Bergsalz: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Bergsalz: Roman' von Karin Kalisa
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Bergsalz: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:208
Verlag: Droemer HC
EAN:9783426282083
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Rezensionen zu "Bergsalz: Roman"

  1. Landleben mal anders...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Nov 2020 

    Auf Empfehlung habe ich diesen Roman begonnen, denn zuvor hatte ich von der Autorin weder etwas gehört noch gelesen.

    In der Geschichte geht es um ein Dorf in den Bergen, was recht abseits der Zivilisation ist. Hier leben bereits einige Frauen nur für sich und müssen alles alleine machen. Als Franzi eines Mittags "gestört" wird, kommt den Frauen die Idee einfach nicht mehr alleine zu essen. Diese Idee bringt einiges ins Rollen. Wie weit wird das Dorfleben verändert?

    Da ich selbst auf dem Dorf groß geworden bin, empfand ich die dargestellte Gemeinschaft als sehr realistisch. Man kennt alle anderen vom Sehen, möchte aber hauptsächlich in Ruhe gelassen werden. Jeder macht sein Ding für sich.

    Bei Franzi hat man richtig gespürt, wie sie durch die Idee nochmal so richtig aufblüht und wieder Tatendrang hat. Ich mochte wie sie und die anderen Frauen ihre Rezepte verglichen und dadurch noch Neues dazu gelernt haben. Selbstversorgung wird ja wieder ein Trend und den beherrschen die alten Damen.

    Die Figur der Geflüchteten Esma mochte ich , weil durch sie aufgezeigt wird, dass solche Menschen eine Bereicherung für einen Ort sein können. Oft wird das Fremde als Bedrohung wahrgenommen, doch das muss nicht sein.

    Sabrina als junge Frau, die wieder nach Hause zurückkehrt hat einiges durchmachen müssen, weshalb es ungemein glaubhaft schien, dass sie zu ihren Wurzeln zurückkehrt. Mit ihr konnte ich mich am meisten identifizieren, da ich als junges Mädel auch eine kleine Rebellin war.

    Der Roman ist kein Pageturner, sondern kommt eher mit leisen Tönen und den wahren Geschichten zwischen den Zeilen. Man muss also recht aufmerksam lesen, um Details mitzubekommen.

    Den kursiven Part in der Vergangenheit habe ich erst zum Schluss so richtig verstanden. Das Glossar half sehr beim Verstehen des Dialektes.

    Fazit: Unaufgeregter Roman, der mich nachdenklich gestimmt hat. Gern spreche ich eine Empfehlung aus. Ideal um zwischendurch mal abzuschalten.

 

Sturm über der Eifel: Eifel Krimi

Buchseite und Rezensionen zu 'Sturm über der Eifel: Eifel Krimi' von Katja Kleiber
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Sturm über der Eifel: Eifel Krimi"

Format:Taschenbuch
Seiten:224
Verlag: Emons Verlag
EAN:9783740809164
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Rezensionen zu "Sturm über der Eifel: Eifel Krimi"

  1. Der Tote vom Goloring

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Nov 2020 

    Am Goloring, auch Eifel-Stonehenge genannt, lehnt ein Toter am Stamm einer Eiche, er ist barfuß und in Fellkleidung. Kein Ötzi, sondern Leonhard Schmidt, Naturkundler, Esoteriker und selbsternannter Schamane. Ein seltsamer Fall für Kommissarin Tanja Marx, zur Unterstützung holt sich sie sich Dorfsheriff Peter Claes. Der ist zwar behäbig – um es nett auszudrücken – und meist in Gedanken an eine nächste Eroberung, aber kennt sich aus mit dem Dorfgefüge und den Eiflern.

    Die beiden offiziellen Ermittler können wenig Sympathiepunkte verbuchen. Tanja ist einfach kein Landmensch, bei ihr muss es schnell gehen und genauso schnell bildet sie sich ihre Meinung. Dabei ist sie im Augenblick auch privat sehr abgelenkt, ihr Bruder, ein BW-Soldat, kehrte schwerverwundet aus Afghanistan zurück und Claes hat meist eh nur sein nächstes Date im Kopf.

