Der Petticoat-Mörder: Fred Lemkes erster Fall (Lemke-von Stain-Serie 1)

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Petticoat-Mörder: Fred Lemkes erster Fall (Lemke-von Stain-Serie 1)' von Leonard Bell
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Petticoat-Mörder: Fred Lemkes erster Fall (Lemke-von Stain-Serie 1)"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:356
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  1. Rezension zu Der Petticoat-Mörder

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Sep 2020 

    Berlin 1958
    Fred Lemke, ein ehemaliger Laternenanzünder, wird als Kriminalassistent der Kreuzberger Kriminalpolizei zugeteilt und bekommt es direkt mit einem Mordfall zu tun. Am Ufer des Rixdorfer Teiches wurde eine Leiche gefunden, sein Vorgesetzter möchte es am liebsten als Raubmord direkt zu den Akten legen, aber bei Lemke erwacht der Ermittlerinstinkt. Schnell scheint ein Tatverdächtiger festzustehen, aber Lemke will den Fall weiteruntersuchen und so geraten auch die Ehefrau und die Geliebte erstmal ins Visier. Seine Nachforschungen führen ihn auch in die Zeit des Nationalsozialismus zurück, denn das Opfer scheint nicht so unbescholten zu sein, wie es nach außen scheint. Mit seiner Kollegin Ellen von Stain, stößt er auf massive Widerstände, die zeigen wieviel Macht und Einfluss die alten Kader noch haben.

    Der Petticoat-Mörder ist der erste Teil der Lemke –und-von Stain-Reihe und stammt aus der Feder von Leonard Bell.

    Nachkriegsdeutschland – Fred Lemke, darf nach seiner Ausbildung direkt bei der Abteilung Delikte am Menschen in Berlin anfangen, und das obwohl er der zweitschlechteste seines Jahrganges war. Sein erster Fall ist auch direkt ein Mordfall, den er zusammen mit seinen Kollegen untersuchen soll. Dieser möchte es direkt als Raubmord abtun, aber Fred Lemke sieht das anders und stößt damit direkt auf wenig Gegenliebe bei seinen Kollegen.

    Fred Lemke ist ein junger Mann, der mit seinen 23 Jahren noch nicht wirklich in der Welt angekommen ist. Sein neuer Beruf und die Menschen die er dadurch kennenlernt zeigen ihm eine neue Welt in Berlin und nur langsam kann er sich darauf einlassen. Als Ermittler scheint er aber die richtige Spürnase zu haben, denn trotz aller Widerstände lässt er nicht locker, was mir wirklich gut gefallen hat. Als Charakter mag ich Lemke eigentlich, auch wenn er manchmal ein wenig weltfremd wirkt, hat er das Herz auf dem richtigen Fleck.

    Ellen von Stain, seine Kollegin, ist schwerer zu fassen, man erfährt so einiges aus der familiären Vergangenheit, allerdings bleibt sie in vielen Bereichen undurchsichtig und geheimnisvoll, was für mich aber ein zusätzlicher Reiz darstellte, denn ich wollte die ganze Zeit immer wissen was es mit ihr auf sich hat.

    Der Fall selbst ist interessant und spannend, die Verstrickungen des Opfers in der Nazizeit lassen einen nur erschauern und ehrlich gesagt auch wenig Mitleid mit ihm aufkommen. Mir persönlich hat der Schauplatz im Nachkriegsdeutschland sehr gut gefallen, so langsam wird wieder gelebt, aber auf der anderen Seite haben immer noch viele Menschen Einfluss die schon im Naziregime was zu sagen hatten. Auch die Polizeiarbeit wirkt aus heutiger Sicht teils erschreckend, natürlich gab es viele Ermittlungsmethoden noch nicht, aber wie ermittelt wird und teils mit welchen Methoden Menschen in Verhören unter Druck gesetzt wurden nur um das gewünschte Ergebnis zu bekommen, ob es wahr ist oder nicht, wirkt schon sehr abschreckend.

    Dem Autor ist es für mein Empfinden gut gelungen in diesem historischen Krimi die damalige Zeit einzufangen , das neue Lebensgefühl und die alte Denkweise, die hier auch gerne mal aufeinander prallen.

    Mein Fazit:
    Für mich ein gelungener Serienstart, der Lust auf mehr macht. Ich bin schon auf den nächsten Teil der Reihe gespannt.

 

Arrowood - Die Mördergrube: Kriminalroman für Sherlock Holmes Fans

Buchseite und Rezensionen zu 'Arrowood - Die Mördergrube: Kriminalroman für Sherlock Holmes Fans' von Finlay, Mick
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Arrowood - Die Mördergrube: Kriminalroman für Sherlock Holmes Fans"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:432
Verlag:
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  1. Miss Birdie

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 27. Feb 2020 

    Wie immer muss William Arrowood neidvoll zugestehen, dass Sherlock Holmes einfach die bessere Presse bekommt. Er ist in die Suche eines jungen Adligen einbezogen. Zu Arrowood kommt dagegen das Ehepaar Barcley. Dieses will herausfinden, wieso ihre Tochter Birdie, die seit ein paar Monaten verheiratet ist, ihre Eltern nicht sehen will. Es ist nicht schwierig, die frisch Verheirateten zu finden. Birdie und ihr Mann leben auf einer Farm. Doch bei einem Treffen ist kaum ein Wort aus Birdie herauszukriegen. Allerdings wirkt sie nicht sehr glücklich. Neugierig geworden, beginnen Arrowood und sein Partner Barnett mit weiteren Nachforschungen.

    Dies ist der zweite Fall, in dem Arrowood und Barnett ermitteln, wobei Arrowoods Konkurrenz zu Sherlock Holmes nur am Rande auftaucht. Zu beschäftigt sind die beiden mit ihrem neuen eigenen Fall, die sie natürlich nicht in gehobenere Kreise führt, sondern eher in die Reihen der weniger Betuchten. Birdie ist dem Anschein nach eine freundliche, aber eher schlichte junge Frau. Sie schafft es nicht, sich aus ihrer Situation zu lösen. Ist sie überhaupt gerne verheiratet? Und was geht sonst noch auf der Farm vor sich? Ein Besuch dort ist unerläßlich und Arrowood erfährt, dass die Farm mehrere Arbeiter beschäftigt, die offensichtlich geistig eingeschränkt sind.

    Nach dem ersten Band, in dem Arrowood wie eine Art armer Verwandter des weithin bekannten Holmes auftaucht und der dadurch seinen Charme bezieht, fehlt diesem zweiten Band diese Überraschung zwangsläufig. Am Beginn entwickelt sich die Geschichte so langsam und betulich, dass man zu der Überlegung kommt, ob man dem Roman sei es auch nur als Hörbuch noch mehr Zeit widmen möchte. Erst recht spät kommt der Autor zu dem eigentlichen Thema, der Behandlung oder eher Misshandlung der geistig Behinderten im ausgehenden 19. Jahrhundert, wobei einige Beschreibungen kaum zu ertragen sind. Doch man beginnt mitzufiebern, ob nicht wenigstens ein paar der bedauernswerten Menschen aus ihrer Lage gerettet werden können und einer besseren Zukunft entgegensehen können. Dass Arrowood, um das ehrenvolle Ziel zu erreichen, teilweise seine schlechteren Seiten zeigen muss, nimmt man ihm nach einigen Erläuterungen nicht allzu übel.

    Angenehm vorgetragen wird dieses Hörbuch, das einiges Durchhaltevermögen einfordert, sich dann aber einen sehr interessanten Thema zuwendet, von Alexis Krüger.
    3,5 Sterne

 

Der rote Judas: Paul Stainer 1

Buchseite und Rezensionen zu 'Der rote Judas: Paul Stainer 1' von Thomas Ziebula
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der rote Judas: Paul Stainer 1"

Leipzig, Januar 1920. Der Polizist Paul Stainer kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Deutschland taumelt durch die Nachkriegswirren, nichts ist mehr so, wie es einmal war, und in viel zu vielen Nächten wird Stainer vom Grauen der Schützengräben eingeholt. Doch ein aufsehenerregender Fall zwingt den Kriminalinspektor, sich mit der Gegenwart zu befassen: In der Villa eines Fabrikanten werden mehrere Menschen erschossen.

Alles sieht nach einem missglückten Einbruch aus, doch eine verängstigte Zeugin und ein Koffer voller Dokumente führen Stainer bald auf die Spur der "Operation Judas", Männer, die über Leichen gehen, um ihre Verbrechen zu vertuschen. Was der Inspektor nicht ahnt: Die Mörder haben ihn längst ins Visier genommen und planen seinen Tod.

Format:Audible Hörbuch
Seiten:0
EAN:

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Das verlassene Haus

Buchseite und Rezensionen zu 'Das verlassene Haus' von D. M. Pulley
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das verlassene Haus"

Von der preisgekrönten Erfolgsautorin von »Der tote Schlüssel«.

Fünf Familienschicksale und ein altes Haus voller Geheimnisse …

Hunters Eltern wollen mit der Vergangenheit abschließen – in einer neuen Stadt, in einem neuen Zuhause. Sie kaufen das renovierungsbedürftige Anwesen Rawlingswood. Doch das alte Haus scheint sich gegen die Familie zu sperren. Während die Eltern nicht zur Ruhe kommen, beginnt Hunter, Fragen nach Rawlingswoods Vergangenheit zu stellen.

Wer waren seine früheren Besitzer und warum gilt es als »Mordhaus«? Liegt auf dem Haus wirklich ein Fluch oder gibt es natürliche Gründe dafür, dass die Familie sich ständig beobachtet fühlt?

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:467
Verlag: Edition M
EAN:

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Rezensionen zu "Das verlassene Haus"

  1. Wie gehabt

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 14. Mär 2020 

    Im letzten Quartal habe ich die beiden ersten Romane aus der Reihe um den Inspector Armand Gamache von der Sûreté Québec gelesen. Der erste gefiel mir gut, so dass ich am Ball blieb. Der zweite fiel schon etwas ab, aber eröffnete eine Nebenhandlung, die, so ließ es der Klappentext des dritten vermuten, aufgelöst würde. Doch meine Hoffnung wurde nicht erfüllt, dazu später.

    Im dritten Fall geht es um eine allseits beliebte Frau, die auf eine raffinierte art und Weise ermordet wird. Das beschauliche Three Pines bekommt Besuch von einem Medium, Anlass für zahlreiche aus dem Vorgängerroman bekannte Figuren an einer Sèance teilzunehmen. Verläuft die erste noch mit harmlosen schaudern, so beschließen die Teilnehmer eine Wiederholung im berüchtigten Hadley-Haus, dem Schauplatz der Morde in den Vorgängerromanen. Doch aus dem Spaß wird Ernst, denn bei dieser Sitzung stirbt Madleine Favreau, die oben erwähnte allseits beliebte Frau. Doch kann man an einem Schreck sterben? Gamache und sein Team finden heraus, dass das Opfer herzkrank war, mit Tabletten vergiftet wurde, so dass der Schreck nur noch der letzte Baustein zum herbeigeführten Tod war. Doch wußte angeblich keiner von der Herzschwäche, auch war der Bseuch des Mediums nicht planbar, außerdem scheint niemand ein Motiv für die Tat zu haben. Es bedarf einiger Recherchen Gamaches und seiner Leute in der Vergangenheit des Opfers und der übrigen Teilnehmer der Séance, um mögliche Motive (die es dann zuhauf gibt) und den Täter zu ermitteln.

    Dabei kommt nun die Nebenhandlung ins Spiel. Gamache, der vor Jahren einen kriminellen Vorgesetzen in der Sûreté überführt hatte und deshalb dort karrieremäßig stagniert sowie zahlreiche Feinde hat, gerät in den Fokus der Medien, die ihn selbst als korrupt und kriminell hinstellen und auch nicht davor zurückschrecken, seine Familie mit in den Sumpf zu ziehen. Doch Gamache, der mit dieser Auseinandersetzung rechnen musste und gerechnet hat, ist nicht unvorbereitet. Doch selbst wird überrascht, als sich der Hintermann der Intrige zu erkennen gibt, der aus einer ganz anderen Ecke als aus der erwarteten kommt. Und damit bin ich bei meiner Kritik. Offensichtlich wird die oben erwähnte Nebenhandlung weiter fortgeführt, was ich als Leser auf Dauer ermüdend finde, vor allem deshalb, weil die eigentlichen Fälle ausreichen, um den Leser zu unterhalten. Außerdem findet auch in diesem Roman das pseudo-philosophische und -religiöse Gequatsche seinen Fortgang, auch darauf kann ich gut verzichten. Ich habe noch einen weiteren, deutlich späteren Gamache-Roman auf meinem Lesetisch, den ich sicherlich auch irgendwann lesen werde, aber vorest ist ersteinmal Pause, was diese Reihe betrifft.

  1. Ein düsteres Haus, das die Geschichten seiner Bewohner bewahrt

    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Jan 2020 

    „Die Tür hing reglos an ihren Scharnieren und wartete. Sie war nicht saniert worden, die Spuren von so vielen Menschen – den Bauarbeitern, den Landstreichern, den vorherigen Besitzern, den Bediensteten – schlummerten im Holz und hingen im Furnier.“ (Zitat Pos. 818)

    Inhalt
    Rowlingswood ist ein altes Haus, erbaut im Kolonialstil mit britischem Charme, von einem großen Grundstück umgeben. Es steht in Shaker Heights, zehn Kilometer von Cleveland, Ohio, entfernt. Erbaut 1922 von der Rawlings-Familie, war dieses Haus im Laufe der Zeit von zwei weiteren Familien bewohnt worden und steht seit 2016 wieder leer. Myron und Margot Spielman kaufen das renovierungsbedürftige Anwesen im Mai 2018 auf Grund des günstigen Preises. Gerüchte gibt es viele über dieses Haus und irgendwie scheint es ein Eigenleben zu führen, düster und beinahe feindselig. Hunter, der Sohn der Familie, beginnt nachzuforschen, wer die Vorbesitzer waren und was in diesem Haus wirklich passiert ist.

    Thema und Genre
    Dieser Roman ist ein Thriller in der Form eines klassischen Schauerromans. Ein düsteres Haus mit dunklen Ecken und Gängen, unheimliche Schatten und eigenartige Vorkommisse, für die es keine logische Erklärung zu geben scheint. Gleichzeitig geht es auch um das Schicksal von Familien und die Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

    Charaktere
    In jeder Familie, die in diesem Haus bisher gewohnt hat, gab und gibt es Geheimnisse, wobei die Autorin ihre Charaktere und deren Konflikte nachvollziehbar schildert. Die dunkle
    Ausstrahlung des großen Hauses mit den vielen, teilweise unbewohnten Räumen, wirkt sich zusätzlich beklemmend auf die Bewohner aus. Hunter, ein in sich gekehrter Teenager, von den Eltern oft nicht verstanden, wollte nicht aus seinem alten Umfeld wegziehen. Seine Mutter findet das Haus gruselig, und auch er findet es unheimlich. Dennoch beginnt er, sich mit der wechselvollen Geschichte der ehemaligen Bewohner auseinanderzusetzen.

