Marina, Marina: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Marina, Marina: Roman' von Grit Landau
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Marina, Marina: Roman"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:400
Verlag: Droemer HC
EAN:9783426281994
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Rezensionen zu "Marina, Marina: Roman"

  1. Ein Buch wie ein Celentano-Song

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Okt 2020 

    "Marina, Marina" war eins meiner Lieblingsbücher im vergangenen Jahr 2019. Ein Buch wie ein Schlager von Adriano Celentano und eine Hommage an die italienische Riviera der Sechziger Jahre. Und anders, als das Cover und der Klappentext vermuten lassen, geht es nicht nur um Liebe und Dolce Vita, sondern der Leser wird in eine eigene Welt entführt, eine Welt, in der Glück und Leid eng beieinander liegen. Und die ganze Zeit hat man das Gefühl, irgendwo spielt ein Kofferradio italienische Schlager.

    Ein komplexer Roman voller Atmosphäre und für mich eins der schönsten Romandebüts des vergangenen Sommers.

    Hier noch ein Netzfund zum Romanschauplatz:
    https://gritlandau.de/romanschauplatz-marina-marina/
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    Und hier der Verlagstext:

    Anfang der 1960er Jahre eroberte der Schlager "Marina, Marina" die Herzen der Italiener und der ganzen Welt. Der junge Nino aus dem kleinen Küstenort Sant’Amato an der Riviera versteht das nur zu gut, betet er doch – zwar heimlich, doch dafür umso heftiger – selbst eine Marina an: die schöne Frau des Friseurs und Mutter seines besten Freundes. Doch Marina beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einem Mann, dessen Identität Nino erst viele Sommer und etliche canzoni später erfahren soll. Bis dahin spinnt das Schicksal seine Fäden: Ninos Tante erfüllt sich einen lang gehegten Traum, der Cousin seines Vaters verliebt sich in eine deutsche Urlauberin, die von einem Hotelbalkon stürzt, und auch Marinas geheime Liebe bleibt nicht ohne Folgen.

    Begleitet von den Hits der Saison, wird der Leser Zeuge vom Leben und Lieben in Sant’Amato, von Tragödien, deren Ursprung weit in die italienische Vergangenheit zurückreichen, und von Dramen, die das Leben der Bewohner für immer verändern.

    Die wechselvolle Geschichte eines italienischen Dorfes und seiner Bewohner und der Roman einer leidenschaftlichen Liebe für alle, die Italien und das italienische Lebensgefühl lieben. Eine große Liebesgeschichte mit viel italienischem Flair.

    https://gritlandau.de/buecher/marina-marina/

 

Der erste Tag vom Rest meines Lebens: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der erste Tag vom Rest meines Lebens: Roman' von Lorenzo Marone
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der erste Tag vom Rest meines Lebens: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:288
EAN:9783492310192
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Rezensionen zu "Der erste Tag vom Rest meines Lebens: Roman"

  1. Besser spät als nie

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Aug 2020 

    Bei manch einem fängt das Leben mit 66 an, bei anderen erst mit 77. Besser zu spät, als nie. Derjenige, der diese Ansicht vertritt ist Cesare Annunziata, der Ich-Erzähler des Romans "Der erste Tag vom Rest meines Lebens" von Lorenzo Marone. Cesare stellt im hohen Alter von 77 Jahren fest, dass er "zweiundsiebzig Jahre und einhundertelf Tage seines Lebens verplempert hat".
    Und nun beschließt er, es richtig krachen zu lassen und sein Leben in vollen Zügen zu genießen, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen.

    Es ist nicht so, dass er jemals Rücksicht auf andere genommen hat. Seine Frau Caterina hatte es nie leicht mit ihm. Irgendwann ist die Liebe zwischen den beiden erloschen. Seine mehr oder weniger versteckten Seitensprünge haben ihren Teil dazu beigetragen. Dennoch blieben sie zusammen, nicht zuletzt wegen der gemeinsamen Kinder: Sveva, mittlerweile ebenfalls Ehefrau und Mutter sowie Dante. Als die Kinder klein waren, konnte und wollte Cesare nicht viel mit ihnen anfangen. Nun sind sie erwachsen und lassen ihren Vater spüren, dass sie während ihrer Kindheit gerne mehr von ihrem Vater gehabt hätten. Mehr aus Pflichtgefühl, denn aus Zuneigung kümmern sie sich ab und an um den alten Cesare. Über die gelegentlichen Anstandsbesuche geht die Verbindung zu Cesare nicht hinaus. Mittlerweile ist er Witwer, vor 5 Jahren ist Caterina gestorben.

