Der Schneeleopard

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Schneeleopard' von Sylvain Tesson
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Schneeleopard"

In der Wildnis lauert das Böse ...


Die Polizei von Boston ermittelt in einem bizarren Mordfall. Die Leiche eines Jägers und Tierpräparators wurde gefunden – ausgeweidet und aufgehängt wie eines seiner Beutetiere. In den Wäldern werden Knochenreste eines weiteren Opfers entdeckt. Doch Boston ist nicht das einzige Jagdrevier des Killers. Es scheint eine Verbindung zu einem fünf Jahre zurückliegenden Vorfall in Afrika zu geben, wo die Teilnehmer einer Safari förmlich abgeschlachtet wurden. Nur eine Frau entkam dem Massaker und könnte Jane Rizzoli helfen, den Mörder zu identifizieren ...


Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:192
Verlag:
EAN:9783498002169

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Rezensionen zu "Der Schneeleopard"

  1. Panthera unica

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mai 2021 

    !ein Lesehighlight 2021!

    Klappentext:
    „Gemeinsam mit dem Fotografen Vincent Munier reist der Abenteurer und Schriftsteller Sylvain Tesson nach Tibet, um sich auf die Suche nach einem der seltensten Tiere dieser Erde zu begeben - dem Schneeleoparden. Ob sie dem Tier begegnen werden? Ungewiss.
    Auf über 4000 Metern, fernab vom Lärm der Zivilisation, hinterfragt Tesson eine Welt, in der kaum noch Raum bleibt für das Ungebändigte und die Entfaltung der Schönheit der Natur...“

    Gleich vorab: Autor Sylvain Tesson hat hier keinen normalen Beobachtungsbericht des Schneeleoparden aus Tibet verfasst oder eine Art Reiseführer der Gegend geschrieben. Das hier ist eine sehr tiefsinnige und persönliche Reise zu sich selbst, und genau die Reise zum Himalaya, die Suche nach dem Schneeleoparden, war dafür genau das Richtige für Tesson. Er beschreibt von Reiseantritt bis Ende alles genau und sachlich, aber dennoch erleben wir Leser gefühlvolle und sehr persönliche Momente. Die Suche nach dem Schneeleoparden wird so etwas wie der ungewollte Vorwand, es musste eben genau diese Reise für Tesson sein, um sich selbst zu finden. Andere fahren ans Meer, andere brauchen den Besuch auf einer Alm und Tesson musste nach Tibet. Was aber nicht nur den Autor fasziniert sondern gleichfalls auch den Leser, ist die Gegebenheit vor Ort. Tessons Beschreibungen sind feinstimmig und man hat das Gefühl, das Knistern von Schnee, Stille und Eis durch die Buchseiten hören zu können. Tesson reist aber nicht allein sondern mir einem Fotografen um den Schneeleoparden auch wirklich festzuhalten. Der Schneeleopard hat hier zwei Aspekte, einerseits wird er unbewusst das Mittel zum Zweck für die Selbstfindung aber auch zum Hauptakteur der Naturbeobachtungen. Gilt dieses Tier fast schon als ausgestorben, nehmen wir Leser die Beobachtungen von Tesson extrem bedrückend und als kleinen Geniestreich seinerseits auf. Muss man erst nach Tibet reisen um ein vom aussterben bedrohtes Tier zu finden? Ja, muss man, denn genau dort fühlt es sich noch sicher und es gibt unzählige andere Arten denen es genauso geht und diese sind über den gesamten Erdball verstreut. Aber es ist erschreckend zugleich zu sehen, wie wir Menschen es schaffen unsere Welt und deren Lebewesen Stück für Stück zu vernichten. Diese Erkenntnis belastet nicht nur uns Leser sondern auch Tesson selbst. Er beschreibt genau das was mir ebenso auf der Seele brennt, was mir schmerzt....
    Dieses Buch hat mich extrem tief bewegt, hat mein Leseniveau sehr weit nach oben geschraubt und einen ganz starken nachhallenden Effekt hinterlassen. Es wird sicherlich Leser geben, die mit dem Stil von Sylvain Tesson nicht viel anfangen können und es wird die geben, die genau so mitfühlen wie er.
    Ein ganz starkes Buch mit einem wunderschönen Protagonisten. Hoffen wir inständig, das wir noch lange vom reellen Leben der Schneeleoparden hören werden. 5 von 5 Sterne!

  1. Spannend, aber nichts fürs Okawango-Delta

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Jun 2015 

    Was haben das beinahe unbezahlbare Fell eines Schneeleoparden, ein bestialischer Mord an einem Tierpräparator in Boston und eine lang zurück liegende Safari in Botswana, bei der eine komplette Reisegruppe verschwindet, miteinander zu tun? Unter normalen Umständen vermutlich ziemlich wenig. Aber dass wir es hier nicht mit normalen Umständen zu tun haben, das lässt die Autorin Tess Gerritsen in ihrem 12. Band der Rizzoli-und-Isles Reihe den Leser schnell ahnen.

