Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine' von Serhii Plokhy
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Inhaltsangabe zu "Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:560
EAN:9783455015263
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Rezensionen zu "Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine"

  1. Aktuell, informativ, fundiert, klar verständlich

    „Die Ukraine, erst vor kurzem ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit gerückt, hat eine lange, dramatische und faszinierende Geschichte, die oft von den großen Narrativen der Imperien, die das Land jahrhundertelang beherrschten, überlagert wird.“ (Zitat Pos. 65)

    Thema und Inhalt
    Der Autor Serhii Plokhy, Historiker und Professor für ukrainische Geschichte, legt hier ein Werk über die mehr als zweitausend Jahre alte, wechselvolle Geschichte der Ukraine vor, von den Kimmerern, den Skythen, über die der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet, über die Rus-Wikinger, Mongolen, Kosaken, Österreich-Ungarn, die russischen Zaren, Russland, die UDSSR bis zur Eigenstaatlichkeit 1994, aktualisiert mit den Ereignissen ab 2014 und einem Epilog über das aktuelle Jahr 2022. Der Text wird ergänzt durch zehn Landkarten, welche 770 vor Christus beginnen, Zeittafeln, welche die Ereignisse im Zusammenhang mit der Ukraine in die wichtigen historischen Daten des Weltgeschehens einordnen. Es folgen das Who’s Who der ukrainischen Geschichte, eine Namenstafel, ebenfalls chronologisch und nicht alphabetisch, ein Literaturverzeichnis und Sachregister.

    Umsetzung
    Bereits Herodot gliedert das Land in Küste, Steppe, Wald und diese Unterteilung zieht sich durch die Jahrtausende der ukrainischen Geschichte, dieses Landes, das über Jahrhunderte um die Eigenständigkeit kämpfte und das doch immer wieder neu aufgeteilt und unterschiedlichen Ländern zugeordnet wurde. Der Autor betrachtet die unterschiedlichen Regionen nicht in getrennten Abschnitten, sondern immer gemeinsam, mit Blick auf das Ganze. So erfahren wir nicht nur über die unterschiedlichen Völker, die gleichzeitig in der Ukraine gelebt haben, die Herrscher, kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern auch über das Leben der Menschen, die wirtschaftliche Entwicklung, Gesellschaftsformen, Sprachen, Bildung, Politik und Religion.
    Es sind grundsätzliche Fragen, die in diesem Buch gestellt und beantwortet werden, Fragen wie: was hat die Ukraine-Krise ausgelöst, wodurch unterscheiden sich die Ukrainer von den Russen, wer hat Anspruch auf die Krim und die Ostukraine und die sich aus der Geschichte ergebenden Argumente. Auch die Veränderungen, die mit dem Euromaidan 2014, dem russischen Angriff auf die Krim und den Donbas einhergingen, werden geschildert, damit verbunden die Veränderungen in der ukrainischen Gesellschaft, in denen der heutige Widerstand begründet ist.
    Die Sprache ist informativ, sachlich und trotz der komplexen Themen erklärt der Autor die Zusammenhänge verständlich und nachvollziehbar.

    Fazit
    Dieses interessante, umfassende Werk über die Geschichte der Ukraine trägt zum besseren Verständnis der Entwicklungen in der Ukraine bei. Denn es ist die Geschichte eines großen Landes mit vielen unterschiedlichen Regionen, aus denen sich unterschiedliche kulturelle Räume ergeben, die jedoch eine gemeinsame Sprache, Geschichte und der Wille eint, die im Referendum vom 1. Dezember 1991 mit überwältigender Mehrheit bejahte Unabhängigkeit zu verteidigen. „In der Praxis gibt es keine einfach auszumachende kulturelle Grenze, die die Krim von den benachbarten Regionen der Südukraine oder den Donbas von den anderen östlichen Regionen scheiden würde.“ (Zitat Pos. 16238)

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Ein Haus und geteilte Leben

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein Haus und geteilte Leben' von Christiane Töllner
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Inhaltsangabe zu "Ein Haus und geteilte Leben"

Format:Taschenbuch
Seiten:230
EAN:9783939680710
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Rezensionen zu "Ein Haus und geteilte Leben"

