Die Krieger: Ein Fall für Nick Marzek

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Krieger: Ein Fall für Nick Marzek' von Martin Maurer
4.25
4.3 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Krieger: Ein Fall für Nick Marzek"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:364
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Rezensionen zu "Die Krieger: Ein Fall für Nick Marzek"

  1. "Liverpool"

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Nov 2020 

    Nach dem Tod seiner Frau ist der Polizist Nick Marzek abgestürzt. Um sich wieder zu fangen, nimmt der die Hilfe eines Kollegen aus München an und lässt sich von Berlin an die Isar versetzen. Die Eingewöhnung bei der Mordkommission fällt ihm schwer, lenkt ihn aber von den Gedanken an seine Frau ab. Da wird Anfang 1984 ein folgenschwerer Brandanschlag auf die Münchner Diskothek Liverpool verübt. Zunächst geht die Polizei von einem Kleinkrieg rivalisierender Kiezgrößen hin. Denn kurz zuvor brannten auch Wohnwagen von Prostituierten aus. Völlig überraschend taucht dann jedoch ein Bekennerschreiben auf, das bei einer italienischen Presseagentur abgegeben wurde.

    Im Untertitel heißt es „Ein Fall für Nick Marzek“, was darauf hindeutet, dass es sich hier um den ersten Band einer Reihe handeln könnte. Mit seinen 43 Jahren ist Marzek auf jeden Fall jung genug, um noch einige Fälle aufzuklären. Bei seinem ersten richtigen Einsatz in München ist er gleich mit einem besonders verzwickten Fall befasst. Der vermeintliche Krieg im Rotlichtmilieu entpuppt sich als geheimnisumwitterter Anschlag, bei dem sogar ein politischer Hintergrund zu vermuten ist. Da das Bekennerschreiben von den italienischen Polizeibehörden weitergeleitet wurde, wird Nick nach Italien geschickt. Als seine Übersetzerin reist Graziella mit, die in der Mordkommission eigentlich als Putzfrau angestellt ist.

    Natürlich sind Nick Marzek und seine Kollegen frei erfunden. Der Kriminalfall um den Anschlag auf die Diskothek Liverpool allerdings nicht. Diese Geschehnisse beruhen auf einem echten Fall. Und immer, wenn man meint, der Autor hat seine Phantasie etwas zu sehr spielen lassen, dann kann nur empfohlen werden, spätestens nach Ende der Lektüre mal das www aufzusuchen, um weitere Hinweise zu finden. Man wird erstaunt feststellen, dass sich der Autor an den berichteten Tatsachen orientiert hat. Wahrheit und Fiktion hat der dabei so geschickt verwoben, dass man beinahe glauben könnte, selbst wenn auch nur beobachtend Teil der Ermittlung zu sein. Die Art der Nachforschungen sind sehr authentisch, kleinteilige Polizeiarbeit. Ob es in der realen Welt passieren könnte, dass eine Putzfrau ohne die entsprechende Ausbildung zur Übersetzerin gemacht wird, erscheint eher zweifelhaft. Allerdings bringt Graziella gerade die nötige Leichtigkeit und ein gewisses Flair, ohne das der Roman manchmal etwas zu trocken geraten könnte. Der Anschlag auf die Diskothek Liverpool hat sich irgendwie nicht in die Erinnerung eingebrannt. Die Opfer haben da allerdings etwas Besseres verdient und dieses Bessere hat der Autor auf packende Art geliefert.