    "Es stimmt, ich bin ein echter Stoffel, und sollte eins meiner Kinder jemals den Mut finden, sich in Lobreden über meine zahlreichen Vorzüge zu ergehen, würden sie mich doch niemals einen umgänglichen Menschen nennen. Es ist nicht so, dass ich die Leute hasse, aber mich mit ihnen zu beschäftigen, ist mir einfach lästig."

    Nun lebt er also allein und alleingelassen, was ihm eigentlich gut in den Kram passt. War er bereits früher ein Soziopath, dessen Freiheiten jedoch durch Beruf und Familie eingeschränkt wurden, kann er nun sämtliche Verhaltensregeln über Bord werfen und leben, wie er es möchte. Das denkt er zumindest. Denn mit einem Mal stellt er fest, je mehr er sich von den Menschen, die ihn umgeben, distanzieren möchte, desto intensiver wird die Beziehung zu ihnen. Zu diesen Menschen gehören seine Kinder, genauso wie eine spezielle Freundin, die sich um sein körperliches Wohlbefinden kümmert, oder eine neue Nachbarin, die in einer Notlage seine Hilfe benötigt. Diese Menschen tragen dazu bei, dass der alte Miesepeter die Welt ein Stückchen positiver betrachtet. Missverständnisse werden aus der Welt geschafft, Vorwürfe werden ausgesprochen und bereinigt. Cesare beginnt, seine Kinder zu verstehen und seine Kinder verstehen ihn. Und am Ende dieses Romans beginnt Cesare tatsächlich, sein Leben in vollen Zügen zu genießen und aus dem Soziopath wird ein Mensch, dem die Gesellschaft seiner Familie und seiner Freunde sehr am Herzen liegt.

    "Die Wahrheit ist: Man kann nicht immer griesgrämig und unfreundlich sein, sonst fangen die anderen an, dir das zu glauben."

    Cesare ist ein Unikum. Er liebt es, die Leute zu schockieren oder vor den Kopf zu stoßen. Als Ausrede für seine merkwürdigen Eskapaden muss immer sein Alter herhalten. Mit dem, was Cesare gerade zu Beginn des Romans von sich gibt, ist man sich als Leser gar nicht sicher, ob man den biestigen Greis mögen soll oder von seiner fehlenden Rücksichtnahme gegenüber seiner Mitmenschen abgestoßen wird. Irgendwann kippt jedoch die Einstellung zu Gunsten von Cesare, und man beginnt, den alten Mann zu mögen. So, wie er sich langsam gegenüber seinen Mitmenschen öffnet und Interesse an ihnen zeigt, lässt man selbst diesen Charakter nach und nach an sich herankommen und hat ihn spätestens am Ende des Romans in sein Herz geschlossen.
    Daran haben seine einzigartigen persönlichen Wahrheiten einen sehr großen Anteil. Ich könnte jetzt ketzerisch behaupten, dass "Der erste Tag vom Rest meines Lebens" ein Buch der Kalendersprüche ist. Denn davon gibt es einige in diesem Roman. Doch man bedenke, dass Cesares "Kalendersprüche" richtig gut und originell sind. Dieses Buch steckt voller Lebensweisheiten, die man gern beherzigen möchte. "Der erste Tag vom Rest meines Lebens" ist daher ein großer Spaß, der Lust auf das Älterwerden macht. Vorausgesetzt, man macht es wie Cesare.

    © Renie

 

Ein Tag wird kommen (Quartbuch)

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein Tag wird kommen (Quartbuch)' von  Giulia Caminito
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Ein Tag wird kommen (Quartbuch)"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
Verlag:
EAN:9783803133250
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Rezensionen zu "Ein Tag wird kommen (Quartbuch)"

  1. Ein Highlight!!!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Okt 2020 

    Eine außergewöhnliche Äbtissin und verwickelte familiäre Beziehungen vor dem Hintergrund politischer und historischer Geschehnisse des beginnenden 20. Jahrhunderts.