    Für Ella Danz scheint der Mordfall in ihrem Dorf wie ein Déjà vu. Sie ist nach einem Burnout in die Eifel gekommen um wieder zu sich selbst zu finden hat sich inzwischen als „Kräuterhexe“ schon einen Namen in der Umgebung gemacht. Sie kannte Leonhard von einer kurzen Begegnung und fühlte sich von ihm angezogen, eine verwandte Seele, wie ihr schien. Nun beginnt sie, wie schon beim letzten Fall, in den sie involviert war, auf eigene Faust zu ermitteln. Denn der harschen, kurz angebunden Tanja Marx und dem bequemen Claes traut sie nicht. Die Spuren sind weit verzweigt, war Leonhard als engagierter Naturschützer dem neuen Energieriesen im Weg?

    Auch in ihrem zweiten Fall lässt Katja Kleiber der Eifel und ihren Bewohnern breiten Raum. Sie schildert die Landschaft, die Menschen und ihre Befindlichkeiten. Das lässt die Umgebung ihres Krimis sehr deutlich werden und gibt einen schönen Rahmen. Ella Danz ist eine Sympathieträgerin, wie sie ihr neues Leben eingerichtet hat, gefällt mir. Sie wirkt zwar immer noch ein wenig angeschlagen, aber man spürt, dass sie in der Eifel geerdet ist. So gelingt es ihr so manche Spur zu finden, die die Polizei nicht verfolgte. Allerdings bringt sie sich auch in Gefahr, wie ein Überfall auf sie bestätigt.

    Ein wenig mehr Tempo hätte dem Krimi zwar nicht geschadet, trotzdem habe ich das Buch ganz genussvoll gelesen. Katja Kleiber schreibt unterhaltsam und flüssig, verliert sich dann doch manchmal ein längeren Beschreibungen oder Nebensächlichkeiten. Das trägt aber durchaus zum Lokalkolorit bei. Ich würde den Krimi fast gemütlich nennen, ohne einen negativen Eindruck erwecken zu wollen.

    Der Plot wurde sehr schlüssig und in manchen Teilen auch sehr überraschend aufgeklärt, ein stimmiges Ende für diesen Eifelkrimi.

 

Wittgensteiner Schatten: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Wittgensteiner Schatten: Kriminalroman' von Sandra Halbe
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wittgensteiner Schatten: Kriminalroman"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:192
Verlag: Emons Verlag
EAN:9783740809546
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Rezensionen zu "Wittgensteiner Schatten: Kriminalroman"

  1. Geständnis eines Mörders

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Nov 2020 

    Die Rückkehr ins Elternhaus ist für Caroline König ein Scheitern. Nach einer indiskutablen Fehleinschätzung von ihrer Dienststelle, dem BKA einstweilen beurlaubt, bezieht sie ihr ehemaliges Mädchenzimmer. Bad Laasphe hat sie nach dem Tod des Vaters überstürzt verlassen, genau so überstürzt wie sie ihre Beziehung zu Alex beendete.

    Der letzte Fall des Vaters war die Überführung des Serienmörders Robert Hellmar, allerdings wies der Fall viele Fragen auf und nur den letzten Mord an Hellmars Frau konnte im Caros Vater nachweisen. Nun will der totkranke Häftling mit Caro sprechen und sie steigt in den alten Fall ihres Vaters ein.

    Der Krimi ist sehr interessant aufgebaut und rollt Motiv und Fall von hinten auf. Denn Caro kann sich auf ausführliche Notizen und Akten stützen, doch allmählich schleicht sich ein Zweifel ein. War das wirklich alles so glasklar, wie ihr Vater es beschrieb oder könnte er womöglich Spuren übersehen haben? Zudem findet sie die Person Hellmar trotz anfänglicher Abscheu interessant und sie geht auf ihn ein. Für jedes Detail, das er ihr erzählt, gibt sie ein wenig von sich preis. Das wird zu einem fesselnden Katz und Maus Spiel.

    Ich fand diesen Plot sehr spannend aufgebaut und merkte, dass es mir wie Caro ging. Allmählich wuchs in mir die Sympathie für den Täter und es kamen Zweifel an der Ermittlung auf.

    Die Figuren – allen voran – Caro, haben mir sehr gut gefallen. Ihre Persönlichkeiten wurden vielschichtig angelegt und wirkten sehr authentisch auf mich. Oft finde ich Ermittler, deren Privatleben den Fall überlagern, nervig. Aber hier gehörten die privaten Ereignisse um Caro und vor allem die Ermittlungen ihres Vaters ganz unmittelbar zur Geschichte und das fand ich sehr reizvoll.

