Eins

Buchseite und Rezensionen zu 'Eins' von Sarah Crossan
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Im Spätsommer 2012 versetzen zwei Serienkiller Stuttgart in Angst und Schrecken. Die Anatomie der Morde könnte unterschiedlicher kaum sein. Die Ermittler Kurt Schockenried, Dennis Rathvan und Tatjana von Senden, von der Kriminalpolizei Stuttgart, erhalten Unterstützung durch die Psychologin und Profilerin Jessica Dornfeld vom LKA Baden-Württemberg. Während Kurt um seinen Ruf, Dennis mit seinem unzuverlässigen Mitbewohner und seinen konservativen schwäbischen Nachbarn, Tatjana mit sich selbst gegen die großen und kleinen Ängste des Alltags, und alle zusammen gegen einen merkwürdigen Geruch im Polizeipräsidium kämpfen, verfolgen sie Spuren durch die ganze Stadt. Vom Monte Scherbelino über das Große Haus zum Bismarckturm und vom Drei-Farben-Haus in der Innenstadt über Botnang in den Klingenbachpark nach Stuttgart-Ost. Über das Stuttgarter Rathaus führen die Ermittlungen unter anderem zu einer Dating-Agentur und auf einen Friedhof nach Berlin-Charlottenburg. Viele merkwürdige und gleichermaßen amüsante Begebenheiten sind ständige Begleiter der drei Kommissare. Die Lösung des Falles ist völlig überraschend und nicht vorhersehbar. In einem spannenden Finale bleiben Verluste nicht aus.

Format:Taschenbuch
Seiten:424
EAN:9783958541184
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Rezensionen zu "Eins"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Jun 2019 

    Wie es ist ein siamesischer Zwilling zu sein...

    Ich bin nach wie vor dabei meinen "Stapel ungelesener Bücher" abzuarbeiten und bin dabei auf diesen besonderen Schatz gestoßen.

    In der Geschichte geht es um Grace und Tippi, die siamesische Zwillinge sind. Sie haben es so satt ständig angegafft und ausgefragt zu werden, können sie schließlich nichts für ihre Besonderheit. Aber wird eine Trennung wirklich die erhoffte Lösung sein?

    Grace fungiert in der Geschichte als Ich- Erzählerin und durch diese Perspektivwahl ist man nah an ihren Emotionen dran, die gar nicht so anders sind als bei Menschen ohne Behinderung.

    Das Besondere an dem Geschriebenen war für mich die Darstellung des Textes, da sich hier nicht Sätze seitenweise aneinanderreihen, sondern jedes Kapitel wie ein für sich stehendes Gedicht aussieht. Das habe ich als sehr erfrischend empfunden.

    Mir hat gut gefallen den Alltag dieser besonderen Mädchen zu verfolgen, der gar nicht so anders ist als bei Teenagern gleichen Alters ohne körperliche Einschränkungen.

    Geschockt hat mich jedoch wie sehr eine Behinderung das Leben einer Familie beeinflussen kann, nicht nur emotional, sondern auch finanziell. Als Mensch ohne Behinderung ist es einem gar nicht bewusst, was alles an Hilfsmitteln und Ärzten nötig ist.

    Der Roman war für mich augenöffnend und hat Emotionen in mir geweckt. Gerade das traurige Ende hat mich tief getroffen.

    Fazit: Ein Jugendbuch, welches jung und alt gut unterhält. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus. Etwas Besonderes!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Nov 2015 

    Serienmörder in Stuttgart

    Zwei Serienkiller versetzen die Stadt Stuttgart in Angst und Schrecken, ein Schwulenhasser und einer der wahllos seine Opfer mit dem Messer tötet.
    Das Team um Kommissar Kurt Schockenried ermittelt, ihnen zur Seite steht die Profilerin Jessica Dornfeld vom LKA. In der gesamten Landeshauptstadt Stuttgart wird ermittelt und die Zeit läuft damit es nicht das nächste Opfer gibt.
    Doch was sich nachher am Ende herausstellt damit hätte ich niemals gedacht.