    Jane Rizzoli und Maura Isles sind ein eingeschworenes Ermittlerteam, das für das Boston Police Department Fälle löst. Irgendwie haben die beiden Damen Wiedererkennungswert, nicht nur aus den anderen Büchern der Reihe. Sie stehen für einen ganz bestimmten Typ, der sich in amerikanischen Crime-Serien oft findet. Es ist diese Mischung aus scharfem Verstand, Kaltschnäuzigkeit und taffem Auftreten, die man von irgendwoher zu kennen glaubt.

    Überhaupt scheinen Amerikaner einen etwas stärkeren Hang zu Drama und Klischee zu haben als andere Nationalitäten. Und da macht Tess Gerritsen als Autorin keine Ausnahme. Die Mutter der Polizistin Jane Rizzoli sitzt als psychopathische Mörderin im Gefängnis. Ihr Mann ist - natürlich - Special Agent beim FBI. Vermutlich gibt es diese Kombinationen wirklich, mir erschien sie ein klein wenig klischeehaft. Eine andere Lebenswirklichkeit durch einen ganz anderen Beruf eines Partners hätte der Geschichte vielleicht eine zusätzliche Dynamik gegeben.

    Aber Klischee hin oder her: die Geschichte hat es in sich. Gerritsens Erzählung über die Safari in Botswana und eine sich unter alptraumhaften Umständen auflösende Reisegruppe hat etwas sehr Beklemmendes. Das geht nicht mehr aus dem Kopf. Wer den Schneeleopard gelesen hat, dessen erster Gedanke ist vor einer Reise ins Okawango-Delta sicher nicht mehr das vergessene Mosiktonetz. Aber das hat was, genauso wie die raffiniert konstruierte Verbindung zu den Verbrechen in Boston Jahre später.

    Der Schneeleopard bietet in jedem Fall spannende und leicht zu lesende Unterhaltung mit routinierten Protagonisten, eine überraschende Auflösung und kann unter Umständen zu modifizierten Urlaubsplänen führen. Wer vor hat demnächst ins Okawango-Delta zu reisen, der sollte sich für die Reise eher nach einer anderen Urlaubslektüre umschauen und den Schneeleopard später lesen.

  1. Tess Gerritsen: Rizzoli & Isles // #11 Der Schneeleopard

    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Apr 2015 

    ZUSAMMENFASSUNG:
    Als ein weithin bekannter Tierpräparator auf bestialische Weise ermordet und zudem so arrangiert wird, wie er es als passionierter Jäger unzählige Male mit seiner Beute getan haben muss - aufgehängt und ausgeweidet -, ist das erst ein Mord in einer ganzen Reihe, die ein skrupelloser Psychopath nicht nur in Boston, sondern auch in anderen Teilen der Vereinigten Staaten und sogar in Afrika begangen hat. Ein Mörder, dem auf die Spur zu kommen bisher noch niemandem gelungen ist. Aber Detective Jane Rizzoli und Gerichtsmedizinerin Dr. Maura Isles sind ja auch nicht irgendjemand ...

    FAZIT:
    Nachdem die Reihe um Jane Rizzoli und Maura Isles eine meiner absoluten Lieblingsbuchreihen ist, waren meine Erwartungen an das neueste Werk Tess Gerritsens entsprechend hoch. Und nur so viel - ich wurde nicht enttäuscht. Kaum hatte ich die erste Seite umgeblättert, war ich auch schon wieder mittendrin in einem so spannenden Fall, dass ich das Buch - mal wieder - einfach nicht weg legen konnte, ehe ich es bis zur letzten Seite durchgelesen hatte. Mein Fazit? Tess Gerritsen nimmt ihre Leser auch beim elften Mal wieder mit auf eine Reise, die ihre Leser nicht so schnell vergessen werden. Wie immer an Spannung kaum zu überbieten, weist dieses neue Werk für mich nur einen kleinen Kritikpunkt auf. Denn anders als in den Vorgängerbüchern bleibt am Ende dieses Buches so manche Frage leider unbeantwortet, Beweg- und Hintergründe offen. Daher auch meine Bewertung ...

 

Naturwunder Bayerische Alpen

Buchseite und Rezensionen zu 'Naturwunder Bayerische Alpen' von Bernd Römmelt
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Naturwunder Bayerische Alpen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
Verlag:
EAN:9783957284112

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Rezensionen zu "Naturwunder Bayerische Alpen"

  1. Denn das Gute liegt so nah!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Apr 2021 

    Klappentext:

    „Der neue Alpen-Bildband von Bernd Römmelt zeigt erstmals die kompletten Bayerischen Alpen in außergewöhnlichen, noch nie gesehenen Ansichten: Die Gebirgszüge stellen sich hier als wilder, unerschlossener Naturraum in überraschender Unberührtheit dar, direkt neben der angrenzenden, häufig dicht besiedelten Landschaft, so wie dies mancher Kenner der Alpenlandschaft nicht für möglich halten wird. Ein optischer Genuss für alle Liebhaber von Bayerns Bergen.

