Alle meine Wünsche: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Alle meine Wünsche: Roman' von Grégoire Delacourt
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Alle meine Wünsche: Roman"

Jocelyne, 47, führt einen Kurzwarenladen im nordfranzösischen Arras. Die Kinder sind aus dem Haus und Jocelynes ganze Leidenschaft gilt ihrem Internet-Blog übers Sticken, Nähen und Stricken. Sie liebt ihr kleines Leben, liebt sogar ihren ungehobelten Mann - bis durch einen riesigen Lottogewinn alles aus den Fugen gerät.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:160
EAN:
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Rezensionen zu "Alle meine Wünsche: Roman"

  1. 5
    22. Jan 2018 

    Klein, aber sehr fein!

    Manchmal braucht es gar nicht so viele Worte, um eine wirklich gute Geschichte zu schreiben, wie dieses gerade einmal 120 Seiten umfassende Buch zeigt.
    Jocelyne, 47 Jahre, verheiratet, zwei erwachsene Kinder und eine Leiche (wie sie selber meint), Besitzerin eines Kurzwarenladens, führt ein so unaufgeregtes Leben, dass man es praktisch langweilig nennen könnte. Doch sie ist glücklich: Sie liebt ihren ungehobelten Mann, ihre Kinder, ihren Laden und ihre Kundinnen - sie ist (kaum zu fassen) ein glücklicher Mensch, obwohl ihre Träume nicht in Erfüllung gingen. Eines Tages füllt sie das erste Mal in ihrem Leben einen Lottoschein aus - und gewinnt 18 Millionen Euro. Ob sie jetzt noch glücklicher wird?
    Diese Frage stellt sie sich im Mittelteil des Buches. Welche Wünsche könnte sie sich erfüllen, was würde es mit ihr machen? So bildhaft und nuanciert wie sie im ersten Drittel ihr Glück beschreibt (in diesem unnachahmlichen französischen Sti), das sie auch ohne die Erfüllung ihrer Träume erreicht hat, fallen auch ihre Fragen zu diesem einschneidenden Ereignis aus, das ihr widerfahren ist. Man spürt ihre verhaltene Freude, auch das Nochnichtglaubenkönnen, aber auch ihre Zweifel über diesen überraschenden Gewinn. Es geschieht nicht viel in dieser Geschichte, aber spätestens nach der Bekanntgabe des Lottogewinns (was recht früh geschieht), liegt eine anhaltende Spannung in der Luft. Während ich las, wartete ich die ganze Zeit auf eine Entscheidung, einen Knall, es musste etwas passieren. Das tut es auch, aber völlig anders als gedacht.
    Es ist ein kleines, aber sehr feines Buch über das Glück und das Unglück, die Freude im Leben aber auch das Leid. Am erstaunlichsten fand ich jedoch, dass diese Geschichte, die überzeugend aus der Sicht einer Frau erzählt wird, von einem Mann geschrieben wurde. Diesen Autor muss ich mir merken :-)

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  1. 5
    12. Jan 2016 

    Grégoire Delacourt: Alle meine Wünsche

    Worum geht es:
    Jocelyne hat sich in der nordfranzösischen Stadt Arras ein perfekt unperfektes Leben aufgebaut: sie weiß genau, dass sie nicht hübsch ist, hat einige Schicksalsschläge hinter sich, sie hat eine nicht immer ganz funktionierende Familie, sie führt einen vollkommen aus der Mode geratenen, wenig einbringenden Kurzwarenladen und – Aufhören für alle aktiven Blogger unter euch - sie schreibt einen Blog über das Handarbeiten, mit dem sie eine erstaunlich große und treue Lesergemeinschaft erreicht und sogar tief berührt.
    Ein Zitat:
    … und ich habe keine Antworten auf Ihre Fragen, es tut mir leid.
    Da legt sie [eine Journalistin] ihr Heft, ihren Stift, ihre Tasche beiseite. Sie sieht mir tief in die Augen und sagt: Meine Mutter lebt seit zehn Jahren allein. Sie steht um sechs Uhr auf. Sie macht sich einen Kaffee. Sie gießt ihre Pflanzen. Sie hört die Nachrichten im Radio. Sie trinkt ihren Kaffee. Sie macht sich etwas frisch. Eine Stunde später, um sieben Uhr, ist ihr Tag zu Ende. Vor zwei Monaten hat ihr eine Nachbarin von Ihrem Blog erzählt, und sie hat mich gebeten, ihr so ein Ding zu kaufen – so ein Ding ist in ihrer Sprache ein Computer. Seither hat sie dank Ihren Posamenterien, Ihren Quasten und Ihren Raffhaltern die Lebenslust wiedergefunden. Also erzählen Sie mir nicht, dass Sie keine Antworten haben.
    Und von der Wirkung Jocelyns und ihres Blogs auf andere ist der Leser von „Alle meine Wünsche“ alles andere als erstaunt, denn auch der Stil und Ton des Romans, aus dem man Jocelyn sprechen und denken zu hören meint, ist ungemein berührend und dazu angetan, gute Gefühle auszulösen.
    Ein Zitat:
    Ich bin glücklich mit Jo.
    Es ist nicht das Leben, von dem die Worte in meinem Tagebuch aus der Zeit träumten, als Maman noch lebte. Mein Leben hat nicht die perfekte Anmut, die sie mir abends wünschte, wenn sie sich zu mir ans Bett setzte, wenn sie sanft mein Haar streichelte und flüsterte: Du hast Talent Jo, du bist intelligent, du wirst ein schönes Leben haben.
    Sogar die Mütter lügen. Weil sie ebenfalls Angst haben.
    Ein wichtiger Teil ihres Lebens ist das Wünschen; immer wieder aktualisiert in Form von Wunschlisten macht sie sich auf sehr pragmatische Art und Weise bewusst, woran ihre Sehnsüchte hängen. Regelmäßig verwirft sie Wünsche wieder oder stuft sie neu ein. Und dabei wird eines schon ganz deutlich: wichtig sind nicht eigentlich die Wünsche, und erst recht nicht deren Erfüllung, wichtig ist vielmehr das Wünschen selbst, das Ausdruck eines pragmatisch, positiven Lebensgefühls und des Nachdenkens über das Leben selbst ist.
    Und dann eröffnet sich für Jocelyne urplötzlich die Möglichkeit zur Erfüllung vieler ihrer Wünsche – zumindest des Teils der mit Geld erfüllbaren. Und es wundert den Leser gar nicht, dass im Grunde nichts passiert. Dass sie sich der Erfüllung dieses Teils der Wünsche immer wieder entzieht und es ruhen lässt.
    Und doch ändert diese neue Situation ihr Leben komplett. Wie – das soll hier nicht verraten werden.
    Doch auch in der neuen Situation, herausgerissen aus ihrem zu Beginn perfekt unperfekten Leben, schafft sie es wieder, sich eine Welt der Herzenswärme und bewussten Zufriedenheit aufzubauen.
    Ein Zitat:
    Ich lächle Abends, manchmal, wenn wir nach Hause kommen, in die riesige, wunderbare Villa in Villefranche-sur-Mer, deren Kaufvertrag ich ganz lässig, deren Scheck ich mit Leichtigkeit unterschrieben habe; wenn ich Papa wiedersehe, der auf der Terrasse sitzt, seine Pflegerin neben sich, Papa, der aufs Meer schaut und mit seinen Kinderaugen in den Wolken Pareidolien sucht: Bären, Schatzkarten, Zeichnungen von Maman.
    Ich lächle sechs Minuten lang, während ich für ihn in der Frische des Abends ein neues Leben erfinde.
    Mein Fazit:
    Muss ich wirklich noch sagen, dass ich das Buch uneingeschränkt empfehlen möchte? In diesen knapp 130 Seiten verlässt den Leser das sanfte Lächeln auf den Lippen eigentlich nie, jedenfalls nicht, wenn er sich auf diese herzensgute Jocelyne in ihrer kleinen Welt einlässt. Ich müsste eigentlich mal wieder ein Kurzwarengeschäft besuchen. War einer meiner Gedanken nach der Lektüre des vom Verlag auch sehr liebevoll mit Knopfsymbolen als Kapiteltrenner ausgestatteten Buchs.