    Meine Meinung:
    Nach dem ich über den Autor einen Hinweis in unserer Zeitung las wurde ich neugierig und bin auf die Homepage des Schriftsellers gegangen. Dieser ist ein Arzt der die Schreiberei für sich entdeckt und zum Hobby gemacht hat und seine Bücher bis auf wenige Ausnahmen selbst druckt und vermarktet.
    Und das war am Anfang auch etwas schwierig die Bücher zu bekommen.
    Die LP des ersten Bandes hat mich dann aber so neugierig gemacht das ich mehr wissen wollte und ich wurde nicht enttäuscht. Lange nicht hat´be ich so einen interessanten Regionalkrimi gelesen wie dieser und ich freue mich schon auf den nächsten Band. Inzwischen schreibt er wohl schon am 4 Band des Kriminalteams aus Stuttgart und man kann nur hoffen das er bald noch bekannter wird. Ich jedenfalls kann ihn nur weiterempfehlen.

 

Enno Anders: Löwenzahn im Asphalt

Buchseite und Rezensionen zu 'Enno Anders: Löwenzahn im Asphalt' von Astrid Frank
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Löwenzahn im Asphalt
Gebundenes Buch
Die Heizung knackt, der Banknachbar schnieft: Wie kann man da einen Aufsatz schreiben? Und wenn man sich gerade vorstellt, eine Ameise zu sein - wie soll man da antworten? Enno nimmt tausend Kleinigkeiten wahr, kann sich in jedes Lebewesen hineinfühlen und sich ausgeklügelte Geschichten ausdenken, die auf anderen Planeten spielen. Nur eines kann er nicht: so sein wie die anderen ...

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
Verlag: Urachhaus
EAN:9783825151225
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Rezensionen zu "Enno Anders: Löwenzahn im Asphalt"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Jun 2017 

    Wenn alles falsch läuft...

    Enno Anders ist genau dies: anders. Er bekommt alles mit und kann sich dann auf das Wesentliche nicht mehr konzentrieren, fällt in der Schule ständig auf und auch zu Hause passieren ihm laufend kleine Ungeschicklichkeiten. Enno hat mit seinen elf Jahren so gut wie keine Freunde - nur den hochbegabten Olsen, der bereits zweimal eine Klasse übersprungen hat und ebenso ein Außenseiter ist wie Enno. Aber Fantasie hat Enno, mehr als genug - und einfühlsam ist er wie kein zweiter. Er weiß genau, wann jemand die Wahrheit sagt und wann nicht, und er spürt, wie es anderen Menschen geht.

    "Ich scheine irgendwie auf einem fremden Planeten gelandet zu sein. Die Lebewesen hier sehen zwar genauso aus wie ich, aber sie ticken alle anders. Ich kenne die Regeln nicht, nach denen das Zusammenleben hier funktioniert. Und egal, wie viel Mühe ich mir gebe, ich mache doch nur alles falsch."

    Enno ist nicht dumm. Er merkt, dass er anders ist als die anderen. Er selbst könnte damit leben, doch seine Mama macht das traurig. Sie macht sich Sorgen darum, was aus Enno einmal werden soll und reagiert oft hilflos, manchmal auch verärgert auf seine Besonderheit. Mama versteht nicht, was mit ihm los ist - sie möchte, dass ihr Sohn einfach normal ist so wie andere Kinder. Und merkt dabei nicht, wie weh sie Enno damit tut. Enno flüchtet oft in seinen Briefwechsel mit seinem Opi, der allerdings vor drei Jahren gestorben ist. Aber auf Mamojusave, dem Planten, wo Enno sicherlich eigentlich herkommt, wartet Opi geduldig auf seinen Enkel, bis dessen Mission auf der Erde beendet sein wird.

    "Es ist merkwürdig, aber ich weiß, dass meine Mama mich lieb hat. Trotzdem hätte sie mich offenbar gerne anders, als ich bin. Und wenn ich wüsste, wie das geht, dann würde ich alles dafür tun, um ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Aber leider weiß ich es nicht (...) Vielleicht wäre es für alle einfacher, wenn ich nicht mehr da wäre..."