    Dieser faszinierende Bildband hält die Alpen in eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen fest. Von den Berchtesgadener Alpen über die Chiemgauer Alpen und die Bayerischen Voralpen, das Karwendel- und Wettersteingebirge bis hin zu den Ammergauer und Allgäuer Alpen – erstmals können Sie die erhabene Schönheit der kompletten Bayerischen Alpen in einem Band erleben. Zwischen schimmernden Bergseen, zerklüfteten Gipfeln, spektakulären Wasserfällen und vielfältigen Tier- und Pflanzenwelten wird der Blick auch immer wieder auf den Einfluss des Menschen auf Landschaft und Natur gerichtet.“

    Ja, dieses Buch ist außergewöhnlich gut. Allein das leichte Querformat ist für diese Fotos die bestes Wahl gewesen. Auch das Cover haut einen schon um, aber die darauf folgenden Seiten im Buch gleich doppelt und dreifach. Erstmal zur Haptik und Optik: ein verstärkter Leineneinband, starke und kräftige Bindung der Seiten, sehr gute Papierstärke, klare und reine Bilder ohne Druckfehler, ein Schwergewicht. So muss ein gutes Coffetable-Book aussehen!

    Die Fotos von Bernd Römmelt sind wirklich außergewöhnlich, und das nicht nur weil es die kompletten Alpen in voller Länge und Breite zeigt. Hier darf der Leser alles bis ins Detail bestaunen - wie ein Wimmelbuch für Erwachsene. Die informativen Texte reihen sich geschmackvoll an die Bilder ein und beides untermalt sich gegenseitig gekonnt.

    Bei diesen Bildern bekommt man Reiselust...egal ob zum Wandern oder einfach nur so. Es ist unglaublich welche Gebirgsformation hier genau vor unserer Haustür liegt...manchmal ist das Gute doch so nah!

    Ein wahrlich beeindruckendes Buch mit überragenden Bildern - 5 von 5 begeisterten Sternen!

 

Mini-Yogis. Nackte Füsse, Sommer, Strand und Sonnengrüsse: Yoga für Kinder

Buchseite und Rezensionen zu 'Mini-Yogis. Nackte Füsse, Sommer, Strand und Sonnengrüsse: Yoga für Kinder' von  Angela Reik
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mini-Yogis. Nackte Füsse, Sommer, Strand und Sonnengrüsse: Yoga für Kinder"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:60
Verlag:
EAN:9783947738526

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Mach nie die Augen zu

Buchseite und Rezensionen zu 'Mach nie die Augen zu' von Elizabeth Goddard
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mach nie die Augen zu"

Format:Taschenbuch
Seiten:366
EAN:9783963621567

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Rezensionen zu "Mach nie die Augen zu"

  1. Ich habe einen Mord gesehen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Nov 2020 

    "Der Herr ist eine starke Festung: Wer das Rechte tut, findet bei ihm sichere Zuflucht." (Spr. 18, 10)
    Harper Reynolds braucht eine Auszeit als Tatortfotografin, weshalb sie sich nun der Naturfotografie widmet. Während ihres Besuchs in der alten Heimat Wyoming beobachtet sie beim Fotografieren eines Schwarzbären durch Zufall den Mord an einer jungen Frau. Bei der Flucht verliert sie allerdings ihre Ausrüstung und damit die einzigen Beweisfotos. Als der Sheriff und sein Team keine Leiche finden, bezweifeln sie Harpers Beobachtungen. Doch Harper lässt sich nicht so schnell abwimmeln und ermittelt auf eigene Faust. Lediglich Heath McKade glaubt ihr und unterstützt sie. Nach einem Anschlag auf Harper versucht er sie nun vor dem Täter zu beschützen. Doch keiner der beiden ahnt, in welches Wespennest sie gestochen haben.

    Meine Meinung:
    Nach "Das Verschwinden der Jamie Mason" ist dies nun der zweite christliche Abenteuerroman über die Gebrüder McKade. Erneut ist der Schreibstil wieder spannend, romantisch und mit christlichen Wertenvorstellungen versehen. Während es beim letzten Mal um Austin ging, betrifft es diesmal seinen Bruder Heath. Inzwischen hat er seine Gästeranch soweit ausgebaut, sodass er Gruppen bei sich beherbergen kann. Zudem arbeitet er ehrenamtlich als Hilfssheriff. Die Begegnung Harpers ist für Heath sehr überraschend, den seine Jugendfreundin ist kurz nachdem Tod des Vaters weggezogen. Dass sie sich nach der langen Zeit wiedersehen würden, ist für beide unverhofft. Doch noch immer scheinen sie etwas für einander zu empfinden. Jedoch haben beide in den letzten Jahren viel Leid und Schmerz durchgemacht, den sie noch nicht verarbeitet haben. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie Schwierigkeiten haben, sich anzunähern. Doch da Harper und mit ihr sogar ihre Schwester Emily in Gefahr schweben, versucht Heath alles, um sie zu schützen. Leider kann er den Täter nicht davon abhalten, weiter zu agieren. Wie schon in ihrem letzten Buch geht es diesmal wieder um eine abenteuerliche, spannende Geschichte und gekoppelt mit einer romantischen Liebe. Doch im Gegensatz zum ersten Band blieben für mich viele Fragen zur Motivation des Täters offen. Selbst am Ende fehlte mir eine genauere Aufklärung der Mordmotive. Das, was die Autorin dem Leser bietet, war mir etwas zu flach und oberflächlich. Da hätte ich mir deutlich mehr Aufklärung gewünscht. Besonders da sie immer wieder Einblicke in die Gedankenwelt des Täters bietet. Ich finde, da hätte man schon detaillierter das Motiv einfließen lassen können. Die Charaktere dagegen haben mir wieder gut gefallen, selbst wenn sie wieder sehr zurückhaltend und zaghaft sind. Die sympathische, ehrgeizige Harper wirkt auf mich sehr sensibel und belastet, was sicher durch die schlimme Vergangenheit und an ihrer Arbeit liegt. Sie lässt alles einfach zu sehr an sich heran, weshalb sie die Beobachtungen im Wald auch nicht kaltlassen. Heath ist ähnlich durch die Vergangenheit geprägt und verletzt. Trotzdem ist er ein verantwortungsbewusster, ehrlicher und bescheidener Mensch. Beide passen für mich sehr gut als Paar zusammen, doch leider stehen sie ihrer Liebe selbst sehr oft im Wege. Zudem bemerkenswert fand ich den ehrgeizigen Sheriff Taggart, die gläubige, herzliche Haushälterin Evelyn und Nachbarin Lori, die überaus hilfsbereit ist. Selbst wenn der zweite Band für mich ein wenig schwächelt, gebe ich ihm noch 4 von 5 Sterne.