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Un hiver à Paris: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Un hiver à Paris: Roman' von Jean-Philippe Blondel
NAN
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Inhaltsangabe zu "Un hiver à Paris: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:187
Verlag: Pocket
EAN:9782266261609
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Das Leuchten in mir

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Leuchten in mir' von Grégoire Delacourt
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Leuchten in mir"

Emma ist vierzig und seit achtzehn Jahren mit Olivier verheiratet. Sie haben drei wohlgeratene Kinder, es könnte nicht besser sein. Dass etwas Entscheidendes in ihrem Leben fehlt, merkt Emma erst, als in einer Brasserie ihr Blick auf den von Alexandre trifft. Sie weiß sofort Bescheid. Für ihn wird sie alles riskieren, alles aufgeben – koste es, was es wolle. Der Bestsellerautor Grégoire Delacourt erzählt in seinem neuen Roman über eine große Leidenschaft, die Zerbrechlichkeit unserer Existenz und die Stärke der Familienbande, die mehr auszuhalten vermögen, als es den Anschein hat.

Format:Taschenbuch
Seiten:272
Verlag: Atlantik
EAN:9783455006704
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23 Uhr 12 – Menschen in einer Nacht

Buchseite und Rezensionen zu '23 Uhr 12 – Menschen in einer Nacht' von Adeline Dieudonné
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "23 Uhr 12 – Menschen in einer Nacht"

Eine Sommernacht an einer Autobahn-Raststätte in den Ardennen. Im hellen Neonlicht werden ein Dutzend Personen um 23:12 Uhr Zeuge, wie eine alte Frau über die Leitplanke der Fahrbahn klettert. Die Kassiererin der Tankstelle; Chelly, die Pole-Dance-Lehrerin; Alika, das philippinische Kindermädchen; Victoire, 25-jähriges Topmodel; Loïc, Autoschlosser und Pick-up-Artist; Joseph, Handelsvertreter für Milben …: Jeder von ihnen ist ein Outsider und hat einen an der Klatsche. Ein einzigartiges Panoptikum menschlicher Absonderlichkeiten in Dieudonnés unvergleichlichem Sound: Knallhart, drastisch, wild, tabulos, surreal, rabenschwarz und voll überbordender Fantasie.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:176
EAN:9783423290227
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Rezensionen zu "23 Uhr 12 – Menschen in einer Nacht"

  1. Eine Sommernacht und Raststätte in den Ardennen

    "Schattenspiel der Nacht. Aus den Tiefen der Seele drängt Wahrheit ans Licht." (Helga Schäferling)
    Eine Raststätte in den Ardennen um 23 Uhr 12, zwölf Menschen und ein Pferd sind genau zu dieser Zeit an diesem Ort. Sie erleben alle zusammen, wie eine alte Frau über die Leitplanke auf die Fahrbahn klettert. Chelly die Pole-Dance Lehrerin, die Kassierer Juliette und Sébastien, Victoire die junge Frau mit der Glatze, auf der Bank sitzt Alika das Hausmädchen aus den Philippinen, Joseph ein Vertreter für Milben und viele weitere. Jeder von ihnen ist ein Original, ein Außenseiter oder ein ganz eigenwilliger Mensch, die hier in den einzelnen Geschichten von der Autorin widergespiegelt werden. Besonders ist noch die Geschichte über das Pferd Red Apple.

