Eroberung

Buchseite und Rezensionen zu 'Eroberung' von Laurent Binet
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eroberung"

Was, wenn in der Geschichte Europas zwei Dinge anders gelaufen wären? Erstens: Die Wikinger wären mit Pferden und eisernen Waffen bis nach Südamerika gesegelt. Zweitens: Kolumbus wäre nie aus Amerika zurückgekehrt. In diesem Fall erobern die Inkas Europa. Sie landen im 16. Jahrhundert in Portugal, besiegen Karl V. in Frankreich und die Anhänger der Inquisition in Spanien. In Deutschland helfen ihnen die Fugger, das viele Gold zu verteilen. Im Herzen von Paris wird eine Pyramide errichtet, in Wittenberg schlägt man nach Luthers Tod die „95 Thesen der Sonne“ an. Federschmuck ziert die Häupter der Europäer, auf den Feldern wächst Quinoa, Schafe sind heilig... Wie ginge es uns heute, fragt Binet, wären wir statt der kapitalistischen Ideologie den Lehren des Inkahäuptlings Atahualpa gefolgt? Eine mit sprühendem Witz geschriebene Alternativweltgeschichte, ein fulminantes Vexierspiel, ein brillanter Abenteuerroman. Laurent Binets Bücher sind internationale Bestseller, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die "Eroberung" Europas durch die Inkas wird in zwanzig Sprachen übersetzt und als Serie verfilmt.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783498001865
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Rezensionen zu "Eroberung"

  1. Irrwitzige Utopie

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Dez 2020 

    Selten hat man Absurderes gelesen: Angenommen, ein paar abtrünnige Wikinger hätten einst Südamerika bereist, hätten hier und da ein bisschen gesiedelt und äußerst kampflustige Nachkommen hinterlassen, was könnte daraus entstehen? Und wenn sie dann noch Christopher Columbus von der Rückreise seiner Mission abhalten, dann wird es folgenschwer.

    Hier erobern die Inkas Europa und drehen den Spieß um, was eine hoch interessante alternative Geschichtsschreibung zur Folge hat. Da konvertiert doch Heinrich VIII einfach zu diesem neuen Sonnenglauben, wenn er die Scheidung nicht durchbekommt, Sonnenkönig Atahualpa lässt zu Wittenberg die „95 Thesen der Sonne“ anschlagen und wenn dieser Luther weiter Ärger macht, wird er beseitigt. Jahrzehntelange Glaubenskriege fallen aus, dafür kämpft man anderswo.

    Das ist schräg, neu und sehr originell, ein großer Spaß, den man vermutlich umso mehr genießt, je mehr Geschichtswissen man aufweisen kann. Ich fürchte, mir sind zahlreiche Feinheiten entgangen, aber das macht nichts, ich bin auch so höchst begeistert.
    Nur das Ende hätte ich mir anders gewünscht. Ich hatte mit einem großen Knall gerechnet, stattdessen verfolgt man die Irrwege des glücklosen Cervantes, mit dem ich nicht so viel anfangen konnte.

    Trotzdem ist dieses Buch eine toll erzählte Utopie, ein wundervoll gelesenes Hörbuch, ein großer Spaß und ein Mustread für Historiker.

 

Butterblumenträume (Frauenromane im GMEINER-Verlag)

Buchseite und Rezensionen zu 'Butterblumenträume (Frauenromane im GMEINER-Verlag)' von Christine Rath
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Butterblumenträume (Frauenromane im GMEINER-Verlag)"

Format:Taschenbuch
Seiten:470
EAN:9783839212738
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Rezensionen zu "Butterblumenträume (Frauenromane im GMEINER-Verlag)"

  1. Liebe und mehr...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Nov 2020 

    Maja Winter lebt mit ihrer Tochter in Überlingen am Bodensee. Sie ist mit dem Erben eines großen Weingutes liiert und beruflich erfolgreich. Alles läuft in geordneten Bahnen, doch wirklich glücklich ist sie nicht. Eines Tages entdeckt sie ein malerisches Haus am See und träumt davon, dort ein kleines Café zu eröffnen. Ihre neue Freundin, die alte und lebenskluge Nachbarin Frieda, ermuntert sie, ihren Traum zu verwirklichen. Als Maja schließlich ihren Job verliert und sich in den Gärtner des Hauses verliebt, wird ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt und sie steht vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens…

    Das Cover weckt Sehnsüchte - jedenfalls bei mir. Nach Sonne, Farben, Unbeschwertheit und Träumen. Der Titel passt dazu, und auch wenn ich Liebes- oder Frauenromane eher selten lese, reizte mich dieser Roman. Letztlich bekam ich, was zu erwarten war - aber ich weiß jetzt auch wieder, weshalb dieses Genre nicht zu meinen Favoriten gehört...