  1. Deutsche Zeitgeschichte, interessant und packend erzählt

    „Aber als ein Haus ohne Gäste erreicht mich das Geschehen im Ort längst nicht mehr so wie früher. So geht diese Saison ziemlich an mir vorbei. Es fühlt sich an, als hätte es sich ausgesommert.“ (Zitat Seite 35)

    Inhalt
    Nach der „Aktion Rose“ am Beginn des Jahres 1953 sind Otto und Alma auf ihrer Flucht in Berlin angekommen und leben dort unter sehr bescheidenen Umständen. Das Haus vermisst sie sehr und sie vermissen ihre Heimat Rügen. Auch ihr Sohn Horst musste mit seiner Frau Rosi Greifswald verlassen, in den Westen fliehen. Er bewirbt sich um eine Stelle als Dozent auf Schloss Bieberstein in der Rhön, die er auch erhält. Immer mehr Freunde und Bekannte verlassen die DDR, das Haus beobachtet mit Sorge, wie es in Sellin leiser wird. Doch dann nimmt auch hier das Leben wieder Fahrt auf, wenn auch völlig anders als bisher. Das Haus wurde in kleine Wohneinheiten unterteilt und diese einzeln vermietet. Die Jahre vergehen, nun gibt es Radio und Fernsehen, und so ist auch das Haus über die aktuellen Ereignisse informiert, denkt darüber nach, es sind viele Themen: von der Politik, über das Tagesgeschehen, Kultur, bis zu den wichtigen Sportereignissen. Nach der Wende wartet das Haus sehnsüchtig auf Horst und Rosi, bis es im Jahr 1993 endlich so weit ist. Genau einhundert Jahre nach dem Bau des Hauses stehen sie nach mehr als vierzig Jahren zum ersten Mal wieder vor dem Haus und überlegen. Wird es ein neues Kapitel für das Haus „Helene“ geben?

    Thema und Genre
    Dieses Buch ist der zweite Teil der Geschichte des Hauses „Helene“ in Sellin auf Rügen und die damit verbundene Geschichte der Familie Töllner.

    Charaktere
    Der Erzähler ist das Haus 1903 erbaute Haus. Vor allem jedoch ist es die Geschichte der Menschen aus mehreren Generationen. Es sind Familienmitglieder, Freunde und Bekannte der Familie der Autorin.

    Handlung und Schreibstil
    Wie bereits im ersten Teil der Familiengeschichte ist es das Haus, das beobachtet, über die Beobachtungen und Informationen nachdenkt und diese erzählt. Es ist eine lebhafte, facettenreiche Mischung. Schilderungen des Alltags in der DDR, gleichzeitig auch in der Bundesrepublik, das Leben auf beiden Seiten der Mauer, werden mit der jeweils relevanten politischen und wirtschaftlichen Situation verknüpft. Auch über kulturelle Ereignisse berichtet das Haus und besondere Ereignise wie den Katastrophenwinter 1979 und so wird auch die Geschichte des Ostseebades Sellin und der Insel Rügen Teil der Handlung.
    In der zweiten Hälfte des Buches geht es um das wiedervereinigte Deutschland, die Unsicherheiten in den Jahren danach und die Veränderungen. Ein architektonisch interessantes Kapitel zeigt Bilder des baulichen Zustandes der einzelnen bekannten Häuser nach der Wende und heute, nach umfassenden Erhaltungsarbeiten. Anekdoten, Briefausschnitte und viele Fotografien ergänzen den Text. Im Anhang am Buchende finden sich der Stammbaum, das Abbildungsverzeichnis und eine ausführliche Quellenangabe.

    Fazit
    Eine facettenreiche, packende Reise durch die letzten siebzig Jahre Zeitgeschichte Sellins, der Insel Rügen und Deutschlands, und gleichzeitig ein Streifzug durch die zeitlose, beeindruckende Schönheit der Natur dieser Insel. Wer diese wechselvollen Jahre erlebt hat, wird durch dieses Buch sicher auch in eigene Erinnerungen zurückgeführt. Für die jüngere Generation, die Urlaubsgäste aus allen Teilen Deutschlands und Europas, oder eine Wienerin auf Rügen wie mich, bietet dieses Buch eine Fülle von neuem Wissen, eindrücklich und persönlich berichtet, aus einer originellen Erzählperspektive geschildert, und mit unterhaltsamer Leichtigkeit zu lesen.