    Meine Meinung:
    Bei Adeline Dieudonné neustem Buch lernen wir in 12 Geschichten sehr besondere Menschen und ein Tier kennen. In einer von ihnen kommt sogar eine Person vor, die eine Abneigung gegen Delfine hat, weshalb wiederum das Cover mit dem Delfin gut passt. Allesamt sind es sehr eigenwillige, krasse Menschen und die Geschichten dazu werden oft drastisch, wild, ohne tabu, brutal und schonungslos geschildert. Mitunter sind sie vielleicht etwas übertrieben, jedoch einige auch sehr realistisch dargestellt. Wie ich sie schon in ihrem Debüt kennenlernen durfte, nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund. Sie zeigt gerade die Menschheit und ihre Abgründe ganz unverblümt. Dies mag sicher nicht jedem Leser gefallen, besonders weil sie in der Kürze oft recht viele Inputs liefert und man mitunter überfordert ist. Allerdings zeigt es gerade hier, was für unterschiedliche Charaktere, Wesenszüge, Eigenheiten, diese Menschen an sich haben. Die zudem alle an demselben Platz zusammenkommen können, ohne voneinander je etwas zu erfahren. So kann es mitunter sogar passieren, dass ein Toter im Kofferraum am Rastplatz steht, von dem niemand etwas ahnt außer der Täter. Sicher mag ihre harte Sprache nicht jedermanns Sache sein, doch gerade dies gefiel mir hier besonders gut. Den unsere Welt ist heutzutage aggressiv, brutal und gleichgültig genug, also weshalb sollte sie ausgerechnet in ihrem Buch diese positiver darstellen? Allerdings muss ich sagen, hat mir persönlich die Geschichte über das Pferd Red Apple am besten gefallen. Ich habe selten erlebt, das Geräte oder Tiere ihre ganz eigene Geschichte erzählen dürfen, so was erlebt man fast nur bei Adeline Dieudonné. Ich habe mich nur gefragt, was wohl mit dem Mädchen Avril passiert ist, da man Genaueres leider nicht erfährt, sondern nur vermuten kann. Natürlich muss man sich am Ende fragen, warum hat sie ausgerechnet nur solche extremen Charaktere ausgesucht? Vielleicht weil genau diese Personen in den letzten Jahren drastisch angestiegen sind. Außer den ganz drastischen Personen habe ich doch vieles wieder erkannt, was immer mal wieder in den Nachrichten auftaucht. Vielleicht ist dieses Buch eine Art Spiegel für uns, um zu hinterfragen, wie wir auf andere wirken? Von mir bekommt das Buch 4 von 5 Sterne.

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Ich verliebe mich so leicht

Buchseite und Rezensionen zu 'Ich verliebe mich so leicht' von Hervé Le Tellier
3
3 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Ich verliebe mich so leicht"

Wie in dem Bestseller Die Anomalie beginnt auch hier alles in einem Flugzeug. Ein bis über beide Ohren verliebter Mann sitzt im Flieger von Paris nach Schottland. Er reist einer Frau nach, um sie zu überraschen. Bald schon schwant ihm, dass dies nicht die beste seiner Ideen war. Denn sie hat ihn nicht eingeladen. Aber was soll er tun? Sein Verstand setzt aus, er weiß es ja selbst. In einem kleinstädtischen Hotel und in einem sinistren Café wartet er vergeblich auf sie. Könnte es sein, dass sie ihn überhaupt nicht sehen will? Schließlich kommt es zu einer schwer zu deutenden Begegnung in der Einsamkeit der Highlands. Was versteht er nicht? Was hat sie eigentlich vor? Er fühlt sich wie eins der vielen Schafe, die ihn anglotzen.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:128
EAN:9783498003128
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Rezensionen zu "Ich verliebe mich so leicht"

  1. "Amouröser Schiffbruch" eines Midlife-Crisis-Helden

    Gleich vorneweg: im Unterschied zu meinen Vorrednern hat mir die Erzählung sehr gut gefallen!

    Da reist ein etwas ältlicher Mann, hormongebeutelt und liebesblind, von Paris ins schottische Hochland, um seine wesentlich jüngere Geliebte zu sehen. Nichts klappt, wie er es sich vorgestellt hat: das Flugzeug startet mit stundenlanger Verspätung, das Hotel taugt nicht für die erhofften Liebesnächte, und auch seine ziemlich aufdringlichen Bemühungen um Liebesfreuden laufen ins Leere. “Amouröser Schiffbruch“, stellt der Held selber fest.

    Und das alles erzählt Tellier in der wunderbar altmodischen Pose und mit dem Vokabular ("Held") eines auktorialen Erzählers. Immer wieder wendet er sich an seine Leser bzw. Hörer. So verzichtet er z. B. auf nähere Beschreibungen des schottischen Dorfes und der Heidelandschaft und fordert den Leser auf, sich selber im Internet zu informieren, wie es dort aussehe. Seinen namenlosen Helden begleitet der Erzähler aus ironischer Distanz und lässt seine Leser/Hörer an den bissigen und teils weinerlichen Reflexionen teilhaben. Ein Sympathieträger ist er nicht, dieser Held; das sieht auch der Erzähler so!
    Jedem seiner 12 Kapitel stellt er eine stichpunktartige Synopse voran, sodass der Leser inhaltlich quasi entlastet wird und sich auf die einfach herrlich witzige und spritzige Erzählkunst des Autors konzentrieren kann.
    Ein Vergnügen! Tellier erzählt scharfsinnig, oft unerwartet pointiert, humorvoll und vor allem eines: lebensklug.

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  1. Die Verweigerung von Liebe

    Er ist beinahe 50 Jahre alt. Mit der Mutter seiner Kinder ist er nicht zusammen. Aber eine junge Frau hat es ihm angetan. Nach einem gemeinsamen sexuellen Abenteuer möchte sie nichts mehr von ihm. Trotzdem reist er ihr hinterher…

    „Ich verliebe mich so leicht“ ist ein Kurzroman von Hervé Le Tellier.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus zwölf kurzen, teils sehr knappen Kapiteln mit stichwortartigen Zusammenfassungen zu Beginn. Sie werden von einer Art Prolog („Lange Vorrede“) eingeleitet. Die Handlung beschränkt sich auf kaum mehr als einen Tag. Erzählt wird im Präsens in chronologischer Reihenfolge.

    Der Schreibstil mit seinen süffisanten Bemerkungen und launigen Beschreibungen liest sich amüsant. Der Text verzichtet auf Namen, zeugt aber von sprachlicher Gewandtheit.

    Der Protagonist („unser Held“) ist eigentlich ein Antiheld. Mit einer gewissen Portion Schadenfreude habe ich sein Scheitern und seine Missgeschicke verfolgt. Allerdings ist sein Verhalten dazu geeignet, den Puls der Leserschaft in die Höhe zu treiben. Auch die Protagonistin ist keine Sympathieträgerin. Eine Entwicklung der Charaktere ist nicht erkennbar.

    Inhaltlich finde ich den Roman leider recht problematisch. Ein 49-jähriger Mann stellt einer 20 Jahre jüngeren Frau, die noch dazu vergeben ist, hinterher. Das ist nicht nur „Verrücktheit“, wie der Erzähler auf verharmlosende Weise behauptet, sondern übergriffig und mindestens eine Form von Belästigung und grenzt fast an Stalking. Dass der Mann kein Nein und keine Zurückweisung akzeptiert, wird nicht genügend kritisiert. Eine bedenkliche Botschaft. Um romantische, echte Liebe geht es zudem im Grunde nicht, allenfalls um Besessenheit. Die Gefühle haben sich mir darüber hinaus nicht erschlossen.