    Handlung und Schreibstil
    Die Geschichte umfasst vier Erzählstänge. Im Mittelpunkt steht jeweils eine Familie, deren Schicksal in diesem Haus abwechselnd erzählt wird, wobei jeweils der chronologische Zeitablauf eingehalten wird. Schließlich fügen sich die Abläufe im Jahr 2018 zu einem Gesamtbild. Der Name der jeweiligen Familie und das Datum in der Kapitelüberschrift machen es einfach, der Handlung zu folgen. Die Sprache ist dem Genre angepasst, wobei es die Autorin versteht, wie in einer klassischem Gothic Novel die Spannungs- und Schauerelemente leise, subtil, aber eindrücklich einzusetzen.

    Fazit
    Ein Thriller im Stil eines klassischen Schauerromans, bei dem es um die Schicksale der Menschen geht, die in einem Zeitraum von beinahe einhundert Jahren in einem großen, inzwischen alten und etwas verwahrlosten Haus gelebt haben. Die Wände, die Räume, alles in diesem verzweigten Gebäude scheint den neuen Besitzern 2018 flüsternd Geschichten von den Geistern der Vergangenheit zu erzählen.

 

Haarmann: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Haarmann: Kriminalroman' von Dirk Kurbjuweit
4
4 von 5 (10 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Haarmann: Kriminalroman"

Im Hannover der 1920er-Jahre verschwinden Jungs, einer nach dem anderen, spurlos. Steckt ein bestialischer Massenmörder dahinter? Für Robert Lahnstein, Ermittler im Fall Haarmann, wird aus den Gerüchten bald schreckliche Gewissheit: Das Deutschland der Zwischenkriegszeit, selbst von allen guten Geistern verlassen, hat es mit einem Psychopathen zu tun. Lahnstein, der alles dafür gäbe, dass der Albtraum aufhört, weiß bald nicht mehr, was ihm mehr zu schaffen macht: das Schicksal der Vermissten; das Katz-und-Maus-Spiel mit dem mutmaßlichen Täter; die dubiosen Machenschaften seiner Kollegen bei der Polizei; oder eine Gesellschaft, die nicht mehr daran glaubt, dass die junge Weimarer Republik sie vor dem Verbrechen schützen kann. Dirk Kurbjuweit inszeniert den spektakulärsten Serienmord der deutschen Kriminalgeschichte psychologisch raffiniert und extrem fesselnd. Eindringlich ergründet er die dunkle Seite der wilden 1920er-Jahre, zeigt ein Zeitalter der traumatisierten Seelen, der politischen Verrohung, der massenhaften Prostitution. So wird aus dem pathologischen Einzelfall ein historisches Lehrstück über menschliche Abgründe.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783328600848

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Rezensionen zu "Haarmann: Kriminalroman"

  1. Kannibale, Totmacher, Werwolf

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Apr 2020 

    “Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Schabefleisch aus dir. Aus den Augen macht er Sülze, aus dem Hintern macht er Speck, aus den Därmen macht er Würste und den Rest, den schmeißt er weg.”
    (“Haarmann-Lied”)

    Ich kann mich gut daran erinnern, dass meine Mutter manchmal dieses Lied sang, als ich noch klein war. Das machte mir keine Angst, denn für mich war Haarmann eine ähnliche Gestalt wie der böse Wolf – nur ein Märchen, kein Teil meiner Wirklichkeit. Erst Jahre später begriff ich, dass es diesen Mann tatsächlich gegeben hatte, und dass auch die grausigen Details nicht rein der Fantasie eines Liedermachers entsprungen waren.

    Als ich in der Verlagsvorschau diesen Roman entdeckte, klang die Melodie des Liedes wieder in meinen Ohren und ich wollte das Buch lesen – nicht unbedingt als Krimi, sondern eher als Tatsachenroman, als Bild der Zeit.

    Als reiner Krimi gesehen, ist das Buch tatsächlich eher schwach.

    Man weiß ja von Anfang an, wer der Mörder war – und den, der das ganze Haarmann-Lied kennt (ich habe hier absichtlich nur die erste Strophe abgedruckt), kann auch eine unerwartete Wendung im Fall nicht mehr überraschen.

    Damit fällt ein Großteil dessen weg, was einen Krimi normalerweise antreibt: 1) die Suche nach der Identität des Täters, 2) eine oft darauf folgende Jagd und 3) für manchen Hardcore-Leser vielleicht auch die schockierend beschriebenen, bluttriefenden Details der Morde, auf die Dirk Kurbjuweit (dankenswerter Weise) verzichtet.

    Aber der Autor webt ein atmosphärisch dichtes, vielschichtiges Bild der Zwischenkriegszeit.
    Und darin liegt die große Stärke des Romans.

    Er beschreibt in bestechender Klarheit das alltägliche Leben der ‘kleinen’ Menschen, insbesondere der Unterschicht: Ihre Armut im geschichtlichen Wandel, am Rande der Goldenen Zwanziger. Ihr Misstrauen gegenüber der ersten deutschen Demokratie. Das nachhallende Trauma des Ersten Weltkriegs. Die Korruption in den Reihen der Polizei.

    Und die Schattenexistenz der “Puppenjungs” – blutjunge Stricher in einer Zeit, in der “beischlafähnliche Handlungen” unter Männern nach Paragraph 175 immer noch strikt verboten sind und mit Gefängnis geahndet werden können.

    Auch jenseits der Prostitution entwickelt sich erstmals eine Art Schwulenszene, doch Homosexuelle werden verächtlich “175er” genannt –von Akzeptanz ist das noch weit entfernt. Dass die Opfer Haarmanns vor allem in dieser Szene vermutet werden (zumindest in diesem Roman), empört die Eltern, die eine möglicher Homosexualität des eigenen Kindes weit von sich weisen.

    Aus all dem ergibt sich eine ganz andere Art von beklemmender Spannung:

    Fritz Haarmann ist trotz der im Verlaufe der Handlung rasant steigenden Anzahl von Opfern eher Symbolfigur all dessen, was in dieser Zeit im Argen lag, als “nur” Täter und Bösewicht eines Krimis.

    Mal wirkt Haarmann einfältig oder gar massiv intellektuell beeinträchtigt, dann fragt man sich als Leser wiederum beklommen, ob er das nicht einfach nur geschickt vortäuscht: der (Wer)wolf im Schafspelz. Und die Menschen rund um Haarmann – warum haben die nichts bemerkt, als er die Opfer in seiner schäbigen und sicher dünnwandigen Wohnung totbiss, sie zerlegte und ihre Schädel zertrümmerte?

    Hier wurde das Wegschauen und Weghören offensichtlich perfektioniert. Man erahnt darin schon die fatalsten Jahre der deutschen Geschichte…

    Auch den anderen Charakteren kommt bei aller Realitätstreue Symbolcharakter zu. Die meisten gab es wirklich – der Protagonist Robert Lahnstein ist jedoch halb Erfindung, halb Konglomerat der Kriminalbeamten Hermann Lange und Heinrich Rätz.

    Er wird in seiner Ermittlung behindert und verspottet von Kollegen mit zwielichtigen Eigeninteressen, geschmäht von Presse und Öffentlichkeit, inbrünstig beschworen von teils weinenden, teils zornigen Eltern, während er noch mit seinem eigenen Kriegstrauma kämpft…. Und er hinterfragt im Stillen seine eigene Sexualität, während er gleichzeitig um Frau und Sohn trauert.

    Für viele wird er zum Inbegriff der Unfähigkeit der Weimarer Republik, ihre Bürger zu schützen. Als er Fleischwaren darauf untersuchen lässt, ob sie Menschenfleisch enthalten, wird er als “Kommissar Wurst” abfällig verlacht.

    Als Charakter ist Lahnstein manchmal zu gut für diese Welt. Er glaubt an die Grundwerte der Demokratie und daran, dass auch die Polizei gewisse Grenzen nicht überschreiten darf – zum Beispiel durch die Folterung Verdächtiger. Im Laufe des Buches wird er mehr und mehr an die Limits dieser Überzeugung gebracht, denn jeder Tag, der verstreicht, kann das nächste Opfer bringen.

    Seine Menschlichkeit und seine ehrliche Toleranz machen ihn zum Sympathieträger, aber ich fragte mich beim Lesen dennoch, wie wahrscheinlich und glaubhaft eine Einstellung wie seine vor dem Hintergrund dieser Zeit ist.

    Ein geschickter Schachzug: Dirk Kurbjuweit lässt seinen Helden auf den Philosophen Theodor Lessing treffen. Der beschwört Lahnstein eindringlich, die Grenzen der Demokratie nicht aus Verzweiflung zu überschreiten, weil Haarmann einfach kein Geständnis ablegen will. Im echten Leben veröffentlichte Lessing 1925 das Buch “Haarmann. Die Geschichte eines Werwolfs”, in dem er auch die dubiosen Machenschaften der hannoverschen Polizei anprangerte.

    Im Großen und Ganzen verwebt der Autor Realität und Fiktionales gekonnt.

    Nur manchmal überstrapaziert das Buch den Zufall etwas – inwiefern, das kann ich hier nicht schreiben, ohne zu viel zu verraten – oder spricht mehr sozialphilosophische und gesellschaftskritische Themen an, als der Fall Haarmann als Gerüst gut tragen kann.

    Dennoch, es liest sich flüssig und… Was? Ich scheue davor zurück, einen Tatsachenroman, in dem es um Serienmord geht, ‘unterhaltsam’ zu nennen, aber er wird nie langweilig und vermittelt ein rundes Bild der Zeit.

    Der Stil ist meist auf den Punkt gebracht und prägnant formuliert. Interessant ist auch, wie Tätersicht, Opfersicht und Ermittlersicht aufeinander zulaufen, um ein Gesamtbild zu vermitteln.

    Fazit

    Verkehrte Welt: hier steht ein wahrer Kriminalfall im Mittelpunkt, das eigentlich Interessante ist meines Erachtens jedoch der Kontext, in dem er geschehen konnte.

    In den Zwanzigerjahren tötete der Serienmörder Fritz Haarmann 24 Jungen und junge Männer. Er handelte zu der Zeit mit Kleidung und Fleischkonserven – ein Teil der Kleidung ließ sich später zu seinen Opfern zurückverfolgen, während der Verdacht, auch bei den verkauften Konserven habe es sich mitunter um deren Fleisch gehandelt, nicht bewiesen werden konnte.

    Der Autor zeichnet ein sehr lebendiges Bild der Zwischenkriegszeit in Hannover und nimmt den Fall zum Anlass, die ein oder andere gesellschaftliche Entwicklung zu beschreiben und kritisch zu durchleuchten – “Haarmann” ist in meinen Augen eher der Aufhänger als das eigentliche Sujet.

  1. ein überzeugendes Gesellschaftsporträt der 20er

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Apr 2020 

    Fritz Haarmann war ein Serienmörder, der Anfang der 20er Jahre in Hannover sein Unwesen trieb. In einem Zeitraum von 6 Jahren wurden 24 Jungen und junge Männer auf bestialische Weise von Haarmann umgebracht. Dabei bewies der irre Mörder ein hohes Maß an Kreativität in der Beseitigung seiner Opfer, inklusive Resteverwertung. Die Bevölkerung atmete auf, als Haarmann schließlich gefasst und in einem aufsehenerregenden Prozess zum Tode verurteilt wurde.

    In dem Kriminalroman "Haarmann" von Dirk Kurbjuweit geht es um die Ermittlungen und die Suche nach dem prominenten Serienmörder, der Deutschland in Atem hielt.
    Wir erleben ein Hannover der 20er Jahre, also einer Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Die Bevölkerung Hannovers hat immer noch unter den Nachwehen des 1. Krieges zu leiden - sowohl seelisch als auch wirtschaftlich. Die meisten kommen irgendwie über die Runden. Man will nicht auffallen. Weder will man den anderen stören, noch will man gestört werden. Aber dennoch hat man alles im Blick. Sitte, Anstand und Moral sind wichtig. Ansonsten gibt es ja auch nicht viel, für das es sich einzutreten lohnt. Um wieviel misstrauischer werden daher Menschen beäugt, die mit ihrer sexuellen Gesinnung gegen den landläufigen Begriff von Sitte, Anstand und Moral verstoßen. In dieser Zeit ist Homosexualität ein Verbrechen. Im deutschen Strafgesetzbuch gab es bis in die 90er Jahre den Paragrafen 175, der die sexuelle Handlung zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Im Volksmund wurden daher Homosexuelle gern als "175er" bezeichnet.
    Und in das Milieu dieser 175er führen die Ermittlungen über die Morde an den Jungen und Männern. Der Ermittler ist Lahnstein, ein Kommissar der von Düsseldorf nach Hannover versetzt worden ist und seinen neuen Kollegen, die bisher in den Ermittlungen nicht vorwärts gekommen sind, vor die Nase gesetzt wird. Lahnstein reibt sich mit den Ermittlungen auf, woran nicht nur die mangelnde Kooperationsbereitschaft seiner Kollegen Schuld ist. Jedes neue Mordopfer empfindet er als persönliches Versagen. Im Rahmen seiner Ermittlungen wird er auch Fritz Haarmann über den Weg laufen. Und sein kriminalistisches Gespür sagt ihm, dass Haarmann der Mörder ist.

    Lahnstein steht im Mittelpunkt dieses Kriminalromans. Der Leser erlebt die damaligen Ermittlungsarbeiten aus seiner Sicht. Dabei erweist sich Lahnstein als ein Protagonist, der mit sich und der Welt nicht im Reinen ist. Er leidet nicht nur unter den jüngsten Erinnerungen an den Krieg, in dem er als Pilot in Kriegsgefangenschaft geraten ist. Vielmehr lassen ihn die schmerzlichen Erinnerungen an seine verstorbene Frau und das gemeinsame Kind nicht mehr los. Im Privaten hat er nichts, was einen Ausgleich zu dem beruflichen Druck, dem er ausgesetzt ist, darstellen könnte. Er steht unter permanenter Kritik durch seine Vorgesetzten, seine Kollegen und der Öffentlichkeit. Dies verunsichert ihn, so dass ihm bei seinen Ermittlungen die Souveränität fehlt.

