Die Unverhofften: Roman

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Sturm über der Eifel: Eifel Krimi

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Rezensionen zu "Sturm über der Eifel: Eifel Krimi"

  1. Der Tote vom Goloring

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Nov 2020 

    Am Goloring, auch Eifel-Stonehenge genannt, lehnt ein Toter am Stamm einer Eiche, er ist barfuß und in Fellkleidung. Kein Ötzi, sondern Leonhard Schmidt, Naturkundler, Esoteriker und selbsternannter Schamane. Ein seltsamer Fall für Kommissarin Tanja Marx, zur Unterstützung holt sich sie sich Dorfsheriff Peter Claes. Der ist zwar behäbig – um es nett auszudrücken – und meist in Gedanken an eine nächste Eroberung, aber kennt sich aus mit dem Dorfgefüge und den Eiflern.

    Die beiden offiziellen Ermittler können wenig Sympathiepunkte verbuchen. Tanja ist einfach kein Landmensch, bei ihr muss es schnell gehen und genauso schnell bildet sie sich ihre Meinung. Dabei ist sie im Augenblick auch privat sehr abgelenkt, ihr Bruder, ein BW-Soldat, kehrte schwerverwundet aus Afghanistan zurück und Claes hat meist eh nur sein nächstes Date im Kopf.

    Für Ella Danz scheint der Mordfall in ihrem Dorf wie ein Déjà vu. Sie ist nach einem Burnout in die Eifel gekommen um wieder zu sich selbst zu finden hat sich inzwischen als „Kräuterhexe“ schon einen Namen in der Umgebung gemacht. Sie kannte Leonhard von einer kurzen Begegnung und fühlte sich von ihm angezogen, eine verwandte Seele, wie ihr schien. Nun beginnt sie, wie schon beim letzten Fall, in den sie involviert war, auf eigene Faust zu ermitteln. Denn der harschen, kurz angebunden Tanja Marx und dem bequemen Claes traut sie nicht. Die Spuren sind weit verzweigt, war Leonhard als engagierter Naturschützer dem neuen Energieriesen im Weg?

    Auch in ihrem zweiten Fall lässt Katja Kleiber der Eifel und ihren Bewohnern breiten Raum. Sie schildert die Landschaft, die Menschen und ihre Befindlichkeiten. Das lässt die Umgebung ihres Krimis sehr deutlich werden und gibt einen schönen Rahmen. Ella Danz ist eine Sympathieträgerin, wie sie ihr neues Leben eingerichtet hat, gefällt mir. Sie wirkt zwar immer noch ein wenig angeschlagen, aber man spürt, dass sie in der Eifel geerdet ist. So gelingt es ihr so manche Spur zu finden, die die Polizei nicht verfolgte. Allerdings bringt sie sich auch in Gefahr, wie ein Überfall auf sie bestätigt.

    Ein wenig mehr Tempo hätte dem Krimi zwar nicht geschadet, trotzdem habe ich das Buch ganz genussvoll gelesen. Katja Kleiber schreibt unterhaltsam und flüssig, verliert sich dann doch manchmal ein längeren Beschreibungen oder Nebensächlichkeiten. Das trägt aber durchaus zum Lokalkolorit bei. Ich würde den Krimi fast gemütlich nennen, ohne einen negativen Eindruck erwecken zu wollen.

    Der Plot wurde sehr schlüssig und in manchen Teilen auch sehr überraschend aufgeklärt, ein stimmiges Ende für diesen Eifelkrimi.

 

Wittgensteiner Schatten: Kriminalroman

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Rezensionen zu "Wittgensteiner Schatten: Kriminalroman"

  1. Geständnis eines Mörders

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Nov 2020 

    Die Rückkehr ins Elternhaus ist für Caroline König ein Scheitern. Nach einer indiskutablen Fehleinschätzung von ihrer Dienststelle, dem BKA einstweilen beurlaubt, bezieht sie ihr ehemaliges Mädchenzimmer. Bad Laasphe hat sie nach dem Tod des Vaters überstürzt verlassen, genau so überstürzt wie sie ihre Beziehung zu Alex beendete.