    Italien, Marken, Anfang 20. Jahrhundert.

    Im Prolog werden wir mit einer drastischen Szene konfrontiert:
    Die beiden Söhne des Bäckers Luigi befinden sich im Wald, der die Stadtmauer von Serra de Conti, einer kleinen italienischen Gemeinde in den Hügeln der Marken, umgibt.
    Der schmächtige und in sich gekehrte Nicola, der am liebsten unsichtbar wäre, schießt auf seinen älteren rebellischen Bruder, den Draufgänger Lupo, der eine unbändige Wut auf die Mächtigen und die Kirche hat.

    Nach diesem Schock geht es zwar etwas ruhiger, aber dennoch alles andere als idyllisch und harmonisch weiter.
    Wir lernen die Eltern der Brüder, den mürrischen und jähzornigen, zeitweise brutalen Bäcker Luigi und seine fast blinde Frau Violante kennen, die, was ihre Nachkommenschaft betrifft, kein besonderes Glück haben.
    Entweder die Kinder sterben, werden erschossen oder geraten auf Abwege, so dass nur noch eine Klosterunterbringung in Frage kommt, um weiteren Entgleisungen zuvorzukommen.

    Ihre in ihren Augen missratene und verrückte 13-jährige Tochter Nella gaben sie ins örtliche Kloster, denn sie war „eine Freundin des Teufels und nur Gott kann sie heilen“ (S. 120), ihr Sohn Antonio wurde erschossen, weil er einen Apfel stehlen wollte.
    Übrig waren Adelaide, das schwerkranke Mädchen, das bald sterben musste, der ältere, aufgeweckte, schlagfertige und aufmüpfige Lupo und der jüngere, extrem schüchterne, schwächliche, aber schlaue Nicola, den die Eltern als lästig und unnütz empfanden, weil er lieber „komische Dinge lernte wie Buchstaben oder Worte“ anstatt „die Hosen anzuziehen, um zur Arbeit zu gehen“ (S. 11).

    Wie gut, dass Nicola einen Beschützer und Wohltäter hat, an dem er ausgesprochen hängt:
    Sein Bruder Lupo.
    Aber diese symbiotische Beziehung hat zwei Seiten:
    Sie spendet einerseits Sicherheit und Geborgenheit und verhindert andererseits eine freie Entfaltung und raubt die Luft zum Atmen.

    Eines Tages findet der Junge Lupo einen verletzten Wolfswelpen am Fluss. Er verarztet ihn, pflegt ihn gesund und nennt ihn Cane.
    Von diesem Augenblick an hat er einen treuen Freund, der ihm nicht mehr von der Seite weicht.

    Nicola weiß um seine Andersartigkeit und wünscht sich sehnlich, so zu sein wie die Anderen. Da sich dieser Wunsch nicht erfüllt, weil er nicht aus seiner Haut schlüpfen kann, hält er sich schließlich selbst für einen Nichtsnutz, mit dem etwas nicht stimmt.
    Er wird nicht selten belächelt oder ignoriert.
    Er ist sonderbar, ein Außenseiter und froh um Cane, der mit der Zeit sein einziger Freund wird.

    Dann werden wir überrascht, denn die Kamera schwenkt plötzlich nach Nordafrika, genauer: in den Sudan und dort ins Nuba-Gebirge.

    Die 8-jährige widerspenstige und wilde Zari und ihr kleiner Bruder, die Kinder des Dorfoberhaupts Akil werden beim Spielen im Garten gestört und von unbekannten und vermummten arabischen Reitern entführt.

    Die Geschwister werden getrennt.
    Zari ist plötzlich eine Gefangene in den Fängen von Sklavenhändlern, landet in Kairo, 3000 km von ihrem zu Hause entfernt und wird auf einem ägyptischen Markt wie Vieh zum Kauf angeboten.

    ...und keiner der potentiellen Käufer ahnt auch nur im Geringsten, dass er gerade die künftige resolute, gerechte und äußerst geschätzte Äbtissin Suor Clara von Serra de’ Conti, dem Ort an dem die oben erwähnte Familie lebt, begutachtet.

