Heldenflucht: Roman

Rezensionen zu "Heldenflucht: Roman"

  1. Nach dem Krieg

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Mai 2020 

    Dezember 1918 - der Krieg ist vorbei. Doch in dem kleinen Eifeldorf Kirchbach sind die Kriegsfolgen deutlich zu spüren. Viele der jungen Männer sind gefallen oder vermisst, die Heimkehrer sind nicht mehr so wie sie waren. Agnes Papen, die als Kriegsberichterstatterin an der Front war, besucht ihren erkrankten Onkel. Sie sehnt sich in die Stadt zurück und sucht nach einem Job als Fotojournalistin. Der junge Franz hat noch etwas von einem Abenteurer und als er in der Nähe des Ortes eine Leiche findet, will er unbedingt erforschen, was weiter mit dem Toten geschieht, deshalb behalt er seinen Fund für sich.

    Fast alle Einwohner des Dorfes sind in irgendeiner Form vom Krieg gezeichnet. Entweder haben sie liebe Menschen verloren oder selbst viel erlitten. Fast glücklich sind beinahe die, die entweder zu jung oder zu alt waren, um direkt in den Krieg gezogen zu werden. Doch auch die Wirtschaft liegt danieder, die Menschen haben nicht viel. Sogar dem Krämer fehlt es an Ware, weil sein Lieferant nicht kommt. Die Stimmung ist gedrückt und wenn es auf einem Hof mal besser gehen könnte, so sind die Besitzer doch missgünstig und geizig. Sie teilen nicht, sondern nehmen sich eher noch Frechheiten heraus gegenüber ihren Untergebenen.

    Es ist eines dieser Bücher, die sehr überzeugend darstellen, dass die Folgen eines Krieges so schwer sind, dass sich niemand einen Krieg wünschen kann. Anhand eines kleinen Dorfes werden die Auswirkungen sehr eindringlich dargestellt. Bei manchen Menschen scheint diese Zeit das Schlechteste hervorgeholt zu haben. Und Heimkehrer leiden unter vielfältigen Störungen, womit die Familien häufig überfordert sind. Da freut man sich schon fast, wenn einige Menschen noch halbwegs normal geblieben sind und einiges an Initiative behalten haben. Es ist zu hoffen, dass ihnen die Zukunft gehört. Gepackt verfolgt man die Ereignisse im Dorf und ist sprachlos ob der teilweise herrschenden Gewalt. Dem Autor ist es wirklich gelungen, die düstere Stimmung nach dem Krieg nachzuzeichnen. Von Erleichterung ist da noch nicht viel zu spüren. Der überraschende Schluss schockiert zusätzlich. Dieser Roman mahnt, Frieden ist ein wertvolles Gut.
    4,5 Sterne

 

Als wir verloren waren: Erste Nornenzeit

Rezensionen zu "Als wir verloren waren: Erste Nornenzeit"

  1. Eine Zeitreise in die Ungewissheit der Kriegswirren

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Mai 2020 

    "Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet." (Joseph Campbell)
    Die Begegnung der beiden Freundinnen Greta und Anni, die sich für ein Wochenende in Chemnitz treffen wollten, wird zu großen Überraschungen führen. Nachdem sie im Haus der Familie Faber, auf dem Dachboden eine antike Kette gefunden haben, erwachen sie am nächsten Morgen im Jahr 1939. Beiden ist schnell klar, dass nur die Ketten schuld daran sein können, das sie diese Zeitreise gemacht haben. Eine Hilfe erhoffen sie sich von Hendrik von Kronach, in dessen Haus sie in dieser Zeit gelandet sind. Doch wie sich herausstellt, ist dieser Mann von der Gestapo und er geht nicht gerade zimperlich mit den beiden um. Greta und Anni werden von ihm festgehalten, weil er vermutet, dass sie nicht ohne Grund hier sind. Sie können ihm ja schlecht erzählen, dass sie aus der Zukunft kommen. Mit nichts als ihren Kleidern, die sie tragen, müssen sie fortan leben und tun, was Henrik von Kronach für sie bestimmt hat. Doch können sie beide das Leben in Kriegszeiten überstehen? Und vor allem wo sind die Ketten, damit sie wieder in ihr altes Leben zurückkehren können?

    Meine Meinung:
    Das neue Cover, das die Autorin inzwischen für ihr Debüt gewählt hat, gefällt mir besser als das etwas unscheinbarer vorherige. Der Schreibstil ist bildhaft, locker, flüssig und überaus unterhaltsam im mehrere Kapitel eingeteilt. Dabei geht es in erster Linie um die beiden ehemaligen Freundinnen Greta und Annie die sich mit der Zeit aus den Augen verloren haben. Jeder der beiden ist inzwischen seine eigenen Wege gegangen. Greta inzwischen verheiratet denkt daran, eine Familie zu gründen, wäre da nur nicht ihr labiler Mann, der noch immer einen Job sucht. Annie hingegen möchte Karriere in der Modebranche machen und am liebsten nach Paris reisen. Man spürt, dass beide sehr unterschiedliche Charaktere sind und bei denen es im Laufe der jetzigen Zeit zu immer mehr Konflikten führt. Was sicher auch durch die nicht gerade angenehme Kriegszeit und die Ungewissheit, ob sie je wieder in ihr altes Leben zurückkehren herrührt. Mit viel Liebe zum Detail nimmt mich die Autorin in eine wahrlich harte Zeit mit, bei denen es die beiden Frauen nicht gerade einfach haben und öfters an ihre Grenzen kommen. Sehr bedrückend und beängstigend müssen sie erleben, dass es sehr wahrscheinlich kein Zurück mehr geben wird. Doch wie soll man das seelisch verkraften, jetzt in einer solch erschreckenden Zeit leben zu müssen und besonders mit dem Wissen, das dieser Krieg noch lange nicht zu Ende ist. Dass die Autorin diese Zeitepoche sehr gut gewählt, eingefangen und beschrieben hat, hat mich durchaus überrascht. Ich konnte mich sehr gut in die beiden Frauen hineinversetzen, die recht unterschiedlich auf diese Zeitreise reagieren. Greta kommt mit dem Ganzen besser klar, sie scheint für mich die Stärkere und Stabilere zu sein. Selbst wenn man mitbekommt, dass es in ihrer Ehe, bzw. ihrem Leben nicht alles so läuft, wie es sein soll. Annie hingegen ist für mich sehr wankelmütig, manchmal denke ich, dass sie gut damit zurechtkommt. Dann wieder habe ich den Eindruck, als ob sie fast seelisch zusammenbricht. Dadurch bekommt dieser Roman jedoch eine sehr eindrucksvolle Dynamik und ich hatte ehrlich gesagt nicht mit dem Cliffhanger am Ende gerechnet. Allerdings macht dieser einen neugierig, wie die Reise der beiden weitergeht und was sie oder jeder Einzelne von ihnen noch erleben wird. Chapeau von mir jedenfalls bekommt dieses Debüt eine Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne für die gute Umsetzung.

 

Der rote Judas (Paul Stainer, Band 1)

Rezensionen zu "Der rote Judas (Paul Stainer, Band 1)"

  1. Sehr atmosphärisch

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Mär 2020 

    Im Jahr 1920 kehrt der Polizist Paul Stainer aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Viel Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, bleibt ihm nicht, denn ein aufsehenerregender Fall fordert seine Aufmerksamkeit: In der Villa eines Fabrikanten werden mehrere Menschen erschossen. Zuerst deutet alles auf einen missglückten Einbruch hin. Dann führen die Spuren jedoch zu der „Operation Judas“ und damit zu Männern, die über Leichen gehen, um eigene Verbrechen zu vertuschen.

    Auf diesen Krimi war ich sehr gespannt, da mich die Zeit, in dem er spielte, sehr angesprochen hat. Aber auch die Beschreibung klang spannend und faszinierend, so dass ich voller Vorfreude ins Buch gestartet bin.
    Der Schreibstil ließ sich sehr angenehm und flüssig lesen, so dass ich gleich in die Geschichte eintauchen und folgen konnte. Ich war gleich gefesselt und die Seiten flogen nur so dahin. Ich hatte das Buch sehr schnell fertig gelesen.
    Paul Stainer fand ich von Beginn an sehr sympathisch. Er wurde anschaulich und lebensecht gezeichnet. Gerade seine persönlichen Belastungen aufgrund seiner Erlebnisse ließen mich mit ihm mitfühlen und ich habe ihm gewünscht, dass er die Vergangenheit bewältigen kann. Was ich sehr an ihm mochte, war sein Gespür, das ihm sehr hilfreich bei den Ermittlungen war.
    Der Kriminalfall war spannend und fesselnd, auch wenn es insgesamt eher ruhiger losging und sich dann immer mehr steigerte. Zu Beginn war alles undurchsichtig und ich hatte viele Fragen im Kopf. Das förderte die Spannung zusätzlich und ich hing wirklich gebannt an den Seiten. Am Ende wurde dann alles schlüssig und nachvollziehbar zusammengeführt.
    Was mir hervorragend gefallen hat, war die Atmosphäre der 1920er Jahre. Alles wurde super realistisch beschrieben, so dass ich mich direkt in die damalige Zeit versetzt fühlte. Das Flair kam großartig bei mir an.

    Ein spannender und atmosphärischer Krimi, der mir richtig gut gefallen hat. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. Empfehlenswert

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Feb 2020 

    Mit „Der Rote Judas“ ist Thomas Ziebula ein spannender und kenntnisreicher Kriminalroman gelungen. Er siedelt seine Geschichte in Leipzig kurz nach dem Ersten Weltkrieg an.

    Paul Stainer kehrt aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurück. Körperlich hat er die Zeit unverwundet überstanden, aber seine Seele ist beschädigt. Heute würde man wohl eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostizieren. Nicht nur Schlafstörungen und Alpträume machen ihm zu schaffen, auch an den Folgen einer Amnesie leidet er noch. Das alles darf nicht bekannt werden, denn Stainer will und kann zurück in den Polizeidienst. Dumm nur, dass einer der Ärzte aus dem Lazarett jetzt als Pathologe in Leipzig arbeitet.

    Gleich der erste Fall hat es in sich. Ein Suizid erscheint Stainer zweifelhaft und je tiefer er nachforscht, umso sicherer wird er. Er erkennt bald ein Muster bei einen weiteren Selbstmord und immer wieder stößt er auf den Begriff „Roter Judas“. Aber auch privat läuft es nicht rund. Seine Frau Edith hat nach Jahren des Wartens einen neuen Partner und bittet um die Scheidung.

    Im Augenblick sind die Jahre zwischen den Kriegen als Romanhintergrund sehr häufig geworden und meine Erwartungen waren hoch. Ich war von diesem historischen Kriminalroman begeistert. Der Plot ist raffiniert und mehrere Handlungsstränge laufen auf ein sehr spannendes Finale zu. Der zeitgeschichtliche Hintergrund wirkt sehr lebendig und kenntnisreich erzählt. Das Leipzig der Zwanziger Jahre wirkt tatsächlich greifbar

    Außerdem sind die Figuren wirklich sehr vielschichtig und menschlich eingefangen worden. Nicht nur der Hauptprotagonist Paul Steiner, auch Nebenfiguren, wie die Schaffnerin Fine König sind gelungen und runden die Handlung sehr gut ab.
    Ein Kriminalfall aus dieser Zeit kann die Politik nicht ausblenden, das Elend der versehrten Kriegsheimkehrer und die aus der Demütigung des verlorenen Krieges entstandenen Strömungen der Weimarer Republik machen den Kriminalroman auch zu einem Stück Geschichtsunterricht.