    In diesem Roman findet ein häufiger Wechsel zwischen der Perspektive Lahnsteins sowie derjenigen Haarmanns statt. Die Sichtweise Haarmann macht deutlich, um welchen kranken Geist es sich bei dem Serienmörder gehandelt hat. Zusätzlich zu den Perspektiven von Lahnstein und Haarmann finden sich auch wenige Einschübe zu Haarmanns Opfern. Die Opfer gewinnen dadurch an Profil, indem sie einen kurzen Einblick in ihr Leben gewähren und somit aus der Anonymität der Opfermenge herausragen.

    Der Roman "Haarmann" zeichnet ein eindrucksvolles Gesellschaftsbild der damaligen Zeit. Und das macht für mich die Stärke dieses Romans aus. Man bekommt eine sehr genaue Vorstellung darüber, was in der Gesellschaft wichtig war. Die Menschen litten unter den Nachwehen des ersten Weltkrieges. Die Wirtschaft in Deutschland war am Boden. Politisch gesehen erleben wir die Anfänge eines Adolf Hitlers und seiner Anhänger, die sich nicht nur auf verbale Auseinandersetzungen mit den immer noch vorhandenen Monarchisten eingelassen haben. Jeder versuchte seine Überzeugungen durchzusetzen. Die Menschen waren auf der Suche nach Normalität und nach einem Alltag, der ihnen ein gewisses Maß an Wohlstand und Sicherheit versprach. Haarmann ist diesem Wunschdenken in die Quere gekommen. Deshalb wurde Haarmann auch zu einem Politikum. Solange der Mörder nicht gefasst und zur Rechenschaft gezogen wurde, konnte von Sicherheit keine Rede sein.

    Fazit:
    Ein beeindruckender Roman, der mich eher als historischer denn als Kriminalroman begeistert hat. Der Autor gibt einen sehr überzeugenden Zeitgeist der 20er Jahre wieder, in dem der die Ermittlungen um den Serienmörder Haarmann als Aufhänger nimmt.
    Leseempfehlung!

    © Renie

  1. Weit mehr als ein Kriminalroman

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 18. Apr 2020 

    „Warte, warte nur ein Weilchen,
    bald kommt Haarmann auch zu dir,
    mit dem kleinen Hackebeilchen,
    macht er Schabefleisch aus dir.“

    Fritz Haarmann, der Werwolf von Hannover, Deutschlands vielleicht berüchtigtster Serienmörder ist keine erfundene Figur. Zwischen 1918 und 1924 ermordete er mindestens 24 junge Burschen und Männer, Haarmanns „Puppenjungs“. Lockte sie mit der Aussicht auf eine Mahlzeit oder eine warme Unterkunft nach Hause, verging sich an ihnen und töte sie, indem er sie zu Tode biss.
    Viele künstlerische Rezeptionen gibt es zu diesem bizarren Fall: Lieder wie das eingangs erwähnte „Warte , warte nur ein Weilchen“, Filme um Fritz Langs „M- Eine Stadt sucht einen Mörder“ aus dem Jahre 1932 zu erwähnen, Rainer Werner Fassbinders „Zärtlichkeit der Wölfe“ oder „Der Totmacher“ mit einem eindrucksvollen Götz George als Haarmann. Dazu die Prozessbeobachtungen des deutschen Philosophen Theodor Lessing „Haarmann – Die Geschichte eines Werwolfs“
    Und nun auch der aktuell vorliegende Kriminalroman „Haarmann“ von Dirk Kurbjuweit. Der deutsche Autor bedient sich hier einer ganz besonderen Erzählweise. Für einen Kriminalroman untypisch stellt er nicht den Mörder, das Monster, den Totmacher in den Vordergrund, sondern Robert Lahnstein, einen fiktiven Charakter, den erfunden leitenden Ermittler im Fall Haarmann. Lahnstein ist ein Getriebener, Zerrissener. Der ausgestandene Erste Weltkrieg hat seine Schrecken für Lahnstein noch nicht verloren. Er hat in Kriegsgefangenschaft überlebt, vermisst seine Frau und seinen Sohn aufs Schmerzlichste. Das Schicksal von Lahnsteins Familie ist lang nicht bekannt, doch ahnt man schon von Anfang der Geschichte nichts Gutes. Lahnstein reibt sich auf an den Ermittlungen, die ins Homosexuellenmilieu, zu den gesellschaftlich geächteten 175ern*), führen. Er traut den eigenen Kollegen, deren Homophobie evident ist, nicht mehr. Dabei ist Lahnstein sich seiner eigenen sexuellen Orientierung nicht wirklich sicher und fühlt sich aufgrund seines monatelanges Scheitern beim Fahndungserfolg mitverantwortlich für den Tod der jungen Männer.
    Aus wechselnder Perspektive bewegt Dirk Kurbjuweit den Ermittler, eines der letzten Opfer Haarmanns und den Mörder selbst aufeinander zu. Die Ermittlungen verlaufen linear - durchbrochen werden sie von Lahnsteins Kriegserinnerungen – bis zum Prozess und Urteil.
    Lahnstein gibt der Zeit nach dem Krieg, der Gesellschaft von damals Gesicht und Sprache. Es sind schwierige Zeiten und besonders schwierige Umstände: Es waren keine „goldenen“ 20er Jahre in Deutschland: Kriegsversehrte, wirtschaftliche Not, die Etablierung der jungen Republik, politische Skandale und Machtkämpfe zwischen Monarchisten, Sozialisten, Kommunisten und das wachsenden Geschwür Nationalsozialismus prägen den Alltag.
    In wahren Kriminalgeschichten geht es selten um die Auflösung. Hier ist der Ermittler Protagonist und die Zeitgeschichte, nicht der Mörder! Letztlich ist dem Autor mit „Haarmann“ ein eindringliches historisches Sittenbild gelungen. Mit dem Auftritt des real existierenden Journalisten und Philosophen Theodor Lessings wird das Werk auch zum Plädoyer für die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Das ist weit mehr, als ich von einem einfachen Kriminalroman erwarte!

    *) Der § 175 des deutschen StGB stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Erst am 11. Juni 1994 trat Paragraf 175 außer Kraft - und wurde durch eine allgemeine Jugendschutzvorschrift ersetzt.

  1. Der Totmacher

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Apr 2020 

    Der Totmacher

    Dirk Kurbjuweit hat sich in seinem Kriminalroman mit dem Serienmörder Fritz Haarmann eingelassen, der in Hannover um 1920, einige Jungen auf dem Gewissen hat. Der Autor hält sich an reale Fakten, doch die Figur des Ermittlers Robert Lahnstein, ist frei erfunden.
    Robert Lahnstein soll in Hannover Licht ins Dunkel bringen. Viele Jungen sind spurlos verschwunden, meist sind es Ausreißer, doch auch ihr verschwinden fällt irgendwann auf. Lahnstein ist Witwer, und man merkt, dass er mit dem Verlust schwer zurecht kommt. Seine Zeit im Krieg hat ihn ebenso geprägt wie fast jeden damals zur Zeit der Weimarer Republik.
    Sein Kollege Müller ist nicht mit ihm auf einer Wellenlänge. Lahnstein hat oft das Gefühl, dass man sich über ihn lustig macht im Dezernat. Dabei sind seine Ansätze und Ziele gut, ihm scheint wirklich etwas am Verbleib der Jungen zu liegen. Nach kurzer Zeit bemerkt Lahnstein das Fehlen der Akte Haarmann und pocht darauf sie zu bekommen. Lahnstein verzweifelt fast an der Aufklärung des Falles, es gibt keine konkreten verwertbaren Hinweise, er setzt sich selbst stark unter Druck.
    Viele Andeutungen von außen lassen in ihm den Verdacht aufkommen, dass Haarmann etwas mit den Morden zutun haben könne. Als er die Akte dann bekommt, geht er der Sache nach. Er ist sich bald sicher, dass Haarmann der Täter ist, doch wie soll er dies beweisen. Folter? Er lehnt dies strikt ab, doch ab wann rechtfertigt der Tod vieler junger Menschen solche Maßnahmen?

    Im Roman wird einiges über Haarmann und seine Vergangenheit erzählt. Es war interessant und erschreckend zu erfahren, dass er die Taten sehr offensichtlich begann und niemand etwas dagegen unternahm. Zum anderen spiegelt es auch einen Mann wider, der in der Lage war, nach außen etwas anderes vorzugaukeln, als er wirklich war. Dies alles und die derbe Beschreibung der Morde macht diesen Roman zu einem Werk, dass nicht mal eben so nebenher gelesen werden kann. Die Tatsache, dass es so stattgefunden hat, brachte mich häufiger an einen Punkt, an dem ich das Buch kurz weglegen musste.
    Ein dunkles Thema, gut in Szene gesetzt. Ich möchte hiermit eine Leseempfehlung aussprechen!

  1. Mehr Abbild der 1920er Jahre als Krimi

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Apr 2020 

    Friedrich „Fritz“ Haarmann – die meisten von uns werden schon einmal etwas von diesem Serienmörder gehört haben. Ich bringe damit oft den von mir geliebten Film „Der Totmacher“ mit dem großartigen Götz George in Zusammenhang.
    Nun zählt der Kriminalroman „Haarmann“ von Dirk Kurbjuweit zu meinen zukünftigen (guten) Erinnerungen dazu.

    Der Autor hat dabei jedoch alles andere als ein literarisches Denkmal für Fritz Haarmann geschaffen; wer mit diesen Erwartungen an das Buch herangeht, wird vermutlich enttäuscht werden. Es gibt (wenn überhaupt) nur rudimentär neue Erkenntnisse für die Leserinnen und Leser. Allerdings bin ich der Meinung, dass man mehr über Haarmann gar nicht wissen muss.

    Vielmehr geht es Kurbjuweit in seinem Buch darum, die Stimmung in der jungen Weimarer Republik wiederzugeben. Das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik (egal ob demokratisch oder links, (leider) weniger von rechts) und - speziell im Raum Hannover, wo Haarmann sein Unwesen trieb - gegenüber der Polizeiarbeit wächst.

    Und hier kommt der fiktive Kommissar Robert Lahnstein ins Spiel, der die Misserfolge der Hannoveraner Polizei bei der Suche nach verschwundenen Jungen in einen Erfolg „umwandeln“ soll. Lahnstein ist ein in sich gekehrter und an sich selbst zweifelnder Charakter, dem das Leben schwer zugesetzt hat. Er wacht immer wieder aus Alb- oder Tagträumen auf, in denen seine Frau Lissy und sein Sohn August eine Rolle spielen. Was mit Frau und Sohn passiert ist, wird allerdings erst sehr spät deutlich.
    Zunächst ist auch Lahnstein´s Arbeit nicht von Erfolg gekrönt, da immer mehr Jungen verschwinden, seine Kollegen intrigieren und er in Folge dessen immer mehr Druck von außen und von innen ertragen muss. Ein Flug mit einer Albatros-Maschine bringt schließlich die entscheidende Wende…

    Mehr sei an dieser Stelle gar nicht verraten, zumal das Ende (Haarmann wird gefasst, verurteilt und hingerichtet) bekannt ist.

    Der etwas ungewöhnliche, eher nüchtern-trockene Schreibstil sowie keinerlei „wörtliche Rede“ ist zunächst ungewohnt, sollte jedoch kein Grund sein, diesem Roman keine Chance zu geben. Auch die am Ende eines jeden Kapitels kursiv dargestellte Sichtweise von Haarmann sowie die ebenfalls kursiv dargestellten Texte aus der Sicht der Opfer werden sachlich und ohne jedwede „Wertung“ von Kurbjuweit wiedergegeben.

    Alles in Allem liegt mit „Haarmann“ ein großartiger Kriminalroman vor, der von mir die verdienten 5* sowie eine Leseempfehlung bekommt!

    ©kingofmusic

  1. Mordserie in der Zeit zwischen den Weltkriegen...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Apr 2020 

    Im Hannover der 1920er-Jahre verschwinden Jungs, einer nach dem anderen, spurlos. Steckt ein bestialischer Massenmörder dahinter? Für Robert Lahnstein, Ermittler im Fall Haarmann, wird aus den Gerüchten bald schreckliche Gewissheit: Das Deutschland der Zwischenkriegszeit, selbst von allen guten Geistern verlassen, hat es mit einem Psychopathen zu tun. Lahnstein, der alles dafür gäbe, dass der Albtraum aufhört, weiß bald nicht mehr, was ihm mehr zu schaffen macht: das Schicksal der Vermissten; das Katz-und-Maus-Spiel mit dem mutmaßlichen Täter; die dubiosen Machenschaften seiner Kollegen bei der Polizei; oder eine Gesellschaft, die nicht mehr daran glaubt, dass die junge Weimarer Republik sie vor dem Verbrechen schützen kann.

    Warte, warte nur ein Weilchen,
    bald kommt Haarmann auch zu dir,
    mit dem kleinen Hackebeilchen,
    macht er Schabefleisch aus dir.
    Aus den Augen macht er Sülze,
    aus dem Hintern macht er Speck,
    aus den Därmen macht er Würste
    und den Rest, den schmeißt er weg.

    Ich bin sicher nicht die einzige, die dieses makabre Liedchen kennt. Bisher wusste ich jedoch wenig über den Fall an sich - wobei ich den Film / das Kammerspiel 'Der Totmacher' mit Götz George vor etlichen Jahren angeekelt-fasziniert geschaut habe.

    Der Titel des Buches impliziert, dass es hier vorrangig um den Serienmörder geht, und so war ich doch zunächst erstaunt, dass im Fokus des Geschehens der (erdachte) Ermittler Robert Lahnstein steht. Aus Bochum nach Hannover versetzt, soll er Licht bringen in die zahlreichen Fälle vermisster Jungen, von denen kein einziger wieder aufgetaucht ist.

    Lahnstein selbst in ein Zerrissener, der wie die meisten anderen Deutschen auch im Verlauf des 1. Weltkriegs traumatische Erfahrungen machen musste und sich nun neu zu orientieren versucht. Seine neuen Kollegen zeigen sich alles andere als kooperativ - der alte Geist der Kaiserzeit zieht noch durch die Polizeiflure, und v.a. Lahnsteins Kollege Müller legt ihm Steine in den Weg, wo er nur kann.

    Zugegeben: ich mochte Lahnstein als Charakter nicht sonderlich. Der Kampf mit seinen eigenen Dämonen nahm für meinen Geschmack phasenweise zu viel Raum ein, die Ermittlungen plätscherten zudem lange Zeit einfach vor sich hin, ohne dass auch nur ein Hauch an Dynamik hinzukam. Ein Junge nach dem anderen verschwand, ohne dass Lahnstein etwas ausrichten konnte.