  1. Eine auf Tatsachen beruhende Kriminalgeschichte

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Nov 2020 

    Martin Maurer führt uns in seinem zweiten Kriminalroman in das München der 1980er Jahre. Hierher versetzt wird der Berliner Kriminalkommissar Nick Marzek, 43 Jahre alt. Nach dem Tod seiner Frau versucht er nun hier Fuß zu fassen.
    Da erschüttert ein brutaler Brandanschlag auf eine Diskothek im Bahnhofsviertel die Stadt. Es gab zwar keine Toten, aber zahlreiche, z.T. schwerverletzte Menschen. Die Polizei geht zuerst von Revierkämpfen im Rotlichtmilieu aus und ermittelt in dieser Richtung. Bis ein Bekennerschreiben in italienischer Sprache auftaucht. Eine „ Gruppe Ludwig“ zeigt sich verantwortlich für den Anschlag. Hakenkreuz und Reichsadler auf dem Schreiben verweisen auf einen rechtsextremen Hintergrund. Das „ Gott mit uns“ aber irritiert. Ähnliche Verbrechen der Gruppe gab es zuvor schon in Oberitalien.
    Deshalb soll nun Marzek dorthin reisen, um Hinweise auf die Täter zu finden. Ihm zur Seite gestellt wird Graziella, die italienische Reinigungskraft des Kommissariats, da ein professioneller Übersetzer momentan nicht zur Verfügung steht.
    Das ungleiche Paar wühlt sich nun durch Aktenberge, befragt italienische Kollegen, findet Unterstützung bei einem Journalisten und einem pensionierten Ermittler; beide waren mit den Fällen betraut.Sie reisen auch an die verschiedenen Tatorte. Im Umgang mit den Italienern und der italienischen Mentalität ist Graziella eine große Hilfe für Marzek. Ohne sie wäre er verloren. Sie bringt auch ein wenig italienische Leichtigkeit in die zermürbende Ermittlungsarbeit.
    Am Ende sind nicht alle Fragen geklärt, wie auch in der Realität. Martin Maurer greift in diesem Roman auf eine tatsächliche Mordserie zurück. Die „Gruppe Ludwig“ gab es tatsächlich und bis heute ist nicht klar, ob und wenn ja, welche Hintermänner es gab.
    „ Die Krieger“ ist ein spannender und unterhaltsamer, gut lesbarer Kriminalroman. Das eigenwillige Ermittlerpaar hat das Potential für weitere Fälle. Beide Figuren sind vielschichtig angelegt. Nick ist psychisch angeschlagen; die Arbeit hilft ihm beim Verdrängen. Graziella ist eine temperamentvolle, aber auch verletzliche Frau, die ebenfalls ihr Päckchen zu tragen hat.
    Es macht Spaß, die beiden beim Ermitteln zu begleiten und die Kriminalgeschichte gewinnt durch die politische Dimension an Aktualität. Parallelen zu den NSU- Morden drängen sich auf.

  1. Aktuell damals wie heute

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 31. Okt 2020 

    Kurzmeinung: Es hat Spaß gemacht, mit Nick und Gabriella in Italien auf Spurensuche zu gehen. Ein Duo, was unterschiedlicher nicht sein konnte. Das Thema sehr düster und erschreckend.

    Der Autor Martin Maurer war mir bisher unbekannt, obwohl er bereit im Jahr 2011 schon einen erfolgreichen Thriller vorgelegt hat. Dazwischen hat er Drehbücher geschrieben, eh er sich einem spannenden Fall, der auf Tatsachen basiert, gewidmet hat. Da er in Italien lebt, waren die Beschreibungen der Orte sehr authentisch geschildert.

    Wie bei so vielen Krimis ist auch der Ermittler Nick von Berlin in den Süden nach München versetzt worden. Die meisten Kommissare haben ein Problem in der Stadt, wo sie bisher ermittelt haben oder sind psychisch angegriffen gewesen. So auch Nick Marzek, 43 Jahre alt, Witwer und ein Sohn zu dem er keinen richtigen Draht mehr finden kann. Sein Freund und Kollege hat ihn nach München geholt. Er fremdelt noch heftig mit der Stadt. Da wir das Jahr 1984 schreiben, fährt Nick nur mit einem Faltstadtplan durch die Gegend.

    Ein verheerender Brandanschlag auf die Diskothek Liverpool fand im Jahre 1984 in München statt. Es wurden zahlreiche Menschen schwer verletzt. Da vorher einige Revierkämpfe im Millieu stattfanden, auch Brandanschläge auf Wohnwagen von Prostituierten ging man davon aus, es handelt sich um Machteroberung von verschiedenen Gruppen. Als dann aber aus Italien ein Hinweis der Polizei kommt, es könne einen Zusammenhang zu dieser
    Tat mit vergangenen Verbrechen in Italien bestehen, da reist Nick nach Italien. Da er allerdings der Sprache nicht mächtig ist schickt man ihn gemeinsam mit der italienischen Reinigungskraft Gabriella auf die Reise. Schnell merkt er, ohne sie wäre er total aufgeschmissen in diesem fremden Territorium. Die Italiener haben auch nicht auf einen Ermittler aus Deutschland gewartet.

    Sie müssen sich zunächst durch Berge von Akten arbeiten und Gabriella hat so einige Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Aber das Übersetzen geht ihr leicht von den Lippen. Immer weiter arbeiten sie sich in die Tiefe und Dunkelheit des bösen Treibens einer Gruppe Namens "Ludwig" ein. Sehen anfangs kaum einen Zusammenhang und tappen lange im Dunkeln. Sind sich nicht sicher, ob man es hier nicht doch mit verschiedenen Kriminellen zu tun hat.