    Ein toller historischer Kriminalroman und ich bin sehr auf eine Fortsetzung gespannt.

 

Das verlassene Haus

Buchseite und Rezensionen zu 'Das verlassene Haus' von D. M. Pulley
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Von der preisgekrönten Erfolgsautorin von »Der tote Schlüssel«.

Fünf Familienschicksale und ein altes Haus voller Geheimnisse …

Hunters Eltern wollen mit der Vergangenheit abschließen – in einer neuen Stadt, in einem neuen Zuhause. Sie kaufen das renovierungsbedürftige Anwesen Rawlingswood. Doch das alte Haus scheint sich gegen die Familie zu sperren. Während die Eltern nicht zur Ruhe kommen, beginnt Hunter, Fragen nach Rawlingswoods Vergangenheit zu stellen.

Wer waren seine früheren Besitzer und warum gilt es als »Mordhaus«? Liegt auf dem Haus wirklich ein Fluch oder gibt es natürliche Gründe dafür, dass die Familie sich ständig beobachtet fühlt?

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:467
Verlag: Edition M
EAN:
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Rezensionen zu "Das verlassene Haus"

  1. Ein düsteres Haus, das die Geschichten seiner Bewohner bewahrt

    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Jan 2020 

    „Die Tür hing reglos an ihren Scharnieren und wartete. Sie war nicht saniert worden, die Spuren von so vielen Menschen – den Bauarbeitern, den Landstreichern, den vorherigen Besitzern, den Bediensteten – schlummerten im Holz und hingen im Furnier.“ (Zitat Pos. 818)

    Inhalt
    Rowlingswood ist ein altes Haus, erbaut im Kolonialstil mit britischem Charme, von einem großen Grundstück umgeben. Es steht in Shaker Heights, zehn Kilometer von Cleveland, Ohio, entfernt. Erbaut 1922 von der Rawlings-Familie, war dieses Haus im Laufe der Zeit von zwei weiteren Familien bewohnt worden und steht seit 2016 wieder leer. Myron und Margot Spielman kaufen das renovierungsbedürftige Anwesen im Mai 2018 auf Grund des günstigen Preises. Gerüchte gibt es viele über dieses Haus und irgendwie scheint es ein Eigenleben zu führen, düster und beinahe feindselig. Hunter, der Sohn der Familie, beginnt nachzuforschen, wer die Vorbesitzer waren und was in diesem Haus wirklich passiert ist.

    Thema und Genre
    Dieser Roman ist ein Thriller in der Form eines klassischen Schauerromans. Ein düsteres Haus mit dunklen Ecken und Gängen, unheimliche Schatten und eigenartige Vorkommisse, für die es keine logische Erklärung zu geben scheint. Gleichzeitig geht es auch um das Schicksal von Familien und die Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

    Charaktere
    In jeder Familie, die in diesem Haus bisher gewohnt hat, gab und gibt es Geheimnisse, wobei die Autorin ihre Charaktere und deren Konflikte nachvollziehbar schildert. Die dunkle
    Ausstrahlung des großen Hauses mit den vielen, teilweise unbewohnten Räumen, wirkt sich zusätzlich beklemmend auf die Bewohner aus. Hunter, ein in sich gekehrter Teenager, von den Eltern oft nicht verstanden, wollte nicht aus seinem alten Umfeld wegziehen. Seine Mutter findet das Haus gruselig, und auch er findet es unheimlich. Dennoch beginnt er, sich mit der wechselvollen Geschichte der ehemaligen Bewohner auseinanderzusetzen.

    Handlung und Schreibstil
    Die Geschichte umfasst vier Erzählstänge. Im Mittelpunkt steht jeweils eine Familie, deren Schicksal in diesem Haus abwechselnd erzählt wird, wobei jeweils der chronologische Zeitablauf eingehalten wird. Schließlich fügen sich die Abläufe im Jahr 2018 zu einem Gesamtbild. Der Name der jeweiligen Familie und das Datum in der Kapitelüberschrift machen es einfach, der Handlung zu folgen. Die Sprache ist dem Genre angepasst, wobei es die Autorin versteht, wie in einer klassischem Gothic Novel die Spannungs- und Schauerelemente leise, subtil, aber eindrücklich einzusetzen.

    Fazit
    Ein Thriller im Stil eines klassischen Schauerromans, bei dem es um die Schicksale der Menschen geht, die in einem Zeitraum von beinahe einhundert Jahren in einem großen, inzwischen alten und etwas verwahrlosten Haus gelebt haben. Die Wände, die Räume, alles in diesem verzweigten Gebäude scheint den neuen Besitzern 2018 flüsternd Geschichten von den Geistern der Vergangenheit zu erzählen.

 

1794: Roman

Buchseite und Rezensionen zu '1794: Roman' von Niklas Natt och Dag
4.5
4.5 von 5 (6 Bewertungen)

Nach den Ereignissen des letzten Jahres fällt Jean Michael Cardell in ein tiefes Loch. Die Ermittlungen im Fall der verstümmelten Leiche gaben seinem Leben einen Sinn. Nun ist er wieder da, wo er vorher war. Bis zu dem Tag, als ihn eine Frau kontaktiert: Ihre Tochter wurde in der Hochzeitsnacht auf grausamste Weise zugerichtet und getötet. Als Täter wird deren frisch angetrauter adeliger Ehemann identifiziert und in die Irrenanstalt eingewiesen. Die Mutter der Getöteten glaubt diese Version jedoch nicht und sucht Hilfe bei Cardell. Seine Nachforschungen führen diesen erneut in die Abgründe Stockholms, und er muss feststellen, dass die Stadt verruchter und gefährlicher ist als je zuvor.


Format:Broschiert
Seiten:560
EAN:9783492061940
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Rezensionen zu "1794: Roman"

  1. Wieder gelungen

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Apr 2020 

    Nachdem mir "1793" so gut gefallen hat, musste ich auch "1794" lesen. Der Schreibstil ist zu Beginn einfach und klar gestaltet und packt einen sofort. Leider wurde ich dann enttäuscht, denn die Handlung erlahmt und es wird langweilig. Als die Mordermittlung beginnt, wird es nur für ein paar kurze Zeilen mal spannend. An den ersten Band kommt dieses Werk erst heran, als es nach der Hälfte spannend wird. Und von da an steigt die Spannung weiter und weiter. Man taucht wieder in die Welt und in das Leben der Figuren ein. Man kann nicht aufhören und liest gebannt und teilweise entsetzt weiter, hofft, dass die eigenen Befürchtungen nicht eintreten. Denn wieder ist Stockholm Ende des achtzehnten Jahrhunderts kalt und erbarmunglos. Niklas Natt och Dag schildert das Leben seiner Charaktere bewegend und unverblümt, mit all seiner Härte und Tiefen. Man ist gefesselt von dem äußerst bildhaften und lebendigen Schreibstil und von der Spannung, ist entsetzt vom abstoßenden Verhalten einiger Figuren und vom harten Leben zur damaligen Zeit. Der Autor ist ein Meister im Schreiben und hält einige Kniffe und Schachzüge parat mit denen man nicht rechnet.

    Sehr gefallen hat mir, dass man neben neuen Charakteren einige aus dem ersten Band trifft und ihr Leben wieder aufgegriffen wird. Einige der auftretenden Figuren sind sympathisch und einem ans Herz gewachsen. Sie werden zu dreidimensionalen, tiefgründigen Gestalten, die vor dem inneren Auge lebendig werden. Selbst Nebencharaktere bekommen eine Tiefe und eine Persönlichkeit. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Erzählen der Geschichten der Charaktere und nicht auf dem Kriminalfall.

    Viel zu schnell kommt man durch die über 500 Seiten und das Ende ist da. Ich hätte sehr gerne weitergelesen, da es sehr spannend endet und ich mich frage, wie es nun mit den liebgewonnen und unsympathischen Charakteren weiter geht. Was wird ihnen die Zukunft bringen?

    Fazit:

    Es fängt unspektakulär und lahm an, wird dann aber immer spannender. Der lebendige Schreibstil lässt einen mit den Figuren zusammen durch die Stockholmer Straßen laufen und mitfiebern. Gebannt liest man weiter, denn die Geschichte und die liebgewonnen Charaktere lassen einen nicht mehr los. Das Ende ist viel zu schnell da und man fragt sich: Wie geht es für die Charaktere weiter?

  1. Packend und düster

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Feb 2020 

    Jean Michael Cardell ist nach den Ereignissen des letzten Jahres in ein tiefes Loch gefallen. Doch dann kontaktiert ihn eine Frau, deren Tochter in der Hochzeitsnacht grausam getötet wurde. Der Täter soll der Ehemann sein, der bereits in ein Irrenhaus eingewiesen wurde. Die Mutter der getöteten Frau glaubt jedoch nicht daran und bittet Cardell um Hilfe.

    Ich habe bereits "1793" verschlungen und war begeistert. Deshalb musste ich dieses Buch unbedingt lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht. 
    Der Schreibstil ließ sich prima lesen und ich war sofort in der damaligen Zeit angekommen und gefangen. Der Autor hat die düstere Atmosphäre sehr gekonnt wiedergegeben, so dass ich mich teilweise auch ziemlich schütteln musste und entsetzt war. Aber das machte die Story nur umso realistischer und fesselnder.
    Die Protagonisten wurden sehr gut und anschaulich beschrieben, so dass ich sie mir prima vorstellen konnte. 
    Die Story war unfassbar packend und fesselnd. Es gab verschiedene Handlungsstränge, die alle spannend waren und die ich voller Begeisterung verfolgt habe. Ich war sehr gespannt, wie alles am Ende zusammengefügt wird. Die Beschreibungen waren teilweise sehr brutal und schonungslos, mich hat das aber umso mehr an das Buch gefesselt. Ich konnte es einfach nicht beiseite legen.

    Ein wahnsinnig packender und düsterer Thriller, der mich begeistert hat. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. Grausam und dunkel

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Feb 2020 

    Erik Drei Rosen, ein junger Bursche aus adeligem Geschlecht wird verdächtigt seine frisch angetraute Ehefrau auf schlimmste Weise ermordet zu haben. In Stockholms Tollhaus wird er von nun an festgehalten Die Mutter der jungen Frau hat Zweifel an den Geschehnissen und beauftragt den Stadtknecht Jean Michael Cardell (genannt Mickel) mit Nachforschungen.
    Cardells, der nach Cecil Winges Tod vollkommen dem Suff verfallen ist, erhält die einmalige Chance, seine Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Unterstützt wird der einarmige Häscher von Emil Winge, dem Bruder seines verstorbenen früheren Partners.

    1794 ist nun die Fortsetzung meines letztjährigen Jahreshighlights.
    "Die Latte liegt hoch für dieses Genre", habe ich über 1793 geschrieben.
    Niklas Natt och Dag hat in seinem neuen Werk ein bisschen Luft nach oben gelassen. Vielleicht weil der "Überraschungseffekt" weg ist, dem Leser das grausame dunkle, verworfene Stockholm schon bekannt ist. Vielleicht lag es auch daran, dass der die herzzerreißende Liebesgeschichte des jungen Erik, der in die Kolonien geschickt wurde, um dem Mädchen entfremdet zu werden, fast den gesamten ersten Abschnitt des Buches einnimmt. (Die Einblicke in das Elend des Kolonialismus, die Widerwärtigkeiten der Sklaverei sind dem Autor dennoch gelungen).
    In 1794 folgt der schwedische Autor demselben Muster wie im Jahr zuvor. Das Buch ist in vier Abschnitte, für jede Jahreszeit einen, gegliedert. Es empfiehlt sich sehr die Vorgeschichte zu kennen, den wir treffen auf viele bekannte Gesichter, so auch Anna Stina Knapp, mittlerweile Mutter von Zwillingen, aus dem ersten Teil. Der Kriminalfall, nämlich der fragwürdige Tod der jungen Ehefrau, gerät sehr ins Hintertreffen. Das Buch wird mehr und mehr zum historischen Tragödie. Die Handlung ergeht sich in Wiederholungen. Intrigen, Verschwörungen, Obsession und Wahnsinn, das persönliche Drama von Mickel, Emil und Anna Stina dominiert.

