nie wieder zurück: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'nie wieder zurück: Roman' von Maria Braig
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Als Fadia, die Tochter marokkanischer Einwanderer, erfährt, dass ihr Vater sie zwangsverheiraten will, läuft sie von zu Hause weg. Wenige Kilometer weiter strandet Damaris aus Saudi-Arabien auf der Flucht in Deutschland. Als ihr Mann, von dem sie unterwegs getrennt wurde, sie ausfindig macht, möchte sie nicht zu ihm zurück, denn in den vielen Monaten nach der Trennung hat sie ihre Selbstständigkeit entdeckt und sich mit Jane aus Uganda angefreundet. Als Jane ihr dann gesteht, dass sie sich in sie verliebt hat, stellt das Damaris vor Entscheidungen, die ihr bisheriges Weltbild ins Wanken bringen.

Fadia und Damaris treffen in einem Frauenhaus zusammen. Als sie dort eines Tages von den Männern der Familien entdeckt und mit Gewalt weggeholt werden sollen, kommt Hilfe aus einer völlig unerwarteten Ecke.

nie wieder zurück ist ein bewegender Roman, der das Konstrukt fester Kulturen infrage stellt und zeigt, wie
Frauen sich ihr Recht auf Entfaltung und ein selbstständiges Leben nehmen.

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:185
Verlag: Querverlag
EAN:
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Rezensionen zu "nie wieder zurück: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Sep 2019 

    Vom lieben und geliebt werden

    „Die Welt verändert sich. Auch hier, in diesem Land, in dem ich jetzt mit euch allen lebe, seid ihr nicht sicher vor Entwicklungen, die euer Leben völlig umkrempeln. Es liegt an euch, darauf zu achten, dass sich eure Welt nicht in die falsche Richtung verändert. […] Macht ihr es anders, haltet die Augen auf und wartet nicht, bis es zu spät ist, ehe ihr handelt.“ (S. 123)

    Seit ein paar Jahren lese ich regelmäßig die neuesten Bücher der LKW-fahrenden Autorin Maria Braig, die sich in ihren Romanen immer Themen annimmt, die nicht die (breite) Masse der Leser*innen ansprechen, aber nicht minder wichtig sind. Es geht zumeist um Ausgrenzung bzw. die Diskriminierung von Minderheiten (Flüchtlinge, Lesben usw.)

    So auch in ihrem neuen Roman „Nie wieder zurück“ (erschienen im September 2019 im Quer-Verlag). Mein Dank geht an dieser Stelle an Maria Braig für ihr Vertrauen in mich als Testleser und das signierte Exemplar ihres neuen Romans.

    In „Nie wieder zurück“ lernen wir verschiedene Mädchen und Frauen kennen, die alle etwas gemeinsam haben: sie sind auf der Flucht – vor Verfolgung in ihren Heimatländern Saudi-Arabien und Uganda, vor veralteten Denkweisen von Verwandten (die Geld und Ansehen vor das Wohl der Familie stellen), vor der (unmöglichen?) Liebe…Sie alle lernen sich kennen und schätzen und auch die Liebe zwischen zwei der Frauen darf wachsen und dafür sorgen, dass sich Damaris zu ihrem Lesbisch sein bekennt, denn „[…] Es ist nicht wichtig, wen man liebt. Ob Mann oder Frau. Hauptsache man liebt und man wird geliebt.“ (S. 177)

    Die Romane von Maria Braig kommen immer schnell auf den Punkt, verzichten auf allzu viele Details und die Ereignisse werden in gestraffter Form erzählt, so dass die geneigte Leserschaft sich vielleicht an der ein oder anderen Stelle wundert, dass zwischen einzelnen Abschnitten bzw. Kapiteln Wochen bzw. Monate vergehen. Das tut der generellen Story aber keinen Abbruch.

    Wer gegenüber den genannten Themen offen und daran interessiert ist, sollte das Buch unbedingt lesen – für eine bunte und offene Gesellschaft gegenüber Schwulen und Lesben und gegen Unterdrückung von Frauen!