 

Vivian

Buchseite und Rezensionen zu 'Vivian' von Christina Hesselholdt
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Vivian"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:208
Verlag: Hanser Berlin
EAN:9783446265899

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Rezensionen zu "Vivian"

  1. Innovativ

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Okt 2020 

    So ein Buch habe ich noch nie gelesen. Es ist eigen, originell und hat einen ganz speziellen Charme.

    Wikipedia:
    „Vivian Dorothy Maier (* 1. Februar 1926 in New York; † 21. April 2009 in Chicago) war eine US-amerikanische Staatsbürgerin französischer Prägung, Kindermädchen, Haushälterin und Amateur- bzw. Freizeitfotografin. Bekanntheit erlangte Maier erst kurz nach ihrem Tod durch die zufällig entdeckte, unfreiwillig versteigerte Hinterlassenschaft einer ungewöhnlich großen Zahl fotografischer Schwarzweißaufnahmen.“

    Eine wirklich kuriose Vita. Wer war diese Frau, die als Kindermädchen arbeitete aber immer und überall nahezu besessen fotografierte?
    Diese Frage behandelt dieses Buch auf ganz eigene Weise. Eine Romanbiografie in Stichworten kann man es vielleicht nennen. Vivian Maier erzählt aus ihrem Leben und unterhält sich mit einem Erzähler darüber, eine Art Schlagabtausch, der witzig und aufschlussreich ist. Zusätzlich melden sich noch die unterschiedlichsten Menschen zu Wort, die in ihrem Leben eine Rolle gespielt haben und erzählen von ihrer eigenen Situation aber auch davon, was sie mit Vivian erlebt haben.

    Die Kapitel sind kurz, manchmal sind es sogar nur wenige Sätze, stellen aber Vivians sehr speziellen Charakter sehr schön dar. Sie war eine Einzelgängerin, menschenscheu aber nicht schüchtern, eine Frau, die weiß was sie will. Sie wollte ihre Ruhe haben und Fotos machen, sah ständig Motive, die festgehalten werden müssen und die sie dann sammeln konnte, ohne ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Warum so jemand ausgerechnet Kindermädchen wird ist eine Frage, die offen bleibt.

    Die Handlung selbst, also der Verlauf von Vivians Leben, geht dagegen etwas sprunghaft voran. Eigentlich sind es eher Impressionen aus ihrem Leben als eine stringente Handlung. Das ist zwar kunstvoll, hat mir aber weniger gefallen. Man springt von ihrer Kindheit in ihre 40er Jahre und dann wieder zurück zur Teenagerzeit. Ich hatte etwas Schwierigkeiten, mich darauf einzulassen.

    Außerdem haben mir Fotos gefehlt. Ein Buch über eine Fotografin ohne Fotos ist deutlich verschenktes Potenzial. Viele ihrer Aufnahmen werden beschrieben, auch die Situationen, während denen sie entstanden sind. Man kann sie mit etwas Glück bei Google finden, grandios wäre es gewesen, sie im Buch zu entdecken. Wenigstens Fußnoten, die zu einer Bildergalerie irgendwo im Web führen, hätte man leicht einbauen können und hätten diesen spannenden biografischen Roman zu einem Erlebnis machen können.

    Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen. Es hat mir unterhaltsam und sehr originell eine ganz besondere Frau nahegebracht, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Diese höchst innovative Art, eine Biografie zu schreiben, sollte Schule machen.