    Aber steckt man aber erst in dem Unrat und der Verkommenheit des Buches drin, ist es auch schwierig diesem ambivalenten Sog an Spannung und Ekel zu entkommen. Lesenswert ist das Buch allemal wieder!

  1. Der Mensch ist dem Menschen sein Wolf - Teil 2

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Jan 2020 

    Spannend, atmosphärisch, düster, dunkel, roh, brutal, gesellschaftskritisch, dies könnte wieder dieses Buch beschreiben, hinzu kommen äußerst interessant gestrickte Charakterdarstellungen, alt bekannte und lieb gewonnene Charaktere treten auf und vor allem wird eine authentische, etwas verworrene und spannende Geschichte erzählt. Nun war ich nach dem ersten Teil etwas verwirrt, wie soll es denn mit Winge und Cardell ermitteln weitergehen, Cecil Winge ist doch im ersten Teil gestorben. Aber dem Autor fällt eine interessante Lösung ein. Wieder ist dieses Buch nicht nur Krimi, sondern auch Gesellschaftsstudie und wieder ist es ein äußerst brutaler Blick in eine vergangene Zeit. Wieder ist der Leser entsetzt und vom Geschehen abgestoßen. Aber Menschen wie einen Ceton gibt es auch heute, von daher kann man das Brutale nicht auf vergangene Zeiten begrenzen. Sicher war es damals einfacher seine Neigungen auszuleben, aber das Strafmaß der damaligen Zeit war natürlich ebenso drastisch, auch das sollte man nicht vergessen. "1794" hat bei mir nicht mehr eingeschlagen wie eine Bombe, denn im Konzept und Aufbau des Buches ist sich Niklas Natt och Dag treu geblieben und ich als Leser bin natürlich nicht mehr so überrascht. Aber ich bin definitiv wieder begeistert, nur nicht ganz so sehr wie nach Teil 1. Allerdings muss ich sagen, um dieses Buch richtig begreifen zu können, sollte man "1793" unbedingt vorher gelesen haben.

    Zum Inhalt: Stockholm im Jahre 1794, Jean Michael Cardell wird von einer Frau aufgesucht und gebeten die Ermittlungen zum grausamen Tod ihrer Tochter Linnea aufzunehmen. Sie wurde in ihrer Hochzeitsnacht auf bestialische Weise umgebracht und ihr Ehemann, Erik Drei Rosen sitzt wegen Mordes im Tollhaus, doch die Mutter Linneas glaubt nicht an dessen Schuld. Jean Michael Cardell, der an dem Verlust von Cecil Winge schwer zu tragen hat, nimmt die Ermittlungen auf und bekommt Hilfe von unerwarteter Seite. In den vier Teilen des Buches, die wieder nach den vier verschiedenen Jahreszeiten des Jahres 1794 benannt sind, werden wieder teilweise recht unterschiedliche und spannende Geschichten erzählt, die nach und nach stimmig werden, wobei es hier aber etwas verworrener zugeht als im ersten Teil, trotzdem aber ein Bild ergeben und den Lesenden in eine andere Zeit entführen. Ich habe mich sehr gefreut, dass auch Anna Stina Knapp wieder auftaucht und gleichzeitig bin ich nach dem Ende des Romans auch neugierig wie es hier weitergehen wird. Denn das Ende ist schon heftig und gleichzeitig wirkt es auch sehr unvollendet, aber es ist auch die Frage ob ein Ende hier realistisch wäre.

    Tolles Buch ! Lesen!

  1. Der Mensch ist des Menschen schlimmster Feind

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Jan 2020 

    Wer ,,1793“ gelesen hat, weiß, was ihn erwartet. Mit dem Roman ,,1794“ führt der Autor Niklas Natt och Dag den Leser erneut nach Stockholm am Ende des 18. Jahrhunderts und bietet wieder ein spannendes, vielseitiges, teils aber auch sehr brutales Leseerlebnis.
    Nach Cecil Winges Tod und den gemeinsamen Ermittlungen ist der Kriegsveteranen Jean Michael Cardell wieder auf sich allein gestellt. Außer Kneipen, Alkohol und Schlägereien gibt es nicht viel Abwechslung in seinem Leben. Da sucht ihn eine Frau auf und bittet ihn um Hilfe, den mysteriösen Tod ihrer Tochter aufzuklären. Diese wurde in der Hochzeitsnacht grausam ermordet, der frisch angetraute Ehemann wurde als Mörder identifiziert und ins Irrenhaus eingewiesen. Allerdings zweifelt die Mutter der Ermordeten an dieser Version. Cardell findet Unterstützung in Cecil Winges jüngeren Bruder Emil. Dieser ist allerdings nervlich angeschlagen, hat immer wieder Visionen und Cardell, selbst ja kein Kind von Traurigkeit, muss ihn zunächst vom Alkohol wegbringen.
    Im ersten Teil begleitet man den jungen Adligen Erik Drei Rosen, der von seinem strengen Vater auf die Karibik-Insel Saint-Barthélemy geschickt wird. In der damaligen schwedischen Kolonie blüht der Sklavenhandel und Erik lernt nicht nur menschliche Abgründe, sondern auch den undurchsichtigen Geschäftsmann Tycho Ceton kennen, der den naiven jungen Mann unter seine Fittiche nimmt.
    Wie schon in ,,1793“ wirken die vier Teile des Romans, die nach den vier Jahreszeiten benannt sind, zunächst eigenständig. Erst nach und nach erschließt sich der Gesamtzusammenhang zu einer gut konstruierten und schlüssigen Geschichte.
    Allerdings kommt man als Leser gelegentlich auch an die Grenze des Ertragbaren. Niklas Natt och Dag äußerst anschaulicher und schonungsloser Stil vermittelt das Geschehen hautnah, seien es die Gerüche und Geräusche der Stadt, Landschaftsschilderungen oder die Beschreibung der Zustände im Tollhaus. Allerdings macht der Autor auch nicht Halt vor grausamen und brutalen Szenen, z.B. wie Sklaven behandelt und bestraft werden.

    ,,1794“ ist ein absolut lesenswerter historischer Kriminalroman, allerdings nichts für zart besaitete Leser.

  1. Düsteres Stockholm

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Jan 2020 

    Das Jahr 1793 hat Stadthäscher Mickel Cardell übel mitgespielt und er fällt in ein tiefes Loch. Da wendet sich eine verzweifelte Mutter an ihn, deren Tochter in der Hochzeitsnacht brutal getötet wurde. Niemand will der Frau helfen, zumal der Bräutigam ein Sohn aus adeligem Hause und sein Vormund ein einflussreicher Mann ist. Ungerechtigkeit ist jedoch etwas, das ein Mann wie Cardell nicht hinnehmen kann und so macht er sich mit Cecils Bruder Emil Winge an die Ermittlungen in den sündigen, dreckigen Straßen von Stockholm.

    Wie auch bereits der erste Band wird "1794" durch vier Jahreszeiten hindurch und aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Neben dem jungen Adeligen Erik Drei Rosen kommen auch Cardell, Winge und erfreulicherweise Anna Stina zu Wort. Doch auch in diesem Jahr meint das Schicksal es mit keinem von ihnen gut. Erik gerät an den undurchsichtigen Tycho Ceton, Cardell und Winge haben mit dem Verlust eines Freundes und Bruders zu kämpfen und Anna Stina muss den Platz im Stockholmer Stadtleben wieder räumen, den sie sich so hart erarbeitet hat. Verbunden werden alle vier Handlungsstränge durch die Ermordung von Eriks Braut Linnea Charlotta und seine anschließende Einweisung ins Tollhaus.

    Es ist ein düsteres, aber vermutlich wahres Bild, das Niklas Natt och Dag in diesem Band zeichnet. Der Zustand der Straßen Stockholms, all der Dreck und die Verkommenheit lassen sich auf den Charakter der Menschen, die in ihr leben übertragen. Neid, Intrigen, Brutalität und Hass bestimmen die Handlung und je weiter diese fortschreitet, umso mehr menschliche Abgründe tun sich auf. Stellenweise ist das Beschriebene beinahe unerträglich, so drastisch ist das Verbrechen an Linnea Charlotta oder das Schicksal der sowieso schon gebeutelten Anna Stina. Es ist klar, was der Autor mit seinen düsteren Schilderungen und sprachlich brutalen Details darstellen will - man fragt sich jedoch, ob so viel Gewalt notwendig ist oder es sich doch eher um Effekthascherei handelt.

    Fazit: Ein gewohnt spannender, gut geschriebener Roman mit etwas zu viel Brutalität

 

Grandhotel Angst: Roman

Rezensionen zu "Grandhotel Angst: Roman"

  1. Moderner Schauerroman

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Nov 2019 

    Die Hochzeitsreise geht nach Italien. Im März 1899 kommt das junge Paar Nell und Oliver Dickinson im Grandhotel Angst an der italienischen Riviera an. Die ersten Frühlingstage sind ein Traum von Ausflügen in die Gegend. Doch bald fällt ein Schatten über das junge Paar. Angeblich wurde das Hotel buchstäblich auf dem Grab der ehemaligen Landbesitzerin erbaut. Und diese geht anscheinend als Geist um. Ausgerechnet Nell soll der vor Jahren Verstorbenen sehr ähnlich sehen. Bald schon gerät Nell in den Bann der Geschichte und glaubt, die Tote könne tatsächlich Einfluss auf die junge Ehefrau nehmen.

    Das echte Schicksal des Grandhotel Angst bildet die Grundidee zu diesem Roman. Das Hotel bot hauptsächlich britischen Gästen eine Heimat, denen bei dem Namen ein Schauer über den Rücken lief, die ansonsten aber den außerordentlichen Luxus der Zimmer genossen. Inzwischen ist das einst große Haus verfallen, jedoch haben sich Investoren gefunden, die ihm wohl neues Leben einhauchen möchten. Die Handlung des Romans ist allerdings zur Blütezeit des Hauses angesiedelt. Bram Stokers Dracula hat schon manchen Lesern eine Gänsehaut gebracht und die junge Nell ist empfänglich für unheimliche Geschichten. Ihr Mann Olivier, der zunächst so zuvorkommend schien, erweist sich bald als kühler Geschäftsmann, der seine jüngere zweite Frau manchmal doch sehr von oben herab behandelt.

    Eine schöne Idee, die sich mit der richtigen düsteren Musik unterlegt sicher gut verfilmen ließe. Als Buch allerdings wirken die handelnden Personen etwas blass. Man nimmt Nell, die für die Zeit, in der sie lebt, eigentlich recht tough erscheint, ihre Furcht nicht so recht ab. Und bei dem janusköpfigen Oliver fällt es schwer, ihm die eine oder andere Seite abzunehmen. Manchmal wirkt es so als sollte mit diesem Roman ein Gothic Novel des ausgehenden 19. Jahrhunderts nachempfunden werden. Allerdings ist es der Autorin nicht vollständig gelungen die Atmosphäre der damaligen Zeit einzufangen. Nichtsdestotrotz ist der Roman spannend und besonders Nell in ihrer positiven Entwicklung so liebenswert beschrieben, dass diese leichte Lektüre doch sehr gut unterhält.

