Im Untergrund: Der Arsch von Franz Josef Strauß, die RAF, mein Vater und ich

Rezensionen zu "Im Untergrund: Der Arsch von Franz Josef Strauß, die RAF, mein Vater und ich"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Nov 2019 

    Wer ist noch übrig von der RAF?

    „Basierend auf einer audible Original Podcast-Produktion“ bringt Hoffmann & Campe das Buch heraus: Im Untergrund von Patrizia Schlosser.

    Dem Podcast, in diesem Fall keine Serie von Medienbeiträgen oder Mediendateien, sondern eher ein Hörspiel, widmete ich mich bereits am 17. Januar 2019, nicht ohne auf eine weitere Besprechung hinzuweisen: Rudolf Fröhlich hatte 2013 PATENTÖCHTER besprochen, in dem Julia Albrecht und Corinna Ponto über das tödliche Attentat auf Corinna Pontos Vater im Jahr 1977 berichteten, verübt von Julias Schwester Susanne und anderen RAF - Angehörigen. Damals im sogenannten Deutschen Herbst.

    Was ist noch übrig von der Roten Armee Fraktion? Der kommunistischen, antiimperialistischen deutschen Stadtguerilla?

    Die Geschichte, die Patrizia Schlosser erzählt, handelt von zweierlei: Da ist zum einen eine Serie von Raubüberfällen, die von Daniela Klette, Ernst Volker Staub und Burkhard Garweg verübt wurden sein sollen, DNA-Spuren weisen auf die drei untergetauchten RAF-Mitglieder hin. Zwölf derartige Verbrechen sollen sie vermutlich hauptsächlich zur Finanzierung ihres verborgenen Lebens begangen haben.

    Die zweite Geschichte behandelt die Vorgänge auf dem Flugfeld Fürstenfeldbruck im Jahre 1972, als 11 israelische Olympiateilnehmer, Geiseln palästinensischer Terroristen, nicht zuletzt wegen des dilettantischen Polizeieinsatzes ums Leben kamen. In vielen Büchern, Spiel- und Dokumentarfilmen wurde davon berichtet, doch noch nie aus der Sicht der bayerischen Bereitschaftspolizisten, die auf dem Flugfeld die Geiseln befreien sollten. Der Vater der Autorin des vorliegenden Buches gehörte zu diesen und erzählt seiner Tochter seine Geschichte.

    Beide recherchieren und suchen nach Spuren der oben genannten linksextremen Terroristen, es geht nicht vordringlich darum, diese zu finden. Vielmehr suchen sie nach den Gründen eines solchen Lebens im Untergrund, ergründen Ideologie, Unterstützung, treffen Anwälte, Ermittler und andere ehemalige RAF-Angehörige. Sie treffen auf Ablehnung, auf Angst, denn gegenüber dem „Staat“, den „Bullen“ und der „Journaille“ wird geschwiegen. Trotzdem erhalten sie, zwanzig Jahre nach dem „Rückzug“ der RAF, „Einblick in eine verschwiegene Szene“. (Buchrücken)

    * * *

    Schlosser bemerkt im Vorwort, dass sich die Recherche nach dem Podcast „gewissermaßen verselbstständigt“ hat. Sie sammelte immer neues Material und so ist dieses Buch selbstverständlich umfangreicher und informativer als das Podcast. Der eigentliche Auslöser sollen aber die Zuschriften gewesen sein, die die Auseinandersetzung von Vater und Tochter, deren Konflikt behandelten. Sicher dürfte das Hören und das Lesen zu Fragen an Bekannte und Verwandte führen, die vor allem im Westen der Republik Erinnerungen an die RAF-Zeit hatten. Die Autorin Patrizia Schlosser meint dann auch, dass es Auslöser für die eigene Beschäftigung mit der jeweiligen Familiengeschichte sein könnte. Oder mit der eigenen wie bei Bloggermitstreiter Rudolf.