    Erst spät gab es eine Kehrtwende, und bis dahin tauchte der Leser ein in eine düstere Zeit der Nachkriegswirren, in die politisch-gesellschaftliche Unsicherheit, in den nur zögerlichen Wandel von Recht und Moral, in die wackeligen Gehversuche der Weimarer Republik. Dirk Kurbjuweit setzt nicht Haarmann in den Mittelpunkt der Erzählung, sondern die dunkle Seite dieser Epoche mit der Erkenntnis von menschlichen Abgründen allüberall.

    Ein interessanter Ansatz, der zudem erklärt, wie es so lange dauern konnte, bis Haarmann überhaupt gefasst wurde. Kurbjuweit hangelt sich in seinem Roman eng an den tatsächlichen Fakten des Falles entlang: Protokolle, Schriftstücke, Dokumente - viele der genannten Unvorstellbarkeiten lassen sich im Internet recherchieren und bestätigen auch die teilweise absurd-skurrilen Ereignisse, die hier geschildert werden.

    Der Schreibstil ist sperrig, die Schilderungen düster, die wörtliche Rede ist nicht markiert. Auch dies war für mich gewöhnungsbedürftig. Im Verlauf verschob sich meine anfängliche Bewertung von knappen drei jedoch zu überzeugten vier Sternen, da ich finde, dass der Zeitgeist der damaligen Epoche hier hervorragend wiedergegeben und der Fall Haarmann passend in diesen Kontext eingebettet wurde.

    Sicher nicht der Kriminalroman, den ich erwartet habe. Aber ein überzeugendes Zeitdokument, das den Fall Haarmann abseits der grausamen Fakten auch aus einer anderen Perspektive beleuchtet und dabei auch die gesellschaftlich-politischen Umstände kritisch hinterfragt.

    Überraschend anders...

    © Parden

  1. Fritz Haarmann, der Schlächter von Hannover

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Mär 2020 

    "Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Hackefleisch aus dir." (Hawe Schneider)
    In Hannover verschwinden in den 20er Jahren mehrere Jungs im Alter zwischen 10 und 22 Jahren. Die Polizei steckt in einer Krise, da sie sich nicht sicher sind, ob hinter dem Verschwinden ein Serienmörder steckt. Kommissar Robert Lahnstein wird deshalb nach Hannover berufen, um seine Kollegen zu unterstützen. Als weitere junge Männer verschwinden wird aus den Gerüchten immer mehr die Gewissheit, dass sie es mit einem gefährlichen Psychopathen und Serienmörder zu tun haben. Doch auch Lahnsteins Ermittlungen stecken fest, weil er keinen Verdächtigen findet, besonders da seine Kollegen und die Gesellschaft wegschauen. Als er jedoch von Fritz Haarmann erfährt, ist er sich ziemlich schnell sicher, dass er der Täter sein könnte. Nur wie soll er ihm die Taten nachweisen? Ein Katz und Maus Spiel zwischen Täter und Lahnstein beginnt.

    Meine Meinung:
    Das düstere Cover mit dem Mann, der jemanden verfolgt, passt, sehr gut zu der Geschichte. Der Schreibstil ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig, schon alleine dadurch das die wörtliche Rede im gesamten Buch nicht mit Satzzeichen markiert wurden. Zudem fehlte es für mich total an Spannung und vom eigentlichen Täter erfuhr ich viel zu wenig. Stattdessen ließ der Autor sehr viel Belangloses aus dem Privatleben Lahnsteins, in dem Fall hineinfließen. Gerade die vielen Rückblenden in Lahnsteins Vergangenheit, die ich als nichtig empfand, störten dann zusehends meinen Lesefluss. So stand ich mehr als einmal kurz davor dieses Buch abzubrechen. Der Vampir, der Schlächter, der Kannibale oder der Werwolf von Hannover wie der Massenmörder Fritz Haarmann ebenfalls genannt wird, kannte ich schon zuvor. Von daher war dieser Fall nichts Neues für mich. Doch trotz der realen und fiktiven Umsetzung konnte mich die Darstellung des Autors nicht in allen Belangen überzeugen. Zwar erfahre ich von vereinzelten Jungs was ihr Verschwinden von zu Hause anbelangt, doch selbst dies fand ich zu wenig. Ich hätte mir hier weitaus mehr gewünscht. Genauso wie über Haarmanns Motivation, die mir hier selbst am Ende noch nicht ganz klar dargestellt wurde. Ebenso wäre eine Namensaufstellung der toten Jungs am Ende oder Anfang des Buchs von Vorteil gewesen, sodass ich dafür nicht immer im Nachschlagen musste. Im Grunde erfuhr ich über Haarmann selbst nicht mehr als das, was ich schon wusste. Was mich von daher enttäuscht hat, besonders da der Autor ein renommierter Reporter ist. Dass Haarmann die Jungs beobachtet hatte, sie mit zu sich nahm, kennenlernte, missbrauchte und dann totbiss, kann einen schon erschüttern. Doch das so viele Menschen rücksichtslos weggesehen haben oder die Polizei ihm seinen Taten lange nicht nachweisen konnte, ist schon erschreckend. Dass dies, genauso wie seine sexuelle Neigung, Korruption, sowie die unerlaubten Vernehmungsmethoden im Buch angesprochen wurden, hat mir dagegen gut gefallen. Ungeachtet dessen kann ich diesem Buch nur 2 1/2 von 5 Sterne geben, da es für mich im Grunde nichts weiter Relevantes zutage brachte, wie das was ich sowieso schon über den Haarmann wusste.

  1. Der Werwolf von Hannover

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 21. Mär 2020 

    In den unruhigen 20iger Jahren trieb Haarmann in Hannover sein Unwesen. Er ermordete über 20 junge Männer und zerstückelte ihre Leichen. Die Spitze der Perversität war der Verkauf des Fleisches an die notleidende Bevölkerung. Wie Jack the Ripper ist auch Fritz Haarmann längst in die Kriminalgeschichte eingegangen. Seine Taten haben Filme und Bücher inspiriert.

    Auch der Autor Dirk Kurbjuweit hat diesen Stoff aufgenommen. Sein Buch ist ein Roman, hält sich bei der Beschreibung Haarmanns eng an die vorhandenen Dokumente. Als Gegenspieler führt er die fiktiven Kriminalisten Lahnstein und Müller ein. Lahnstein ist erst kürzlich aus französischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und noch nicht richtig im zivilen Leben angekommen. Er trägt schwer am Verlust seiner Frau und seines Sohnes, über deren Schicksal der Autor den Leser fast bis zum Schluss im Unklaren lässt.
    Die Suche nach dem Mörder der Jungen zeigt die wirren Zeiten der Zwischenkriegsjahre. Die Bevölkerung leidet Not, die politische Situation ist mehr als unsicher und die noch junge Demokratie überhaupt nicht gefestigt. Extreme politische Anschauungen finden nicht nur bei der Bevölkerung Anklang, auch im Kommissariat sind mit dem Sozialdemokraten Lahnstein und dem reaktionären Müller zwei gegensätzliche Standpunkte vertreten. Müller nutzt auch die Stimmung um gegen den angeschlagen wirkenden Lahnstein zu intrigieren.

    Damit illustriert der Autor auch die historisch nachgewiesenen Fehleinschätzungen der damaligen Polizei und der zum Teil dilettantisch anmutenden Ermittlungen, die dem „Werwolf von Hannover“ jahrelang weiteres Morden ermöglichten. Kann man die Persönlichkeit des wohl krankhaft veranlagten Haarmanns überhaupt erklären? Hier hatte ich nicht das Gefühl, da blieb für mich vieles im Dunkeln.

    Der Kriminalroman ist auch ein Zeitbild der Zwanziger Jahre, die für weite Teile der jungen Republik und ihrer Menschen lange nicht so Golden war, wie es Filme oder Bücher suggerieren. Ein wenig habe ich die Spannung vermisst, vielleicht auch durch die Gewichtung auf die Figur des Kommissars Lahnstein. Auf alle Fälle aber ein interessanter Roman mit kriminalgeschichtlichem Hintergrund.

    3,5 Sterne

  1. An der Leine

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Mär 2020 

    In den 1920er Jahren verschwinden in Hannover junge Männer. Kommissar Robert Lahnstein kommt aus Bochum nach Hannover, um die Ermittlungen zu übernehmen. Sein Kollege Müller ist nicht sehr erfreut. Er steht politisch auf einem anderen Standpunkt als der Demokrat Lahnstein. Die Untersuchung gestaltet sich schwierig. Immer wieder werden junge Männer von ihren Eltern als vermisst gemeldet. Kommissar Lahnstein ist von seinen Erlebnissen im ersten Weltkrieg gezeichnet. Als Flieger hat er seiner Meinung nach nicht genug Abschüsse erzielt, was ihn dazu verleitet hat, in Erzählungen zu übertreiben. Außerdem werden seine Nächte von den Gedanken an seine Familie beherrscht.

    Im groben bekannt dürfte die Geschichte des Serienmörders Fritz Haarmann einem größeren Publikum seit dem Film „Der Totmacher“ sein. Dennoch ist das vorliegende Buch eine interessante Art, sich die Geschichte dieses sehr gestörten Täters in Erinnerung zu rufen. Lahnstein und sein Kollege Müller, der fast wie ein Gegenspieler wirkt, die politische Grundstimmung in den 1920ern, die auch einen Einfluss auf die Ermittlungen hat, das Milieu, in dem die Verbrechen angesiedelt sind. Etliche Spuren, selbst Informationen über die Vermissten scheinen nirgendwo hin zu führen. Und der Leiter der Ermittlungen hat mitunter genug mit seinen eigenen Problemen zu tun. Dennoch berührt ihn das Schicksal der verschwundenen Jungen und er gibt sein Bestes, um den Täter zu finden.

    Mit einer gelungenen Mischung aus Fiktion und Fakten vermag der Autor ein authentisches Bild über Leben und Stimmung in den 1920ern zu zeichnen. Logischerweise nutzt er dabei Quellen, die sich aus den originalen Aufzeichnungen speisen. Dennoch schafft es Dirk Kurbjuweit dem Thema einen eigenen Ton zu geben. Sein in Teilen unsicherer Ermittler, der jedoch mit aller Hartnäckigkeit ermittelt. Das politische Gefüge, das ahnen lässt, wie schwer die Welt nach dem ersten Weltkrieg mitgenommen ist. Und auch Lahnsteins Stellung in seiner eigenen Behörde. Man meint eine düstere Bühne zu betreten, in der es kaum eine Lösung des Falles geben kann. Allzu lange gibt es kaum belastbare Hinweise. Mit seiner ganz eigenen Stimmung eröffnet der Roman einen neuen Blickwinkel auf einen bekannten Fall, auf einen Täter, der in seiner Grausamkeit wohl nie verstanden werden kann.

  1. Zeitkolorit pur

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Mär 2020 

    „Warte, warte nur ein Weilchen, dann kommt Haarmann auch zu dir…“ Ein makabrer Gassenhauer aus den 20er Jahren über einen spektakulären Kriminalfall, der die Stadt Hannover in Atem hielt.
    Darum geht es hier. Es verschwinden auffallend viele Jungs 1923 in Hannover. Robert Lahnstein wird aus Bochum angefordert, um bei den Ermittlungen zu helfen. Zeugen berichten von merkwürdigen Vorkommnissen in Zusammenhang mit einem Fritz Haarmann. Warum wird das nicht untersucht? Lahnstein durchforstet die Homosexuellenszene Hannovers, kommt aber nicht so recht weiter.

    Dirk Kurbjuweit erzählt uns, wie es gewesen sein könnte. In einer sehr eigenen aber auch sehr plastischen Sprache beschwört er die 20er Jahre herauf. Es ist schwül, finster, unheimlich, dekadent, manchmal auch grausam. Der Erste Weltkrieg ist noch längst nicht überwunden. Lahnstein hat oft an finsteren Erinnerungen zu knacken. Ein hingeworfenes „Versailles“ ist eine gängige Erklärung für Missstände oder auch ein makabrer Witz.
    Wir blicken in die unterschiedlichsten Köpfe, sehen die Welt mit Lahnsteins Augen, aber auch mal aus Haarmanns Sicht oder aus Sicht des Jungen, der ausgerissen ist und in Hannover umsteigen will. Ist er das nächste Opfer?

    Dieses Buch ist Zeitkolorit pur, dichte Atmosphäre, ein authentisches Stück Geschichte und ein Mordfall, der ekelhafter nicht sein kann. Ein Pageturner ist es allerdings nicht, hier wird mehr ein historisches Ereignis innerhalb des Zeitgeschehens beleuchtet, als dass mit Spannungselementen gespielt würde. Ich fand das hoch interessant, kann aber verstehen, dass Krimifans vielleicht enttäuscht sind, ein typischer Krimi ist das nicht.
    Ein bisschen zu kurz kam mir die Motivation des Ganzen. Haarmann bleibt der sadistische Irre aus dem Lied, warum er der wurde, der er war wird hier nicht gemutmaßt, obwohl man mit dem Auftreten seiner Schwester durchaus näher auf seine Kindheit hätte eingehen können. Aber vielleicht wollte der Autor auch einfach keine Entschuldigungen für einen bestialischen Serienmörder anbieten.

    Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und möchte es geschichtsinteressierten Lesern dringend empfehlen. Es ist ein eindrucksvoller Ausflug in ein finsteres Kapitel der Stadtgeschichte Hannovers und auch ein stimmiges Zeitportrait der 20er Jahre in Deutschland.

 

Der Attentäter: Historischer Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Attentäter: Historischer Thriller' von Ulf Schiewe
5
5 von 5 (14 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Attentäter: Historischer Thriller"

Juni 1914. Es ist die Woche, die alles entscheidet. Die Woche, in der sich drei junge Serben auf den Weg nach Sarajevo machen. Dort soll Franz Ferdinand, Thronfolger Österreich-Ungarns, einem Militärmanöver beiwohnen - und sterben. Gavrilo Princip und seine Gefährten haben sich seit Monaten auf diesen Tag vorbereitet. Doch dem Geheimdienst sind Gerüchte zu Ohren gekommen, und Major Rudolf Markovic tut alles, um den Thronfolger zu retten und eine diplomatische Katastrophe zu vermeiden ...

Ulf Schiewe lässt uns diese entscheidende Woche der europäischen Geschichte hautnah miterleben - packend und extrem spannend.

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:512
EAN:

Diskussionen zu "Der Petticoat-Mörder: Fred Lemkes erster Fall (Lemke-von Stain-Serie 1)"

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Rezensionen zu "Der Attentäter: Historischer Thriller"

  1. Geschichte miterleben

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Feb 2020 

    Im Juni 1914 rumort es in Europa gewaltig und die Katastrophe des Ersten Weltkriegs bahnt sich an. Auch wenn vermutlich jeder weiß, wie es ausgeht, ist der historische Thriller des Autors Ulf Schiewe extrem spannend und auch für geschichtlich weniger Versierte sehr anschaulich und interessant zu lesen.