    Den Schreibstil der Autorin fand ich lebendig und flüssig zu lesen. Ihr gelingt es, den Spannungsbogen gleichmäßig hochzuhalten und damit hat sich mich von der ersten Seite an gepackt. Caro König hat auch in Bad Laasphe Potential für weitere Fälle.

    Auch dieses Mal ist dem Emons Verlag mit dem Titelfoto ein stimmiges Cover gelungen. Mit den erleuchteten Fenstern wirken die Fachwerkfassaden geheimnisvoll, das passt zum Thema, denn auch im Roman lauern hinter schönen Fassaden Geheimnisse.

 

Kronsnest: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Kronsnest: Roman' von Florian Knöppler
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Kronsnest: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
Verlag:
EAN:9783865327468
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Alte Sorten: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Alte Sorten: Roman' von Ewald Arenz
4.9
4.9 von 5 (8 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Alte Sorten: Roman"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:256
EAN:9783832165307
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Rezensionen zu "Alte Sorten: Roman"

  1. Sinnsuche

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Aug 2020 

    Ein wunderbar empathisches Buch! Love it! Ein Buch über eine nachhallende Begegnung zweier geschundener Seelen. Eine junge Frau/ein junges Mädchen verschwindet verärgert und auch enttäuscht aus einer psychiatrischen Einrichtung, auf der Flucht vor den Regeln, den Einengungen und auf der Suche nach ... . Ja, auf der Suche nach was? Aber für so eine Frage ist Sally wahrscheinlich noch zu aufgebracht, zu sehr Rebell und sicherlich auch noch zu jung. Sally ist so richtig herrlich rotzig und gereizt von Ewald Arenz beschrieben worden. Toll! Hat mir fast genauso gefallen, wie ich auch manchmal den Kopf geschüttelt habe. Sally kommt schließlich auf ihrer Wanderung in ein Dorf und findet dort Liss. Auch sie ist vom Leben gezeichnet und zu einer Einzelgängerin geworden und nimmt Sally bei sich auf. Liss bedrängt Sally nicht, lässt sie ankommen und sich ausruhen, bindet sie etwas in die Arbeitsabläufe auf ihrem Hof ein und findet so langsam Zugang zu dem verstörten Mädchen. Liss beobachtet Sally und ihr Verhalten, erkennt Gemeinsamkeiten und eine gewisse Nähe entsteht in ihr. Und auch Sally geht es nach anfänglichem Zögern und Zaudern ähnlich. Nach und nach finden die beiden Frauen einen Zugang zueinander, öffnen sich langsam und in ihrem Tempo und helfen sich gegenseitig. Der Autor beschreibt zurückliegende Geschehnisse aus den Leben der beiden Frauen und nach und nach wird klarer, warum die beiden Frauen so sind, wie sie sind. Ewald Arenz gelingt es beide Frauen in mein Herz einziehen zu lassen! Das ist etwas, was diese Geschichte so ausmacht, diese tiefe Empathie, die zu den Hauptcharakteren entsteht. Eine wunderbare Geschichte, die ruhig noch etwas länger hätte gehen können! Love it! Und dieses Buch macht mich neugierig auf weiteres aus der Feder von Ewald Arenz, sehr neugierig!

  1. wunderschönes Buch!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Jul 2020 

    Sally ist wütend. Auf das Leben, die Leute, die ihr sagen wollen, was richtig ist und auch auf sich selbst. Da begegnet sie Liss und das erste Mal ist da ein Mensch, der sie einfach mal machen lässt. Liss lebt alleine auf einem Hof und nimmt Sally bei sich auf. Nach und nach kommen sich die beiden näher und zeigen sich gegenseitig , dass sie viel mehr als dass sind, was sie selbst in sich sehen können.

    Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Ewald Arenz nutzt einen sehr bildhaften Schreibstil, der sich auch die jeweils handelnde Person anpasst. Gerade Sally flucht am Anfang unglaublich viel und man merkt an ihrer Ausdrucksweise, wie sie immer mehr mit sich ins Reine kommt. Bei Liss bleibt der Leser die ganze Zeit außen vor, die ist sehr verschlossen. Erst gegen Ende werden ihre Gefühle richtig greifbar.

