Fahrenheit 451

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Rezensionen zu "Fahrenheit 451"

  1. Wichtige Gedanken, hochaktuelle Themen, spannender Plot!

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Dez 2019 

    Diese Dystopie ist 1953 erschienen und spielt in einem Staat, in dem das Besitzen und Lesen von Büchern verboten ist.
    Der Grund?
    Ein Buch rüttelt auf und stört den Staatsfrieden, den Seelenfrieden und die Gemütsruhe, weil es das freie Denken, das Hinterfragen und das Anzweifeln fördert und
    weil sich durch die Auseinandersetzung mit der Lektüre Meinungen bilden könnten. Verschiedene Meinungen, die Unzufriedenheit und Unruhe fördern könnten. Bildung, Geisteswissenschaften und Bücher müssen von der Bildfläche verschwinden.

    Ziel ist die Konformität. Der Preis dafür sind Individualität und Kreativität. Gleichheit auch was Intellekt und Bildung betrifft, wird angestrebt, um Zufriedenheit und Glück zu gewährleisten. „Ein Buch ist wie eine scharf geladene Waffe und muss entladen und vernichtet werden.“

    Illegalerweise aufgetauchte Bücher werden von der Feuerwehr verbrannt. Die Feuerwehr wurde zum „Hüter der Seelenruhe“ und zum „Glückshüter“ ernannt.

    Montag ist ein Feuerwehrmann, der, bis er der außergewöhnlichen 17jährigen Clarisse begegnet, mit sich und seinem Leben zufrieden ist. Aber Gespräche mit ihr öffnen ihm die Augen und bewirken eine Veränderung.

    Schon bevor der Staat dieses Gesetz eingeführt hat gab es jedoch durch den rasant zunehmenden Fortschritt von Technik und Elektronik eine Abkehr von Büchern und vom Lesen. „Die Leute haben wohl selbst aufgehört zu lesen. Bedenken Sie doch, dass es der Feuerwehr kaum bedarf.“

    Es ist faszinierend. Schon vor Jahrzehnten ahnte Bradbury, dass Beobachten, Erkennen, Tiefgründigkeit, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Genießen der Geschwindigkeit und der Schnelllebigkeit zum Opfer fallen werden und dass es nicht mehr selbstverständlich sein wird, spazieren zu gehen, empathisch zuzuhören, sich achtsam aufeinander einzulassen und sich tiefgründig zu unterhalten. Stattdessen werden oberflächliches Entertainment und Ablenkung bevorzugt. Stattdessen geht es um Konsum und führt man Gespräche ohne Tiefgang.

    „Ein Hang zur Natur ist verrückt und bedarf eines Psychiaters“. Zeitmangel und Zunahme von Gewalt sind genauso wie Gleichgültigkeit, Selbstbezogenheit, und Empathielosigkeit allgegenwärtig in Bradburys Welt.

    Ein Satz, der mir sehr gut gefallen hat: „Beurteile ein Buch nicht nach dem Umschlag“. Diese Aussage gefällt mir. Sowohl im konkreten Sinne als auch als Metapher.

    Einen Kritikpunkt habe ich. Was mir nicht gefallen hat, ist, dass Bradbury seine Aussagen zu klar und direkt „an den Mann bringt“. Er wirkt ein bisschen lehrerhaft. Es ist manchmal ein bisschen so, als spreche er zu einem Kind, das sich noch schwer tut, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und das noch nicht so gut selbst denken oder Rückschlüsse ziehen kann.

    Der Roman erinnert natürlich an „1984“ (George Orwell) und „Schöne neue Welt“ (Aldous Huxley). An diese Werke kommt er meines Erachtens nicht heran. Man sollte ihn aber auch nicht damit vergleichen. Er sollte für sich stehen dürfen.

    Unterm Strich habe ich die Geschichte sehr gern gelesen. M. E. wurden wichtige Gedanken und hochaktuelle Themen in einem spannenden Plot untergebracht.

  1. Beängstigend in seiner Relevanz

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Mär 2019 

    Guy Montag ist Feuerwehrmann. In einer nicht näher definierten Zukunft ist es die Aufgabe der Feuerwehr nicht Brände zu löschen. Im Gegenteil, die Feuerwehr verbrennt – Bücher!
    Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der Papier verbrennt. Als das Buch 1953 erschien - in 200 signierten und nummerierten Exemplaren, - war die amerikanische Originalausgabe gebunden in ein asbesthaltiges Material „ von außerordentlicher Widerstandsfähigkeit gegen Pyrolyse“.
    Um das Buch zu begreifen, muss man die Zeit begreifen, aus der es stammt. Amerika war eine der Siegermächte im zweiten Weltkrieg, Anfang der 1950er Jahre befand sich Amerika aber mittendrin in einem nächsten, dem kalten Krieg. Die Angst vor der Atombombe wurde sukzessive geschürt. Die McCarthy Ära mit ihren Verhaftungen und Verhören politisch Verdächtiger beginnt. Gleichzeitig startet die Unterhaltungsindustrie mit den ersten Fernsehserien und Sitcoms.
    Ray Bradburys Held Guy Montag ist ein braver Befehlsempfänger. Seine Ehefrau Mildred verbringt den ganzen Tag mit ihrer „Familie“, den personalisierten Serien, heute würde man wohl Videowalls dazu sagen. Eines Tages trifft Guy die junge Clarisse, deren alter Onkel sich noch an ein Leben „früher“ erinnert, Plötzlich beginnt Guy sich zu fragen, ob er glücklich ist, in einer Gesellschaft, in der Bücher verboten waren, eigenständiges Denken, intellektuelle Bildung nicht erwünscht ist. Er beginnt das Verbot von Büchern zu hinterfragen. „Jeder ist geistesgestört, der wähnt, er könne die Regierung und uns hintergehen.“ erklärt Montags Befehlshaber Beatty, ein Mann der jedes Zitat erkennt und trotzdem Bücher und deren Besitzer vernichtet.
    Fahrenheit 451 ist nur jedoch bedingt eine Dystopie, beängstigend in seiner Aktualität und Relevanz. Bücher haben schon immer gebrannt. Schon Heinrich Heine schreibt 1821 „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Regierungen merken - damals wie heute - wie vorteilhaft es ist wenn Leute nichts anderes lesen „Leidenschaftliche Lippen“ und die „Faust in der Fresse“. Wenn sparen an der Bildung bedeutet, dass das Volk nicht mehr begreift, wenn Demokratie und Verfassung ausgehebelt werden, wenn sich keiner mehr dagegen wehrt, wenn das Recht der Politik folgt, dann ist Fahrenheit 451 kein Zukunftsszenario, dann sind wir mittendrin.
    Fahrenheit 451 ist vor allem eins, eine unbedingte Liebeserklärung an die Literatur und die Macht des Wortes, eine lebenslange Liebe. Lasst und diese niemals abhandenkommen!

  1. Immer noch brandaktuell

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Jan 2017 

    Dem Roman vorangestellt ist eine Einleitung Ray Bradburys aus dem Jahr 2003 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums - 1953 ist der Roman erstmals erschienen. Bradbury erzählt darin, dass "Fahrenheit 451" aus "Der Feuerwehrmann" entstanden ist und das er dieser 25000 Wörter langen Erzählung die gleiche Anzahl an Worten hinzugefügt hat - und das in nur neun Tagen. Seitdem wurde der Roman mehrfach für Theater, Film und sogar für eine Oper umgeschrieben, aber die Buchfassung hat Bradbury bewusst nie überarbeitet und widerstand der Versuchung die Geschichte abzuändern, obwohl er zahlreiche Leserbriefe erhalten hat, die nach dem Schicksal von Clarisse McClellan gefragt haben (vgl. S.13).

    Fahrenheit 451 ist genau die Temperatur, bei der Bücherpapier zu brennen beginnt.

    Inhalt
    "Es war eine Lust, Feuer zu legen." (S.17)

    So sieht es der Feuerwehrmann Montag, der Teil einer Mannschaft ist, dazu bestimmt die wenig versteckten und übrig gebliebenen Bücher dem Feuer zum Fraß vorzuwerfen.
    Doch dann begegnet er dem unkonventionellen Mädchen Clarisse McClellan, das ihn ansieht, ihm zuhört und ihm die Frage stellt:

    "Ist es wahr, dass die Feuerwehr einst Brände bekämpfte, statt sie zu entfachen?" (S.22)

    Eine Frage, die er verneint, die aber Spuren hinterlässt.

    "Was für eine seltsame Begegnung in der Nacht. Dergleichen war ihm noch nie vorgekommen, außer damals vor einem Jahr, als er nachmittags im Park einen alten Mann getroffen und sich mit ihm unterhalten hatte..." (S.25)

    Am gleichen Abend unternimmt seine Frau, deren Leben ganz von den Fernsehwänden und deren Programm in ihrem Appartement bestimmt ist, einen Selbstmordversuch, an den sie sich am nächsten Morgen nicht erinnern will oder kann.

    Amerika hat sich zu einer Diktatur gewandelt, in der das Denken ausgeschaltet werden soll und größtenteils ist. In eine Welt, in der die Menschen rund um die Uhr berieselt werden, in der Fernsehwirklichkeit mit der "Familie" leben, keine Muße und echte Freunde mehr haben, mit Autos rasen, um sich abzulenken, um nicht miteinander reden zu müssen.

    "Die Leute reden über gar nichts. (...) Sie zählen meist nur Automarken oder Kleider oder Schwimmbäder auf und sagen >einfach toll!< Aber alle sagen dasselbe, niemandem fällt je etwas anderes ein." (S.50)

    Beim nächsten Feuerwehreinsatz weigert sich eine alte Frau ihre Wohnung zu verlassen und verbrennt mit ihren Büchern, eines davon lässt Montag mitgehen. Dieser Einsatz verändert ihn - die Mitnahme des Buches, obwohl es nicht das erste ist, die Frau, die für ihre Bücher stirbt, die Grausamkeit der Feuerwehrleute. Und Clarisse ist verschwunden - wahrscheinlich überfahren von einem rasenden Auto. Am nächsten Morgen weigert er sich zur Arbeit zu gehen, so dass ihn der Feuerwehrhauptmann Beatty zuhause besucht - im Phönixwagen der Feuerwehr, um ihn davon zu überzeugen, dass Bücher Unheil bringen:

    "Einst hatten die Bücher nur zu wenigen gesprochen, die da und dort und überall verstreut waren. Sie konnten es sich leisten, voneinander abzuweichen. Die Welt war geräumig. Aber dann begann es in der Welt von Augen und Ellbogen und Mäulern zu wimmeln." (S.78)

    - denn in einer Diktatur sind voneinander abweichende Meinungen unerwünscht.

    Beatty erläutert Montag auch, dass die Welt immer schneller wird, die Informationen immer oberflächlicher, kurzlebiger, Leben im Zeitraffer.

    "Nimm, lies, schau! Jetzt, weiter, hier, dort, Tempo, auf, ab, rein, raus, warum, wie, wer, was, wo, eh? Uh? Ruck, zuck, Bim, Bam, Bumm? Zusammenfassungen von Zusammenfassungen, Zusammenfassungen der Zusammenfassungen von Zusammenfassungen. Poliitk? Eine Spalte, zwei Sätze, ein Schlagzeile! Und dann, mittendrin, ist plötzlich nicht mehr da. Wirbel den Geist des Menschen herum im Betrieb der Verlegen, Zwischenhändler, Ansager, dass das Teufelsrad alles überflüssige, zeitvergeudende Denken wegschleudert!" (S.80)

    "Es kam nicht von oben, von der Regierung. Es fing nicht mit Verordnungen und Zensur an, nein! Technik, Massenkultur und Minderheitendruck brachten es gottlob ganz von allein fertig. Dem verdanken wir es, wenn unser Dauerglück heute ungetrübt bleibt (...)" (S.83)

    Bücher verursachen Diskussionen, provozieren, stellen unterschiedliche Meinungen dar, vertreten Minderheiten, regen zum Denken an - also weg da mit, ist der Tenor von Beattys Rede, aber die Menschen selbst haben es soweit kommen lassen.

    Montag ist jedoch nicht mehr bereit zurückzugehen, er möchte die Bücher retten, erkennt jedoch mithilfe eines Intellektuellen:

    "Was Sie brauchen, sind nicht Bücher, sondern einiges von dem, was einst in Büchern stand." (S.113)

    Während er nach einer spektakulären Flucht Verbündete findet, Menschen, die Bücher in ihrem Geist tragen, bricht der Krieg aus und die Chance auf eine neue Welt erstrahlt am Horizont.

    "Sie waren durchaus nicht sicher, dass das, was sie im Kopf mit sich führten, jede künftige Morgenröte in reinerem Licht erstrahlen lassen würde; nichts war sicher, nur dass die Bücher hinter ihrer Stirn aufgehoben waren, dass die Bücher dort warteten, eingeschweißt, auf Käufer, die später einmal vorbeikommen mochten, manche mit sauberen, andere mit schmutzigen Fingern." (S.202)

    Die Büchermenschen vergleichen die Menschen mit dem Vogel Phönix, allerdings wissen wir Menschen

    "Was wir seit tausend Jahren an Wahnsinn angestellt habe, und solange wir das wissen und es uns immer wieder zu Gemüte führen, besteht Hoffnung, dass wir eines Tages doch einmal aufhören, diese verdammten Scheiterhaufen zu errichten und mitten hinein zu springen." (S.212)

    Ein etwas pathetischer, aber doch hoffnungsvolles Ende.

    Bewertung
    Ein starker Roman, die eine Zukunft malt, wie wir sie hoffentlich nicht erleben müssen - eine Welt ohne Bücher und schlimmer (fast) ohne das Wissen darum, was in ihnen geschrieben steht.

    Beeindruckt hat mich die Weitsicht Bradburys im Jahre 1953, er selbst spricht im Nachwort von der Prophezeiung des Hauptmanns Beatty:

    "Denn wenn sich die Welt mit Nichtlesern, Nichtlernern, Nichtwissern füllt, braucht man Bücher nicht mehr zu verbrennen, oder? Wenn sich die Welt mit Breitband-Basketball und Football in MTV ertränkt, braucht es keinen Beattys mehr, die Kerosin anzünden oder Leser jagen." (S.227)

    Eine sehr eindringliche Warnung und Bradbury nimmt interessanterweise die Eltern, Lehrer und Schüler in die Pflicht, "setzen Sie sich sich zu Ihrem Kind, schlagen Sie ein Buch auf, und beginnen Sie zu lesen." (S.227)

    Er selbst ist ein Liebhaber von Bibliotheksregalen, was auch in seiner Erzählung "Das Böse kommt auf leisen Sohlen" durchscheint, der entscheidende Kampf zwischen Gut und Böse spielt sich dort in einer Bibliothek ab. Und wie jene lange Erzählung ist auch dieser Roman sprachlich außergewöhnlich, wenn auch nicht so metaphernreich.

