Insomnia: Nachtgedanken

Buchseite und Rezensionen zu 'Insomnia: Nachtgedanken' von Ivo Andric
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Inhaltsangabe zu "Insomnia: Nachtgedanken"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:192
EAN:9783552059733
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da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete (Bibliothek Suhrkamp)

Buchseite und Rezensionen zu 'da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete (Bibliothek Suhrkamp)' von Friederike Mayröcker
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Inhaltsangabe zu "da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete (Bibliothek Suhrkamp)"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:201
EAN:9783518225158
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Eroberung

Buchseite und Rezensionen zu 'Eroberung' von Laurent Binet
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eroberung"

Was, wenn in der Geschichte Europas zwei Dinge anders gelaufen wären? Erstens: Die Wikinger wären mit Pferden und eisernen Waffen bis nach Südamerika gesegelt. Zweitens: Kolumbus wäre nie aus Amerika zurückgekehrt. In diesem Fall erobern die Inkas Europa. Sie landen im 16. Jahrhundert in Portugal, besiegen Karl V. in Frankreich und die Anhänger der Inquisition in Spanien. In Deutschland helfen ihnen die Fugger, das viele Gold zu verteilen. Im Herzen von Paris wird eine Pyramide errichtet, in Wittenberg schlägt man nach Luthers Tod die „95 Thesen der Sonne“ an. Federschmuck ziert die Häupter der Europäer, auf den Feldern wächst Quinoa, Schafe sind heilig... Wie ginge es uns heute, fragt Binet, wären wir statt der kapitalistischen Ideologie den Lehren des Inkahäuptlings Atahualpa gefolgt? Eine mit sprühendem Witz geschriebene Alternativweltgeschichte, ein fulminantes Vexierspiel, ein brillanter Abenteuerroman. Laurent Binets Bücher sind internationale Bestseller, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die "Eroberung" Europas durch die Inkas wird in zwanzig Sprachen übersetzt und als Serie verfilmt.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783498001865
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Rezensionen zu "Eroberung"

  1. Irrwitzige Utopie

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Dez 2020 

    Selten hat man Absurderes gelesen: Angenommen, ein paar abtrünnige Wikinger hätten einst Südamerika bereist, hätten hier und da ein bisschen gesiedelt und äußerst kampflustige Nachkommen hinterlassen, was könnte daraus entstehen? Und wenn sie dann noch Christopher Columbus von der Rückreise seiner Mission abhalten, dann wird es folgenschwer.

    Hier erobern die Inkas Europa und drehen den Spieß um, was eine hoch interessante alternative Geschichtsschreibung zur Folge hat. Da konvertiert doch Heinrich VIII einfach zu diesem neuen Sonnenglauben, wenn er die Scheidung nicht durchbekommt, Sonnenkönig Atahualpa lässt zu Wittenberg die „95 Thesen der Sonne“ anschlagen und wenn dieser Luther weiter Ärger macht, wird er beseitigt. Jahrzehntelange Glaubenskriege fallen aus, dafür kämpft man anderswo.

    Das ist schräg, neu und sehr originell, ein großer Spaß, den man vermutlich umso mehr genießt, je mehr Geschichtswissen man aufweisen kann. Ich fürchte, mir sind zahlreiche Feinheiten entgangen, aber das macht nichts, ich bin auch so höchst begeistert.
    Nur das Ende hätte ich mir anders gewünscht. Ich hatte mit einem großen Knall gerechnet, stattdessen verfolgt man die Irrwege des glücklosen Cervantes, mit dem ich nicht so viel anfangen konnte.

    Trotzdem ist dieses Buch eine toll erzählte Utopie, ein wundervoll gelesenes Hörbuch, ein großer Spaß und ein Mustread für Historiker.

