Origins

Buchseite und Rezensionen zu 'Origins' von Clay McLeod Chapman
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3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Origins"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:144
Verlag: Cross Cult
EAN:9783966585378
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Rezensionen zu "Origins"

  1. 3
    20. Mai 2022 

    Man sollte nicht zu viel erwarten

    Auf den ersten Blick richtig schön anzusehen ist diese Hardcover-Ausgabe der sechsteiligen Comic-Heft-Reihe „Origins. Cross Cult hat mal wieder einen hochwertigen Sammelband geschaffen. Das Artwork - nicht nur des Covers – kann überzeugen, vieles andere an diesem Buch allerdings leider so gar nicht.

    Der Plot von „Origins“ ist schnell erzählt: Die Menschheit gibt es seit rund 1000 Jahren schon nicht mehr auf der Erde, da eine von den Erfindern unerwartet ausufernde KI damals beschlossen hat, dass die Erde ohne Menschen besser dran ist. Es gibt aber noch einige verstreute Roboter alter Baureihen, die nicht zur KI gehören und seit Jahrhunderten darauf warten, endlich wieder den Menschen zu Diensten sein zu können. Eine Androidin (Chloe) erschafft aus der alten DNA ihres menschlichen Schöpfers einen neuen Menschen (David). Sie zieht ihn auf und er wird zum neuen Messias, der – Jesus gleich – die versklavten Roboter zu befreien und eventuell eine neue Menschheit zu erschaffen. Zwischendrin wird viel gekämpft und wieder geflüchtet und wieder gekämpft.

    Ganz klar: Dieser Comic lebt von den Zeichnungen Jakub Rebelkas. Diese sind manchmal fein und detailreich, manchmal grob und ungeschliffen, und erzeugen eine großartige Atmosphäre für diese Geschichte. Beim Colorieren hat wohl Patricio Delpeche mitgeholfen. Zwei Leute für das Design, keine Frage alles top. Aber was die drei Personen, die den Plot „geschaffen“ haben und die eine Person, die den Text geschrieben hat, hier aus die Welt losgelassen haben, ist nichts als 08/15-tausendmal-gelesen-Inhalt. Der Plot wird mit aller Macht vorangetrieben, da sind Charakterzeichnungen scheinbar nicht nur zweitrangig sondern vollkommen obsolet geworden. Die Figuren bleiben holzschnittartig und können in keinster Weise überzeugen. Die Dialoge sind mittelmäßig und meist wird nicht die Empfehlung befolgt: „Show, don‘t tell“ sondern das genaue Gegenteil scheinbar angestrebt. So werden wilde (übrigens vollkommen unzusammenhängend plötzlich eintretende) Actionszenen durch scheinbar ganz ruhige Chloe-erklärt-die-Welt-Kommentare aus dem Off begleitet. So etwas Merkwürdiges habe ich selten erlebt. Man hat das Gefühl, sowohl zu viel als auch zu wenig zur Geschichte und zu den Figuren zu erfahren. Begleitet wird die Messias-Geschichte unterschwellig stets durch (meine Vermutung) ständige Anleihen in der Bibel. Da wird der Erlöser wiedergeboren, die „Israeliten“ (aka Roboter) aus der Versklavung in Ägypten geführt und eine unbefleckte Empfängnis gibt es dann auch noch. David sieht auch zunehmend optisch wie Jesus aus. Das ist alles viel zu überfrachtet für den massiv verkürzt erzählten Plot. Hier fehlt die erzählerische Balance in der Geschichte.

    Zum Schluss kann man resümieren, dass das Buch wirklich schön anzuschauen ist, die Geschichte aber nicht nur nichts Neues bieten kann sondern auch noch unterdurchschnittlich gut erzählt wird. So rettet Jakub Rebelka dieses Buch, welches für mich bei 2,5 Sternen liegt, noch gerade so mit seiner sehr guten Illustrationsarbeit auf 3 Sterne. Man sollte also nicht zu viel erwarten. Ich empfehle hier eher zum Thema die „Descender“/ „Ascender“-Reihe. Wer diese Reihen schon kennt, sollte keinesfalls zu „Origins“ greifen. Nur vollkommene Neulinge auf dem Gebiet könnten „Origins“ noch etwas Positives abgewinnen können.