    Ein Roman, der zu Recht in Schulen gelesen wird - ein Plädoyer für das Lesen und immer noch brandaktuell ;)

  1. Ein Leben ohne Bücher?

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Apr 2016 

    Interessant finde ich ja schon mal, wie das Buch entstand. Gar nicht mit einem Mal als Roman, sondern vorab als Geschichten. Selbst ein Theaterstück hat er draus gemacht und eine Opernfassung geschrieben.

    Was für ein trauriges Leben muss das sein, keine Bücher besitzen zu dürfen. Montag scheint ja ein Geheimnis zu haben, ob es mit Büchern zusammenhängt? Wenn ja, hoffe ich nicht, dass er sich mal verrät. Mit solchen Gesprächen scheint er sich jedenfalls in Gefahr zu begeben:

    Montag besah sich die Karten in seiner Hand. „Ich – ich war in Gedanken bei dem Feuer von voriger Woche. Ich dachte an den Mann, dessen Bibliothek wir erledigten. Was geschah mit ihm?“ „Er wurde schreiend in eine Irrenanstalt eingeliefert.“
    „Er war doch nicht geistesgestört.“
    Beatty ordnete gelassen seine Karten. „Jeder ist geistesgestört, der meint, er könne die Regierung und uns hintergehen.“
    „Ich habe versucht mir vorzustellen“, sagte Montag, „wie einem dabei zumute ist. Ich meine, wenn die Feuerwehr unsere Häuser und unsere Bücher anzündet.“
    „Wir haben keine Bücher.“
    „Aber wenn wir welche hätten.“
    „Hast du denn welche?“
    „Nein.“ Montag sah über die andern hinweg auf die Wand mit den maschinengeschriebenen Verzeichnissen einer Million verbotener Bücher. Ihre Namen gingen jahraus, jahrein in Flammen auf unter seiner Axt und seinem Schlauch, der nicht Wasser, sondern Kerosin spie.

    Montags Entwicklung finde ich sehr interessant. Mit seiner Frau kann er ja wohl schon lange nicht mehr reden. Die ist den ganzen Tag von ihrer Familie an den Wänden umgeben. Lässt sich von Musik und Werbung berieseln. Selbst beim Schlafen hat sie diese Ohrstöpsel in den Ohren. Hat nicht mal mitbekommen, dass sie zu viele Schlaftabletten genommen hat.
    Und hat panische Angst, an diesem Leben was zu verändern. Ich bin gespannt auf ihre weitere Reaktion, nachdem Montag ihr die Bücher gezeigt hat, die er versteckt hat.

    Auf ein schönes Wortspiel Bradburys bin ich bei Wikipedia gestoßen: Montag ist ein amerikanischer Papierhersteller und Faber kenne ich als Bleistifthersteller.

 

DAS DING AUS DEM SEE: Horror-Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'DAS DING AUS DEM SEE: Horror-Thriller' von Greig Beck
NAN
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Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:357
Verlag:
EAN:
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SIMULATION: Die perfekte Illusion - Die perfekte Droge

Buchseite und Rezensionen zu 'SIMULATION: Die perfekte Illusion - Die perfekte Droge' von Matthias Clostermann
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

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Für den Computerspiele Entwickler Alex Stein geht ein Traum in Erfüllung. Sein gewagtes Projekt, mittels künstlicher Intelligenz und der Steuerung des menschlichen Nervensystems die virtuelle Realität zu revolutionieren, scheint tatsächlich zu funktionieren. Sein Prototyp erzeugt Simulationen für alle Sinne, die von realem Leben kaum zu unterscheiden sind. Alex Karriere in der Londoner Computerspiele Firma Realmind Systems entwickelt sich rasant. Doch während er in immer perfektere Simulationen eintaucht, beginnt sein reales Leben auseinander zu fallen. Viel zu spät bemerkt er, dass seine Erfindung nicht nur ein Spiel, sondern auch eine tödliche Droge ist, die zur Bedrohung für die gesamte Menschheit wird. Auf der Suche nach der Wahrheit hinter der künstlichen Welt muss er sich der eigenen, bitteren Realität stellen - einer Realität, der er mit aller Macht entfliehen wollte…

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:174
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "SIMULATION: Die perfekte Illusion - Die perfekte Droge"

  1. Ein Spielesimulator außer Kontrolle

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Feb 2021 

    Alex und Roger arbeiten für die Realmind Systems AG . Sie entwickeln ein Simulationsprogramm mittels künstlicher Intelligenz . Immer mehr zieht es Alex in die Simulationen hinein während er seine schwangere Frau und die normale Realität vernachlässigt .

    Die Spannung ist schon auf den ersten Seiten spürbar danach steigert sie sich von Kapitel zu Kapitel . Dabei ist der Schreibstil leicht und zügig zu lesen . Die Protagonisten passen sehr gut zur Geschichte sie sind glaubwürdig und ansprechend dargestellt .

    Fazit: Die einzelnen Kapitel sind nicht allzu lang so dass immer eine gewisse Spannung vorhanden ist . Faszinierend für mich war die selbstlernende Intelligenz , in dieser Geschichte wird sie Mutter genannt . Ich bin mit einer gewissen Skepsis an das Buch herangegangen auch weil mich das Cover nicht sehr angesprochen hatte . Aber mit jeder Seite die ich gelesen habe hat mich die Story mehr und mehr in ihren Bann gezogen . Da nicht allzu viele Charaktere mitspielen , was ich sehr angenehm empfand , ist dieser Thriller übersichtlich und ich kam zügig durch das Buch . Das Ende war für mich schön und ich empfand sogar Ruhe nach diesen atemberaubenden Seiten . Ich bin während des lesens von skeptisch auf begeistert umgestiegen . Für mich ist dieses Buch ein Lesehighlight und kann es absolut empfehlen .

 

Die Auslese - Die komplette Trilogie: Drei Romane in einem Band

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Auslese - Die komplette Trilogie: Drei Romane in einem Band' von Joelle Charbonneau
NAN
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Cia Vale ist eine der wenigen Kandidatinnen der jährlichen Auslese, bei der die zukünftigen Führer des Commonwealth ermittelt werden. Doch in diesem Spiel gilt: Entweder Sieg – oder Tod. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Tomas stellt Cia sich dem brutalen Auswahlverfahren. Doch sie weiß noch nicht, dass in der Hauptstadt nichts ist, wie es scheint und dass sie niemandem vertrauen darf. Denn die Regierung würde alles tun, um die grausame Realität hinter der Auslese verborgen zu halten. Cia muss sich entscheiden: für ein Leben ohne Vertrauen oder für eine Liebe, die sie das Leben kosten kann …

Format:Broschiert
Seiten:1120
EAN:9783734161841
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Cryptos

Buchseite und Rezensionen zu 'Cryptos' von  Loewe Jugendbücher
NAN
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Kerrybrook ist Janas Lieblingswelt: Ein idyllisches Fischerdorf mit viel Grün und geduckten Häuschen. Es gibt Schafe, gemütliche Pubs und vom Meer her weht ein kühler Wind. Manchmal lässt Jana es regnen. Meistens dann, wenn es an ihrem Arbeitsplatz mal wieder so heiß ist, dass man kaum mehr atmen kann. Jana ist Weltendesignerin. An ihrer Designstation entstehen alternative Realitäten, die sich so echt anfühlen wie das reale Leben: Fantasyländer, Urzeitkontinente, längst zerstörte Städte. Aber dann passiert ausgerechnet in Kerrybrook, der friedlichsten Welt von allen, ein spektakuläres Verbrechen. Und Jana ist gezwungen zu handeln …

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
EAN:9783743200500
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1984: Roman. Illustrierte Ausgabe

Buchseite und Rezensionen zu '1984: Roman. Illustrierte Ausgabe' von George Orwell
NAN
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1948 beendete George Orwell nach dreijähriger Arbeit seinen letzten Roman, der ihn weltberühmt machen sollte: »1984« schildert eine Welt, in der ein totalitärer Überwachungsstaat das Leben der Menschen bis ins Letzte bestimmt. Was Orwell, neben der sowjetischen Realität, noch als bedrohliche Perspektive sah, ist heute längst Wirklichkeit geworden, wenngleich es nicht (nur) Regierungen, sondern vor allem Konzerne sind, die uns aushorchen und beeinflussen. Frank Heibert legt mit seiner Neuübertragung einen ebenso mutigen wie souveränen Text vor, der die Bezeichnung übersetzerisches Meisterwerk rechtfertigt. Die Illustrationen von Reinhard Kleist lassen erkennen, wie tief auch er in diesen Roman eingedrungen ist, um ihn für unsere Zeit neu zu verorten. Neuübersetzung und künstlerische Gestaltung bilden eine Einheit – die definitive Ausgabe von »1984« für das 21. Jahrhundert.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
Verlag: FISCHER, S.
EAN:9783103900095
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1984

Buchseite und Rezensionen zu '1984' von George Orwell
4.9
4.9 von 5 (11 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "1984"

Im April des Jahres 1984 führt Winston Smith ein ödes und tristes Leben in London, einer düsteren Stadt im totalitären Staate Ozeanien, in der alle permanent vom Großen Bruder beobachtet und jeder Schritt und jedes Wort von der Gedankenpolizei überwacht werden. Winston, ein Mitglied der äußeren Partei, verbringt seine Tage damit, im Ministerium für Wahrheit die Geschichte so umzuschreiben, wie es die Regierung verfügt. Äußerlich angepasst, brodelt in ihm ein tiefer Hass gegen die Partei und das Regime, weil die Kluft zwischen der Propaganda, die er tagtäglich verfassen muss, und Realität, die er erlebt, zu groß ist. Ist er der einzige Mensch in diesem Staat, dessen Gedächtnis noch funktioniert und der bemerkt, dass die Partei alles zu ihren Gunsten manipuliert? Als er in Julia nicht nur seine große Liebe, sondern auch eine Gleichgesinnte findet, fasst er den Mut, mit ihr gemeinsam der geheimen Organisation der Bruderschaft beizutreten, die sich der Zerstörung der Partei verschrieben hat. Aber das stets wachsame System duldet keine Opposition, und auch an vermeintlich sicheren Orten lauert die totale Überwachung. Wird ihm die Gehirnwäsche oder gar die Vaporisierung drohen, die der Große Bruder für Andersdenkende und Regimegegner bereithält? George Orwells Dystopie 1984 hat auch über 70 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung nichts von ihrer Brisanz und Aktualität verloren. Seine albtraumhafte Vision des totalitären Überwachungsstaats Ozeanien, in dem die Menschen unter ständiger Überwachung durch eine allwissende Regierung leben, ist heute relevanter denn eh und je.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:400
EAN:9783868206074
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Rezensionen zu "1984"

  1. Eine zeitlose Dystopie

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Mär 2021 

    „Die besten Bücher […] sind solche, die dir sagen, was du ohnehin schon weißt.“ (S. 245)

    Gibt es passendes Wetter zum Verfassen einer Rezension zu einem Buch, das man schon etliche Mal gelesen hat? In diesem Moment öffnet der Himmel seine Schleusen, Wasser kommt in rauen Mengen daraus hervor und es ist stockdunkel – und ich schreibe eine Rezension zu einer von etlichen Neuübersetzungen von „1984“ von George Orwell; in diesem Fall die aus dem dtv-Verlag. Ich weiß gerade nicht, was ich davon halten soll…:-)

    Allerdings passt das Wetter perfekt zu der im Roman transportierten und vorherrschenden Stimmung. Auf den Inhalt gehe ich hier nicht großartig ein; der sollte hinreichend bekannt sein. Selbst Menschen, die den Roman noch nicht gelesen haben, werden mindestens einen Satz daraus kennen: „Big Brother is watching you.“ Wenn George Orwell zudem wüsste, was für ein TV-Trash nach seiner erfundenen Figur benannt wurde…Okay, lassen wir das.

    Die Ausgabe des dtv-Verlags wird eingeleitet von einem Vorwort von Robert Habeck. Kleiner Tipp für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben: lest das Vorwort als Nachwort; es wird (leider) viel vom Inhalt vorweggenommen, was ich äußerst schade finde. Diese „Praxis“ erschließt sich mir auch nicht ganz und ist eigentlich das Einzige, was mich hier wirklich gestört hat. Man kann zu Robert Habeck stehen wie man will – seinem Einleitungssatz „George Orwell ist der Analytiker des Totalitarismus“ (S. 5) muss man zustimmen.

    Außerdem gibt es nach dem für mich recht drögen und somit auch verzichtbaren Anhang des Romans „Die Grundlagen von NeuSprech“ ein recht informatives Nachwort des Übersetzers Lutz-W. Wolff, eine umfangreiche Liste an Anmerkungen, die das gelesene sehr gut ergänzen sowie eine ausführliche Zeittafel von George Orwells Leben.

    Alles in Allem hat der dtv-Verlag eine lohnens- und lesenswerte Neuausgabe der Mutter aller Dystopien herausgebracht, die ich mit dem größten Vergnügen mit 5* auszeichne.

    ©kingofmusic

  1. Erschreckend aktuell

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Feb 2021 

    Erschreckend aktuell

    1984 ist ein erstaunlicher Roman. Tatsächlich findet jeder, auch in der heutigen Zeit, zig Jahre nach dem das Buch erstmalig erschien, erschreckende und aktuelle Paralllelen. Bei jedem dürfte der Schwerpunkt etwas anders anders liegen, dennoch wird es keinen Leser kalt lassen. Egal ob das beklemmende Gefühl sich bei der Vorstellung einstellt, dass man immer und überall überwacht wird, oder bei der, dass ein Krieg strategisch eingesetzt werden könnte, um den Großteil der Bevölkerung unten zu halten.

    In 1984 wird dem Leser genau dieses System durch den Protagonisten Winston Smith, Mitglied der Staatspartei, näher gebracht. Nichts scheint Orwell dabei dem Zufall überlassen zu haben, auch den Namen seines Hauptcharakters wählte er mit bedacht.
    Winston wohnt in London, eine der größten Metropole Ozeaniens. 4 Ministerien sind dort dafür verantwortlich, dass das totalitäre Regime funktioniert. Ein Staat der überwacht, kontrolliert, und alles und jeden aufeinander aufhetzt.
    Eltern werden von ihren eigenen Kindern bespitzelt, denunziert, so dass man sich nirgendwo wirklich frei fühlen kann.
    Freiheit ist, wo 2+2 gleich 4 ist. Eine Erkenntnis, die Winston im Buch noch teuer zu stehen kommen wird. Winston versucht sich daran, eigenes Denken zuzulassen. Beim lesen spürt man förmlich, wie dieser Charakter versucht sich von dieser Kontrolle zu lösen. Für kurze Zeit ist im ein Gefühl von Freiheit und Liebe gestattet, aber Big Brother is watching you!