    3,5 Sterne

 

Der Attentäter: Historischer Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Attentäter: Historischer Thriller' von Ulf Schiewe
5
5 von 5 (14 Bewertungen)

Juni 1914. Es ist die Woche, die alles entscheidet. Die Woche, in der sich drei junge Serben auf den Weg nach Sarajevo machen. Dort soll Franz Ferdinand, Thronfolger Österreich-Ungarns, einem Militärmanöver beiwohnen - und sterben. Gavrilo Princip und seine Gefährten haben sich seit Monaten auf diesen Tag vorbereitet. Doch dem Geheimdienst sind Gerüchte zu Ohren gekommen, und Major Rudolf Markovic tut alles, um den Thronfolger zu retten und eine diplomatische Katastrophe zu vermeiden ...

Ulf Schiewe lässt uns diese entscheidende Woche der europäischen Geschichte hautnah miterleben - packend und extrem spannend.

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:512
EAN:
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Rezensionen zu "Der Attentäter: Historischer Thriller"

  1. Geschichte miterleben

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Feb 2020 

    Im Juni 1914 rumort es in Europa gewaltig und die Katastrophe des Ersten Weltkriegs bahnt sich an. Auch wenn vermutlich jeder weiß, wie es ausgeht, ist der historische Thriller des Autors Ulf Schiewe extrem spannend und auch für geschichtlich weniger Versierte sehr anschaulich und interessant zu lesen.

    Die Reise des Thronfolger Österreich-Ungarns, Franz Ferdinand, nach Sarajevo, die er unternimmt, um einem Militärmanöver beizuwohnen, endet mit seinem Tod. Schon seit Wochen bereiten sich ein paar junge Serben darauf vor, ein Attentat auf den verhassten Herrscher zu verüben. Doch der Geheimdienst bekommt Hinweise und versucht, den Thronfolger zu schützen und den Tätern zuvorzukommen.
    Geschickt vermischt Ulf Schiewe historische Fakten mit Fiktivem, was immer realistisch und authentisch wirkt. Interessant ist auch, dass den Attentätern viel Raum gegeben wird. Sie werden als junge Abenteurer vorgestellt, die aus politischen, aber auch sozialen und persönlichen Gründen an der geplanten Tat teilnehmen und praktisch nichts mehr zu verlieren haben. Im Mittelpunkt steht ,, Der Attentäter", der junge Gavrilo Princip, der spätere Todesschütze. Mit ihm lebt und fühlt der Leser eher mit, als dass er ihn als Täter verurteilt.
    Eindrücklich wird auch gezeigt, wie die jungen Männer von ihren Hintermännern benutzt werden. Auch der Thronfolger selbst und seine Familie werden von einer sehr privaten und sympathischen Seite gezeigt. Damit werden vorrangig nicht die historischen Ereignisse in den Mittelpunkt gestellt, sondern die Menschen, die diese erleben und mitgestaltet haben. Für den Leser wird Geschichte so hautnah und packend erzählt.
    Interessant dabei ist auch, wie viele Zufälle, Pannen, Missverständnisse, aber auch Unwillen oder Unvermögen, die Gefahr für den Thronfolger zu erkennen, letztendlich zu dem Anschlag geführt haben.
    ,,Der Attentäter" ist ein wirklich lesenswertes Buch, das die Bezeichnung ,,historischer Thriller" wirklich verdient.

  1. Ein echtes Leseerlebnis

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Feb 2020 

    Ein echtes Leseerlebnis

    Der Attentäter von Ulf Schiewe

    Gleich vorweg möchte ich erwähnen, dass ich noch nie ein historisches Buch gelesen habe, dass mich so gefangen genommen hat. Meine geschichtlichen Kenntnisse beschränken sich in erster Linie auf das erlernte aus meiner Schulzeit. Ulf Schiewe schafft es mit seinem Werk dem Leser eine spannende Geschichte zu liefern, die nebenbei einen fundierten Einblick in das tragische Ereignis um das Attentat im Juni 1914 auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand.

    Das Buch begleitet drei serbische Jungen auf ihrem Weg nach Sarajevo, wo sie den Thronfolger töten wollen. Sie sind krank, haben keine Perspektive, aber viele heroische Gedanken wurden ihnen eingeimpft, sie wollen etwas für Ihr Volk tun, ruhmreich sterben. Mich hat sehr verwundert, dass Ulf Schiewe es stellenweise schaffte, dass mir die Attentäter leid taten. Natürlich ist und bleibt die Tat unentschuldbar, aber dennoch merkt man an diesem Beispiel, dass es sehr einfach sein, junge Menschen zu beeinflussen, erst recht wenn keine positive Zukunft greifbar ist.
    Der Thronfolger und seine Frau werden ebenfalls sehr eng in die Handlung eingebunden. Anekdoten aus dem Familienleben, so wie persönliche Vorlieben fließen genauso in die Geschichte mit ein, wie der politische Ablauf der damaligen Zeit.
    Die Möglichkeit eines Attentats war bekannt, und auch dieser Strang der Handlung, um die Ermittlungen und das aufspüren der Attentäter nimmt einen hohen Stellenwert ein. Hier ist mir besonders die Figur des Major Rudolf Markovic ans Herz gewachsen.

    Dieser historische Thriller ist, einmal zur Hand genommen, schnell gelesen, da er fesselnd und spannend aufgebaut ist. Die Informationen die man nebenher aufnimmt, überraschten mich teilweise sehr, da mir nur die spärlichen Eckdaten bekannt waren. Wahnsinn, dass der Autor es geschafft hat, aus einer Woche einen fast 500 Seiten starken Thriller zu konzipieren. Absolute Leseempfehlung!

  1. Anschlag auf den Thronfolger und dessen Gemahlin

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 31. Jan 2020 

    "Dabei wird es ein schwerer Gang werden, ein Selbstmordkommando. Gewaltige Überwindung wird es kosten, darüber ist er sich im Klaren! Wer will schon sterben, auch wenn er ohnehin todgeweiht ist?" (Buchauszug)
    Sarajevo Juni 1914:
    Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie besuchen die Stadt. Es gibt das Gerücht, das Attentäter einen Anschlag auf den Thronfolger planen. Major Rudi Markovic vom Geheimdienst versucht alles, um Näheres zu erfahren, um notfalls das Attentat zu verhindern, damit es zu keiner diplomatischen Katastrophe kommt. Nach dem gelungenen Militärmanöver, möchte der Thronfolger und seine Gattin, mit einem Korso kurz vor der Abreise, noch dem Volk zujubeln. Dabei kommt es zu einem Attentat das Gavrilo Princip und weitere Gefährten angezettelt haben.

    Meine Meinung:
    Das düstere Cover mit der blutbesudelten Uniformjacke passt sehr gut zu der historisch belegten Geschichte. Der Schreibstil ist informativ, bestens recherchiert, unterhaltsam und mitunter ein wenig langatmig. Die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand war mir vom Geschichtsunterricht schon ein wenig bekannt. Das bei diesem Attentat jedoch auch seine Gattin Sophie, Mutter dreier Kinder ums Leben kam, war mir nicht mehr bewusst. Ulf Schiewe, Autor mehrerer historischer Bücher hat hier durch seine gute Recherche und dem vielen Hintergrundwissen, die letzte Woche vor dem Attentat in einen realistisch, fiktionalen Roman ausgearbeitet. Die fiktive Figur von Major Rudi Markovic mit seinem extravaganten Privatleben wird hier sehr gut hinzugefügt. Ich konnte mir dabei gut vorstellen, dass es genauso geschehen sein könnte. Natürlich wissen die meisten, dass dieses Attentat nicht gut ausgegangen ist und es schlussendlich durch die Ermordung zum 1. Weltkrieg gekommen ist. Trotzdem fiebert man besonders mit der sympathischen, warmherzigen Herzogin Sophie mit. Insbesondere der Verlust der Eltern für ihre Kinder ging mir besonders nahe. Interessant jedoch waren besonders die drei Handlungsstränge zwischen Täter, Opfer und Ermittler, die hier abwechselnd in Erscheinung treten. Dadurch bekam ich zu spüren, warum und mit welcher Wut die Täter dieses Todeskommando überhaupt gemacht haben. Ebenfalls die Opfer die mir sehr viel näher gekommen, als ich es in jeglichem Geschichtsunterricht bisher erfahren hatte. Die cleveren Ermittler die unter Rudi Markovic zwar einen sehr gewieften, cleveren Mann hatten der jedoch leider, nicht gehört wurde. Ob es wohl daran lag, weil er Jude war? Man spürt zudem, wie naiv das Ganze damals ablief, das es zu solch verheerenden Fehlern kam. Heute würde sicher keiner mehr einen solchen Thronfolger unter diesen Bedingungen in einem Korso fahren lassen. Selbst wenn Herzog Franz Ferdinand vom eigenen Volk nicht gerade hochgeschätzt wurde, wirkte er auf mich recht menschlich und nicht unsympathisch. Besonders da er durch seine große Liebe zu Sophie und seinen Kindern hier auf mich viel sympathischer auftritt. Selbst die Täter der Mlada Bosna, die die Geheimorganisation Schwarze Hand angeworben hat und die gerade wegen ihrer Jugend hier ab und an ins Zweifeln kommen, lassen mich milde für sie stimmen. Sie konnten sich sicher nicht vorstellen, was das Ganze für Konsequenzen hatte. Der Epilog am Ende hat mich sehr gefreut, dazu die genaueren Anmerkungen des Autors, die noch sehr informativ waren. Trotz allem hat das Buch mitunter ein paar Längen, die man sicher hätte kürzen können, darum von mir 4 1/2 von 5 Sternen.

  1. So macht Geschichtsunterricht Spaß!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Jan 2020 

    Wer meine Lesegewohnheiten kennt, der weiß, dass historische Romane nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Genres gehören. Thriller allerdings schon. So wagte ich es denn, zu diesem hochgelobten historischen Thriller zu greifen, der beide Genres vereint. Und sollte für meinen 'Mut' belohnt werden.

    Die Geschichte ist bekannt: Franz Ferdinand, der Thronfoger Östereich-Ungarns, wurde in Sarajevo ermordet - und kurz darauf brach der Erste Weltkrieg aus. Das Attentat war nicht die Ursache für den Kriegsbeginn, aber sehr wohl der zündende Funke, der den Kriegstreibern einiger Nationen sehr zupass kam.

    Doch um den Ersten Weltkrieg geht es hier nicht, sondern um das Attentat selbst und die sieben Tage davor. Erzählt wird dabei aus drei verschiedenen Perspektiven:

    - der der Gruppe um die Attentäter, allen voran Gavrilo Princip, einem jungen Nationalisten, der letztlich den Mordanschlag auf Franz Ferdinand und seine Frau verübte
    - der von Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie
    - der von der fiktiven Figur Major Rudolf Markovic, der beim Geheimdienst arbeitet und fieberhaft versucht, das Attentat zu verhindern.

    Gerade diese ständigen Perspektivwechsel machen die Erzählung ausgesprochen lebendig. So gewinnen alle Beteiligten nach und nach an Profil, man entdeckt die Menschen hinter den meist so anonymen Namen der Geschichtsbücher.

    Der Einblick in das Familienleben des Thronfolgers beispielsweise lässt selbst die Aristokratie nicht unnahbar erscheinen - auch wenn Franz Ferdinand selbst wohl überall recht unbeliebt war aufgrund seines oft unbeherrschten Auftretens und seiner vollkommen übertriebenen Jagdleidenschaft. Aber auch die Attentäter selbst erhalten nachvollziehbare Biografien, die manches Verhalten wenn schon nicht tolerierbar, so doch zumindest eher verständlich erscheinen lassen. Parallelen zum verblendeten Fanatismus heutiger Selbstmord-Attentäter sind dabei nicht von der Hand zu weisen.

