Mai: Romantisches Liebesepos

Buchseite und Rezensionen zu 'Mai: Romantisches Liebesepos' von  Karel Hynek Mácha
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mai: Romantisches Liebesepos"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:140
Verlag:
EAN:9783903124097
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Rezensionen zu "Mai: Romantisches Liebesepos"

  1. Tschechisches Nationalgedicht...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Jul 2020 

    Nun ja, vielleicht ist 'Nationalgedicht' etwas übertrieben, aber lt. Klappentext und wiederholter Versicherung des Übersetzers kann in Tschechien so gut wie jeder Passagen des MAI auswendig. Das Gedicht gilt wohl zumindest als wichtigstes Werk der tschechischen Romantik. Karel Hynek Mácha, der gerade einmal 25 Jahre alt wurde, schrieb dieses 'Romantische Liebesepos' im Jahr 1836. Bis heute zählt dieses Gedicht zur Schullektüre, dient aber wohl auch nach wie vor als Inspirationsquelle der tschechischen Literatur. Dies entnahm ich dem sehr ausführlichen Nachwort, das immerhin etwa ein Drittel des Buchumfangs ausmacht.

    Gedichte. Wie liest man ein Gedicht richtig? Dazu noch in einer Leserunde mit einem sehr präsenten Übersetzer? Und wie schreibt man anschließend auch noch eine angemessene Rezension? Gar nicht so einfach.

    Gelesen habe ich das Epos letztendlich dreimal, beim letzten Mal habe ich es mir dann auch noch zeitgleich vom Übersetzer vorlesen lassen, wodurch es noch einmal einen anderen Charakter bekam - z.B. durch das Lesen über das Zeilenende hinaus (s. Video im Anhang).

    Doch worum geht es in dem Gedicht eigentlich? Dies verrät der Klappentext im Grunde ganz gut:

    „Es war spät Abend – erster Mai – abends der Mai – war Liebeszeit." Mit diesen Worten beginnt das Kurzepos über Liebe und Tod des tschechischen Romantikers Karel Hynek Mácha (1810–1836). Ein Räuberhauptmann wird hingerichtet, weil er die Verführung seiner Geliebten gerächt hat. In eindrucksvollen Bildern verabschiedet er sich von der Erde. Das Kurzepos „Mai“ ist nicht nur eines der wichtigsten Werke der Romantik, es diente auch wegen seines avantgardistischen Bilderreichtums den tschechischen Surrealisten als Vorbild und stellt bis heute ein Fundament der tschechischen Dichtung dar.

    Ich kann nicht behaupten, wirklich alle Stellen verstanden zu haben, aber das haben Gedichte zuweilen so an sich, so meine Erfahrung. Dies mag auch an mir liegen und meiner fehlenden Vorstellungskraft, bestimmte Bilder betreffend. Was mich allerdings verwirrt hat, war der Untertitel: 'Romantisches Liebesepo's. Romantisch ist durchaus doppeldeutig und hier im Sinne der kulturgeschichtlichen Epoche 'Romantik' gemeint. Aber ein Liebesepos war es für mich dennoch nicht, sondern vielmehr ein leises Drama voller intensiver Bilder.

    Hier geht es vor allem um die letzten Stunden des Räuberhauptmanns vor seiner Hinrichtung, um seine düsteren Gedanken und Erinnerungen - die Tat geschah aus Eifersucht, Wilhelms große Liebe Jarmila wurde von einem anderen verführt, was der Räuberhauptmann nicht ertrug. Aber außer einem kurzen Verweis auf den Hintergrund der Tat spielte hier für mich die Liebe selbst tatsächlich keine große Rolle.

    Interessanterweise betonte der Übersetzer in der Leserunde, dass das Werk in Tschechien unbedingt als Liebesepos wahrgenommen wird. Bis heute treffen sich lt. Ondřej Cikán die Verliebten am 1. Mai unter der Mácha-Statue und lesen sich Teile des Epos gegenseitig vor, weinen dabei z.T. sogar gemeinsam. Da ich nicht Teil dieser Tradition bin, nehme ich das so zwar zur Kenntnis, kann dies aber nicht nachempfinden - und bleibe bei meinem Eindruck, dass es sich hier v.a. um ein leises Drama handelt.