    Prinzipien wie Neusprech und Doppeldenk, die im Roman eine große Rolle spielen, sind ganz klar am Sozialismus angelehnt, und lassen immer wieder Parallelen zur deutschen Geschichte erkennen. In einem Interview sagte Orwell seiner Zeit, dass er seinen Roman als Satire sieht, dies lässt sich für mich, wahrscheinlich wegen dieses Hintergrundes, nicht so leicht nachvollziehen.
    Dies kräftigt meine persönliche Einstellung, dass jeder was anders mitnimmt während des Lesens. Jeder Leser wird seine eigenen Ängste bestätigt finden, seine Befürchtungen nicht mehr als unrealistisch ansehen.
    Ich empfinde 1984 definitiv als zeitlosen Klassiker, der sicher immer aktuell bleibt. Er kann zu jeder Zeit zum nachdenken anregen, daher hoffe ich, dass er weiterhin oft gelesen wird.
    Die Aufmachung der Ausgabe gefällt mir obendrein wirklich sehr gut, so dass ich gerne bereit bin, diesem Werk die volle Punktzahl zu geben.

  1. Zeitlos!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Feb 2021 

    1984, die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht. Drei große Machtblöcke, Ozeanien, Eurasien und Ostasien stehen in ständigen Krieg gegeneinander. Ozeanien ist ein totalitärer Überwachungsstaat. Winston Smith, der dort in Airstrip One (ehemals London) lebt ist Mitglied der äußeren Partei. An seinem Arbeitsplatz im Ministerium für Wahrheit berichtigt er Tag für Tag Zeitungsberichte, um die Vergangenheit den gegenwärtigen Zuständen anzupassen.

    In Winston Smiths Welt ist nichts privat. Jeder Vorgang wird über allgegenwärtige Teleschirme beobachtet. Der Große Bruder sieht alles, hört alles. Und doch kann er sich seinen Erinnerungen nicht entziehen. Er beginnt an der Partei, am Programm zu zweifeln. Er beginnt heimlich, in einem toten Winkel, Tagebuch zu führen. Er fängt eine verbotene Liebesbeziehung zu Julia an, will sich mit ihr einer Untergrundbewegung anschließen. Winston fasst Vertrauen zu O’Brien, einem Mitglied der inneren Partei.

    „Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“ „Unwissenheit ist Stärke“
    Euphemistische Parolen beeinflussen das Denken. Schon der Wunsch zum Widerstand ist ein Gedankenverbrechen.

    „Es gab kein Entrinnen. Nichts gehörte einem, bis auf die paar Kubikzentimeter im eigenen Schädel.“

    Doch Schlafanzug, Isolationshaft, Dauerverhöre, physische und psychische Folter können auch dieses Innerste nehmen.

    1984 war die erste Dystopie, die ich vor Jahrzehnten, noch zu Schulzeiten gelesen habe, und sie hat bis heute – selbst beim dritten Mal lesen - nichts an ihrer Aktualität verloren. George Orwell hat dieses Werk schon Ende der 1940er Jahre geschrieben und schon damals wie heute bleibt 1984 ein eindringliches Gleichnis und Mahnmal gegen Diktatur und Überwachung. "Damals" also in unseren 1980ern, in Friedenszeiten geboren und aufgewachsen - auf einer Insel der Seligen – hatten die Schreckensszenarien einer Diktatur nichts mit meinem eigenen Leben zu tun. Der Vergleich zu der Sowjetdiktatur drängte sich auf, der Kalte Krieg war aktuell. Aber wir haben das alles nur aus den Nachrichten erlebt.

    Beim heutigen Lesen ist aber das Szenario gar nicht so weit weg, unsere Überwachung schaffen wir uns größtenteils selbst. Die Veränderung von Nachrichten, Fake News, Lügenpresse, Manipulation (echte wie verschwörungstheoretische), alles täglich zu lesen.

    "Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit."

    Geschichte schreibt immer der Gewinner, wer die Macht hat kontrolliert die Information. Auch in scheinbar gefestigten Demokratien, wie wir es ganz aktuell in allen möglichen Staaten beobachten können.

    , „Neusprech“, „Doppeldenk“, die Veränderbarkeit der Vergangenheit sind nicht unbedingt Erfindungen Orwells, rhetorisch bestens geschulte Demagogen, die neue Wahrheiten schaffen, gab es und wird es immer geben. Heute hören wir Begriffe wie „alternative facts“ und „fake news“. Die neuen Medien, sozialen Netzwerke und das Leben in der Blase bieten dafür eine hervorragende Spielwiese. Wer an lautesten schreit, hat recht.

    Hervorheben will ich an dieser neuen Auflage in neuer Übersetzung den informativen Anhang und eine Zeittafel zu George Orwell, die sehr zum Verständnis und Interpretation des Romans 1984 beitragen.

  1. 1984 ist heute, ist morgen, ist immer

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Feb 2021 

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der für Großbritannien zwar mit einem Sieg endete, aber nichtsdestotrotz verheerende Folgen für das Land und seine Bewohner hatte, waren Zukunftsaussichten wohl weit entfernt von rosig und hoffnungsvoll. Doch was der Engländer George Orwell im Jahr 1948 dann für eine Zukunft in seinem Roman 1984 entwarf, das übersteigt wohl Vieles, was auf den ersten Blick vorstellbar erscheint. Oder nein! Hat er nicht nur ein wenig das weitergedacht, was die Bevölkerung der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts miterlebte?! Nämlich das Leben und Leiden unter sehr extremen diktatorischen Regimen. Von rechts aufgebaut in Deutschland, von links aufgebaut in der Sowjetunion. In ihren leidvollen Folgen für die Bevölkerung beide wohl ähnlich unvergleichlich! In dieser Gemengelage wagte Orwell einen Blick in die für ihn noch ferne Zukunft des Jahres 1984 und konnte für dieses Jahr literarisch nur eine Zukunft entwerfen, die die Erfahrungen mit den Diktaturen weitergesponnen und weiter radikalisiert hat.
    Den Lesern der 50er bis frühen 80er Jahre stand damit immer eine Zukunft vor Augen, fest verbunden mit dem Jahr 1984, die Drohung und Warnung in einem war. Auch ich gehörte damals in meiner Jugend zu den geschockten, bewegten und gleichwohl begeisterten Lesern, denn selten hat ein Buch das Blut in den Adern mir so gefrieren lassen und gleichzeitig die Freude am Leben in einer freiheitlichen Gesellschaft so angefeuert.
    Das Jahr 1984 liegt inzwischen weit in der Vergangenheit und auf den ersten Blick mag so die Thematik damit erledigt sein. Denn bei der Lektüre des Buches muss man nun die real in der Vergangenheit liegende Welt in eine Zukunft projizieren, ein Gedankenspiel, das sich Orwell und sein Verleger bei der Auswahl dieses Buchtitels so sicher nicht bewusst gemacht haben. Die Frage „Hat sich der Roman nach 1984 überlebt?“ liegt auf der Hand und musste auch von dem dtv-Verlag gestellt werden, der in diesem Jahr eine neue Übersetzung und Auflage herausgebracht haben.
    Als Antwort darauf bietet der Verlag ein Vorwort von Robert Habeck an, das eine – aus meiner Sicht – intelligente Einordnung des Romangeschehens in die Gegenwart und unsere aktuelle Zukunftsbetrachtung bietet. Ungern lese ich im Normalfall eine solche Interpretation eines Werkes im Vorhinein, nutze so etwas lieber als Nachbetrachtung in Gegenüberstellung und Konfrontation mit der eigenen Einschätzung über das Gelesene. Hier aber, denke ich, macht es ausnahmsweise auf Grundlage des oben ausgeführten Spannungsfeldes einmal Sinn, diesen Essay dem Roman voranzustellen und den Buchstoff gleich in die Zeit nach dem magischen Datum 1984 hinein zu holen. Dass der Verlag dtv damit aber nicht alle glücklich machen konnte, zeigen die Rezensionen, die zB bei amazon veröffentlicht sind und sehr weitgehend parteipolitische Frustrationen zeigen, die eigentlich mit dem Werk, das hoch politisch, aber sicher nicht parteipolitisch ist, nichts zu tun haben.
    Aber es hätte für mich der Einleitung durch Robert Habecks auch nicht bedurft, um mich auch bei dieser neuen Lektüre wieder zu packen. Was da im ersten Teil über den beruflichen und privaten Alltag des Protagonisten Winston Smith ausgeführt wird, das bedeutet die Schaffung eines dystopischen Gemäldes, wie es ausdrucksstärker wohl nicht sein kann. Die so komplett strukturierte Vereinnahmung des Individuums durch einen Staatsapparat, der ein nicht zu hinterfragendes Regime errichtet hat und dessen Weiterfunktionieren sichern möchte, das dem Leser einfach die Luft wegbleibt und eben das Blut in den Adern gefrieren lässt. Vor allem, weil ich bei dieser Lektüre aus der aktuellen Sicht auch erkennen musste, dass vieles von den staatlichen Tricks und Regeln auch in unserer gegenwärtigen Welt eine Rolle spielen. Alle Lebensbereiche, von der Sprache über die Freizeitgestaltung, von der Kindererziehung bis zur Geschichtsschreibung: alles bekommt ideologische Bedeutung und kann deshalb nicht losgelassen und dem Einzelnen überlassen werden, sondern muss komplett staatlich bestimmt und gleichgeschaltet werden. Das ist von Orwell herausragend erdacht, gestaltet und geschrieben!
    Wenn im zweiten Teil dann Winston immer mehr die Grenzen des Systems auszutesten und in die Bereiche von Widerstand vorzudringen beginnt, dann nimmt so langsam das Übel seinen Lauf. Es kann einfach kein gutes Ende nehmen. Der Staat in 1984 ist einfach zu optimal aufgestellt, um den Einzelnen unterdrücken und besiegen zu können. Um dieses staatliche „Optimalsystem“ zu verdeutlichen, nutzt Orwell den Kunstgriff eines „Buchs im Buch“, mit dem dem Leser die theoretischen Grundlagen des Sprachsystems im 1984-Staat dargelegt wird. Ob es dieses Kunstgriffs wirklich bedurfte, dazu habe ich eine eher skeptische Haltung. Ich halte die fiktionale Darlegung des Systems inklusive seiner Sprachpolitik im Roman schon für so ausdrucksstark, dass diese ausführliche Einlage verzichtbar gewesen wäre.
    Im dritten Teil dann kommt es, wie es kommen musste: der Sieg des Staates bedeutet eine Form der Auslöschung von Winston, wie sie stärker nicht sein kann.
    Mein Fazit: 1984 war und ist ein ungemein weitsichtiges Buch, das auch noch dem Leser von heute gekonnt vor Augen führt, was wir zu verlieren haben, wenn wir uns einem allmächtigen Staat überantworten und ihn diktatorisch gewähren lassen. Seine Möglichkeiten der Einflussnahme sind ja auch alles andere als kleiner geworden gegenüber einer Zeit, in der Orwell diese vorausschauende Dystopie entworfen hat.
    So wichtig wie nur eh und je. Dank an den dtv-Verlag für diese Neuausgabe, für die ich nicht anders kann als 5 Sterne zu vergeben, denn „JEDER LESE 1984!“

  1. Big Brother is watching you

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Feb 2021 

    Winston Smith arbeitet beim Ministerium für Wahrheit und schreibt dort die Geschichte zugunsten der Partei um. Doch sein innerer Widerstand gegen das totalitäre System voll strengster Regelungen wächst. Dann verliebt er sich verbotenerweise.

    Dieser Roman von George Orwell ist bereits sehr viele Jahre alt und wurde mit dieser Ausgabe neu übersetzt. Obwohl ich schon viel darüber gehört hatte, kannte ich den Roman bisher nicht und war deshalb sehr gespannt.
    Der Schreibstil ließ sich gut und zügig lesen und war leicht verständlich. Auch konnte ich mir die Szenen, die Personen und die ganzen Umstände bildhaft vorstellen.
    Die Charaktere wurden prima dargestellt. Winston war sehr sympathisch und ich konnte mich hervorragend in ihn hineindenken. Es war super interessant, ihn in seinem Leben zu begleiten und dabei seine Gedanken zu verfolgen. Auch die weiteren Personen waren super beschrieben und sie haben mich teilweise sehr zweifeln lassen, ob sie für oder gegen die Partei waren.
    Die Story wurde erstmals 1949 veröffentlicht und spielt im Jahr 1984. Diese Zukunftsvisionen dürften damals bereits ziemlich erschreckend gewesen sein. Aber auch heute haben sie nichts an Aktualität verloren. Ich fand die Erzählungen sehr bedrückend. Die Menschen sind aufgeteilt in drei Gruppen, nämlich die innere Partei, die äußere Partei sowie die Prolls. Die Einschneidungen, die die Partei den Menschen auferlegt, sind sehr hart. Die Vorstellung, unter diesen Bedingungen leben zu müssen, war sehr erschreckend. Deshalb lässt einen dieses Buch definitiv nachdenken und so manches Regime in der Vergangenheit und der Gegenwart mit neuen bzw. anderen Augen sehen. Wirklich erstaunlich, dass ein so alter Roman nichts an Aktualität verloren hat. 
    Das Ende war heftig und ließ mich absolut hoffnungslos und deprimiert zurück. Doch das passte einfach hervorragend zu dem Buch.

    Ein nachdenklich stimmender Roman, der wohl nie an Aktualität verlieren wird. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. DoppelDenk

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Feb 2021 

    Im Jahr 1984 ist Winston Smith gerade noch 39 Jahre. Er arbeitet im Ministerium der Wahrheit, wo er Berichte aus der Vergangenheit so anpasst, dass sie den Gegebenheiten der Gegenwart entsprechen. Winston weiß, was er tut und er macht es trotzdem. Schließlich ist es sein Job. In der Zeit der totalen Überwachung auch durch den TeleSchirm, der in seiner Wohnung hängt, wagt es Winston nicht, zu widerstehen. Aber Winston erinnert sich noch an die alte Zeit, bevor der große Bruder alles sah und alles wusste. Seine kleine Rebellion besteht darin, ein Tagebuch zu führen und sich seine Gedanken nicht immer vorgeben zu lassen.