 

Schatten der Welt: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Schatten der Welt: Roman' von Izquierdo, Andreas
4.8
4.8 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Schatten der Welt: Roman"

Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi sind frohen Mutes, dass der Ernst des Lebens noch ein wenig auf sich warten lässt. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei Jugendlichen schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht. Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten. 1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war – und doch scheint ein Neuanfang möglich … Mitreißend und mit viel Gefühl für seine Figuren erzählt Andreas Izquierdo die Geschichte dreier Jugendlicher, die in den Wirren des frühen 20. Jahrhunderts ihren Weg suchen. ›Schatten der Welt‹ ist Abenteuerroman, Coming-of-Age-Geschichte und spannender historischer Roman zugleich.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:544
Verlag:
EAN:

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Rezensionen zu "Schatten der Welt: Roman"

  1. Freundschaft fürs Leben

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Feb 2021 

    Carl, Artur und Isi scheinen Freunde fürs Leben. Zusammengeschweißt bei einem kuriosen Gaunerstück, als 1910 der Halley’sche Komet erscheint. Die drei ergänzen sich und geben sich gegenseitig Halt. Läuft in ihren Familien nicht alles rund, sind sie sich gegenseitig Familie. Als 1914 der erste Weltkrieg ausbricht werden die drei auseinandergerissen, Carl und Artur ziehen in den Krieg, Isi bleibt zurück.

    Erzählt wird die Geschichte aus Carls Sicht. Er ist der ängstliche und am wenigsten wagemutigste der Gruppe. Als Jude läuft er immer unter dem Verdacht ein gewissenloser Geschäftemacher zu sein. Artur hingegen will mehr vom Leben als Sohn des Wagners zu sein. Er denkt sich allerlei wagemutige Aktionen aus, die meist erfolgreich für die Gruppe ausgehen. Dabei verdienen die drei soviel Geld, dass sie sich ein Geschäft aufbauen können. Doch als der Krieg anfängt ist es vorbei mit dem Geld verdienen. Artur und Carl erleben an der Front vieles was sich nicht mit den Vorstellungen eines heroischen Krieges vereinbaren lässt und Isi kämpft zu Hause darum, dass Frauen nicht noch mehr ausgebeutet werden. Alle müssen Verluste hinnehmen und gehen nicht ohne Blessuren aus dieser Zeit heraus.

    Schatten der Welt war mein erstes Buch von Andreas Izquierdo. Ich war von seinem Schreibstil sehr begeistert, trotz der teilweise unschönen Themen liest man immer weiter und durch die kurzen Kapitel denkt man sich oft: Eines geht noch. So fliegt man durch dieses Buch und fiebert mit den dreien mit.

    Die Geschichte beleuchtet das endende Kaiserreich von mehreren Seiten. Kaiserverherrlichung und Willkürherrschaft der Adeligen sind ein Thema, der damalige Ehrbegriff und der Umgang mit Frauen und Töchtern. Und eben die Unzufriedenheit der Unterdrückten. Das Kriegsgeschehen und dessen Verherrlichung, sowie der Alltag an der Front, der mit den Bildern in Zeitung und Wochenschau eben nichts gemein hat.

    Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Das Ende lässt darauf hoffen, dass es einen weiteren Band mit den dreien geben wird, in dem wir hoffentlich erfahren, wie es nach dem Krieg mit ihnen weitergeht.

    Von mir eine Leseempfehlung!