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Zeitenwende: Putins Krieg und die Folgen

Buchseite und Rezensionen zu 'Zeitenwende: Putins Krieg und die Folgen' von Rüdiger von Fritsch
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Inhaltsangabe zu "Zeitenwende: Putins Krieg und die Folgen"

Format:Broschiert
Seiten:183
Verlag: Aufbau
EAN:9783351041762
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Rezensionen zu "Zeitenwende: Putins Krieg und die Folgen"

  1. So schreibt man ein Sachbuch für die Allgemeinheit!

    Kurzmeinung: Gut, man kann sich das alles aus der Zeitung zusammensuchen - aber so ist es doch viel bequemer.

    Man merkt dem Büchlein an, dass sein Autor „an der Front war“ bzw. weiß, wovon er spricht und dass er sein Wissen aus tätiger Erfahrung und nicht nur aus der Schreibstube hat. Als Diplomat war er von 2014 bis 2019 Botschafter in Russland.

    Rüdiger von Fritsch schreibt: „Der russische Präsident begab sich auf eine historische Mission, die Berufung Russlands zu vollenden und sich selbst einen Platz in der Geschichte des Landes und der Weltgeschichte zu sichern. Auf schreckliche Weise sollte ihm dies gelingen.“

    Als Leser versteht man (endlich), dass das ganze wunderschöne Land dem fatalen Wahn Putins geopfert werden soll, Russland zur einstigen zaristischen Größe zurückzuführen; was die Russen (einst) einmal besaßen, wird so angesehen, dass es für immer zu ihnen gehört und nur „heimgeholt“ werden muss. Ein solches Machtverständnis erinnert an den Islam, der genau so argumentiert. Eigentlich ist die „Russifizierung der Welt“ das Ziel. Russland ist ein imperialistischer Staat bis auf die Knochen, der Kommunismus besteht quasi nur noch auf dem Papier, keine Macht geht vom Volke aus –es ist eine Diktatur geworden.

    Alles Unliebsame wird zu „ausländischer Agentenschaft“ erklärt, Furcht zu verbreiten ist das staatliche Mittel der Zeit, Korruption und Vetternwirtschaft blühen, Käuflichkeit und Erpressung sind an der Tagesordnung. Die heimische Wirtschaft jedoch liegt mehr oder weniger am Boden. Trotzdem fühlt sich „der Russe“ überlegen, die Progandanda hat ihn voll im Griff. Doch wie lange wird dies noch so weitergehen, wenn der Krieg anhält und eine generelle Mobilmachung nicht mehr verschleiern kann, dass Russland Krieg führt?

    Rüdiger von Fritsch überfordert nicht durch (unnötige) Daten, zieht dennoch einen weiten Bogen und gibt eine vorsichtige Einschätzung der Zukunft. Alles ist unterlegt durch eigene Anschauung, sauber zu Papier gebracht, stringent, in einem Guß.

    Fazit: So will ich das popälarwissenschaftliche politische Buch. Ohne Bandwurmsätze, klar verständlich, klare Meinung, klare Kante. Frisch zeigt, dass es möglich ist.

    Aufbauverlag, 2022
    Kategorie: Sachbuch. Politik.

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Im Untergrund

Buchseite und Rezensionen zu 'Im Untergrund' von Patrizia Schlosser
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Inhaltsangabe zu "Im Untergrund"

Format:Broschiert
Seiten:256
EAN:9783455006490
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Rezensionen zu "Im Untergrund"

  1. Wer ist noch übrig von der RAF?

    „Basierend auf einer audible Original Podcast-Produktion“ bringt Hoffmann & Campe das Buch heraus: Im Untergrund von Patrizia Schlosser.