 

Butterblumenträume (Frauenromane im GMEINER-Verlag)

Buchseite und Rezensionen zu 'Butterblumenträume (Frauenromane im GMEINER-Verlag)' von Christine Rath
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Butterblumenträume (Frauenromane im GMEINER-Verlag)"

Format:Taschenbuch
Seiten:470
EAN:9783839212738
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Rezensionen zu "Butterblumenträume (Frauenromane im GMEINER-Verlag)"

  1. Liebe und mehr...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Nov 2020 

    Maja Winter lebt mit ihrer Tochter in Überlingen am Bodensee. Sie ist mit dem Erben eines großen Weingutes liiert und beruflich erfolgreich. Alles läuft in geordneten Bahnen, doch wirklich glücklich ist sie nicht. Eines Tages entdeckt sie ein malerisches Haus am See und träumt davon, dort ein kleines Café zu eröffnen. Ihre neue Freundin, die alte und lebenskluge Nachbarin Frieda, ermuntert sie, ihren Traum zu verwirklichen. Als Maja schließlich ihren Job verliert und sich in den Gärtner des Hauses verliebt, wird ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt und sie steht vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens…

    Das Cover weckt Sehnsüchte - jedenfalls bei mir. Nach Sonne, Farben, Unbeschwertheit und Träumen. Der Titel passt dazu, und auch wenn ich Liebes- oder Frauenromane eher selten lese, reizte mich dieser Roman. Letztlich bekam ich, was zu erwarten war - aber ich weiß jetzt auch wieder, weshalb dieses Genre nicht zu meinen Favoriten gehört...

    Da wären zum einen die Klischees, die hier so fleißig bedient werden. Vor allem die Rollenklischees. Maja Winter wird einerseits als toughe 39jährige alleinerziehende und mit beiden Beinen fest im Leben stehende Frau gezeichnet, andererseits ordnet sie sich selbstverständlich dem Mann an ihrer Seite unter, freut sich, wenn er als vielbeschäftiter Winzer und Betreiber eines erfolgreichen Weinguts überhaupt mal Zeit für sie hat, hört sich seine Belange an und äußert selbst kaum Wünsche, wird anhänglich wenn sie etwas getrunken hat und sorgt sich stets, ob ihr Aussehen zu den verschiedenen Anlässen passt.

    Überhaupt: Mode. Diesem Aspekt wird hier viel Raum gegeben. Ständig wird detailliert erläutert, welches Ensemble Maja trägt - oder ihre Tochter, ihre Mutter, die weiblichen und überheblichen Familienmitglieder ihres Freundes, ihre Freundinnen, ihr Freund... Ärgs, es war mir einfach zu viel. Ich muss nicht ständig auf dem Laufenden gehalten werden, welches Blüschen zu welchen Ohrringen, welche Tasche zu welchen Schuhen passt. Handlung und Charaktere sollten für mich im Vordergrund stehen. Aber hier werden tatsächlich Mode und Ansehen miteinander verknüpft. Beispiel gefällig?

    "Ich weiß schon, dass Nini sich benehmen kann. Ich wollte nur, dass sie besonders hübsch aussieht, damit ihr Marcus auf sie stolz sein kann..."

    Das geht für mich gar nicht. Etwa ein Viertel des Buches musste ich lesen, bis ich das Gefühl hatte, in der Geschichte anzukommen - oder eigentlich auch, bis die Geschichte wirklich anfing. Alles andere war ein oberflächlich-behäbiger Einstieg. Danach begann Maja sich zu entwickeln, auch einhergehend mit neuen Bekanntschaften. Diese Entwicklung hat mir letztlich gefallen, auch wenn sie recht vorhersehbar verlief. Das ist aber wohl dem Genre geschuldet und darf daher nicht überraschen.

    Maja findet ihr Traumhaus, eine neue Freundin, eine neue Liebe. Natürlich alles mit vielen Hindernissen und Umwegen, aber am (glücklichen) Ende besteht von Anfang an wohl kein Zweifel. Und das betrachte ich mal nicht als Spoiler, denn diese Romane sind nun einmal so aufgebaut...

    Das Ende fand ich dann wie erwartet, allerdings angesichts der zeitweise doch auch etwas langatmig anmutenden Erzählung (es gab doch für mein Empfinden einige Längen...) etwas überstürzt. Ich habe gesehen, dass es noch einen zweiten Teil gibt, aber das Ende hätte ich mir trotzdem etwas ausführlicher gewünscht.

