gedanken kreisen nur noch um dieses Mädchen, das mit ihrem Strahlen Novas Welt zum Leuchten bringt. Es ist Liebe auf den ersten Blick und der Beginn einer aufregenden Zeit voller erster Male. Ein Neuanfang, der keinen Platz mehr für bittere Erinnerungen lässt. Denn Nova ist glücklich und denkt kaum noch an das, was ihre Mutter, ihr kleiner Halbbruder und sie erlebt haben. Doch dann geschieht das Unvorstellbare und der Schmerz kehrt zurück… (Klappentext)

    Wow, was für eine Entdeckung ist dieses Buch bitte?! Ein Versroman (ohne Reime), temporeich, kreativ, lebendig, sprachgewaltig, reduziert, verdichtet, voller Kraft. Ernst, humorvoll und poetisch zugleich. Solch ein Roman ist mir bislang noch nicht untergekommen - und ich lese wirklich viel!

    Es geht um Nova, die mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Halbbruder in Berlin lebt, in einer neuen Wohnung mit der Hoffnung auf einen Neuanfang. Als sie Akoua begegnet, knistert es sofort zwischen den beiden, und eine intensive Zeit beginnt. Ein erstes Mal verliebt sein, ein erstes Mal küssen, ein erstes Mal - alles! Für Nova ist Akoua wie eine Sonne, wärmend die Strahlen, lebensspendend. Eine schwarze Sonne. Denn Akoua ist Schwarz - so wie Nova auch.

    Doch Nova hat auch eine Vergangenheit - Erlebnisse, über die sie nicht sprechen möchte, die sie nur noch vergessen will, ausmerzen, weg! Akoua ahnt, dass Nova dunkle Geheimnisse in sich trägt, und als die Vergangenheit plötzlich wieder über die kleine Familie hereinbricht, ist fraglich, wie tragfähig die zarte Liebe zwischen Nova und Akoua wirklich ist...

    Tatsächlich sollte überlegt werden, ob zu Beginn des Romans nicht eine Triggerwarnung ausgesprochen werden sollte. Queerfeindlichkeit, Rassismus, häusliche Gewalt, Alkoholismus, Depression, Mobbing, Fehlgeburt u.a.m. könnten Themen sein, mit denen nicht jede:r Leser:in gut umgehen kann. Andererseits finde ich persönlich es immer besser, die Themen selbst beim Lesen zu entdecken, als im Vorfeld mit der Nase darauf gestoßen zu werden.

    Die Versform verleiht der Erzählung eine ungeheure Dynamik. Angerissen, auf den Punkt gebracht, emotional intensiviert. Gleichzeitig gebührt dem Verlag ein großes Lob, denn dieser hat die kreative Form des Romans auch bei der Gestaltung umgesetzt. Angefangen beim queer-bunten Cover über die Sonne, die sich als schwarzer Druck über viele der Buchseiten zieht, bis hin zur eigenwilligen Seitengestaltung. Steht Novas Welt Kopf, tut dies auch der Text, was beim Lesen etwas fordert. Muss etwas sehr Bedeutsames betont werden, steht auf einer Seite plötzlich auch nur ein einziges Wort. Gibt es eine Gefühlsexplosion, geht der Text strahlenförmig in verschiedene Richtungen ab. Solch eine gelungene Komposition: Text und Gestaltung zaubern Bilder im Kopf!

    Trotz der ernsten Themen, die diesen Roman durchziehen, strahlt dieser letztlich Lebensmut, Kampfeswillen und Zukunftsorientiertheit aus. Ein wirklich außergewöhnlicher Coming-of-Age-Roman, der mich überraschen, überzeugen und bezaubern konnte. Grandios! Unbedingte Leseempfehlung - und das nicht nur für das empfohlene Lesealter (ab 14 Jahre)!

    © Parden

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Die Ewigkeit ist ein guter Ort

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Ewigkeit ist ein guter Ort' von Tamar Noort
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Ewigkeit ist ein guter Ort"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783463000343
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Rezensionen zu "Die Ewigkeit ist ein guter Ort"

  1. Sinnkrise

    Elke hat Theologie studiert. Sie kommt aus einem religiösen Elternhaus - ihr Vater ist Pastor einer kleinen Gemeinde. Er hofft, dass sie schon bald seine Kirche übernehmen wird, er sich zur Ruhe setzen kann. Doch Elke kann sich noch nicht entscheiden. Sie schiebt eine Zu- bzw. Absage vor sich her mit dem Argument noch etwas Zeit zu benötigen. Ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Seelsorgerin in einem Alten- und Pflegeheim bedeutet ihr viel. Doch eines Tages entfällt ihr ausgerechnet am Sterbebett einer alten Frau der viele tausendmal gesprochene Text des Vaterunsers. Undeutlich vor sich hinnuschelnd rettet sie sich aus dieser unangenehmen Situation. Panik erfasst sie, als sie erkennt, dass ihre Vergesslichkeit alle Texte mit Gottesbezug betrifft. Lange Gedichte und Liedtexte erinnert sie dagegen mühelos.
    Obwohl ich nicht religiös bin, hat mich die Thematik angesprochen. Ich wollte erfahren, welche Auslöser es für Elkes „Gottesdemenz“ gibt, wie sie mit ihrer Situation umgeht, welchen Weg sie einschlagen wird. Zu Beginn hat mir der leichtfüßige Text, der auch immer wieder Humor durchblitzen lässt, gut gefallen.
    Elkes Strategien im Umgang mit ihren Problemen haben mich nicht überzeugt. Allerdings halte ich es durchaus für möglich, dass Menschen sich so desorientiert hängen lassen, greifbare Unterstützung ablehnen, nicht gelernt haben über Probleme zu reden. Mein Schwierigkeit mit dem Roman gründet sich daher gar nicht so sehr auf den Inhalt, obwohl ich mir auch da mehr Tiefe erhofft hätte, sondern auf die literarische Umsetzung. Nach dem ersten Drittel plätscherte die Geschichte vor sich hin und Elkes Leben begann mich zu langweilen. Ich konnte ihre Verzweiflung nicht spüren. Die ungewöhnlichen Begegnungen, die Elke im Verlauf des Romans hat, hinterließen bei mir keine Resonanz. Zunehmend störte mich auch die sehr plakative Symbolik im Text. Wenn z.B. die Kirche durch einen Wasserschaden absinkt, Einsturz gefährdet ist, in Schieflage gerät, so ist mir der Bezug zu Elkes innerem Zustand zu gewollt.
    Leider reicht es daher nur für 2,5 Sterne.

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