    Abgesehen von dieser Irritation konnte mich das Epos und v.a. dessen Übersetzung ins Deutsche wirklich beeindrucken. Im Grunde handelt es sich hierbei um eine Mischung aus Lyrik (Lieder) und Epos (Gedicht mit Handlung). Auch dies lernte ich durch Hinweise des Übersetzers.

    Düster ist dieses Werk, hoffnungslos gar durch das Nichts, das einen nach Ansicht des Räuberhauptmanns Wilhelm nach dem Tod erwartet. Und dem entgegen setzt Karel Hynek Mácha die Schönheiten der Natur, in Bildern, die vor meinen Augen Gestalt annahmen und die stellenweise geradezu eine Sehnsucht heraufbeschworen. Gerade die Passagen mit den Naturbeschreibungen konnten mich hier sehr begeistern - so z.B. auf S. 69:

    Es schläft der See geschwungen
    Mitten im Tal, das blüht, ganz weiß.
    Wie sich das Blau ans Ufer schmiegt -
    Um weiter grün dann aufzublühn,
    Und immer heller wird das Grün,
    Bis es als bleicher Schein verfliegt.
    Und Höfe stehn im weiten Kreis,
    Das Ufer dann und wann zu säumen.
    Im See der weißen Vögel Chor,
    Der schnellen Boote helles Schäumen,
    Bis nach den dunklen Bergen vor
    Der weite See sich neigt.
    Weiße Höfe, der Boote Wipfel -
    Turm - Stadt - der weißen Vögel Funken -
    Die Hügelkette - dunkle Gipfel -
    Das alles ist im See versunken,
    Als Spiegelbild gezeigt.

    Was mir gefallen hat, war die Tatsache, dass das Gedicht nicht einem bestimmten Versmaß unterworfen ist, sondern 'wild' hin und herwechselt, wie auch im Nachwort ausführlich erläutert wird. Das dadurch wechselnde Tempo in Abstimmung zur jeweiligen Handlung oder Stimmung - ein genialer Schachzug.

    Sehr beeindruckt hat mich die Leistung des Übersetzers. Schon das Übersetzen von Prosa verlangt eine große Sorgfalt, ein Abwägen und Feilen von Worten und Satzstellungen. Aber Verse? Die sich dann in der 'fremden' Sprache tatsächlich reimen und trotzdem ein flüssiges Ganzes bilden? Noch dazu im wechselnden Versmaß, wie im tschechischen Original? Hut ab! Das Nachwort bietet dann noch einen kleinen Eindruck davon, wieviel Mühe tatsächlich auf den Text verwandt wurde...

    Die Aufmachung des Hardcover-Buches finde ich sehr gelungen, sehr liebevoll bis ins Detail. Die Gegenüberstellung des Textes (links im Original, rechts in der Übersetzung) bietet Sprachkundigen jederzeit die Möglichkeit eines Vergleichs. Tschechisch kann ich leider kein einziges Wort, aber ich habe zwischendurch trotzdem immer mal zur linken Seite gelinst. Die Illustrationen verstärken die Düsternis des Textes noch, sind von daher passend (auch hinsichtlich der Spiegelungen des Sees oder auch der Zweisprachigkeit, wie im Nachwort geschildert), auch wenn sie meinen persönlichen Geschmack überhaupt nicht treffen. Aber über Geschmack lässt sich eben nicht streiten.

    Der lange Anhang hat mich zunächst etwas erschlagen, aber ich habe bald begriffen, dass dies noch einmal die intensive Auseinandersetzung des Übersetzers mit dem berühmten Werk verdeutlicht. Manche Passagen sind womöglich eher etwas für Studierende, da sie sehr wissenschaftlich wirken, aber den Überblick selbst fand ich auch recht interessant.