    Der letzte Fall des Vaters war die Überführung des Serienmörders Robert Hellmar, allerdings wies der Fall viele Fragen auf und nur den letzten Mord an Hellmars Frau konnte im Caros Vater nachweisen. Nun will der totkranke Häftling mit Caro sprechen und sie steigt in den alten Fall ihres Vaters ein.

    Der Krimi ist sehr interessant aufgebaut und rollt Motiv und Fall von hinten auf. Denn Caro kann sich auf ausführliche Notizen und Akten stützen, doch allmählich schleicht sich ein Zweifel ein. War das wirklich alles so glasklar, wie ihr Vater es beschrieb oder könnte er womöglich Spuren übersehen haben? Zudem findet sie die Person Hellmar trotz anfänglicher Abscheu interessant und sie geht auf ihn ein. Für jedes Detail, das er ihr erzählt, gibt sie ein wenig von sich preis. Das wird zu einem fesselnden Katz und Maus Spiel.

    Ich fand diesen Plot sehr spannend aufgebaut und merkte, dass es mir wie Caro ging. Allmählich wuchs in mir die Sympathie für den Täter und es kamen Zweifel an der Ermittlung auf.

    Die Figuren – allen voran – Caro, haben mir sehr gut gefallen. Ihre Persönlichkeiten wurden vielschichtig angelegt und wirkten sehr authentisch auf mich. Oft finde ich Ermittler, deren Privatleben den Fall überlagern, nervig. Aber hier gehörten die privaten Ereignisse um Caro und vor allem die Ermittlungen ihres Vaters ganz unmittelbar zur Geschichte und das fand ich sehr reizvoll.

    Den Schreibstil der Autorin fand ich lebendig und flüssig zu lesen. Ihr gelingt es, den Spannungsbogen gleichmäßig hochzuhalten und damit hat sich mich von der ersten Seite an gepackt. Caro König hat auch in Bad Laasphe Potential für weitere Fälle.

    Auch dieses Mal ist dem Emons Verlag mit dem Titelfoto ein stimmiges Cover gelungen. Mit den erleuchteten Fenstern wirken die Fachwerkfassaden geheimnisvoll, das passt zum Thema, denn auch im Roman lauern hinter schönen Fassaden Geheimnisse.

 

Der Untertan: Roman

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Kronsnest: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Kronsnest: Roman' von Florian Knöppler
3.8
3.8 von 5 (11 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Kronsnest: Roman"

Ein holsteinisches Dorf in den 20er Jahren: Das Dorf und der kleine elterliche Hof in der Elbmarsch sind seine ganze Welt: Der empfindsame ­Hannes ­leidet unter seinem gewalttätigen, unberechenbaren Vater und den Schikanen in der Schule. Zuflucht findet er allein in der Natur und in seinen Büchern. Doch Hannes beginnt, sich zu wehren, und unversehens ­gerät er dabei in die politischen Spannungen der Dorfgemeinschaft. Dabei will er doch eigentlich nur eines – die geheimnisvolle Mara für sich gewinnen, die so ganz anders ist als all die Mädchen im Dorf. Ein anderes Leben, denkt Hannes, ein anderes Leben muss doch möglich sein.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
Verlag:
EAN:9783865327468
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Rezensionen zu "Kronsnest: Roman"

  1. Über schweigsame Menschen in norddeutscher Landschaft

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Apr 2021 

    Kronsnest liegt irgendwo in Norddeutschland. Dort wächst Hannes auf einem Bauernhof auf. Er ist zu Beginn des Romans 15 Jahre alt und seine Tage sind geprägt von der harten Arbeit auf dem Hof und den unberechenbaren Gewaltausbrüchen des Vaters. Die Mutter versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Den Vater bestraft sie mit vorwurfsvollem Schweigen und bringt ihn so, zumindest vorübergehend, zur Räson. Bei Hannes sucht sie Verständnis und erklärt, dass der Vater früher (vor dem Krieg) anders war. Hannes hilft das wenig. Denn der Vater spricht nicht über das, was früher war oder was ihm im Krieg widerfahren ist. Hannes ist daher hin und her gerissen, von seiner eigenen Wut auf den Vater und dem gleichzeitigen Wunsch um dessen Anerkennung. Doch so viel er auch arbeitet, er kann es dem Vater doch nicht Recht machen. Das höchste Lob ist keine Kritik.