    Die fiktive Figur des Major Rudolf Markovic bietet in dem reich mit Charakteren bestückten Roman wohl am ehesten die Möglichkeit einer Identifikation für den Leser. Sein Schicksal ist es denn auch, das einen bangen lässt, denn die Schicksale der anderen (ehemals realen) Personen sind ja hinlänglich bekannt. Eine gelungene Mischung aus Fakten und Fiktion ist Ulf Schiewe hier geglückt, wodurch trotz bekannten Ausgangs Spannung aufkommt und sich am Ende sogar noch steigert.

    Dem Roman ist in jedem Absatz anzumerken, wie intensiv und sorgfältig hier recherchiert wurde - von den groben bekannten Fakten bis hin zu den ganz kleinen Details, die sehr zu einer authentischen Atmosphäre beitragen. Der Roman ist unterteilt in Abschnitte, die jeweils einen Tag umfassen. Eingefügt in die Ereignisse wurden dabei auch kurze Ausschnitte aus damaligen Zeitungsartikeln, die den Zeitgeist dieser unruhigen Epoche gut dokumentieren.

    Das Buch lässt sich flüssig lesen, auch wenn mir gerade zu Beginn der Kopf rauchte von all den Namen - v.a. bei Serben und Bosniern. Aber zum besseren Überblick befindet sich am Ende des Buches sowohl ein Namensverzeichnis als auch ein Glossar, das die wesentlichen altertümlichen oder zumindest möglicherweise unbekannten Begriffe erläutert. Dies empfand ich als sehr hilfreich, ebenso wie die in die Klappbroschur eingedruckte historische Karte von Sarajevo.

    Alles in allem kann ich abschließend nur sagen: So macht Geschichtsunterricht Spaß!

    © Parden

  1. ein historischer Tatsachenroman

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Jan 2020 

    Das Attentat am 28. Juni 1914 auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger und seine Frau in Sarajevo war der Auslöser für den 1. Weltkrieg. Wie es dazu gekommen ist und insbesondere, was in der Woche zuvor passiert ist, schildert der historische Thriller "Der Attentäter" von Ulf Schiewe.

    Der Autor, der schon einige historische Romane geschrieben hat, ist für seine akribische Recherchearbeit bekannt. Daher haben seine Bücher einen besonderen historischen Wert, sind sie doch so dicht wie es nur irgendwie geht an der Realität dran.
    Auch in "Der Attentäter" findet sich wenig Fiktion, dafür umso mehr Tatsachen, die aber dennoch zu einem extrem spannenden Roman verknüpft sind.

    Die weltpolitische Situation der Zeit vor dem 1. Weltkrieg legte nahe, dass die Machthaber auf ein kriegerisches Gerangel um die Neuverteilung der Machtpositionen in der Welt aus waren. Auf dem Balkan war die Hölle los. Die Europäer trieben die Osmanen vom Balkan, waren sich aber untereinander auch nicht grün. Das Volk der Serben fühlte sich von den Österreichern unterdrückt, was diese aber nicht wahrhaben wollten. Schließlich waren sie diejenigen, die erheblich zur Befreiung des Balkans beigetragen haben. Außerdem war der Balkan durch seine Nähe zu Europa und zum Meer strategisch reizvoll für die Russen. Daher war Österreich ein strategischer Störfaktor. Der Balkan war somit ein Pulverfass und es brauchte nur einen einzigen Funken, um die Explosion - sprich den ersten Weltkrieg - auszulösen. Und das war das Attentat eines Serben auf den österreichischen Thronfolger.
    (An dieser Stelle entschuldige ich mich für meine rudimentären Geschichtskenntnisse. Aber so ungefähr wird es gewesen sein.)

    Man beginnt "Der Attentäter" also mit dem Wissen, wie die Story ausgehen wird. Am Ende sterben Thronfolger Franz-Ferdinand und seine Frau Sophie im Kugelhagel des Attentäters Gavrilo Princip, Tatort: Sarajevo. Ulf Schiewe beantwortet jedoch mit seinem Roman die Frage, was in den Tagen vor dem Attentat passiert ist bzw. passiert sein könnte, wobei Spekulationen hier nur sehr wenig Raum haben.
    Der Roman ist in 7 Kapitel sowie Prolog und Epilog aufgeteilt. Einem Countdown gleich behandelt jedes Kapitel einen Tag der Woche vor dem Attentat, angefangen mit Montag, dem 22. Juni 1914.
    Die Charaktere in diesem Roman sind größtenteils reale Personen, einige wenige sind fiktiv. Ein Personenverzeichnis am Ende des Buches gibt Auskunft darüber, welcher Charakter welchem Kreis zuzuordnen ist. Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven geschildert, allen voran die des Attentäters Gavrilo sowie seines Opfers Franz-Ferdinand, oder aber Markovic, der fiktive Major des österreichisch-ungarischen Geheimdienstes.

    Trotzdem man weiß, dass der Ausgang dieser Geschichte unvermeidlich ist, ertappt man sich doch dabei, dass man völlig irrational auf eine Wendung in der Handlung hofft. Man zittert also mit den Charakteren und möchte sie manches Mal schütteln und sie in ihren Handlungsweisen beeinflussen können. Denn Ulf Schiewe macht deutlich, dass das Attentat auf das Thronfolger-Ehepaar auch eine Folge von Verkettungen blöder Zufälle und falscher Entscheidungen gewesen ist. Hätte der Zufall nicht geholfen, könnte man vermuten, dass die Geschichte anders ausgegangen wäre.

    Besonders gut hat mir in diesem Roman die Schilderung des damaligen Zeitgeistes gefallen. Für mich war die Zeit vor dem 1. Weltkrieg nie wirklich greifbar. Viele Ereignisse und Zeitgenossen aus dieser Zeit waren mir lediglich voneinander losgelöst bekannt. Doch in "Die Attentäter" werden sie in einen Kontext gebracht. Das kann bspw. eine Berta von Suttner sein, Cousine der Frau des Thronfolgers und eine Figur in diesem Roman, die nur am Rande Erwähnung findet. Heutzutage ist Berta von Suttner vielen als Schriftstellerin und Friedensforscherin ein Begriff. In "Die Attentäter" wird deutlich, mit wieviel Widerstand die Dame zu kämpfen hatte und unter welchen schwierigen Verhältnissen sie ihren Standpunkt vertreten musste, was ihre Arbeit noch um einiges bemerkenswerter macht.
    Genauso sind es auch die kleinen Dinge, die für den damaligen Zeitgeist stehen und dem Roman einen großen Charme verleihen. Mir war bspw. nicht bewusst, dass Mineralwasser in Glasflaschen damals eine aufsehenerregende Neuerung war und als Getränk den Reichen und Adeligen vorbehalten war. Es gibt also einige Aha-Erlebnisse in diesem Buch, die mir sehr viel Lesefreude bereitet haben.

    Fazit:
    Ein historischer Roman mit wenig Fiktion, dafür umso mehr Fakten, die zu einem hochkarätigen und spannenden Thriller verwoben sind.
    Daher: Willst Du wissen, wie es früher war, lies einen Schiewe.

    © Renie

  1. Geschichte als Roman

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Jan 2020 

    Ulf Schiewe hat in seinem “historischen Thriller” „Der Attentäter“ Geschichte für mich wirklich erlebbar machen können und mir bei der Lektüre einen neuen, sehr lebendigen Zugang zu einem bekannten Stück Historie ermöglicht. Als studierte Historikerin habe ich immer etwas Probleme mit historischen Romanen, denn nie weiß man so richtig, auf wie dünnem Eis man sich befindet, was man nur glauben muss, was wirklich belegt ist. (Anmerkung: Was zugegebenermaßen auch auf vermeintlich wissenschaftliche Veröffentlichungen zutrifft). Hier habe ich mich wohlgefühlt, auf jeder Seite strahlt den Leser die Tiefe und Breite der Recherche des Autoren entgegen, und ich konnte mit einem guten Gefühl dem Geschehen folgen und daraus ein Verstehen der Umstände, Situationen und Gefühlslagen entwickeln.
    Im Rahmen einer Leserunde von Whatchareadin konnte ich dieses Buch lesen und im Leserundenchat sogar mit dem Autor selbst diskutieren und drängende Fragen stellen.
    Nun zum Geschehen: Was passiert? Der „Titelheld“ – „Der Attentäter“ – das ist Gavrilo Princip, der im Juni 1914 aus Motiven serbischen Nationalismus heraus nicht nur den österreichischen Thronfolger in Sarajewo erschoss, sondern auch den letztendlichen Anlass für den 1. Weltkrieg gegeben hat. Der also an diesem Tag, in dieser Sekunde einen erheblichen Einfluss auf die Geschichte unserer eigenen Ahnen und Familien nahm. Der Leser kann Gavrilo auf seinen Stationen über die letzten Tage vor dem geplanten Attentat genauso verfolgen wie das spätere Opfer – Erzherzog Franz Ferdinand. Die gesamte Lektüre über kann sich der Leser dabei sicher sein, dass das Attentat tatsächlich stattfinden wird, denn das ist Historie, die weit bekannt ist. Und dennoch: Der Leser erlebt, an wie vielen seidenen Fäden dieser Ausgang der Geschichte hing und wie oft das Geschehen noch hätte gestoppt und in eine ganz andere Richtung hätte verlaufen können. Gleichzeitig erlebt der Leser auch die Beschränktheit der Mittel insbesondere im Hinblick auf Kommunikation und Mobilität mit, die erheblichen Einfluss auf die Planung, die Gegenmaßnahmen und die Ausführung der Tat genommen hat.
    Der Roman erzählt dabei keine Geschichte in historischem Gewand und mit einigen historischen Personen und historischem Ambiente. Nein, er erzählt in Romanform Historie, wie sie wirklich war (soweit rekonstruierbar). Er bleibt - wann immer möglich – sehr dokumentarisch und ergänzt das rekonstruierbare Geschehen nur in einigen Aspekten und Personen um Fiktives, um es verstehbarer und anschaulicher zu machen. Mich erinnerte diese Form des Romans an Fernsehformate, in denen wann immer möglich dokumentarische Filmschnipsel schwarz-weiß flimmernd über den Bildschirm geschickt werden und nur da, wo dieses dokumentarische Material nicht verfügbar ist, möglichst ähnlich aussehende und agierende Schauspieler dafür genutzt werden, historische Szenen möglichst getreu dem Geschehen nachzuspielen.
    Mich hat diese Herangehensweise im Roman sehr überzeugt und ich würde mich immer wieder gern Ulf Schiewe lesend anvertrauen, um Einblick in andere Geschichten der Geschichte zu erhalten. 5 Sterne!

  1. Historisches spannend erzählt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Jan 2020 

    Der Autor lässt uns in diesem Buch an den Geschehnissen im Juni 1914 teilnehmen. Es geht um die Vorbereitung und letztlich um die Durchführung des Attentats auf Franz Ferdinand den österreich-ungarischen Thronfolger in Sarajevo.