    Alles in allem eine kleine Perle, die sich zu entdecken lohnt.

    © Parden

 

Stern 111: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Stern 111: Roman' von Lutz Seiler
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Stern 111: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:528
EAN:9783518429259
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Rezensionen zu "Stern 111: Roman"

  1. Das Radio

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 05. Jun 2020 

    Sehr kurz nach der Wende machen sich die Eheleute Bischoff auf in den Westen. Das Aufnahmelager schreckt sie nicht. Der Vater kann in ausgefallenen Computersprachen programmieren und hat gute Aussichten auf eine Arbeit. Ihr Sohn Carl soll sich nach Wunsch der Eltern um das Haus in Gera kümmern. Doch Carl möchte den Umbruch nutzen, um nach Berlin zu gehen. Dort hat er zunächst keine Wohnung findet aber Unterschlupf bei einer Gruppe junger Leute, die mit ihren Idealen die Welt verbessern wollen und gleichzeitig ein Lokal betreiben. Eigentlich möchte Carl Gedichte schreiben, doch zunächst steht er mal hinter der Theke.

    Diesem Roman wurde der Preis der leider abgesagten Leipziger Buchmesse 2020 verliehen. Dadurch wird natürlich Interesse geweckt. Und auch die Thematik der Zeit nach der Wende aus Sicht eines jungen Mannes, der sich müht, mit seinen Eltern in Kontakt zu bleiben, obwohl sie quasi ohne Not in den Westen gegangen sind. Das Hörbuch hat der Autor selbst eingelesen und zur Verfügung gestellt wurde es freundlicherweise in der ARD App. Mit Interesse begibt man sich also ans Nachhören der täglich bereitgestellten Kapitel. Leider lässt Carl sich eher durch diese Zeit treiben als ihr aktiv zu begegnen. Von einer Freude des Aufbruchs ist wenig zu spüren. Und die Gründe, die seine Eltern Richtung Westen entführen bleiben lange im Unklaren und wenn sie dann bekannt werden, fragt man sich, was daran nun spektakulär sein soll.

    Vielleicht trennt sich hier im Einzelfall des Hörers die Sicht des aus dem Westen stammenden von der des aus dem Osten Deutschlands kommenden. Was für die Eltern aus Gera ein echter Schritt gewesen sein muss, hätte man im Westen mal eben machen können. Und auch der phlegmatische Carl reißt einen nicht vom Hocker. Er landet zwar in einer gewissen Szene, tut sich aber nicht durch irgendein besonderes Engagement hervor. Eher geht es um seine Gedichte, die nie veröffentlicht werden und um seine Jugendfreundin Effi, wobei er sich unter der gemeinsamen Beziehung anscheinend mehr vorstellt als sie je beinhaltet hat. So bleibt am Schluss die Erkenntnis, dass ein preiswürdiger Roman nicht immer einer ist, der sich beim Lesen oder Hören einschmeichelt.