    Der Vater-Sohn-Konflikt dominiert das erste Drittel des Romans und lässt schlimme Vorahnungen aufkommen. Doch dann wendet sich das Blatt. Hannes muss Verantwortung übernehmen. Es steht viel auf dem Spiel. Die Arbeit auf dem Hof ist eine tägliche Herausforderung, der Hannes wohl auch aufgrund seiner Jugend nicht immer gewachsen ist. Außerdem ist Hannes verliebt, in Mara, die Tochter des Großbauern von Heesen. Doch auch die von Heesens, und insbesondere Mara, haben ihr Päckchen zu tragen.

    Die schnörkellose Sprache des Romans spiegelt den rauen Arbeitsalltag und passt zur schlichten Schönheit der norddeutschen Landschaft. Dem Autor gelingt es mühelos, Bilder von Deichen, Elbarmen und Zugvögeln hervorzurufen. Ich konnte mich deshalb ganz wunderbar in das Buch vertiefen. Allerdings bleiben die Figuren etwas blass, da die Geschichte ausschließlich aus der Perspektive von Hannes erzählt wird und Hannes eher introvertiert ist. Außerdem schweigen immer alle …

    Auch hatte ich mir mehr von der Handlung versprochen. Nach der unerwarteten Wendung am Ende des ersten Drittels plätschert die Erzählung dahin. Ausbaufähige Themen, insbesondere die näherkommenden politischen Einschläge, werden leider nur gestreift. Nur am Rande wurde mir klar, dass das Buch in den 1920er Jahren, zwischen zwei Weltkriegen spielt. Hieraus hätte der Autor mehr machen können.

    Dennoch habe ich das Buch gern gelesen und vergebe vier Sterne.

  1. Der Roman bietet einen schönen Einblick in das damalige Leben

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 24. Mär 2021 

    Der Roman bietet einen schönen Einblick in das damalige Leben

    Kronsnest von Florian Knöppler ist ein Roman über ein kleines Dorf in Holstein in den späten 1920ern. Hauptakteur ist Hannes, er bewirtschaftet gemeinsam mit seinen Eltern einen Hof in der Elbmarsch.

    Hannes leidet sehr unter den Wutausbrüchen seines Vaters, nichts scheint dieser ihm Recht machen zu können. Als die Mutter ihm erzählt, dass der Vater früher selbst ein Opfer ähnlicher Zornausbrüche seines Vaters gewesen ist, stellte sich bei mir dennoch kein Mitleid ein. Hannes ist ein sensibler Junge, der sich wirklich bemüht, daher lag meine Sympathie diesbezüglich vollkommen bei ihm. Er ist ein naturverbundener Junge, sein Gespür bei Tieren ist enorm. In der Schule muss er oft das Gespött der anderen ertragen. Thies ist sein einziger Freund, bis sich etwas später eine Freundschaft mit Mara entwickelt. Die Verbindung lässt ihn Mitglied in einer Clique werden. Es tut ihm sichtlich gut auch einmal auf andere Gedanken zu kommen.
    Mara, dessen Vater sich mit seinem Hof verkalkuliert hat, der nun kurz vor der Veräußerung steht, trotz der Moderniesierung, mag Hannes, trotz des Standesunterschiedes, wobei dieser kaum noch von Bedeutung ist. Mara leidet sehr unter der Situation, hat gute Tage und weniger gute.