    Alles in allem: Nett für zwischendurch, aber man darf sich an Klischees und einer vorhersehbaren Handlung nicht stören.

    © Parden

 

Enriettas Vermächtnis: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Enriettas Vermächtnis: Roman' von Sylvia Madsack
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Enriettas Vermächtnis: Roman"

Wenn ein Erbe dunkle Geheimnisse ans Licht bringt. Alles beginnt mit einem Ende – mit dem Tod der hochbetagten Enrietta da Silva, einer weltweit geschätzten und wohlhabenden Autorin aus Buenos Aires. Kurz darauf sitzen in Zürich zwei Menschen vor Enriettas Testamentsvollstrecker: Emilio, ein konservativer Arzt aus Argentinien, und Jana, eine unkonventionelle Schauspielerin aus Salzburg und Ziehtochter der Verstorbenen. Überraschend kommen sich Emilio und Jana näher. Bis plötzlich Armando da Silva in Zürich auftaucht, Enriettas leiblicher Sohn – ein ungeliebtes, von ihr totgeschwiegenes Kind mit einer zwielichtigen ­Biografie. Er sei gekommen, um sein Erbe zu beanspruchen, sagt er, doch es geht ihm um sehr viel mehr. Denn Enriettas Vermächtnis birgt ein dunkles Geheimnis

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
Verlag:
EAN:9783865327499
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Rezensionen zu "Enriettas Vermächtnis: Roman"

  1. Enriettas Vermächtnis

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Mai 2021 

    Die erfolgreiche Autorin Enrietta da Silva ist hochbetagt verstorben und nun sitzen die Erben vor dem Testamentsvollstrecker Dr. Andreas Leuthard. Die Erben, das sind: Dr. Emilio Volpe, ein Schönheitschirurg aus Argentinien, und die Schauspielerin Jana Horwarth aus Salzburg. Sowohl Jana als auch Emilio benötigen ein wenig Zeit, um die Sache zu überdenken. Während Emilio und Jana sich näherkommen, taucht unverhofft Armando da Silva in Zürich auf. Er ist der leibliche Sohn von Enrietta, die sich nie um ihn gekümmert und ihn verschwiegen hat. Nun will er seinen Anspruch anmelden, obwohl er selbst sehr reich ist, denn für ihn geht es um mehr.
    Ich hatte wohl zu viel erwartet, denn wirklich fesseln konnte mich dieser Roman nicht. Es gab einige Längen und oft hatte ich das Gefühl, dass sich die Autorin verzettelt hat.
    Keiner der Charaktere war mir wirklich sympathisch. Selbst als ich mehr über die Hintergründe für diese brodelnden Gefühle erfahren habe, hat sich das nicht geändert. Es wurde manches klarer, aber dennoch konnte ich einige Handlungsweisen nicht nachvollziehen. Emilio ist zielstrebig seinen Weg gegangen, aber glücklich geworden ist er wohl nicht. Als Armando in ihr Haus kommt, empfindet er dieses Baby als Störung. Er will nur Schlechtes in ihm sehen, denn schließlich wollte Enrietta ihn auch nicht. Armando fühlte sich unerwünscht und diese Verletzungen sind geblieben. Jana hat die Autorin erst sehr viel später kennengelernt und hat sich gut mit ihr verstanden. Aber Enrietta war nicht offen, sie hat nicht über die Vergangenheit reden wollen. Auch Testamentsvollstrecker Leuthard wusste nichts von Enriettas Geheimnis. Er ist viel zu sehr am Geschehen beteiligt.
    Jeder hat in der Geschichte seine eigenen Interessen und das bietet durchaus Konfliktpotenzial. Aber die Protagonisten agierten so, dass es für mich nicht immer verständlich und glaubwürdig war. Auch das Ende hat mich nicht überzeugt, denn es blieben für mich Fragen offen.

  1. Ausdrucksstarke Geschichte

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Mär 2021 

    Emilio reist von Argentinien nach Zürich, um das Erbe der bekannten Schriftstellerin Enrietta de Silva anzutreten. Dort trifft er auf Jana, die Ziehtochter Enriettas. Sofort entwickelt er Gefühle für sie, als dann aber der leibliche Sohn, Armado, auf der Bildfläche erscheint, ändert sich alles.

    Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und ist in einer so ausdrucksstarken Sprache geschrieben, das ich es nicht aus der Hand legen konnte.Weder Spannung, noch Gefühl kommen hier zu kurz.Ich habe dem Ende entgegen gefiebert, da ich unbedingt wissen wollte wie alles ausgeht. Die bildliche Ausdrucksweise hat mich nachhaltig beeindruckt und man versinkt förmlich in dem Buch. Die Charaktere sind mit Leben gefüllt und man versteht sie von Seite zu Seite immer besser, auch wenn bis kurz vorm Ende nicht klar ist wer gut und wer böse ist. Der Spannungsfaden ist von der Autorin gut durch das gesamte Buch gezogen worden, so daß mir nicht an einer einzigen Stelle langweilig geworden ist oder ich nicht begeistert weiter lesen wollte. Eine klare Leseempfehlung!

  1. Eine bizarre Konstellation

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Mär 2021 

    Eine bizarre Konstellation

    Sylvia Madsacks Roman „Enriettas Vermächtnis“ spielt in der Gegenwart, allerdings gänzlich ohne Corona. Denn die Protagonisten halten sich überwiegend in Hotels, Restaurants und Cafés auf, die natürlich alle geöffnet haben und die ihre Gäste mit ihren zahlreichen Spezialitäten herzlich willkommen heißen. Überhaupt spielen Essen & Trinken eine große Rolle.

    Die Schauplätze des Romans sind Buenos Aires, Zürich und Salzburg. Besonders Salzburg und Umgebung wird so verheißungsvoll beschrieben, dass frau am liebsten sofort dorthin reisen möchte.

    Worum geht es nun? Enrietta da Silva aus Argentinien, die titelgebende Figur ist hochbetagt verstorben und hinterlässt ein großes Vermögen an Bargeld und Immobilien, die aber veräußert werden sollen. Laut Testament beerben sie hälftig eine jüngere ehemalige Schauspielerin aus Salzburg, Jana, und ein Arzt aus Argentinien, Emilio. Die beiden kannten sich zuvor nicht. Der Schweizer Jurist und Testamentsvollstrecker Andreas Leuthard erweist sich nicht nur als hochprofessionell, sondern auch als psychologisch sehr versiert.

    Als Jana und Emilio sich in der Kanzlei kennenlernen und später näher kommen, taucht Enriettas leiblicher Sohn auf, der im Testament nicht erwähnt wurde und von dem auch der Anwalt und Jana nichts wussten.

    Armando da Silva ist überaus attraktiv, gilt als vermögender Verbrecher und ihm stehen nach Schweizer Recht außerdem drei Viertel des Riesenerbes zu. Das also ist die Ausgangssituation dieser bizarren Geschichte, deren Handlung und Charaktere natürlich frei erfunden sind. So steht es hinten und wird wohl gerade deshalb nicht stimmen.

    Ich habe das Buch, was ich unbedingt haben wollte, innerhalb von vier Tagen verschlungen. Sehr untypisch für mich. Das Einzige, was mich gestört hat, ist, dass die Protagonisten sich sehr schnell sehr viel näher kommen, als es in der Realität sicher üblich ist.

    Das Cover, die Wahl der Farben samt Haptik dieses wunderbaren Buches empfinde ich als überaus gelungen. Schrift und Zeilenfall stehen im perfekten Verhältnis und auch das von mir immer sehr geschätzte Lesebändchen ist vorhanden.

    Fazit: Ja, ich bin neidisch auf die Protagonisten. Nicht weil sie viel Geld haben oder bald bekommen, sondern weil sie sich frei bewegen können, denn „Leben bedeutet, zu tun, nicht, zu unterlassen.“ (Seite 220) Viereinhalb Sterne.

