Der Schattenmörder: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Schattenmörder: Roman' von Alex North
4.35
4.4 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Schattenmörder: Roman"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:417
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Baskische Tragödie: Luc Verlains vierter Fall (Luc Verlain ermittelt 4)"

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Rezensionen zu "Der Schattenmörder: Roman"

  1. Die Schatten sind zurück

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Sep 2020 

    Die Schatten sind zurück

    Der Schattenmörder von Alex North

    Paul Adams kommt nach fast 25 Jahren wieder in seine Heimatstadt Gritten zurück. Seine Mutter liegt im Sterben, er hat sie seit damals nicht mehr gesehen. Er war so froh den alten Dämonen entkommen zu sein, doch sie holen ihn sehr schnell wieder ein. Nach und nach durchlebt der Leser den Schrecken von damals, als Charlie Crabtree, ein Freund von Paul, mordete und spurlos verschwand.
    Paul war damals mit dem eher ängstlichen James befreundet, und als dann Charlie und dessen Freund in deren Leben trat, veränderte sich alles. Charlie war besessen von der Vorstellung der luziden Träume. Er ließ alle ein Traumtagebuch führen, in der Hoffnung Einfluss auf den Traum des anderen nehmen zu können und sich im Traum zu treffen.
    Die Jugendlichen trafen sich häufig im Wald, die Schatten genannt, und es sah so aus, als ob Charlie wirklich Erfolge erzielt. Paul war eher skeptisch und musste mitansehen wie sein bester Freund James Charlie immer mehr verfiel.
    Als dann ein Kind getötet wurde, war das Leben für Paul nie mehr wie früher. Er sorgte dafür die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen. Bis zum heutigen Tag scheint das Rätsel um Charlie Crabtrees verschwinden ungelöst, und mehr noch....es geschehen wieder schlimme Dinge in der Nähe der Stadt. Lebt Charlie noch? Animiert er andere in einem Chat zu neuen Morden? Fakt ist, dass Amanda Beck in Featherbank, nur wenige Kilometer entfernt, einen ähnlichen Fall verfolgt wie damals als Paul mittendrin steckte.

    Der Spannungsroman hat mich vom Aufbau und Flair ein wenig an den Vorgänger des Autors "Der Kinderflüsterer" erinnert, der mir damals auch gut gefallen hat.
    Ich war direkt gefangen von der Handlung, war aber unsicher in welche Richtung mich der Autor lenken wollte. Die mystischen Komponenten wirkten stellenweise fast glaubhaft. Driftet alles ins übernatürliche ab, oder gibt es eine logische Erklärung? Eine Frage die erst ziemlich zum Schluss genau geklärt wird. Die Spannung wurde aufrechterhalten, da immer nur kleine Bruchstücke aus der Vergangenheit offenbart wurden. Das wirklich überraschende Ende brachte dann noch eine ungeahnte Wendung, die das Buch für mich zufriedenstellend abschloss. Ein Buch, dass man zügig durchlesen möchte, um die ganze Geschichte begreifen zu können. Klare Leseempfehlung daher von mir!

  1. In den Schatten lauert das Böse...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Sep 2020 

    In seinem zweiten Thriller spinnt Alex North eine vielschichtige Erzählung voller Geheimnisse, die den Leser schnell in den Bann zieht. Paul Adams ist der Charakter, aus dessen Perspektive hier die meiste Zeit über berichtet wird - teils aus der Vergangenheit, teils aus der Gegenwart heraus, wobei die Geschehnisse beider Zeitebenen sich überlappen und die eine nicht losgelöst von der anderen betrachtet werden kann.

    Paul war seinerzeit froh, seiner Heimatstadt den Rücken kehren zu können, um zu studieren - und kehrt erst jetzt dorthin zurück, als seine Mutter im Sterben liegt. 25 Jahre lang beschränkte sich der Kontakt zwischen Paul und seiner Mutter auf gelegentliche Telefonate, wobei dies nichts mit mangelnden Gefühlen füreinander zu tun hatte, sondern vielmehr mit den Geschehnissen vor 25 Jahren, die Paul am liebsten für immer vergessen würde.

    Doch mit der Heimkehr in sein Elternhaus kommen die Erinnerungen wieder hoch - und schlimmer noch: das Grauen kehrt wieder. Der an das Haus grenzende Wald spielt hierbei eine große Rolle, der von allen nur "Die Schatten" genannt wird. Und in den Schatten lauert das Böse...

    Ich möchte hier nicht näher auf die Art des Bösen eingehen, weil das zu viel verraten würde - es lohnt sich, es selbst zu entdecken. Stephen King wird hier namentlich einige Male genannt, weil die vor 25 Jahren noch jugendlichen Charaktere begeisterte Leser seiner Romane waren. Aber Alex North muss auch zu den Fans gehören, denn über weite Strecken stand er dem Meister hier in nichts nach. Vor allem die erste Hälfte des Thrillers war unglaublich atmosphärisch, das Gruseln lauerte hinter jeder Zeile.

    Zur Perspektive von Paul Adams - in Vergangenheit und Gegenwart - gesellt sich noch ein weiterer Handlungsstrang hinzu: der der Ermittlerin Amanda, die bereits im vorherigen Thriller eine wesentliche Rolle gespielt hat. Diesmal ermittelt sie in einem aktuellen Mordfall, der jedoch verblüffende Ähnlichkeit aufweist zu dem Verbrechen vor 25 Jahren, dessen Umstände Paul Adams am liebsten für immer vergessen würde. So begegnen sich Paul und Amanda, und die Handlungsstränge verwickeln sich immer mehr ineinander.

    Wie schon bei seinem Debüt "Der Kinderflüsterer" punktet der neuesten Thriller von Alex North auch diesmal nicht durch überbordende Spannung und blutige Actionszenen, sondern durch das lauernde Böse im Hintergrund, das einen jederzeit anzuspringen droht. Die subtile Spannung nimmt dabei im Verlauf zu, und gerade wenn man denkt, man hat den Durchblick, dreht der Autor dem Leser noch rasch eine lange Nase - und galoppiert plötzlich in eine ganz andere, unerwartete Richtung. Das hat mir gut gefallen!

    Nach einem kleinen Durchhänger im Mittelteil entwickelte sich der Thriller für mich zu einem wahren Pageturner, und auf den letzten 200 Seiten mochte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Zu sehr wollte ich endlich die Geheimnisse gelüftet sehen, die Zusammenhänge erkennen und wissen, was damals wie heute wirklich geschah. Und auch wenn vielleicht nicht jedes Detail am Ende aufgelöst wird, hat mich das Gesamtkonzept überzeugt.

    Für mich wieder ein fabelhaft gestrickter Thriller - flüssig zu lesen, intelligenter Plot, unterhaltsam, subtil spannend, gruselig, überraschend und zuletzt auch noch berührend. Eine gelungene Mischung, die definitiv Lust auf mehr macht.

    © Parden

  1. Sehr spannend und gruselig

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Aug 2020 

    Paul kehrt nach 25 Jahren erstmals wieder in seine Heimatstadt Gritten zurück, denn seine Mutter liegt im Sterben. Eigentlich wollte er nie zurückkommen und alle Erinnerungen an damals, insbesondere an Charlie Crabtree, vergessen. Doch er muss feststellen, dass das nicht so einfach möglich ist. Schon bald holt ihn die Vergangenheit ein und er bemerkt, dass er verfolgt wird. Die Frage wird immer drängender: Was geschah damals mit Charlie Crabtree, nachdem er einen Mord beging und verschwand?