    Auf den nur wenig mehr als 100 luftig bedruckten Seiten kommt es zu mehreren Wiederholungen. Das macht einige Passagen langatmig.

    Der französische Originaltitel („Je m‘attache très facilement“) ist etwas treffender als die deutsche Entsprechung. Das Cover passt inhaltlich sehr gut.

    Mein Fazit:
    Mit „Ich verliebe mich so leicht“ hat mich Hervé Le Tellier auf inhaltlicher Ebene enttäuscht. Ein kurzer literarischen Snack, der meinen Hunger nach einer gehaltvollen Lektüre nicht stillen konnte. Ein Buch, das ich bedauerlicherweise nicht guten Gewissens empfehlen kann.

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  1. Eine nervige Mogelpackung

    2007 wurde die Erzählung (ist es überhaupt eine?) „Ich verliebe mich so leicht“ von Hervé de Tellier in Paris veröffentlicht. Da aber 2021, offenbar mit großem Erfolg, vom selben Autor „Die Anomalie“ hier in Deutschland erschien, dachten sich die Leute vom rowohlt Verlag sicher: Hier satteln wir auf und bringen die alte Kamelle neu raus. Als Roman. Ob sie sich damit einen Gefallen getan haben, steht auf einem anderen Blatt.

    Suhrkamp hat mal mit den Büchern der Autorin Elena Ferrante ein ähnliches Spiel gespielt. Die vierbändige Freundinnen-Saga war extrem erfolgreich und danach wurden dann die alten unbedeutenden Kamellen aufgewärmt.

    Diese trickreiche Mogelpackung, jedenfalls, mit extra dickem Papier, vielen leeren oder nur zum Bruchteil gefüllten Seiten und mit doppeltem Inhaltsverzeichnis hat mich sehr verärgert. Was soll so was?

    Ich dachte, ich bekäme einen Roman von diesem Autor, der 2020 mit dem bedeutenden Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. Möglicherweise verdient für „Die Anomalie“, das Buch wartet noch auf mich auf dem SuB. Bekommen habe ich nun dieses unsägliche Machwerk, das mir überhaupt nicht gefallen hat.

    Denn: Es passiert eigentlich nichts in dieser Geschichte. Oder so gut wie nichts. Die Protagonisten haben nicht mal Namen, sie heißen: „Unser Held“ und „Die Heldin“. Was es mit dauernden Wiederholungen von „Unser Held tut dies und das“ und „Unsere Heldin erscheint oder auch nicht“ nicht besser macht. Ich wiederhole mich nun auch: Was soll so was?

    Der Held rennt der Heldin hinterher, nervt sie mit unzähligen Anrufen (er hängt an ihr fest, so eher der OT „Je m’attache très facilement“) und sie will eigentlich nichts – oder nichts mehr – von ihm wissen. Das ist alles. Hin und wieder wird dann noch ihr Fahrrad im Kofferraum seines Leihwagens verstaut, wobei er sich sein Hemd schmutzig macht. Boah ey.

    Fazit: Überflüssig ist fast noch geprahlt, das geht schon eher in den Negativbereich. Schade um die Zeit (zum Glück ging’s ja wenigstens schnell vorbei) – und wer’s gekauft hat, schade ums Geld. Bin sehr enttäuscht.

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Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach: Roman' von Julia Mattera
3.2
3.2 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach: Roman"

Ein Gasthof im Elsass. Ein schrulliger Koch. Eine verheißungsvolle Begegnung Der Gasthof von Elsa und Robert Walch ist eine Institution. Es ist Sommer, und die Touristen schwärmen von überall herbei, um inmitten friedvoller Natur Roberts köstliche Landküche zu genießen. Während seine Schwester Elsa sich um die Gäste kümmert, verbringt Robert seine Zeit am liebsten am Herd und in seinem prächtigen Gemüsegarten. Er erzählt den Möhren Geschichten, singt seinen Hühnern Wiegenlieder und ersinnt unter dem Sternenhimmel Rezepte voller Nostalgie. Bis eines Tages die temperamentvolle Maggie aus England eintrifft. Und ihn zum Tanz auffordert. Zunächst auf dem Parkett. Doch wird Robert es wagen, mit ihr auch das wahre Leben zu erkunden?

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag: Eichborn
EAN:9783847900986
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Rezensionen zu "Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach: Roman"

  1. Heile Welt

    Robert und Elsa führen zusammen einen Gasthof mit Übernachtung im Elsass. Sie ist für die Gäste und er für die Küche zuständig. Seine Küche ist sehr beliebt denn er verwendet nur Produkte aus dem heimischen Garten. Er ist etwas verschroben und redet lieber mit seinem Gemüse und den Tieren als zu den Menschen. In diesem Sommer ändert sich etwas. Maggie aus England nimmt eine Auszeit in diesem Gasthof und interessiert sich für Robert. Auf einmal empfindet er dieses Interesse als nicht unangenehm. Wird sich dadurch Roberts Leben ändern?
    Robert ist ein älterer grantiger Charakter, ein Einsiedler. Seine Schwester das totale Gegenteil, dazu kommen ihre Zwillinge zwei kleine wilde aber liebenswerte Kobolde. Maggie dagegen ist eine Frau mit Welterfahrung und viel Charme. Egal welche Figur man in diesem Roman betrachtet, sie ist einzigartig. Sehr detailliert beschrieben bis in die kleinsten Einzelheiten. Dazu kommen die Angewohnheiten, die entweder als schrullig oder einfach nur als gefühlvoll bezeichnet werden können.
    Die Beschreibung dieser heilen Welt ist wie eine Malerei mit Worten. Zu jedem Satz könnte man ein Bild malen. Wunderschönes Gemüse, ein alter Zausel, zwei kleine Wichtel, Ziegen und Hühner. Es ist Poesie die etwas zu sehr die Ansicht vermittelt, das es nur eine richtige Art zu leben gibt. Wobei jeder der Hauptfiguren natürlich denkt seine sei die Richtige. Letztendlich muss der für uns ungewöhnliche Lebensstil dem angeblich Normalen weichen. Eine Kernaussage ist wichtig; der Umgang mit Lebensmitteln muss umsichtig geschehen, zwar nicht so wie dargestellt aber schon sorgfältig.
    Am Ende des Buchs gibt es ein paar der Rezepte für die Robert so berühmt ist und für die seine Gäste weit reisen.
    Im Großen und Ganzen war es ein unterhaltsamer Roman, leider wurde ab der Hälfte das Tempo der Geschichte derart beschleunigt, so das die Geschichte viel an Qualität verloren hat.