 

Die Tote in der Gracht

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Tote in der Gracht' von Jan Jacobs
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Tote in der Gracht"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:368
EAN:9783426524909
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Rezensionen zu "Die Tote in der Gracht"

  1. Elfstedentocht

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Nov 2020 

    Die Elfstedentocht – das berühmte Schlittschuhrennen auf den zugefrorenen Grachten gehört zur nationalen Identität Frieslands. Endlich scheint es nahezu 20 Jahre nach dem letzten Rennen 1997 wieder genügend Eis und Kälte zu geben. Mitten in den Vorbereitungen stürzt eine junge Journalistin von der Brücke in eine Gracht und ertrinkt. Auch die beiden hinzugeeilten Retter können nichts mehr ausrichten.

    Griet Gerritsen und Pieter de Vries nehmen den Unfall auf und bald schwant den erfahrenen Beamten, dass es nicht so eindeutig ist, wie der erste Anschein glauben machen möchte. Die Journalistin arbeitete an Story, mit der sie sich Feinde machte und die beiden Retter waren auch nicht unbedingt zufällig am Ort.

    Die Niederlande sind nicht allzu oft Schauplatz eines Kriminalromans und das reizte mich wieder am neuen Krimi von Jan Jacobs. Er mischt auf so unterhaltsame Weise niederländische Eigenheiten und Spracheinsprengsel in seine Geschichte, dass der Krimi auch auf dieser Ebene sehr gelungen ist. Von der Elfstedentocht hatte ich schon mal gehört, was für eine wichtige Rolle sie einnimmt war mir neu. Außerdem bietet das eisige Rennen auch einen aufregenden Hintergrund für die Ermittler, die statt einem zweideutigen Unfall nun noch Hinweise über ein altes, nie aufgeklärtes Verbrechen finden. Mir gefällt es, wenn ich im Buch auch ein gewisses Maß an privaten Verwicklungen und Empfindlichkeiten der Hauptfiguren erfahre, die die Protagonisten lebendig und konturiert erscheinen lässt, ohne dass das der Kriminalfall dabei in den Hintergrund gerät. Das gelingt dem Autor sehr gut. Dabei sind seine Ermittler keine tadellosen Helden, Menschliches ist ihnen nicht fremd und dazu gehören auch Versagen oder persönliche Defizite. Eben richtige Figuren mit Ecken und Kanten an denen man sich auch reiben kann.

    Ganz toll fand ich die Atmosphäre des winterlichen Hollands eingefangen, eisig draußen und doch mit holländischer Behaglichkeit drinnen, die sie auch einstellt, wenn Griet in ihrem Hausboot den Feierabend verbringt.

    Ein wirklich spannender Krimi und eine lohnenswerte Entdeckung, wenn man Jan Jacobs noch nicht kennt.

 

Die Forelle

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Forelle' von Leander Fischer
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Inhaltsangabe zu "Die Forelle"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:782
EAN:9783835337305
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Die Wanderjahre des August Zollinger (SALTO)

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Wanderjahre des August Zollinger (SALTO)' von  Pablo d`Ors
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Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:144
Verlag: Wagenbach
EAN:9783803113085
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Tamangur

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Rezensionen zu "Tamangur"

  1. Eine inhaltliche und sprachliche Perle!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Nov 2020 

    Das dünne kartonierte Buch mit dem schlichten, in beige und oliv gehaltenen Cover, auf dem ein Ziegenbock abgebildet ist, ist eine Augenweide.
    Vorsatzpapier und Lesebändchen in grün vervollständigen den hochwertigen äußeren Eindruck.

    Das Kind, ein kleines Mädchen im Grundschulalter, lebt bei seiner Großmutter, die einst viel gereist ist und gern Klavier gespielt hat.
    Die beiden wohnen in einem Dorf, das sich in einem von Bergen umgebenen Tal in der Schweiz befindet.
    Der Ort „ist nicht mehr als ein Fliegendreck auf der Karte.“ (S. 8)

    Der Großvater, ein Jägersmann mit Güte und Humor, ist seit einem Jahr in Tamangur, dem Paradies für Jäger.
    Er „hat es wahrlich verdient, in dieses Paradies eingelassen worden zu sein.“ (S. 22) ...und das, obwohl „er sich ganz plötzlich aus dem Staub gemacht hat, dieser Feigling“. (S. 37)
    Auch der kleine Bruder des Mädchens und seine Eltern glänzen durch Abwesenheit und sind wie der Großvater trotzdem und gleichzeitig ständig präsent.