    „1984“ ist sicherlich das bekannteste Werk von George Orwell. Beinahe prophetisch erscheint die Beschreibung eines totalitären Staates. Der Protagonist Winston Smith wirkt wie ein Hoffnungsträger, einer der Wenigen, die sich gegen das System stellen, wenn auch nur im Verborgenen. Langsam nimmt er sich größere Freiheiten heraus und fühlt sich erstmal gut. Ein Traum scheint in Erfüllung zu gehen, als eine junge Frau, die er flüchtig kennt, sich ihm anschließt. Teilt sie seine Überzeugungen? Oder geht es ihr mehr um eine Liebesbeziehung? Am liebsten möchte Winston die Zeit mit ihr einfach nur genießen.

    Egal, ob man das Buch in Jugendjahren schon einmal gelesen hat oder ob man Winston Smith zum ersten Mal begegnet, dieser Roman hat nichts von seiner Wirkung verloren. Gerade in der heutigen Zeit, wo manipulative Kräfte in sogenannten sozialen Medien wirken und Wahrheiten nicht beschrieben, sondern kreiert werden, überkommt einem bei der Lektüre ob der Weitsichtigkeit, sei sie beabsichtigt oder nicht, des Autors das Gruseln. In einer Ära, in der vieles gespeichert werden kann und die Information durch Algorithmen gelenkt werden, sollten Romane wie dieser eine Pflichtlektüre sein, um wenigstens die aufzuwecken, die dafür offen sind. Die Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit und sie muss sich wehren können und dürfen. Kaum zu glauben, dass der Autor schon vor siebzig Jahren viel zu früh verstorben ist.

  1. Gänsehaut pur

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Feb 2021 

    „Es war ein heller, kalter Apriltag. Die Uhren schlugen dreizehnmal.“ (S. 21) Ein erster Satz, der wachrüttelt.
    Wer kennt sie nicht, die bereits 1949 erstmals erschienene Dystopie? 1984 ist Kult, will mir scheinen: „George Orwell ist der Analytiker des Totalitarismus.“ (S. 5 aus dem Vorwort von Robert Habeck). Schön früh schrieb Orwell die Utopie eines Überwachungsstaates, der seine Bevölkerung unterdrückt, bis ins Kleinste kontrolliert und die Meinung gleichschaltet. Als Vorbild dienten ihm die Diktaturen in Sowjetrussland und Nazideutschland. Trotzdem ist 1984 nach wie vor hoch aktuell – alleine weil der technische Fortschritt Überwachungsmaßnahmen wesentlich einfacher macht.

    Ich selbst kannte den Roman nur vom Hörensagen. Insofern war die sehr ansprechend gestaltete Neu-Übersetzung des dtv Verlages eine willkommene Gelegenheit, den legendären Roman selbst zu lesen. Da Habeck in seinem Vorwort auch auf inhaltliche Zusammenhänge eingeht, empfehle ich, es erst im Anschluss an den Roman zu lesen.

    Zum Kerninhalt:
    Der Globus hat sich in drei Weltmächte aufgeteilt: Eurasia, Ostasia und Ozeania. Das ehemalige London ist Teil Ozeanias und Schauplatz der Geschichte. Das Land wird von der Partei des Großen Bruders beherrscht, die es in einen Überwachungsstaat umfunktioniert hat. Die Menschen werden rund um die Uhr mit TeleSchirmen bis hinein in ihre Wohnungen überwacht. Nachrichten, Kriegsgeschehen sowie geschichtliche Ereignisse werden regelmäßig verändert und an aktuelle Notwendigkeiten angepasst, denn „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft: Und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit (S.58).“ Hauptfigur Winston Smith ist für diese Tätigkeiten im Ministerium der Wahrheit (!) zuständig. Er sorgt dafür, dass alles zusammenpasst, er macht die Lüge zur Wahrheit. Winston gehört zum sogenannten äußeren Zirkel der Partei, aber er hat Zweifel. Im Gegensatz zu seinen Kollegen verfügt der Enddreißiger über Erinnerungen aus der Zeit vor der Revolution, die nicht zu den Proklamationen der Partei passen. Er sieht die Widersprüche und hinterfragt das System. Obwohl er weiß, dass er sich mit diesen „GedankenVerbrechen“ dem sicheren Tod ausliefert, kauft er ein Notizheft und beginnt ein Tagebuch zu schreiben. „GedankenVerbrechen führen nicht etwa zum Tod; GedankenVerbrechen sind schon der Tod.“ (S. 51) Das Schreiben wird nicht sein einziges Vergehen bleiben. Er verliebt sich, findet in Julia eine Mitstreiterin. Beide wollen sich der sogenannten Bruderschaft anschließen, um gegen den totalitären Staatsapparat anzukämpfen…

    Von der ersten Seite an ist man gefesselt. Man begleitet Winston in seinem Arbeitsalltag, erlebt, wie die Belegschaft beim Zwei-Minuten-Hass aufgepeitscht wird oder wie Kinder die eigenen Eltern bespitzeln. Menschen werden vaporisiert, das heißt, sie verschwinden einfach, als hätte es sie niemals gegeben. Angst, Folter, Gehirnwäsche sind die Mittel, um Delinquenten gefügig zu machen. Niemandem kann man trauen, es herrscht eine Atmosphäre aus Argwohn und Kälte, persönliche Beziehungen sind unerwünscht. Permanenter Krieg überzieht das Land, Not und Elend der einfachen, nicht in der Partei organisierten Bevölkerung (der Prolls, die rund 85% ausmachen) werden nicht nur billigend in Kauf genommen, Hunger und Mangel sind Mittel der Unterdrückung.

    Der gesamte Roman ist sehr deprimierend. Orwell schont seine Leser nicht, sondern macht sehr deutlich, was es für den Einzelnen heißt, in solch einem System zu leben und die Obrigkeit in Frage zu stellen. Das Buch ist nichts für Zartbesaitete, es hat mich an mehreren Stellen kalt erwischt. Trotzdem – oder gerade deswegen – halte ich das Buch für zeitlos lesenswert. Eben weil es so drastisch ist, eben weil es auch in heutigen Diktaturen und Unrechtsstaaten genau so oder ähnlich zugeht. Auch in Europa werden unliebsame Dissidenten über Jahre hinweg in Gefängnisse oder Arbeitslager geschickt, um ihre politische Brisanz zu brechen. Selbst der amerikanische Präsident kann bewiesene Wahrheiten als Fake-News abtun; Millionen von Menschen glauben ihm dennoch und wählen ihn trotzdem. China kontrolliert seine Bevölkerung mit modernsten Methoden weit stärker, als wir uns das vorstellen können. In vielen Ländern Afrikas und Vorderasiens herrscht Krieg: während die Bevölkerung hungert, schwelgen die Machthaber im Luxus. Hierzulande schaffen sich Menschen sprechende Multifunktionsgeräte an, die man bei unsachgemäßer Programmierung spielend als Überwachungstechnik nutzen könnte.

    Insofern ist 1984 gar nicht so weit weg. Es ist eine Warnung, den Anfängen zu wehren und genau hinzuschauen. Die vorliegende Neuauflage ist sprachlich ansprechend gestaltet. Lutz-W. Wolff hat etliche Anmerkungen zur Übersetzung im Anhang ergänzt, die dem Verständnis zu Gute kommen. Ebenso findet sich eine Zeittafel zu Leben und Werk George Orwells, die ich als sehr informativ empfunden habe.

    Das Buch ist ein Hammer. Kleine Schwachstellen ergeben sich für mich aus Redundanzen in Bezug auf das politische System und seine Werkzeuge. Da wäre für mich weniger etwas mehr gewesen. Nichts desto trotz ist 1984 ein besonderes Stück Literatur, das auch im 21. Jahrhundert unbedingt noch gelesen gehört.

  1. Ein Klassiker, der wieder aktuell ist

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Feb 2021 

    dtv hat den Klassiker, der bereits im Jahr 1949 zum ersten Mal erschienen ist, mit einem sehr ansprechenden Cover in einer neuen Übersetzung wieder aufgelegt. Neben der neuen Rechtschreibung sind auch die von Orwell erfundenen Begriffe wie "Neusprache" oder Zwiegedanke (alte Übersetzung) modernisiert worden: "NeuSprech" und DoppelDenk (neue Übersetzung).
    Warum sollte man diesen Roman heute (wieder) lesen?

    Das dem Roman vorangestellte Vorwort von Robert Habeck gibt eine Antwort darauf: "Georg Orwell ist der Analytiker des Totalitarismus" (5).

    Als ich selbst den Roman zum ersten Mal gelesen habe, Mitte der 90er, ging es mir so wie Habeck, es war "für mich eine Metapher für die totalitären Regime der dunkelsten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, des Stalinismus und des Nationalsozialismus." (8) Aber auch wenn der real existierende Sozialismus gescheitert ist, gewinnen autoritäre Regime an Zuspruch, rechter Populismus erfährt neuen Auftrieb und der Überwachung der Gesellschaft stimmen wir freiwillig zu, indem wir unsere Daten und unsere Privatsphäre preisgeben. Gerade im Zuge der Corona-Krise nutzen totalitäre Systeme, und nicht nur diese, die Gefahr durch das Virus radikal aus. Wie weit sind wir noch vom gläsernen Menschen entfernt? Auch die Manipulation durch die Sprache, die Umdeutung der Geschichte, die Frage, was die Wahrheit angesichts von Fake News und manipulierter Bilder ist, stellt sich heute dringender denn je. Der Roman zeigt, "wie nicht mehr zwischen Lüge und Wahrheit unterschieden werden kann. Und wenn das passiert, dann ist Demokratie am Ende." (12) Habeck spricht auch die Filterblasen und Twitterwolken an, in denen sozial selektierte Gesellschaften entstehen und ein Bewusstsein für abweichende Meinungen verloren geht. Das kann man gerade in der Corona-Krise gut beobachten.

    Zum Inhalt

    Winston Smith lebt einem totalitären Regime, in dem die Partei IngSoc - English Socialism - die Macht inne hat. Die Partei hat einen totalen Überwachungsstaat aufgebaut, so ist sie in der Lage, die Menschen in ihren Wohnungen per TeleSchirm zu beobachten. Die GedankenPolizei überwacht die Mimik und versucht jeden Gedanken, der illoyal ist und die Liebe zur Partei nicht widerspiegelt, sofort zu ahnden.

    Es gibt die Innere Partei, die weniger als 2% der Bevölkerung ausmacht, die Äußere Partei, ca. 13%, zu der auch Winston gehört, und die sogenannten Prolls, die den Rest der Gesellschaft ausmachen und keine Aufstiegschancen haben und so davon beansprucht werden, ihren Alltag zu meistern, dass sie sich nicht erheben.

    "Prolls werden nicht in die Partei aufgenommen. Nur die Begabtesten unter ihnen, die vielleicht zu einem Unruheherd werden könnten, werden von der Gedankenpolizei identifiziert und eliminiert." (257)

    Die Erde ist unter drei Großmächten aufgeteilt, Ozeania, Euroasien und Ostasien, die permanent im Krieg miteinander liegen und um die verbleibenden Gebiete kämpfen. Der Krieg dient dazu Armut aufrechtzuerhalten, denn "langfristig konnte eine hierarchische Gesellschaft nur auf einem Fundament von Armut und Dummheit bestehen." (234)

    An allem herrscht Mangel, Lebensmittel, Konsumgüter und Luxusartikel sind allenfalls für die Innere Partei erreichbar, während das Ministerium der Fülle davon spricht, allen gehe es besser als vor der Revolution. Nur billiger, synthetischer Gin ist reichlich vorhanden. Um das Leben erträglicher zu machen?

    Aber es gibt keine Vergleichsmöglichkeiten, da zum System ebenfalls gehört, die Vergangenheit permanent umzuschreiben und der Gegenwart anzupassen. Werden Lebensmittel rationiert, muss die Ankündigung, diese würden erhöht, neu geschrieben werden. Hat sich ein Parteiglied gegen die Partei gestellt, wird seine Existenz vernichtet, alle Zeitungsartikel, in denen er erwähnt wird, müssen überarbeitet werden.

    "Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit." (58)

    Das ist Winstons Beruf im Ministerium der Wahrheit (!), Zeitungsartikel umzuschreiben, die alten kommen in das sogenannte Erinnerungsloch und, weil es teilweise eine kreative Arbeit ist, empfindet Winston sogar eine gewisse Befriedigung dabei, obwohl er weiß, dass er dazu beigetragen hat, die Vergangenheit zu verfälschen.

    Umso revolutionärer ist es, dass er selbst beginnt, Tagebuch zu führen, seine geheimen Gedanken niederzuschreiben - in einem für den TeleSchirm unsichtbaren, winzigen Teil seiner Wohnung. Mit wem wird er diese Gedanken teilen können, für wen schreibt er diese nieder? Er glaubt, dass einer der Inneren Partei, O´Brien, ebenfalls selbstständig denkt. Ein beiläufig dahin gesprochener Satz vor einigen Jahren lässt ihn in diesem Glauben, er sei nicht der letzte Mensch in Europa - ein Titel, den Orwell zunächst für seinen Roman favorisierte.

    Sein "Freund" Syme hingegen ist ein Befürworter des Systems und arbeitet am endgültigen Lexikon von NeuSprech mit.

    "Verstehen Sie nicht, dass es beim NeuSprech vor allem darum geht, das Denken so zu verschlanken, dass GedankenVerbrechen gar nicht mehr möglich sind, weil es keine Wörter mehr gibt, um sie zu formulieren?" (S.78)

    Dadurch wird die "Reichweite des Bewusstseins" kleiner (78) und "das richtige Bewusstsein heißt Nichtdenken - gar nicht mehr denken müssen. Das richtige Bewusstsein ist die Bewusstlosigkeit." (79)

    Ein Zustand, von dem Winston weit entfernt ist. Seine verbotenen Gedanken kreisen darum, wie man sich in solch einem System Hoffnung auf eine Änderung bewahren und Kontakt zu denjenigen aufnehmen kann, die ebenso denken. Ob es möglich sein wird, Widerstand zu leisten und sich einen freien Willen zu bewahren?
    Orwells Dystopie gibt kaum Anlass zur Hoffnung, an der Situation könne sich etwas ändern.

    Fazit
    Auch wenn der Roman einige Längen aufweist, da Orwell in manchen Passagen zu viel erklärt, um sicher zu gehen, dass seine Botschaft verstanden wird, bleibt dieser Roman empfehlenswert und gehört für mich zu den Romanen, die man unbedingt gelesen haben sollte - gerade, weil er an Aktualität gewonnen hat!