  1. Helle Jugend - finsterer Schatten Krieg

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Aug 2020 

    Thorn in Westpreußen, 1910: Carl Friedländer, Sohn eines jüdischen Schneiders, und Artur Burwitz, dessen Vater Wagner und Trinker ist, sind Freunde, die unterschiedlicher nicht sein können. Carl, der besonnene, vorsichtige, kluge Bursche. Artur der bauernschlaue Draufgänger voller herrlicher und gefährlicher Ideen. Als Carl auf Isi trifft, wünscht er sich zunächst das Mädchen niemals kennengelernt zu haben, so unliebsam war seine erste Begegnung mit ihr. Doch die forsche, freche und mutige Lehrerstocher wird bald Dritte im Bunde dieser Freundschaft. Eine Freundschaft, die vielen Prüfungen ausgesetzt ist. Denn die Welt steht am Rande eines Abgrundes. Nach dem Ersten Weltkrieg ist nichts mehr wie es war und doch ist es die Zeit für einen Neuanfang.
    Der deutsche Drehbuchautor und Schriftsteller Andreas Izquierdo erzählt in seinem Roman „Schatten der Welt“ feinfühlig und bewegend von drei jungen Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Er erzählt von einer Zeit, in der die Welt, wie sie bisher war, nicht mehr existierte, vom Krieg, vom Umbruch und vom Aufbruch in andere Zeiten.
    Alles beginnt bei den Geburtstagsfeierlichkeiten für den Kaiser. Es ist der legendäre „Baracken-Bumms“, den Artur initiiert hat, ein militärischer Skandal. Dann folgt der Halley’sche Komet und mit nicht ganz astreinen Methoden kommen die Carl, Artur und Isi - die Leichtgläubigkeit der Mitmenschen ausnutzend - an eine kleine Summe Geldes. Sie sind fast noch Kinder, haben die ganze Welt vor sich. Jeder für sich hat trotz ihrer jungen Jahre eine Bürde zu trage. Carl Schneiderssohn, wie er oft neckisch von Isi genannt wird, muss sich mehr und mehr um seinen Vater kümmern, der immer mehr in die Vergesslichkeit abgeleitet. Artur erlebt den rauen Umgang mit seinem meist betrunken Umgang mit stoischer Ruhe. Isis Vater hingegen ist ein patriarchalischer Haustyrann, der Frau und Töchter gerne misshandelt und dessen politische Gesinnung am rechten Rand zu finden ist.
    Mit Staunen und Neugier richten sie ihre Aufmerksamkeit auf Neuerungen, die der Fortschritt bietet, während der Großteil in Thorn noch den Schlaf der Gerechten schläft. Es ist die Fotografie, die Carl begeistert und Artur erkennt das Potential von Lastkraftwagen und wird trotz seiner 17 Jahre zum erfolgreichen Unternehmer.
    „Carl! begann Artur von Neuem. Verstehst du denn nicht, was da heute Morgen passiert ist?
    Wir haben einen Lkw gesehen antwortete ich ratlos.
    Nein, wir haben die Zukunft gesehen!“
    Im hellen Licht ihrer Jugend wirft der Erste Weltkrieg einen finsteren Schatten auf eine verheißungsvolle Zukunft.
    „Ich scherzte, tröstete, warnte, pflichtete bei, lachte und beschwor, fühlte weder Hunger noch Durst, sondern nur den unstillbaren Drang, den Menschen das zu geben, was sie am meisten wollten: Lügen. Denn ich war Carl Friedländer, der Schneiderssohn, der alles erreichen konnte.“
    Carl ist die Erzählstimme dieses mitreißenden Romans. Anhand der Geschichte der drei Freunde wird Weltgeschichte lebendig. Izquierdo verpackt mit einer Leichtigkeit, schwungvoller Sprache und trotzdem großer Ernsthaftigkeit die Grausamkeit des Krieges, Schützengräben, Widerstand, militärische Propagandamaschinerie, Nationalismus, die Geringschätzung von Frauen, den aufkeimenden Sozialismus.
    „Isi hätte schreien können…..Männer wie ihr Vater regierten Thorn, sie regierten Preußen, das Deutsche Reich, die ganze Welt. Sie bestimmten die Regeln, die Religion, die Politik, verfälschten Tatsachen, machten Karriere, und wenn gar nichts mehr half, begannen sie Kriege und stürzten die Welt ins Chaos: Kaiser, General, Kanzler, Pfarrer, Vater. Doch was war mit ihr? Was war mit all den Frauen, die in ihren Schatten starben, so leise, dass man nicht mal wusste, dass sie überhaupt gelebt hatten? Zählten sie nicht? Nichts?“
    Diese Buch ist wie Kino, ein historisches Coing-of-Age mit viel Liebe zu den Protagonisten. Das Ende lässt Spielraum über. Aber wie wir wissen, hat sich bald ein neuer Schatten auf die Welt gelegt.

  1. Ein spannendes Zeitbild

    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Jul 2020 

    „Damals erwachte in mir das unstillbare Verlangen, mir immer ein eigenes Bild zu machen. Ich wollte selbst beobachten, wollte wissen, wie sich die Dinge wirklich verhielten, und nicht von Beschreibungen anderer abhängig sein.“ (Zitat Pos. 551)

    Inhalt
    Sie sind Freunde und schon mit knapp vierzehn Jahren wissen sie, was sie nicht werden wollen: Carl Friedländer will Fotograf werden und nicht die väterliche Schneiderei übernehmen, Artur Burwitz will Erfolg haben und kein Wagner bleiben, wie sein Vater. Luise „Isi“ Beese will auf keinen Fall so werden, wie ihr strenger Vater Gottlieb Beese, Lehrer mit politischen Ambitionen. Sie haben kreative Geschäftsideen und können sie auch erfolgreich umsetzen, doch dann kommt das Jahr 1914 und damit der Krieg. Artur und Carl, beide achtzehn Jahre alt, werden sofort eingezogen. Die Jahre bis 1918 verlangen von jedem der drei jungen Menschen beinahe Unmögliches, und der Einfluss der mächtigen Gutsbesitzerfamilie Boysen, die feudal über ganz Thorn herrscht, reicht bis an die Front.

    Thema und Genre
    Im Mittelpunkt dieses historischen Romans, der gleichzeitig auch ein Abenteuer- und Entwicklungsroman ist, stehen drei mutige junge Menschen am Beginn des 20. Jahrhunderts, ihre Träume, Hoffnungen und die Realität. Wichtige Themen sind die Unterdrückung der Menschen im feudalen Ständesystem dieser Zeit, die schrecklichen Schlachten des Ersten Weltkrieges, Hunger, Schwarzhandel und der Kampf ums Überleben. Es geht aber auch um Familie, Tradition, Mut zum Neubeginn, Freundschaft, Vertrauen und Liebe.

    Charaktere
    Carl ist eher schmächtig, zurückhaltend und vorsichtig. Durch den draufgängerischen, ehrgeizigen Artur, der immer eine Idee hat, zu Geld und Erfolg zu kommen, oft am Rand der Gesetze, wird auch das Leben seines Freundes Carl abenteuerlich. Die unangepasste Isi entspricht absolut nicht den Vorstellungen dieser Zeit von einem wohlerzogenen Mädchen. Klug, keck und schauspielerisch begabt, nützt sie ihr gutes Aussehen für die Umsetzung ihrer Einfälle. Dazu kommen ihr Mut und ihre Willensstärke, sich nicht unterkriegen zu lassen.