    „Ihr dürft das nie vergessen: Nicht eure Kultur bestimmt euer Verhalten, auch wenn man euch das einreden will, höchstens beeinflusst sie es. Ihr selbst habt es in der Hand, was aus eurem Leben wird. Ihr selbst bestimmt mit eurem Verhalten die Kultur. Seid wachsam, denn es liegt an euch, was nun geschieht.“ (S. 220)

 

Wir können alles sein

Buchseite und Rezensionen zu 'Wir können alles sein' von Johanna Kramer
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Ist es besser, von einer traurigen Liebe zerrissen zu werden, als überhaupt nicht zu lieben?


Carolina ist achtundzwanzig Jahre alt und auf der Suche nach sich selbst, als sie Brida begegnet, einer Heilerin, die vor den Trümmern ihrer zweiten Ehe steht. Zwanzig Jahre trennen die beiden Frauen. Doch während Carolina vom ersten Augenblick an erkennt, welche Liebe sie verbindet, hat Brida nicht nur Angst, sich auf die Beziehung einzulassen, auch ihr Mann verhindert einen Neuanfang. Ohne Hoffnung bricht Carolina alleine nach Schottland auf, um ihren Weg als Schriftstellerin zu gehen.


Ein Roman über die Macht der Liebe, die Angst davor und den Mut, den man braucht, um seiner inneren Stimme zu folgen.


»Bri, ich glaube das Meer fließt zwischen uns. Ein Gefühl, als bewegten sich all die Wassermassen in allen Weltmeeren gleichzeitig.« - Carolina 


Eine illustrierte Ausgabe mit Kohlezeichnungen, die Lust auf eine Reise nach Schottland machen.


Für mehr Infos besuchen Sie die Autorin unter www.johannakramer.de


Leserstimmen


Herzzerreißend und einfach außergewöhnlich schön
Es ist kein Liebesroman, wie wir ihn kennen.Es ist eine Offenbarung. Ein Gefühl. Ein Sehnen.
Außergewöhnlich und einfach atemberaubend schön.
Wenn ich nicht wüsste, dass es sich hierbei um ein Debüt handelt, würde ich es nicht glauben." - Susi Aly (Magische Momente-Alys Bücherblog)


"Diese wundervolle Geschichte über die Liebe zweier Menschen kann ich nur jedem empfehlen, der die Liebe liebt und an sie glaubt, sie ist so viel mehr als eine Liebesgeschichte für Frauen. Diese Geschichte kann alles sein!" - Jona G. – Autorin


"Sinnlich, berührend und verzaubernd." zeffmother


"Wir können alles sein ist ein ruhiges Buch. Es berührt auf seine ganz eigene Weise und es erzählt davon, dass die Liebe uns das Leben ermöglich kann, das uns glücklich macht, wenn wir sie lassen. Und dabei ist es egal, was diese Liebe umfasst. Ob einen Menschen, einen Beruf oder etwas ganz anderes. Solange es nur unsere Seele berührt." A.D. WiLK - Autorin


"Beim ersten Lesen hat mich die atmosphärische und gefühlvolle Geschichte festgehalten. Teilweise musste ich auch hier schon, der Schönheit willen, einzelne Sätze mehrfach hintereinander lesen. Während des zweiten Lesens ließ ich den künstlerisch geschriebenen, fast schon poetischen Sätzen ihren Raum." M.R.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:288
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Wir können alles sein"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Aug 2019 

    Alles kann sein!

    Carolina und Brida lernen sich kennen, als Carolina Hilfe für ihre krebskranke Mutter sucht. Brida arbeitet mit Energien, will damit Gefühle und Gedanken beeinflussen. Die Frauen fühlen eine starke Bindung zueinander, so als ob sie sich schon längst kennen würden. Bald beginnen sie, Zeit miteinander zu verbringen. Dann wagt Carolina einen entscheidenden lebensverändernden Schritt.
    Johanna Kramer debütiert mit einem wunderbar poetischen und emotionalen Roman über zwei sehr unterschiedliche Frauen. Erscheint die 50-jährige Brida zunächst als die Haltgebende, Stärkere von den beiden, verändert sich die gut zwanzig Jahre jüngere Carolina jedoch mit der Zeit immer mehr. Carolina kündigt ihren einengenden Bürojob, beginnt zu schreiben, deklariert sich gegenüber Brida.
    Brida zaudert und zögert. Bridas Verhalten ist nachvollziehbar. Zwei Frauen, beide haben einen Partner. Brida will ihren Mann nicht verlassen, begibt sich in eine Co-Abhängigkeit zu dem Mann, der sie betrügt. Ihr fehlen der Mut und die Entschlossenheit der jungen Frau. Erst nach und nach besinnt sie sich auf ihre eigenen Bedürfnisse.
    Die Autorin beschreibt den Konflikt, den die Frauen, jede für sich, aber auch miteinander austragen, sehr gefühlvoll. Finazielle Sicherheit, Alter, Sexualität, das Verlassen der Komfortzone, das Wagen eines neuen Lebensabschnittes, es braucht Mut dazu.
    Wir können alles sein. Und alles kann sein, wenn man nur den Mut dazu aufbringt.