  1. Verstörende Vision

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Feb 2021 

    Das Buch ist Weltliteratur. Big Brother ist in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen; sogar eine zweifelhafte Peepshow wurde nach ihm benannt. Siebzig Jahre nach dem ersten Erscheinen gibt es nun gleich mehrere Neuübersetzungen, darunter die sehr gelungene von Lutz-W. Wolff, die nicht nur die Tristesse und Ausweglosigkeit, sondern auch den poetischen Gehalt des Romans zur Geltung bringt.

    Im Jahr 1984, so Orwells Prämisse, gibt es nur noch drei Staaten auf der Welt, und in allen dreien wird mit Zwang und Überwachung regiert. Winston Smith, Bürger von Ozeanien und Londoner, ist Mitglied der regierenden (und einzigen) "Partei". Er muss es sein, denn die Nicht-Parteimitglieder - mit über 80 Prozent die große Mehrheit - werden im allgemeinen Sprachgebrauch nicht als Menschen betrachtet; sie sind sozusagen Verschleißmaterial für die grobe Arbeit. Schlecht versorgt und in Dummheit gehalten, genießen jene "Prolls" trotzdem eine gewisse persönliche Freiheit, während Parteimitglieder weder ein Privatleben haben noch überhaupt einen selbständigen Gedanken denken dürfen - ein unbedachtes Wort, ein Flüstern, sogar der falsche Gesichtsausdruck können zur Verhaftung führen. Winston Smith rebelliert im stillen gegen die Partei, versucht sich der Dauerüberwachung zu entziehen, führt heimlich Tagebuch und geht sogar eine streng verbotene Liebesbeziehung ein. Doch die Bedrohung ist allgegenwärtig, und in der düsteren Welt, die Orwell entwirft, gibt es kein Entkommen.

    Es ist schwierig, zu einem Buch, das einem so vertraut ist - ich habe "1984" in der alten Übersetzung ca. 1970, als Jugendliche, das erste Mal gelesen und später noch ein oder zwei weitere Male -, noch etwas Neues zu sagen. Aber erstaunlich ist nach wie vor die Aktualität dieser Schreckensvision; auch wenn wir zum Glück in einem Staat leben, der vom Einsatz einer Gedankenpolizei, staatlich verordneter Folter und Gehirnwäsche weit entfernt ist. Jedoch: Mit der Erfindung eines Gerätes, das es in fast jedem Haushalt gibt und das zugleich senden und empfangen kann, ist Orwell beängstigend nahe an unserer Realität - in meiner Jugend, als ich das Buch kennen lernte, noch reine Phantasie und eigentlich ein Alptraum -, heute ein normaler Gebrauchsgegenstand und meist freiwillig angeschafft. Die Verfälschung von Fotos und Filmen mit dem Ziel, die sichtbare Realität zu manipulieren, ist Bestandteil unseres Alltags, und "verordnete" Eingriffe in den Sprachgebrauch, auch der Alltagssprache, sind uns nicht fremd. Dass all dies derzeit ohne definiertes politisches Ziel geschieht, darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, welche Gefahr allein in der Gewöhnung an diese Mechanismen steckt. Der Übersetzer unserer Neuausgabe von "1984" weist in seinem Nachwort auf einige dieser Punkte hin. Sehr hilfreich ist übrigens auch der Anhang zum Buch, in dem einige wichtige Aspekte (z.B. die Verfügbarkeit von billigem Alkohol als politisches Mittel, die zitierten Kinderverse, die Topographie von London in Orwells Vorstellung der "Zukunft" u.a.) erklärt werden.

    Man sollte aber über dieses finstere Buch nicht sprechen, ohne auch die besonderen stilistischen Aspekte zu erwähnen. Die leitmotivisch wiederkehrenden Kinderreime, die der Übersetzer im Anhang erklärt. Das überaus starke Bild der im Café sitzenden Dissidenten - wie ein Standfoto -, das sich am Ende fast exakt wiederholt. Die "kleinen Fluchten", die Winston Smith sich herausnimmt - sein gläserner Briefbeschwerer, Vogelgesang, seine Jugenderinnerungen, die quälend und tröstend zugleich wirken. Auch hier ist die Arbeit des Übersetzers hervorzuheben (ich habe eine alte Übersetzung zur Hand und finde vieles besser gelöst, auch die "neusprachlichen" Phrasen).

    Fazit: Ein unbedingt lesenswertes Buch in sehr ansprechender Neuausgabe!

  1. Knallhart, verstörend zeitlos

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Feb 2021 

    Es gibt Bücher, die zu Recht Klassiker geworden sind. „1984“ steht ganz oben auf dieser Liste. Ich habe es vor Jahren in der Schule gelesen und war gespannt, ob es mich noch genauso packen kann und ob diese Neuübersetzung ein Gewinn ist.
    Ich weiß noch, dass ich es damals fasziniert in einem Rutsch gelesen habe. Jetzt fesselt es genauso, eine tolle Mischung aus bösem Humor, krassester Satire und hoffnungsloser Tristesse.

    George Orwell hat 1949 einen Überwachungsstaat ersonnen, der uns heute noch befremdet und in vielerlei Hinsicht wachrüttelt. Man fühlt sich an das Naziregime erinnert, wenn Menschen, die gegen das Regime arbeiten, vaporisiert werden. Und wenn dann Regierung und Presse eigene Wahrheiten verbreiten, sogar widersprüchliche Belege aus der Vergangenheit vernichten, sieht man wohin Fake News führen können und ist erschüttert. Manch gruselige Einzelheit in diesem Buch gemahnt auch an höchst aktuelle Probleme.

    Dieser Gesellschaftsentwurf geht in vielerlei Hinsicht an die Grenzen und spielt auch den zynischsten Gedanken durch bis zur letzten Konsequenz. Das hat damals Aufsehen erregt und trifft auch noch heute.

    „Es ist ausgeschlossen, dass es in unserer Lebenszeit noch zu irgendwelchen wahrnehmbaren Veränderungen kommt. Wir sind die Toten.“

    Das ist knallhart, verstörend, und erbarmungslos. Ein Buch, das kein Blatt vor den Mund nimmt und einen umhaut.

    Ob es nötig war, den Text neu zu übersetzen, mag ich nicht beurteilen. Ich habe einige Textstellen verglichen und denke, das ist Geschmackssache. Optisch ist diese schön gestaltete Neuausgabe auf jeden Fall ein Gewinn. Umfangreiches Zusatzmaterial rundet das Leseerlebnis ab, wobei ich das kluge, erhellende Vorwort von Herrn Habeck lieber als Nachwort gelesen hätte. Es nimmt einiges vorweg, lesenswert ist es dennoch.

    „1984“ ist ein Buch mit Zündstoff, das offensichtlich zu jeder Zeit seine Wirkung entfalten kann, ein Buch, das man immer wieder lesen kann und sollte.

  1. Genialer Klassiker

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Jan 2015 

    George Orwell schildert spannend das Schicksal von Winston Smith im fiktiven totalitären Ozeanien. Winston Smith scheint sich anfangs mit dem strikten System arrangiert zu haben. Dass die Bürger Tag und Nacht überwacht werden (Teleschirm), es wird sogar rückwirkend die Geschichte umgeschrieben, denn wer die Gegenwart kontrolliert, kontrollliert gleichzeitig die Zukunft und Vergangenheit, Winston hat dies akzeptiert. Eine intensive Liebesbeziehung sorgt aber dafür das er ins zweifeln kommt.Er beginnt sich gegen dieses System aufzulehnen Die Konsequenzen seiner Auflehnung sind schliesslich brutal und endgültig. Nach monatelangen Folterungen ist Winston am Ende ein gebrochener Mann. Am ende glaub Winston sogar wieder selbst dass er den grossen Bruder Liebt.

    Ich habe das Buch in der Wühlkiste in meinem Lieblingsbuchladen gefunden und gleich durchgelesen
    momentan ist es aktueller den je wer auf Dystopien steht dem kann ich es sehr empfehlen.

 

1984

Buchseite und Rezensionen zu '1984' von George Orwell
4.9
4.9 von 5 (11 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "1984"

London, 1984: Winston Smith, Geschichtsfälscher im Staatsdienst, verliebt sich in die schöne und geheimnisvolle Julia. Gemeinsam beginnen sie, die totalitäre Welt infrage zu stellen, als Teil derer sie bisher funktioniert haben. Doch bereits ihre Gedanken sind Verbrechen, und der Große Bruder richtet seinen stets wachsamen Blick auf jeden potenziellen Dissidenten. George Orwells Vision eines totalitären Staats, in dem Cyberüberwachung, Geschichtsrevisionismus und Gedankenpolizei den Alltag gläserner Bürger bestimmen, hat wie keine andere Dystopie bis heute nur an Brisanz gewonnen. Neu übersetzt von Jan Strümpel

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:400
Verlag:
EAN:9783730609767
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Rezensionen zu "1984"

  1. Eine zeitlose Dystopie

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Mär 2021 

    „Die besten Bücher […] sind solche, die dir sagen, was du ohnehin schon weißt.“ (S. 245)

    Gibt es passendes Wetter zum Verfassen einer Rezension zu einem Buch, das man schon etliche Mal gelesen hat? In diesem Moment öffnet der Himmel seine Schleusen, Wasser kommt in rauen Mengen daraus hervor und es ist stockdunkel – und ich schreibe eine Rezension zu einer von etlichen Neuübersetzungen von „1984“ von George Orwell; in diesem Fall die aus dem dtv-Verlag. Ich weiß gerade nicht, was ich davon halten soll…:-)

    Allerdings passt das Wetter perfekt zu der im Roman transportierten und vorherrschenden Stimmung. Auf den Inhalt gehe ich hier nicht großartig ein; der sollte hinreichend bekannt sein. Selbst Menschen, die den Roman noch nicht gelesen haben, werden mindestens einen Satz daraus kennen: „Big Brother is watching you.“ Wenn George Orwell zudem wüsste, was für ein TV-Trash nach seiner erfundenen Figur benannt wurde…Okay, lassen wir das.

    Die Ausgabe des dtv-Verlags wird eingeleitet von einem Vorwort von Robert Habeck. Kleiner Tipp für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben: lest das Vorwort als Nachwort; es wird (leider) viel vom Inhalt vorweggenommen, was ich äußerst schade finde. Diese „Praxis“ erschließt sich mir auch nicht ganz und ist eigentlich das Einzige, was mich hier wirklich gestört hat. Man kann zu Robert Habeck stehen wie man will – seinem Einleitungssatz „George Orwell ist der Analytiker des Totalitarismus“ (S. 5) muss man zustimmen.

    Außerdem gibt es nach dem für mich recht drögen und somit auch verzichtbaren Anhang des Romans „Die Grundlagen von NeuSprech“ ein recht informatives Nachwort des Übersetzers Lutz-W. Wolff, eine umfangreiche Liste an Anmerkungen, die das gelesene sehr gut ergänzen sowie eine ausführliche Zeittafel von George Orwells Leben.

    Alles in Allem hat der dtv-Verlag eine lohnens- und lesenswerte Neuausgabe der Mutter aller Dystopien herausgebracht, die ich mit dem größten Vergnügen mit 5* auszeichne.

    ©kingofmusic

  1. Erschreckend aktuell

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Feb 2021 

    Erschreckend aktuell

    1984 ist ein erstaunlicher Roman. Tatsächlich findet jeder, auch in der heutigen Zeit, zig Jahre nach dem das Buch erstmalig erschien, erschreckende und aktuelle Paralllelen. Bei jedem dürfte der Schwerpunkt etwas anders anders liegen, dennoch wird es keinen Leser kalt lassen. Egal ob das beklemmende Gefühl sich bei der Vorstellung einstellt, dass man immer und überall überwacht wird, oder bei der, dass ein Krieg strategisch eingesetzt werden könnte, um den Großteil der Bevölkerung unten zu halten.

    In 1984 wird dem Leser genau dieses System durch den Protagonisten Winston Smith, Mitglied der Staatspartei, näher gebracht. Nichts scheint Orwell dabei dem Zufall überlassen zu haben, auch den Namen seines Hauptcharakters wählte er mit bedacht.
    Winston wohnt in London, eine der größten Metropole Ozeaniens. 4 Ministerien sind dort dafür verantwortlich, dass das totalitäre Regime funktioniert. Ein Staat der überwacht, kontrolliert, und alles und jeden aufeinander aufhetzt.
    Eltern werden von ihren eigenen Kindern bespitzelt, denunziert, so dass man sich nirgendwo wirklich frei fühlen kann.
    Freiheit ist, wo 2+2 gleich 4 ist. Eine Erkenntnis, die Winston im Buch noch teuer zu stehen kommen wird. Winston versucht sich daran, eigenes Denken zuzulassen. Beim lesen spürt man förmlich, wie dieser Charakter versucht sich von dieser Kontrolle zu lösen. Für kurze Zeit ist im ein Gefühl von Freiheit und Liebe gestattet, aber Big Brother is watching you!

    Prinzipien wie Neusprech und Doppeldenk, die im Roman eine große Rolle spielen, sind ganz klar am Sozialismus angelehnt, und lassen immer wieder Parallelen zur deutschen Geschichte erkennen. In einem Interview sagte Orwell seiner Zeit, dass er seinen Roman als Satire sieht, dies lässt sich für mich, wahrscheinlich wegen dieses Hintergrundes, nicht so leicht nachvollziehen.
    Dies kräftigt meine persönliche Einstellung, dass jeder was anders mitnimmt während des Lesens. Jeder Leser wird seine eigenen Ängste bestätigt finden, seine Befürchtungen nicht mehr als unrealistisch ansehen.
    Ich empfinde 1984 definitiv als zeitlosen Klassiker, der sicher immer aktuell bleibt. Er kann zu jeder Zeit zum nachdenken anregen, daher hoffe ich, dass er weiterhin oft gelesen wird.
    Die Aufmachung der Ausgabe gefällt mir obendrein wirklich sehr gut, so dass ich gerne bereit bin, diesem Werk die volle Punktzahl zu geben.

  1. Zeitlos!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Feb 2021 

    1984, die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht. Drei große Machtblöcke, Ozeanien, Eurasien und Ostasien stehen in ständigen Krieg gegeneinander. Ozeanien ist ein totalitärer Überwachungsstaat. Winston Smith, der dort in Airstrip One (ehemals London) lebt ist Mitglied der äußeren Partei. An seinem Arbeitsplatz im Ministerium für Wahrheit berichtigt er Tag für Tag Zeitungsberichte, um die Vergangenheit den gegenwärtigen Zuständen anzupassen.