    Auch wenn man den Ausgang der Geschehnisse kennt, ist dieses Buch absolut spannend. Der Autor erzählt uns die Ereignisse beginnend sechs Tage vor dem Attentat. Hierbei lernen wir nicht die realen Attentäter, allen voran Gavrilo Princip sondern auch seine Mitstreiter, Unterstützer und Initiatoren des Attentats kennen. Aber es gibt auch die Gegenseite, Mitarbeiter des Geheimdienstes, die berechtigt ein Attentat befürchten und versuchen zu verhindern. Hier fällt besonders die Figur des Rudolf A. Markovic auf. Er lässt uns an seinen Gedanken und Plänen teilhaben, während wir in einem abwechselnd zweiten Erzählstrang von Princip und seinen Gedanken erfahren.

    Spannend fand ich während des Lesens auch, dass es sehr viele Möglichkeiten gab, das Attentat zu verhindern. Es gab noch mehr Zufälle, bei denen den Attentätern nur durch Zufall die Flucht gelang. Viele dieser Ereignisse sind historisch belegt, andere hat der Autor glaubwürdig hinzugefügt.

    Anschaulich und lesenswert wird der Thriller auch durch die kleinen privaten Episoden der Protagonisten. Ob es nun Szenen aus dem Eheleben zwischen Franz Ferdinand und Sophie sind, oder aber auch aus dem Leben der Attentäter. Gerade bei Ihnen wird deutlich, dass sie zum Einen ausgesucht wurden und zum Anderen, dadurch dass sie an TBC erkrankt waren, es in ihren Augen ein möglicher Weg war um in die Unsterblichkeit bzw. als Helden in die Geschichte einzugehen.

    Mir hat dieses Buch außerordentlich gut gefallen. Nicht nur, dass ich sehr viel mehr über diesen geschichtlichen Zeitraum erfahren habe, sondern auch wie das Ganze in einen absolut spannenden Thriller verpackt wurde. Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

  1. Sarajewo 1914

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Jan 2020 

    Am 28. Juni 1914 in Sarajevo starben der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie bei einem Attentat. Die Kugeln des Mörders trafen sie in einem offenen Automobil, das sie an der neugierigen und jubelnden Menge vorbeiführte.
    Dieses geschichtliche Ereignis hat die Welt verändert und jeder hat wohl schon im Geschichtsunterricht von diesem Attentat und seinen Auswirkungen gehört.
    Ulf Schiewe hat daraus einen überaus fesselnden Thriller gemacht, der mit hohem Tempo und Spannung auf den Höhepunkt zusteuert.
    In den einzelnen Kapiteln, die Datums-und Zeitangabe eine Chronologie des Geschehens bilden, führt er uns in das Leben des Vielvölkerstaats. Es gärt überall, serbische Separatisten, bosnische Muslime – fühlen sich nicht heimisch unter der österreichischen Krone. Zwar brachte die Verwaltung Fortschritt, Straßen wurden gebaut, Eisenbahnlinien durchziehen das Land, aber die Separatisten träumen von der Unabhängigkeit. Ganz besonders junge Menschen sind den Ideen zugewandt. So auch der spätere Mörder Gavrilo Princip, der ein romantisch verklärtes Weltbild hat und von der Revolution träumt. An Schwindsucht erkrankt, hat er nicht viel zu verlieren. Er und seine Mitstreiter sind also leicht zu verführen und sie erinnern mich daran, dass es auch in der Gegenwart genug Beispiele gibt, wie schnell junge Menschen instrumentalisiert werden können.
    Aber wie die Politik Österreichs diese Strömungen in den Völkern ignoriert und wie dadurch erst die Pläne für einen Umsturz entstanden sind und wie Geheimdienste und Militär von solchen Plänen erfuhren, aber durch Engstirnigkeit, Überheblichkeit und Hybris, alles als Hirngespinste abtun, wird vom Autor mit minutiöser Genauigkeit erzählt. Dabei bleibt er ganz dicht an den historischen Ereignissen und alles, was er schreibt, ist belegt. Natürlich werden einige fiktive Figuren erdacht um eine Rahmenhandlung zu schaffen, die sich in die Geschehnisse nahtlos einfügen und für zusätzliche Spannung sorgen.
    Ich hätte nicht gedacht, dass ein Spannungsroman gleichzeitig eine Geschichtsstunde sein kann und wurde mit Ulf Schiewes Buch eines Besseren belehrt. Toll geschrieben und absolut empfehlenswert.

  1. Geschichtsunterricht in Thrillerform

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Jan 2020 

    Na, das (Jahr) geht ja schon gut los…Nach gerade mal 17 Tagen gibt es mit „Der Attentäter“ (einem historischen Thriller über das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo) von Ulf Schiewe das erste Highlight.

    Mit diesem Fazit enden eigentlich alle Meinungen in der vom Autor selbst begleiteten Leserunde.

    Am 28. Juni 1914 erschütterte der Anschlag auf Franz Ferdinand in Sarajevo die ganze Welt und wurde schlussendlich zu einem der letzten Tropfen, die das (Pulver-)Fass zum überlaufen brachten und damit den Ersten Weltkrieg auslösten.

    Da ich bisher zwar immer mal wieder etwas über den bzw. die Weltkriege gelesen habe, mir aber bestimmte Ereignisse, Verflechtungen etc. nicht geläufig waren und sind, habe ich mich sehr auf die (wie bereits erwähnt) vom Autor begleitete Leserunde gefreut und bin aufs angenehmste überrascht worden – nicht nur durch die zahlreichen Kommentare der Mitleserinnen, sondern auch durch die fundierten Kenntnisse und die akribische Recherchearbeit von Ulf Schiewe (als Archivar merkt man das *g*). Hier hat wirklich jeder von jedem profitiert!

    In „Der Attentäter“ begleiten wir die an dem Attentat beteiligten jungen Männer von den Vorbereitungen des Attentats, ihren Ängsten und Zweifeln bis hin zum Attentat selbst. Dazwischen gibt es immer wieder Passagen, die den fiktiven Rahmen bilden sowie einen Blick in das Leben und die Gedanken von Franz Ferdinand und Sophie.

    Die minutiös versehenen Kapitelüberschriften vermitteln der geneigten Leserschaft den Eindruck „Ja, so hätte es sein können“ – doch Roman bleibt (eben nur) Roman. Wenn er allerdings (so wie in diesem Fall) trotz seiner Fiktionalität nachhaltig wirkendes reales Wissen vermittelt, ist die Form der Darstellung egal.

    Abgerundet wird dieser Thriller durch ein kurzes, aber sehr informatives Nachwort des Autors, dass das Attentat noch einmal in einen geschichtlichen Kontext stellt sowie ein Glossar und ein Namensregister mit allen realen und fiktiven Personen.

    Ein „Rundum Sorglos“-Paket also! Das war mein erster, aber definitiv nicht letzter Roman von Ulf Schiewe, den ich gelesen habe!

    Volle 5* und eine glasklare Leseempfehlung!

    ©kingofmusic

  1. Ein Funke, der einen Flächenbrand auslöst

    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Jan 2020 

    Der Erste Weltkrieg – grausamer und nachhaltiger hätte das 20. Jahrhundert kaum beginnen können, ein Ereignis, das das ganze Jahrhundert prägen sollte. Die Gründe für den Ausbruch desselben waren mannigfaltig, doch gilt das Attentat auf den Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin, Sophie, am 28. Juni 1914 in Sarajevo als dasjenige Ereignis, das diesen ersten industriell geführten Krieg letztlich ausbrechen ließ. In seinem 512-seitigen historischen Thriller „Der Attentäter“, erschienen im November 2019 bei Bastei Lübbe, lässt Ulf Schiewe die letzte Woche vor diesem Anschlag Revue passieren und nimmt Leserinnen und Leser mit auf eine spannende Reise.
    Obgleich das Ende und der Höhepunkt dieser Woche bekannt sind, liest sich dieser Thriller von Anfang bis Ende hoch spannend, was vor allem der atmosphärisch dichten Erzählweise des Autors sowie seiner ausführlichen Recherche zu verdanken ist. Mit seinem klaren, schnörkellosen Schreibstil lässt sich das Buch zudem flüssig lesen, sodass man sich voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren kann.
    Geschildert werden die Ereignisse auf drei Ebenen: Zum einen ist da die Reise des Thronfolgerpaares, deren Höhepunkt der Aufenthalt in Sarajevo ist. Neben historisch belegten Fakten wie dem Besuch eines Manövers in Bosnien und in Sarajevo, erhalten die Leser/innen durch fiktive Szenen Einblicke in das Privatleben der kaiserlichen Familie, was dieser Leben einhaucht. Ein weiterer Erzählstrang erweckt die Attentäter selbst zum Leben. Von Führungspersönlichkeiten des serbischen Geheimbundes „Schwarze Hand“ rekrutiert, handelt es sich bei diesen um historisch belegte Personen, die aufgrund ihrer detaillierten und lebendigen Beschreibung trotz der grausamen Tat sehr menschlich erscheinen. Als größtenteils 19-Jährige sehen sie sich durch die österreichische Regierung und ihre eigene Krankheit veranlasst, ihrem Leben einen letzten Sinn zu geben und in die Annalen der Geschichte einzugehen. Dieses lässt ihre Tat auf der einen Seite nachvollziehbar erscheinen, wirft aber auch die Frage auf, ob sie sich über die (möglichen) Folgen derselben im Klaren waren. Nicht zuletzt zeigt ihre Geschichte auch Parallelen zu heutigen (Selbstmord-)Attentätern auf, was den historischen Ereignissen immerwährende Aktualität verleiht. Am meisten von der Historie entfernt sind schließlich die Schilderungen rund um die Vertreter der Staatsmacht. Mit Rudolf A. Markovic, Major beim österreichisch-ungarischen Geheimdienst in Sarajevo, hat Ulf Schiewe hier einen lebensnahen Protagonisten erschaffen, der zwar versucht, in die historischen Geschehnisse einzugreifen und mit historischen Persönlichkeiten glaubhaft interagiert, der es aber auch nicht schafft, den Lauf der Geschichte „umzuschreiben“. Nichtsdestotrotz stellt sich hier die Frage, ob das Attentat hätte verhindert werden können – wird der Regierung doch tatsächlich im Nachhinein vorgeworfen, nicht für ausreichende Sicherheitsmaßnahmen gesorgt zu haben. Gleichzeitig verdeutlichen diese Schilderungen, wie viele Zufälligkeiten und Verkettungen unglücklicher Umstände unsere Geschichte prägen – und geben dem Roman die letzte Würze.
    Eingeteilt ist der Roman in sieben Kapitel, jedes einem Tag der Unglückswoche im Juni 1914 gewidmet. Jedem Kapitel sind, passend zum jeweiligen Tag, originale Zeitungsartikel vorangestellt, die teilweise einen Blick über das Erzählte hinauswerfen und für neue Denkanstöße sorgen. Gerahmt ist das Ganze von einem Prolog und einem Epilog. Anmerkungen des Autors, in denen das weitere Schicksal der Attentäter sowie Recherchenotizen erörtert werden, ein Glossar sowie ein Personenverzeichnis, in dem fiktive Charaktere extra gekennzeichnet sind, ergänzen das Werk. Eine Karte von Sarajevo in der Buchinnenklappe ermöglichen es, den Weg der Attentäter mitzugehen.
    Insgesamt präsentiert Ulf Schiewe mit „Der Attentäter“ einen historischen Thriller, der überaus spannend zu lesen und ebenso lehrreich ist. Von mir gibt es eine 100%-ige Leseempfehlung – ohne Wenn und Aber.

  1. Packender historischer Thriller

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Jan 2020 

    Der Roman erzählt die Geschichte des Attentats auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand, das als Auslöser des 1.Weltkrieges gilt, äußerst packend und spannend. Betrachtet wird die Woche vor dem Attentat bis zum Tag, an dem der 1.Weltkrieg entfacht worden ist: 22.6.-28.6.1914. Schauplatz ist überwiegend Sarajevo, das Franz Ferdinand anlässlich eines Militärmanövers besuchen will und das, wie ganz Bosnien-Herzegowina, seit 1878 von Österreich-Ungarn annektiert ist.