    Im weiteren Verlauf der Handlung entwickelt Hannes eine große Wut auf seinen Vater, als Leser ahnt man, dass sich diese wohl bald entlädt. Doch dass, was dann passiert, kommt sehr unerwartet und stellt die kleine Familie vor große Probleme.
    Der Roman taucht später ab in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, die politische Situation wird anschaulich eingefangen. Auch für Hannes bedeutet dies, sich auf eine neue Situation einstellen zu müssen. Es wird erwartet, dass er Stellung bezieht, viele seiner Altersgenossen haben dies bereits getan.

    Florian Knöppler hat einen ruhigen Erzählstil. Seine Kenntnisse über Praktiken der Landwirtschaft fügen sich gut ins Bild der damaligen Zeit.
    Da Hannes mir ans Herz gewachsen ist, bin ich gespannt, was mich im nächsten Band erwartet. EinigeFragen sind offen geblieben, ich hoffe sehr, sie dann beantwortet zu bekommen. Der Roman hat mich gut unterhalten, es war angenehm ihn zu lesen. Ich spreche daher eine Leseempfehlung aus!

  1. Ein anderes Leben muss doch möglich sein

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Mär 2021 

    Der junge Hannes lebt in den späten Zwanzigern auf dem elterlichen Hof in der Elbmarsch. Obwohl er sich alle Mühe gibt, die Erwartungen seines aufbrausenden Vaters zu erfüllen, muss er doch allzu oft unter dessen Fäusten und Schikanen leiden. Derweil finden die Nationalsozialisten Anhänger unter den kleinen Bauern, die sich in der Wirtschaftskrise übergangen und benachteiligt fühlen und ums Überleben kämpfen – auch in Hannes Umfeld. Trost findet er in der Natur und bei der jungen Mara, die genauso wenig in die gesellschaftlichen Schablonen zu passen scheint wie er.⠀

    Mit Hannes fieberte und litt ich von Anfang an ganz intensiv mit. Er ist ein guter Junge, fleißig, hilfsbereit und intelligent, leistet neben der Schule wahre Knochenarbeit auf dem elterlichen Hof, denkt dabei mit und ist auch durchaus motiviert. Und dennoch rennt er beim Vater immer wieder nur gegen eine Wand aus Ablehnung und Zorn. Er kann nichts richtig machen, gar nichts – der Vater lauert im Hintergrund, wartet nur auf etwas, wegen dem er die Fäuste sprechen lassen kann. Dabei sehnt sich Hannes nach seiner Anerkennung, nach einem freundlichen Wort.⠀

    Da war ich manchmal hin- und hergerissen: wird der Vater nicht zu einseitig als der Böse in dieser Geschichte dargestellt, ist das glaubhaft? Aber im Laufe der Kapitel gewann ich immer mehr den Eindruck, dass er eigentlich eine sehr tragische Gestalt ist, selber als junger Mann mal so war wie Hannes, aber vom Leben gebrochen wurde. Erst von Hannes Großvater, dessen Gewalttaten er nun am eigenen Sohn wiederholt, dann vom Krieg. Ich hätte weinen und mir die Haare raufen mögen ob dieses Zyklus der Gewalt, der durch die Generationen wütet.⠀

    Ein Kind lässt sich nicht ewig prügeln, bevor es anfängt, den Vater gleichzeitig zu lieben und zu hassen. Du siehst, wie das Hannes ein Stück weit verändert, wie ihm Boshaftigkeit geradezu antrainiert wird, und willst schreien: nein, geh diesen Weg nicht!⠀

    Später im Buch geschieht ein gewisses Umdenken, aber ob das noch rechtzeitig passiert, ob Hannes den Zyklus durchbrechen kann, möchte ich hier natürlich noch nicht verraten.⠀

    Durch seinen Lehrer Govinski – vielleicht der positivste Einfluss in seinem Leben – entdeckt Hannes die Welt der Literatur und stürzt sich drauf wie ein Ertrinkender auf das Glas Wasser. Er ist sensibel, das spürst du beim Lesen, kann geradezu poetisch mit Worten umgehen; da fragst du dich, was alles aus ihm hätte werden können, in einem anderen Leben.⠀