    Astrid Frank, die offenbar selbst ein hypersensibles Kind hat, schreibt mit einer schonungslosen Offenheit und gleichzeitig mit einer enormen Einfühlsamkeit sowohl über die Erlebnsiwelt von Enno als auch über die Reaktion der oft hilflosen Mutter. Dabei wächst beim Lesen das Verständnis für beide Seiten, wobei das Herz eindeutig für Enno schlägt. Von augenzwinkernd bis berührend bedient die Autorin dabei gekonnt die Klaviatur der Gefühle. Und schafft das Verständnis für die einfache Tatsache: anders zu sein ist nicht schlimm.

    Illustriert wurde das Buch stimmungsvoll und passend von Regina Kehn.

    Ein Buch, das ich gerne weiterempfehle - für Kinder, die den Wert der Toleranz erkennen sollen, für Eltern, die das größte Gut in der Normalität sehen und für alle, die mit Kindern zu tun haben und dabei den neugierigen und wohlwollenden Blick auf das Besondere in jedem von ihnen nicht verlieren wollen. Positiv, berührend, ermutigend.

    © Parden

 

Wunder

Buchseite und Rezensionen zu 'Wunder' von Raquel J. Palacio
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

August ist anders. Dennoch wünscht er sich, wie alle Jungen in seinem Alter, kein Außenseiter zu sein. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Er weiß, dass die meisten Kinder nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Am liebsten würde er gar nicht auffallen. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist - wie August.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783446241756
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Rezensionen zu "Wunder"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Nov 2019 

    Eine andere Meinung

    Dieses Buch hat einige positive Aspekte, aber ist meiner Meinung nach nicht eines der besten Bücher, die ich gelesen habe, und erst recht nicht für jedes Kind geeignet.
    Es hat einen guten Ansatz und eine gut gemeinte Botschaft, die aber nicht auf beste Weise dargebracht werden. Vielleicht ist das Jammern auf hohem Niveau. Aber für einem Buch für Kinder ab 10 oder 11 aufwärts erhoffe ich mir ein gutes Sprachniveau und maßvolle Gefühlstiefe und Beschreibungen, sowie eine entweder dem Thema oder der Spannung angepasste, sinnvolle Länge. Ich maße mir nicht an besser schreiben zu können, habe aber zu diesem Thema als Jugendliche Bücher gelesen, die ich geeigneter fände. Leider schreibt der Author so genau, dass man sich kaum der deprimierenden Situation entziehen kann.

    Für mich kommt das Buch relativ schnell auf den Punkt. August hat ein deformiertes Gesicht, das er vor seinen Mitmenschen nicht verstecken kann, hat eine Oddyssee an Operationen hinter sich. Nachdem ihn seine Familie so gut es ging eine schützende Umgebung im Familienkreis ermöglicht hat, indem er zuhause von seiner Mutter unterrichtet wurde, geben ihm die Eltern nun die Möglichkeit in eine Schule zu gehen, und in die Außenwelt einzutreten. Alle Beteiligten von Familienmitgliedern bis zu Mitschülern, Sekretärinnen, Lehrern und Schulleitern versuchen ihm diesen Einstieg so sanft wie ihnen möglich zu gestalten. All dies aus dem Blickwinkel von August. Danach kommt ein langer "Klotz" an Schulerlebnissen, die in aller Detalliertheit seine Schwierigkeiten beschreiben, von seinem Aussehen und Erlebnissen mit seinen Mitmenschen. Auch ein paar Positive Erlebnisse sind dabei und wechseln sich mit den negativen ab. Sehr lange weiß man nicht, worauf das Ganze hinausläuft. Für mich war die Angelegenheit bis dahin deprimierend, und unnötig in die Länge gezogen. Ein paar Erlebnisse hätten mir gereicht. Ein sehr schlimmes Erlebnis wird zum Ende der Sicht Augusts geschildert, der vermeintliche Freund entpuppt sich als Lügner, der die Freundschaft nur vorgegaukelt hat um seinem Schulleiter zu gefallen. Plötzlich: ein Schnitt!