    Die Reise des Thronfolger Österreich-Ungarns, Franz Ferdinand, nach Sarajevo, die er unternimmt, um einem Militärmanöver beizuwohnen, endet mit seinem Tod. Schon seit Wochen bereiten sich ein paar junge Serben darauf vor, ein Attentat auf den verhassten Herrscher zu verüben. Doch der Geheimdienst bekommt Hinweise und versucht, den Thronfolger zu schützen und den Tätern zuvorzukommen.
    Geschickt vermischt Ulf Schiewe historische Fakten mit Fiktivem, was immer realistisch und authentisch wirkt. Interessant ist auch, dass den Attentätern viel Raum gegeben wird. Sie werden als junge Abenteurer vorgestellt, die aus politischen, aber auch sozialen und persönlichen Gründen an der geplanten Tat teilnehmen und praktisch nichts mehr zu verlieren haben. Im Mittelpunkt steht ,, Der Attentäter", der junge Gavrilo Princip, der spätere Todesschütze. Mit ihm lebt und fühlt der Leser eher mit, als dass er ihn als Täter verurteilt.
    Eindrücklich wird auch gezeigt, wie die jungen Männer von ihren Hintermännern benutzt werden. Auch der Thronfolger selbst und seine Familie werden von einer sehr privaten und sympathischen Seite gezeigt. Damit werden vorrangig nicht die historischen Ereignisse in den Mittelpunkt gestellt, sondern die Menschen, die diese erleben und mitgestaltet haben. Für den Leser wird Geschichte so hautnah und packend erzählt.
    Interessant dabei ist auch, wie viele Zufälle, Pannen, Missverständnisse, aber auch Unwillen oder Unvermögen, die Gefahr für den Thronfolger zu erkennen, letztendlich zu dem Anschlag geführt haben.
    ,,Der Attentäter" ist ein wirklich lesenswertes Buch, das die Bezeichnung ,,historischer Thriller" wirklich verdient.

  1. Ein echtes Leseerlebnis

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Feb 2020 

    Ein echtes Leseerlebnis

    Der Attentäter von Ulf Schiewe

    Gleich vorweg möchte ich erwähnen, dass ich noch nie ein historisches Buch gelesen habe, dass mich so gefangen genommen hat. Meine geschichtlichen Kenntnisse beschränken sich in erster Linie auf das erlernte aus meiner Schulzeit. Ulf Schiewe schafft es mit seinem Werk dem Leser eine spannende Geschichte zu liefern, die nebenbei einen fundierten Einblick in das tragische Ereignis um das Attentat im Juni 1914 auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand.

    Das Buch begleitet drei serbische Jungen auf ihrem Weg nach Sarajevo, wo sie den Thronfolger töten wollen. Sie sind krank, haben keine Perspektive, aber viele heroische Gedanken wurden ihnen eingeimpft, sie wollen etwas für Ihr Volk tun, ruhmreich sterben. Mich hat sehr verwundert, dass Ulf Schiewe es stellenweise schaffte, dass mir die Attentäter leid taten. Natürlich ist und bleibt die Tat unentschuldbar, aber dennoch merkt man an diesem Beispiel, dass es sehr einfach sein, junge Menschen zu beeinflussen, erst recht wenn keine positive Zukunft greifbar ist.
    Der Thronfolger und seine Frau werden ebenfalls sehr eng in die Handlung eingebunden. Anekdoten aus dem Familienleben, so wie persönliche Vorlieben fließen genauso in die Geschichte mit ein, wie der politische Ablauf der damaligen Zeit.
    Die Möglichkeit eines Attentats war bekannt, und auch dieser Strang der Handlung, um die Ermittlungen und das aufspüren der Attentäter nimmt einen hohen Stellenwert ein. Hier ist mir besonders die Figur des Major Rudolf Markovic ans Herz gewachsen.

    Dieser historische Thriller ist, einmal zur Hand genommen, schnell gelesen, da er fesselnd und spannend aufgebaut ist. Die Informationen die man nebenher aufnimmt, überraschten mich teilweise sehr, da mir nur die spärlichen Eckdaten bekannt waren. Wahnsinn, dass der Autor es geschafft hat, aus einer Woche einen fast 500 Seiten starken Thriller zu konzipieren. Absolute Leseempfehlung!

  1. Anschlag auf den Thronfolger und dessen Gemahlin

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 31. Jan 2020 

    "Dabei wird es ein schwerer Gang werden, ein Selbstmordkommando. Gewaltige Überwindung wird es kosten, darüber ist er sich im Klaren! Wer will schon sterben, auch wenn er ohnehin todgeweiht ist?" (Buchauszug)
    Sarajevo Juni 1914:
    Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie besuchen die Stadt. Es gibt das Gerücht, das Attentäter einen Anschlag auf den Thronfolger planen. Major Rudi Markovic vom Geheimdienst versucht alles, um Näheres zu erfahren, um notfalls das Attentat zu verhindern, damit es zu keiner diplomatischen Katastrophe kommt. Nach dem gelungenen Militärmanöver, möchte der Thronfolger und seine Gattin, mit einem Korso kurz vor der Abreise, noch dem Volk zujubeln. Dabei kommt es zu einem Attentat das Gavrilo Princip und weitere Gefährten angezettelt haben.

    Meine Meinung:
    Das düstere Cover mit der blutbesudelten Uniformjacke passt sehr gut zu der historisch belegten Geschichte. Der Schreibstil ist informativ, bestens recherchiert, unterhaltsam und mitunter ein wenig langatmig. Die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand war mir vom Geschichtsunterricht schon ein wenig bekannt. Das bei diesem Attentat jedoch auch seine Gattin Sophie, Mutter dreier Kinder ums Leben kam, war mir nicht mehr bewusst. Ulf Schiewe, Autor mehrerer historischer Bücher hat hier durch seine gute Recherche und dem vielen Hintergrundwissen, die letzte Woche vor dem Attentat in einen realistisch, fiktionalen Roman ausgearbeitet. Die fiktive Figur von Major Rudi Markovic mit seinem extravaganten Privatleben wird hier sehr gut hinzugefügt. Ich konnte mir dabei gut vorstellen, dass es genauso geschehen sein könnte. Natürlich wissen die meisten, dass dieses Attentat nicht gut ausgegangen ist und es schlussendlich durch die Ermordung zum 1. Weltkrieg gekommen ist. Trotzdem fiebert man besonders mit der sympathischen, warmherzigen Herzogin Sophie mit. Insbesondere der Verlust der Eltern für ihre Kinder ging mir besonders nahe. Interessant jedoch waren besonders die drei Handlungsstränge zwischen Täter, Opfer und Ermittler, die hier abwechselnd in Erscheinung treten. Dadurch bekam ich zu spüren, warum und mit welcher Wut die Täter dieses Todeskommando überhaupt gemacht haben. Ebenfalls die Opfer die mir sehr viel näher gekommen, als ich es in jeglichem Geschichtsunterricht bisher erfahren hatte. Die cleveren Ermittler die unter Rudi Markovic zwar einen sehr gewieften, cleveren Mann hatten der jedoch leider, nicht gehört wurde. Ob es wohl daran lag, weil er Jude war? Man spürt zudem, wie naiv das Ganze damals ablief, das es zu solch verheerenden Fehlern kam. Heute würde sicher keiner mehr einen solchen Thronfolger unter diesen Bedingungen in einem Korso fahren lassen. Selbst wenn Herzog Franz Ferdinand vom eigenen Volk nicht gerade hochgeschätzt wurde, wirkte er auf mich recht menschlich und nicht unsympathisch. Besonders da er durch seine große Liebe zu Sophie und seinen Kindern hier auf mich viel sympathischer auftritt. Selbst die Täter der Mlada Bosna, die die Geheimorganisation Schwarze Hand angeworben hat und die gerade wegen ihrer Jugend hier ab und an ins Zweifeln kommen, lassen mich milde für sie stimmen. Sie konnten sich sicher nicht vorstellen, was das Ganze für Konsequenzen hatte. Der Epilog am Ende hat mich sehr gefreut, dazu die genaueren Anmerkungen des Autors, die noch sehr informativ waren. Trotz allem hat das Buch mitunter ein paar Längen, die man sicher hätte kürzen können, darum von mir 4 1/2 von 5 Sternen.

  1. So macht Geschichtsunterricht Spaß!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Jan 2020 

    Wer meine Lesegewohnheiten kennt, der weiß, dass historische Romane nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Genres gehören. Thriller allerdings schon. So wagte ich es denn, zu diesem hochgelobten historischen Thriller zu greifen, der beide Genres vereint. Und sollte für meinen 'Mut' belohnt werden.

    Die Geschichte ist bekannt: Franz Ferdinand, der Thronfoger Östereich-Ungarns, wurde in Sarajevo ermordet - und kurz darauf brach der Erste Weltkrieg aus. Das Attentat war nicht die Ursache für den Kriegsbeginn, aber sehr wohl der zündende Funke, der den Kriegstreibern einiger Nationen sehr zupass kam.

    Doch um den Ersten Weltkrieg geht es hier nicht, sondern um das Attentat selbst und die sieben Tage davor. Erzählt wird dabei aus drei verschiedenen Perspektiven:

    - der der Gruppe um die Attentäter, allen voran Gavrilo Princip, einem jungen Nationalisten, der letztlich den Mordanschlag auf Franz Ferdinand und seine Frau verübte
    - der von Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie
    - der von der fiktiven Figur Major Rudolf Markovic, der beim Geheimdienst arbeitet und fieberhaft versucht, das Attentat zu verhindern.

    Gerade diese ständigen Perspektivwechsel machen die Erzählung ausgesprochen lebendig. So gewinnen alle Beteiligten nach und nach an Profil, man entdeckt die Menschen hinter den meist so anonymen Namen der Geschichtsbücher.

    Der Einblick in das Familienleben des Thronfolgers beispielsweise lässt selbst die Aristokratie nicht unnahbar erscheinen - auch wenn Franz Ferdinand selbst wohl überall recht unbeliebt war aufgrund seines oft unbeherrschten Auftretens und seiner vollkommen übertriebenen Jagdleidenschaft. Aber auch die Attentäter selbst erhalten nachvollziehbare Biografien, die manches Verhalten wenn schon nicht tolerierbar, so doch zumindest eher verständlich erscheinen lassen. Parallelen zum verblendeten Fanatismus heutiger Selbstmord-Attentäter sind dabei nicht von der Hand zu weisen.

    Die fiktive Figur des Major Rudolf Markovic bietet in dem reich mit Charakteren bestückten Roman wohl am ehesten die Möglichkeit einer Identifikation für den Leser. Sein Schicksal ist es denn auch, das einen bangen lässt, denn die Schicksale der anderen (ehemals realen) Personen sind ja hinlänglich bekannt. Eine gelungene Mischung aus Fakten und Fiktion ist Ulf Schiewe hier geglückt, wodurch trotz bekannten Ausgangs Spannung aufkommt und sich am Ende sogar noch steigert.

    Dem Roman ist in jedem Absatz anzumerken, wie intensiv und sorgfältig hier recherchiert wurde - von den groben bekannten Fakten bis hin zu den ganz kleinen Details, die sehr zu einer authentischen Atmosphäre beitragen. Der Roman ist unterteilt in Abschnitte, die jeweils einen Tag umfassen. Eingefügt in die Ereignisse wurden dabei auch kurze Ausschnitte aus damaligen Zeitungsartikeln, die den Zeitgeist dieser unruhigen Epoche gut dokumentieren.

    Das Buch lässt sich flüssig lesen, auch wenn mir gerade zu Beginn der Kopf rauchte von all den Namen - v.a. bei Serben und Bosniern. Aber zum besseren Überblick befindet sich am Ende des Buches sowohl ein Namensverzeichnis als auch ein Glossar, das die wesentlichen altertümlichen oder zumindest möglicherweise unbekannten Begriffe erläutert. Dies empfand ich als sehr hilfreich, ebenso wie die in die Klappbroschur eingedruckte historische Karte von Sarajevo.

    Alles in allem kann ich abschließend nur sagen: So macht Geschichtsunterricht Spaß!

    © Parden

  1. ein historischer Tatsachenroman

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Jan 2020 

    Das Attentat am 28. Juni 1914 auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger und seine Frau in Sarajevo war der Auslöser für den 1. Weltkrieg. Wie es dazu gekommen ist und insbesondere, was in der Woche zuvor passiert ist, schildert der historische Thriller "Der Attentäter" von Ulf Schiewe.

    Der Autor, der schon einige historische Romane geschrieben hat, ist für seine akribische Recherchearbeit bekannt. Daher haben seine Bücher einen besonderen historischen Wert, sind sie doch so dicht wie es nur irgendwie geht an der Realität dran.
    Auch in "Der Attentäter" findet sich wenig Fiktion, dafür umso mehr Tatsachen, die aber dennoch zu einem extrem spannenden Roman verknüpft sind.

    Die weltpolitische Situation der Zeit vor dem 1. Weltkrieg legte nahe, dass die Machthaber auf ein kriegerisches Gerangel um die Neuverteilung der Machtpositionen in der Welt aus waren. Auf dem Balkan war die Hölle los. Die Europäer trieben die Osmanen vom Balkan, waren sich aber untereinander auch nicht grün. Das Volk der Serben fühlte sich von den Österreichern unterdrückt, was diese aber nicht wahrhaben wollten. Schließlich waren sie diejenigen, die erheblich zur Befreiung des Balkans beigetragen haben. Außerdem war der Balkan durch seine Nähe zu Europa und zum Meer strategisch reizvoll für die Russen. Daher war Österreich ein strategischer Störfaktor. Der Balkan war somit ein Pulverfass und es brauchte nur einen einzigen Funken, um die Explosion - sprich den ersten Weltkrieg - auszulösen. Und das war das Attentat eines Serben auf den österreichischen Thronfolger.
    (An dieser Stelle entschuldige ich mich für meine rudimentären Geschichtskenntnisse. Aber so ungefähr wird es gewesen sein.)