    Die meisten Figuren des Romans sind historische, erfunden hat Schiewe:

    "Major Markovic [österreichisch-ungarischer Geheimdienstoffizier], Hauptmann Simon [ebenfalls Geheimdienst] und die Bordellbesitzerin Svjetlana[...]. Ich brauche sie und ihre Handlungen, um dem Geschehen noch mehr Spannung und Würze einzuhauchen. In Wirklichkeit hat wohl niemand, weder die Polizei noch der Geheimdienst, geahnt, was an jenem schicksalhaften 28.Juni passieren würde - außer den Verschwörern und Drahtziehern des Attentats." (Anmerkungen des Autors, 497)

    In mehreren Handlungssträngen, gewürzt mit authentischen Zeitungsberichten aus den Archiven, nähert man sich dem Unglückstag. Dabei erleben wir aus der Perspektive aller Beteiligten mit, wie sie die letzte Woche vor dem Attentat erlebt haben.

    Zunächst die Attentäter selbst: Gavrilo Princip, 19 Jahre alt, sowie seine Freunde Trifko und Nedeljko, ebenfalls 19 Jahre alt, die als bosnische Serben den Thronfolger als Vertreter der Besatzungsmacht hassen und die alle an Tuberkulose erkrankt sind und für ihr Vaterland zu sterben bereit sind.

    "Ja, das ist unser Todesurteil, denkt Gavrilo. Nicht die Schüsse, die sie in Sarajevo abfeuern werden, auch nicht die Zyanidkapseln, die Danilo für sie in seinem Rucksack aufbewahrt. Nein, es ist die Krankheit, dieser schleichende Tod, der sie befallen hat, das Blut, das sie sich aus der Lunge husten. Ohne die Schwindsucht säßen sie nicht auf diesem elenden Kahn. Vielleicht wäre dann alles anders." (163)

    Das Zitat wirft die Frage auf, ob die gesellschaftlichen Umstände, die es nur den Reichen ermöglicht, die Tuberkulose zu besiegen, indem sie in Sanatorien reisen können, dazu führen, dass die Jugendlichen aus ärmlichen Verhältnissen, keine Chance mehr sehen und so den radikalen Entschluss fassen, für ihr Vaterland zu sterben.

    Die Innensicht ermöglich so neue Einsichten.

    Pavle, Mitglied der Schwarzen Hand, eines nationalistisch-serbischen Geheimbundes, fungiert als Schleuser, die Jungen über die Grenze bringt. Danilo Ilic ist ihr Ausbilder, Begleiter und "Aufpasser".

    Im Hintergrund agieren "Dimitrijevic, Mitbegründer und Anführer der Schwarzen Hand, und Tankosic, zweiunddreißig Jahre alt, Major der serbischen Armee und ehemaliger Tschetnik im Kampf gegen die Osmanen" (13), der überzeugt ist, dass die Jungen trotz ihrer Jugend den Auftrag meistern werden:

    "Ilic meint, Gavrilo ist lungenkrank und weiß, dass er nicht lange zu leben hat. - Ach, und deshalb ist es ihm egal, dass er dabei draufgeht? - Er will nicht abtreten, bevor er etwas Großes für Serbien getan hat." (17)

    Auf österreichischer Seite spielt Potiorek eine entscheidende Rolle, der Landeschef von Bosnien-Herzegowina schlägt alle Warnungen zu einem möglichen Attentat in den Wind und schätzt die Zustimmung zur Monarchie in Sarajewo falsch ein.

    "Sarajevo ist sicher. Die Bevölkerung freut sich auf den Besuch. Es ist eine Ehre für diese Stadt." (35)

    "Feldzeugmeister Potiorek hat die Armee aus der Stadt verbannt. Wir sollen nicht als Besatzungsmacht auftreten, sagt er. Er will fröhliche Menschen auf den Straßen, die Eure Hoheit mit Begeisterung zujubeln, und keine Soldaten." (49)

    Hinzu kommt das Franz Ferdinand ausgerechnet an einem nationalen Gedenktag der Serben in Sarajevo seinen Auftritt hat. Markovic sieht die Gefahr, die davon ausgeht.

    "Ein Gutteil der Bevölkerung sieht in der Annexion durchaus einen Vorteil, besonders wirtschaftlicher Art. Nicht wenige, vor allem die bosnischen Serben, betrachten die Österreicher allerdings als Besatzer und Unterdrücker." (37)

    Besonders interessant sind die Szenen, die den Thronfolger mit seiner Frau Sophie und den drei Kindern zeigen. Unbekannt dürfte den meisten sein, dass die beiden eine morganatische Ehe führten. Da Sophie von niederem adligen Stand ist, wird sie behandelt wie eine legitimierte Mätresse, die Nachkommen sind von der Thronfolge ausgeschlossen. Aber die beiden lieben sich und Franz Ferdinand hat jahrelang um diese Ehe gekämpft. Im Privaten erscheint er als liebevoller Ehemann und Vater, in der Öffentlichkeit und seinen Untergebenen gegenüber wirkt er jedoch oft cholerisch.

    Sie hingegen ist durchweg sympathisch, will ihre Kinder zur Selbstständigkeit erziehen und freut sich auf den Auftritt in Sarajevo, da sie nur bei militärischen Manövern an der Seite ihres Mannes stehen darf. Bei offiziellen Anlässen in Wien ist ihr dies nicht erlaubt.

    Im Verlauf der Handlung streben die einzelnen Handlungsstränge aufeinander zu. Die Attentäter nähern sich Sarajevo, das Schleusen über die Grenze ist unglaublich spannend beschrieben, während der Geheimdienst ihnen langsam auf die Spur kommt - zwar fiktiv, trotzdem spannend.

    Der Thronfolger reist via Schiff Richtung Sarajevo, Sophie mit der Bahn zu ihrem luxuriösen Domizil, während die Attentäter in ihrem Unterschlupf immer wieder von Zweifeln geplagt werden. Die Innensicht aller Beteiligten ermöglicht den Leser*innen selbst die Attentäter als Menschen wahrzunehmen, ihre Motive nachzuvollziehen, auch wenn man letztlich kein Verständnis für ihre Tat aufbringen kann.

    Ein sehr dichter Roman, vor allem die Schilderung des letzten Tages - den muss man zusammenhängend lesen. Die fiktiven Zeitangaben über den Kapiteln verstärken die Dichte der Ereignisse, nebenbei verleihen sie dem Geschehen wie auch die Zeitungsbericht zusätzlich Authentizität.

    Besser als alle Geschichtsbücher und viel spannender, war der Tenor in der Leserunde, in der der Autor selbst unsere Fragen beantwortet hat.

    Klare Lese-Empfehlung!

  1. Sieben Tage im Juni

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Jan 2020 

    Europa im Juni 1914: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie, werden zu einem Besuch in Sarajevo erwartet. Nach einem Militärmanöver wollen sie auch die Innenstadt besuchen. Doch auf dem Balkan brodelt es. Drei junge Serben, der 19-jährige Gavrilo Princip und seine beiden gleichaltrigen Kameraden, bereiten ein Attentat auf den Thronfolger vor, denn sie trachten ihm nach dem Leben. Dabei werden sie unterstützt von einer heimlich agierenden serbischen Organisation. Der Geheimdienst hat allerdings Wind von der Sache bekommen. Major Rudolf Markovic ist den Verschwörern auf der Spur und will das Attentat verhindern. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

    „Der Attentäter“ ist ein historischer Thriller von Ulf Schiewe.

    Meine Meinung:
    Das Buch besteht aus sieben Kapiteln – unterteilt in die Wochentage zwischen Montag, 22. Juni, und Sonntag, 28. Juni 1914. Zudem gibt es einen Pro- und einen Epilog. Erzählt wird im Präsens abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven –aus der Sicht des Erzherzogs und seiner Frau, der der Attentäter, der eines Geheimdienstoffiziers und vieler weiterer Personen. Jeder dieser Abschnitte ist überschrieben mit einer genauen Uhrzeit und einem Ort. Diese einheitlichen Angaben machen die Orientierung leicht. Der Aufbau ist sinnvoll durchdacht und funktioniert gut.

    Der Schreibstil ist schnörkellos, aber anschaulich und dank viel wörtlicher Rede lebhaft. Etwas störend sind nur zahlreiche Tipp- und Zeichenfehler.

    Im Fokus stehen zweifelsohne Thronfolger Franz Ferdinand sowie die Gruppe der Attentäter, also Personen, die real existierten. Sie werden unter anderem ergänzt um den fiktiven Major Markovic, eine interessante und authentisch anmutende Figur. Die Gedanken- und Gefühlswelt der Akteure wird dabei sehr gut deutlich. Trotz der schnellen Perspektivwechsel kommt man den Personen nahe. Auffallend ist die Vielzahl an Charakteren. In Verbindung mit etlichen unbekannten Namen ist das zunächst etwas verwirrend. Ein Personenverzeichnis, das darüber Aufschluss gibt, welche Figuren rein fiktiv sind, hilft jedoch weiter.

    Die historische Thematik hat meine Neugier auf den Roman geweckt. Gut gefällt mir, dass sich der Autor so nah an die tatsächlichen Begebenheiten hält und Fakten und Fiktion auf gelungene Weise verbindet. Die fundierte Recherche wird nicht nur im Nachwort („Anmerkungen des Autors“) deutlich, das die Handlung des Romans einordnet und mit weiteren Informationen ergänzt. Selbst wer mit dem Attentat und seinen Umständen bereits vertraut ist, hat die Möglichkeit, beim Lesen noch einiges zu lernen. Wer dagegen wenig Ahnung von dem historischen Geschehen hat, kann der Handlung ebenfalls gut folgen. Dazu trägt auch das sinnvolle Glossar bei.

    Obwohl der Ausgang des Attentats hinreichend bekannt ist, wird die Lektüre nicht langweilig. Die Handlung ist dennoch fesselnd und gleichzeitig abwechslungs- und facettenreich. Auf annähernd 500 Seiten entstehen keine Längen.

    Das Cover passt gut zum Inhalt. Auch der prägnante Titel ist treffend gewählt, wobei „Die Attentäter" vielleicht sogar noch besser formuliert wäre.

    Mein Fazit:
    „Der Attentäter“ von Ulf Schiewe ist ein auf historischen Begebenheiten basierender Thriller, der mich rundum überzeugen konnte. Nicht nur für Geschichtsfans eine unterhaltsame und interessante Lektüre.

  1. Letzte Junitage

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Jan 2020 

    Der österreichisch-ungarische Thronfolger soll im Juni 1914 in der Nähe von Sarajevo einem Manöver beiwohnen. Seine Frau Sophie begleitet ihn auf der Reise, denn es soll auch einen angenehmen Teil geben, während dessen er nicht auf seine geliebte Gattin verzichten möchte. In Sarajevo kursieren Gerüchte, dass Mitglieder der „Schwarzen Hand“, einer geheimen serbischen Terrororganisation, einen Anschlag auf das Thronfolger-Paar planen. Major Markovic vom österreichisch-ungarischen Geheimdienst versucht zum einen herauszufinden, ob an den Gerüchten etwas dran und falls ja, das Attentat zu verhindern. Gleichzeitig sind jedoch wenige Polizisten und andere Sicherheitsleute vor Ort, so das keine lückenlose Absicherung des hohen Besuches gewährleistet ist.