    Es wird aus der Sicht der Schwester berichtet. Dies ist zwar eine Interessante Art der Darstellung. Doch ist sie ebenso deprimierend wie die Augustbeschreibung davor. Schlimmer noch, weil sie das Schlimme vertieft. Sie, die ihren Bruder liebt, aber unter der Sitution leidet und in der Familie zu kurz kommt, weil der Hauptteil der Aufmerksamkeit der Familie auf dem deformierten, armen August liegt. Wieder Leid, auf andere Art.

    Bis zur Mitte etwa des Buches ist die Geschichte für mich eine einzige Trauerarie, durchbrochen von vermeintlich positiven Erlebnissen, die bis zur Mitte des Buches anhält.
    Vielleicht mag dies ja manche Menschen nicht zu unangenehm berühren, die ein besonders dickes Fell haben. Vielleicht mag dies Menschen aufrütteln, die noch nie eine Ausgrenzung erlebt haben. Aber die, die kleine Ausgrenzungen erlebt haben - wie können die länger als bis zur Mitte des Buches durchhalten, ohne einfach nur noch sich die grauen Schleier der Trostlosigkeit auf alles niedersenken zu fühlen.
    Gerade für Kinder - mit 10 oder 11 ist man ein Kind, wie wehrt man sich gegen diese Trostlosigkeit, und was bringt einen zum Weiterlesen? Wieviel Hoffnung und Vertrauen muss man haben, um bis zum Ende durchzuhalten, ohne zu wissen, ob das Ganze eine dauerhaft positive Wendung erfährt oder nicht? Ganz eindeutig ist mir dies zu lang, die Hälfte davon hätte ausgereicht, zumal alles sehr detailliert beschrieben wird, von den Gefühlen bis zu den physikalischen Ausgeprägtheiten der Deformierung.

    Ganz abgesehen von furzenden Krankenschwestern und Lehrern mit den Namen Po-Irgendwas und Arsch-irgendwas. Für mich ein kläglicher Versuch diesem tieftraurigem Thema etwas Witz überzustülpen, und dann auch noch ein relativ profaner.
    Zudem ist die Sprache der Protagonisten nicht gerade eine Gewählte. Wenn auch keine völlig dumpfe Sprechweise, in der die Personen sprechen, und wenn auch möglicherweise die Sprechweise einer aktuellen, modernen Famile unserer Zeit wiedergegeben werden soll im jeweiligen Land- schön ist es nicht. Soetwas sollten erst Jugendliche lesen, aber nicht 10 oder 11 jährige meiner Meinung nach. Die sind noch nicht gefestigt in ihrer Sprache und man hat als Adressat von Kindern auch eine Sprachverantwortung. Oder wird dadurch schlicht versucht unnötig sich aneinanderreihenden Erlebnissen etwas Schwung zu verleihen?

    So liest sich für mich auch die Nichtübersetzung von den Wörtern "Mom" und "Dad". Dies ist zwar nicht der Fehler des Authors, aber für ein Kind, das hier aufwächst sehe ich keinen Sinn diese zwei Wörter nicht zu übersetzen. Warum schreibt man dann nicht auch "sister" anstatt "Schwester", "brother" anstatt "Bruder". Es soll wohl "cool" klingen, ach, herrjeh, es ist gerade in, scheint es mir. Es klingt stark nach Youtube Gamerkanal.

    Wie der Schreiber durchaus seine "Schreibe" zeichnet, sind häufige Bilder von Fernsehserien und auch einer Sängerin, und Figuren daraus, auf die er sich bezieht, mit denen mein Sohn bis auf einen Film nichts anfangen kann, weil er sie schlicht weder gesehen, noch gehört hat. Solche Bildhilfen haben eine kurze Halbwertzeit und vermitteln entweder den Eindruck, dass man das auch sehen muss, um zu verstehen, worum es geht, oder aber, dass das normal ist. Ich finde es nicht zwangsläufig normal.

