Die Völkischen in Deutschland: Kaiserreich und Weimarer Republik

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Völkischen in Deutschland: Kaiserreich und Weimarer Republik' von Stefan Breuer
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Völkischen in Deutschland: Kaiserreich und Weimarer Republik"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:294
Verlag: WBG Academic
EAN:9783534230129
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Rezensionen zu "Die Völkischen in Deutschland: Kaiserreich und Weimarer Republik"

  1. Mit der Lektüre von Stefan

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Apr 2021 

    Mit der Lektüre von Stefan Breuers "Die Völkischen in Deutschland. Kaiserreich und Republik" habe ich mich ehrlich gesagt ein wenig gequält und sie mehrfach unterbrochen, um u.a Darstellungen über die römische Geschichte zu lesen, etwas, was mir als Student sicherlich so nie passiert wäre. Und das hat weniger mit einem Neigungswandel von Zeitgeschichte zu alter Geschichte zu tun als an enttäuschter Erwartungshaltung. Das Buch war lange ob seiner Thematik auf meiner Wunschliste, der zugegebenermaßen recht hohe Preis selbst für Mitglieder der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft hat aber abschreckend gewirkt, doch irgendwann war die versuchung zu groß. Doch wie so oft, zu große Vorfreude wird enttäuscht. Woran liegt es? Vielleicht daran, dass Breuer ein Soziologe ist, der einen andreren Zugruff auf historische Themen verfolgt als ein Historiker? An der von ihm nicht zu verantortenden Vielzahl völkischer Verbände und Verbändchen, die nahezu unüberschaubar aus dem Boden sprossen? Das gleiche gilt für die Vielzahl der Namen, die sich in dieser Szene tummelten (wie oft habe ich wikipedia zu Rate ziehen müssen, um zusätzliche Informationen zu erhalten?). Oder "einfach" nur daran, dass eine in sich schlüssige Definition für das, was unter "völkisch" zu verstehen ist, schlicht und einfach unmöglich ist? Sicher, Antisemitismus ist ein intergraler Bestandteil, aber dann hört es auch schon auf. Es gab Antifeminismus in diesen Kreisen, aber ebenso weibliche Vertreterinnen, die für wie auch immer geartete "völkische" Frauenrechte warben. Es gab Technikfeinde und Technikbefürworter, Anhänger einer germanischen Religion wie Nationalprotestanten. Also alles in Allem ein schier unübersichtliches Gebräu verschiedener Denkmuster, die letzendlich nur durch die Ablehnung von was auch immer (Staat, Demokratie, Internationalismus, Kapitalismus, Arbeiterbewegung etc.) geeint waren. Das führt dann bei Brauer zu Überlegungen, ob ein Mensch wie Alfred Hugenberg, dem neben vielen anderen unbestreitbar der Titel "Totengräber der Republik" zusteht, "Völkisch" oder nur "nationalistisch" eingestellt gewesen sei. Diese Frage mag akademisch berechtigt sein, aber ist sie nötig? Es mag, um eine Parallel zu heute aufzuzeigen, Unterschiede zwischen Gauland und Höcke geben, aber solange die beiden in einem Boot rudern braucht man keinen Unterschied zwischen ihnen zu machen. Wer derart fixiert denkt, dass das Braune zum Mund heraus kommt, verdient keine Abgewogenheit.

    Nach der Lektüre stellt sich dem Leser allerdings die Frage, warum dieses Gedankengut auch heute noch oder wieder fröhliche Urständ feiert.

 

Aus dem Wald hinausfinden: Ein Gespräch mit Caspar Shaller (Kampa Salon: Gespräche)

Buchseite und Rezensionen zu 'Aus dem Wald hinausfinden: Ein Gespräch mit Caspar Shaller (Kampa Salon: Gespräche)' von Caspar Shaller
NAN
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Inhaltsangabe zu "Aus dem Wald hinausfinden: Ein Gespräch mit Caspar Shaller (Kampa Salon: Gespräche)"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
Verlag: Kampa Verlag
EAN:9783311140139

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Wie man wird, was man ist: Memoiren eines Psychotherapeuten

Buchseite und Rezensionen zu 'Wie man wird, was man ist: Memoiren eines Psychotherapeuten' von Irvin D. Yalom
NAN
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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
Verlag: Btb
EAN:9783442756629

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Posttraumatische Belastungsstörung - Vom Überleben zu neuem Leben: Ein praktischer Ratgeber zur Überwindung von Kindheitstraumata

Buchseite und Rezensionen zu 'Posttraumatische Belastungsstörung - Vom Überleben zu neuem Leben: Ein praktischer Ratgeber zur Überwindung von Kindheitstraumata' von  Pete Walker
NAN
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Inhaltsangabe zu "Posttraumatische Belastungsstörung - Vom Überleben zu neuem Leben: Ein praktischer Ratgeber zur Überwindung von Kindheitstraumata"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:360
EAN:9783962570750
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Die letzte Blüte Roms: Das Zeitalter Justinians

Buchseite und Rezensionen zu 'Die letzte Blüte Roms: Das Zeitalter Justinians' von  Peter Heather
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die letzte Blüte Roms: Das Zeitalter Justinians"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
Verlag: wbg Theiss
EAN:9783806238921
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Rezensionen zu "Die letzte Blüte Roms: Das Zeitalter Justinians"

  1. Spätantike Geschichte, fundiert dargeboten

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Mär 2021 

    Lange habe ich gezögert, mir dieses Buch zuzulegen, doch nun hat die Wissenschaftliche Buchgesellschaft eine kostengünstigere Paperback-Ausgabe herausgegeben. Und vorweg: ja, die Anschaffung und Lektüre hat sich gelohnt.