    Aus Sicht von Thronfolger Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie, der Sicherheitsdienste und der Attentäter wird über die Woche vor dem Attentat und über das Attentat berichtet. Die Gruppe von Attentätern hat die Tat ausgiebig geplant und geübt. Der Geheimdienst erfährt von den Plänen und seine alle Kraft des Apparates in Bewegung, um das Attentat zu verhindern und die mutmaßlichen Täter zu verhaften. Die glücklich verheirateten Thronfolger freuen sich auf die Reise wie auf einen Urlaub. Besonders Franz Ferdinand mag nicht glauben, dass ihnen jemand nach dem Leben trachten könnte.

    Man glaubt gar nicht, dass ein historisch verbürgtes Ereignis zu einem so spannenden Roman führen kann. Von dem Attentat auf den Thronfolger weiß man aus dem Geschichtsunterricht und man erinnert sich, dass es als Auslöser für den ersten Weltkrieg genommen wurde. Dass mit Franz Ferdinand einer getötet wurde, der eher gegen einen Krieg war, ist schon eine bitterböse Ironie. In diesem historischen Roman wird das Thronfolger-Paar sehr menschlich und auch sympathisch dargestellt, nicht so herrschaftlich von oben herab, wie man sich es vielleicht vorstellt. Doch auch die Attentäter werden nicht als dumme Mörder beschrieben, sondern eher wie junge Menschen, denen eine schwere Krankheit, die Tuberkulose, die Zukunft genommen hat. Da sie eh nichts mehr zu verlieren hatten, haben sie sich der „Schwarzen Hand“ angeschlossen. Ein besonderes Spannungsmoment besteht darin, dass der Geheimdienst immer wieder knapp davor ist, das Attentat zu verhindern. Und so läuft die packende Handlung auf ihr bedauerlicherweise unausweichliches Finale hin. Ein toller Roman über ein geschichtliches Ereignis, das dem Leser so ungemein nahe gebracht wird.

  1. Ein Wendepunkt der Geschichte, packend neu erzählt

    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Jan 2020 

    „Ich danke Ihnen für die Besorgnis um unseren Thronfolger. Aber wegen ein paar Gerüchten können wir nicht die Reise absagen.“ (Zitat Seite 230)

    Inhalt
    Mlada Bosna ist eine serbisch-nationalistische Organisation junger bosnischer Serben, die mit allen Mitteln für ein vereinigtes Großserbien kämpfen. Auch der neunzehnjährige Gavrilo Princip und seine beiden gleichaltrigen Freunde Nedeljko und Trifko gehören zu dieser Vereinigung. Intensiv geschult und ausgebildet durch Mitglieder des serbischen Geheimbundes Schwarze Hand, bereiten sie ab März 1914 einen Anschlag auf das österreichische Thronfolgerpaar vor. Ausgerechnet am 28. Juni, dem serbischen Gedenktag an die Schlacht auf dem Amselfeld, werden Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie Sarajevo besuchen. Immer wieder hört Major Rudolf Markovic vom österreichischen Geheimdienst Gerüchte über ein geplantes Attentat, doch ein Thronfolger lässt sich nicht durch Gerüchte beeinflussen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

    Thema und Genre
    Dieser historische Thriller handelt von dem Anschlag am 28. Juni 1914 auf das österreichische Thronfolgerpaar, auf die politischen Zusammenhänge und die massiven Fehleinschätzungen, die dazu geführt haben, dass dieses Attentat nicht verhindert wurde.

    Charaktere
    Die historisch bekannten Personen, aus den Seiten der geschichtlichen Datensammlungen und Sachbücher in diese dichte Handlung der letzten Woche vor dem Attentat zurückgeholt, werden für den Leser zu handelnden, fühlenden, zweifelnden Menschen. Die Schilderung der Charaktere auf Grund von Quellen und intensiver Recherche ergibt ein neues, erweitertes Bild, in dem auch die Täter nicht automatisch die Bösen sind, sondern junge Idealisten, die glauben, das Beste für Serbien zu tun. Dazwischen schieben sich Wohlfühlszenen des Thronfolgerpaares, zuerst in der Familie, dann während der Reise, die auch Herzogin Sophie sichtlich genießt. Ergänzt werden die realen Personen durch einige fiktive Charaktere, die das Gesamtbild abrunden.

    Handlung und Schreibstil
    Ein Ereignis, das bereits ob seiner geschichtlichen Tragweite in zahlreichen Biografien, Sachbüchern und Dokumentationen geschildert und im Jahr 2014 nochmals intensiv diskutiert wurde. Ein Anschlag, bei dem Tatzeit, Täter, Opfer, Tathergang und Hintergründe bekannt sind, wir Leser wissen schon vorab, was passieren wird. Dennoch entwickelt der Autor aus diesen Tatsachen eine intensive, packende, neue Geschichte. Unterschiedliche Perspektiven, eine personale Erzählweise, die abwechselnd Gavrilo Princip und die Vorbereitungen des Attentats, Erzherzog Franz Ferdinand und die Reise, sowie Rudolf Markovic und seine Recherchen in den Mittelpunkt stellt, sowie die straffen Zeitangaben mit teilweise minütlich gleichzeitigen Geschehnissen machen aus diesem Roman der Fakten, vermischt mit etwas Fiktion, ein Leseerlebnis, das man am besten mit „Geschichte lebt“ beschreiben kann.

    Fazit
    Eine überzeugende Mischung aus Biografie und Roman, welche die Tage vor dem Attentat von Sarajevo und den Anschlag selbst facettenreich, straff und spannend schildert. Interessante, genau recherchierte Hintergrundinformationen ergänzen die packend und stimmig neu erzählte Geschichte.

 

Die Frau aus Oslo: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Frau aus Oslo: Kriminalroman' von Kjell Ola Dahl
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Oslo, 1942. Die Stadt ist von den Nazis besetzt. Die Jüdin Esther kämpft im Widerstand - bis sie verraten wird. In letzter Sekunde gelingt ihr die Flucht nach Schweden. Ihre Familie jedoch wird deportiert. In Stockholm trifft Esther den Widerstandskämpfer Gerhard Falkum, der ebenfalls aus Oslo geflohen ist. Er steht unter Mordverdacht an seiner Frau. Ein Verdacht, der nie ausgeräumt werden kann und Esther Jahrzehnte später noch beschäftigt. Denn zurück in Oslo will sie herausfinden, wer ihre Familie damals in den sicheren Tod geschickt hat ...

Format:Taschenbuch
Seiten:432
Verlag: Ehrenwirth
EAN:9783431041187
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Rezensionen zu "Die Frau aus Oslo: Kriminalroman"

  1. Verraten und belogen wird man meist von guten Freunden

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 01. Jul 2019 

    "Die Wahrheit ist eine unzerstörbare Pflanze. Man kann sie ruhig unter einen Felsen vergraben, sie stößt trotzdem durch, wenn es an der Zeit ist." (Frank Thiess)
    Im Jahr 1942 wird Norwegen von den Nazis besetzt, besonders in Oslo macht sich die Judenverfolgung bemerkbar. Esther eine jüdische Widerstandskämpferin wird bei einem Einsatz verraten, kann jedoch rechtzeitig entkommen und sich nach Schweden absetzen. Für ihre Familie jedoch kommt jede Hilfe zu spät. Sie selbst erlebt noch, wie ihr Vater deportiert wird und Rest der Familie folgt wenige Zeit später. Doch zur selben Zeit wird außerdem Esthers Freundin Ase ermordet in ihrer Wohnung vorgefunden. In den Verdacht gerät schnell ihr Freund Gerhard Falkum und so muss er ebenfalls nach Schweden fliehen, um der Verhaftung zu entgehen. Zurück lässt er in der Obhut von Ases Mutter, seine kleine Tochter Turid. Viele Jahre vergehen Esther und Gerhard haben sich aus den Augen verloren, da man annahm, dass er tot ist. Doch 1967 taucht er eines Tages wieder in Oslo auf, anscheinend will er seine Tochter Turid sehen. Esther ist sich jedoch sicher, das er zudem den Mörder von Ase entlarven möchte. Doch selbst Esther sucht nach so vielen Jahren immer noch wer ihre Familie verraten und in den Tod geschickt hat.

    Meine Meinung:
    Das Cover mit der fliehenden Frau passte sehr gut inhaltlich zum Buch. Für mich war dies das erste Buch des Autors und der erneute Versuch eines skandinavischen Krimis. Zudem wollte ich dieses Buch unbedingt lesen, da es als Bestseller angepriesen wurde und mich der Klappentext neugierig gemacht hatte. Der Schreibstil war anfänglich auch noch sehr interessant, den es ging und die Kriegswirren im Jahr 1942 im norwegischen Oslo. Unter anderem war ich erstaunt zu lesen, wie sehr das norwegische Volk und vor allem die Juden unter den Nazis zu leiden hatten. Darum flohen viele nach Schweden um dort ihrer Verfolgung oder Strafe zu entgehen. Leider wurde die Geschichte für mich immer verwirrender, besonders da die Handlung recht schnell zwischen den Jahren 1942 und 1967 hin und her flog. Ganz nebenbei floss zudem noch die Gegenwart mit ein, wobei ich diese als total unnötig und irrelevant empfand. Auch wenn es mir im ganzen Buch an Spannung und Emotionen fehlte, gefiel persönlich die Handlung von 1942 besser als die anderen Zeitstränge. Dabei stellten sich mir im Lauf des Lesens viele Fragen, die mir jedoch leider nicht alle am Ende beantwortet wurden. Das größte Fragezeichen allerdings war der Tod von Ase, wo ich lange rätselte, wer der Täter/in war. Aufgelöst wurde es erst am Buchende, doch ein genaues Motiv, warum Ase so grausam sterben musste bleib der Autor leider schuldig. Genauso nervte mich das häufige Aufzählen der viele Namen von Straßen und Handlungsplätzen, mit denen ich sowieso nichts anfangen konnte. Manchmal hatte ich dabei eher das Gefühl einen Reiseführer und keinen Krimi zu lesen. Ebenso blieben die ganzen Protagonisten sehr oberflächlich. So erfuhr ich, als Leser relativ wenig was in den Jahren dazwischen mit diesen passiert war. Zum Beispiel erwähnte der Autor mehrmals die unansehnliche Narbe von Esther, klärt jedoch gleichzeitig den Leser nicht auf, woher diese genau stammt. Da fragte ich mich dann schon warum erwähnt man dieses Detail dann so häufig? So ging es leider mehrmals und so war es dann am Ende kein Wunder, das bei mir Fragen offen bleiben und einige Motive gar nicht geklärt wurden. Außerdem empfand ich das Ende viel zu abrupt, surreal und unspektakulär. Vieles wurde dabei der Fantasie des Lesers überlassen, warum es nun so ausging. Von den Protagonisten selbst gefiel mir am besten Esther, sie erschien mir am ehrlichsten und natürlichsten, selbst wenn sie im Laufe der Handlung Dinge tut, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Mit den Protagonisten Gerhard, Roar und Sverre wurde ich nie richtig warm, für mich blieben sie alle drei recht blass, ich hätte mir da deutlich mehr Tiefgang gewünscht. Ebenso wie Turid, von der man meiner Ansicht nach viel zu wenig erfuhr. Darum hat mir dieses Buch erneut gezeigt, das skandinavische Krimis nichts für mich sind. Wer jedoch sehr gerne seichte Krimis, mit nördlicher Kälte liebt, für den mag dieses Buch genau richtig sein. Mich konnte die Geschichte leider nicht packen und ich bin enttäuscht, dass dies ein Bestseller sein soll. Deshalb gibt es von mir nur 2 1/2 von 5 Sterne.

 

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