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DAVE: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'DAVE: Roman' von Raphaela Edelbauer
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "DAVE: Roman"

Was braucht es, um eine Maschine mit menschlichem Bewusstsein auszustatten? Den Programmierer Syz interessiert nichts so sehr wie die Beantwortung dieser Frage. Doch als er hinter die Kulissen des Labors blickt, gerät sein bedingungsloser Glaube an die Technik ins Wanken. Welchem Zweck dient DAVE wirklich und wer wird von ihm profitieren? In der Welt von Syz dreht sich alles ums Programmieren. Geschlafen und gegessen wird hauptsächlich, um schnellstmöglich wieder in die Datenströme des Computers abzutauchen. Das Ziel des gesamten Labors ist nichts Geringeres als die Programmierung der ersten generellen Künstlichen Intelligenz, ausgestattet mit einer Höchstleistung an Rechenkraft und menschlichem Bewusstsein: DAVE. Dann allerdings bringen zwei Ereignisse Syz‘ geregeltes Leben ins Wanken. Erstens, Syz verliebt sich in eine junge Ärztin, und zweitens, DAVE droht ein Totalausfall. Der Strudel, in den Syz in der Folge gerät, katapultiert den Programmierer in unmittelbare Nähe der Machtzentrale. Während das Labor in blinder Technikgläubigkeit weiterhin auf die Verwirklichung der Künstlichen Superintelligenz hinarbeitet, taucht Syz tief in die Geschichte des Labors ein und versucht herauszufinden, wessen Interessen DAVE am Ende eigentlich dient. Nach dem großen Erfolg von »Das flüssige Land« legt Raphaela Edelbauer einen einzigartigen Roman über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Künstlichen Intelligenz vor.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
EAN:9783608964738
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Rezensionen zu "DAVE: Roman"

  1. Die Angst vor der Belanglosigkeit

    Die perfekte Künstliche Intelligenz (KI) - eine Maschine, die wie ein Mensch denkt, fühlt und handelt. Gespeist aus Empfindungen und Gedanken, die in sogenannten Scripts ihren Weg finden, hin zu DAVE, so der Name dieser KI. Programmierer Syz arbeitet mit Besessenheit an der Entwicklung DAVEs und kommt ihm sogar noch näher, als ausgerechnet er auserwählt wird, eine Art Prototyp für jene Empfindungen zu sein. Doch je länger die Kopiesitzungen dauern, desto größer werden Syz' Zweifel: In wessen Hand gerät DAVE eigentlich und was hat diese Hand mit ihm vor?

    Ich war begeistert, als ich las, dass sich mit der Österreicherin Raphaela Edelbauer eine junge deutschsprachige Autorin in ihrem neuesten Roman dem Thema KI widmet. Um es vorwegzunehmen: Diese Begeisterung hielt leider nicht lange an. Denn gerade der Beginn von "DAVE" ist ein Ärgernis. Schon der Prolog, der auf gerade einmal zwei Seiten vom Urknall bis zu DAVE reicht, zeigt, dass Edelbauer hier einen wirklich ganz besonderen Roman, ein Ereignis schaffen wollte. DAVE wird dabei natürlich konsequent in Versalien geschrieben - wie JHWH, HERR oder natürlich HAL. Warum klein denken? Der Schreibstil ist in den ersten Kapiteln bemüht intellektuell. Syz "versenkt sich im Sfumato dieser schleißig belichteten Szene", in einem Bild sitzt jemand am Lochstanzer und wird dabei vom "Chiaroscuro" des gigantischen Rechners überschattet. Mir ging dieser Stil sehr schnell auf die Nerven und ebnete damit einen Weg, den ich trotz einiger gelungener Pfade nicht mehr verlassen konnte.

    Denn tatsächlich ändert sich dieser Schreibstil mit der Zeit ein wenig. Die Manierismen lassen nach, der Roman wird zugänglicher und bekommt so etwas wie eine Erzählstruktur, die ich zu Beginn noch vermisste. Zwar schaffte es Edelbauer nie, dass ich mich irgendeiner der Figuren nah fühlte, doch immerhin kam ein Spannungsbogen auf. Syz ist jedoch ein permanent Getriebener, dessen Hektik sich auf mich übertrug, wodurch es mir schwerfiel, so etwas wie Freude am Lesen zu verspüren.

    Raphaela Edelbauer wagt mit "DAVE" wirklich viel, was ich als positiv bewerte. Sie baut Sachtexte ein, zitiert aus fiktiven Videos und lässt Syz in Akten stöbern, die wir unmittelbar mitlesen können. Sie schert sich nicht um Genregrenzen, lässt die Handlung schon einmal in den Spionage-Thriller sausen, um kurz darauf eine Volte zurück in den Science-Fiction-Bereich zu schlagen, an der Grenze zur Dystopie. Es ist ein mutiger Ritt mit vielen guten Ideen und einer enormen Detailverliebtheit, die mich gerade im Bereich der IT aber eher abschreckte. Mit Sicherheit war ihr klar, mit "DAVE" die Leserschaft zu spalten, anzuecken, zu provozieren - und auch das ist in Ordnung und gerade für eine junge Autorin ein Wagnis.