    Das Cover und der Titel haben mich sehr neugierig gemacht. Der Klappentext tat dann sein Übriges dazu, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte.
    Der Schreibstil hat mir prima gefallen, er war sehr leicht zu lesen und die Seiten flogen regelrecht dahin. Auch die kurz gehaltenen Kapitel haben zum Lesefluss beigetragen. Die Beschreibungen waren detailliert und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. 
    Die Charaktere wurden wirklich gut gezeichnet. Paul fand ich sehr sympathisch, weil er ruhig und überlegt wirkte. Klasse beschrieben waren auch seine damaligen Schulfreunde, unter denen auch Charlie Crabtree war. Dieser war mir von Anfang an sehr suspekt und ich konnte regelrecht das Böse bei ihm spüren.
    Der Aufbau des Buches hat mir sehr gut gefallen, es ging direkt mit einem spannenden Prolog und Blick in die Vergangenheit los. Hier tauchten sofort viele Fragen in meinem Kopf auf. Dann ging die Geschichte in der Gegenwart und mit den aktuellen Geschehnissen los. Zwischendurch gab es immer wieder Rückblicke auf die Zeit vor 25 Jahren und man erfährt, wie die Schulfreunde Charlie, Billy, James und Paul sich kennengelernt haben und wie sich ihre Bindung intensivierte. Diese Zeitsprünge wurden durch entsprechende Überschriften gekennzeichnet, so dass ich keine Probleme hatte, alles gedanklich zu ordnen.
    Das Thema luzide Träume fand ich sehr spannend, denn davon hatte ich vorher noch nichts gehört. Natürlich habe ich mich gefragt, ob sowas möglich ist und ob die Teenager das wirklich gemeinsam so erlebt haben. Auch war ich total neugierig, wie es zu dem Mord kam und wie die damaligen Geschehnisse mit der Gegenwart verknüpft sind.
    Was mir richtig gut gefallen hat, waren die schaurigen und gruseligen Momente, die es mehrfach in der Geschichte gab. Das hat mich noch zusätzlich, neben der sowieso vorhandenen Spannung, total gefesselt. Auch überraschende Wendungen gab es einige, die mich teils kalt erwischt haben.
    Am Ende wurde dann alles schlüssig aufgelöst und alle Fäden zusammengeführt. 

    Mir hat dieser spannende und gruselige Roman sehr gut gefallen. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. Charlie und die unheimlichen Schatten im Wald

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Aug 2020 

    "Luzide Träume - wenn man sich plötzlich bewusst ist, dass man träumt, noch während man sich in dem Traum befindet. Fast als würde man während des Traums aufwachen, dabei schläft man in Wahrheit tief und fest." (Buchauszug)
    25 Jahre sind inzwischen vergangen, dass Paul seine Heimatstadt Gritten verlassen hat. Seit jener Zeit, die für Paul alles verändert hat, ist er nie wieder zurückgekehrt. Doch nun liegt seine Mutter im Hospiz im Sterben und ihre Pflegerin hat Paul informiert. Beim ersten Besuch bei ihr erzählt sie davon, dass jemand im Haus gewesen ist, doch Paul findet keine Anzeichen dafür. Erst als er auf den Dachboden steigt, entdeckt er die vielen roten Handabdrücke. Niemals wird Paul den Tag vergessen, als er das erste Mal Charlie Crabtree begegnet ist. Sein Lächeln und seine dunklen Fantasien haben nicht nur Paul in seinen Bann gezogen, den von da an sollte sich alles verändern.

    Meine Meinung:
    Ein Mord eines Jugendlichen und der Besuch seiner Mutter nach 25 Jahren soll Paul Adams Leben wieder einmal verändern. Der Schreibstil ist fesselnd, spannend und unterhaltsam und hat mich ab der ersten Seite in den Bann gezogen. Alex North nimmt mich mit in die Gegenwart und Vergangenheit des Städtchen Gritten, bei dem es mir schon durch die Beschreibung etwas unheimlich wird. Eigentlich ist es eine Stadt, bei der man sich nicht besonders wohlfühlt, vor allem der angrenzende Wald scheint etwas unheimlich Mystisches zu haben. Auch Paul merkt sofort wieder, dass er sich nicht sonderlich wohlfühlt. Dabei denkt er an seine damalige Zeit als Schüler zurück, als er Charlie das erste Mal sah. Zur selben Zeit wird in der Nähe in Featherbank eine Kinderleiche gefunden. Amanda Beck ermittelt in dem Fall, bei dem sich zwei seiner Mitschüler schuldig bekennen. Anscheinend wurden sie durch einen Chat dazu motiviert, diese Tat zu tun. Kann es sein, dass Charlie lebt, der seit dem Vorfall vor 25 Jahren spurlos verschwunden ist? Und was hat es mit diesem Rothand und den luziden Träumen auf sich? Wie schon in Alex North ersten Buch "Der Kinderflüsterer" geht es auch hier wieder etwas makaber, unheimlich und mystisch zu. Bis zum Ende lässt er den Leser unwissend, wer damals getötet wurde und was geschah, weshalb Paul seine Heimat verließ. Paul ist ein guter Junge und hat sich immer, für seinen Freund James einsetzt. Doch als Charlie auftaucht, ist James auf einmal ganz angetan von ihm und seinen Ideen, jedoch für Paul bleibt er immer ein wenig suspekt. Bis er irgendwann Charlie, Billy und James ganz aus dem Weg geht und sich lieber nur noch mit Jenny aus dem Creative-Writing Kurs trifft. Der Wald von Gritten hat ebenfalls etwas Geheimnisvolles, weshalb er auch Schatten genannt wird. Ein wenig scheint der Autor von Stephan Kings Büchern beeinflusst zu sein, der ebenfalls sehr gerne mit Geheimnissen und Mystik spielt. Das größte Rätsel in diesem Buch ist das Verschwinden von Charlie Crabtree, der selbst nach Jahren für einige Jugendliche noch immer ein Idol zu sein scheint. Dabei sind die Charaktere in diesem Buch sehr gut durchdacht. Der schüchterne James, der meist zum Mobbingopfer wird und allen voran Paul, ein sympathischer, hilfsbereiter Junge, der inzwischen als Lehrer am College arbeitet. Doch wenn seine Mutter Sätze wie "Du hättest nicht kommen sollen.", sagt, dann habe ich das Gefühl, Paul ist wieder dieser Junge von damals. So baut sich durch das hin- und herspringen von Vergangenheit und Gegenwart nach und nach die Spannung immer mehr auf. Bis der Autor am Ende mit wirklich vielen Überraschungen aufwartet, die ich nicht erwartet hätte. Trotzdem war mir einiges zu abwegig und fantasiereich gewesen ist, gebe ich dem Buch 4 von 5 Sterne.

  1. Traumtagebuch

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Aug 2020 

    Seine Mutter liegt im Sterben. Nur deshalb kehrt Paul Adams an seinen Heimatort zurück. Keinesfalls wollte er an die Ereignisse von vor über zwanzig Jahren erinnert werden. Damals gab es einen Mordfall, in den Paul verwickelt war. Bei den Tätern handelt es sich um zwei Schulkameraden, von denen einer spurlos verschwand. Sollte dieser etwa doch nicht tot sein? Obwohl er die Erinnerung nicht mehr an sich heran lassen wollte, insgeheim hofft Paul, seine Mutter könnte doch etwas wissen. Fast gleichzeitig beginnt die Polizistin Amanda Beck in einem Fall zu ermitteln, in dem ein Jugendlicher von zwei weiteren Jugendlichen umgebracht wurde.

    Unheimlich geht es zu in diesem Roman, in dem es unter anderem um Klarträume geht. Bei dem Gedanken, zu wissen, dass man träumt, könnte einem schon ganz anders werden. Erst recht gruselig ist der Gedanke, dies könnte von außen gesteuert werden. Da bedarf es schon eines äußerst geschickten Manipulators. Was ist damals wirklich geschehen? Was wusste seine Mutter? Der Tag des Mordes vor 25 Jahren hat Pauls Leben entscheidend beeinflusst und sein Leben ist anders verlaufen als er es sich als Jugendlicher erträumt hat. Wie er jetzt weiß, sollte man mit Träumen sehr vorsichtig sein.

    Dies ist schon ein unheimlicher Spannungsroman, in dem eine unbewältigte Vergangenheit auch später noch etliche Leben beeinflusst. Es tut nicht immer gut, alles vergessen zu wollen. Auch wenn die Handlung in manchen Passagen ein wenig behäbig wirkt und man sich zum Schluss fragt, ob tatsächlich alles geklärt ist so bietet der Verlauf doch einige Überraschungen, die einen packen. Wegen der guten Beschreibung der düsteren Schatten, die die Bewohner von Gritten Woods gewissermaßen umwabern, und des Aha-Erlebnisses gegen Ende, ist dieser zweite Roman von Alex North sehr zu empfehlen. So eine Gruselspannung wird allerdings besser im Hellen genossen, nicht, dass man noch selbst unheimliche Träume durchstehen muss.