    Hannes hat nur wenige Menschen, die ihn auffangen können, und auch bei diesen bricht das oft weg. Sein bester Freund Thies gerät auf Abwege in dieser Zeit, in der die Nationalsozialisten ihren fatalen Aufstieg beginnen, so dass Hannes ratlos vor der Frage steht, wie er ihn davon abbringen kann. Seine erste große Liebe Mara ist eigentlich ein positives, lebensfrohes Mädchen, leidet aber immer wieder an lähmenden Depressionen. Alle um ihn herum sind ständig am Rande des Existenzverlusts.⠀

    Irgendwann wurde mir klar, dass die Frauen in Hannes’ Leben alle irgendwie verletzt sind. Da ist seine Mutter, die sich aufreibt zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn. Da ist Mara, die oft einfach nur im Dunkeln liegen und die Welt ausschließen kann. Und da ist Maras Mutter, die ihren herzensguten Mann schon lange nicht mehr erkennt.⠀

    Ich glaube nicht, dass diese Häufung von psychischen Problemen unrealistisch ist in einer Zeit, in der das Leben hart ist für alle, die Frauen aber doppelt belastet werden.⠀

    Der Schreibstil fängt das auszehrende, schlichte Leben der Bauern wunderbar ein, ohne idyllische Verklärung. Florian Knöppler ist keiner, der alles bis ins kleinste Fitzelchen zu Tode erklärt, so bleibt noch genug Raum, um den Dingen beim Lesen selber nachzuspüren. Aber er lässt die Leser:innen auch nicht in der Luft hängen – für mich ist die Balance zwischen ‘zu viel’ oder ‘zu wenig’ erklären gut gelungen.⠀

    Über Gefühle wird in dieser Zeit und den Kreisen, in denen Hannes sich bewegt, kaum gesprochen. Daher müssen Leser:innen genau auf das Verhalten und die unausgesprochenen Signale schauen, aber das wird meines Erachtens gut und stimmig beschrieben. Ich finde die Charaktere sehr gelungen, auch wenn du ihre Stärken, Abgründe und Kontouren selber ergründen musst – oder vielleicht gerade deswegen.⠀

    In der Leserunde, in deren Rahmen ich das Buch las, kam die Frage auf, wie originell der Roman ist. Meine Antwort darauf: Es ist eine Geschichte, die sehr grundlegende Beziehungen im Leben eines jungen Mannes in den Fokus stellt. Zum Vater, zur Mutter, zu sich selbst, zur ersten Liebe. Vor allem zu sich selbst. Ich weiß nicht, ob das wirklich origineller sein kann oder sein muss. Mich hat das Buch genau so, wie es ist, sehr berührt.⠀

    Kurzfazit⠀

    Hannes ist ein Protagonist, der mich von der ersten Seite an fesselte; ich litt und hoffte unsäglich mit ihm mit. Die anderen Charaktere finde ich ebenfalls sehr gut geschrieben – auch wenn du oft zwischen den Zeilen lesen musst, um ihre Ansichten und Gefühle zu ergründen. Aber das ist stimmig, denn das Leben auf dem Land ist hart in dieser Zeit, da tragen die meisten Menschen das Herz nicht auf der Zunge.⠀

    Der Roman zeigt sowohl, wie Gewalt eine Familie über Generationen vergiften kann, als auch, wie sehr das Leben der Bauern dieser Zeit geprägt war von Armut und erschöpfender Arbeit. Und wie anfällig das einige von ihnen machte für gewisse politische Ansichten… Florian Knöpplers Schreibstil schildert dieses Leben eindringlich und authentisch, ohne es zu verklären.⠀