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  1. Ein wunderschöner Roman über die Liebe

    Robert Walch und seine Schwester Elsa betreiben eine "auberge"die für ihre Küche sehr bekannt ist.Robert ist mit Leidenschaft Koch und verbringt die meiste Zeit am Herd.Er ist eigenbrödlerisch und ein Einzelgänger der am liebsten mit seinen Hühnern und Gemüse redet.Nachts unter dem Sternenhimmel erfindet er dann Kochrezepte...bis eines Tages Maggie aus England eintrifft.

    Der Schreibstil ist eher ruhig,bildhaft und zügig zu lesen.Die Protagonisten sind sympathisch und ansprechend dargestellt.Der Spannungsbogen verläuft genau richtig.

    Fazit:Dieser Roman mit seinen 18 Kapiteln spielt sich auf einem umgebauten Bauernhof im Elsass ab.Das merkte ich auch am Schreibstil-besonders auf den ersten Seiten.Da kommt das französische Flair besonders gut zur Geltung.Die Autorin lässt die Charaktere und die Geschichte tiefgründig wirken.Bei diesem Roman kann man während des lesens meiner Meinung nach innehalten und den Alltag loslassen.Gefühlvoll,ein wenig mit Wehmut und behutsam so empfand ich diese Geschichte.Zwischendurch ist der Roman eher wie eine Erzählung um über frühere Erlebnisse und Erinnerungen nachzudenken und um dann wieder in die heutige Zeit zurückzukehren.Es wird zwischendurch auch gekocht, gebacken und Gemüse geschnippelt.Es gibt traditionelle elsässische Spezialitäten aber auch algerische sind darunter zu finden.Die Geschichte entwickelt sich zu einem Liebesroman der herzlich und voller positiver und glücklicher Emotionen ist.Es ist ein Roman über Veränderungen und loslassen aber es geht auch um das zwischenmenschliche und um die Liebe.Diese wunderbare Geschichte hat mich persönlich positiv berührt auch von Robert der eine sehr empfindsame Seele unter einem harten Kern hat.Im Anschluss gibt es noch einige leckere Rezepte zum nachkochen.Der Biohof ist eine Oase für sich:Mehrmals beim lesen kam bei mir der Gedanke auf dass ich auch gerne einmal dort wäre zwischen Zucchini,Tomaten,Gurken Auberginen und vergebe deshalb sehr gerne fünf Sterne.

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  1. 2 Sterne sagt alles

    Klappentext:
    „Der Gasthof von Elsa und Robert Walch ist eine Institution. Es ist Sommer, und die Touristen schwärmen von überall herbei, um inmitten friedvoller Natur Roberts köstliche Landküche zu genießen. Während seine Schwester Elsa sich um die Gäste kümmert, verbringt Robert seine Zeit am liebsten am Herd und in seinem prächtigen Gemüsegarten. Er erzählt den Möhren Geschichten, singt seinen Hühnern Wiegenlieder und ersinnt unter dem Sternenhimmel Rezepte voller Nostalgie. Bis eines Tages die temperamentvolle Maggie aus England eintrifft. Und ihn zum Tanz auffordert. Zunächst auf dem Parkett. Doch wird Robert es wagen, mit ihr auch das wahre Leben zu erkunden?“

    Der Grundgedanke des Titels und demzufolge des Protagonisten Robert, mit den Lebensmitteln achtsam umzugehen, ist an sich ja wirklich wichtig und löblich. Schön dass das Thema mal ein Plattform bekommt. Dennoch war es das dann aber auch schon mit den positiven Gedanken für diese Geschichte. „Der Koch der zu Möhren und Sternen sprach“ begann recht „nett“, kippte aber leider komplett in die Richtung Klischee ab und wurde zusehenst unverständlicher bzw. riss immer wieder abrupt ein und manches mal ab. Roter Faden? Nicht wirklich gefunden. Der Lesefluss wurde einfach nicht bis zum Schluss gleichmäßig in Gang behalten. Der Sprachstil von Autorin Julia Mattera ist einfach und sehr oft einfach nur nervig, denn sie wiederholt viele, viele Parts immer und immer wieder (schlussendlich stellt man sich nach ihren Beschreibungen Robert als immer hochroten und Herzrhthmus-geschädigten Menschen vor). Hier fehlt einfach komplett die Abwechslung, die Tiefe, der Sinn und Glaubwürdigkeit und die bietet das Leben ja nun in Hülle und Fülle wenn man es richtig verpackt. Es soll eine Liebesgeschichte sein, in der ein Mann aus seinem alten Leben ausbricht und endlich doch noch die Liebe findet, sich öffnet und das Leben genießen kann, soll, muss - so will es jedenfalls die Autorin. Ihr Coaching zum Thema „sinnvoll das Leben füllen“ hätte sie anders verpacken müssen. Die Geschichte ist zäh und nervig an manchen Stellen, man verliert den Faden zu ihr und ich quälte mich dann bis zum Schluss. Für mich ist es nichtmal eine seichte Geschichte, für mich ist es wie ein Hauch Puderzucker, der manches leckere Lebensmittel einfach übertüncht. 2 von 5 Sterne. Eine Leseempfehlung gibt es von mir nicht.