    Zum Glück muss ich das Buch nicht bis zum Ende lesen. Sollte ich es aus Solidarität tun? Mein Sohn muss darüber eine Buchbesprechung halten, es wurde ihm von der Deutschlehrerin vorgeschlagen. Was soll ich ihm raten, wenn er mir sagt - "Mama, ich mag dieses Buch nicht". Ich werde ihm sagen: "Lies es bis zum Ende. Und dann schreib auf, was Du darüber denkst. Wenn Du es nicht magst, schreib die Gründe dafür auf."

    Wir mussten in der 8. oder 9. Klasse "Unterm Rad" lesen von Herrmann Hesse. So gut er schrieb - damals versank für mich das Klassenzimmer und der Nachmittag zuhause in einer grauen, aussichtslosen Suppe. Ausweg: der Tod. Dies war die Botschaft des Buches für mich, auch wenn ich selbst soetwas nicht in Betracht als Weg für mich gezogen habe. Aber es hat mich weder zu weiterem Lesen verleitet, noch meinen Schulalltag erhellt.
    Vielleicht kommt am Ende des Buches eine Ermutigung und eine gute Wendung. Ich hoffe es. Es steht ja da, in den Inhaltsangaben, die man im Internet findet. Aber ich habe keine Lust mich durch den Rest zu quälen.

    Um noch etwas hinzuzufügen: Zwar werden durch Protagonisten wie auch dem Author selbst am Anfang des Buches weise Zitate oder Lebensweisheiten geäußert, in denen man Ermutigungen finden kann. Ich empfinde es aber als nicht besonders guten Schreibstil solche Weisheiten in dieser Art anzubieten. Ein guter Schreiber lässt mich nach meinem Geschmack diese Weisheiten in der Geschichte selbst erkennen, anstatt sie ausformuliert als Krücke hinzuschreiben, als Rettungsanker, weil die Geschichte selbst es nicht leicht erkennen lässt.

    Es gibt wenige Bücher, die für mich nach einer langatmigen Mitte ein lohnenswertes Ende fanden, wenn ich mich durch die gesamte Strecke zwang. Bei einigen habe ich für mich beschlossen, dass sich mir der geistige und seelische Nähr- oder Erkenntniswert bis zur Mitte zeigt, und ich auch mal abbreche, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Dez 2017 

    Was für ein WUNDERvolles Buch

    Ein wundervolles Buch. Ein Buch mit so viel Liebe. Allen Kindern der Welt wünsche ich diese Liebe, die die Kinder dieser Familie, Olivia und August, durch die Eltern erfahren durften. Eltern mit einem demokratischen und autarken Erziehungsstil. Eine Erziehung mit Herz und Verstand ...

    Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:

    "August ist anders. Dennoch wünscht er sich, wie alle Jungen in seinem Alter, kein Außenseiter zu sein. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Er weiß, dass die meisten Kinder nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Am liebsten würde er gar nicht auffallen. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist - wie August."

    August leidet an einer seltenen Krankheit, die sich Treacher-Collin-Syndrom nennt. Es sind mehrere Defekte in den Genen. Kurz gesagt, August kommt mit einem entstellten Gesicht auf die Welt. Die Augen befinden sich zum Beispiel auf der Wange. August musste in seinem kurzen Leben mehrere Schönheitsoperationen über sich ergehen lassen … Die Ärzte gaben dem Jungen nicht viel Hoffnung was seine Lebenserwartung im Kleinkindalter betraf. Aber August hat überlebt ...