    Das Buch hat mir tolle Lesestunden beschert und mich mit einem wohligen Gefühl zurück gelassen. Von mir daher eine unbedingte Leseempfehlung!

  1. Klein, aber oho!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Jun 2019 

    Dieses Buch war etwas Besonderes.
    Sally ist aus der psychiatrischen Klinik ausgebüchst. Mit 17 Jahren mag sie zwar Probleme mit ihren Eltern und vielleicht auch mit der Magersucht haben - gängeln und vorschreiben lassen, was sie zu tun und zu lassen hat, will sie sich dennoch nicht.

    Nach ihrer Flucht trifft sie auf Bäurin Liss, die ihren geerbten Hof mit großer Selbstverständlichkeit versorgt. Sie bietet Sally eine Bleibe an. Zwischen den auf den ersten Blick ungleichen, in ihrer Struktur aber wesensverwandten Frauen entwickelt sich eine labile Freundschaft. Lisa erkennt sich selbst in ihrer Jugend wieder, Sally bewundert die ältere Frau und vor allem die Bodenständigkeit ihres Schaffens sowie die Tatsache, dass sie nichts von der Jüngeren fordert und sie nicht einengt.

    Allmählich gesundet Sally und hilft gleichzeitig Liss, über die Brüche und Verluste in ihrem Leben hinwegzukommen. Natürlich suchen die Eltern nach Sally, was zusätzliche Spannung birgt...

    Der kleine Roman besticht durch seine prägnante Aussagekraft, seine bildgewaltigen Beschreibungen von Natur, Landwirtschaft und Gefühlslagen. In jeder Minute könnte ich mich zu 100 % in die Charaktere einfinden. Das setzt große Empathie, großes Einfühlungsvermögen voraus. Auf unprätentiöse Weise fühlte ich mich zum Ende hin mehrfach schwer berührt.

    Ein großer kleiner Roman. Ohne Wenn undAber: 5/5 Sterne !

  1. Eine Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Frauen

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Jun 2019 

    Sally ist ein junges Mädchen, 17 Jahre alt, zornig und auf der Flucht. Auf der Flucht vor der Klinik, in die ihre Eltern sie haben einweisen lassen, um sie von ihren Essstörungen kurieren zu lassen. Auf der Flucht vor ihren Eltern. Und irgendwie auch auf der Flucht vor sich selbst.
    Lizz ist eine Frau mittleren Alters, von ihrer Vergangenheit geprägt, und hat sich auf ihren Hof zurück gezogen, den sie allein bewirtschaftet.
    Bis die beiden eines Tages im Weinberg auf einander treffen.
    Mit Lizz und Sally treffen hier zwei unterschiedliche Frauen aufeinander. Doch, so unterschiedlich sie auch zu sein scheinen, so haben sie doch eine ähnliche Vergangenheit. Es scheint einer innere geistige Verbindung zwischen beiden zu geben.
    Lizz nimmt Sally zu sich auf den Hof, lässt sie ohne Nachfragen bei sich wohnen. Allmählich beteiligt sich Sally an der Arbeit auf dem Hof, lernt Brot backen, keltern, hilft bei der Weinlese und bei der Ernte seltener Birnensorten. Und bei all der Arbeit lernen beide Frauen sich zu öffnen und über ihre Gefühle zu reden. Es entwickelt sich ein besonderes freundschaftliches Verhältnis. Als jedoch Sallys Eltern auftauchen, um sie in ihr altes Leben zurück zu bringen, bahnt sich eine Katastrophe an.

    In einer gefühlvollen und bildlichen Sprache beschreibt der Autor die Geschichte von Lizz und Sally. Als Leser hat man immer wieder den Eindruck, dass man die Waldluft riechen und die Birnen schmecken kann. Ewald Arenz ist es gelungen Gefühle in Worte zu packen. Und so wird daraus ein Buch, das den Leser mitreißt, schmunzeln lässt aber auch nachdenklich macht.
    Das Cover ist einfach gehalten aber dennoch ansprechend. Es passt sehr gut zur beschriebenen Schlichtheit des Hofes.
    Beides zusammen, Inhalt und äußere Gestaltung machen aus diesem Buch ein kleines Meisterwerk, das unter die Haut geht und einen so schnell nicht wieder loslässt.