    Dem Podcast, in diesem Fall keine Serie von Medienbeiträgen oder Mediendateien, sondern eher ein Hörspiel, widmete ich mich bereits am 17. Januar 2019, nicht ohne auf eine weitere Besprechung hinzuweisen: Rudolf Fröhlich hatte 2013 PATENTÖCHTER besprochen, in dem Julia Albrecht und Corinna Ponto über das tödliche Attentat auf Corinna Pontos Vater im Jahr 1977 berichteten, verübt von Julias Schwester Susanne und anderen RAF - Angehörigen. Damals im sogenannten Deutschen Herbst.

    Was ist noch übrig von der Roten Armee Fraktion? Der kommunistischen, antiimperialistischen deutschen Stadtguerilla?

    Die Geschichte, die Patrizia Schlosser erzählt, handelt von zweierlei: Da ist zum einen eine Serie von Raubüberfällen, die von Daniela Klette, Ernst Volker Staub und Burkhard Garweg verübt wurden sein sollen, DNA-Spuren weisen auf die drei untergetauchten RAF-Mitglieder hin. Zwölf derartige Verbrechen sollen sie vermutlich hauptsächlich zur Finanzierung ihres verborgenen Lebens begangen haben.

    Die zweite Geschichte behandelt die Vorgänge auf dem Flugfeld Fürstenfeldbruck im Jahre 1972, als 11 israelische Olympiateilnehmer, Geiseln palästinensischer Terroristen, nicht zuletzt wegen des dilettantischen Polizeieinsatzes ums Leben kamen. In vielen Büchern, Spiel- und Dokumentarfilmen wurde davon berichtet, doch noch nie aus der Sicht der bayerischen Bereitschaftspolizisten, die auf dem Flugfeld die Geiseln befreien sollten. Der Vater der Autorin des vorliegenden Buches gehörte zu diesen und erzählt seiner Tochter seine Geschichte.

    Beide recherchieren und suchen nach Spuren der oben genannten linksextremen Terroristen, es geht nicht vordringlich darum, diese zu finden. Vielmehr suchen sie nach den Gründen eines solchen Lebens im Untergrund, ergründen Ideologie, Unterstützung, treffen Anwälte, Ermittler und andere ehemalige RAF-Angehörige. Sie treffen auf Ablehnung, auf Angst, denn gegenüber dem „Staat“, den „Bullen“ und der „Journaille“ wird geschwiegen. Trotzdem erhalten sie, zwanzig Jahre nach dem „Rückzug“ der RAF, „Einblick in eine verschwiegene Szene“. (Buchrücken)

    * * *

    Schlosser bemerkt im Vorwort, dass sich die Recherche nach dem Podcast „gewissermaßen verselbstständigt“ hat. Sie sammelte immer neues Material und so ist dieses Buch selbstverständlich umfangreicher und informativer als das Podcast. Der eigentliche Auslöser sollen aber die Zuschriften gewesen sein, die die Auseinandersetzung von Vater und Tochter, deren Konflikt behandelten. Sicher dürfte das Hören und das Lesen zu Fragen an Bekannte und Verwandte führen, die vor allem im Westen der Republik Erinnerungen an die RAF-Zeit hatten. Die Autorin Patrizia Schlosser meint dann auch, dass es Auslöser für die eigene Beschäftigung mit der jeweiligen Familiengeschichte sein könnte. Oder mit der eigenen wie bei Bloggermitstreiter Rudolf.

    * * *

    Leserinnen und Leser werden, das Interesse an diesem Teil der deutschen Geschichte vorausgesetzt, unterschiedliche Schwerpunkte für sich erkennen. Da ist einerseits das so meines Wissens noch nicht beschriebene Desaster des Befreiungsversuches der israelischen Olympiateilnehmer. Hier erzählt einer, der eben keine Bücher geschrieben, Dokumentationen gedreht oder an Talkshows teilnahm, hier erzählt einer, der als Bereitschaftspolizist die Ratlosigkeit diverser Vorgesetzter und Politiker (unter diesen Franz Joseph Strauß) am Tower in Fürstenfeldbruck selber gesehen hat. Die Schießerei, die Handgranaten, die toten Geiseln und Geiselnehmer, dass alles hat sich in das Gedächtnis des rund Siebzigjährigen eingebrannt. Aus diesem Blickwinkel wird einem die Notwendigkeit der Gründung einer Spezialeinheit, die solchen Attentaten begegnen kann, plastisch vor Augen geführt.