    Für mich ist das Buch ein echtes Highlight – wenn auch oft ein schmerzhaftes.⠀

  1. Jugendlicher Held auf der Suche nach seinem Platz im Leben

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Mär 2021 

    Der Journalist Florian Knöppler hat seinen Debutroman „ Kronsnest“ in der Elbmarsch angesiedelt, wo er selbst seit einigen Jahren lebt. Die Geschichte spielt allerdings nicht im Heute, sondern in den späten 1920er Jahren, eine Zeit voller Umbrüche. Die Wirtschaftskrise macht auch den ansässigen Bauern zu schaffen.
    Hannes, zu Beginn 15 Jahre alt, steht im Zentrum des Romans; aus dessen Perspektive wird die Geschichte erzählt. Seine Eltern bewirtschaften einen kleinen Hof mit ein paar Kühen, ein paar Schafen und Schweinen und einem Pferd. Hannes hilft in jeder freien Minute. Doch seinem jähzornigen und launenhaften, gewalttätigen Vater kann er nichts recht machen. Der wünscht sich zwar einen „ganzen Kerl“ als Sohn, einer, der zupackt und sich nichts gefallen lässt. Gleichzeitig erträgt er es nicht, wenn Hannes selbständig Entscheidungen trifft. Die Mutter ist eine stille, oft in sich gekehrte Frau, die immer wieder versucht, zwischen Vater und Sohn zu vermitteln.
    Hannes ist zu Anfang des Romans ein sensibler, verschlossener und ängstlicher Junge. Diese Schwäche nutzen rauflustige Mitschüler aus, Hannes wird auch hier Opfer von Häme und Gewalt. Doch später lernt er sich zu wehren. Das Boxtraining hat ihn nicht nur körperlich stärker gemacht, sondern ihm auch ein neues Selbstbewusstsein geschenkt.
    Doch der Konflikt mit dem Vater spitzt sich immer mehr zu. Der beginnt seine Sorgen im Alkohol zu ertränken, seine körperlichen Kräfte lassen nach und zusätzlich gerät der Hof in existenzielle Not. Hannes fühlt oft einen unbändigen Hass auf seinen Vater, gleichzeitig ringt er beständig um dessen Anerkennung.
    Was ließ den Vater so brutal und aggressiv werden? Früher war er anscheinend ein anderer Mensch. Die Mutter verliert sich in Andeutungen. War es die Kindheit mit einem prügelnden Vater oder haben ihn die Kriegserlebnisse so verändert?
    Hannes findet Trost und Ablenkung in Tagträumereien und in Büchern. Auch die Liebe zu den Tieren auf dem Hof trägt dazu bei, dass er die Arbeit gerne und pflichtbewusst erledigt.
    Hannes begegnet in dieser Zeit Mara, der Tochter eines Großbauern und verliebt sich in sie. Mit ihrer Clique, ihrem Bruder und Freunden, verbringt er unbeschwerte Stunden beim Baden oder Segeln. Bei Mara und ihrer Familie lernt Hannes auch einen ganz anderen Umgang miteinander kennen. Doch Mara weiß ebenfalls um die dunklen Seiten des Lebens. Der Hof ihres Vaters ist hoch verschuldet, die Mutter psychisch krank. Und sie selbst hat mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen; mal ist sie forsch und lebenslustig, dann wieder zieht sie sich zurück. Hannes weiß nicht so recht, woran er bei ihr ist.
    Ein unerwarteter Schicksalsschlag bringt für Hannes und seine Mutter neue Sorgen und Belastungen.
    Auch die Zeitgeschichte fließt immer wieder in die Geschichte ein. Die Bauern fühlen sich von denen in Berlin im Stich gelassen und die Unzufriedenen finden sich im Landvolk und später bei den Nazis wieder. Diesen Weg geht auch Hannes’ früherer Freund Thies, während andere ihr Heil bei den Kommunisten suchen. Hannes selbst ist zu sehr mit seinen Gefühlen beschäftigt, außerdem lässt ihm die tägliche Arbeit keine Zeit. Politik interessiert ihn kaum.
    Der Einstieg ins Buch fiel mir leicht. Der Autor versteht es sehr gut, die Gegend und die Menschen dort lebendig werden zu lassen. Er findet stimmungsvolle Bilder, um die norddeutsche Landschaft und die Natur im Verlauf des Jahres zu beschreiben. Man spürt die Vertrautheit des Erzählers mit der Region und dem Menschenschlag dort. Sehr gut wird auch die bäuerliche Lebenswelt, die Arbeit auf dem Hof und dem Feld und mit den Tieren beschrieben. Zur Wortkargheit der Leute passt auch der eher nüchterne Erzählstil. Nicht alles wird ausformuliert, manches bleibt der Phantasie und der Interpretation des Lesers überlassen. Der ruhige Erzählfluss wird durch ein paar spannungsgeladene Episoden unterbrochen.
    Der erste Teil mit dem Schwerpunkt auf dem Vater- Sohn- Konflikt hat mich gepackt, doch danach gab es einige Längen. Die Handlung und die Überlegungen der Hauptfigur traten auf der Stelle. Auch manche Figuren wirkten auf mich nicht wirklich überzeugend, ihre Handlungen waren für mich nicht immer plausibel.
    Doch alles in allem ist „ Kronsnest“ eine lesenswerte Entwicklungsgeschichte mit einem jugendlichen Helden, der auf der Suche nach seinem Platz im Leben ist.