    * * *

    Leserinnen und Leser werden, das Interesse an diesem Teil der deutschen Geschichte vorausgesetzt, unterschiedliche Schwerpunkte für sich erkennen. Da ist einerseits das so meines Wissens noch nicht beschriebene Desaster des Befreiungsversuches der israelischen Olympiateilnehmer. Hier erzählt einer, der eben keine Bücher geschrieben, Dokumentationen gedreht oder an Talkshows teilnahm, hier erzählt einer, der als Bereitschaftspolizist die Ratlosigkeit diverser Vorgesetzter und Politiker (unter diesen Franz Joseph Strauß) am Tower in Fürstenfeldbruck selber gesehen hat. Die Schießerei, die Handgranaten, die toten Geiseln und Geiselnehmer, dass alles hat sich in das Gedächtnis des rund Siebzigjährigen eingebrannt. Aus diesem Blickwinkel wird einem die Notwendigkeit der Gründung einer Spezialeinheit, die solchen Attentaten begegnen kann, plastisch vor Augen geführt.

    Ein zweiter Aspekt ist der des Linksextremismus und Linksterrorismus. Auch hier gibt es den Konflikt zwischen Vater und Tochter, die dem eher konservativen Vater linke Gedanken gegenüber stellt. Im Film Der Bader-Meinhof-Komplex erklärt der damalige Präsident des BKA, Horst Herhold, unmittelbar nach dem Olympiaattentat von 1972, dass die Palästinenser Terroranschläge verüben, weil ihnen in der Welt keiner zuhört, auch in Bezug auf ihre Landforderung gegenüber den Israelis und dass man ihnen nicht starr und rein ablehnend gegenübertreten darf. Herold muss unmittelbar nach der Aussage bestätigen, dass er damit keinesfalls die Anschläge palästinensischer Terrorgruppen relativieren oder gut heißen will.

    So wird man die Proteste gegen des Schah-Regime oder den Vietnamkrieg gutheißen können, die Formen des sogenannten „revolutionären Kampfes“ ablehnen müssen, zu denen Ulrike Meinhof ausführte: „Das ist ein Problem und wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine. Wir sagen, der Typ in Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden.“

    Insofern ergeben sich manche Parallelen bei unserer Betrachtung heutiger Zeit, Politik und jüngst zurückliegender Geschichte.

    Der Podcast ist lebendig, lebt von den Dialogen und szenisch passend aufgebaut, die einzelnen Kapitel mit musikalischen Mitteln getrennt. Beim Lesen des Buches, welches umfangreicher und detailreicher, lässt es sich besser zurückblättern, manche Fußnote ermöglicht die Recherche und das Verzeichnis zu nützlichen Büchern und Filmen rundet das Buch ab.

    Der Bücherjunge

 

Republik der Angst: Eine andere Geschichte der Bundesrepublik

Buchseite und Rezensionen zu 'Republik der Angst: Eine andere Geschichte der Bundesrepublik' von Frank Biess
NAN
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Eine andere Geschichte der Bundesrepublik
Gebundenes Buch
Die Anatomie der deutschen Angst.
Frank Biess erzählt die Geschichte der Bundesrepublik als eine Geschichte kollektiver Ängste. Die Furcht vor Vergeltung in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Angst vor einem Atomkrieg und kommunistischer Infiltration in den fünfziger Jahren und dann vor Arbeitslosigkeit durch Automatisierung und vor autoritären politischen Tendenzen, schließlich die apokalyptischen Ängste der achtziger Jahre: Immer waren die politischen Debatten und die deutsche Politik von Angst geprägt, nicht zuletzt von der Angst vor der vermeintlichen Allgegenwart des Faschismus.
Biess geht es nicht darum, im Rückblick die Berechtigung dieser Ängste zu bewerten. Er beschreibt vielmehr ihre prägende Rolle für die Entwicklung des Landes. Die Erfahrung von Krieg und Gewalt, lautet seine These, begleitete die Demokratisierung und Liberalisierung der Bundesrepublik; die Angst stellte die soziale und politische Ordnung in Frage - und stabilisierte sie zur gleichen Zeit.
Schließlich diskutiert der Autor die Auswirkungen dieser Angstgeschichte auf die politische Kultur der Berliner Republik. Sind die aktuellen Ängste vor Krieg, Einwanderung und Terrorismus noch spezifisch deutsch, also auf die deutsche Vergangenheit bezogen? Oder spiegeln sie allgemeinere "transnationale" Befürchtungen, die sich in anderen westlichen Nationen auch finden lassen? Er geht damit der spannenden Frage nach, ob die Geschichte der "deutschen Angst" heute an ihr Ende gelangt ist.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:624
EAN:9783498006785
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Die Toten vom Djatlow-Pass: Eines der letzten Geheimnisse des Kalten Krieges