  1. Leise und berührend

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Mai 2019 

    Sally rebelliert, gegen alles und Jeden. Sie ist wütend auf ihre Eltern, auf die Psychiater der Klinik, die ihr sagen, was sie tun muss um ihr Leben zu leben und wie sie mit ihren Essstörungen umgehen muss. Sie ist aus der Klinik geflohen und trifft auf Liss, eine knapp 50jährige Frau, die allein auf einem großen Bauernhof am Weinberg lebt. Liss nimmt Sally auf, und mit ihrem Pragmatismus beruhigt sie Sally, sie nimmt sie wie sie ist, sie legt ihr keine Verpflichtungen oder Empfehlungen nahe.

    Beide beginnen vorsichtig, Vertrauen zueinander zu fassen und nähern sich aneinander an. Sally beginnt wieder zu essen, ohne dass es verlangt wird, sie findet großes Vergnügen an einfachen Kartoffeln oder an den Birnen alter Sorten, die Liss in ihrem Obstgarten anbaut.
    Liss findet in Sally’s rebellischer Art sich selbst wieder, als junges Mädchen musste sie gegen ihren Vater und die von ihm auferlegten Zwänge ankommen. Davon getrieben flüchtet sie in eine Ehe und bekommt neue Fesseln angelegt, die sie bis zur Unerträglichkeit erdrücken.

    Ewald Arenz versteht es auf einzigartige Weise, den Leser in die Geschichte zu holen. Schon auf den ersten Seiten spürt man die Wärme der Sonne des Spätsommertages, riecht die Erde, sieht das Flirren und die Insekten in der Luft. Sprachlich zaubert er Bilder, die die Einfachheit des Lebens auf dem Bauernhof mit viel Arbeit, aber auch dem großen Vergnügen und der Zufriedenheit nach körperlicher Arbeit lebendig werden lassen. Damit schafft er große Nähe zu den Figuren und zur Geschichte. Mit viel Warmherzigkeit und Liebe hat Ewald Arenz die beiden versehrten Frauen gestaltet, er vergibt ihnen ihre Schwächen, lässt sie aufstehen und kämpfen, auch wenn sich beide dabei stützend aneinander lehnen müssen.

    „Alte Sorten“ ist ein leise erzähltes kraftvolles und warmherziges Buch über einen Neuanfang, das ich sehr gerne gelesen habe.

  1. Vertrauen und Freundschaft

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Mai 2019 

    Sally rebelliert gegen eine Umgebung, die sie krank macht. Sie lehnt sich ihrer Eltern auf, die nur das Beste für sie wollen, aber eher das Beste für sich meinen, gegen Psychologen, die ihr sagen, wie sie ihr Leben in Griff bekommt, ihre Essstörung und ihre Selbstverletzungen. Deshalb haut sie aus der Klinik ab. Zufällig begegnet sie Liss, eine Frau in mittleren Jahren, die allein auf einem Bauernhof lebt.

    Liss nimmt Sally auf, ohne viel zu fragen. Zum ersten Mal begegnet das junge Mädchen einem Menschen, der sie annimmt, wie sie ist ohne ihr zu sagen, wie sie sein sollte. Ganz allmählich und ohne große Worte knüpfen die zwei Frauen ein Band, öffnen sich allmählich und fassen Vertrauen zueinander.

    Wenn auch auf den ersten Blick die Beiden grundverschieden scheinen, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten. Liss erkennt sich in der rebellischen Sally wieder und erinnert sich schmerzhaft an ihre Kindheit und Jugend voller Enttäuschungen und Zwang.

    In einer zarten, einfühlsamen Sprache entwickelt der Autor die Geschichte der beiden Frauen. Wie sie sich in der alltäglichen und harten Arbeit auf dem Hof sich langsam näher kommen, wie Sally plötzlich Verantwortung für sich übernehmen kann und über den Geschmack von reifen Birnen oder einfachen Kartoffeln auch wieder essen lernt, hat mich tief beeindruckt. Farbig und bildhaft beschreibt der Autor die Landschaft oder die Erntearbeit, ich hatte das Aroma der Früchte auf der Zunge und fühlte Wind und Sonne. Es ist eine Leichtigkeit in der Geschichte, trotz des ernsten Hintergrunds von Verlust und Schuld. Eine harte Schale umgibt die Seelen von Liss und Sally, aber sie bricht langsam auf und es ist die schriftstellerische Kunst des Autors den Leser daran teilhaben zu lassen.