  1. Die Schatten der Vergangenheit

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Aug 2020 

    25 Jahre lang war Paul Adams nicht in seiner Heimatstadt. Jetzt liegt seine Mutter im Sterben und so kehrt er nach Gritten zurück. Mit dem Ort verbindet er düstere Erinnerungen. Damals ist ein Mord geschehen, und Charlie Crabtree, der einmal Pauls Freund war, verschwand spurlos. Was damals im Wald – in den Schatten – geschah, belastet Paul immer noch. Dann passieren seltsame Dinge. Pauls Mutter behauptet, dass jemand im Haus gewesen sei. Gleichzeitig wird in Featherbank ein Teenager von zwei Mitschülern ermordet. Der Fall weist erstaunliche Parallelen zum seinerzeitigen Mord in Gritten auf.
    Der britische Schriftsteller Alex North hat nach dem Kinderflüsterer seinen zweiten Spannungsroman „Der Schattenmörder“ vorgelegt. North bedient sich eines altbekannten und bewährten Konzepts: ein längst vergangenes Verbrechen, eine Rückkehr nach langen Jahren Abwesenheit, Ereignisse aus der Vergangenheit wiederholen sich.
    Pauls ganzes Leben folgt zwei Imperativen:

    „Du musst wegen Charlie etwas unternehmen“
    Paul und James waren beste Freunde, wobei Paul, der tatkräftige Bursche, den schüchternen und schmächtigen James immer unterstützte. Bis Charlie Crabtree und dessen Kumpane Bobby in Paul und James Leben treten. Charlie übernimmt sofort eine Führungsposition, ist charismatisch und manipulativ. Fast ehrfürchtig befolgt James alle Anweisungen Charlies, lässt sich in ein bösartiges, okkultes Spiel verwickeln. Paul fühlt sich zunehmend unbehaglicher, beginnt sich der Freundschaft zu entziehen. Doch als Paul endlich etwas gegen Charlie unternehmen will, ist es zu spät und etwas Schreckliches ist geschehen.
    „Du hättest nicht kommen sollen!“
    25 Jahre später: Pauls Mutter ist alt, verwirrt und nach einem Sturz kaum ansprechbar. Aber sie will Paul eindringlich davor warnen, dass wieder etwas Seltsames in Gritten passiert. Kann es sein, dass Charlie Crabtree noch am Leben ist und mit dem aktuellen Mordfall in Verbindung steht? Paul muss sich der Vergangenheit stellen, sich wieder in die Schatten der Erinnerung begeben.
    „Die Siedlung Gritten Wood mochte nach diesem Wald benannt worden sein, aber wie allen anderen Einwohnern war er mir unter dem Namen »Shadows« bekannt….wir waren immer »in die Schatten« gegangen. »In den Wald« hätte nicht annähernd gefahrvoll genug geklungen.“
    Es ist das herkömmliche Gerüst eines Spannungsroman, Erzählstränge von Damals und Heute wechseln sich ab. Alex North lässt Paul aus der Ich-Perspektive erzählen. Das ist klug gewählt, denn Pauls Sicht der Dinge ist subjektiv, er ist der klassische unzuverlässige Erzähler. Und wenn man glaubt, man hätte alles schon mal gelesen, kommt eine völlig unerwartete Wendung, die das bisherige Geschehen in einem ganz anderen Licht sehen lässt. Ich jedenfalls bin dem Autor voll darauf reingefallen, und dafür gebührt ihm meine Hochachtung. Norths kleine Hommage an den Meister des Genres, den König unter den Erzählern erfüllt seinen Zweck. Bei Stephen King hat Alex North wirklich gut aufgepasst.
    Der überraschende Plottwist hat das Buch gerettet. Denn die Auflösung an sich war zwar schlüssig, aber doch sehr weit hergeholt.

 

Tödliches Rendezvous: Ein Wien-Krimi - Die Sarah-Pauli-Reihe 1

Buchseite und Rezensionen zu 'Tödliches Rendezvous: Ein Wien-Krimi - Die Sarah-Pauli-Reihe 1' von Beate Maxian
NAN
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Inhaltsangabe zu "Tödliches Rendezvous: Ein Wien-Krimi - Die Sarah-Pauli-Reihe 1"

Die Enthüllungsjournalistin Hilde Jahn ist der Story ihres Lebens auf der Spur, nur leider wird das Treffen mit ihrem geheimnisvollen Informanten zu einem Rendezvous mit dem Tod. Ihre Assistentin Sarah Pauli übernimmt und stößt auf eine Geschichte über eine Reihe von mysteriösen Todesfällen unter Wiens Arbeitslosen. Doch je weiter ihre Recherchen fortschreiten, umso näher kommt ihr der Mörder …

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:321
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Baskische Tragödie: Luc Verlains vierter Fall (Luc Verlain ermittelt 4)"

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Verschwiegen: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Verschwiegen: Thriller' von William Landay
NAN
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Inhaltsangabe zu "Verschwiegen: Thriller"

April 2007, eine Kleinstadt in der Nähe von Boston: Der dreizehnjährige Ben Riffkin wird auf seinem Schulweg erstochen aufgefunden. Ben war ein Mitschüler von Jacob. Andrew Barber, Jacobs Vater, ist Staatsanwalt, übernimmt das Verfahren und trifft in der Schule auf eine Mauer beredten Schweigens. Auf Facebook sprechen Jacobs Freunde dagegen eine deutliche Sprache. Sie beschuldigen Jacob, und schon bald entwickelt der Fall eine Dynamik, die das Leben der Familie Barber von Grund auf verändert: Ist Jacob ein normaler Junge? Eine Frage, die Andrew Barber auch zu einer Auseinandersetzung mit seiner verdrängten Kindheit führt. Der Albtraum scheint sich gerade aufzulösen, da verschwindet ein Mädchen. Und Jacob war mit ihr befreundet... »Verschwiegen« ist ein intelligenter, packender Psychothriller über die brüchige Fassade von Normalität, die zerfällt, wenn der Zweifel in einer Familie übermächtig wird.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:481
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Baskische Tragödie: Luc Verlains vierter Fall (Luc Verlain ermittelt 4)"

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Das Mädchen Samira

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Mädchen Samira' von Christin Gericke
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Mädchen Samira"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:126
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Baskische Tragödie: Luc Verlains vierter Fall (Luc Verlain ermittelt 4)"

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Rezensionen zu "Das Mädchen Samira"

  1. Der Inhalt dieses Buches ist heftig und schockierend

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Sep 2020 

    Die 14 jährige Emilie zieht mit ihrer Familie von Berlin nach Polen in das Dorf Gizycko . Ihr Vater übernimmt dort die Hausarztpraxis des alten Dorfarztes . In ihrer neuen Klasse lernt sie das eigenartige Mädchen Samira kennen . Samira vertraut sie sich Emily an .Ihr erzählt sie dass ihr Vater sie schlägt und missbraucht . Ihr Onkel , der Bürgermeister , stellt sich schützend vor seinen Bruder . Obwohl das ganze Dorf davon weiß , unternimmt keiner etwas . Zwischen den Mädchen entsteht eine Freundschaft wird sie bestehen können ?

    Die Charaktere in diesem Buch sind glaubwürdig , Emilie und ihre Familie sind sympathisch . Der Inhalt dieses Buches ist traurig , schockierend und bewegend . Der Schreibstil ist meiner Meinung nach nicht ganz so flüssig . Die Spannung hält sich das ganze Buch über , aber für mich hatte es bei diesem Thema keine Bedeutung . Dafür ist der Inhalt einfach zu heftig .

    Fazit : Dieses Buch handelt von Missbrauch , Trunksucht , Mobbing , usw . Was in diesem kleinen Ort vorfällt , kann man eigentlich gar nicht erklären . Es ist ein aufwühlender Roman um eine Mädchenfreundschaft die viel auszuhalten hat .
    Besonders gefiel mir am Ende die Botschaft der Autorin . Sie macht Mut und erklärt wie sie auf dieses Thema gekommen ist . Das Cover gefällt mir jetzt nicht so ganz , aber das düstere passt zu Samira . In diesem Buch wird dem Leser klar gemacht dass man nicht wegschauen sondern helfen soll , egal ob bei Mobbing oder ähnlichem .

 

Auf Messers Schneide: Der dritte Fall für Mark & Felix

Buchseite und Rezensionen zu 'Auf Messers Schneide: Der dritte Fall für Mark & Felix' von Sören Prescher
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Auf Messers Schneide: Der dritte Fall für Mark & Felix"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:253
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Baskische Tragödie: Luc Verlains vierter Fall (Luc Verlain ermittelt 4)"

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Rezensionen zu "Auf Messers Schneide: Der dritte Fall für Mark & Felix"

  1. Ein guter Regionalkrimi aus Nürnberg

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Sep 2020 

    In Nürnberg werden die Kommissare Dominik Waldmayer , Mark Richter und Felix , ein Hovaward , zu einem Mord gerufen . Das Opfer wurde mit einem Messer niedergestochen . Nach langen Ermittlungen und Befragungen die nicht's ergeben kommen die beiden auf die Eltern des Opfers aufmerksam. Aber die sind schon längst tot ...