    Peter Heathers Studie "Die letzte Blüte Roms. Das Zeitalter Justinians" stellt im Schwerpunkt die Regierungsjahre (525-565 n.Chr.) dar, eine Zeit, in der es kurze Zeit so aussah, als könne das alte römische Reich wiederaufleben. Gut ein halbes Jahrhundert nach dem Untergang des Weströmischen Reiches eroberte das Byzantinische (Oströmische) Reich in den Vandalenkriegen die reichen nordafrikanischen Provinzen zurück, um danach dem Gotenreich in Italien den Garaus zu machen, einem langwierigen, verlustreichen, aber letztendlich von Erfolg gekröntem Unterfangen. So gesehen kann man tatsächlich von der letzten Blüte Roms sprechen. Aber was war der Preis dafür? Und war es ein Programm, dem Justinian folgte? Das sind die beiden Leitfragen, denen Heather in seiner Studie nachgeht. Die Antworten sind ambivalent. Was die Frage nach dem Programm betrifft, so beantwortet sie Heather mit einem klaren Nein. Jusinian war weniger ein Gestalter als ein Getriebener, wie so viele seiner Vorgänger und auch Nachfolger musste er ständig seine Daseinsberechtigung als Kaiser nachweisen und sich gegen potentielle Mitbewerber durchsetzen. Dazu brauchte es Erfolge, um so mehr, als dass das Regime beim Nika-Aufstand am Rande des Abgrundes stand. Verluste/ausbleibende Erfolge in den Auseinandersetzungen mit den Persern an der Ostgrenze, religiöse Spannungen wegen des Konzils von Calchedon, in dem es um die Frage der göttlichen und menschlichen Natur Jesus ging, die aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar sind, entluden sich in diesem Aufstand der Zirkusparteien, der buchstäblich in letzter Sekunde niedergeschlagen wurde. Und damit beginnt das bis heute bekannte uralte Spiel: Um von innenpolitischen Problemen abzulenken, wird ein Krieg inszeniert. Und da traf es sich eben gut, dass die Perser sich auf einen längeren Waffenstillstand einließen und dass Nachfolgestreitigkeiten im Vandalenreich den Byzantinern Anlass zum Einschreiten gab. Und da das mit eher unklarem Auftrag gestartete Herr gleich nach der Landung in Nordafrika große Erfolge erzielte, beschloss der verantwortliche Feldherr Belisar, gleich das Königreich der Vandalen zu zerschlagen und dem römischen Reich wieder einzugliedern. Damit war der nächste Schritt fast vorprogrammiert, der über Sizilien nach Italien, wobei auch hier die Auseinandersetzungen um die Nachfolge Theoderichs den Vorwand für das Einschreiten der Byzantiner abgaben.Selbstredend verschafften diese militärischen Erfolge Justinian den Rückhalt in seinem Reich, den er brauchte, auch um die nach wie vor schwelenden relgiösen streitereien zu beenden.

    Was die Frage nach dem Preis betrifft: es war ein verdammt hoher. Unzählig ist die Zahl der durch die Kriege Getöteten oder Versklavten, was allein schon den wichtigsten Aspekt darstellt. Rein ökonomisch betrachtet vielen die Reichtümer vor allem Nordafrikas an Byzanz, nur müssen die zuvor aufgewendeten Kosten für die militärischen Aktionen dagegen gerechnet werden. Und nicht nur das, Byzanz war nicht (mehr) in der Lage, seine militärische Präsenz an allen Fronten stark zu halten. Von Norden drangen imer wieder fremde Völker zu Raubzügen ins Reich ein, aber in seinen Auswirkungen weitaus schlimmer, die Perser nutzen das Fehlen der im Westen eingesetzten Truppen, um das den Osten des Byzantinischen Reiches zu bedrängen, ein Unterfangen, der zum Untergang der damaligen Weltstadt Antiochia führte. Die Provinzen konnten zwar letztendlich von Byzanz gehalten werden, aber nur, um unter den Nachfolgern Justinians gut hundert Jahre später endgültig verloren zu gehen. Makabrerweise war dies eine Folge des Jahrhunderte langen Dauerkrieges zwische den Römern und den Persern, der letztlich beide Mächte so sehr auszehrte, dass sie den durch den Aufstieg des Islam befeuerten Arabern nichts mehr entgegenzusetzten hatten. Das alles ist nicht Justinians Schuld, wie Heather mehrfach betont. Aber muss man sich nicht auch fragen, ob die Eroberungskriege im Westen nicht doch langfristige Auswirkungen hatten, in dem Sinn, dass die damaligen Verluste eben doch zu einer Schwächung nicht nur des Militärs führte. Aber damit geraten wir in den Bereich der Spekulation.

    Kleines Bonmot am Rande, Heather zieht in seiner 2018 erstmals in Großbritannien veröffentlichten Sudie des Öfteren Paralellen zu heute, mein Lieblingszitat ist auf S. 93, wo über den Vorgänger und Onkel Jusitnians heißt: Justin konnte auf ein paar außergewöhnliche erfolgreiche Monate zurückblicken (was mehr ist, als zum Beispiel Donald Trump je von sich wird behaupten können). Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

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