    Der Ort, das Kind und die Großmutter sind namenlos.
    Namen hat nur das Umfeld.

    Beispielsweise Carlotta, die leicht schielende Strohpuppe mit Märzendreck auf der Nase, die eines Tages einer Erkundungs-Operation zum Opfer fiel.

    Oder Elsa, eine der Seltsamen, die ein bisschen neben den Schuhen stehen, eine schöne Sprache und einen frischen Blick auf die Welt haben.
    Elsa besucht die beiden oft und hilft der Großmutter manchmal bei der Hausarbeit.

    Oder Chan, der Hund der Großeltern, dessen Schnaufen das Kind beruhigt und der laut Großmutter der Vater sämtlicher Welpen im Dorf ist, obwohl er nur noch einen Hoden hat.

    Oder der kleine drahtige Kasimir, für den Alkohol die Kaminfegerbürste für die Seele ist.

    Oder die kleine pfiffige Luzia aus der Alpenrose, mit der es dem Kind nie langweilig wird.

    Wir erfahren, warum es von Vorteil ist, katholisch zu sein, lesen von Käse im gezuckerten Kaffee, von wunderbaren Geschichten, die der Opa für sein Enkelkind erfindet und von den fünf langen, gelben Hirschzähnen des Großvaters, die beim Kind eine Hühnerhaut hervorrufen.

    Bald schon ahnen wir, dass es vor nicht allzu langer Zeit eine Katastrophe gegeben haben muss, die zum Verschwinden des kleinen Bruders und der Eltern des Mädchens geführt hat.
    An dem Unglück scheint das kleine Mädchen seinen Anteil gehabt zu haben. Vielleicht war es sogar dafür verantwortlich?
    Manchmal wird das Kind von Schmerz, Sehnsucht, Albträumen und Schuldgefühlen heimgesucht.

    Ich stieß immer wieder auf wunderschöne Formulierungen, die mich innehalten ließen:
    „Die Erinnerung liegt dann überall herum wie ein schlafendes Tier und versperrt einem den Weg. Ständig muss man darüber stolpern, ihm ausweichen und wehe, man erwischt es mit der Fußspitze oder tritt gar aus Versehen drauf und es erwacht und trottet hinter einem her...“ (S. 20)

    „Die Angst ist wie ein Jagdhund. Man muss ihn gut behandeln, aber man darf sich niemals von ihm beherrschen lassen.“ (S. 26)

    „An gewisse Regeln muss man sich halten, sonst wird man haltlos, und die Großmutter hat etwas gegen Haltlosigkeit. Haltlosigkeit kommt kurz vor dem Absturz.“ (S. 43)

    „Ich habe nicht verstanden, sagt Elsa, wie das ist mit der Angst. Kommt sie von außen und überfällt einen hinterrücks? Oder hockt sie in einem drin, igelt sich ein irgendwo in einem verborgenen Winkel… Und wenn man es am wenigsten erwartet, schlägt sie erbarmungslos zu?“ (S. 47)

    „Oft ist das, was ein anderer oder eine andere sagt, nur halb so interessant wie das, was ich während eines inneren Spaziergangs mit mir selbst erlebe.“ (S. 117)

    Man stolpert auch immer wieder über amüsante Stellen, die ein Schmunzeln hervorrufen:
    „Warum sind deine Hände so groß?, fragt das Kind.
    Weil die Großmutter so große Brüste hat. Die müssen Platz haben, eine in jeder Hand.“ (S. 24)

    „Tamangur“ ist ein stiller, warmer, sehnsüchtiger und poetischer Roman, der etwas Märchenhaftes und Zartes hat und bei aller darunter liegenden Dramatik mit Humor nicht geizt.
    Obwohl über der Geschichte ein Wölkchen von Melancholie hängt, bekommt sie durch die teilweise heitere und aufrichtige Sprache, den liebevollen Ton und die ruhige Erzählweise eine Leichtigkeit.