 

Virginia

 

Solange du lügst

Buchseite und Rezensionen zu 'Solange du lügst' von Sarah Waters
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

England im 19. Jahrhundert: Susan Trinder wächst im Waisenhaus der zwielichtigen Mrs. Sucksby auf. Gemeinsam mit dem aalglatten Richard Rivers, genannt "Gentleman", plant sie einen großen Coup: Als Zofe will sie sich in das Vertrauen der jungen Erbin Maud Lilly einschleichen, um alsbald die Weichen für deren Heirat mit Gentleman zu stellen. Kurz nach der Eheschließung soll Maud dann ins Irrenhaus abgeschoben werden, um an ihr Vermögen zu kommen. Zunächst verläuft alles nach Plan. Selbst die zärtlich-leidenschaftlichen Gefühle, die Susan schon bald für Maud entwickelt, können sie nicht beirren. Doch plötzlich nehmen die Ereignisse eine atemberaubende Wendung. Zu spät erkennt Susan, dass sie in ein gefährliches Intrigenspiel geraten ist, in dem es nun um Liebe und Tod geht …

Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:736
EAN:
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Rezensionen zu "Solange du lügst"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Jan 2018 

    Viktorianischer Krimi, lesbische Liebesgeschichte und ein Liebli

    Dieses Buch habe ich im Jahr 2004 gelesen, weil David Bowie es damals begeistert seinen Fans empfahl. Ich weiß nicht, ob es da noch keine deutsche Übersetzung gab, jedenfalls las ich es auf Englisch und war erstaunt und begeistert.

    Erstaunt, weil ich noch nie ein Buch wie dieses gelesen hatte:

    Sarah Waters erzählt eine gut konstruierte Gaunergeschichte mit perfiden Wendungen, ein psychologisches Drama, ein Porträt des harten, schmutzigen Alltags in den Armenvierteln der Zeit – und zugleich die Geschichte von zarten Gefühlen zwischen zwei Frauen in einer Ära, als lesbische Liebe als Perversion oder als Wahnsinn gesehen wurde. Eine ungewöhnliche Kombination, die funktioniert, weil die Autorin nichts beschönigt, dem Leser jedoch mit viel Gespür für zwischenmenschliche Nuancen die Charaktere so vorstellt, dass man sie zwar nicht immer lieben, aber zumindest verstehen kann.

    Spannend fand ich schon wenigen Seiten, dass die Geschichte aus einem ganz anderen Blickwinkel erzählt wird, als man es als Leserin gewohnt ist: in einem Roman von Charles Dickens wäre Susan wahrscheinlich eher die Antagonistin gewesen als die Protagonistin.

    Interessanterweise sieht Susan am Anfang des Buches als kleines Mädchen eine Theateraufführung von "Oliver Twist" und hat eine Epiphanie:

    "Und ich weiß noch, dass mir das erste Mal aufging, wie es zuging auf der Welt: dass es böse Menschen wie Bill Sykes gab und gute wie Mr. Ibbs und solche wie Nancy, die sich in diese oder jene Richtung wenden konnten."
    Auch sie selber wird sich im Laufe des Buches in verschiedene Richtungen wenden.

    Susan ist aufgewachsen unter Dieben und Hehlern. Das Einzige, was sie von ihrer leiblichen Mutter weiß, ist, dass diese als Mörderin gehenkt wurde – in den Kreisen, in denen sich Susan bewegt, keineswegs eine Schande, sondern fast eine Auszeichnung. Sie hat kaum Gefühl für Recht und Unrecht; anfangs lässt sie sich ohne große Skrupel darauf ein, mitzuwirken an einem Komplott, das eine unschuldige junge Frau um ihr Vermögen betrügen und ins Irrenhaus bringen soll, ersonnen von einem Schurken adliger Abstammung, den die Gauner nur "Gentleman" nennen.