  1. Ein Leben auf dem Lande

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Mär 2021 

    Hach ja – leben auf dem Lande. Welcher Stadtmensch hat nicht schon einmal (heimlich) davon geträumt? *g*

    Nun, nach dem Roman „Kronsnest“ von Florian Knöppler kommt der ein oder die andere vielleicht ins Grübeln. Natürlich kann man die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen mit der heutigen nicht (direkt) vergleichen, aber damals aufkommende Themen wie immer schlechtere Entlohnung der Bauern für ihre (tierischen) Produkte sowie der am dunklen Horizont sich ankündigende Nationalismus bewegen die Menschen in Stadt und Land auch heute noch bzw. wieder.

    Florian Knöppler erzählt uns die Geschichte von Hannes – einem verschlossenen, aber durchaus aufmerksamen Teenager, der mit seinen Eltern auf einem Hof im titelgebenden Dorf Kronsnest lebt, welches tatsächlich existiert. Hannes leidet unter seinem gewalttätigen Vater, der Mensch und Tier quält.

    Das Leben in Norddeutschland Ende der 1920er Jahre ist karg wie die Landschaft. An dieser Kargheit lässt uns Florian Knöppler mit poetisch anmutenden Naturbeschreibungen teilhaben. Überhaupt hat der Autor ein Gespür für Sprache, obwohl vieles ungesagt bleibt. So karg das Land, so schleppend nämlich (auch) die Handlung. Knöppler deutet an, lässt viel Raum für Interpretation.
    Für die Einen mag das eine Schwäche darstellen, für Andere ist es eine zusätzliche „Herausforderung“ während und nach der Lektüre.

    Manchmal will man die Protagonisten schütteln, sie aus ihrer Lethargie reißen und rufen „Tu was!“ Aber letztlich lässt man sie ziehen, lässt sich auf die Story ein – und kommt nicht umhin, sich auf die Fortsetzung zu freuen.

    Ich glaube, es steckt noch viel Potenzial (in „Kronsnest“ schon an vielen Stellen sichtbar!) in Florian Knöppler, der sich selbstkritisch in die Leserunde eingebracht hat; dafür gebührt ihm mein Respekt!

    3,5* die ich auf 4 aufrunde!

    ©kingofmusic

  1. Staunen und Schweigen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 21. Mär 2021 

    Kronsnest in der Elbmarsch. Ein kleiner Ort bäuerlichen Lebens. Dort lebt der 15-jährige Hannes mit seinen Eltern. Der erste Weltkrieg ist etwa 10 Jahre vorüber. Die Menschen gehen ihrer täglichen harten Arbeit nach. Die politischen Veränderungen im Land scheinen noch weit weg.