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  1. Küchenpsychologie

    Ohne Zweifel: Julia Mattera will uns mit ihrem Roman „Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach“ eine Botschaft vermitteln. Und das tut sie unablässig, penetrant, spätestens nach jeder zweiten Seite. So lässt sie eine Romanfigur, Maggie, formulieren: „Ich mache Reportagen über neue, umweltbewusste Lebensweisen, die letztlich nicht nur der Erde, sondern auch uns Menschen zugutekommen.“ Gegenstand ihrer neuesten Reportage ist unser Romanheld Robert. Robert ist ein begnadeter Koch, der sein Gemüse selbst zieht und das so hervorragend wächst und schmeckt, weil er mit ihm spricht. Und nicht nur das: Die Möhren verstehen ihn und reagieren auf ihn: „Guten Abend, meine Schätzlein“, verzeiht mir, dass ich so spät komme.“ Die Möhren erleben in seinem warmen Atem. Sie wirken ungeduldig. (…) Er beugt sich ganz nah zu ihnen und murmelt ein paar aufmerksame Worte in ihre Ohren. Die Möhren durchfährt ein angenehmer Schauer.“ Fragt sich, wie Robert es über sich bringen kann, diese wunderbaren Geschöpfe aus dem Boden zu reißen und sie zu verkochen. Aber das ist kein Problem. Wenn die Möhren so gut behandelt werden, dann ist es für sie der Lebenssinn, in einem Kochtopf zu enden. Und immerhin hat Robert jeder einzelnen Möhre einen Namen gegeben beim Ausreißen. Fragt man sich als Leser: Geht‘s noch?
    Na gut, aber wie sieht es mit den Mitmenschen aus? Da hat Robert ein gewaltiges Problem: Er hatte vor 42 Jahren ein traumatisches Erlebnis, ein Unfall, bei dem seine Eltern starben. Vor allem den Tod seiner Mutter hat er nie verwunden und sich von der Welt und allen Mitmenschen zurückgezogen. Er lebt isoliert in seinem Gemüsegarten und kennt nicht einmal den Elsaß, seine Heimat.
    Gott sei Dank gibt es aber sechs Laientherapeuten, die sich nach diesen 42 Jahren des Problems annehmen und es natürlich, das kann man verraten, ohne zu spoilern, lösen.
    Für mich spannender war die Frage, ob Robert die Handlung überhaupt überlebt oder nicht vielmehr an Herzversagen stirbt. Er scheint nämlich ein ausgesprochenes Problem mit dem Blutdruck zu haben: „Robert wird puterrot“, „Behutsam richtet er sich auf, sein Atem geht schnell, das Herz rast“, „Das empfindsame Herz von Robert krampft sich angesichts dieses Vergleichs zusammen“, „Robert wird rot“, „Sein Herz schlug bis zum Hals“, „Sein Herz gerät erneut in Wallung und macht sich durch lautes Pochen bemerkbar“, „Sein Herz war nicht mehr im Zaum zu halten“, „Roberts Herz gerät so aus dem Takt, dass ihm die Luft wegbleibt“, „Robert steigt das Blut zu Kopfe“, „Roberts Wangen glühen, es fühlt sich an, als würde er von Kopf bis Fuß erröten“, „Roberts Wangen sind jetzt krebsrot“, „Seine Brust schmerzt, so wild schlägt sein Herz“, „Roberts Wangen färben sich hochrot“, „Die warme Glut rötet seine Wangen“, „Roberts Wangen färben sich rot“, „Roberts Herz beginnt schneller zu schlagen“, „Sein Herz rutscht ihm vollends in die Hose“, „Verzaubert von ihren Worten, schmilzt Roberts einsames Herz dahin“, „Robert ist bleich. Er möchte am liebsten schreien, ein solcher Schmerz tobt in seiner Brust“, „Sein Herz schlägt Bum Bum Bum“…
    Wer jetzt noch nicht von der Sprachgewalt der Autorin überzeugt ist, lese folgendes Liebesgeständnis: „Noch nie hat er solch intensive Gefühle verspürt, noch nie ein so zärtliches und aufrichtiges Einverständnis mit einer Person des anderen Geschlechts empfunden.“
    In einem Interview sagte die Fernsehmoderatorin und Literaturkritikerin Christine Westermann, dass sie Literatur nicht mag, die eine Anleitung zum Lebensglück versprechen. Seit der Lektüre von „Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach“ verstehe ich sie.

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  1. Es gibt mehr als Gemüse

    Die Geschwister Robert und Elsa haben zusammen eine Auberge im Elsass. Während sich Elsa um die Gäste kümmert, züchtet Robert Gemüse und zaubert daraus wunderbare Gerichte. Die Aufgabenverteilung ist auch wichtig für Robert, denn er ist am liebsten alleine, redet mit seinem Gemüse und seinen Tieren. Auch an seinen Herd lässt er niemanden heran. Doch in diesem Sommer ändert sich einiges, denn die temperamentvolle Maggie aus England weckt tatsächlich Robert Interesse.
    Diese Geschichte ist warmherzig, unterhaltsam und wundervoll zu lesen.
    Die Charaktere sind sehr individuell dargestellt. Der Eigenbrötler Robert ist nicht sehr gesprächig und wenn, dann grantelt er herum. Dabei ist er eigentlich ein liebevoller und sympathischer Mensch, doch das kann er nicht zeigen. Er mag seine Schwester und liebt deren Kinder, die Zwillinge Davy und Croquette. Die beiden haben mir gut gefallen, denn immer wieder stellen sie etwas an. Als Maggie auftaucht, bringt sie Robert zum Lachen, doch Fatima und ihr Sohn Hassan haben zuvor ihn zuvor schon sehr viel milder werden lassen.
    In der Auberge von Elsa und Robert ist es noch eine heile Welt, jedenfalls solange die Zwillinge nicht durchfegen. Ich würde zu gerne all die Gerichte probieren, die Robert mit sehr viel Ruhe zubereitet.
    Es ist eine schöne und entspannende Geschichte, die mir gut gefallen hat.

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Yoga

Buchseite und Rezensionen zu 'Yoga' von Emmanuel Carrère
NAN
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Inhaltsangabe zu "Yoga"

Alles beginnt gut: Emmanuel Carrère fühlt sich souverän als Herr über sein gelungenes Leben und plant ein heiteres, feinsinniges Büchlein über Yoga zu schreiben. Mit leichter Ironie, aber auch echter Hingabe wollte er dem Leser seine Erkenntnisse über Yoga enthüllen, das er er seit einem Vierteljahrhundert betreibt: ein Buch voller Weisheit über das Verhältnis zur Welt, wenn man Abstand zum eigenen Ego gewinnt. Zunächst läuft alles bestens, doch dann wird er während seiner Recherchen vom Tod eines Freundes beim Anschlag auf Charlie Hebdo eingeholt und gleich darauf von einer unkontrollierbaren Leidenschaft erschüttert. Von einem Tag auf den anderen kippt sein Leben, eine bipolare Störung wird diagnostiziert, und Carrère verbringt vier quälende Monate in der geschlossenen Psychiatrie, wo er versucht, seinen Geist mit Gedichten an die Leine zu legen. Entlassen und verlassen lernt er auf Leros in einer Gruppe minderjähriger Geflüchteter ganz anders Haltlose kennen. Zurück in Paris stirbt sein langjähriger Verleger – und doch gibt es am Ende auch wieder Licht. Denn Yoga ist die Erzählung vom mal beherrschten, mal entfesselten Schwanken zwischen den Gegensätzen. Durch schonungslose Selbstanalyse zwischen Autobiografie, Essay und journalistischer Chronik gelingt Carrère der Zugang zu einer tieferen Wahrheit: Was es heißt, ein in den Wahnsinn der Welt geworfener Mensch zu sein.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:341
EAN:9783751800587
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BONJOUR, SAINT-EX!