    In Winston Smiths Welt ist nichts privat. Jeder Vorgang wird über allgegenwärtige Teleschirme beobachtet. Der Große Bruder sieht alles, hört alles. Und doch kann er sich seinen Erinnerungen nicht entziehen. Er beginnt an der Partei, am Programm zu zweifeln. Er beginnt heimlich, in einem toten Winkel, Tagebuch zu führen. Er fängt eine verbotene Liebesbeziehung zu Julia an, will sich mit ihr einer Untergrundbewegung anschließen. Winston fasst Vertrauen zu O’Brien, einem Mitglied der inneren Partei.

    „Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“ „Unwissenheit ist Stärke“
    Euphemistische Parolen beeinflussen das Denken. Schon der Wunsch zum Widerstand ist ein Gedankenverbrechen.

    „Es gab kein Entrinnen. Nichts gehörte einem, bis auf die paar Kubikzentimeter im eigenen Schädel.“

    Doch Schlafanzug, Isolationshaft, Dauerverhöre, physische und psychische Folter können auch dieses Innerste nehmen.

    1984 war die erste Dystopie, die ich vor Jahrzehnten, noch zu Schulzeiten gelesen habe, und sie hat bis heute – selbst beim dritten Mal lesen - nichts an ihrer Aktualität verloren. George Orwell hat dieses Werk schon Ende der 1940er Jahre geschrieben und schon damals wie heute bleibt 1984 ein eindringliches Gleichnis und Mahnmal gegen Diktatur und Überwachung. "Damals" also in unseren 1980ern, in Friedenszeiten geboren und aufgewachsen - auf einer Insel der Seligen – hatten die Schreckensszenarien einer Diktatur nichts mit meinem eigenen Leben zu tun. Der Vergleich zu der Sowjetdiktatur drängte sich auf, der Kalte Krieg war aktuell. Aber wir haben das alles nur aus den Nachrichten erlebt.

    Beim heutigen Lesen ist aber das Szenario gar nicht so weit weg, unsere Überwachung schaffen wir uns größtenteils selbst. Die Veränderung von Nachrichten, Fake News, Lügenpresse, Manipulation (echte wie verschwörungstheoretische), alles täglich zu lesen.

    "Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit."

    Geschichte schreibt immer der Gewinner, wer die Macht hat kontrolliert die Information. Auch in scheinbar gefestigten Demokratien, wie wir es ganz aktuell in allen möglichen Staaten beobachten können.

    , „Neusprech“, „Doppeldenk“, die Veränderbarkeit der Vergangenheit sind nicht unbedingt Erfindungen Orwells, rhetorisch bestens geschulte Demagogen, die neue Wahrheiten schaffen, gab es und wird es immer geben. Heute hören wir Begriffe wie „alternative facts“ und „fake news“. Die neuen Medien, sozialen Netzwerke und das Leben in der Blase bieten dafür eine hervorragende Spielwiese. Wer an lautesten schreit, hat recht.

    Hervorheben will ich an dieser neuen Auflage in neuer Übersetzung den informativen Anhang und eine Zeittafel zu George Orwell, die sehr zum Verständnis und Interpretation des Romans 1984 beitragen.

  1. 1984 ist heute, ist morgen, ist immer

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Feb 2021 

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der für Großbritannien zwar mit einem Sieg endete, aber nichtsdestotrotz verheerende Folgen für das Land und seine Bewohner hatte, waren Zukunftsaussichten wohl weit entfernt von rosig und hoffnungsvoll. Doch was der Engländer George Orwell im Jahr 1948 dann für eine Zukunft in seinem Roman 1984 entwarf, das übersteigt wohl Vieles, was auf den ersten Blick vorstellbar erscheint. Oder nein! Hat er nicht nur ein wenig das weitergedacht, was die Bevölkerung der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts miterlebte?! Nämlich das Leben und Leiden unter sehr extremen diktatorischen Regimen. Von rechts aufgebaut in Deutschland, von links aufgebaut in der Sowjetunion. In ihren leidvollen Folgen für die Bevölkerung beide wohl ähnlich unvergleichlich! In dieser Gemengelage wagte Orwell einen Blick in die für ihn noch ferne Zukunft des Jahres 1984 und konnte für dieses Jahr literarisch nur eine Zukunft entwerfen, die die Erfahrungen mit den Diktaturen weitergesponnen und weiter radikalisiert hat.
    Den Lesern der 50er bis frühen 80er Jahre stand damit immer eine Zukunft vor Augen, fest verbunden mit dem Jahr 1984, die Drohung und Warnung in einem war. Auch ich gehörte damals in meiner Jugend zu den geschockten, bewegten und gleichwohl begeisterten Lesern, denn selten hat ein Buch das Blut in den Adern mir so gefrieren lassen und gleichzeitig die Freude am Leben in einer freiheitlichen Gesellschaft so angefeuert.
    Das Jahr 1984 liegt inzwischen weit in der Vergangenheit und auf den ersten Blick mag so die Thematik damit erledigt sein. Denn bei der Lektüre des Buches muss man nun die real in der Vergangenheit liegende Welt in eine Zukunft projizieren, ein Gedankenspiel, das sich Orwell und sein Verleger bei der Auswahl dieses Buchtitels so sicher nicht bewusst gemacht haben. Die Frage „Hat sich der Roman nach 1984 überlebt?“ liegt auf der Hand und musste auch von dem dtv-Verlag gestellt werden, der in diesem Jahr eine neue Übersetzung und Auflage herausgebracht haben.
    Als Antwort darauf bietet der Verlag ein Vorwort von Robert Habeck an, das eine – aus meiner Sicht – intelligente Einordnung des Romangeschehens in die Gegenwart und unsere aktuelle Zukunftsbetrachtung bietet. Ungern lese ich im Normalfall eine solche Interpretation eines Werkes im Vorhinein, nutze so etwas lieber als Nachbetrachtung in Gegenüberstellung und Konfrontation mit der eigenen Einschätzung über das Gelesene. Hier aber, denke ich, macht es ausnahmsweise auf Grundlage des oben ausgeführten Spannungsfeldes einmal Sinn, diesen Essay dem Roman voranzustellen und den Buchstoff gleich in die Zeit nach dem magischen Datum 1984 hinein zu holen. Dass der Verlag dtv damit aber nicht alle glücklich machen konnte, zeigen die Rezensionen, die zB bei amazon veröffentlicht sind und sehr weitgehend parteipolitische Frustrationen zeigen, die eigentlich mit dem Werk, das hoch politisch, aber sicher nicht parteipolitisch ist, nichts zu tun haben.
    Aber es hätte für mich der Einleitung durch Robert Habecks auch nicht bedurft, um mich auch bei dieser neuen Lektüre wieder zu packen. Was da im ersten Teil über den beruflichen und privaten Alltag des Protagonisten Winston Smith ausgeführt wird, das bedeutet die Schaffung eines dystopischen Gemäldes, wie es ausdrucksstärker wohl nicht sein kann. Die so komplett strukturierte Vereinnahmung des Individuums durch einen Staatsapparat, der ein nicht zu hinterfragendes Regime errichtet hat und dessen Weiterfunktionieren sichern möchte, das dem Leser einfach die Luft wegbleibt und eben das Blut in den Adern gefrieren lässt. Vor allem, weil ich bei dieser Lektüre aus der aktuellen Sicht auch erkennen musste, dass vieles von den staatlichen Tricks und Regeln auch in unserer gegenwärtigen Welt eine Rolle spielen. Alle Lebensbereiche, von der Sprache über die Freizeitgestaltung, von der Kindererziehung bis zur Geschichtsschreibung: alles bekommt ideologische Bedeutung und kann deshalb nicht losgelassen und dem Einzelnen überlassen werden, sondern muss komplett staatlich bestimmt und gleichgeschaltet werden. Das ist von Orwell herausragend erdacht, gestaltet und geschrieben!
    Wenn im zweiten Teil dann Winston immer mehr die Grenzen des Systems auszutesten und in die Bereiche von Widerstand vorzudringen beginnt, dann nimmt so langsam das Übel seinen Lauf. Es kann einfach kein gutes Ende nehmen. Der Staat in 1984 ist einfach zu optimal aufgestellt, um den Einzelnen unterdrücken und besiegen zu können. Um dieses staatliche „Optimalsystem“ zu verdeutlichen, nutzt Orwell den Kunstgriff eines „Buchs im Buch“, mit dem dem Leser die theoretischen Grundlagen des Sprachsystems im 1984-Staat dargelegt wird. Ob es dieses Kunstgriffs wirklich bedurfte, dazu habe ich eine eher skeptische Haltung. Ich halte die fiktionale Darlegung des Systems inklusive seiner Sprachpolitik im Roman schon für so ausdrucksstark, dass diese ausführliche Einlage verzichtbar gewesen wäre.
    Im dritten Teil dann kommt es, wie es kommen musste: der Sieg des Staates bedeutet eine Form der Auslöschung von Winston, wie sie stärker nicht sein kann.
    Mein Fazit: 1984 war und ist ein ungemein weitsichtiges Buch, das auch noch dem Leser von heute gekonnt vor Augen führt, was wir zu verlieren haben, wenn wir uns einem allmächtigen Staat überantworten und ihn diktatorisch gewähren lassen. Seine Möglichkeiten der Einflussnahme sind ja auch alles andere als kleiner geworden gegenüber einer Zeit, in der Orwell diese vorausschauende Dystopie entworfen hat.
    So wichtig wie nur eh und je. Dank an den dtv-Verlag für diese Neuausgabe, für die ich nicht anders kann als 5 Sterne zu vergeben, denn „JEDER LESE 1984!“

  1. Big Brother is watching you

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Feb 2021 

    Winston Smith arbeitet beim Ministerium für Wahrheit und schreibt dort die Geschichte zugunsten der Partei um. Doch sein innerer Widerstand gegen das totalitäre System voll strengster Regelungen wächst. Dann verliebt er sich verbotenerweise.

    Dieser Roman von George Orwell ist bereits sehr viele Jahre alt und wurde mit dieser Ausgabe neu übersetzt. Obwohl ich schon viel darüber gehört hatte, kannte ich den Roman bisher nicht und war deshalb sehr gespannt.
    Der Schreibstil ließ sich gut und zügig lesen und war leicht verständlich. Auch konnte ich mir die Szenen, die Personen und die ganzen Umstände bildhaft vorstellen.
    Die Charaktere wurden prima dargestellt. Winston war sehr sympathisch und ich konnte mich hervorragend in ihn hineindenken. Es war super interessant, ihn in seinem Leben zu begleiten und dabei seine Gedanken zu verfolgen. Auch die weiteren Personen waren super beschrieben und sie haben mich teilweise sehr zweifeln lassen, ob sie für oder gegen die Partei waren.
    Die Story wurde erstmals 1949 veröffentlicht und spielt im Jahr 1984. Diese Zukunftsvisionen dürften damals bereits ziemlich erschreckend gewesen sein. Aber auch heute haben sie nichts an Aktualität verloren. Ich fand die Erzählungen sehr bedrückend. Die Menschen sind aufgeteilt in drei Gruppen, nämlich die innere Partei, die äußere Partei sowie die Prolls. Die Einschneidungen, die die Partei den Menschen auferlegt, sind sehr hart. Die Vorstellung, unter diesen Bedingungen leben zu müssen, war sehr erschreckend. Deshalb lässt einen dieses Buch definitiv nachdenken und so manches Regime in der Vergangenheit und der Gegenwart mit neuen bzw. anderen Augen sehen. Wirklich erstaunlich, dass ein so alter Roman nichts an Aktualität verloren hat. 
    Das Ende war heftig und ließ mich absolut hoffnungslos und deprimiert zurück. Doch das passte einfach hervorragend zu dem Buch.

    Ein nachdenklich stimmender Roman, der wohl nie an Aktualität verlieren wird. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. DoppelDenk

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Feb 2021 

    Im Jahr 1984 ist Winston Smith gerade noch 39 Jahre. Er arbeitet im Ministerium der Wahrheit, wo er Berichte aus der Vergangenheit so anpasst, dass sie den Gegebenheiten der Gegenwart entsprechen. Winston weiß, was er tut und er macht es trotzdem. Schließlich ist es sein Job. In der Zeit der totalen Überwachung auch durch den TeleSchirm, der in seiner Wohnung hängt, wagt es Winston nicht, zu widerstehen. Aber Winston erinnert sich noch an die alte Zeit, bevor der große Bruder alles sah und alles wusste. Seine kleine Rebellion besteht darin, ein Tagebuch zu führen und sich seine Gedanken nicht immer vorgeben zu lassen.

    „1984“ ist sicherlich das bekannteste Werk von George Orwell. Beinahe prophetisch erscheint die Beschreibung eines totalitären Staates. Der Protagonist Winston Smith wirkt wie ein Hoffnungsträger, einer der Wenigen, die sich gegen das System stellen, wenn auch nur im Verborgenen. Langsam nimmt er sich größere Freiheiten heraus und fühlt sich erstmal gut. Ein Traum scheint in Erfüllung zu gehen, als eine junge Frau, die er flüchtig kennt, sich ihm anschließt. Teilt sie seine Überzeugungen? Oder geht es ihr mehr um eine Liebesbeziehung? Am liebsten möchte Winston die Zeit mit ihr einfach nur genießen.

    Egal, ob man das Buch in Jugendjahren schon einmal gelesen hat oder ob man Winston Smith zum ersten Mal begegnet, dieser Roman hat nichts von seiner Wirkung verloren. Gerade in der heutigen Zeit, wo manipulative Kräfte in sogenannten sozialen Medien wirken und Wahrheiten nicht beschrieben, sondern kreiert werden, überkommt einem bei der Lektüre ob der Weitsichtigkeit, sei sie beabsichtigt oder nicht, des Autors das Gruseln. In einer Ära, in der vieles gespeichert werden kann und die Information durch Algorithmen gelenkt werden, sollten Romane wie dieser eine Pflichtlektüre sein, um wenigstens die aufzuwecken, die dafür offen sind. Die Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit und sie muss sich wehren können und dürfen. Kaum zu glauben, dass der Autor schon vor siebzig Jahren viel zu früh verstorben ist.