    Der Schreib - und Erzählstil in diesem Krimi ist eher ruhig und kurzweilig zu lesen . Die Handlung spielt sich in Nürnberg und der näheren Umgebung ab. Die Charaktere sind glaubwürdig und recht gut beschrieben auch was das Aussehen betrifft . Das Kommisarteam hat mir sehr gefallen . Mark Richter's Privatleben ist fast so spannend wie die Ermittlungen selbst . Die Spannung ist eher gleichmäßig nach der Hälfte des Buches nimmt sie langsam an Fahrt auf .

    Fazit : Es ist ein Krimi der viel Ermittlungsarbeit beinhaltet . Das Privatleben des Kommissars Mark Richter ist fast schon wieder eine Geschichte für sich . Die berufliche und die private Seiten harmonieren miteinander . Das hat der Autor sehr gut hinbekommen . Dieser Regionalkrimi ist in sich abgeschlossen man braucht nicht unbedingt die zwei Vorgängerbücher zu kennen . Es ist der dritte Teil einer bisherigen dreiteiligen Reihe . Aber der Schluss lässt doch offen wie es wohl weitergeht . Ich finde , es ist ein recht guter Regionalkrimi der für Unterhaltung sorgt .

 

Die Nanny: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Nanny: Roman' von Gilly Macmillan
3
3 von 5 (8 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Nanny: Roman"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:413
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Baskische Tragödie: Luc Verlains vierter Fall (Luc Verlain ermittelt 4)"

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Rezensionen zu "Die Nanny: Roman"

  1. Anders als erwartet

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Aug 2020 

    Jocelyne, genannt Jo, ist nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Mannes gezwungen mit ihrer Tochter Ruby wieder zur ihrer Mutter nach England zurückzugehen. Lake Hall, ein großes Anwesen von Lady Holt, Jo wollte niemals wieder dorthin zurück. Schon seit frühester Kindheit war das Verhältnis zu ihrer Mutter gestört. Ein richtig gutes Verhältnis bestand nur zu ihrer Nanny. Doch die verschwand eines Nachts spurlos und tauchte nie wieder auf.

    Doch dann geschieht das Unfassbare. Es klingelt und die ältere Dame, die vor der Tür steht, stellt sich als Nanny Hannah vor. Jo ist begeistert und stellt sie auch gleich als Nanny für ihre eigene Tochter ein. Doch ihrer Mutter ist das gar nicht recht. Sie zweifelt an der Wahrhaftigkeit von Hannah, denn sie ist sich sicher, Hannah ist tot.

    In verschiedenen Erzählperspektiven erschließt sich beim Lesen nicht nur das damalige und auch heutige Leben von Lady Holt. Auch Hannah und Jo kommen zu Wort. So fügen sich nach und nach die einzelnen Puzzlestückchen zusammen. Die Spannung, die sich dabei aufbaut, macht beim Lesen klar, das ganz dicke Ende kommt noch. Ab einem bestimmten Punkt ist auch klar, wer hier ein falsches Spiel mit den anderen Beteiligten spielt, aber da ist das Buch ja dann immer noch nicht zu Ende.

    Der Schluss war mir ein wenig zu abrupt, hat mir aber dennoch gut gefallen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und verdiente vier Lesesterne.

  1. Zu Beginn spannend, flaut aber sehr schnell ab

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 27. Aug 2020 

    Zu Beginn spannend, flaut leider sehr schnell ab

    Die Nanny von Gilly Mcmillian

    Jocelyn Holt wurde eher von ihrer Nanny Hannah erzogen, als von ihren Eltern. Als Jocelyn 7 Jahre alt war, verschwand Hannah spurlos, anschließend wurde sie in ein Internat geschickt. Später, als sie älter wurde, brach Jocelyn den Kontakt dann komplett ab. Die Beziehung zu ihrer Mutter Virginia war schon immer schwierig, lediglich den Vater vergötterte sie als Kind sehr. Doch sie hatte immer das Gefühl, dass die Mutter wichtiger war.

    Als Jo, wie sich Jocelyn nun nennt, ihren Mann verliert, steht sie mit ihrer 10 jährigen Tochter Ruby fast mittellos da, und zieht zu ihrer Mutter, ihr Vater ist schon verstorben, nach Lake Hall auf das Anwesen ihrer Kindheit
    Virginia bemüht sich unheimlich um ihre Enkelin, sie verhält sich sehr verständnisvoll, ein Verhalten, das Jo sich damals für sich selbst gewünscht hätte. Jo möchte unbedingt arbeiten gehen, will, sehr zum Unwillen ihrer Mutter, bei einem befreundeten Kunsthändler anfangen. Dazu müsste sie allerdings nach London pendeln. Ruby von ihrer Mutter betreuen zu lassen ist Jo ein Gräuel, tief sitzen die Wunden der Zeit, als sie unter ihrer Mutter gelitten hat.
    Als ein Schädel im See gefunden wird, liegt der Verdacht nahe, dass es der von Hannah Burges sein könnte. Jo hat große Gedächtnislücken aus dieser Zeit, brennt aber auf Antworten.
    Als dann eine Frau auftaucht, die sich Hannah ausgibt, ist das Verwirrspiel komplett, und das Problem der Betreuung für Ruby scheint gelöst. Doch Ruby mag Hannah nicht........

    Zu Beginn war ich begeistert von diesem Thriller. Viele Fragezeichen, spannende Handlung, eins kommt zum anderen. Der Drang weiter zu lesen um Antworten zu bekommen war groß.
    Der weitere Verlauf war psychologisch sehr ausgefeilt, weil Hannah und auch Virginia einige interessante Geheimnisse haben. Vieles steht im weiteren Verlauf in einem anderen Licht. Jemand ist ganz eindeutig sehr manipulativ und hält die Fäden in der Hand. Ein spannendes Konstrukt, so lange bis sich das Buch dem Ende neigt. Denn das Ende war für mich mehr als enttäuschend, denn alles zeichnete sich im Vorfeld bereits ab. Es gab keine überraschende Wendung, es plätscherte alles nur noch so dahin. Einige Fragen wurden nicht geklärt, obwohl sie für mich wichtig gewesen wären.

    Schade, ein guter Anfang, aber insgesamt nicht spektakulär.

  1. Hinter der Fassade von Lake Hall

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 25. Aug 2020 

    Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Chris kehrt Jocelyn mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Lake Hall zurück. Auf dem vornehmen Anwesen in England ist Jo aufgewachsen. Zu ihren Eltern, dem inzwischen verstorbenen Lord Alexander Holt und dessen Frau Virginia, hatte sie zuletzt kaum Kontakt. In ihrer Kindheit war das Verhältnis zu den beiden bereits unterkühlt. Nur für ihre Nanny Hannah empfand Jo viel Zuneigung. Doch im Alter von sieben Jahren muss sie die Entdeckung machen, dass ihr Kindermädchen plötzlich verschwunden ist. Nun, 30 Jahre später, ist das Verhältnis zwischen Jocelyn und Virginia noch immer angespannt und geprägt von Vorwürfen und Ablehnung. Und mit einem Mal steht eine Frau vor der Haustür, die behauptet, die verschollene Nanny zu sein. Was ist damals vorgefallen? Und zu wem gehörte der Schädel, der im See gefunden wird?

    „Die Nanny“ ist ein Spannungsroman von Gilly Macmillan.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus drei Teilen. Diese wiederum sind in etliche Kapitel mit kurzer Länge untergliedert. Erzählt wird im Präsens aus der Sicht von Jo und Virginia, jeweils in der Ich-Perspektive, sowie aus der von Detective Andy Wilton. Zudem gibt es einen weiteren Erzählstrang, der die Vergangenheit betrifft und aus der Sicht von Hannah geschrieben ist. Die Wechsel zwischen den Perspektiven sind reizvoll und sorgen für Spannung. Vorangestellt sind zwei kurze Abschnitte, die als eine Art Prolog betrachtet werden können. Dieser Aufbau funktioniert sehr gut.

    Der Schreibstil ist schnörkellos und unspektakulär, aber anschaulich und nicht unpassend. Er enthält viel wörtliche Rede. Zudem sind zwischendurch Textnachrichten abgedruckt.

    Die drei Frauen – Jocelyn, Virginia und Hannah – stehen klar im Fokus des Romans. Während zunächst die Figuren recht klischeehaft wirken, ergibt sich bald ein differenzierteres Bild. Sehr gut gelungen ist die psychologische Tiefe der drei Protagonistinnen, die immer mehr als Charaktere mit Ecken und Kanten Form annehmen. Ihre Gedanken, Gefühle und Motive lassen sich nachvollziehen. Allmählich wird klar, dass gleich mehrere Personen ein falsches Spiel spielen und nicht alles so ist, wie es scheint. Ein wenig übertrieben dargestellt ist allerdings Jos Naivität und Unreife, die angesichts ihres Alters an der Grenze des Glaubwürdigen kratzt.