Buchseite und Rezensionen zu 'BONJOUR, SAINT-EX!' von Jörg H. Trauboth
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "BONJOUR, SAINT-EX!"

Am 31. Juli 1944 hebt der physisch und psychisch angeschlagene Kriegspilot Major Antoine de Saint-Exupéry auf dem Flugplatz Bastia-Borgo (Korsika) mit einem Aufklärungsflugzeug ab und kehrt nicht mehr zurück. Ein deutscher Jagdpilot gibt an, ihn abgeschossen zu haben. Jahrzehnte später fliegt Fabian, der Sohn des Jagd­piloten, die Route seines Idols, Major „Saint-Ex“, nach. Am Himmel über Frankreich wird Fabian mit seinem Flugzeug in ein Universum jenseits von Raum und Zeit geschleudert. An seiner Seite erscheint ein mysteriöser Flügelmann und beginnt mit ihm ein sehr persönliches Gespräch ...

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:168
Verlag: ratio-books
EAN:9783961361366
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Rezensionen zu "BONJOUR, SAINT-EX!"

  1. Au revoir, Monsieur de Saint - Exupéry!

    Ein Flieger begibt sich auf Spurensuche zu einem Flieger. Der erste ist ein ehemaliger Jagdflieger der deutschen Luftwaffe, der zweite weltberühmt: Antoine de Saint – Exupéry flog zuletzt als Aufklärungsflieger in einer Lightning P-38 und kam vom seinem letzten Flug am 31. Juli des Jahres 1944 nicht zurück. Erst um die Jahrhundertwende finden sich erst ein Armband des Fliegers im Netz eines Fischers und dann das Wrack abseits der Route bei der Ile de Riou vor Marsailles. Fabians Vater, Messerschmitt-Pilot der im Jahr 1944, könnte den beidseitig der Front verehrten Schriftsteller abgeschossen haben. Fabian möchte an einem 31. Juli die Route abfliegen und fliegt dazu nach Bastia – Korsika – den Ausgangspunkt des Fluges von Saint – Ex, den der besser nicht angetreten hätte.

    In der Luft in Richtung Grenoble, als Fabian gerade den Autopiloten einschaltet und in NACHTFLUG, einem der bekannten Fliegerbücher des Franzosen blättern will, findet sich plötzlich ein riesiger Schatten neben seinem Sportflugzeug: Ist das eine Lightning?

    In der Novelle beginnt ein Dialog über drei Generationen von Fliegern hinweg, der kleine Prinz ist immer mit dabei. Bekommt Fabian die sich selbst gestellten Fragen beantwortet?

    * * *

    Trauboth macht uns vertrauter mit dem fliegenden Dichter, dem dichtenden Flieger den die meisten Leserinnen und Leser der Welt „nur“ durch den kleinen Prinzen kennen, der auch sehr schön den Einband des Buches ziert. Es führt zu ihm hin, der „die arme Welt der Erwachsenen und die reiche der Kinder zusammenführte“ und dessen Weisheiten zu den nicht nur literarischen Kostbarkeiten der Welt zählen. Es führt auch zum Flieger, der einst von Toulouse über die Pyrenäen nach Dakar die Post beförderte und dann dafür über den Atlantik setzte.

    Jörg H. Trauboth, selbst ehemaliger Oberst der Luftwaffe, der den Flug seiner Hauptfigur selbst „vor flog“, führt uns zu dessen Romanen, die so oft von der Fliegerei handeln, den Abenteuern, dem Leben und dem Tod. Bücher, die vor achtzig Jahren und mehr geschrieben wurden.

    Es ist ein spannendes, ein bildreiches Buch, es ist eine Novelle, die sehr dicht und anschaulich nicht nur von Antoine de Saint – Exupéry erzählt, sondern auch von seinen Ansichten, seinen Botschaften, von Frieden und Krieg. Bezüge zur heutigen Zeit machen das Büchlein verblüffend aktuell.

    Mit diesem Buch halten wir eine wunderbare „Zusammenfassung“ in der Hand, in den Medien würde vielleicht stehen: „Alles über Saint-Exupéry!“. Das literarische Werk wird den Leserinnen und Lesern vorgestellt, der Verfasser bleibt dabei immer im Vordergrund. Vieles, was uns durch den Kleinen Prinzen bekannt ist, wird uns noch deutlicher, oder wird überhaupt erst verstanden, wenn man etwas einen der berühmtesten Franzosen weiß.

    In sechs Kapitel hat Trauboth diese zwar an Seiten überschaubare, an Inhalt jedoch sehr dichte Novelle eingeteilt und zwei weitere drangehangen, in denen er sich der Spurensuche und der Literatur des Dichters widmet. In Spurensuche erklärt er auch, dass er in Bastia seine Recherchen fortsetzte und des Fliegers Route selber nachgeflogen ist.

    Hilfreich ist ebenso, dass DER FLIEGER, SÜDKURIER, NACHTFLUG, WIND, SONNE UND STERNE, DER KLEINE PRINZ, DIE STADT IN DER WÜSTE und MANON, DIE TÄNZERIN vorgestellt werden. Das Buch führt zu Saint - Exupéry und damit den Büchern, die fast alle vor DER KLEINE PRINZ geschrieben worden.

    Das Büchlein bekam den sehr passenden Titel „Bonjour, Saint – Ex!“, wir haben „Guten Tag“ gesagt zu Antoine de Saint – Exupéry und ich würde vorschlagen als letzte Zeile unter das Kapitel als lachten alle Sterne... zu schreiben:

    „Au revoir, Antoine!“

    Es zählt vermutlich jetzt schon zu meinen Jahrershighlights.

    Ich durfte die Novelle, die am 01.05.2022 erscheint vorab lesen. Vielen Dank an Autor und Verlag.