  1. Gänsehaut pur

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Feb 2021 

    „Es war ein heller, kalter Apriltag. Die Uhren schlugen dreizehnmal.“ (S. 21) Ein erster Satz, der wachrüttelt.
    Wer kennt sie nicht, die bereits 1949 erstmals erschienene Dystopie? 1984 ist Kult, will mir scheinen: „George Orwell ist der Analytiker des Totalitarismus.“ (S. 5 aus dem Vorwort von Robert Habeck). Schön früh schrieb Orwell die Utopie eines Überwachungsstaates, der seine Bevölkerung unterdrückt, bis ins Kleinste kontrolliert und die Meinung gleichschaltet. Als Vorbild dienten ihm die Diktaturen in Sowjetrussland und Nazideutschland. Trotzdem ist 1984 nach wie vor hoch aktuell – alleine weil der technische Fortschritt Überwachungsmaßnahmen wesentlich einfacher macht.

    Ich selbst kannte den Roman nur vom Hörensagen. Insofern war die sehr ansprechend gestaltete Neu-Übersetzung des dtv Verlages eine willkommene Gelegenheit, den legendären Roman selbst zu lesen. Da Habeck in seinem Vorwort auch auf inhaltliche Zusammenhänge eingeht, empfehle ich, es erst im Anschluss an den Roman zu lesen.

    Zum Kerninhalt:
    Der Globus hat sich in drei Weltmächte aufgeteilt: Eurasia, Ostasia und Ozeania. Das ehemalige London ist Teil Ozeanias und Schauplatz der Geschichte. Das Land wird von der Partei des Großen Bruders beherrscht, die es in einen Überwachungsstaat umfunktioniert hat. Die Menschen werden rund um die Uhr mit TeleSchirmen bis hinein in ihre Wohnungen überwacht. Nachrichten, Kriegsgeschehen sowie geschichtliche Ereignisse werden regelmäßig verändert und an aktuelle Notwendigkeiten angepasst, denn „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft: Und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit (S.58).“ Hauptfigur Winston Smith ist für diese Tätigkeiten im Ministerium der Wahrheit (!) zuständig. Er sorgt dafür, dass alles zusammenpasst, er macht die Lüge zur Wahrheit. Winston gehört zum sogenannten äußeren Zirkel der Partei, aber er hat Zweifel. Im Gegensatz zu seinen Kollegen verfügt der Enddreißiger über Erinnerungen aus der Zeit vor der Revolution, die nicht zu den Proklamationen der Partei passen. Er sieht die Widersprüche und hinterfragt das System. Obwohl er weiß, dass er sich mit diesen „GedankenVerbrechen“ dem sicheren Tod ausliefert, kauft er ein Notizheft und beginnt ein Tagebuch zu schreiben. „GedankenVerbrechen führen nicht etwa zum Tod; GedankenVerbrechen sind schon der Tod.“ (S. 51) Das Schreiben wird nicht sein einziges Vergehen bleiben. Er verliebt sich, findet in Julia eine Mitstreiterin. Beide wollen sich der sogenannten Bruderschaft anschließen, um gegen den totalitären Staatsapparat anzukämpfen…

    Von der ersten Seite an ist man gefesselt. Man begleitet Winston in seinem Arbeitsalltag, erlebt, wie die Belegschaft beim Zwei-Minuten-Hass aufgepeitscht wird oder wie Kinder die eigenen Eltern bespitzeln. Menschen werden vaporisiert, das heißt, sie verschwinden einfach, als hätte es sie niemals gegeben. Angst, Folter, Gehirnwäsche sind die Mittel, um Delinquenten gefügig zu machen. Niemandem kann man trauen, es herrscht eine Atmosphäre aus Argwohn und Kälte, persönliche Beziehungen sind unerwünscht. Permanenter Krieg überzieht das Land, Not und Elend der einfachen, nicht in der Partei organisierten Bevölkerung (der Prolls, die rund 85% ausmachen) werden nicht nur billigend in Kauf genommen, Hunger und Mangel sind Mittel der Unterdrückung.

    Der gesamte Roman ist sehr deprimierend. Orwell schont seine Leser nicht, sondern macht sehr deutlich, was es für den Einzelnen heißt, in solch einem System zu leben und die Obrigkeit in Frage zu stellen. Das Buch ist nichts für Zartbesaitete, es hat mich an mehreren Stellen kalt erwischt. Trotzdem – oder gerade deswegen – halte ich das Buch für zeitlos lesenswert. Eben weil es so drastisch ist, eben weil es auch in heutigen Diktaturen und Unrechtsstaaten genau so oder ähnlich zugeht. Auch in Europa werden unliebsame Dissidenten über Jahre hinweg in Gefängnisse oder Arbeitslager geschickt, um ihre politische Brisanz zu brechen. Selbst der amerikanische Präsident kann bewiesene Wahrheiten als Fake-News abtun; Millionen von Menschen glauben ihm dennoch und wählen ihn trotzdem. China kontrolliert seine Bevölkerung mit modernsten Methoden weit stärker, als wir uns das vorstellen können. In vielen Ländern Afrikas und Vorderasiens herrscht Krieg: während die Bevölkerung hungert, schwelgen die Machthaber im Luxus. Hierzulande schaffen sich Menschen sprechende Multifunktionsgeräte an, die man bei unsachgemäßer Programmierung spielend als Überwachungstechnik nutzen könnte.

    Insofern ist 1984 gar nicht so weit weg. Es ist eine Warnung, den Anfängen zu wehren und genau hinzuschauen. Die vorliegende Neuauflage ist sprachlich ansprechend gestaltet. Lutz-W. Wolff hat etliche Anmerkungen zur Übersetzung im Anhang ergänzt, die dem Verständnis zu Gute kommen. Ebenso findet sich eine Zeittafel zu Leben und Werk George Orwells, die ich als sehr informativ empfunden habe.

    Das Buch ist ein Hammer. Kleine Schwachstellen ergeben sich für mich aus Redundanzen in Bezug auf das politische System und seine Werkzeuge. Da wäre für mich weniger etwas mehr gewesen. Nichts desto trotz ist 1984 ein besonderes Stück Literatur, das auch im 21. Jahrhundert unbedingt noch gelesen gehört.

  1. Ein Klassiker, der wieder aktuell ist

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Feb 2021 

    dtv hat den Klassiker, der bereits im Jahr 1949 zum ersten Mal erschienen ist, mit einem sehr ansprechenden Cover in einer neuen Übersetzung wieder aufgelegt. Neben der neuen Rechtschreibung sind auch die von Orwell erfundenen Begriffe wie "Neusprache" oder Zwiegedanke (alte Übersetzung) modernisiert worden: "NeuSprech" und DoppelDenk (neue Übersetzung).
    Warum sollte man diesen Roman heute (wieder) lesen?

    Das dem Roman vorangestellte Vorwort von Robert Habeck gibt eine Antwort darauf: "Georg Orwell ist der Analytiker des Totalitarismus" (5).

    Als ich selbst den Roman zum ersten Mal gelesen habe, Mitte der 90er, ging es mir so wie Habeck, es war "für mich eine Metapher für die totalitären Regime der dunkelsten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, des Stalinismus und des Nationalsozialismus." (8) Aber auch wenn der real existierende Sozialismus gescheitert ist, gewinnen autoritäre Regime an Zuspruch, rechter Populismus erfährt neuen Auftrieb und der Überwachung der Gesellschaft stimmen wir freiwillig zu, indem wir unsere Daten und unsere Privatsphäre preisgeben. Gerade im Zuge der Corona-Krise nutzen totalitäre Systeme, und nicht nur diese, die Gefahr durch das Virus radikal aus. Wie weit sind wir noch vom gläsernen Menschen entfernt? Auch die Manipulation durch die Sprache, die Umdeutung der Geschichte, die Frage, was die Wahrheit angesichts von Fake News und manipulierter Bilder ist, stellt sich heute dringender denn je. Der Roman zeigt, "wie nicht mehr zwischen Lüge und Wahrheit unterschieden werden kann. Und wenn das passiert, dann ist Demokratie am Ende." (12) Habeck spricht auch die Filterblasen und Twitterwolken an, in denen sozial selektierte Gesellschaften entstehen und ein Bewusstsein für abweichende Meinungen verloren geht. Das kann man gerade in der Corona-Krise gut beobachten.

    Zum Inhalt

    Winston Smith lebt einem totalitären Regime, in dem die Partei IngSoc - English Socialism - die Macht inne hat. Die Partei hat einen totalen Überwachungsstaat aufgebaut, so ist sie in der Lage, die Menschen in ihren Wohnungen per TeleSchirm zu beobachten. Die GedankenPolizei überwacht die Mimik und versucht jeden Gedanken, der illoyal ist und die Liebe zur Partei nicht widerspiegelt, sofort zu ahnden.

    Es gibt die Innere Partei, die weniger als 2% der Bevölkerung ausmacht, die Äußere Partei, ca. 13%, zu der auch Winston gehört, und die sogenannten Prolls, die den Rest der Gesellschaft ausmachen und keine Aufstiegschancen haben und so davon beansprucht werden, ihren Alltag zu meistern, dass sie sich nicht erheben.

    "Prolls werden nicht in die Partei aufgenommen. Nur die Begabtesten unter ihnen, die vielleicht zu einem Unruheherd werden könnten, werden von der Gedankenpolizei identifiziert und eliminiert." (257)

    Die Erde ist unter drei Großmächten aufgeteilt, Ozeania, Euroasien und Ostasien, die permanent im Krieg miteinander liegen und um die verbleibenden Gebiete kämpfen. Der Krieg dient dazu Armut aufrechtzuerhalten, denn "langfristig konnte eine hierarchische Gesellschaft nur auf einem Fundament von Armut und Dummheit bestehen." (234)

    An allem herrscht Mangel, Lebensmittel, Konsumgüter und Luxusartikel sind allenfalls für die Innere Partei erreichbar, während das Ministerium der Fülle davon spricht, allen gehe es besser als vor der Revolution. Nur billiger, synthetischer Gin ist reichlich vorhanden. Um das Leben erträglicher zu machen?

    Aber es gibt keine Vergleichsmöglichkeiten, da zum System ebenfalls gehört, die Vergangenheit permanent umzuschreiben und der Gegenwart anzupassen. Werden Lebensmittel rationiert, muss die Ankündigung, diese würden erhöht, neu geschrieben werden. Hat sich ein Parteiglied gegen die Partei gestellt, wird seine Existenz vernichtet, alle Zeitungsartikel, in denen er erwähnt wird, müssen überarbeitet werden.

    "Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit." (58)

    Das ist Winstons Beruf im Ministerium der Wahrheit (!), Zeitungsartikel umzuschreiben, die alten kommen in das sogenannte Erinnerungsloch und, weil es teilweise eine kreative Arbeit ist, empfindet Winston sogar eine gewisse Befriedigung dabei, obwohl er weiß, dass er dazu beigetragen hat, die Vergangenheit zu verfälschen.

    Umso revolutionärer ist es, dass er selbst beginnt, Tagebuch zu führen, seine geheimen Gedanken niederzuschreiben - in einem für den TeleSchirm unsichtbaren, winzigen Teil seiner Wohnung. Mit wem wird er diese Gedanken teilen können, für wen schreibt er diese nieder? Er glaubt, dass einer der Inneren Partei, O´Brien, ebenfalls selbstständig denkt. Ein beiläufig dahin gesprochener Satz vor einigen Jahren lässt ihn in diesem Glauben, er sei nicht der letzte Mensch in Europa - ein Titel, den Orwell zunächst für seinen Roman favorisierte.

    Sein "Freund" Syme hingegen ist ein Befürworter des Systems und arbeitet am endgültigen Lexikon von NeuSprech mit.

    "Verstehen Sie nicht, dass es beim NeuSprech vor allem darum geht, das Denken so zu verschlanken, dass GedankenVerbrechen gar nicht mehr möglich sind, weil es keine Wörter mehr gibt, um sie zu formulieren?" (S.78)

    Dadurch wird die "Reichweite des Bewusstseins" kleiner (78) und "das richtige Bewusstsein heißt Nichtdenken - gar nicht mehr denken müssen. Das richtige Bewusstsein ist die Bewusstlosigkeit." (79)

    Ein Zustand, von dem Winston weit entfernt ist. Seine verbotenen Gedanken kreisen darum, wie man sich in solch einem System Hoffnung auf eine Änderung bewahren und Kontakt zu denjenigen aufnehmen kann, die ebenso denken. Ob es möglich sein wird, Widerstand zu leisten und sich einen freien Willen zu bewahren?
    Orwells Dystopie gibt kaum Anlass zur Hoffnung, an der Situation könne sich etwas ändern.

    Fazit
    Auch wenn der Roman einige Längen aufweist, da Orwell in manchen Passagen zu viel erklärt, um sicher zu gehen, dass seine Botschaft verstanden wird, bleibt dieser Roman empfehlenswert und gehört für mich zu den Romanen, die man unbedingt gelesen haben sollte - gerade, weil er an Aktualität gewonnen hat!

  1. Verstörende Vision

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Feb 2021 

    Das Buch ist Weltliteratur. Big Brother ist in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen; sogar eine zweifelhafte Peepshow wurde nach ihm benannt. Siebzig Jahre nach dem ersten Erscheinen gibt es nun gleich mehrere Neuübersetzungen, darunter die sehr gelungene von Lutz-W. Wolff, die nicht nur die Tristesse und Ausweglosigkeit, sondern auch den poetischen Gehalt des Romans zur Geltung bringt.

    Im Jahr 1984, so Orwells Prämisse, gibt es nur noch drei Staaten auf der Welt, und in allen dreien wird mit Zwang und Überwachung regiert. Winston Smith, Bürger von Ozeanien und Londoner, ist Mitglied der regierenden (und einzigen) "Partei". Er muss es sein, denn die Nicht-Parteimitglieder - mit über 80 Prozent die große Mehrheit - werden im allgemeinen Sprachgebrauch nicht als Menschen betrachtet; sie sind sozusagen Verschleißmaterial für die grobe Arbeit. Schlecht versorgt und in Dummheit gehalten, genießen jene "Prolls" trotzdem eine gewisse persönliche Freiheit, während Parteimitglieder weder ein Privatleben haben noch überhaupt einen selbständigen Gedanken denken dürfen - ein unbedachtes Wort, ein Flüstern, sogar der falsche Gesichtsausdruck können zur Verhaftung führen. Winston Smith rebelliert im stillen gegen die Partei, versucht sich der Dauerüberwachung zu entziehen, führt heimlich Tagebuch und geht sogar eine streng verbotene Liebesbeziehung ein. Doch die Bedrohung ist allgegenwärtig, und in der düsteren Welt, die Orwell entwirft, gibt es kein Entkommen.