    Das Erzähltempo ist recht langsam. Nur Stück für Stück entfaltet sich die Handlung. Inhaltlich greift die Geschichte unterschiedliche Themen auf und ist überraschend komplex. Zwar gibt es auch mehrere Wendungen und unerwartete Ereignisse. Immer wieder kommt es auf den rund 440 Seiten aber zu Längen, sodass ich während des Lesens mehrfach versucht war, Passagen zu überfliegen.

    Das größte Manko ist für mich jedoch die lausige Auflösung des Geheimnisses des Verschwindens von Hannah. Zum Ende hin wird der Roman unrealistisch und unlogisch. Dass so etwas tatsächlich in dieser Art passieren kann, halte ich für abwegig. Zudem wird das Verhalten der Nanny am Schluss inkonsistent und ist nicht mehr stimmig. Enttäuschend ist außerdem, dass einige offene Fragen und lose Enden einfach fallen gelassen werden.

    Das stimmungsvolle, genretypische Cover finde ich ansprechend. Der prägnante Titel, der wörtlich aus dem englischen Original übersetzt wurde, passt ebenfalls gut.

    Mein Fazit:
    „Die Nanny“ von Gilly Macmillan ist ein Spannungsroman, der für unterhaltsame Lesestunden sorgt. Aufgrund seiner Längen und der enttäuschenden Auflösung ist er für mich aber kein Must-Read.

  1. Vor allem das Ende schwächelt...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Aug 2020 

    Die siebenjährige Jo wächst im Luxus auf, doch Wärme und Zuneigung erfährt sie nur von ihrer geliebten Nanny Hannah. Als die eines Nachts ohne jede Erklärung verschwindet, bricht für das Mädchen eine Welt zusammen. Dreißig Jahre später kehrt Jo nach England in das Anwesen ihrer Kindheit am See zurück. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist noch immer geprägt von Vorwürfen und Ablehnung, und so ist Jo überglücklich, als eine ältere Dame auftaucht und sich als Hannah, Jos ehemalige Nanny, vorstellt. Doch Jos Mutter ist misstrauisch. Denn sie weiß – Hannah ist tot, seit der Nacht vor über dreißig Jahren. Wem soll Jo glauben? Ihrer Mutter oder der Frau, die damals das einzig Guten in ihrem Leben war? Und will Jo die Wahrheit überhaupt wissen? Denn die tut manchmal so weh, dass man lieber mit einer Lüge leben würde…

    Die Verwirrspiele und die wechselnden Perspektiven sind es, die diesem Roman einen gewissen Sog verleihen. Gerade die Sichtweisen der verschiedenen Charaktere (vor allem Jo und ihre Mutter wechseln sich hier ab) sorgen dafür, dass vermeintlich bereits bekannte Sachverhalte sich unerwartet in einem ganz neuen Licht zeigen und man als Leser plötzlich eine Kehrtwende in seinem Urteil vollziehen muss.

    Die Charaktere erscheinen im Verlauf der Erzählung in einem zunehmend anderen Licht. Während der Leser zu Beginn Sympathien für Jo entwickelt, die nach dem Tod ihres Ehemanns mit ihrer kleinen Tochter aus den USA nach England zurückkehrt und dort aufgrund ihrer prekären Lage ausgerechnet zu ihrer Mutter ziehen muss, mit der sie sich zeitlebens nie wirklich verstanden hat, kippt diese Einstellung allmählich, je mehr Hintergrundwissen man erhält.

    Schließlich ist es die Mutter, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters plötzlich als diejenige erscheint, der übel mitgespielt wurde, und die trotz allem versucht, stets den Kopf oben zu tragen - ganz im Gegensatz zu Jo, die an alten Verletzungen und einer unversöhnlichen Vorwurfshaltung festhält und sich nur dann weiterentwickelt, wenn es gar nicht anders geht. Anstrengend.

    Ein wesentlicher Charakter des Romans ist natürlich das Kindermädchen Hannah - oder die Frau, die sich für sie ausgibt. Denn eigentlich kann sie es unmöglich sein. Jos Mutter ist sich da ganz sicher - aber das gehört zu den Geheimnissen, die niemals ans Tageslicht gelangen dürfen. Nur - was will diese Frau nach über dreißig Jahren? Weshalb taucht sie ausgerechnet jetzt auf?

    Im Verlauf der Erzählung blickt der Leser zunehmend hinter die vermeintlich glatte Fassade der adligen Familie - sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit gibt es etliche Geheimnisse um Lord und Lady Holt, die sie lieber im Verborgenen wissen würden, doch eins nach dem anderen kommt nun ans Licht. Erschreckend für die Tochter Jo, die als kleines Kind im Grunde von ihrem Kindermädchen Hannah aufgezogen wurde. Aber woran könnte sie sich womögich erinnern, wenn sie sich in das Alter von sieben Jahren zurückversetzen könnte? Mit dieser Frage spielt der Roman und hält damit die Spannung aufrecht, die allerdings phasenweise doch auch in langatmigen Passagen - vor allem im Mittelteil - zu versinken droht.

    Ein wirklicher Schwachpunkt des Romans ist für mich - ausgerechnet - das Ende. Dort kommt es gleich bei mehreren Charakteren zu eher unglaubwürdigen und nicht vorstellbaren Verhaltensweisen, so dass hier bei mir eher Kopfschütteln angesagt war denn Begeisterung über einen passenden Schlussakt. Außerdem bleiben hier auch einige Fragen offen, was mich per se schon unbefriedigt zurücklässt.

    Alles in allem eine nette Unterhaltung, die ich nicht ungern gelesen habe, die mich aber auch nicht wirklich überzeugen konnte. Hiervon hatte ich mir allein schon aufgrund des Klappentextes doch mehr versprochen...

    © Parden

  1. Wenn das Blatt sich wendet...⠀

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Aug 2020 


    Um mit einem positiven Punkt zu beginnen:⠀

    Hochinteressant ist, wie widersprüchlich die verschiedenen Charaktere bei jedem Perspektivwechsel gezeichnet werden.Wer gerade noch zuckersüß und sympathisch wirkte, erscheint aus dem Blickwinkel einer anderen Person berechnend und kalt – oder umgekehrt.⠀

    Als Leser merkt man schnell, dass man sich so oder so kein voreiliges Urteil bilden sollte, weil man nicht weiß, wie weit man den Wahrnehmungen und Erinnerungen bestimmter Charaktere trauen kann. Obwohl deren Erinnerungsfetzen alles andere als untrüglich sind, setzt sich nach und nach ein verschwommenes, indes eindeutiges Gesamtbild zusammen.⠀

    Aus anfänglich flach erscheinenden Figuren werden nach und nach Menschen mit Ecken und Kanten, mit echtem Herzblut und schlüssigen Hintergrundgeschichten.⠀

    Leider bleibt ausgerechnet Protagonistin Jo, Fix- und Angelpunkt der Geschichte, recht blass. Über weite Passagen lässt sie keine nennenswerte Entwicklung erkennen, wenn sie ihr nicht von außen aufgezwungen wird. Dies erweist sich im Laufe des Buches zwar als folgerichtig, dennoch wirkt sie dadurch blutarm. Es sind stattdessen die beiden Widersacherinnen, die am interessantesten sind: Nanny Hannah und Mutter Virginia, die sich aufs Blut nicht ausstehen können.⠀

    Die Hintergrundgeschichte, warum dem so ist, entpuppt sich als erfreulich komplex und vielschichtig. Es geht nicht nur um die Tote um See, sondern auch um andere Vergehen. Außerdem gewinnt der Leser einen Einblick in das dekadente Luxuslebens des gelangweilten Adels – und dessen mal mehr, mal weniger harmlose Abgründe.⠀

    Es kommt zu einigen erstaunlichen Enthüllungen. Dinge passieren, die eigentlich nicht sein können, aber wider jegliche Probabilität dennoch so sind… Oder doch nicht? Wieder und wieder kippt das Bild, und mehr als ein Charakter intrigiert meisterhaft, während ein anderer Charakter sich der gedanklichen Ketten nicht bewusst ist.⠀

    Bis zu einem gewissen Punkt ist das großartig geschrieben und wahnsinnig geschickt konstruiert, da macht das Lesen und Miträtseln sehr viel Spaß.⠀

    Leider fällt dieses Kartenhaus in den letzten Abschnitten des Buches in sich zusammen.⠀