Rezensionen zu "Die Toten vom Djatlow-Pass: Eines der letzten Geheimnisse des Kalten Krieges"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 02. Apr 2019 

    Akribische Rekonstruktion eines Dramas

    Sowjetunion, Februar 1959. Eine Gruppe junger Leute macht sich auf eine Wandertour im eisigen, unwirtlichen Ural. Keiner der neun Wanderer wird von dieser Tour zurückkommen. Ihr Tod ist eines der letzten Rätsel des kalten Krieges.

    Es sind junge Studenten und Ingenieure, die sich im Winter 1959 zu einer Schiwanderung im Otorten Gebirge aufmachen. Sie alle sind bester Gesundheit, gut ausgebildet und ausgerüstet. Doch als am vereinbarten Tag die Meldung der Gruppe ausbleibt, werden Suchtrupps ausgeschickt. Nach und nach können alle Beteiligten der Wandergruppe nur mehr tot geborgen werden. Es sind mysteriöse Umstände. Die Körper der Toten befinden sich an unterschiedlichen Orten, tragen zahlreiche Verletzungen, sind zum Teil unzureichend gekleidet. Das Lager ist verwüstet, das Zelt zerschnitten.

    In einer unglaublich detaillierten Recherche beginnt der Autor Alexej Rakitin – er schreibt unter einem Pseudonym – die ungeklärten Umstände zu analysieren. In den lang geheim gehaltenen Unterlagen finden sich umfangreiche Autopsieberichte, Beweisaufnahmen, Ermittlungsakte.

    „Im Großen und Ganzen trafen die Moskauer Experten überaus vorsichtige, um nicht zu sagen ausweichende Aussagen. Sie schrieben niemandem die Schuld an der Tragödie zu und enthielten sich eindeutiger Wertungen. In ihren Formulierungen spürt man den Geist der Bürokratie, der potenziell gefährliche Inhalte meidet.“

    Es gibt hunderte Theorien, die zu den tragischen Todesfällen herumschwirren. Natürliche, wie ein Lawinenunglück, kriminelle oder metaphysische Ursachen kursieren durch diverse Gemeinschaften von Verschwörungstheoretikern- Man merkt nahezu mit welchem spöttischen Lächeln der Autor, die meisten davon hinwegfegt
    Denn als der Autor in den Akten auf Hinweis für Radioaktivität stößt, beginnt er ein spannendes und durchaus nachvollziehbares Szenario von Spionage und Gegenspionage zu konstruieren.

    Um dieses Buch zu verstehen, muss man sich in die damalige Zeit der Sowjetunion, des Kalten Krieges hineinversetzen. Die Machthaber agierten hinter verschlossenen Türen, Kriminalität existierte offiziell nicht. Die atomare Bedrohung aus dem Westen schwebte über allem wie ein Damoklesschwert.

    Rakitins Überlegungen lesen sich durchaus schlüssig, wenn man die Geduld aufbringen konnte, sämtlichen Ausführungen zu folgen und die Flut an Informationen aufzunehmen. Im Grunde liest es sich wie eine (populär)wissenschaftliche Arbeit und man muss höllisch aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren. Für diese äußerst akribische Arbeit kann man den Autor durchaus loben. Ob sich alles so zugetragen hat, wie er schreibt, oder ob es sich nur um eine weitere von vielen Spekulationen handelt? Wer weiß das schon.

 

Eiszeit: Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist

Buchseite und Rezensionen zu 'Eiszeit: Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist' von Gabriele Krone-Schmalz
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Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist
Broschiertes Buch
Zwischen Russland und dem Westen herrscht Eiszeit. Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Horrornachricht aus dem "Reich des Bösen". Warum ist das so? Geht es wirklich nur um Menschenrechte und westliche Werte? Wie kommt es eigentlich, dass immer gerade die Staaten ins Visier geraten, die den Westen geostrategisch herausfordern?