    Abwechselnd begleiten wir im weiteren Verlauf Lupo, der sich Protesten, Streiks und Kundgebungen anschließt und zum feurigen Anhänger und Aktivisten der anarchistischen Bewegung wird und die Nonnen im Kloster von Serra de‘ Conti, wo Suor Clara, die eiserne Lady des Klosters, die heranwachsende Nella, ein aufgewecktes und ehrgeiziges Mädchen, mit strenger Hand unter ihre Fittiche nimmt und bändigt.

    Wir lesen und erfahren vom Macht- und Bedeutungsverlust des Klosters und der Nonnen, von den unfairen Pachtverträgen, unter denen die Pächter zu leiden haben und gegen die sich die Anarchisten auflehnen,

    Wir lernen alle Figuren sehr genau kennen, weil Giulia Caminito sie uns in all ihrer Komplexität und Unterschiedlichkeit zeigt.
    Es sind Menschen mit Ecken und Kanten, die sympathische und weniger einnehmende Seiten haben.

    Nicht nur die Menschen, sondern auch die Handlungsorte und Szenen werden lebendig und die Landschaften erscheinen vor dem geistigen Auge.

    Giulia Caminito stellt uns auch Großvater Giuseppe, den „alten Anarchisten aus Serra“ (S. 153) vor. Er ist der Vater des Bäckers Luigi, der ein besonders inniges Verhältnis zu seiner Enkelin Nella hatte und in dessen Fußstapfen Lupo trat.

    Mehr will ich vom Inhalt nicht verraten, um niemandes Lesevergnügen zu mindern.

    Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt.
    Mehrere Stränge laufen nebeneinander her, werden fallen gelassen und wieder aufgegriffen.
    Das macht die Lektüre zu Beginn etwas mühsam, aber man gewöhnt sich recht schnell daran und sogar mehr als das:
    Meine Neugierde wuchs durch die wechselnden Kameraeinstellungen beständig und ich flog regelrecht durch das Buch.
    Das Bild wurde immer klarer.

    Es war interessant, mich mit der Geschichte Italiens Anfang des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen, etwas über das problematische
    Pachtsystem, die Besitzverhältnisse und die anarchistische Bewegung, die vom ersten Weltkrieg unterbrochen wurde, zu erfahren.
    Sozusagen hautnah mitzuerleben, wie der eine Alptraum, der Krieg, gerade mal vorbei ist und der nächste, die spanische Grippe, schon anklopft und weitere Leben fordert, war bewegend und erschütternd.

    In die mir fremde Welt des Klosterlebens einzutauchen, etwas darüber zu erfahren, wie die Nonnen ihren Alltag verbrachten und welche Sorgen sie hatten, war für mich neu und spannend.

    Zwischen den beiden Buchdeckeln sind so viele erstaunliche und erschütternde Geheimnisse versteckt, die zu ergründen es sich lohnt!
    Man stößt auf Überraschungen und Wendungen, die man nie vermutet und mit denen man nie gerechnet hätte.
    Von Anfang an ist die Geschichte spannend und es ist umso erfreulicher, dass sie im Verlauf und gegen Ende noch weiter an Fahrt aufnimmt.

    „Ein Tag wird kommen“ ist ein brillantes und bravouröses, dramatisches und erschütterndes Werk, das feinfühlig, fesselnd und schonungslos in durchgängig schöner und flüssig zu lesender sowie teilweise poetischer Sprache erzählt wird.

    Reale Orte, politische Hintergründe und historische Tatsachen und Geschehnisse bilden den Rahmen für diese brillant erzählte Geschichte, die gleichermaßen Familiengeschichte wie Entwicklungs- und historischer Roman ist und in der auch reale Personen der damaligen Zeit, wie beispielsweise Errico Malatesta und Benito Mussolini erwähnt werden und eine (Neben-)Rolle spielen.

    Die 1988 in Rom geborene Giulia Caminito hat mir mit ihrem starken, wort- und bildgewaltigen Roman, der mit seiner Pandemie und seinen Protesten durchaus Parallelen zur Gegenwart aufweist, ein Highlight beschert.

    Dies ist der erste Roman von der Autorin, der ins Deutsche übersetzt wurde.
    Ich freue mich schon auf Weitere.

 

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