    Eine Entwicklung ist mehr als fragwürdig: ein Charakter vollbringt Dinge, die meines Erachtens schlichtweg unmöglich sind. Das Verhalten dieses bisher sehr eindeutig gezeichneten Charakters fällt außerdem vollkommen aus der Rolle, ohne dass die Gründe nachvollziehbar wären.⠀

    Mein Eindruck war: das muss so sein, weil das Ende des Buches sonst nicht funktionieren würde – nicht, weil es Sinn macht für diesen Charakter! Danach wurde es für mich auch recht vorhersehbar.⠀

    Dabei ist das Potential eigentlich vorhanden: Die Autorin hat im ersten Teil des Buches das Fundament für einen großartigen Spannungsroman mit überzeugendem Ende gelegt. Aber ganz am Schluss greift sie manche losen Fäden nicht mehr auf, lässt sorgfältig gelegte Fallen verstauben, missachtet ihre eigenen psychologischen Winkelzüge…⠀

    Fazit⠀

    Das Buch schlug mich schnell in seinen Bann, ich fand es flüssig und spannend geschrieben, sowie gekonnt konstruiert. Ich fieberte und rätselte mit, ich las es mit viel Vergnügen – endlich mal wieder ein echtes Spannungs-Highlight!⠀

    Leider fand ich die Auflösung dann aber wenig glaubhaft und dadurch enttäuschend. Vorher hätte ich das Buch vorbehaltlos als Must-Read weiterempfohlen, jetzt muss ich zu meinem Bedauern Abstriche machen.⠀

    Dennoch: ich bereue nicht, “Die Nanny” gelesen zu haben – vom Ende abgesehen ist das Buch unterhaltsam und spannend. Muss man nicht lesen, kann man aber sehr gut!⠀

  1. Leider ein Fehlgriff.

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 09. Aug 2020 

    Der 442 seitige Roman „Die Nanny“ von Gilly Macmillan hat mich aufgrund seines Covers und Klappentextes sehr gereizt.
    Jetzt habe ich ihn gelesen und leider fällt meine Bewertung nicht allzu gut aus.

    Es ist ein Roman, der den Leser am Anfang auf falsche Fährten schickt, Fragen aufwirft und Spannung erzeugt.
    Das ist ja erstmal genau das, was man sich von einem Thriller erwartet. Mit der Zeit wird er recht vorhersehbar, streckenweise sogar etwas langweilig... und dann folgt die Enttäuschung, denn die Auflösung ist unglaubwürdig und höchst fraglich. Sie lässt viele Fragen offen und ist nur schwer vorstellbar.
    Der Schluss wirkt zu konstruiert und mindert leider Qualität und Niveau des Buches.

    Auf zwei Zeitebenen und aus mehreren Perspektiven erzählt die Autorin den Roman, mit dem ich nicht richtig warm wurde und dessen Personal zu eindimensional beschrieben wurde.

    Manches, von dem erzählt wird, fand ich regelrecht überflüssig, Anderes wiederum hätte mich genauer interessiert, aber die Autorin ging nicht näher darauf ein.

    Jetzt aber vielleicht noch ein paar Worte zum Inhalt:

    Jo hat eine Nanny.
    Eine Nanny, Hannah, die ihr mehr Mutter ist, als ihre leibliche.
    Und dann das Entsetzliche: Hannah verschwindet über Nacht, als Jo erst sieben Jahre alt ist.
    Zeitsprung.
    Nach 30 Jahren kehrt Jo mit ihrer Tochter Ruby zurück in das Herrenhaus Lake Hall und dann beginnen geheimnisvolle Dinge ihren Lauf zu nehmen.
    Mutter und Tochter finden den Schädel eines Menschen und fragen sich, ob es der von Hannah sein könnte.
    Und dann taucht auch noch eine Frau auf, die, Hannah zu sein behauptet.

    Fazit:
    Aus der vielversprechenden Idee hätte viel mehr gemacht werden können.
    Ich kann leider nur zwei von fünf Sternen geben.

  1. Hütet euch vor dieser Nanny!

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Aug 2020 

    Vor 30 Jahren verschwand Hannah, die geliebte Nanny der siebenjährigen Jocelyn Holt, spurlos. Als Jocelyn nun, frisch verwitwet, mit ihrer Tochter Ruby nach Lake Hall auf das elterliche Anwesen zurückkehrt, leben die alten Spannungen mit ihrer Mutter Virginia wieder auf. Dann findet Ruby bei einem Bootsausflug einen menschlichen Schädel. Könnte damit das Verschwinden der Nanny erklärt werden? Doch plötzlich steht eine Frau vor den Toren von Lake Hall, die behauptet Hannah zu sein. Nur Lady Holt - Virginia - ist sich sicher, dass nicht sein kann, denn sie selbst hat Hannah damals im See versenkt.
    Die britische Autorin Gilly MacMillan hat schon mehrere Spannungsromane geschrieben. „Die Nanny“ ist nun ihr neuester Wurf. Gekonnt baut sie eine unangenehme Atmosphäre zwischen allen Beteiligten auf, die geprägt ist von Lügen, Betrug und Misstrauen.
    Mit den Ich-Erzählstimmen von Jocelyn, die sich später Jo nennen lässt und Virginia sowie mehreren Einschüben aus der Vergangenheit der Nanny, lernen wir sehr unterschiedliche Seiten der Protagonistinnen kennen. Es ist vor allem der schwelende Mutter-Tochter-Konflikt im Fokus. Und je mehr man von Jo, Virginia und Hannah liest umso mehr verschieben sich die Betrachtung und Sympathien von der einen zur anderen.
    „Hannah bedeutet ihr alles. Hannah mag sie. Hannah hört zu und hat Zeit, Jocelyn Dinge zu erklären. Hannah ist besser als Mutter. Hannah liebt Jocelyn.“
    Als Hannah sich wieder auf Lake Hall breit macht, diesmal als Betreuung für Jos Tochter Ruby, beginnt die Situation zu eskalieren. Es ist längst nicht alles so wie es scheint. Denn die Nanny hat sehr viel zu verbergen und auch Virginia hat so manches am Laufen, womit man nicht gerechnet hätte. Gut bewahrte Ereignisse, echte und falsche Erinnerungen, niemandem kann man trauen.
    „Die Wahrscheinlichkeit, dass Erinnerungen zurückkehren, ist geringer, wenn nichts da ist, was sie auslöst.“
    Sehr perfides Gaslightning macht das Buch spannend und lesenswert. Doch leider nur bis zu dem Moment, als sich aufklärt, was es mit dem Knochenfund und dem damaligen Verschwinden der Nanny auf sich hat.
    Hütet euch vor dieser Nanny, denn sie ist manipulativ, intrigant, bösartig und unglaubwürdig.

  1. Ansätze von Charakterzeichnung zu erkennen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Aug 2020 

    Kurzmeinung: Ganz nett.
    Ansätze von Charakterzeichnung zu erkennen

    Es ist mal etwas anderes, wenn die Nanny verschwindet und nicht das Kind entführt oder geraubt wird. Entspannend anders.

    Inhalt: Jocelyn Holt war seinerzeit total auf Nanny Hannah geprägt. Denn Mutter und Vater sind mit glamourösen Partys beschäftigt und haben keine Zeit für sie. Um so schlimmer als Jocelyn die Nanny im Alter von sieben Jahren urplötzlich verliert. Nun, dreißig Jahre später, taucht ihr Kopf im See auf. Und kurz darauf sie selber. Allerdings quietschlebendig.

    Neben der Krimischiene, die MacMillan mit einem Detektivpärchen dezent bedient, das unaufdringlich immer einmal wieder auftaucht, aber sehr kurz, was mir gut gefällt, weil der Roman nicht von komischen, urigen oder sonstigen charaktervollen Detektives lebt, legt die Autorin den Fokus auf die Mutter-Tochter-Schiene.

    Für mein Dafürhalten hätte sie hier weit mehr investieren müssen. Und das hätte sich gelohnt!

    Zwar ist die weitere Vertiefung des Mutter-Tochter-Aspekts für die Handlung, in der die Nanny der Mittelpunkt ist, nicht unbedingt notwendig, aber, was die Autorin anführt, bleibt doch sehr an der Oberfläche und teilweise schablonenhaft, schade, hier wäre noch mehr drin gewesen. Dennoch entsteht ein Lesesog.

    Die Autorin schreibt recht gefällig und für einen Kriminalroman nicht einmal platt. Zwar kann sie meiner Lieblingsphrase „holte tief Luft“ nicht widerstehen, aber die Schreibweise reißt nicht nach unten aus. Nach oben allerdings auch nicht. Zwar versucht die Autorin sich an Atmosphäre, in dem sie „Natur“ schildert, aber diese Schilderungen tragen nichts zur Handlung bei. Was u.a. das Kennzeichen von Kitsch ist.