    2,5 Sterne

  1. Ein kurzes Jahr, in dem alles möglich zu sein schien

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Apr 2020 

    Carl Bischoff, ausgebildeter Maurer und Student, wird aus Halle am 10.11.1989 zu seinen Eltern nach Gera gebeten. In der elterlichen Wohnung teilen sie ihm mit, dass sie nun in den Westen gehen werden und bitten ihn, in der Wohnung "die Stellung zu halten". Der konsternierte Carl hält dies kaum eine Woche durch und setzt sich dann in den vom Vater liebevoll gehegten und gepflegten Lada Shiguli, um nach Berlin zu fahren, im Gepäck einen Werkzeugkoffer. Dort angekommen, haust er in der Winterkälte im Auto, bekommt Fieber und wird von einer Gruppe von Hausbesetzern aufgenommen und gepflegt. Mit seinem handwerklichen Fähigkeiten und seinen Werkzeugen wird er dort zu Fachmann für die Renovierung besetzter Wohnungen, die in dieser Zeit schlagartig mehr werden. Carl macht mehr aus Dankbarkeit denn aus innerer Überezugung mit, hält ihn doch die Arbeit von seinen Bestrebungen, ein ankerkannter Lyriker zu werden ab. Doch in dieser kurzen und beinahe fantastischen Zeit unmittelbar nach dem Mauerfall, wo im Osten jegliche staatliche Ordnung obsolet geworden ist, scheint alles möglich. Auch für Carl, der nicht nur erste zarte Erfolge als Lyriker verzeichnet, sondern auch überraschend seiner einzigen Liebe Effi begegnet. Er besorgt für sie und ihren Sohn eine Wohnung, sodass sie nach Berlin ziehen kann, und für kurze Zeit sieht es so aus, als ob die privaten und politischen Bedürfnisse Carls ihre Befriedigung finden. Doch mit dem Einzug des Kapitalismus in Ostberlin geraten die zarten Pflänzchen anarchischer Selbstversorgung und politischer Autonomie schnell ins Wanken und auch das private Glück Carls wird durch die Ankunft des Vaters von Effis Kind auf eine harte, letzthin nicht bestandene Probe gestellt. Somit endet diese Zeit für Carl in einem ziemlichen Chaos, während seine Eltern nach einiger Zeit des Suchens beruflich im Westen, am Ende in Kaliforniern, Fuß fassen. Überraschend sind für Carl und auch den Leser die Beweggründe für ihren Entschluss, die DDR zu verlassen, die eine lange Vorgeschichte haben.

    Lutz Seiler schildert in seinem zum Teil autobiographischen Roman "Stern 111" die kurz Phase der Anarchie nach dem Mauerfall. Er bietet dem Leser ein buntes Potpourri schräger Gestalten, die in der sogenannten Szene von Berlin Mitte mit hochtrabenden Plänen einer freien Gesellschaftsordnung starten und, in einem Fall sogar tatsächlich, jäh abstürzen. Was bleibt ist die Erinnerung an ein kurzes Jahr, in dem alles möglich zu sein schien.

 

Sumpfblüte (Edition MundWerk)

Buchseite und Rezensionen zu 'Sumpfblüte (Edition MundWerk)' von Calvin Kleemann
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Sumpfblüte (Edition MundWerk)"

Format:Taschenbuch
Seiten:80
Verlag: Periplaneta
EAN:9783959961578
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Mein goldenes Buch: Lieder von Hermann Löns [in neuer Rechtschreibung]

Buchseite und Rezensionen zu 'Mein goldenes Buch: Lieder von Hermann Löns [in neuer Rechtschreibung]' von Hermann Löns
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mein goldenes Buch: Lieder von Hermann Löns [in neuer Rechtschreibung]"


Lyrikband des berühmten Heidedichters mit 63 (Liebes-)Gedichten


Hermann Löns war mit seiner ersten Frau Elisabeth acht Jahre lang verheiratet, bevor die Ehe 1901
geschieden wurde. Seine neue Liebe, Lisa Hausmann, war eine Kollegin vom Hannoverschen Anzeiger,
einer Tageszeitung, bei der Löns zu dieser Zeit als Journalist tätig war. Das Paar heiratete 1902 in
Hannover.

In diesem Spannungsfeld veröffentlichte Löns 1901 seinen Lyrikband „Mein goldenes Buch“, welchen
er seiner zukünftigen Ehefrau widmete.

Auch die darin enthaltenen 63 Gedichte, die sich vor der Kulisse der von Löns geliebten
Heidelandschaft abspielen, zeigen eine tief greifende emotionale Wandlung auf.

So wird die Trauer und Melancholie der ersten Gedichte bald durch lichtes Hoffen und schließlich
durch die neue Liebe abgelöst.



– Vollständig überarbeitete Neuausgabe in aktueller Rechtschreibung –


Format:Kindle Edition
Seiten:73
EAN:
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