    Dieses außergewöhnliche Schmuckstück ist eine inhaltliche und sprachliche Wucht und wird einen bleibenden und besonderen Platz in meinem Bücherregal bekommen.

    Das Prosawerk „Tamangur“ der 1944 geborenen Schweizer Poetin und Erzählerin Leta Semadeni hat 2016 den Schweizer Literaturpreis erhalten.

 

Land in Sicht: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Land in Sicht: Roman' von Ilona Hartmann
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Land in Sicht: Roman"

Das Glück schmeckt nach Äpfeln und Schokolade


Lotta hasst Veränderungen. Blöd nur, dass das Leben darauf keine Rücksicht nimmt. Als ihre Oma stirbt, ist sie plötzlich Hausbesitzerin. Auf dem Land. Gemeinsam mit ihrer ungeliebten Schwester. Von nun an kämpft Lotta mit Kühen im Garten, mit den Dorfbewohnern und mit Handwerkern, die gern mal die falsche Wand einreißen. Und dann ist da auch noch der geheimnisvolle Graf im Nachbarhaus, der ihre Gefühle ganz schön durcheinanderbringt …


Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
Verlag: Blumenbar
EAN:9783351050764
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Rezensionen zu "Land in Sicht: Roman"

  1. Donauschiffahrt...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Nov 2020 

    Jana hat ihren Vater nie kennengelernt. Alles, was sie über ihn weiß, ist, dass er als Kapitän auf der MS Mozart arbeitet, einem eher wenig glamourösen Kreuzfahrtschiff auf der Donau. Also bucht sie sich kurzerhand eine Woche dort ein. Ob sie sich ihm zu erkennen geben wird, weiß sie noch nicht. Mit knapp hundert Gästen im Seniorenalter und der trinkfesten Bordbesatzung beginnt die Fahrt von Passau nach Wien. Mit großer Sensibilität erzählt Ilona Hartmann die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Ein Roman voller Situationskomik und ungewöhnlicher Begegnungen, aber auch der Beginn einer zärtlichen, emotionalen Annäherung zwischen Vater und Tochter, die gerade erst lernen, was es heißt, einander Familie zu sein.

    Sicher sehen die Urlaubspläne von Mittzwanzigern im Allgemeinen anders aus. Jana hat jedoch beschlossen, eine einwöchige Donauschifffahrt zu buchen, inmitten einer riesigen Horde grauhaariger Rentner. Der Grund dafür ist ihr Vater - ein Mensch, den sie noch nie gesehen hat, von dem sie aber in Erfahrung bringen konnte, dass er Kapitän auf der MS Mozart ist, die innerhalb von acht Tagen von Passau nach Wien die Donau hinabfährt.

    In locker-sarkastischem Ton berichtet Jana dem Leser von ihren teilweise doch recht skurrilen Begegnungen auf dem Schiff. Vor allem aber nimmt der Leser am Innenleben der Ich-Erzählerin teil, an ihren Gedanken und Gefühlen, die oftmals von großer Unsicherheit geprägt sind. Soll sie ihren Vater ansprechen oder nicht? Will sie sich nur einen kurzen Eindruck verschaffen oder ihn doch näher kennenlernen? Was hätte sie davon, diesen für sie fremden Menschen plötzlich in ihr Leben zu lassen?

    Jana trudelt durch die Tage und Nächte an Bord, nimmt an Landgängen teil und studiert ihre Mitreisenden sowie ihren Vater. Die Empfindungen und Entscheidungen der jungen Frau sind teilweise nachvollziehbar, doch löste die gesamte Lektüre bei mir wenig aus. Insgesamt blieb mir die Erzählung wohl doch zu sehr an der Oberfläche, waren die Personen für mich nicht wirklich greifbar. Der immer wieder aufblitzende schwarze Humor glich aus, dass der kurze Roman nach meinem Empfinden unterm Emotions-Radar blieb.

    Alles in allem habe ich das Debüt von Ilona Hartmann nicht ungern gelesen, doch einen bleibenden Eindruck hat es bei mir leider nicht hinterlassen...