    Ein spannender und lohnenswerter Krimi war es auf jeden Fall. Zwischendurch konnte ich auch ein wenig italienische Leichtigkeit und Gastfreundschaft einfangen. Nach dem Nachwort des Autors musst ich zwangsläufig die genaue Geschichte nachlesen. Martin Maurer hat daraus einen tollen Krimi gemacht.

  1. Zeitreise in die 80er Jahre

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Okt 2020 

    Der Berliner Kommissar Nick Marzek nimmt nach dem Tod seiner Frau ein Angebot seines Freundes Aki, Kommissar in München, nach München in die Mordkommission zu wechseln an.
    Kurze Zeit später findet im Rotlichtbezirk Münchens ein Brandanschlag statt. Zunächst sieht es wie ein Bandenkrieg aus, nimmt dann doch eine politische Dimension an. Ein mit Hakenkreuzen und Runen versehenes italienisches Bekennerschreiben einer Gruppe LUDWIG, die sich schon zu verschiedenen Anschlägen in Europa, vornehmlich in Italien, bekannt hat, trifft ein. Die Ermittlungen in München laufen auf Hochtouren, jedem Hinweis wird nachgegangen. Schnell steht fest, dass vor Ort in Italien recherchiert werden muss. Die Wahl des Ermittlers fällt auf Nick Marzek. Doch Nick beherrscht die italienische Sprache nicht. Daher wird ihm als Alternative, aus Ermangelung eines Übersetzers, die italienische Putzfrau der Mordkommission, Graziella, zur Seite gestellt, die für ihn übersetzen soll. Doch schnell stellt Nick fest, dass Graziella Schwierigkeiten beim Lesen hat. Das hat zur Folge, dass das Durchforsten der Aktenberge mühsam wird. Trotzdem erweist sich Graziellas als kluge, landeskundige Ermittlerin. Sie versteht die Mentalität der Italiener, insbesondere der italienischen Polizei und Nick Marzek lässt sich gerne von ihrer Lebensfreude anstecken.
    Je mehr sich die beiden in die Akten der italienischen Kollegen vertiefen, umso klarer wird, dass die Anschläge das Werk der radikalen Grupp LUDWIG sind. Nick Marzek und Graziella erhalten bei ihren Nachforschungen Amtshilfe von der italienischen Polizei. Zusätzlich als Unterstützung hilft ihnen ein mittlerweile pensionierter Ermittler, den die ungelösten Fälle nie losgelassen haben.

    Sprache und Stil

    Die Sprache ist umgangssprachlich, wörtliche Rede und in kurzen Sätzen aneinandergereiht. (Parataxen). Dadurch wird der Thriller lebendig, Der Leser taucht in die achtziger Jahre ein und die Spannung wird greifbar.
    Der Autor mischt wahre Begebenheiten mit einer Fiktion. Der Anschlag auf die Diskothek Liverpool hat 1984 tatsächlich stattgefunden. Ebenfalls die Gruppe LUDWIG ist real. Alle Personen im Roman, bis auf Abel und Furlan, sind fiktiv. Auch die abenteuerliche Reise nach Italien hat so nicht stattgefunden.
    Ob diese Verknüpfung der Geschichte zwischen Fiktion und Wirklichkeit so dargestellt werden darf, beantwortet Martin Maurer in seinem Nachwort:

    „Mit genau dieser Frage beschäftigt sich die Krimireihe, um Hauptkommissar Nick Marzek, denn Kriminalliteratur darf, was Dokumentaristen, Journalisten und Historikern verwehrt bleibt: Geschehnisse fiktional einkleiden, Spuren weiterverfolgen und Gedanken weiterspinnen. Sie darf eine Geschichte erzählen, und vielleicht ist deren Wahrheit am Ende gar nicht so weit weg von der Realität. „(S. 361)

    Das Buch ist in 17 Kapitel in römischen Zahlen aufgeteilt mit jeweils kurzen Stichworten zum Inhalt. Im Nachwort gibt der Autor Martin Maurer einen historischen Überblick über das damalige Geschehen und ordnet es seinem Roman mit entsprechenden Hinweisen auf Quellen und Unterstützungen zu.

    Fazit
    „Die Krieger“ ist ein gut recherchierter, spannender und gleichzeitig klug durchdachter Thriller mit einer komplexen Geschichte um die Gruppe LUDWIG. Martin Maurer vereint die Geschichte in einer Mischung aus wahrer Begebenheit mit Fiktion.
    Die Frage bleibt offen: „waren die Täter Abel und Furlan alleine oder stand hinter ihnen ein komplexes Netzwerk, das bis heute im Dunkeln liegt?“ (Nachwort S, 361)

    Ich vergebe insgesamt 4/5 Punkten.