    Ein zweiter Aspekt ist der des Linksextremismus und Linksterrorismus. Auch hier gibt es den Konflikt zwischen Vater und Tochter, die dem eher konservativen Vater linke Gedanken gegenüber stellt. Im Film Der Bader-Meinhof-Komplex erklärt der damalige Präsident des BKA, Horst Herhold, unmittelbar nach dem Olympiaattentat von 1972, dass die Palästinenser Terroranschläge verüben, weil ihnen in der Welt keiner zuhört, auch in Bezug auf ihre Landforderung gegenüber den Israelis und dass man ihnen nicht starr und rein ablehnend gegenübertreten darf. Herold muss unmittelbar nach der Aussage bestätigen, dass er damit keinesfalls die Anschläge palästinensischer Terrorgruppen relativieren oder gut heißen will.

    So wird man die Proteste gegen des Schah-Regime oder den Vietnamkrieg gutheißen können, die Formen des sogenannten „revolutionären Kampfes“ ablehnen müssen, zu denen Ulrike Meinhof ausführte: „Das ist ein Problem und wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine. Wir sagen, der Typ in Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden.“

    Insofern ergeben sich manche Parallelen bei unserer Betrachtung heutiger Zeit, Politik und jüngst zurückliegender Geschichte.

    Der Podcast ist lebendig, lebt von den Dialogen und szenisch passend aufgebaut, die einzelnen Kapitel mit musikalischen Mitteln getrennt. Beim Lesen des Buches, welches umfangreicher und detailreicher, lässt es sich besser zurückblättern, manche Fußnote ermöglicht die Recherche und das Verzeichnis zu nützlichen Büchern und Filmen rundet das Buch ab.

    Der Bücherjunge

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Die Toten vom Djatlow-Pass

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Toten vom Djatlow-Pass' von Alexej Rakitin
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Inhaltsangabe zu "Die Toten vom Djatlow-Pass"

Format:Broschiert
Seiten:672
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442716043
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Rezensionen zu "Die Toten vom Djatlow-Pass"

  1. Akribische Rekonstruktion eines Dramas

    Sowjetunion, Februar 1959. Eine Gruppe junger Leute macht sich auf eine Wandertour im eisigen, unwirtlichen Ural. Keiner der neun Wanderer wird von dieser Tour zurückkommen. Ihr Tod ist eines der letzten Rätsel des kalten Krieges.

    Es sind junge Studenten und Ingenieure, die sich im Winter 1959 zu einer Schiwanderung im Otorten Gebirge aufmachen. Sie alle sind bester Gesundheit, gut ausgebildet und ausgerüstet. Doch als am vereinbarten Tag die Meldung der Gruppe ausbleibt, werden Suchtrupps ausgeschickt. Nach und nach können alle Beteiligten der Wandergruppe nur mehr tot geborgen werden. Es sind mysteriöse Umstände. Die Körper der Toten befinden sich an unterschiedlichen Orten, tragen zahlreiche Verletzungen, sind zum Teil unzureichend gekleidet. Das Lager ist verwüstet, das Zelt zerschnitten.

    In einer unglaublich detaillierten Recherche beginnt der Autor Alexej Rakitin – er schreibt unter einem Pseudonym – die ungeklärten Umstände zu analysieren. In den lang geheim gehaltenen Unterlagen finden sich umfangreiche Autopsieberichte, Beweisaufnahmen, Ermittlungsakte.

    „Im Großen und Ganzen trafen die Moskauer Experten überaus vorsichtige, um nicht zu sagen ausweichende Aussagen. Sie schrieben niemandem die Schuld an der Tragödie zu und enthielten sich eindeutiger Wertungen. In ihren Formulierungen spürt man den Geist der Bürokratie, der potenziell gefährliche Inhalte meidet.“

    Es gibt hunderte Theorien, die zu den tragischen Todesfällen herumschwirren. Natürliche, wie ein Lawinenunglück, kriminelle oder metaphysische Ursachen kursieren durch diverse Gemeinschaften von Verschwörungstheoretikern- Man merkt nahezu mit welchem spöttischen Lächeln der Autor, die meisten davon hinwegfegt
    Denn als der Autor in den Akten auf Hinweis für Radioaktivität stößt, beginnt er ein spannendes und durchaus nachvollziehbares Szenario von Spionage und Gegenspionage zu konstruieren.