    © Parden

  1. Ein frischer Ton

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Nov 2020 

    Ilona Hartmann, 1990 in einem Dorf in der Nähe von Stuttgart geboren, lebt heute in Berlin und arbeitet als freie Autorin und Texterin ( z.B für Zeit online, der Freitag und Die Heute -show). „ Land in Sicht“ ist ihr Debutroman .
    Die Protagonistin Jana, Mitte Zwanzig, kommt vom Land , lebt nun aber in Berlin. Ihr Studium hat sie abgebrochen , verdient etwas Geld mit Photos, die sie verkauft . „ Die ersten Jahre im eigenen Leben fühlten sich an, wie freihändig auf dem Fahrrad bergab fahren. Nachts. Ohne Gucken. Es hätte Spaß machen können, aber ich hatte die ganze Zeit Angst um meine Vorderzähne.“
    Sie ist ohne Vater aufgewachsen, was sie aber bisher nicht belastet hat. Bis sie eines Nachts in einer Kneipe mit einem Mann ins Gespräch kommt, der ihr erzählt, er habe seinen Vater erst mit achtzehn Jahren kennengelernt. Und da habe sich bei ihm eine Wunde geschlossen.
    Danach fallen Jana plötzlich überall Väter auf und sie fragt sich, ob ihr nicht doch etwas fehlt.
    Die Vatersuche erweist sich als nicht allzu schwierig. Im Telephonbuch ihrer Mutter findet sie seinen vollständigen Namen und im Internet stößt sie auf ein Photo von ihm: Ein Mann, inmitten einer Reisegruppe, „ Milan, unser 1. Kapitän der MS Mozart“.
    Die MS Mozart ist ein leicht heruntergekommenes Schiff, das auf der Donau von Passau nach Wien fährt.
    Kurzerhand bucht Jana unter falschem Namen eine Kabine auf diesem Flusskreuzfahrtschiff und findet sich Wochen später inmitten reiselustiger Rentner als einzige Passsagierin unter Fünfzig. „ ...habe ich auf einen Schlag fast einhundert neue Großeltern, die mich anlächeln. Geld oder Süßigkeiten wurden mir leider noch nicht angeboten.“
    Was folgt sind nun einige witzige und skurrile Episoden an Bord und eine Begegnung mit dem Vater. Die verläuft reichlich unspektakulär. Es gibt keine rührseligen Szenen, keine großen Emotionen, sondern ein beinahe nüchternes Zusammentreffen. Aber gerade das macht die Geschichte so glaubhaft.
    Was das Buch zu einem wahren Lesevergnügen macht ist der schnoddrige Ton der jungen Autorin. Sie schreibt witzig und pointenreich, oft ironisch und voller Situationskomik. Dabei findet sie immer wieder originelle Sprachbilder.
    Deshalb nun noch einige Zitate:
    „Wer sich für eine Flusskreuzfahrt entscheidet, wählt, aus welchen Gründen auch immer: den Pragmatismus. Es ist die ideale Art zu Reisen für Menschen, die noch ein bisschen was von der Welt sehen wollen, aber bitte nicht zu viel. ...Alles, was hier passiert, passt auf zwei Bierdeckel.“
    „..., in unserem Leben war er ( der Vater ) nicht mehr als eine Fußnote, er stand im Kleingedruckten, während meine Mutter den Haupttext belegte.“
    „Mindestens die Hälfte der Eltern in meinem Umfeld trennten sich bis zum Abitur, meistens zogen die Väter aus. Sie wurden zu einer regelmäßig überwiesenen Summe auf dem Konto, zu einem Weihnachten in zwei Wohnungen oder zu einem „ Kein Anschluss unter dieser Nummer.“
    „Blut ist dicker als Wasser, oder geht zumindest schwerer wieder raus.“
    Die Hauptfigur weist einige Parallelen zur Autorin auf, allerdings hat diese ihren Vater ein Jahr vor der Schiffsreise kennengelernt.
    „ Land in Sicht“ ist ein höchst unterhaltsamer, aber auch sensibler Roman, ehrlich und unsentimental. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Bücher der Autorin.

 

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