    Dennoch war ich bereit, Susan weiter zuzuhören, denn sie erschien mir nicht vollends verloren.

    Dann trifft sie auf Maud: die stille, sanftmütige, naive Maud, bei der Susan sich als Zofe einschleichen soll, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Und das erscheint so einfach... Nur dass Susan erstens schon schnell das Gewissen plagt, und sie zweitens Gefühle für Maud entwickelt, die sie nicht recht einordnen kann, weil es nicht die Gefühle sind, die in ihrer Sicht der Welt eine Frau für eine andere entwickeln darf. Dabei soll sie Maud doch dazu bringen, Gentleman zu heiraten...

    An dieser Stelle hätte das Buch so stereotyp wie verfrüht enden können, Sarah Waters hingegen macht es sich keineswegs so einfach. Stattdessen wirft man als Leserin einen Blick auf die Seitenzahl und stellt fest, dass man noch nicht mal die Hälfte der Geschichte erreicht hat.

    Und ab dieser Stelle werde ich nichts weiter über die Handlung verraten – es juckt mir in den Fingern, mehr zu schreiben, aber dies ist ein Buch, bei dem man beim ersten Lesen auf gar keinen Fall vorher zu viel wissen darf. Man muss ungebremst hineinstürzen in das Kaninchenloch.

    Lasst. Euch. Nicht. Spoilern.
    Seid vorsichtig mit Rezensionen, ich habe ein paar gesehen, die definitiv zu viel verraten.
    Daher nur noch kurz:

    Die Charaktere sind brillant geschrieben, gerade weil die Autorin nicht davor zurückschreckt, ihre Schwächen und charakterlichen Abgründe auszuloten.

    Susans Gefühle für Maud sind mehr als ein Gimmick, mehr als nur ein Lippenbekenntnis zur Diversität.Und sie sind auch nicht das Wundermittel, dass Susan über Nacht zu einem guten Menschen macht. Sie ist eine zwiespältige Frau mit zwiespältigen Gefühlen.

    Um über den Schreibstil zu schreiben, muss ich die Übersetzung erwähnen. Diese ist keineswegs schlecht, aber es geht zwangsläufig etwas verloren von der einzigartigen Sprachmelodie des Originals. Auch die Gaunersprache der Zeit lässt sich nur schwer eins zu eins ins Deutsche übertragen – im Original hat der Schreibstil einfach mehr Atmosphäre.

    Großartig fand ich, wie Teile des Buches, die von verschiedenen Charakteren erzählt werden, auch vom Schreibstil her deutlich variieren.

    Fazit:
    Im 19. Jahrhundert lässt sich die junge Diebin Susan auf ein mieses Geschäft ein: sie soll dem Schurken "Gentleman" helfen, eine reiche Erbin zu bezirzen und sie nach der Heirat im Irrenhaus zu entsorgen. Als sie die naive, unschuldige Maud kennenlernt, plagt sie schon bald das Gewissen... Und verwirrende Gefühle, die es ihr noch schwerer machen, ihre Rolle zu spielen.

    Ich lese nur selten ein Buch mehrmals.

    "Fingersmith" habe ich 2004 im englischen Original gelesen und war beeindruckt. Nun habe ich das Buch noch mal in der deutschen Übersetzung gelesen – "Solange du lügst" – und war wieder beeindruckt, auch wenn in der Übersetzung ein wenig des Flairs und der Atmosphäre verloren geht. Man sollte sich vom Klappentext nicht täuschen lassen: die Handlung ist wesentlich komplexer, als es erst den Anschein hat! Es ist weder ein typischer historischer Roman, noch eine typische Liebesgeschichte, noch ein typischer Krimi... Obwohl es alles das ist.

    Ein Hinweis: das Buch hat ein paar dezent explizite Szenen (gehört aber meines Erachtens nicht ins Genre Erotik) und ist sicher nichts für Leser, die Homosexualität ablehnen.

 

Nennen wir sie Eugenie (Ubuntu - Außenseiterthemen, die alle angehen)