    Das Buch von Ewald Arenz besticht nicht nur durch die wunderschöne Sprache, sondern auch durch die äußere Gestaltung. Ein zartes Titelbild und ein schöner Einband mit Lesebändchen haben mich sofort eingenommen.

    Der Roman gehört zu den Büchern, die mich lange beschäftigen und begleiten werden und den ich nur wärmstens empfehlen kann.

  1. Ein bezauberndes und einfühlsames Werk

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Mai 2019 

    Ein bezauberndes und einfühlsames Werk

    Alte Sorten von Ewald Arenz

    Was muss geschehen, damit zwei beschädigte Seelen sich heilen? Sie müssen sich treffen! Genau dies geschieht in diesem bezaubernden Roman.
    Sally ist frustriert, sie will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie erträgt keine Gespräche mehr mit Menschen die ihr erzählen möchten, was gut für sie ist. Um dem allem zu entfliehen flüchtet das junge Mädchen aus der Therapieeinrichtung und trifft auf Liss. Liss betreibt einen Hof und nimmt das Mädchen auf. Zu Beginn leben die beiden mehr oder weniger nebeneinander her. Liss erwartet von Sally keine tiefsinnigen Gepsräche, sie bietet ihr ein Dach über dem Kopf und erbittet ab und an Hilfe auf dem Hof. Durch diese Hilfe bekommt Sally Einblicke in die Arbeiten die in der Landwirtschaft anfallen und lernt sich neu kennen. Nach und nach öffnen sich die beiden Frauen und man erkennt, dass beide viel ertragen mussten.

    Dieser Roman ist eine echte Perle. Die Erzählweise ist sehr einnehmend, die Handlung sehr fesselnd, obwohl alles ein gemächliches Tempo hat. Die Beschreibung der Natur und der Tätigkeiten lässt den Leser alte Erinnerungen wieder aufleben. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Probleme der beiden Frauen zwar ernst genommen werden, aber nicht den Fokus dieses Romans bilden. Im Gegenteil, er erzählt die Geschichte von Liss und Sally auf ihrem Weg der Selbstfindung!

  1. Leise und eindrucksvoll erzählt

    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mai 2019 

    „In Sally wurde es das erste Mal seit langer Zeit für einen Augenblick ganz still, und sie bewegte sich nicht, um diese Stille nicht gleich wieder zu verlieren.“ (Zitat Seite 17, 18)

    Inhalt:
    Sally, jung, Schülerin kurz vor dem Abitur, gerade wieder in einer psychotherapeutischen Klinik, verlässt diese und macht sich auf den Weg, einfach weg. Irgendwo zwischen Weite und Feldern, nahe bei einem Dorf, trifft sie auf die ältere Liss, die alleine einen Hof bewirtschaftet. Liss, schweigsam, unangepasst, findet in Sally viel von sich selbst in jungen Jahren wieder. Sie lädt Sally ein, bei ihr auf dem Hof zu übernachten und aus einer Nacht werden viele Tage. Es ist Herbst und gemeinsam erledigen sie die anfallenden Arbeiten – und aus dem ersten Schweigen werden Gespräche und gegenseitiges Verständnis.

    Thema und Genre:
    In diesem Roman geht es um das Erwachsenwerden, Erziehung, Familie. Doch auch gegenseitiges Verständnis und Aufbegehren gegen Vorurteile und Zwänge sind Themen. Gleichzeitig erfährt der Leser viel über das realistische Landleben, Obstbau und alte Obstsorten.

    Charaktere:
    Liss und Sally, die beiden Hauptprotagonistinnen sind eigenwillig und für die Menschen um sie herum „anders“. Das Leben besteht für Liss‘ Vater aus Arbeit und genauer Ordnung, Bücher und Bildung passen nicht in dieses Leben. Doch Liss widersetzt sich der Enge des Dorflebens, auch wenn sie an den Hof zurückkehrt.
    Sally ist jung, begabt, doch sie hat ihren eigenen Willen und ihre eigene Meinung, manchmal ist sie auch einfach eine Suchende. Ihre Eltern meinen es gut, verstehen sie aber nicht. So wie die meisten Erwachsenen mit Unverständnis auf Sally und ihre Probleme reagieren. Bei Liss, die sie nicht drängt, sondern wartet, bis Sally selbst entscheidet, fühlt sie sich akzeptiert.