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Eine verdächtig wahre Geschichte: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Eine verdächtig wahre Geschichte: Roman' von Antoine Laurain
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eine verdächtig wahre Geschichte: Roman"

Eine Star-Lektorin, ein literarischer Geniestreich, dem der Autor abhanden gekommen ist, und drei hilfreiche Morde: Antoine Laurain entzündet in seinem neuen Roman ein kriminalistisches Unterhaltungsfeuerwerk. Die Pariser Star-Lektorin Violaine Lepage liegt nach einem schweren Unfall im Koma. Aber es kommt noch schlimmer: Als sie aufwacht, droht der unter ihrer Federführung erschienene Roman Die Zuckerblumen Frankreichs renommiertesten Literaturpreis zu gewinnen. Dabei ist der Autor unauffindbar! Das ist so sehr gegen die Konvention der Preisvergabe, dass Violaines Karriereende bevorsteht. Da kommen ihr drei Morde zu Hilfe, die sich just so ereignen wie im Roman beschrieben. Nun sucht auch die Polizei den unsichtbaren Autor. Wer hat Die Zuckerblumen geschrieben und warum? Die Antwort liegt gut versteckt in der realen Vergangenheit und nicht jeder will, dass sie entdeckt wird …

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:208
Verlag: Atlantik
EAN:9783455012026
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Rezensionen zu "Eine verdächtig wahre Geschichte: Roman"

  1. Rezension "Eine verdächtig wahre Geschichte"

    Wie viele Sterne verdient ein Roman, den man nach 40 Seiten eigentlich zur Seite legen möchte? Es des guten Namens des Autors willen aber unterlässt? Um dann ab ungefähr Seite 100 (das Buch hat 149 Seiten) doch noch so etwas wie gefesselt zu sein?

    Die Erzählung beginnt damit, dass Violaine Lepage, Cheflektorin eines großen Pariser Verlags, nach einem Flugzeugabsturz im Koma liegt. Als sie aufwacht, steht der von ihr herausgebrachte Roman "Die Zuckerblumen" auf der Auswahlliste für den begehrtesten französischen Literaturpreis, den Prix goncourt. Doch was eigentlich ein Grund zur Freude wäre, löst bei Violaine Beklemmungen aus - sie kennt den Verfasser oder die Verfasserin nämlich gar nicht. Und eine Preisvergabe ohne Autor ist schlicht undenkbar. Ist Camille Désencres eine Frau oder ein Mann? Und warum gibt sich der Autor nicht zu erkennen?
    Noch mehr in Bedrängnis gerät die Lektorin allerdings, als auch die Polizei plötzlich vor ihrer Tür steht und nach der Identität des Autors fragt - ermittelt sie doch wegen dreier Morde, die genauso wie im Buch verübt wurden.

    Wie viele Sterne also?

    Sprachlich gibt es nichts auszusetzen; der Einstieg, den viele namhafte französische Schriftsteller bevölkern, ist charmant. Die Ausführungen zum Verlagswesen sind mir dagegen zu lang(weilig) geraten, das Ende nach manchen überraschenden Volten dann doch zu konstruiert. Macht alles in allem solide drei Sterne - an "Glücklicher als gedacht" oder gar "Liebe mit zwei Unbekannten" kommt dieser Roman in meinen Augen nicht heran.

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  1. Facettenreich und überraschend

    „Vor langer Zeit ist etwas geschehen. An diesem Winternachmittag in der großen Stadt, auf der Terrasse dieses Cafés, unter diesem mondgrauen Himmel beschließe ich: Bald wird alle Schuld beglichen sein.“ (Zitat Pos. 609)

    Inhalt
    Zehn bis fünfzehn Manuskripte treffen täglich in diesem Pariser Verlag ein. Pro Jahr werden zwei bis drei davon angenommen. „Die Zuckerblume“ von Camille Désencres ist einer dieser Romane und ist nun auch für den Prix Goncourt nominiert. Als Violaine Lepage, Cheflektorin und Leiterin der Manuskriptabteilung, nach einem Unfall aus dem Koma erwacht, hat sie ein paar persönliche Fakten aus ihrem Leben vergessen, das jedoch nicht. Denn der Autor ist verschwunden. Ein berühmter Literaturpreis für ein von ihr veröffentlichtes Buch, bei dem sie nicht in der Lage ist, den Autor zu präsentieren, würde das Ende ihrer beeindruckenden Karriere bedeuten. Nun interessiert sich auch Sophie Tanche, Kommissarin der Kriminalpolizei Rouen, für die bekannte Lektorin und für diesen Roman. Vor einem Jahr hat die Kommissarin in einem immer noch ungelösten Fall mit zwei Toten ermittelt, deren Ermordung genau der Beschreibung in diesem Buch entspricht. Nun ist auch die Kommissarin auf der Suche nach dem Autor, denn in dem Roman sind streng vertrauliche Details erwähnt, die nie an die Öffentlichkeit gelangt sind, und es geht um insgesamt vier Morde.

    Thema und Genre
    Dieser Roman spielt in der Literaturszene. Themen sind Verlage, Bücher, Manuskripte und Buchpreise. Doch es geht auch um persönliche Entscheidungen und Geheimnisse, die tief in der Vergangenheit begraben sind.

    Charaktere
    Die Figuren sind authentisch, zeigen viele menschliche Facetten und ziehen uns Lesende sofort in ihren Bann.

    Handlung und Schreibstil
    Die Geschichte wird in drei Teilen erzählt, wobei der zweite, mittlere Teil zwanzig Jahre früher spielt, die berufliche Entwicklung von Violaine schildert, und so die aktuelle Handlung unterbricht, gleichzeitig jedoch mit wichtigen Informationen ergänzt. Dieser interessante Aufbau der Geschichte macht sie packend und erhöht das intensive Vergnügen, sich Seite um Seite durch diese geheimnisvolle Suche nach einem unbekannten Autor zu lesen und gleichzeitig der ermittelnden, misstrauischen Kommissarin zu folgen.

    Fazit
    Eine Geschichte, deren Manuskript auch die strenge Lektorin Violaine sofort mit einer Sonne, dem internen Zeichen der Manuskriptabteilung für „angenommen“, versehen und veröffentlicht hätte. Denn dieser unterhaltsame, facettenreiche und überraschende Roman ist pures, großartiges Lesevergnügen.

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