    Um dieses Buch zu verstehen, muss man sich in die damalige Zeit der Sowjetunion, des Kalten Krieges hineinversetzen. Die Machthaber agierten hinter verschlossenen Türen, Kriminalität existierte offiziell nicht. Die atomare Bedrohung aus dem Westen schwebte über allem wie ein Damoklesschwert.

    Rakitins Überlegungen lesen sich durchaus schlüssig, wenn man die Geduld aufbringen konnte, sämtlichen Ausführungen zu folgen und die Flut an Informationen aufzunehmen. Im Grunde liest es sich wie eine (populär)wissenschaftliche Arbeit und man muss höllisch aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren. Für diese äußerst akribische Arbeit kann man den Autor durchaus loben. Ob sich alles so zugetragen hat, wie er schreibt, oder ob es sich nur um eine weitere von vielen Spekulationen handelt? Wer weiß das schon.

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Eiszeit

Buchseite und Rezensionen zu 'Eiszeit' von Gabriele Krone-Schmalz
NAN
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Inhaltsangabe zu "Eiszeit"

Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist
Broschiertes Buch
Zwischen Russland und dem Westen herrscht Eiszeit. Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Horrornachricht aus dem "Reich des Bösen". Warum ist das so? Geht es wirklich nur um Menschenrechte und westliche Werte? Wie kommt es eigentlich, dass immer gerade die Staaten ins Visier geraten, die den Westen geostrategisch herausfordern?

In ihrem neuen Buch warnt Gabriele Krone-Schmalz vor einem Rückfall in die einfachen Denkmuster und klaren Feindbilder des Kalten Krieges. Wladimir Putins Ziele seien expansiv, wird behauptet, er bedrohe Polen und das Baltikum. Doch auf welcher Grundlage werden diese Schlussfolgerungen eigentlich gezogen? Könnte es nicht auch sein, dass Russland aus der strategischen Defensive heraus handelt und versucht, bestehende Einflusszonen zu halten? Wer agiert, wer reagiert? Und welche Politik sollten wir daher gegenüber Russland verfolgen: Eindämmung durch Abschreckung oder Wandel durch Annäherung? Eigentlich müsste über diese Fragen offen gestritten werden. Stattdessen werden Abweichler als Russlandversteher diffamiert und ausgegrenzt. Und das obwohl es um die wichtigste Frage überhaupt geht: das friedliche Zusammenleben mit unseren Nachbarn.

Format:Taschenbuch
Seiten:304
Verlag: C.H.Beck
EAN:9783406714122
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Die Affäre Schiwago

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Affäre Schiwago' von Petra Couvée
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Inhaltsangabe zu "Die Affäre Schiwago"

Doktor Schiwago , der Roman von Boris Pasternak, wird mitten im Kalten Krieg zur ideologischen Waffe: Ein italienischer Verlagsagent bringt das vom Kreml auf die Schwarze Liste gesetzte Buch heimlich außer Landes. Im Westen wird es in kurzer Zeit zum Welterfolg. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Die CIA veröffentlicht eine russische Version von Doktor Schiwago und schmuggelt sie nach Moskau, um das Sowjetregime zu schwächen. Es beginnt eine Propagandaschlacht, die den Autor Pasternak in Lebensgefahr bringt. Peter Finn und Petra Couveé entschlüsseln in ihrem Buch über die Affäre Schiwago mit Bravour das gefährliche Verwirrspiel um Ideologie, Macht und Kontrolle. Sie erhielten erstmals Einsicht in die CIA-Akten, recherchierten in russischen Archiven und sprachen mit Überlebenden. Entstanden ist ein literarischer Thriller aus der Zeit des Kalten Krieges: temporeich, authentisch und präzise.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:400
EAN:9783806232639
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Rezensionen zu "Die Affäre Schiwago"