    Es ist eine große Herausforderung, August nach vier Jahren Homeschool einer öffentlichen Schule zu übergeben. Obwohl die Schule sich sehr kooperativ und tolerant zeigt, hat es August trotzdem sehr schwer mit seinen Klassenkameraden. Dort muss er sich einige bösartige Spitznamen wie z. B. Zombie anhören, und später, auf einer mehrtägigen Freizeit mit der Schule wird er von größeren Jungs verspottet und tätlich angegriffen. August wird von diesen Jungs mit Gollum verglichen und mit den Orks, Gollum und die Orks sind die hässlichen Figuren aus dem Fantasyroman Herr der Ringe. Das nimmt August psychisch sehr mit, obwohl er von seiner Familie immer zu spüren bekommen hat, dass er trotz seines Gesichtes ein wunderschönes Kind sei, denn hier zählen die inneren Werte und weniger die äußeren:

    >>Du bist wunderschön, ganz gleich, was andere sagen, Worte können dir nichts anhaben. Du bist wunderschön in jeder Weise. Ja, Worte können dir nichts anhaben.<<

    August hat Pech mit seiner Geburt, aber Glück mit seinen Eltern. Unabhängig davon, wie unschön Augusts Gesicht geformt ist, die Eltern lieben ihren Jungen trotzdem abgöttisch. Olivias Freund Justin zum Beispiel sehnt sich nach einem Vater wie August und Olivia ihn haben. Justin nimmt sich Olivias Vater zum Vorbild, er selbst möchte eines Tages für seine Kinder der Vater sein, den er selber nicht hatte … Daran kann man sehen, wie viel Glück August mit seinen Eltern hat. Viele Kinder, die mit Anomalien geboren werden, werden von den Eltern verstoßen … Es ist demnach nicht selbstverständlich, solche Eltern zu haben. Doch August hat nicht nur Glück mit seinen Eltern, er hat auch Glück mit seiner älteren Schwester Olivia, die für den Bruder einen Beschützerinstinkt entwickelt hat. Obwohl Olivia durch den Bruder von ihren Eltern stark zurück treten musste, lernte sie dadurch recht schnell selbständig zu werden. Aber sie leidet auch hin und wieder darunter, dass der Bruder so viel braucht und so viel bekommt.

    Obwohl es schwer für August auf der Schule ist, geht er tapfer seinen Weg, denn die Welt draußen ist nicht nur schlecht. Und einige seiner Schulkameraden lernen ihn schließlich kennen ... Ein einziges Mal erlebt er eine für ihn unerträgliche Situation, sodass er gar nicht mehr in die Schule gehen wollte, und fragt seine Mutter:

    >>Mom? Werde ich mir immer wegen dieser Mistkerle Sorgen machen müssen? (…) Auch wenn ich erwachsen bin, meine ich – wird das immer so sein? <<
    (…)>>Es wird immer Mistkerle auf der Welt geben. (…) Aber ich glaube ganz sicher, und Daddy glaubt das auch, dass es mehr gute Menschen auf dieser Welt gibt als böse, und die guten Menschen passen aufeinander auf und kümmern sich umeinander. <<

    Ein Jahr Schule hat August schließlich gepackt, als im neuen Schuljahr der Rektor in der Aula eine Rede an seine Schüler hält:

    >>… aber<<, fuhr er fort, >>ich wünsche mir für euch, meine Schüler, dass das, was ihr von der Middle-School auf euren Lebensweg mitnehmen könnt, das sichere Wissen ist, dass in der Zukunft, die ihr euch selbst gestaltet, alles möglich ist. Wenn jede einzelne Person in diesem Raum es sich zur Regel machen würde, wo immer sie sich befindet, wann immer es möglich ist, zu versuchen, sich etwas freundlicher zu verhalten, als notwendig ist – würde die Welt zu einem besseren Ort werden. Und wenn ihr das tut, wenn ihr euch etwas freundlicher verhaltet als notwendig, dann wird irgendjemand irgendwo und irgendwann vielleicht in jedem Einzelnen von euch das Antlitz Gottes erkennen. <<

    Da jeder Mensch von dem anderen Menschen lernen kann, unabhängig vom Alter und von der Herkunft, war auch der Rektor in der Lage von August zu lernen. August hat die Menschen in seinem Umfeld menschlicher gemacht. Durch seine Präsenz, durch sein Denken, durch sein Wirken hat er schließlich sein Umfeld positiv beeinflusst. Welch ein Verlust für die Gesellschaft, würde August weiter vor der Öffentlichkeit versteckt gehalten werden.

    Mein Fazit?