    Nun. Denn. Bei Kriminalromanen zählt die Auflösung. Die Autorin hält die Leserschaft einigermaßen bei Laune und in Spannung, aber ihre Auflösung ist dann doch etwas fragwürdig. Beim Schluss ins Kreuzverhör genommen, würde die Autorin möglicherweise arg ins Schwitzen kommen.

    Fazit: Mit seinen vierhundert Seiten überzeugt die Autorin mit einer gefälligen Schreibweise und den Ansätzen von Charakterentwicklung bei ihren Figuren. Allerdings bleiben diese Charakterisierungen dann doch noch zu sehr an der Oberfläche hängen und wirken schwarz-weiß. Keineswegs werden die komplizierten Muster menschlichen Verhaltens abgebildet. „Zu einfach“ würde Elton aus Wer-weiß-denn-sowas sagen. Dennoch entwickelt sich ein nettes kleines Verwirrspiel, das ganz unterhaltsam ist. Die Auflösung wiederum überzeugt psychologisch gesehen überhaupt nicht. Und auch sonst nicht. Da sind Logiklöcher, die schreien förmlich. Die Autorin hätte ihren Roman vielleicht noch zwanzig Jahre weiter spannen müssen, „um mich zu kriegen“.

    Kategorie: Kriminalroman
    Verlag: Blanvalet, 2020

 

Der Verrat: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Verrat: Roman' von Ellen Sandberg
3.75
3.8 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Verrat: Roman"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:310
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Baskische Tragödie: Luc Verlains vierter Fall (Luc Verlain ermittelt 4)"

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Rezensionen zu "Der Verrat: Roman"

  1. Leider eine große Enttäuschung

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 10. Mär 2019 

    Dieses Buch hat unser Krimi-Lesekreis im Februar 2019 gelesen – und wider Erwarten waren wir allesamt nicht sehr angetan davon. In meiner Rezension möchte ich die wichtigsten Kritikpunkte ansprechen, die zur Sprache kamen.

    Spannung

    Vieles ist leider sehr vorhersehbar. Ich möchte hier keine konkreten Beispiele nennen, um nicht schon zu viel zu verraten, aber als Leser kann man viel zu früh erahnen, wo die sprichwörtliche Reise hingeht. Dadurch baut sich nach meinem Empfinden nur wenig Spannung auf.

    Überhaupt würde ich das Buch eher als Familiendrama bezeichnen denn als Krimi.

    Das alleine sehe ich noch nicht einmal als Kritikpunkt – auf dem Cover steht schließlich “Roman” und nicht “Kriminalroman” –, allerdings wird das Buch deutlich als Krimi vermarktet, und auch der Klappentext suggeriert dies.

    Originalität

    Der Grundgedanke, die Geschichte eines Familiengeheimnisses und einer erbitterten Feindschaft zwischen Schwestern vor der idyllischen Kulisse der saarländischen Weinlandschaft in Szene zu setzen, gefiel mir gut. Was für ein Kontrast zwischen der malerischen Landschaft und den hässlichen Emotionen! Leider konnte mich die Geschichte mit jedem Kapitel weniger von sich überzeugen.

    Charaktere

    Vieles wiederholt sich wieder und wieder und wieder. Über lange Strecken stecken die Charaktere in ihrer jeweiligen Endlosschleife fest, ohne dass sie sich dadurch sichtlich weiterentwickeln.

    Pia zum Beispiel denkt oft darüber nach, dass sie anscheinend unfähig ist, ein erfülltes Sexualleben zu führen, wobei das “Wunderland zwischen ihren Beinen” dennoch ausgiebig Erwähnung findet.

    Nane schwankt derweil zwischen Zorn, Verzweiflung und Selbsthass, trifft katastrophale Entscheidungen und bedient sich in den Passagen, die 1998 spielen, ausgiebig ihrer kleinen weißen Helferlein.

    Birgit, eigentlich die sympathischste der drei Schwestern, verliebt sich als Lehrerin 1998 in einen ihrer Schüler und beginnt eine sexuelle Beziehung mit ihm. Dabei ist sie sich keiner Schuld bewusst, denn sie lieben sich doch… Da brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen, dass sie 2018 nicht mehr als Lehrerin arbeitet.

    Die Mutter der Schwestern glaubt, ein Fluch liege über den Frauen der Familie – und das lässt die Autorin den Leser auch nie lange vergessen. Der Fluch hier, der Fluch da… Dabei benötigen die Frauen dieser Familie wohl keine übernatürliche Hilfe, um sich ins Verderben zu stürzen.

    Die Charaktere werden sehr plakativ gezeichnet und kamen mir daher sehr stereotyp vor. Wirklich sympathisch war mir keine der Frauen, die im Mittelpunkt stehen.

    Logik / Schlüssigkeit / Glaubhaftigkeit

    Die Geschichte hat an sich viel Potential, denn natürlich sind die Dinge nicht so einfach, wie sie anfangs erscheinen. Die Schuldfrage scheint zwar lange geklärt – schließlich hat Nane deswegen zwanzig Jahre im Gefängnis verbracht! –, aber die Wahrheit ist vielschichtiger und interessanter.

    Die Auflösung kann dann zumindest teilweise überraschen, kam mir aber etwas zu konstruiert vor. Für eine der Schwestern werden zwei Schwierigkeiten, zwei Hindernisse auf dem Weg zum Lebenstraum, meines Erachtens zu sauber und praktisch aufgelöst.

    Schreibstil

    Zunächst gefiel mir der Schreibstil gut – ich bin in einem Weinbaugebiet aufgewachsen und wusste besonders die landschaftlichen Beschreibungen zu schätzen! Der Roman liest sich auch durchaus flott und unterhaltsam, ich gewann nur zunehmend den Eindruck, dass die Sprache sehr klischeebehaftet ist.

    Auch hier wiederholt sich vieles, und manchmal hatte ich eher das Gefühl, ein Drehbuch für einen netten Vorabendfilm vor idyllischer Kulisse zu lesen.

    FAZIT

    Nane wird nach zwanzig Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Eine ihrer Schwestern hat Grund, sie zu hassen, die andere wünscht sich schwesterliche Versöhnung. Aber wie eindeutig und absolut ist Nanes Schuld überhaupt?

    Leider kommt meines Erachtens nur wenig Spannung auf. Die Hauptcharaktere waren mir zutiefst unsympathisch, die Geschichte krankt an Klischees und zahllosen Wiederholungen – sehr schade, denn eigentlich würde die Handlung genug Stoff bieten für ein großartiges Buch.

  1. Familiendrama

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Jan 2019 

    Drei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können und ihre Probleme mit der Liebe. Auf der Familie lastet ein Fluch behauptet deren Mutter. Sie muss es ja wissen, hat sie doch selbst Jahre vorher die Familie wegen der Liebe ihres Lebens verlassen und ist später reumütig wieder zurück gekehrt.

    Nane kommt nach zwanzig Jahren aus dem Gefängnis. Auch Jahre später lastet die Schuld am Tod von Henning, dem ersten Sohn ihres Schwagers, auf ihr. Sie möchte, um letztlich Frieden zu finden, mit ihrer Schwester Pia und Thomas deren Mann über die damalige Nacht sprechen. Beide waren dabei und könnten vielleicht doch ihre Unschuld beweisen. Doch Pia blockt ab, wie schon in der gesamten Haftzeit. Sie möchte mit ihrer kleinen Schwester nichts mehr zu tun haben. Lediglich Birgit, die mittlere der drei Schwestern, ist bereit Nane aufzunehmen. Sie hat ihr auch einen Job besorgt und sich um Wohnraum für sie gekümmert.

    Doch Nane gibt keine Ruhe! Sie lässt nichts unversucht, um an Thomas heranzukommen. Schließlich handelte es sich bei dem Toten um seinen Sohn aus erster Ehe. Beim ersten Zusammentreffen erleidet er einen schweren Herzanfall und liegt im Koma auf der Intensivstation. Auch Pia vermeidet es nach wie vor mit Nane über die Nacht zu sprechen. Was ist damals passiert! Wer war denn nun schuld am Tod von Henning? Lest selbst es lohnt sich in jedem Fall.

    Der Autorin gelingt es in diesem Buch ausgezeichnet den Leser zu manipulieren. Auf Spurensuche, was damals eigentlich geschehen ist, lernen wir die einzelnen Protagonisten sehr gut kennen. Von den drei Schwestern hat es Pia als erfolgreiche Restauratorin am besten getroffen. Sie ist glücklich verheiratet und lebt mit ihrer Familie auf einem erfolgreichen Weingut. Das sie und ihre Familie sich von Nane bedroht fühlen, kann man gut nachvollziehen. Ihr gilt die meiste Sympathie, auch von mir.