  1. Auf den Spuren Pasternaks

    Für den einen ist es einer der schönsten, klassischen und poetischen Liebesromane der Weltliteratur (dazu zähle ich mich) und für den anderen war oder ist es noch immer ein Buch, mit dem der Schriftsteller sein Land und seine Lebensweise hintergeht und verrät - Doktor Schiwago. In ihrem nun in deutscher Sprache vorliegenden Buch „Die Affäre Schiwago“ erzählt das Autorenduo Petra Couvée und Peter Finn wie das Buch zur Veröffentlichung kam, trotzdem es von der russischen kommunistischen Partei verboten wurde. Außerdem stellen sie in ihrem Sachbuch dar, wie der Schriftsteller Boris Pasternak zwischen die Fänge der Kommunisten seines Landes und dem CIA geriet. Die beiden Autoren haben dazu akribisch recherchiert und die gesamte Entstehungsgeschichte des Romans zusammen getragen. Sie erstellen mit ihrem Buch gleichzeitig eine Biografie über Boris Pasternak selbst. Nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist veröffentlichte die US-Regierung im April 2014 Dokumente aus jener Zeit, die eine Unterstützung der Veröffentlichung des Buches in russischer Sprache durch die CIA bestätigen, diese Unterlagen haben die Autoren eingesehen und mit vielen anderen Quellen für ihr Buch verwendet.

    Herausgekommen ist ein anspruchsvolles und spannendes Sachbuch, das fundierte Einblicke in die Historie gewährt und uns Lesern die Zusammenhänge und Hintergründe über die Person Boris Pasternaks, die Geschichte des Landes und die Lebensverhältnisse zur damaligen Zeit erläutern. Pasternak hatte zwar versucht, sein Werk in Russland zu veröffentlichen, doch als ihm dies nicht gelang hat er sich für einen anderen Weg entschieden, denn es war ihm wichtig, dass sein Werk in der Welt bekannt wird, auch wenn dies Konsequenzen für ihn selbst haben könnte und sogar sein Todesurteil hätte sein können.

    Sehr gerne vergebe ich dem Buch seine verdienten fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es natürlich weiter an geschichtlich interessierte Leser und denke, dass es für alle Fans des Romans „Doktor Schiwago“ nahezu ein Muss ist, dieses Buch zu lesen. Ich halte es für eine äußerst interessante Lektüre, die aber auch erhöhter Konzentration bedarf, um die Zusammenhänge und geschichtlichen Abläufe zu verstehen.

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Wir Angepassten: Überleben in der DDR

Buchseite und Rezensionen zu 'Wir Angepassten: Überleben in der DDR' von Roland Jahn
NAN
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Inhaltsangabe zu "Wir Angepassten: Überleben in der DDR"

Zur Wahl gehen oder den Studienplatz riskieren? Den Kontakt zur Tante im Westen abbrechen oder den beruflichen Aufstieg gefährden? Solchen und ähnlichen Fragen haben sich viele Menschen in der DDR stellen müssen. Roland Jahn, selbst ein »Rädchen im Mechanismus der Diktatur«, bevor er sich verweigerte, erzählt von den Zumutungen des Alltags in der DDR. Und er fragt, warum sich so viele den Vorgaben des SED-Staates angepasst haben. Wie groß war letztlich der Spielraum, den der Einzelne hatte?
»Wie habe ich in der DDR gelebt? Einfach ist es nicht, sich dieser Frage zu nähern. Sie birgt die Gefahr, unbequem zu werden für jeden, der ihr ernsthaft nachgeht. War ich angepasst? Habe ich widersprochen? Hätte ich anders handeln können? Mir geht es dabei um Aufklärung, nicht um Abrechnung. Ich will vor allem Mut machen zu erzählen. Weniger werten und voreilige Schlüsse ziehen als vielmehr ein offenes Gespräch führen. Denn es gibt keinen allgemein gültigen Maßstab über das ›richtige‹ Verhalten in einer Diktatur.« So beschreibt Roland Jahn das Anliegen seines Buches. In elf Kapiteln reflektiert er aus eigener Erinnerung das Leben in der DDR zwischen den Polen Anpassung und Widerspruch. wehtut, wir sollten Antworten suchen.

Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:191
Verlag: Piper ebooks
EAN:
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