In ihrem neuen Buch warnt Gabriele Krone-Schmalz vor einem Rückfall in die einfachen Denkmuster und klaren Feindbilder des Kalten Krieges. Wladimir Putins Ziele seien expansiv, wird behauptet, er bedrohe Polen und das Baltikum. Doch auf welcher Grundlage werden diese Schlussfolgerungen eigentlich gezogen? Könnte es nicht auch sein, dass Russland aus der strategischen Defensive heraus handelt und versucht, bestehende Einflusszonen zu halten? Wer agiert, wer reagiert? Und welche Politik sollten wir daher gegenüber Russland verfolgen: Eindämmung durch Abschreckung oder Wandel durch Annäherung? Eigentlich müsste über diese Fragen offen gestritten werden. Stattdessen werden Abweichler als Russlandversteher diffamiert und ausgegrenzt. Und das obwohl es um die wichtigste Frage überhaupt geht: das friedliche Zusammenleben mit unseren Nachbarn.

Format:Taschenbuch
Seiten:304
Verlag: C.H.Beck
EAN:9783406714122
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Eiszeit: Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist (Beck Paperback)

Buchseite und Rezensionen zu 'Eiszeit: Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist (Beck Paperback)' von Gabriele Krone-Schmalz
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Zwischen Russland und dem Westen herrscht Eiszeit. Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Horrornachricht aus dem "Reich des Bösen". Warum ist das so? Geht es wirklich nur um Menschenrechte und westliche Werte? Wie kommt es eigentlich, dass immer gerade die Staaten ins Visier geraten, die den Westen geostrategisch herausfordern?

In ihrem neuen Buch warnt Gabriele Krone-Schmalz vor einem Rückfall in die einfachen Denkmuster und klaren Feindbilder des Kalten Krieges. Wladimir Putins Ziele seien expansiv, wird behauptet, er bedrohe Polen und das Baltikum. Doch auf welcher Grundlage werden diese Schlussfolgerungen eigentlich gezogen? Könnte es nicht auch sein, dass Russland aus der strategischen Defensive heraus handelt und versucht, bestehende Einflusszonen zu halten? Wer agiert, wer reagiert? Und welche Politik sollten wir daher gegenüber Russland verfolgen: Eindämmung durch Abschreckung oder Wandel durch Annäherung? Eigentlich müsste über diese Fragen offen gestritten werden. Stattdessen werden Abweichler als Russlandversteher diffamiert und ausgegrenzt. Und das obwohl es um die wichtigste Frage überhaupt geht: das friedliche Zusammenleben mit unseren Nachbarn.

Format:Kindle Edition
Seiten:304
Verlag: C.H.Beck
EAN:
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Die Affäre Schiwago

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Affäre Schiwago' von Petra Couvée
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Doktor Schiwago , der Roman von Boris Pasternak, wird mitten im Kalten Krieg zur ideologischen Waffe: Ein italienischer Verlagsagent bringt das vom Kreml auf die Schwarze Liste gesetzte Buch heimlich außer Landes. Im Westen wird es in kurzer Zeit zum Welterfolg. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Die CIA veröffentlicht eine russische Version von Doktor Schiwago und schmuggelt sie nach Moskau, um das Sowjetregime zu schwächen. Es beginnt eine Propagandaschlacht, die den Autor Pasternak in Lebensgefahr bringt. Peter Finn und Petra Couveé entschlüsseln in ihrem Buch über die Affäre Schiwago mit Bravour das gefährliche Verwirrspiel um Ideologie, Macht und Kontrolle. Sie erhielten erstmals Einsicht in die CIA-Akten, recherchierten in russischen Archiven und sprachen mit Überlebenden. Entstanden ist ein literarischer Thriller aus der Zeit des Kalten Krieges: temporeich, authentisch und präzise.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:400
EAN:9783806232639
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Rezensionen zu "Die Affäre Schiwago"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Mär 2016 