    Es ist schwierig, zu einem Buch, das einem so vertraut ist - ich habe "1984" in der alten Übersetzung ca. 1970, als Jugendliche, das erste Mal gelesen und später noch ein oder zwei weitere Male -, noch etwas Neues zu sagen. Aber erstaunlich ist nach wie vor die Aktualität dieser Schreckensvision; auch wenn wir zum Glück in einem Staat leben, der vom Einsatz einer Gedankenpolizei, staatlich verordneter Folter und Gehirnwäsche weit entfernt ist. Jedoch: Mit der Erfindung eines Gerätes, das es in fast jedem Haushalt gibt und das zugleich senden und empfangen kann, ist Orwell beängstigend nahe an unserer Realität - in meiner Jugend, als ich das Buch kennen lernte, noch reine Phantasie und eigentlich ein Alptraum -, heute ein normaler Gebrauchsgegenstand und meist freiwillig angeschafft. Die Verfälschung von Fotos und Filmen mit dem Ziel, die sichtbare Realität zu manipulieren, ist Bestandteil unseres Alltags, und "verordnete" Eingriffe in den Sprachgebrauch, auch der Alltagssprache, sind uns nicht fremd. Dass all dies derzeit ohne definiertes politisches Ziel geschieht, darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, welche Gefahr allein in der Gewöhnung an diese Mechanismen steckt. Der Übersetzer unserer Neuausgabe von "1984" weist in seinem Nachwort auf einige dieser Punkte hin. Sehr hilfreich ist übrigens auch der Anhang zum Buch, in dem einige wichtige Aspekte (z.B. die Verfügbarkeit von billigem Alkohol als politisches Mittel, die zitierten Kinderverse, die Topographie von London in Orwells Vorstellung der "Zukunft" u.a.) erklärt werden.

    Man sollte aber über dieses finstere Buch nicht sprechen, ohne auch die besonderen stilistischen Aspekte zu erwähnen. Die leitmotivisch wiederkehrenden Kinderreime, die der Übersetzer im Anhang erklärt. Das überaus starke Bild der im Café sitzenden Dissidenten - wie ein Standfoto -, das sich am Ende fast exakt wiederholt. Die "kleinen Fluchten", die Winston Smith sich herausnimmt - sein gläserner Briefbeschwerer, Vogelgesang, seine Jugenderinnerungen, die quälend und tröstend zugleich wirken. Auch hier ist die Arbeit des Übersetzers hervorzuheben (ich habe eine alte Übersetzung zur Hand und finde vieles besser gelöst, auch die "neusprachlichen" Phrasen).

    Fazit: Ein unbedingt lesenswertes Buch in sehr ansprechender Neuausgabe!

  1. Knallhart, verstörend zeitlos

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Feb 2021 

    Es gibt Bücher, die zu Recht Klassiker geworden sind. „1984“ steht ganz oben auf dieser Liste. Ich habe es vor Jahren in der Schule gelesen und war gespannt, ob es mich noch genauso packen kann und ob diese Neuübersetzung ein Gewinn ist.
    Ich weiß noch, dass ich es damals fasziniert in einem Rutsch gelesen habe. Jetzt fesselt es genauso, eine tolle Mischung aus bösem Humor, krassester Satire und hoffnungsloser Tristesse.

    George Orwell hat 1949 einen Überwachungsstaat ersonnen, der uns heute noch befremdet und in vielerlei Hinsicht wachrüttelt. Man fühlt sich an das Naziregime erinnert, wenn Menschen, die gegen das Regime arbeiten, vaporisiert werden. Und wenn dann Regierung und Presse eigene Wahrheiten verbreiten, sogar widersprüchliche Belege aus der Vergangenheit vernichten, sieht man wohin Fake News führen können und ist erschüttert. Manch gruselige Einzelheit in diesem Buch gemahnt auch an höchst aktuelle Probleme.

    Dieser Gesellschaftsentwurf geht in vielerlei Hinsicht an die Grenzen und spielt auch den zynischsten Gedanken durch bis zur letzten Konsequenz. Das hat damals Aufsehen erregt und trifft auch noch heute.

    „Es ist ausgeschlossen, dass es in unserer Lebenszeit noch zu irgendwelchen wahrnehmbaren Veränderungen kommt. Wir sind die Toten.“

    Das ist knallhart, verstörend, und erbarmungslos. Ein Buch, das kein Blatt vor den Mund nimmt und einen umhaut.

    Ob es nötig war, den Text neu zu übersetzen, mag ich nicht beurteilen. Ich habe einige Textstellen verglichen und denke, das ist Geschmackssache. Optisch ist diese schön gestaltete Neuausgabe auf jeden Fall ein Gewinn. Umfangreiches Zusatzmaterial rundet das Leseerlebnis ab, wobei ich das kluge, erhellende Vorwort von Herrn Habeck lieber als Nachwort gelesen hätte. Es nimmt einiges vorweg, lesenswert ist es dennoch.

    „1984“ ist ein Buch mit Zündstoff, das offensichtlich zu jeder Zeit seine Wirkung entfalten kann, ein Buch, das man immer wieder lesen kann und sollte.

  1. Genialer Klassiker

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Jan 2015 

    George Orwell schildert spannend das Schicksal von Winston Smith im fiktiven totalitären Ozeanien. Winston Smith scheint sich anfangs mit dem strikten System arrangiert zu haben. Dass die Bürger Tag und Nacht überwacht werden (Teleschirm), es wird sogar rückwirkend die Geschichte umgeschrieben, denn wer die Gegenwart kontrolliert, kontrollliert gleichzeitig die Zukunft und Vergangenheit, Winston hat dies akzeptiert. Eine intensive Liebesbeziehung sorgt aber dafür das er ins zweifeln kommt.Er beginnt sich gegen dieses System aufzulehnen Die Konsequenzen seiner Auflehnung sind schliesslich brutal und endgültig. Nach monatelangen Folterungen ist Winston am Ende ein gebrochener Mann. Am ende glaub Winston sogar wieder selbst dass er den grossen Bruder Liebt.

    Ich habe das Buch in der Wühlkiste in meinem Lieblingsbuchladen gefunden und gleich durchgelesen
    momentan ist es aktueller den je wer auf Dystopien steht dem kann ich es sehr empfehlen.

 

BeOne: BePolar 3 (BePolar-Trilogie)

Buchseite und Rezensionen zu 'BeOne: BePolar 3 (BePolar-Trilogie)' von Martha Kindermann
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "BeOne: BePolar 3 (BePolar-Trilogie)"

Wenn du versuchst am Boden zu bleiben, während man dich in den Himmel hebt... Wenn ein Teufel dich beflügelt und der Engel dein Herz entzweit... Wenn ein Flügelschlag plötzlich über Leben und Tod entscheidet... ...Dann gleicht dein Leben einem Kaleidoskop und du, Roya, musst Wunder vollbringen, um den Scherbenhaufen in ein Kunstwerk zu verwandeln.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:314
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "BeOne: BePolar 3 (BePolar-Trilogie)"

  1. Krönender Abschluss

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Aug 2020 

    Du magst dystopische Geschichten, ein bisschen Liebeschaos und eine starke Protagonistin? Du lässt dich gerne von der Autorin auf die falsche Fährte locken und liebst Spannung bis zum letzten Blatt? Dann ist die BePolar-Reihe von Martha Kindermann genau das Richtige für dich.

    „BeOne“ ist der 3. Band und der krönende Abschluss der BePolar-Reihe. Die Geschehnisse setzen unmittelbar nach dem Ende von Band 2 an, daher sollte man die Vorgängerbände unbedingt gelesen haben.
    Die anderen Eleven stehen weiterhin im Zentrum des harten Auswahlverfahrens. Von dem Glanz und Glamour vor den Kameras ist dahinter nichts zu merken. Die Eleven befinden sich in einem Strudel aus Intrigen, Macht und Psychospielchen, bei dem der ein oder andere sein Leben lassen muss.
    Im Zentrum steht, wie auch in den Vorgänger Büchern, Roya Roth, die sich mutig gegen das Regime stellt und versucht den rechten Weg zu finden. Neben den sich überschlagenden Ereignissen, ist Roya auch noch zwischen ihren Gefühlen für zwei Männer gefangen: Tam und Tristan.

    Mir hat der dritte Band richtig gut gefallen. Wer die ersten beiden Bücher kennt, weiß, dass Martha Kindermann den Leser gerne an der Nase herumführt. Oft entwickeln sich Handlungsstränge gänzlich anders als man es erwartet, oder es sind unbeantwortete Fragen offengeblieben, die den Leser vor ein Rätsel stellen. Eines kann ich versprechen: in diesem Buch löst sich alles auf, wenn vielleicht nicht, wie man es erwartet.
    Neben den rasanten Wechseln im Plot findet auch die Dreiecksbeziehung zwischen Tam, Tristan und Roya wieder ihren Platz. Besonders gut gefallen hat mir, wie die Zerrissenheit von Roya dargestellt wurde. Ich selber gehöre seit Band eins ungebrochen zu Team Tam, kann mir aber vorstellen, dass es schwierig ist sich zwischen den beiden zu entscheiden. Die Emotionen sind wirklich schön beschrieben und haben mich immer berührt – egal ob Tam oder Tristan.
    Toll fand ich, dass wir in diesem Buch auch Kapitel aus Sicht von Caris – einer ehemaligen Schläferin – lesen durften. So konnte man sich tiefer in die Welt aus Intrigen und Manipulation hineindenken und die unvollständigen Handlungsstränge der Vorgängerbände werden klarer.
    Zu guter Letzt möchte ich sagen, dass mich dieser Band in vielerlei Hinsicht überrascht hat. Zum einen, weil ich nach der finalen Auflösung wusste, dass ich damit nie gerechnet hätte und zum anderen, dass ich es echt super schade finde, dass die Reihe nun ihr Ende findet.

    Von mir gibt es eine klare Empfehlung für alle Fans einer guten Dystopie und jene, die gerne bis zur letzten Seite im Dunkeln tappen. Empfehlen kann ich übrigens auch die Hörbücher, da ich Band 1 und Band 2 als Hörbuch gehört habe. Martha Kindermanns Stimme ist super angenehm und verspricht viel Hörspaß – insbesondere, wenn sie versucht ihre Stimme ihren Charakteren anzupassen.

 

Das Dorf

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Dorf' von Sandra Toth
3
3 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Dorf"

Lara und Thomas stehen fassungslos vor den Trümmern ihrer Zeit. Die erbarmungslos vorangetriebene Energiewende hat das Land in Arm und Reich gespalten, das Stromnetz ist zusammengebrochen. Hunger, Gewalt und Mord sind an der Tagesordnung - alle sind auf der Flucht. Doch es gibt einen vermeintlich sicheren Ort, eine Festung, die schon vor dem Zusammenbruch erbaut wurde und geschützt vor den katastrophalen Zuständen im Land zu sein scheint. Diesen Ort zu erreichen, ist das Ziel des jungen Paares, die einzige Hoffnung eines gesamten Dorfes und die letzte Chance eines Mannes, wieder mit seiner Familie vereint zu sein.

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:282
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Das Dorf"

  1. Deutschland nach einer gescheiterten Energiewende

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Aug 2020 

    Wir erleben den Kampf einiger Menschen ums Überleben, nachdem die Energiewende in Deutschland ins Chaos gestürzt hat. Saboteure haben das Stromnetz lahmgelegt. Es herrschen Terror, Mord und Plünderungen. Auch Lara und Thomas sind auf der Flucht. Sie wollen das Dorf erreichen, ein autarker Ort, den sein Großvater zeitig erschaffen hat, um sich in solchen Situationen zurückziehen zu können.

    Die Geschichte wechselt in den Kapitel zwischen den Erlebnissen verschiedener Personen. Man erfährt viel über die Entstehung des Dorfes und der inzwischen dort lebenden Menschen. Auch über Lara und Thomas erfährt man im Laufe der Reise einiges. Dennoch konnte ich keinen persönlichen Bezug zu den Personen finden. sie blieben mir ein wenig oberflächlich. Und bei dem ständigen Wechsel habe ich irgendwann den Überblick verloren.
    Auch habe ich genauere Hintergründe zur gescheiterten Energiewende vermisst.

    Insgesamt ein Buch, das viel Potential besitzt, aber leider etwas zu viel davon verschenkt hat.
    Trotzdem macht das offene Ende ein bisschen neugierig.

  1. Ganz nette Dystopie, mir aber leider nicht fesselnd genug

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Jul 2020 

    „Das Dorf – Finsterzeit“ ist der erste Teil einer dreiteiligen Dystopie von Sandra Toth. Durch die Energiewende ist das Stromnetz zusammengebrochen. Viele Menschen sind verarmt und kämpfen um ihr Überleben. Thomas und Lara sind auf der Flucht in „die Festung“ seines Großvaters, wo man noch sicher leben kann. Auf dem Weg lernen sie den Gleichgesinnten Viktor kennen und kommen in seiner Dorfgemeinschaft unter.

    Das Cover ist ein echter Hingucker und hat mich direkt verleitet den Klappentext zu lesen. Da ich Dystopien liebe, konnte ich also nicht anders als das Buch zu lesen. Vom Schreibstil her ist das Buch recht einfach und kurzweilig geschrieben. Man kommt recht schnell in die Geschichte rein und lernt die Charaktere kennen. Das Buch befasst sich mit drei Handlungssträngen, bzw. Perspektiven, die gegen Ende des Buches zusammenlaufen. Einer der Handlungsstränge beschreibt die Flucht und Beziehung von Lara und Thomas. Die beiden sind ein recht ungewöhnliches Pärchen, waren mir aber gleich sympathisch. Gewundert hat mich, dass Thomas so gute Kampferfahrung hat – diese Frage blieb allerdings im Buch unbeantwortet.
    Eine weitere Perspektive ist die von Viktor, der sich mit anderen zu einer Dorfgemeinschaft zusammengeschlossen hat, mit dem Ziel in Frieden zu leben. Dass das kein einfaches Unterfangen ist, lernt man schnell. Einen dritten Handlungsstrang liefert Walter, der in der Festung lebt.
    Alle drei Perspektiven finden irgendwann im Buch zueinander, was mir gut gefallen hat. Nicht so gut fand ich, dass der Part davor doch recht fade war. Es wurde viel beschrieben, was die Protagonisten tun und denken, aber irgendwie ist nicht viel passiert und die für mich wesentlichen Fragen sind Großteils unklar geblieben. Gegen Ende hat der Spannungsbogen aber deutlich zugelegt, so dass ich davon ausgehe, dass der zweite Teil besser wird.

    Für Dystopie-Freunde kann ich das Buch empfehlen. Für einen guten ersten Band gebe ich 3 Sterne und hoffe auf einen etwas spannenderen 2. Teil.

 

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