    Vielleicht ist es umso schlimmer für einen so ambitionierten Roman, dass ihm das - zumindest bei mir - dann doch nicht gelungen ist. Wenn man ein Buch eigentlich nur lieben oder hassen soll und es dann mittelmäßig findet... Doch für die Liebe fehlte mir die Zugänglichkeit, und letztlich hat mich die Auflösung nicht einmal überrascht - und das in einem Roman, der so stark auf den Überraschungseffekt setzt. Für den Hass habe ich zu viele wirklich schlechte Bücher gelesen, um nicht die Bemühungen und Ideen der Autorin würdigen zu können.

    Im Vergleich zu Ian McEwans "Maschinen wie ich", der sich "DAVE" ja thematisch ähnelt, sehe ich für Edelbauer eine knappe Niederlage - und das, obwohl mich McEwan insgesamt auch enttäuscht hatte. "DAVE" hat die insgesamt besseren Ideen, verliert aber gegen Erzählstruktur und Figurenzeichnung bei "Maschinen wie ich".

    Fazit: Raphaela Edelbauer hat mit "DAVE" einen ungemein ambitionierten Roman geschrieben, der mich jedoch nur ansatzweise überzeugen konnte. Die zum Teil genialen Ideen führen nicht konsequent zu einer ebenso genialen Erzählung. Der Sprachstil ist gerade zu Beginn bemüht und überzogen, die Figuren bleiben blass. Fast wirkt es so, als habe die Autorin eine große Angst vor der Belanglosigkeit ihres Romans - was sie mit Hauptfigur Syz vereint, in dessen ständigem Kampf um Bedeutung und Anerkennung. Das Warten auf einen wirklich guten KI-Roman geht weiter.

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NSA - Nationales Sicherheits-Amt: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'NSA - Nationales Sicherheits-Amt: Roman' von Andreas Eschbach
NAN
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Inhaltsangabe zu "NSA - Nationales Sicherheits-Amt: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:800
Verlag:
EAN:9783404179008
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Influence - Fehler im System: Thriller (dtv bold)

Buchseite und Rezensionen zu 'Influence - Fehler im System: Thriller (dtv bold)' von Christian Linker
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Influence - Fehler im System: Thriller (dtv bold)"

Format:Broschiert
Seiten:304
EAN:9783423230117
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Rezensionen zu "Influence - Fehler im System: Thriller (dtv bold)"

  1. 4
    21. Feb 2020 

    Volltreffer

    Der junge Amir arbeitet als Crowdworker, womit er eigentlich seine finanzielle Situation verbessern wollte. Schnell stellt er fest, dass er zwar viel arbeitet, aber irgendwie klappt es nicht mit dem guten Verdienst. Da kommt die Möglichkeit, bei der Politikerin Solveig Sander ein Praktikum zu machen, genau richtig. Un diese Zeit herum bekommt er einen Chip zugespielt und er vereinbart ein Treffen mit der Internetpersönlichkeit Habakuk. Dazu muss Amir nach Köln. Plötzlich scheint das gesamte Internet down zu sein. Amir erwischt gerade noch den Zug, der auch losfährt. Auch nach Köln schafft es Amir noch, obwohl er merkt, dass durch den Ausfalls des Netzes vieles nicht mehr funktioniert.

    In Köln bekommt Hilfe von unerwarteter Seite, aber es lauern auch Gefahren in der schönen Stadt am Rhein. Was steckt in dem Chip? Ist das Internet noch zu retten? Amir fragt sich, ob er als Berufsanfänger überhaupt der Richtige für diese Mission ist. Er hofft, dass seine Chefin in unterstützt. Nach und nach kommt in ihm auch die Frage auf, ob es überhaupt sinnvoll ist, die Server wieder auf Vordermann zu bringen.

    Was man hatte, merkt man meist erst, wenn es fehlt. So ist es auch mit dem Internet. Die kleinen Hilfen im Alltag wie ein Navi oder ein Wikipedia-Eintrag, man spürt sie kaum. Doch ist das Internet nicht mehr da, und man denkt, ich mache eben mal und nichts passiert, dann wird sehr schnell klar wie selbstverständlich das Netz geworden ist und wie viel inzwischen daran hängt. Auch wenn man wie Amir manchmal wünscht, es müsste alles nochmal neu aufgesetzt werden, es ist und bleibt ein zweischneidiges Schwert. In diesem Zukunftsroman wird einem schnell klar, dass sich das Leben ganz schön schnell verändern kann und nicht zum Besseren. Diese interessante und brisante Thematik hat der Autor dazu noch in eine fesselnde Romanhandlung gepackt, die einen so schnell nicht loslässt. Man wünscht, Amir möge zur Rettung des Internet beitragen und fragt sich doch, ob man sich der Geister, die gerufen wurden, wieder entledigen kann. Spannung und Schaudern herrschen vor in diesem Roman um eine Zukunft, die es hoffentlich nie geben wird.

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