    Da wären zum einen die Klischees, die hier so fleißig bedient werden. Vor allem die Rollenklischees. Maja Winter wird einerseits als toughe 39jährige alleinerziehende und mit beiden Beinen fest im Leben stehende Frau gezeichnet, andererseits ordnet sie sich selbstverständlich dem Mann an ihrer Seite unter, freut sich, wenn er als vielbeschäftiter Winzer und Betreiber eines erfolgreichen Weinguts überhaupt mal Zeit für sie hat, hört sich seine Belange an und äußert selbst kaum Wünsche, wird anhänglich wenn sie etwas getrunken hat und sorgt sich stets, ob ihr Aussehen zu den verschiedenen Anlässen passt.

    Überhaupt: Mode. Diesem Aspekt wird hier viel Raum gegeben. Ständig wird detailliert erläutert, welches Ensemble Maja trägt - oder ihre Tochter, ihre Mutter, die weiblichen und überheblichen Familienmitglieder ihres Freundes, ihre Freundinnen, ihr Freund... Ärgs, es war mir einfach zu viel. Ich muss nicht ständig auf dem Laufenden gehalten werden, welches Blüschen zu welchen Ohrringen, welche Tasche zu welchen Schuhen passt. Handlung und Charaktere sollten für mich im Vordergrund stehen. Aber hier werden tatsächlich Mode und Ansehen miteinander verknüpft. Beispiel gefällig?

    "Ich weiß schon, dass Nini sich benehmen kann. Ich wollte nur, dass sie besonders hübsch aussieht, damit ihr Marcus auf sie stolz sein kann..."

    Das geht für mich gar nicht. Etwa ein Viertel des Buches musste ich lesen, bis ich das Gefühl hatte, in der Geschichte anzukommen - oder eigentlich auch, bis die Geschichte wirklich anfing. Alles andere war ein oberflächlich-behäbiger Einstieg. Danach begann Maja sich zu entwickeln, auch einhergehend mit neuen Bekanntschaften. Diese Entwicklung hat mir letztlich gefallen, auch wenn sie recht vorhersehbar verlief. Das ist aber wohl dem Genre geschuldet und darf daher nicht überraschen.

    Maja findet ihr Traumhaus, eine neue Freundin, eine neue Liebe. Natürlich alles mit vielen Hindernissen und Umwegen, aber am (glücklichen) Ende besteht von Anfang an wohl kein Zweifel. Und das betrachte ich mal nicht als Spoiler, denn diese Romane sind nun einmal so aufgebaut...

    Das Ende fand ich dann wie erwartet, allerdings angesichts der zeitweise doch auch etwas langatmig anmutenden Erzählung (es gab doch für mein Empfinden einige Längen...) etwas überstürzt. Ich habe gesehen, dass es noch einen zweiten Teil gibt, aber das Ende hätte ich mir trotzdem etwas ausführlicher gewünscht.

    Alles in allem: Nett für zwischendurch, aber man darf sich an Klischees und einer vorhersehbaren Handlung nicht stören.

    © Parden

 

Die Tote in der Gracht

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Tote in der Gracht' von Jan Jacobs
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Tote in der Gracht"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:368
EAN:9783426524909
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Rezensionen zu "Die Tote in der Gracht"

  1. Elfstedentocht

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Nov 2020 

    Die Elfstedentocht – das berühmte Schlittschuhrennen auf den zugefrorenen Grachten gehört zur nationalen Identität Frieslands. Endlich scheint es nahezu 20 Jahre nach dem letzten Rennen 1997 wieder genügend Eis und Kälte zu geben. Mitten in den Vorbereitungen stürzt eine junge Journalistin von der Brücke in eine Gracht und ertrinkt. Auch die beiden hinzugeeilten Retter können nichts mehr ausrichten.