    Man beginnt "Der Attentäter" also mit dem Wissen, wie die Story ausgehen wird. Am Ende sterben Thronfolger Franz-Ferdinand und seine Frau Sophie im Kugelhagel des Attentäters Gavrilo Princip, Tatort: Sarajevo. Ulf Schiewe beantwortet jedoch mit seinem Roman die Frage, was in den Tagen vor dem Attentat passiert ist bzw. passiert sein könnte, wobei Spekulationen hier nur sehr wenig Raum haben.
    Der Roman ist in 7 Kapitel sowie Prolog und Epilog aufgeteilt. Einem Countdown gleich behandelt jedes Kapitel einen Tag der Woche vor dem Attentat, angefangen mit Montag, dem 22. Juni 1914.
    Die Charaktere in diesem Roman sind größtenteils reale Personen, einige wenige sind fiktiv. Ein Personenverzeichnis am Ende des Buches gibt Auskunft darüber, welcher Charakter welchem Kreis zuzuordnen ist. Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven geschildert, allen voran die des Attentäters Gavrilo sowie seines Opfers Franz-Ferdinand, oder aber Markovic, der fiktive Major des österreichisch-ungarischen Geheimdienstes.

    Trotzdem man weiß, dass der Ausgang dieser Geschichte unvermeidlich ist, ertappt man sich doch dabei, dass man völlig irrational auf eine Wendung in der Handlung hofft. Man zittert also mit den Charakteren und möchte sie manches Mal schütteln und sie in ihren Handlungsweisen beeinflussen können. Denn Ulf Schiewe macht deutlich, dass das Attentat auf das Thronfolger-Ehepaar auch eine Folge von Verkettungen blöder Zufälle und falscher Entscheidungen gewesen ist. Hätte der Zufall nicht geholfen, könnte man vermuten, dass die Geschichte anders ausgegangen wäre.

    Besonders gut hat mir in diesem Roman die Schilderung des damaligen Zeitgeistes gefallen. Für mich war die Zeit vor dem 1. Weltkrieg nie wirklich greifbar. Viele Ereignisse und Zeitgenossen aus dieser Zeit waren mir lediglich voneinander losgelöst bekannt. Doch in "Die Attentäter" werden sie in einen Kontext gebracht. Das kann bspw. eine Berta von Suttner sein, Cousine der Frau des Thronfolgers und eine Figur in diesem Roman, die nur am Rande Erwähnung findet. Heutzutage ist Berta von Suttner vielen als Schriftstellerin und Friedensforscherin ein Begriff. In "Die Attentäter" wird deutlich, mit wieviel Widerstand die Dame zu kämpfen hatte und unter welchen schwierigen Verhältnissen sie ihren Standpunkt vertreten musste, was ihre Arbeit noch um einiges bemerkenswerter macht.
    Genauso sind es auch die kleinen Dinge, die für den damaligen Zeitgeist stehen und dem Roman einen großen Charme verleihen. Mir war bspw. nicht bewusst, dass Mineralwasser in Glasflaschen damals eine aufsehenerregende Neuerung war und als Getränk den Reichen und Adeligen vorbehalten war. Es gibt also einige Aha-Erlebnisse in diesem Buch, die mir sehr viel Lesefreude bereitet haben.

    Fazit:
    Ein historischer Roman mit wenig Fiktion, dafür umso mehr Fakten, die zu einem hochkarätigen und spannenden Thriller verwoben sind.
    Daher: Willst Du wissen, wie es früher war, lies einen Schiewe.

    © Renie

  1. Geschichte als Roman

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Jan 2020 

    Ulf Schiewe hat in seinem “historischen Thriller” „Der Attentäter“ Geschichte für mich wirklich erlebbar machen können und mir bei der Lektüre einen neuen, sehr lebendigen Zugang zu einem bekannten Stück Historie ermöglicht. Als studierte Historikerin habe ich immer etwas Probleme mit historischen Romanen, denn nie weiß man so richtig, auf wie dünnem Eis man sich befindet, was man nur glauben muss, was wirklich belegt ist. (Anmerkung: Was zugegebenermaßen auch auf vermeintlich wissenschaftliche Veröffentlichungen zutrifft). Hier habe ich mich wohlgefühlt, auf jeder Seite strahlt den Leser die Tiefe und Breite der Recherche des Autoren entgegen, und ich konnte mit einem guten Gefühl dem Geschehen folgen und daraus ein Verstehen der Umstände, Situationen und Gefühlslagen entwickeln.
    Im Rahmen einer Leserunde von Whatchareadin konnte ich dieses Buch lesen und im Leserundenchat sogar mit dem Autor selbst diskutieren und drängende Fragen stellen.
    Nun zum Geschehen: Was passiert? Der „Titelheld“ – „Der Attentäter“ – das ist Gavrilo Princip, der im Juni 1914 aus Motiven serbischen Nationalismus heraus nicht nur den österreichischen Thronfolger in Sarajewo erschoss, sondern auch den letztendlichen Anlass für den 1. Weltkrieg gegeben hat. Der also an diesem Tag, in dieser Sekunde einen erheblichen Einfluss auf die Geschichte unserer eigenen Ahnen und Familien nahm. Der Leser kann Gavrilo auf seinen Stationen über die letzten Tage vor dem geplanten Attentat genauso verfolgen wie das spätere Opfer – Erzherzog Franz Ferdinand. Die gesamte Lektüre über kann sich der Leser dabei sicher sein, dass das Attentat tatsächlich stattfinden wird, denn das ist Historie, die weit bekannt ist. Und dennoch: Der Leser erlebt, an wie vielen seidenen Fäden dieser Ausgang der Geschichte hing und wie oft das Geschehen noch hätte gestoppt und in eine ganz andere Richtung hätte verlaufen können. Gleichzeitig erlebt der Leser auch die Beschränktheit der Mittel insbesondere im Hinblick auf Kommunikation und Mobilität mit, die erheblichen Einfluss auf die Planung, die Gegenmaßnahmen und die Ausführung der Tat genommen hat.
    Der Roman erzählt dabei keine Geschichte in historischem Gewand und mit einigen historischen Personen und historischem Ambiente. Nein, er erzählt in Romanform Historie, wie sie wirklich war (soweit rekonstruierbar). Er bleibt - wann immer möglich – sehr dokumentarisch und ergänzt das rekonstruierbare Geschehen nur in einigen Aspekten und Personen um Fiktives, um es verstehbarer und anschaulicher zu machen. Mich erinnerte diese Form des Romans an Fernsehformate, in denen wann immer möglich dokumentarische Filmschnipsel schwarz-weiß flimmernd über den Bildschirm geschickt werden und nur da, wo dieses dokumentarische Material nicht verfügbar ist, möglichst ähnlich aussehende und agierende Schauspieler dafür genutzt werden, historische Szenen möglichst getreu dem Geschehen nachzuspielen.
    Mich hat diese Herangehensweise im Roman sehr überzeugt und ich würde mich immer wieder gern Ulf Schiewe lesend anvertrauen, um Einblick in andere Geschichten der Geschichte zu erhalten. 5 Sterne!

  1. Historisches spannend erzählt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Jan 2020 

    Der Autor lässt uns in diesem Buch an den Geschehnissen im Juni 1914 teilnehmen. Es geht um die Vorbereitung und letztlich um die Durchführung des Attentats auf Franz Ferdinand den österreich-ungarischen Thronfolger in Sarajevo.

    Auch wenn man den Ausgang der Geschehnisse kennt, ist dieses Buch absolut spannend. Der Autor erzählt uns die Ereignisse beginnend sechs Tage vor dem Attentat. Hierbei lernen wir nicht die realen Attentäter, allen voran Gavrilo Princip sondern auch seine Mitstreiter, Unterstützer und Initiatoren des Attentats kennen. Aber es gibt auch die Gegenseite, Mitarbeiter des Geheimdienstes, die berechtigt ein Attentat befürchten und versuchen zu verhindern. Hier fällt besonders die Figur des Rudolf A. Markovic auf. Er lässt uns an seinen Gedanken und Plänen teilhaben, während wir in einem abwechselnd zweiten Erzählstrang von Princip und seinen Gedanken erfahren.

    Spannend fand ich während des Lesens auch, dass es sehr viele Möglichkeiten gab, das Attentat zu verhindern. Es gab noch mehr Zufälle, bei denen den Attentätern nur durch Zufall die Flucht gelang. Viele dieser Ereignisse sind historisch belegt, andere hat der Autor glaubwürdig hinzugefügt.

    Anschaulich und lesenswert wird der Thriller auch durch die kleinen privaten Episoden der Protagonisten. Ob es nun Szenen aus dem Eheleben zwischen Franz Ferdinand und Sophie sind, oder aber auch aus dem Leben der Attentäter. Gerade bei Ihnen wird deutlich, dass sie zum Einen ausgesucht wurden und zum Anderen, dadurch dass sie an TBC erkrankt waren, es in ihren Augen ein möglicher Weg war um in die Unsterblichkeit bzw. als Helden in die Geschichte einzugehen.

    Mir hat dieses Buch außerordentlich gut gefallen. Nicht nur, dass ich sehr viel mehr über diesen geschichtlichen Zeitraum erfahren habe, sondern auch wie das Ganze in einen absolut spannenden Thriller verpackt wurde. Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

  1. Sarajewo 1914

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Jan 2020 

    Am 28. Juni 1914 in Sarajevo starben der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie bei einem Attentat. Die Kugeln des Mörders trafen sie in einem offenen Automobil, das sie an der neugierigen und jubelnden Menge vorbeiführte.
    Dieses geschichtliche Ereignis hat die Welt verändert und jeder hat wohl schon im Geschichtsunterricht von diesem Attentat und seinen Auswirkungen gehört.
    Ulf Schiewe hat daraus einen überaus fesselnden Thriller gemacht, der mit hohem Tempo und Spannung auf den Höhepunkt zusteuert.
    In den einzelnen Kapiteln, die Datums-und Zeitangabe eine Chronologie des Geschehens bilden, führt er uns in das Leben des Vielvölkerstaats. Es gärt überall, serbische Separatisten, bosnische Muslime – fühlen sich nicht heimisch unter der österreichischen Krone. Zwar brachte die Verwaltung Fortschritt, Straßen wurden gebaut, Eisenbahnlinien durchziehen das Land, aber die Separatisten träumen von der Unabhängigkeit. Ganz besonders junge Menschen sind den Ideen zugewandt. So auch der spätere Mörder Gavrilo Princip, der ein romantisch verklärtes Weltbild hat und von der Revolution träumt. An Schwindsucht erkrankt, hat er nicht viel zu verlieren. Er und seine Mitstreiter sind also leicht zu verführen und sie erinnern mich daran, dass es auch in der Gegenwart genug Beispiele gibt, wie schnell junge Menschen instrumentalisiert werden können.
    Aber wie die Politik Österreichs diese Strömungen in den Völkern ignoriert und wie dadurch erst die Pläne für einen Umsturz entstanden sind und wie Geheimdienste und Militär von solchen Plänen erfuhren, aber durch Engstirnigkeit, Überheblichkeit und Hybris, alles als Hirngespinste abtun, wird vom Autor mit minutiöser Genauigkeit erzählt. Dabei bleibt er ganz dicht an den historischen Ereignissen und alles, was er schreibt, ist belegt. Natürlich werden einige fiktive Figuren erdacht um eine Rahmenhandlung zu schaffen, die sich in die Geschehnisse nahtlos einfügen und für zusätzliche Spannung sorgen.
    Ich hätte nicht gedacht, dass ein Spannungsroman gleichzeitig eine Geschichtsstunde sein kann und wurde mit Ulf Schiewes Buch eines Besseren belehrt. Toll geschrieben und absolut empfehlenswert.

  1. Geschichtsunterricht in Thrillerform

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Jan 2020 

    Na, das (Jahr) geht ja schon gut los…Nach gerade mal 17 Tagen gibt es mit „Der Attentäter“ (einem historischen Thriller über das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo) von Ulf Schiewe das erste Highlight.

    Mit diesem Fazit enden eigentlich alle Meinungen in der vom Autor selbst begleiteten Leserunde.

    Am 28. Juni 1914 erschütterte der Anschlag auf Franz Ferdinand in Sarajevo die ganze Welt und wurde schlussendlich zu einem der letzten Tropfen, die das (Pulver-)Fass zum überlaufen brachten und damit den Ersten Weltkrieg auslösten.

    Da ich bisher zwar immer mal wieder etwas über den bzw. die Weltkriege gelesen habe, mir aber bestimmte Ereignisse, Verflechtungen etc. nicht geläufig waren und sind, habe ich mich sehr auf die (wie bereits erwähnt) vom Autor begleitete Leserunde gefreut und bin aufs angenehmste überrascht worden – nicht nur durch die zahlreichen Kommentare der Mitleserinnen, sondern auch durch die fundierten Kenntnisse und die akribische Recherchearbeit von Ulf Schiewe (als Archivar merkt man das *g*). Hier hat wirklich jeder von jedem profitiert!

    In „Der Attentäter“ begleiten wir die an dem Attentat beteiligten jungen Männer von den Vorbereitungen des Attentats, ihren Ängsten und Zweifeln bis hin zum Attentat selbst. Dazwischen gibt es immer wieder Passagen, die den fiktiven Rahmen bilden sowie einen Blick in das Leben und die Gedanken von Franz Ferdinand und Sophie.

    Die minutiös versehenen Kapitelüberschriften vermitteln der geneigten Leserschaft den Eindruck „Ja, so hätte es sein können“ – doch Roman bleibt (eben nur) Roman. Wenn er allerdings (so wie in diesem Fall) trotz seiner Fiktionalität nachhaltig wirkendes reales Wissen vermittelt, ist die Form der Darstellung egal.

    Abgerundet wird dieser Thriller durch ein kurzes, aber sehr informatives Nachwort des Autors, dass das Attentat noch einmal in einen geschichtlichen Kontext stellt sowie ein Glossar und ein Namensregister mit allen realen und fiktiven Personen.

    Ein „Rundum Sorglos“-Paket also! Das war mein erster, aber definitiv nicht letzter Roman von Ulf Schiewe, den ich gelesen habe!

    Volle 5* und eine glasklare Leseempfehlung!