    Das Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt. August erzählt seine Sichtweise, Olivia ihre, etc. Dieser Erzählstil macht es noch zusätzlich spannend, an den Gedanken und den Gefühlen der verschiedenen Figuren teilhaben zu können. Es gibt nämlich nicht nur eine Wahrheit. Es gibt mehrere Wahrheiten und jede Wahrheit hat ihre Berechtigung ...

    Ein Buch mit so viel Weisheit; ein Buch über Freundschaft, ein Buch über familiäre Liebe, ein Buch über Schwächen und Stärken und dies nicht nur auf August bezogen. Ein Buch für Groß und Klein …

    Und den Schluss, der sich auf den Buchtitel bezieht, fand ich grandios ...

    Und es gibt zusätzlich noch so viele wunderbare Zitate in dem Buch zu lesen ...

    ____________
    Wenn du die Wahl hast, ob du recht behalten oder freundlich sein sollst,
    wähle die Freundlichkeit.
    (Dr. Wayne D. Dyer)

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Mai 2017 

    Ein 6-Sterne Buch

    "Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt - es ist schlimmer." (S. 10)

    Mit diesen Sätzen endet das erste Kapitel des Jugendromans "Wunder". Sätze, die einen packen, die unter die Haut gehen und von denen es in diesem wundervollen Roman unendlich viele gibt. Die US-Amerikanerin Raquel J. Palacio hat dieses Buch im Jahre 2012 veröffentlicht, 2 Jahre später ist "Wunder" mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden.
    Ich hatte zuvor noch nie etwas von diesem Roman gehört. Glücklicherweise hat mein Sohn dieses Buch in der Schule im Deutschunterricht gelesen. Er, der selten ein Buch liest, konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen. Was hat dieser Roman an sich, dass ein 11-Jähriger alles andere um sich vergisst? Ich war neugierig und habe mich darauf hin ebenfalls von diesem wundervollen Buch verzaubern lassen.

    Klappentext:
    August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner großen Schwester Via in New York. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. August ist es gewöhnt, angestarrt zu werden, und er weiß, dass die meisten Schüler nicht absichtig gemein zu ihm sind. Sie sind bloß verunsichert. Natürlich ist es sein sehnlichster Wunsch, nicht weiter aufzufallen, ein ganz normaler Junge zu sein, Freunde zu finden. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist wie August.

    Eine Buchbesprechung mit Junior:

    Frage: Was hat dir an diesem Buch besonders gefallen?

    Junior: Einfach alles! Die Geschichte ist cool und ich mag die Charaktere.

    Renie: Ging mir genauso. Was mir besonders gefallen hat, war der Aufbau dieses Romans. Es geht ja um dieses eine Jahr in der Schule, das aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Erzählt wird in erster Linie von August. Aber auch andere kommen zu Wort: u. a. seine Schwester Via, seine Schulkollegen Jack und Summer. Dadurch wird die Handlung mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen erzählt, wobei man jederzeit erkennen kann, wer gerade erzählt. Das hat die Autorin genial hinbekommen. Es gelingt ihr, in ihrem Sprachstil zu variieren, so dass die einzelnen Charaktere sehr authentisch rüberkommen.

    Dann schreibt die Autorin auch noch sehr mitreißend. Man leidet mit den Charakteren. Ich habe tatsächlich das eine oder andere Tränchen verdrückt, habe mich aber auch manchmal schlapp gelacht, weil der Humor zu köstlich ist.

    Junior: Ich nicht. Ich fand das Buch nicht humorvoll. Laut gelacht habe ich nicht.

    Renie: Das hätte ich jetzt aber nicht gedacht.

    "Rattenjunge. Missgeburt. Monster. Freddy Krueger. E. T. Ekelfresse. Eidechsengesicht. Mutant. Ich kenne die Namen, die sie mir geben. Ich bin auf genug Spielplätzen gewesen, um zu wissen, dass Kinder gemein sein können. Ich weiß, ich weiß, ich weiß." (S. 98)

    Frage: Was hat dich an dem Buch gestört?