    Griet Gerritsen und Pieter de Vries nehmen den Unfall auf und bald schwant den erfahrenen Beamten, dass es nicht so eindeutig ist, wie der erste Anschein glauben machen möchte. Die Journalistin arbeitete an Story, mit der sie sich Feinde machte und die beiden Retter waren auch nicht unbedingt zufällig am Ort.

    Die Niederlande sind nicht allzu oft Schauplatz eines Kriminalromans und das reizte mich wieder am neuen Krimi von Jan Jacobs. Er mischt auf so unterhaltsame Weise niederländische Eigenheiten und Spracheinsprengsel in seine Geschichte, dass der Krimi auch auf dieser Ebene sehr gelungen ist. Von der Elfstedentocht hatte ich schon mal gehört, was für eine wichtige Rolle sie einnimmt war mir neu. Außerdem bietet das eisige Rennen auch einen aufregenden Hintergrund für die Ermittler, die statt einem zweideutigen Unfall nun noch Hinweise über ein altes, nie aufgeklärtes Verbrechen finden. Mir gefällt es, wenn ich im Buch auch ein gewisses Maß an privaten Verwicklungen und Empfindlichkeiten der Hauptfiguren erfahre, die die Protagonisten lebendig und konturiert erscheinen lässt, ohne dass das der Kriminalfall dabei in den Hintergrund gerät. Das gelingt dem Autor sehr gut. Dabei sind seine Ermittler keine tadellosen Helden, Menschliches ist ihnen nicht fremd und dazu gehören auch Versagen oder persönliche Defizite. Eben richtige Figuren mit Ecken und Kanten an denen man sich auch reiben kann.

    Ganz toll fand ich die Atmosphäre des winterlichen Hollands eingefangen, eisig draußen und doch mit holländischer Behaglichkeit drinnen, die sie auch einstellt, wenn Griet in ihrem Hausboot den Feierabend verbringt.

    Ein wirklich spannender Krimi und eine lohnenswerte Entdeckung, wenn man Jan Jacobs noch nicht kennt.

 

Die Wanderjahre des August Zollinger (SALTO)

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Wanderjahre des August Zollinger (SALTO)' von  Pablo d`Ors
NAN
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Inhaltsangabe zu "Die Wanderjahre des August Zollinger (SALTO)"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:144
Verlag: Wagenbach
EAN:9783803113085
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Tamangur

Buchseite und Rezensionen zu 'Tamangur' von  Leta Semadeni
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Tamangur"

Format:Broschiert
Seiten:160
EAN:9783858698421
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Rezensionen zu "Tamangur"

  1. Eine inhaltliche und sprachliche Perle!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Nov 2020 

    Das dünne kartonierte Buch mit dem schlichten, in beige und oliv gehaltenen Cover, auf dem ein Ziegenbock abgebildet ist, ist eine Augenweide.
    Vorsatzpapier und Lesebändchen in grün vervollständigen den hochwertigen äußeren Eindruck.

    Das Kind, ein kleines Mädchen im Grundschulalter, lebt bei seiner Großmutter, die einst viel gereist ist und gern Klavier gespielt hat.
    Die beiden wohnen in einem Dorf, das sich in einem von Bergen umgebenen Tal in der Schweiz befindet.
    Der Ort „ist nicht mehr als ein Fliegendreck auf der Karte.“ (S. 8)

    Der Großvater, ein Jägersmann mit Güte und Humor, ist seit einem Jahr in Tamangur, dem Paradies für Jäger.
    Er „hat es wahrlich verdient, in dieses Paradies eingelassen worden zu sein.“ (S. 22) ...und das, obwohl „er sich ganz plötzlich aus dem Staub gemacht hat, dieser Feigling“. (S. 37)
    Auch der kleine Bruder des Mädchens und seine Eltern glänzen durch Abwesenheit und sind wie der Großvater trotzdem und gleichzeitig ständig präsent.

    Der Ort, das Kind und die Großmutter sind namenlos.
    Namen hat nur das Umfeld.