    ©kingofmusic

  1. Ein Funke, der einen Flächenbrand auslöst

    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Jan 2020 

    Der Erste Weltkrieg – grausamer und nachhaltiger hätte das 20. Jahrhundert kaum beginnen können, ein Ereignis, das das ganze Jahrhundert prägen sollte. Die Gründe für den Ausbruch desselben waren mannigfaltig, doch gilt das Attentat auf den Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin, Sophie, am 28. Juni 1914 in Sarajevo als dasjenige Ereignis, das diesen ersten industriell geführten Krieg letztlich ausbrechen ließ. In seinem 512-seitigen historischen Thriller „Der Attentäter“, erschienen im November 2019 bei Bastei Lübbe, lässt Ulf Schiewe die letzte Woche vor diesem Anschlag Revue passieren und nimmt Leserinnen und Leser mit auf eine spannende Reise.
    Obgleich das Ende und der Höhepunkt dieser Woche bekannt sind, liest sich dieser Thriller von Anfang bis Ende hoch spannend, was vor allem der atmosphärisch dichten Erzählweise des Autors sowie seiner ausführlichen Recherche zu verdanken ist. Mit seinem klaren, schnörkellosen Schreibstil lässt sich das Buch zudem flüssig lesen, sodass man sich voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren kann.
    Geschildert werden die Ereignisse auf drei Ebenen: Zum einen ist da die Reise des Thronfolgerpaares, deren Höhepunkt der Aufenthalt in Sarajevo ist. Neben historisch belegten Fakten wie dem Besuch eines Manövers in Bosnien und in Sarajevo, erhalten die Leser/innen durch fiktive Szenen Einblicke in das Privatleben der kaiserlichen Familie, was dieser Leben einhaucht. Ein weiterer Erzählstrang erweckt die Attentäter selbst zum Leben. Von Führungspersönlichkeiten des serbischen Geheimbundes „Schwarze Hand“ rekrutiert, handelt es sich bei diesen um historisch belegte Personen, die aufgrund ihrer detaillierten und lebendigen Beschreibung trotz der grausamen Tat sehr menschlich erscheinen. Als größtenteils 19-Jährige sehen sie sich durch die österreichische Regierung und ihre eigene Krankheit veranlasst, ihrem Leben einen letzten Sinn zu geben und in die Annalen der Geschichte einzugehen. Dieses lässt ihre Tat auf der einen Seite nachvollziehbar erscheinen, wirft aber auch die Frage auf, ob sie sich über die (möglichen) Folgen derselben im Klaren waren. Nicht zuletzt zeigt ihre Geschichte auch Parallelen zu heutigen (Selbstmord-)Attentätern auf, was den historischen Ereignissen immerwährende Aktualität verleiht. Am meisten von der Historie entfernt sind schließlich die Schilderungen rund um die Vertreter der Staatsmacht. Mit Rudolf A. Markovic, Major beim österreichisch-ungarischen Geheimdienst in Sarajevo, hat Ulf Schiewe hier einen lebensnahen Protagonisten erschaffen, der zwar versucht, in die historischen Geschehnisse einzugreifen und mit historischen Persönlichkeiten glaubhaft interagiert, der es aber auch nicht schafft, den Lauf der Geschichte „umzuschreiben“. Nichtsdestotrotz stellt sich hier die Frage, ob das Attentat hätte verhindert werden können – wird der Regierung doch tatsächlich im Nachhinein vorgeworfen, nicht für ausreichende Sicherheitsmaßnahmen gesorgt zu haben. Gleichzeitig verdeutlichen diese Schilderungen, wie viele Zufälligkeiten und Verkettungen unglücklicher Umstände unsere Geschichte prägen – und geben dem Roman die letzte Würze.
    Eingeteilt ist der Roman in sieben Kapitel, jedes einem Tag der Unglückswoche im Juni 1914 gewidmet. Jedem Kapitel sind, passend zum jeweiligen Tag, originale Zeitungsartikel vorangestellt, die teilweise einen Blick über das Erzählte hinauswerfen und für neue Denkanstöße sorgen. Gerahmt ist das Ganze von einem Prolog und einem Epilog. Anmerkungen des Autors, in denen das weitere Schicksal der Attentäter sowie Recherchenotizen erörtert werden, ein Glossar sowie ein Personenverzeichnis, in dem fiktive Charaktere extra gekennzeichnet sind, ergänzen das Werk. Eine Karte von Sarajevo in der Buchinnenklappe ermöglichen es, den Weg der Attentäter mitzugehen.
    Insgesamt präsentiert Ulf Schiewe mit „Der Attentäter“ einen historischen Thriller, der überaus spannend zu lesen und ebenso lehrreich ist. Von mir gibt es eine 100%-ige Leseempfehlung – ohne Wenn und Aber.

  1. Packender historischer Thriller

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Jan 2020 

    Der Roman erzählt die Geschichte des Attentats auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand, das als Auslöser des 1.Weltkrieges gilt, äußerst packend und spannend. Betrachtet wird die Woche vor dem Attentat bis zum Tag, an dem der 1.Weltkrieg entfacht worden ist: 22.6.-28.6.1914. Schauplatz ist überwiegend Sarajevo, das Franz Ferdinand anlässlich eines Militärmanövers besuchen will und das, wie ganz Bosnien-Herzegowina, seit 1878 von Österreich-Ungarn annektiert ist.

    Die meisten Figuren des Romans sind historische, erfunden hat Schiewe:

    "Major Markovic [österreichisch-ungarischer Geheimdienstoffizier], Hauptmann Simon [ebenfalls Geheimdienst] und die Bordellbesitzerin Svjetlana[...]. Ich brauche sie und ihre Handlungen, um dem Geschehen noch mehr Spannung und Würze einzuhauchen. In Wirklichkeit hat wohl niemand, weder die Polizei noch der Geheimdienst, geahnt, was an jenem schicksalhaften 28.Juni passieren würde - außer den Verschwörern und Drahtziehern des Attentats." (Anmerkungen des Autors, 497)

    In mehreren Handlungssträngen, gewürzt mit authentischen Zeitungsberichten aus den Archiven, nähert man sich dem Unglückstag. Dabei erleben wir aus der Perspektive aller Beteiligten mit, wie sie die letzte Woche vor dem Attentat erlebt haben.

    Zunächst die Attentäter selbst: Gavrilo Princip, 19 Jahre alt, sowie seine Freunde Trifko und Nedeljko, ebenfalls 19 Jahre alt, die als bosnische Serben den Thronfolger als Vertreter der Besatzungsmacht hassen und die alle an Tuberkulose erkrankt sind und für ihr Vaterland zu sterben bereit sind.

    "Ja, das ist unser Todesurteil, denkt Gavrilo. Nicht die Schüsse, die sie in Sarajevo abfeuern werden, auch nicht die Zyanidkapseln, die Danilo für sie in seinem Rucksack aufbewahrt. Nein, es ist die Krankheit, dieser schleichende Tod, der sie befallen hat, das Blut, das sie sich aus der Lunge husten. Ohne die Schwindsucht säßen sie nicht auf diesem elenden Kahn. Vielleicht wäre dann alles anders." (163)

    Das Zitat wirft die Frage auf, ob die gesellschaftlichen Umstände, die es nur den Reichen ermöglicht, die Tuberkulose zu besiegen, indem sie in Sanatorien reisen können, dazu führen, dass die Jugendlichen aus ärmlichen Verhältnissen, keine Chance mehr sehen und so den radikalen Entschluss fassen, für ihr Vaterland zu sterben.

    Die Innensicht ermöglich so neue Einsichten.

    Pavle, Mitglied der Schwarzen Hand, eines nationalistisch-serbischen Geheimbundes, fungiert als Schleuser, die Jungen über die Grenze bringt. Danilo Ilic ist ihr Ausbilder, Begleiter und "Aufpasser".

    Im Hintergrund agieren "Dimitrijevic, Mitbegründer und Anführer der Schwarzen Hand, und Tankosic, zweiunddreißig Jahre alt, Major der serbischen Armee und ehemaliger Tschetnik im Kampf gegen die Osmanen" (13), der überzeugt ist, dass die Jungen trotz ihrer Jugend den Auftrag meistern werden:

    "Ilic meint, Gavrilo ist lungenkrank und weiß, dass er nicht lange zu leben hat. - Ach, und deshalb ist es ihm egal, dass er dabei draufgeht? - Er will nicht abtreten, bevor er etwas Großes für Serbien getan hat." (17)

    Auf österreichischer Seite spielt Potiorek eine entscheidende Rolle, der Landeschef von Bosnien-Herzegowina schlägt alle Warnungen zu einem möglichen Attentat in den Wind und schätzt die Zustimmung zur Monarchie in Sarajewo falsch ein.

    "Sarajevo ist sicher. Die Bevölkerung freut sich auf den Besuch. Es ist eine Ehre für diese Stadt." (35)

    "Feldzeugmeister Potiorek hat die Armee aus der Stadt verbannt. Wir sollen nicht als Besatzungsmacht auftreten, sagt er. Er will fröhliche Menschen auf den Straßen, die Eure Hoheit mit Begeisterung zujubeln, und keine Soldaten." (49)

    Hinzu kommt das Franz Ferdinand ausgerechnet an einem nationalen Gedenktag der Serben in Sarajevo seinen Auftritt hat. Markovic sieht die Gefahr, die davon ausgeht.

    "Ein Gutteil der Bevölkerung sieht in der Annexion durchaus einen Vorteil, besonders wirtschaftlicher Art. Nicht wenige, vor allem die bosnischen Serben, betrachten die Österreicher allerdings als Besatzer und Unterdrücker." (37)

    Besonders interessant sind die Szenen, die den Thronfolger mit seiner Frau Sophie und den drei Kindern zeigen. Unbekannt dürfte den meisten sein, dass die beiden eine morganatische Ehe führten. Da Sophie von niederem adligen Stand ist, wird sie behandelt wie eine legitimierte Mätresse, die Nachkommen sind von der Thronfolge ausgeschlossen. Aber die beiden lieben sich und Franz Ferdinand hat jahrelang um diese Ehe gekämpft. Im Privaten erscheint er als liebevoller Ehemann und Vater, in der Öffentlichkeit und seinen Untergebenen gegenüber wirkt er jedoch oft cholerisch.

    Sie hingegen ist durchweg sympathisch, will ihre Kinder zur Selbstständigkeit erziehen und freut sich auf den Auftritt in Sarajevo, da sie nur bei militärischen Manövern an der Seite ihres Mannes stehen darf. Bei offiziellen Anlässen in Wien ist ihr dies nicht erlaubt.

    Im Verlauf der Handlung streben die einzelnen Handlungsstränge aufeinander zu. Die Attentäter nähern sich Sarajevo, das Schleusen über die Grenze ist unglaublich spannend beschrieben, während der Geheimdienst ihnen langsam auf die Spur kommt - zwar fiktiv, trotzdem spannend.

    Der Thronfolger reist via Schiff Richtung Sarajevo, Sophie mit der Bahn zu ihrem luxuriösen Domizil, während die Attentäter in ihrem Unterschlupf immer wieder von Zweifeln geplagt werden. Die Innensicht aller Beteiligten ermöglicht den Leser*innen selbst die Attentäter als Menschen wahrzunehmen, ihre Motive nachzuvollziehen, auch wenn man letztlich kein Verständnis für ihre Tat aufbringen kann.

    Ein sehr dichter Roman, vor allem die Schilderung des letzten Tages - den muss man zusammenhängend lesen. Die fiktiven Zeitangaben über den Kapiteln verstärken die Dichte der Ereignisse, nebenbei verleihen sie dem Geschehen wie auch die Zeitungsbericht zusätzlich Authentizität.

    Besser als alle Geschichtsbücher und viel spannender, war der Tenor in der Leserunde, in der der Autor selbst unsere Fragen beantwortet hat.

    Klare Lese-Empfehlung!

  1. Sieben Tage im Juni

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Jan 2020 

    Europa im Juni 1914: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie, werden zu einem Besuch in Sarajevo erwartet. Nach einem Militärmanöver wollen sie auch die Innenstadt besuchen. Doch auf dem Balkan brodelt es. Drei junge Serben, der 19-jährige Gavrilo Princip und seine beiden gleichaltrigen Kameraden, bereiten ein Attentat auf den Thronfolger vor, denn sie trachten ihm nach dem Leben. Dabei werden sie unterstützt von einer heimlich agierenden serbischen Organisation. Der Geheimdienst hat allerdings Wind von der Sache bekommen. Major Rudolf Markovic ist den Verschwörern auf der Spur und will das Attentat verhindern. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

    „Der Attentäter“ ist ein historischer Thriller von Ulf Schiewe.

    Meine Meinung:
    Das Buch besteht aus sieben Kapiteln – unterteilt in die Wochentage zwischen Montag, 22. Juni, und Sonntag, 28. Juni 1914. Zudem gibt es einen Pro- und einen Epilog. Erzählt wird im Präsens abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven –aus der Sicht des Erzherzogs und seiner Frau, der der Attentäter, der eines Geheimdienstoffiziers und vieler weiterer Personen. Jeder dieser Abschnitte ist überschrieben mit einer genauen Uhrzeit und einem Ort. Diese einheitlichen Angaben machen die Orientierung leicht. Der Aufbau ist sinnvoll durchdacht und funktioniert gut.

    Der Schreibstil ist schnörkellos, aber anschaulich und dank viel wörtlicher Rede lebhaft. Etwas störend sind nur zahlreiche Tipp- und Zeichenfehler.

    Im Fokus stehen zweifelsohne Thronfolger Franz Ferdinand sowie die Gruppe der Attentäter, also Personen, die real existierten. Sie werden unter anderem ergänzt um den fiktiven Major Markovic, eine interessante und authentisch anmutende Figur. Die Gedanken- und Gefühlswelt der Akteure wird dabei sehr gut deutlich. Trotz der schnellen Perspektivwechsel kommt man den Personen nahe. Auffallend ist die Vielzahl an Charakteren. In Verbindung mit etlichen unbekannten Namen ist das zunächst etwas verwirrend. Ein Personenverzeichnis, das darüber Aufschluss gibt, welche Figuren rein fiktiv sind, hilft jedoch weiter.

    Die historische Thematik hat meine Neugier auf den Roman geweckt. Gut gefällt mir, dass sich der Autor so nah an die tatsächlichen Begebenheiten hält und Fakten und Fiktion auf gelungene Weise verbindet. Die fundierte Recherche wird nicht nur im Nachwort („Anmerkungen des Autors“) deutlich, das die Handlung des Romans einordnet und mit weiteren Informationen ergänzt. Selbst wer mit dem Attentat und seinen Umständen bereits vertraut ist, hat die Möglichkeit, beim Lesen noch einiges zu lernen. Wer dagegen wenig Ahnung von dem historischen Geschehen hat, kann der Handlung ebenfalls gut folgen. Dazu trägt auch das sinnvolle Glossar bei.

    Obwohl der Ausgang des Attentats hinreichend bekannt ist, wird die Lektüre nicht langweilig. Die Handlung ist dennoch fesselnd und gleichzeitig abwechslungs- und facettenreich. Auf annähernd 500 Seiten entstehen keine Längen.

    Das Cover passt gut zum Inhalt. Auch der prägnante Titel ist treffend gewählt, wobei „Die Attentäter" vielleicht sogar noch besser formuliert wäre.

    Mein Fazit:
    „Der Attentäter“ von Ulf Schiewe ist ein auf historischen Begebenheiten basierender Thriller, der mich rundum überzeugen konnte. Nicht nur für Geschichtsfans eine unterhaltsame und interessante Lektüre.