    Handlung und Schreibstil
    Der Roman beginnt mit einer Vorstellung der drei Hauptfiguren: Carl, Artur und Isi. Die Handlung ist in fünf Abschnitte eingeteilt, diese wiederum in einzelne Kapitel. Die Ereignisse werden von Carl in der Ich-Form geschildert, chronologisch, ergänzt durch Rückblicke. Teilweise gleichzeitig an unterschiedlichen Orten stattfindende Episoden im Leben von Artur und Isi, von denen Carl nichts wissen kann, werden jedoch personal erzählt und stellen jeweils Artur oder Isi in den Mittelpunkt. Die Geschichte ist spannend und auch emotional fesselnd, da die einzelnen Figuren überzeugend und nachvollziehbar handeln. Die Sprache erzählt und beschreibt packend und einfühlsam und lässt auch den Humor nicht vermissen. „Es folgte eine lange Schimpfkanonade im breitesten Wiener Schmäh. Es war nicht das erste Mal, dass ich mich fragte, wie ein Volk, das so melodisch fluchen konnte, einen solchen Krieg gewinnen wollte.“ (Zitat Pos. 4683).

    Fazit
    Ein spannender historischer Roman über die Hoffnungen und Träume einer Generation, die, kaum erwachsen, sich plötzlich in einem furchtbaren Krieg wiederfand. Jede der drei Hauptfiguren, die völlig unterschiedlich und doch durch eine tiefe Freundschaft verbunden sind, muss den eigenen Weg finden und aus Träumen werden Werte, für die es sich einzustehen lohnt, auch wenn der Einsatz das eigene Leben ist. Ein großartiges Leseerlebnis.

  1. Informativ, spannend, berührend und mitreißend...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Jul 2020 

    In Thorn, einer Militärstadt, gehen die Uhren 1910 noch anders. Nahe der Grenze zu Polen dauert es lange, bis Fortschrittliches oder auch weltpolitische Ereignisse ihren Weg in die abseits gelegene Stadt in Westpreußen finden. In einer Atmosphäre althergebrachter Strukturen wachsen die Jugendlichen Carl, Artur und Isi auf und nichts deutet darauf hin, dass sich daran so bald etwas ändern wird.

    Zu Beginn der Erzählung ist Carl 13 Jahre alt und lebt mit seinem alleinerziehenden Vater in einem winzigen Häuschen, das ihnen Wohn- und Arbeitsstätte zugleich ist. Dort gelangen allabendlich Kartoffeln auf den Küchentisch, gleichzeitig werden in der winzigen Stube Kunden empfangen, die sich vom Schneider Friedländer ein neues Gewand fertigen lassen wollen. Reich werden sie dabei nicht, zumal sie als Juden misstrauisch beäugt werden, aber irgendwie haben sie ihr Auskommen.

    Carl geht gerne zur Schule, doch schon in wenigen Wochen ist damit Schluss, denn das Realgymnasium kann sich der Vater nicht leisten. Mit ihm zur Schule geht Artur, der vierzehnjährige Sohn eines Wagners und bester Freund von Carl. Gegensätzlicher könnten die beiden nicht sein: Carl schmächtig und schüchtern, dabei gut in der Schule - Artur kräftig und voller Selbstbewusstsein, doch mit der Schule hat er kaum etwas am Hut.

    Als die beiden die Tochter des ortsansässigen Lehrers der Mädchenschule kennenlernen, ist gleich klar, dass Luise, genannt Isi, bestens zu ihnen passt. Dreist und unerschrocken trotzt sie den widrigen häuslichen Verhältnissen, ebenso wie Artur. Nur Carl hat zu seinem Vater ein liebevolles Verhältnis.

    "Männer wie ihr Vater regierten Thorn, sie regierten Preußen, das Deutsche Reich, die ganze Welt. Sie bestimmten die Regeln, die Religion, die Politik, verfälschten Tatsachen, machten Karriere, und wenn gar nichts mehr half, begannen sie Kriege und stürzten die Welt ins Chaos..." (S. 415)

    Artur und Isi überbieten sich in ihren verrückten Ideen, und Carl, eher erschrocken denn überzeugt, lässt sich ein ums andere Mal von den beiden mitziehen. Wichtig ist es den dreien, schnellstmöglich viel Geld zu verdienen, um eines Tages auf eigenen Füßen zu stehen.

    Die Ereignisse um das Erwachsenwerden der drei Jugendlichen wird aus der Ich-Perspektive von Carl erzählt. Dabei dominiert bereits in der vermeintlich schönen Jugendzeit ein oftmals melancholischer Ton. Die armseligen Lebensbedingungen, die Dominanz des Militärs im Stadtbild, die Vergeblichkeit von Lebensträumen, der Standesdünkel, der Judenhass, der selbstherrliche und willkürliche Umgang der Mächtigen (ob nun Gutsherr, Gendarmeriekommandant oder tyrannischer Vater) mit den Schwächeren oder schlechter Gestellten - all dies erlebt der Leser emotional dicht am Geschehen mit.

    Glücklicherweise retten schlitzohrige Aktionen und die freche Dreistigkeit der drei Hauptcharaktere die Erzählung vor zu viel Schwere. Mit Beginn des Krieges allerdings wird der Ton ernster, und fortan wird das Geschehen abwechselnd aus der Perspektive der drei nun getrennt lebenden Freunde erzählt. Jeder der drei kämpft mit schweren Verlusten und letztlich auch einem Gefühl der Schuld, was angesichts der Ereignisse wohl unvermeidlich ist. Eine harte, brutale Art, erwachsen zu werden.