    Beispielsweise Carlotta, die leicht schielende Strohpuppe mit Märzendreck auf der Nase, die eines Tages einer Erkundungs-Operation zum Opfer fiel.

    Oder Elsa, eine der Seltsamen, die ein bisschen neben den Schuhen stehen, eine schöne Sprache und einen frischen Blick auf die Welt haben.
    Elsa besucht die beiden oft und hilft der Großmutter manchmal bei der Hausarbeit.

    Oder Chan, der Hund der Großeltern, dessen Schnaufen das Kind beruhigt und der laut Großmutter der Vater sämtlicher Welpen im Dorf ist, obwohl er nur noch einen Hoden hat.

    Oder der kleine drahtige Kasimir, für den Alkohol die Kaminfegerbürste für die Seele ist.

    Oder die kleine pfiffige Luzia aus der Alpenrose, mit der es dem Kind nie langweilig wird.

    Wir erfahren, warum es von Vorteil ist, katholisch zu sein, lesen von Käse im gezuckerten Kaffee, von wunderbaren Geschichten, die der Opa für sein Enkelkind erfindet und von den fünf langen, gelben Hirschzähnen des Großvaters, die beim Kind eine Hühnerhaut hervorrufen.

    Bald schon ahnen wir, dass es vor nicht allzu langer Zeit eine Katastrophe gegeben haben muss, die zum Verschwinden des kleinen Bruders und der Eltern des Mädchens geführt hat.
    An dem Unglück scheint das kleine Mädchen seinen Anteil gehabt zu haben. Vielleicht war es sogar dafür verantwortlich?
    Manchmal wird das Kind von Schmerz, Sehnsucht, Albträumen und Schuldgefühlen heimgesucht.

    Ich stieß immer wieder auf wunderschöne Formulierungen, die mich innehalten ließen:
    „Die Erinnerung liegt dann überall herum wie ein schlafendes Tier und versperrt einem den Weg. Ständig muss man darüber stolpern, ihm ausweichen und wehe, man erwischt es mit der Fußspitze oder tritt gar aus Versehen drauf und es erwacht und trottet hinter einem her...“ (S. 20)

    „Die Angst ist wie ein Jagdhund. Man muss ihn gut behandeln, aber man darf sich niemals von ihm beherrschen lassen.“ (S. 26)

    „An gewisse Regeln muss man sich halten, sonst wird man haltlos, und die Großmutter hat etwas gegen Haltlosigkeit. Haltlosigkeit kommt kurz vor dem Absturz.“ (S. 43)

    „Ich habe nicht verstanden, sagt Elsa, wie das ist mit der Angst. Kommt sie von außen und überfällt einen hinterrücks? Oder hockt sie in einem drin, igelt sich ein irgendwo in einem verborgenen Winkel… Und wenn man es am wenigsten erwartet, schlägt sie erbarmungslos zu?“ (S. 47)

    „Oft ist das, was ein anderer oder eine andere sagt, nur halb so interessant wie das, was ich während eines inneren Spaziergangs mit mir selbst erlebe.“ (S. 117)

    Man stolpert auch immer wieder über amüsante Stellen, die ein Schmunzeln hervorrufen:
    „Warum sind deine Hände so groß?, fragt das Kind.
    Weil die Großmutter so große Brüste hat. Die müssen Platz haben, eine in jeder Hand.“ (S. 24)

    „Tamangur“ ist ein stiller, warmer, sehnsüchtiger und poetischer Roman, der etwas Märchenhaftes und Zartes hat und bei aller darunter liegenden Dramatik mit Humor nicht geizt.
    Obwohl über der Geschichte ein Wölkchen von Melancholie hängt, bekommt sie durch die teilweise heitere und aufrichtige Sprache, den liebevollen Ton und die ruhige Erzählweise eine Leichtigkeit.

    Dieses außergewöhnliche Schmuckstück ist eine inhaltliche und sprachliche Wucht und wird einen bleibenden und besonderen Platz in meinem Bücherregal bekommen.

    Das Prosawerk „Tamangur“ der 1944 geborenen Schweizer Poetin und Erzählerin Leta Semadeni hat 2016 den Schweizer Literaturpreis erhalten.

 

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