  1. Letzte Junitage

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Jan 2020 

    Der österreichisch-ungarische Thronfolger soll im Juni 1914 in der Nähe von Sarajevo einem Manöver beiwohnen. Seine Frau Sophie begleitet ihn auf der Reise, denn es soll auch einen angenehmen Teil geben, während dessen er nicht auf seine geliebte Gattin verzichten möchte. In Sarajevo kursieren Gerüchte, dass Mitglieder der „Schwarzen Hand“, einer geheimen serbischen Terrororganisation, einen Anschlag auf das Thronfolger-Paar planen. Major Markovic vom österreichisch-ungarischen Geheimdienst versucht zum einen herauszufinden, ob an den Gerüchten etwas dran und falls ja, das Attentat zu verhindern. Gleichzeitig sind jedoch wenige Polizisten und andere Sicherheitsleute vor Ort, so das keine lückenlose Absicherung des hohen Besuches gewährleistet ist.

    Aus Sicht von Thronfolger Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie, der Sicherheitsdienste und der Attentäter wird über die Woche vor dem Attentat und über das Attentat berichtet. Die Gruppe von Attentätern hat die Tat ausgiebig geplant und geübt. Der Geheimdienst erfährt von den Plänen und seine alle Kraft des Apparates in Bewegung, um das Attentat zu verhindern und die mutmaßlichen Täter zu verhaften. Die glücklich verheirateten Thronfolger freuen sich auf die Reise wie auf einen Urlaub. Besonders Franz Ferdinand mag nicht glauben, dass ihnen jemand nach dem Leben trachten könnte.

    Man glaubt gar nicht, dass ein historisch verbürgtes Ereignis zu einem so spannenden Roman führen kann. Von dem Attentat auf den Thronfolger weiß man aus dem Geschichtsunterricht und man erinnert sich, dass es als Auslöser für den ersten Weltkrieg genommen wurde. Dass mit Franz Ferdinand einer getötet wurde, der eher gegen einen Krieg war, ist schon eine bitterböse Ironie. In diesem historischen Roman wird das Thronfolger-Paar sehr menschlich und auch sympathisch dargestellt, nicht so herrschaftlich von oben herab, wie man sich es vielleicht vorstellt. Doch auch die Attentäter werden nicht als dumme Mörder beschrieben, sondern eher wie junge Menschen, denen eine schwere Krankheit, die Tuberkulose, die Zukunft genommen hat. Da sie eh nichts mehr zu verlieren hatten, haben sie sich der „Schwarzen Hand“ angeschlossen. Ein besonderes Spannungsmoment besteht darin, dass der Geheimdienst immer wieder knapp davor ist, das Attentat zu verhindern. Und so läuft die packende Handlung auf ihr bedauerlicherweise unausweichliches Finale hin. Ein toller Roman über ein geschichtliches Ereignis, das dem Leser so ungemein nahe gebracht wird.

  1. Ein Wendepunkt der Geschichte, packend neu erzählt

    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Jan 2020 

    „Ich danke Ihnen für die Besorgnis um unseren Thronfolger. Aber wegen ein paar Gerüchten können wir nicht die Reise absagen.“ (Zitat Seite 230)

    Inhalt
    Mlada Bosna ist eine serbisch-nationalistische Organisation junger bosnischer Serben, die mit allen Mitteln für ein vereinigtes Großserbien kämpfen. Auch der neunzehnjährige Gavrilo Princip und seine beiden gleichaltrigen Freunde Nedeljko und Trifko gehören zu dieser Vereinigung. Intensiv geschult und ausgebildet durch Mitglieder des serbischen Geheimbundes Schwarze Hand, bereiten sie ab März 1914 einen Anschlag auf das österreichische Thronfolgerpaar vor. Ausgerechnet am 28. Juni, dem serbischen Gedenktag an die Schlacht auf dem Amselfeld, werden Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie Sarajevo besuchen. Immer wieder hört Major Rudolf Markovic vom österreichischen Geheimdienst Gerüchte über ein geplantes Attentat, doch ein Thronfolger lässt sich nicht durch Gerüchte beeinflussen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

    Thema und Genre
    Dieser historische Thriller handelt von dem Anschlag am 28. Juni 1914 auf das österreichische Thronfolgerpaar, auf die politischen Zusammenhänge und die massiven Fehleinschätzungen, die dazu geführt haben, dass dieses Attentat nicht verhindert wurde.

    Charaktere
    Die historisch bekannten Personen, aus den Seiten der geschichtlichen Datensammlungen und Sachbücher in diese dichte Handlung der letzten Woche vor dem Attentat zurückgeholt, werden für den Leser zu handelnden, fühlenden, zweifelnden Menschen. Die Schilderung der Charaktere auf Grund von Quellen und intensiver Recherche ergibt ein neues, erweitertes Bild, in dem auch die Täter nicht automatisch die Bösen sind, sondern junge Idealisten, die glauben, das Beste für Serbien zu tun. Dazwischen schieben sich Wohlfühlszenen des Thronfolgerpaares, zuerst in der Familie, dann während der Reise, die auch Herzogin Sophie sichtlich genießt. Ergänzt werden die realen Personen durch einige fiktive Charaktere, die das Gesamtbild abrunden.

    Handlung und Schreibstil
    Ein Ereignis, das bereits ob seiner geschichtlichen Tragweite in zahlreichen Biografien, Sachbüchern und Dokumentationen geschildert und im Jahr 2014 nochmals intensiv diskutiert wurde. Ein Anschlag, bei dem Tatzeit, Täter, Opfer, Tathergang und Hintergründe bekannt sind, wir Leser wissen schon vorab, was passieren wird. Dennoch entwickelt der Autor aus diesen Tatsachen eine intensive, packende, neue Geschichte. Unterschiedliche Perspektiven, eine personale Erzählweise, die abwechselnd Gavrilo Princip und die Vorbereitungen des Attentats, Erzherzog Franz Ferdinand und die Reise, sowie Rudolf Markovic und seine Recherchen in den Mittelpunkt stellt, sowie die straffen Zeitangaben mit teilweise minütlich gleichzeitigen Geschehnissen machen aus diesem Roman der Fakten, vermischt mit etwas Fiktion, ein Leseerlebnis, das man am besten mit „Geschichte lebt“ beschreiben kann.

    Fazit
    Eine überzeugende Mischung aus Biografie und Roman, welche die Tage vor dem Attentat von Sarajevo und den Anschlag selbst facettenreich, straff und spannend schildert. Interessante, genau recherchierte Hintergrundinformationen ergänzen die packend und stimmig neu erzählte Geschichte.

 

Das Flüstern der Stadt (Ana Martí ermittelt 1)

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Flüstern der Stadt (Ana Martí ermittelt 1)' von Rosa Ribas
NAN
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Inhaltsangabe zu "Das Flüstern der Stadt (Ana Martí ermittelt 1)"

Ein spannender und atmosphärischer Barcelona-Krimi über die Macht des Wortes: der Überraschungserfolg aus Spanien, für alle Leser von Carlos Ruiz Zafón und Alicia Giménez-Bartlett.
Barcelona, 1952, die Zeit der Franco-Diktatur: Die junge Journalistin Ana Martí soll die Berichterstattung über den Mord an einer Arztwitwe übernehmen – die Chance, endlich Karriere zu machen. Doch Ana darf nur schreiben, was ihr in die Feder diktiert wird, denn die Polizei hat strikte Anweisung, den Fall so schnell wie möglich zu den Akten zu legen.
Dann werden im Besitz der Toten Briefe gefunden – Liebesbriefe eines Unbekannten. Anas Cousine, die Sprachwissenschaftlerin Beatriz, entdeckt darin Hinweise, die zur Lösung des Falls führen könnten. Durch ihre Nachforschungen geraten die Frauen in große Gefahr. Doch Ana und Beatriz wollen die Wahrheit ans Licht bringen, mit den einzigen Waffen, die sie den Mächtigen der Stadt entgegenzusetzen haben: dem Wissen über die Sprache und der Liebe zur Literatur …

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:512
EAN:

Diskussionen zu "Der Petticoat-Mörder: Fred Lemkes erster Fall (Lemke-von Stain-Serie 1)"

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Das Geständnis der Frannie Langton: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Geständnis der Frannie Langton: Roman' von Sara Collins
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Geständnis der Frannie Langton: Roman"

Sie ist jung. Sie ist klug. Sie ist fremd. Sie steht unter Mordverdacht. Ein aufwühlender historischer Kriminalroman im England des 19. Jahrhunderts

London, 1826: Das Dienstmädchen Frannie Langton ist eine ungewöhnliche junge Frau, außerordentlich gebildet – und eines brutalen Doppel-Mordes angeklagt. Londons brave Bürger sind in Aufruhr: Wer ist diese ehemalige Sklavin, die aus den Kolonien nach England kam, um ihre Arbeitgeber in den eigenen Betten zu meucheln? Die Zeugenaussagen belasten Frannie schwer. Eine Verführerin sei sie, eine Hexe, eine meisterhafte Manipulatorin. Doch Frannie erzählt eine andere Version der Geschichte, ihrer Geschichte ...

»Sie sagen, ich solle sterben für das, was Madame geschehen ist, ich solle gestehen. Doch wie kann ich etwas gestehen, das ich nicht getan habe?«

Sara Collins arbeitete siebzehn Jahre lang als Anwältin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Dieser ergreifende historische Kriminalroman ist ihr Debüt. Sind Sie bereit für Frannie Langtons Geschichte?

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:432
Verlag: Droemer eBook
EAN:

Diskussionen zu "Der Petticoat-Mörder: Fred Lemkes erster Fall (Lemke-von Stain-Serie 1)"

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Rezensionen zu "Das Geständnis der Frannie Langton: Roman"

  1. Langatmig und schwülstig

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 02. Jul 2019 

    London 1826, die Mulattin Frances Langton steht vor Gericht, weil sie ihre Dienstgeber, Mrs. und Mr. Benham ermordet haben soll. Für ihren Prozess erzählt Frannie ihre Geschichte: Als Kind auf einer Zuckerrohrplantage auf Jamaika aufgewachsen war sie lange Jahre Haussklavin und musst ihrem Meister bei fragwürdigen Experimenten unterstützen. Als die Plantage niederbrennt, nimmt John Langton Frannie mit nach London, wo er sie seinem Geschäftspartner Mr. Benham vermacht. Bald wird Frannie die Zofe von Mrs Benham und geht eine gefährliche Liebschaft mit dieser ein.
    Selten habe ich mich bei einem Roman so geplagt, wie bei diesem. Das Geständnis der Frannie Langton ist eine langatmige, über weite Teile sehr schwülstige Geschichte. Frannie, die ehemalige Sklavin und Mrs. Benham, genannt Madame führen eine sehr fragwürdige Liaison. Manchmal fragte ich mich, ob die Ungeheuerlichkeiten der Sklaverei nur als Vorwand dienten, eine schmalzige Liebesgeschichte zu erzählen. Dabei hat Frannie Potential zur Heldin. Sie kann lesen und schreiben, sich gewählt ausdrücken, allein ihre Herkunft und Hautfarbe stigmatisieren sie. Erst im letzten Drittel hatte ich wieder etwas mehr Lesefreude an dem Roman, als es um den Prozess ging. Kein Wunder, ist die Autorin Sara 17 Jahre lang Anwältin gewesen. Vielleicht hätte sie den Beruf nicht wechseln sollen.

 

Das Geständnis der Frannie Langton: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Geständnis der Frannie Langton: Roman' von Sara Collins
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Geständnis der Frannie Langton: Roman"

Sie ist jung. Sie ist klug. Sie ist fremd. Sie steht unter Mordverdacht. Ein aufwühlender historischer Kriminalroman im England des 19. Jahrhunderts

London, 1826: Das Dienstmädchen Frannie Langton ist eine ungewöhnliche junge Frau, außerordentlich gebildet – und eines brutalen Doppel-Mordes angeklagt. Londons brave Bürger sind in Aufruhr: Wer ist diese ehemalige Sklavin, die aus den Kolonien nach England kam, um ihre Arbeitgeber in den eigenen Betten zu meucheln? Die Zeugenaussagen belasten Frannie schwer. Eine Verführerin sei sie, eine Hexe, eine meisterhafte Manipulatorin. Doch Frannie erzählt eine andere Version der Geschichte, ihrer Geschichte ...

»Sie sagen, ich solle sterben für das, was Madame geschehen ist, ich solle gestehen. Doch wie kann ich etwas gestehen, das ich nicht getan habe?«

Sara Collins arbeitete siebzehn Jahre lang als Anwältin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Dieser ergreifende historische Kriminalroman ist ihr Debüt. Sind Sie bereit für Frannie Langtons Geschichte?

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:432
Verlag: Droemer eBook
EAN:

Diskussionen zu "Der Petticoat-Mörder: Fred Lemkes erster Fall (Lemke-von Stain-Serie 1)"

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Rezensionen zu "Das Geständnis der Frannie Langton: Roman"

  1. Langatmig und schwülstig

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 02. Jul 2019 

    London 1826, die Mulattin Frances Langton steht vor Gericht, weil sie ihre Dienstgeber, Mrs. und Mr. Benham ermordet haben soll. Für ihren Prozess erzählt Frannie ihre Geschichte: Als Kind auf einer Zuckerrohrplantage auf Jamaika aufgewachsen war sie lange Jahre Haussklavin und musst ihrem Meister bei fragwürdigen Experimenten unterstützen. Als die Plantage niederbrennt, nimmt John Langton Frannie mit nach London, wo er sie seinem Geschäftspartner Mr. Benham vermacht. Bald wird Frannie die Zofe von Mrs Benham und geht eine gefährliche Liebschaft mit dieser ein.
    Selten habe ich mich bei einem Roman so geplagt, wie bei diesem. Das Geständnis der Frannie Langton ist eine langatmige, über weite Teile sehr schwülstige Geschichte. Frannie, die ehemalige Sklavin und Mrs. Benham, genannt Madame führen eine sehr fragwürdige Liaison. Manchmal fragte ich mich, ob die Ungeheuerlichkeiten der Sklaverei nur als Vorwand dienten, eine schmalzige Liebesgeschichte zu erzählen. Dabei hat Frannie Potential zur Heldin. Sie kann lesen und schreiben, sich gewählt ausdrücken, allein ihre Herkunft und Hautfarbe stigmatisieren sie. Erst im letzten Drittel hatte ich wieder etwas mehr Lesefreude an dem Roman, als es um den Prozess ging. Kein Wunder, ist die Autorin Sara 17 Jahre lang Anwältin gewesen. Vielleicht hätte sie den Beruf nicht wechseln sollen.

 

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