    Auf den Spuren Pasternaks

    Für den einen ist es einer der schönsten, klassischen und poetischen Liebesromane der Weltliteratur (dazu zähle ich mich) und für den anderen war oder ist es noch immer ein Buch, mit dem der Schriftsteller sein Land und seine Lebensweise hintergeht und verrät - Doktor Schiwago. In ihrem nun in deutscher Sprache vorliegenden Buch „Die Affäre Schiwago“ erzählt das Autorenduo Petra Couvée und Peter Finn wie das Buch zur Veröffentlichung kam, trotzdem es von der russischen kommunistischen Partei verboten wurde. Außerdem stellen sie in ihrem Sachbuch dar, wie der Schriftsteller Boris Pasternak zwischen die Fänge der Kommunisten seines Landes und dem CIA geriet. Die beiden Autoren haben dazu akribisch recherchiert und die gesamte Entstehungsgeschichte des Romans zusammen getragen. Sie erstellen mit ihrem Buch gleichzeitig eine Biografie über Boris Pasternak selbst. Nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist veröffentlichte die US-Regierung im April 2014 Dokumente aus jener Zeit, die eine Unterstützung der Veröffentlichung des Buches in russischer Sprache durch die CIA bestätigen, diese Unterlagen haben die Autoren eingesehen und mit vielen anderen Quellen für ihr Buch verwendet.

    Herausgekommen ist ein anspruchsvolles und spannendes Sachbuch, das fundierte Einblicke in die Historie gewährt und uns Lesern die Zusammenhänge und Hintergründe über die Person Boris Pasternaks, die Geschichte des Landes und die Lebensverhältnisse zur damaligen Zeit erläutern. Pasternak hatte zwar versucht, sein Werk in Russland zu veröffentlichen, doch als ihm dies nicht gelang hat er sich für einen anderen Weg entschieden, denn es war ihm wichtig, dass sein Werk in der Welt bekannt wird, auch wenn dies Konsequenzen für ihn selbst haben könnte und sogar sein Todesurteil hätte sein können.

    Sehr gerne vergebe ich dem Buch seine verdienten fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es natürlich weiter an geschichtlich interessierte Leser und denke, dass es für alle Fans des Romans „Doktor Schiwago“ nahezu ein Muss ist, dieses Buch zu lesen. Ich halte es für eine äußerst interessante Lektüre, die aber auch erhöhter Konzentration bedarf, um die Zusammenhänge und geschichtlichen Abläufe zu verstehen.

 

Wir Angepassten: Überleben in der DDR

Buchseite und Rezensionen zu 'Wir Angepassten: Überleben in der DDR' von Roland Jahn
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Zur Wahl gehen oder den Studienplatz riskieren? Den Kontakt zur Tante im Westen abbrechen oder den beruflichen Aufstieg gefährden? Solchen und ähnlichen Fragen haben sich viele Menschen in der DDR stellen müssen. Roland Jahn, selbst ein »Rädchen im Mechanismus der Diktatur«, bevor er sich verweigerte, erzählt von den Zumutungen des Alltags in der DDR. Und er fragt, warum sich so viele den Vorgaben des SED-Staates angepasst haben. Wie groß war letztlich der Spielraum, den der Einzelne hatte?
»Wie habe ich in der DDR gelebt? Einfach ist es nicht, sich dieser Frage zu nähern. Sie birgt die Gefahr, unbequem zu werden für jeden, der ihr ernsthaft nachgeht. War ich angepasst? Habe ich widersprochen? Hätte ich anders handeln können? Mir geht es dabei um Aufklärung, nicht um Abrechnung. Ich will vor allem Mut machen zu erzählen. Weniger werten und voreilige Schlüsse ziehen als vielmehr ein offenes Gespräch führen. Denn es gibt keinen allgemein gültigen Maßstab über das ›richtige‹ Verhalten in einer Diktatur.« So beschreibt Roland Jahn das Anliegen seines Buches. In elf Kapiteln reflektiert er aus eigener Erinnerung das Leben in der DDR zwischen den Polen Anpassung und Widerspruch. wehtut, wir sollten Antworten suchen.

Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:191
Verlag: Piper ebooks
EAN:
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