    Junior: Gar nix.

    Renie: Stimmt, mich hat auch gar nix gestört.

    Frage: Wer war dein Lieblingscharakter?

    Junior: August natürlich. Er hat am meisten erzählt. Ich mag es nämlich nicht, wenn ständig die Personen beim Erzählen wechseln.

    Renie: Aber das haben sie doch in diesem Buch.

    Junior: Ja, aber sie haben immer ganz schön lange erzählt, so dass ich Zeit genug hatte, mich an sie zu gewöhnen und besser kennen zu lernen.

    Renie: Aha, jetzt verstehe ich, was du meinst. Es gibt insgesamt 8 Abschnitte, die jeweils aus der Sicht eines Charakters erzählt werden. Lediglich August kommt häufiger zu Wort.

    Selbstverständlich war August auch mein Lieblingscharakter. Ich fand es bewundernswert, wie er sein erstes Jahr an einer Schule gemeistert hat und am Ende die Herzen aller erobert hat, so dass sein Aussehen völlig nebensächlich geworden ist. Mir haben aber auch die Kinder gefallen, die unvoreingenommen und neugierig an August herangegangen sind, und es riskiert haben, nicht mit dem Strom zu schwimmen. Schließlich ist ja von einigen Mitschülern ein enormer Druck auf sie ausgeübt worden, sie sind sogar gemobbt worden, weil sie sich auf Auggies Seite gestellt haben. Und trotzdem wollten sie mit ihm befreundet sein.

    "Er ist bloß ein Junge. Der seltsamstaussehende Junge, der mir je begegnet ist, ja. Aber bloß ein Junge." (S. 148)

    Frage: Fällt dir eine Lieblingsstelle in dem Buch ein?

    Junior: Bei Auggie Doggie* musste ich grinsen.

    Renie: Hast du nicht eben gemeint, dass das Buch nicht lustig ist?

    Junior: Es ist nicht humorvoll. Denn Humor ist, wenn man ganz laut lachen muss. Bei Auggie Doggie musste ich nur grinsen.

    Renie: Aha.

    * "'Also, Auggie Doggie', sagte er, 'Der Tag war wirklich okay?' Er hatte das aus einer alten Zeichentrickserie über einen Hund namens Auggie Doggie. Er hatte mir das Video bei eBay gekauft, als ich vier Jahre alt gewesen war, und eine Zeit lang hatten wir es uns oft angesehen - vor allem im Krankenhaus. Er nannte mich Auggie Doggie und ich ihn 'lieber alter Vater', wie das Hundekind den Dackel in der Serie." (S. 74)

    Frage: Warum lautet der Titel dieses Buches "Wunder"?

    Junior: Ist doch klar. August ist ein Wunder. Er kommt mit seinem Aussehen klar und fordert andere auf, sich mit ihm zu beschäftigen. Auf dem Buchumschlag steht der Satz "Sieh mich nicht an". Am Anfang fällt es ihm zwar schwer und er hat Angst vor der Schule. Doch mit der Zeit geht es ihm immer besser und sein Aussehen ist egal. Er kommt sogar damit klar, dass er gemobbt wird. Andere Leute bringen sich um, weil sie wegen ihres Aussehens gemobbt werden. August nicht.

    Renie: Stimmt. August ist so mutig. Er beweist, dass Äußerlichkeiten völlig egal sind. Davon kann sich mancher eine Scheibe abschneiden.

    Frage: Wirst du dich in ein paar Jahren noch an dieses Buch erinnern?

    Junior: Ich glaube nicht. Es ist zwar ein außergewöhnliches Buch, und man liest so etwas nicht alle Tage. Aber es ist "nur" ein Buch und ich lese ja eigentlich nicht gern.

    Renie: Irgendwann hast du bestimmt auch Spaß am Lesen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Es gibt nicht viele Bücher, die so besonders sind wie "Wunder" und die eine Geschichte erzählen, die mitten ins Herz geht. Ich werde mich auf jeden Fall auch in ein paar Jahren noch an dieses Buch erinnern.

    © Renie und Junior