    Ich habe bereits mehrere Bücher von Andreas Izquierdo gelesen, und so unterschiedlich die Themen auch waren, eines hat sie geeint: der Faktor 'Menschlichkeit'. Auch in diesem historischen Roman, dem eine akribische und detaillierte Recherche attestiert werden muss, stehen die Charaktere im Vordergrund. Durch seine einfühlsame Art zu schreiben, schafft Izquierdo einen emotional dichten Zugang zu seinen Figuren, so dass der Leser zwangsläufig mitdenkt, mitempfindet, mitleidet.

    Dies war für mich nicht immer leicht zu ertragen. Wer Ungerechtigkeiten, Willkür und Menschenverachtung nicht gut aushält, der sei hiermit gewarnt. Immer wieder musste ich das Buch zwischendurch zur Seite legen, um Wut und Rachegelüste runterkochen zu lassen, bevor ich weiterlesen konnte. Gleichzeitig ist es genau das, was den Roman zu etwas Besonderem macht. Kriegsgräuel sind furchtbar, schon allein, wenn man darüber liest. Wenn man aber wie hier, daran auch emotional beteiligt ist, stehen diese Gräuel in ihrer ganzen Entsetzlichkeit vor einem und lassen den Leser an den monströsen Geschehnissen geradezu teilhaben.

    "...und der Tod begegnete mir allenfalls als friedliches weißes Kruzifix auf einem sonnenbeschienenen Friedhof. Doch unter dieser Erde lagen das zerrissene Fleisch, die gebrochenen Knochen und zerstörten Seelen. Unter dem Heldenkreuz verfaulte eine ganze Generation, deren Hoffnungen und sprühender Optimismus von alten Männern zu Angst, Ekel und Entsetzen verwandelt worden waren." (S. 484)

    Der Blick auf die damaligen Ereignisse ist ungeschönt und detailliert, und die damit verbundenen Traumata geradezu greifbar. Das Ende - es kann kein Happy End sein, das würde nicht passen. Aber doch bietet es einen kleinen hoffnungsvollen Ausblick, eine Möglickeit des Weiterlebens, trotz alledem.

    Und wie der Autor verriet: es wird einen zweiten Teil geben, frühestens im Herbst 2021 - die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sehr schön. Denn Carl, Artur und Isi würde ich sehr gerne nocht einmal begegnen...

    © Parden

  1. Eine Welt im Umbruch

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Jun 2020 

    „Schatten der Welt“, der neue Roman von Andreas Izquierdo, führt ins westpreußische Thorn im Jahr 1910. Dort lebt Carl, ein gewitzter, ein wenig schüchterner Junge zusammen mit seinem Vater, einem jüdischem Schneider Friedländer. Sein bester Freund ist Arthur, das genaue Gegenteil von ihm: groß und bullig, keine Leuchte in der Schule, aber bauernschlau und furchtlos. Dann kommt noch Isi dazu, die Tochter des bigotten Lehrers Beese, der die Rebellion in den Knochen steckt. Sie lehnt sich gegen die Vater auf, begeht kleinere Gaunereien und wird bald der Kopf des ungleichen Trios.

    Das Erscheinen des Halleyschen Kometen steht bevor und sie nutzen den Aberglauben und die Furcht der Menschen und ziehen den Leuten mit harmlosen Pillen und Gasmasken das Geld aus der Tasche. Später soll dieses Geld für sie ein Startkapital werden, aber der Große Krieg steht vor der Tür und beendet ihre Jugend abrupt.

    Dieser großartige Roman umfasst den Zeitraum von 8 Jahren, die nicht nur die unmittelbare Geschichte des Trios radikal verändert, auch die Welt ist nicht mehr die gleiche. Die Wege der Freunde trennen sich und doch bleibt ein unverbrüchliches Band zwischen ihnen bestehen.

    Was für eine wortmächtige Geschichte! Farbig erzählt, spannend und wie ich finde, sehr akribisch recherchiert. Ich konnte mich kaum losreißen, der Roman fesselte mich von der ersten Seite. Da ist einerseits das Leben in einer kleinen westpreußischen Stadt, immer ein bisschen dem Weltgeschehen hinterher, mit einer festgefügten Ordnung. Auf ihren Gütern beherrschen die Junker ihre Leute und in der Stadt die kaisertreue Obrigkeit die Bürger. Arm und Reich trennen Welten und wer sich dagegen auflehnt, bekommt es hart zu spüren.

    Izquierdo vereint in seinem Buch eine einfühlsame Beschreibung des Erwachsenwerdens, samt Gauner-und Schelmenstücken drei Protagonisten, die mich immer wieder schmunzeln ließen, mit einem großen historischen Roman. Erzählt wird das im Rückblick von Carl. Dieses Stilmittel bringt eine leise Melancholie in den Roman, denn selbst die Erinnerung an ihre Jugendstreiche ist für Carl mit Wehmut verbunden.

    Dieses Buch hat mich berührt und beeindruckt.

 

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