    Handlung und Schreibstil:
    Die Geschichte spielt im Herbst, zwischen Anfang September und Mitte Oktober, auf einem großen Hof irgendwo auf dem Land in der Nähe eines Dorfes. Rückblenden in Form von Erinnerungen der beiden Protagonistinnen ergänzen die Handlung. Der Roman ist ein einzelne Kapitel eingeteilt, die als Überschrift das jeweilige Datum tragen. Im Mittelpunkt steht jeweils Sally oder Liss, sodass der Leser die Ereignisse auch aus verschiedenen Perspektiven erfährt. So erhält der Roman zusätzliche Tiefe. Die Spannung ergibt sich einerseits aus dem schrittweisen Annähern der beiden Frauen, den ebenso auftretenden Missverständnissen, andererseits aus der Frage, warum die Dorfbewohner Liss meiden.
    Der Autor erzählt leise, eindrücklich, gibt jeder der beiden Frauen die passende Sprache. Intensive Schilderungen der Natur, der alten Obstsorten und des Landlebens im Herbst ergänzen die Geschichte, großartig, aber realistisch und ohne falsche Romantik.

    Fazit:
    Ein leises, eindrucksvolles Buch, in dessen Mittelpunkt zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Frauen stehen, die bald erkennen, wie viel sie gemeinsam haben. Eine Geschichte und Sprache, die den Leser sofort in ihren Bann zieht und noch lange in den Gedanken bleibt.

 

Die Wahrheit über Metting

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Wahrheit über Metting' von Tom Liehr
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Wahrheit über Metting"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:368
EAN:9783499001840
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Rezensionen zu "Die Wahrheit über Metting"

  1. Metting war überall

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Nov 2020 

    Tomás Lebesanft wächst in einem kleinen Provinzstädtchen auf. Seine Eltern betreiben ein Altenheim und so denkt der kleine Tom lange, dass es nur alte Menschen gibt. Es sind die bleiernen 60/70iger Jahre, die Schule geprägt von reaktionären Lehrern, deren Ausbildung noch von vergangenen Zeiten überschattet wurde. Er ist Legastheniker, was damals als „zurückgeblieben“ interpretiert wird. Eine weiterführende Schule wird ihm verwehrt. Sein bester Freund ist ebenso Außenseiter, Filip, der als Zigeunerjunge bezeichnet wird. Vermisst irgendjemand in der Schule ein Teil, wird sofort Filips Schultasche durchsucht. Vorurteile, die von den Lehrern sogar noch befeuert wurden.

    Die Ehe der Eltern ist seltsam unterkühlt, genau wie sein Verhältnis zu ihnen. Es gibt nur eine Person, die Tom wichtig ist, Marieluise die ins Altersheim der Eltern zieht. Eine alte Dame, aber jung in ihren Ansichten und Toms Bezugsperson und seine erste Liebe.

    30 Jahre später kehrt Tom in sein Heimatstädtchen zurück….

    Für mich war dieser Roman eine Zeitreise in meine eigene Vergangenheit, Schulzeit in der gleichen Zeit mit ähnlichen Erfahrungen. Da wurden Erinnerungen wach, die mich schmerzlich berührten. Es sind vor allem die kleinen Beobachtungen die Tom Liehr so wunderbar schildern kann und die einprägsame Bilder hervorrufen. Die selbstherrlichen Charaktere der braven Bürger - man ist ja schließlich wieder wer – die zu üblen Vorurteilen gegenüber Fremden führen. Ein dunkler Teint, ein fremd klingender Name reicht zur Ausgrenzung schon aus. Das alles ist mir aus der Erinnerung nur allzu vertraut.

    Der Autor schreibt sehr einfühlsam, für mich auch mit Emotionen verbunden. Das liegt sicher an meiner Generation, ich bin nicht sicher, ob jüngere Leser das ebenso spüren. Aber für alle Leser gleich interessant ist die Menschlichkeit des Romans. Es ist ein Loblied auf die Freundschaft, ein Geschichte über das oft schmerzhafte Erwachsenwerden und ein Zeitbild aus der Provinz gleichermaßen.

 

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