    Doch je mehr die Handlung fortschreitet, umso mehr wandelte sich mein Empfinden. Nane, die jüngste Schwester die zwanzig Jahre im Gefängnis gesessen hat und bis heute nicht weiß, ob sie nun wirklich schuld am Tod von Henning ist, erhält plötzlich von mir immer mehr Mitgefühl. Beim Lesen kann ich sehr gut ihre Situation nachempfinden. Sie möchte doch nur Gewissheit um die Ereignisse der damaligen Nacht. Auch wie sie kann ich nicht verstehen, warum niemand mit ihr reden will.

    Birgit, die mittlere Schwester ist so ein wenig die graue Maus. Sie hilft sowohl der einen Schwester, will es sich mit der anderen Schwester aber auch nicht verderben. Sie ist das klassische Mittelkind. Das Verhältnis der Schwestern wurde so überzeugend dargestellt, dass ich viele Reaktionen der Schwestern nachvollziehen konnte.

    Ich fand das Buch ausgesprochen spannend. Ich empfehle es unbedingt weiter und vergebe nur zu gerne fünf Lesesterne.

  1. Griechische Tragödie am Weinberg

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 25. Dez 2018 

    20 Jahre hat Nane im Gefängnis verbracht. Nach ihrer Entlassung, will sie Frieden schließen, um Vergebung bitten und vor allem ihre fehlenden Erinnerungen an das Verbrechen, das ihr zu Last gelegt wurde, auffrischen. So tritt sie wieder in das Leben ihrer Familie und der des Opfers. Doch auf der Suche nach der Wahrheit kommen so einige Lügen zu Tage.
    Ellen Sandberg ist das Pseudonym von Inge Löhnig, deren solide und lebensnahe Krimireihe um den Ermittler Dühnfort ich sehr gerne gelesen habe. Der Verrat ist nun ein anderes Genre, aber auch ein ganz anderes Leseerlebnis. So hat der Verrat alles was ein Schicksalsroman braucht, Geheimnisse, Intrigen Lügen, unerfüllte Liebe, Hass, Neid, Eifersucht. Handwerklich gibt es da auch nichts zu rütteln. Die Geschichte kann sprachlich durchaus fesseln, die Erzählstränge auf zwei Zeitebenen lassen sich gut verfolgen
    Aber dieses Buch konnte meinen Lesenerv nicht treffen, mich nicht erreichen. Ich fühlte mich nicht wohl, in diesem Schickimicki Ambiente. Die griechische Tragödie am Weinberg lässt an einen ZDF Zweiteiler denken, mit idyllischen Landschaftsbildern und dramatischen Akteurinnen. Was hier an tragischen Ereignissen zusammenkommt, war mir bald zu viel des Guten. Bei jeder Person schlägt das Schicksal zu und wenn man glaubt es geht nicht mehr, legt Sandberg noch ein bisschen nach. Da hätte für meinen Geschmack „weniger ist mehr“ dem Buch besser getan.

  1. Liebe und Eifersucht, Verrat und Rache – und dunkle Geheimnisse

    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Dez 2018 

    Mit „Der Verrat“ präsentiert Ellen Sandberg ihren zweiten großen Familien- und Spannungsroman. Er ist im Dezember 2018 bei Penguin erschienen und umfasst 480 Seiten.
    Nach zwanzigjähriger Haft wegen Mordes am Stiefsohn ihrer Schwester, Pia, wird Nane im Sommer 2018 aus dem Gefängnis entlassen. Da noch immer eine große Schuld auf ihr lastet, sucht sie Versöhnung mit ihrer Schwester und deren Mann, Thomas. Doch als Thomas einen Herzinfarkt erleidet und infolgedessen im Koma liegt, verwandelt sich die Suche nach Vergebung in eine Suche nach der Wahrheit. Was geschah wirklich im Sommer 1998 in den Weinbergen hoch oben über der Saar?
    Ich lese eher selten Familienromane, doch hat mich der Umstand, dass sich hinter dem Pseudonym Ellen Sandberg die Münchener Kriminalschriftstellerin Inge Löhnig verbirgt, zum Griff nach diesem Werk veranlasst. Und ich wurde in keinerlei Hinsicht enttäuscht: Der Roman liest sie spannend wie ein Psychothriller.
    Der Spannungsbogen ist von Anfang an gegeben, gegen Ende steigt er sogar bis ins Unermessliche. Immer wieder wird man beim Lesen auf falsche Fährten gelockt und durch unvorhergesehene Wendungen überrascht. Am Ende wird das Familiengeheimnis lückenlos aufgeklärt und hinterlässt einen tragischen Eindruck – so jedenfalls ging es mir.
    Auch dem Schreibstil der Autorin ist die durchgehende Spannung zu verdanken: Sprachlich nicht ohne Anspruch, aber dennoch gut verständlich, vermag es Sandberg, die Dramatik auch über den Satzbau zu transportieren. Kurze, fast fragmentarische Sätze wechseln sich mit eher beschreibenden Elementen ab und verleihen dem Lesen Tempo. Hatte ich einmal mit dem Lesen begonnen, gab es kein Halten mehr.
    Das Geschehen wird auf zwei Zeitebenen geschildert, die einander abwechseln: den aktuellen Ereignissen aus dem Sommer 2018 und denjenigen aus den Jahren 1997/98. Beide Zeitebenen verwebt die Autorin gekonnt miteinander, sodass man beim Lesen nach und nach die Tragik und die Umstände des zurückliegenden Mordfalls erfasst.
    Die Zahl der Charaktere ist übersichtlich, sie entstammen vor allem zwei Familien. Über weite Strecken des Romans bestimmen Frauen das Geschehen: die drei Schwestern Pia, Birgit und Nane. So unterschiedlich sie auf den ersten Blick auch sein mögen, eines haben sie alle drei gemeinsam: In ihnen schlummern dunkle Geheimnisse. Doch ebenfalls die übrigen Handelnden sind wandelbar sowie detailliert und lebensnah gezeichnet. Am Ende bleibt man mit der Frage zurück, wem man eigentlich noch trauen kann.
    Im Ganzen genommen, vereint „Der Verrat“ alles, was einen guten Roman ausmacht: Spannung, Dramatik und meisterliche Erzählweise. Ich jedenfalls kann dieses Buch allen nur wärmstens empfehlen.

 

Velmerstot (Ostwestfalen Krimi)

Buchseite und Rezensionen zu 'Velmerstot (Ostwestfalen Krimi)' von Jobst Schlennstedt
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Velmerstot (Ostwestfalen Krimi)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:224
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Baskische Tragödie: Luc Verlains vierter Fall (Luc Verlain ermittelt 4)"

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Rezensionen zu "Velmerstot (Ostwestfalen Krimi)"

  1. Unfassbar spannend

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Aug 2020 

    Auf dem lippischen Velmerstot werden drei Leichen gefunden, von denen die beiden Frauen enthauptet wurden. Hat der dritte Tote, ein Mann, sich vielleicht nach der Tat das Leben genommen? Kriminalkommissar Jan Oldinghaus und sein Team beginnen zu ermitteln.

    Auf diesen Krimi war ich sehr gespannt. Das Cover hat mich sofort angesprochen und auch der spannend klingende Klappentext sagte mir zu. Außerdem kannte ich bereits ein paar Bücher des Autors, die mir alle super gefallen hatten.
    Der Schreibstil war leicht verständlich, sehr lebendig und konnte dank bildhafter Sprache prima Bilder in meinem Kopf erzeugen. Es entstand eine spannende und mystische Atmosphäre, die mich dazu brachte, das Buch nicht mehr beiseite legen zu wollen - und auch nicht zu können.
    Die Charaktere wurden sehr authentisch beschrieben. Jan fand ich sehr sympathisch und durch die Einblicke ins Private erlangte er sehr viel Tiefe.
    Der Kriminalfall war unglaublich spannend. Ich hatte sehr viele Fragen im Kopf, konnte miträtseln und mitfiebern. Ich habe wirklich zu durchblicken, was bzw. wer dahintersteckt, doch das ist mir nicht gelungen. Die Spannung war auf einem extrem hohen Level und ich konnte teilweise nicht schnell genug lesen. Das Ende war großartig, extrem spannend und überraschend mit einem wahren Showdown.

    Mir hat dieser Krimi unfassbar gut gefallen. Von mir gibt es daher verdiente 5 von 5 Sternen.

 

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