    Hannes’ Vater ist ein schwieriger Mensch, ein Perfektionist, jähzornig und impulsiv. Mit dem Erwachsenwerden des Sohnes hat er seine Schwierigkeiten, erträgt nicht, dass es im Haus einen „zweiten Mann“ geben wird, der eigene und noch dazu richtige Entscheidungen treffen kann. Die Mutter ist ein ruhiger, beschwichtigender Ausgleich zum Vater, eine loyale Ehefrau, eine, die versucht zu erklären, was den Vater antreibt. Hannes beginnt zunehmend sich an anderen zu orientieren, am Lehrer, an der großbäuerlichen Familie von Heesen. Vor allem Mara von Heesen hat es dem jungen Burschen angetan. Mara, die an allem in dieser Welt etwas Erstaunliches entdecken kann.

    Florian Knöpplers „Kronsnest“ ist ein Blick zurück auf eine traditionelle Gesellschaft. Wer in Kronsnest lebt, hat weder Zeit noch Mittel für große Veränderungen. Wer hier Bauer ist, wird Bauer bleiben, vorausgesetzt er kann den Betrieb wirtschaftlich erhalten. Die Welt rundherum schlittert in die Weltwirtschaftskrise, der aufkeimende Nationalsozialismus findet auch in Kronsnest fruchtbaren Boden. Doch der Roman streift die politischen Verwerfungen nur am Rande, - wenn Freundschaften am Spiel stehen.

    Mittelpunkt des Geschehens ist Hannes, der in der täglichen Ereignislosigkeit einer mühseligen Routine immer wiederkehrender Tätigkeiten, sich nach etwas anderem zu sehnen beginnt. Hannes ist naturverbunden, sensibel. Er hat Respekt vor den Tieren am Hof, egal ob diese Kapital oder Werkzeug sind, ganz im Gegenteil zum Vater. Sehr jung muss er viel Verantwortung tragen. Der Roman lebt von anschaulichen Beschreibungen der Landschaft der norddeutschen Elbmarschen. So wie Wasser fließt und sich Platz schafft, so erfahren wir viel von der Gedankenwelt des jungen Protagonisten. Karg in Worten im Gespräch, doch reich an Innenleben. Es gibt viele Schafe, auch diese schweigen.

    Viele Entscheidungen, die Hannes treffen müsste, werden ihm vom Leben, aber auch vom Sterben anderer abgenommen. Alles geht immer irgendwie weiter. Wenn am Schluss nicht alle Fäden verknotet sind, liegt das wohl auch daran, dass der Autor schon eine Fortsetzung der Geschichte geplant hat.

  1. eine Zeitreise in ein ländliches Deutschland der 20er

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Mär 2021 

    Florian Knöpplers Debütroman „Kronsnest“ ist eine Zeitreise in ein ländliches Deutschland der 20er Jahre. Schauplatz ist Kronsnest, ein holsteinisches Dörfchen in der Elbmarsch.
    Die Menschen in dieser dünn besiedelten Gegend leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Die farbenfrohen Landschaftsbeschreibungen in diesem Roman gaukeln eine Idylle vor. Doch das Leben, in einer Zeit, in der Deutschland unter einer Rezession und einer Agrarkrise leidet, ist alles andere als idyllisch.

    Hier lebt der 15-jährige Hannes zusammen mit seinen Eltern. Die Familie betreibt einen Bauernhof, wie die meisten Bewohner dieser Gegend.
    Hannes leidet unter seinem gewalttätigen Vater, dessen Ansprüche an seinen Sohn selten erfüllt werden. Der Junge befindet sich in der Pubertät, an der Schwelle zum Erwachsensein. Anfangs wirkt Hannes noch kindlich, entwickelt sich jedoch im Verlauf der Handlung zu einem Jugendlichen, dem alles Kindliche abhandenkommt. Zwischen Vater und Sohn findet ein Kräftemessen statt, das auf eine Eskalation hinsteuert.

    Wir erleben Hannes in diesem Roman nicht nur als Sohn und Bauer, sondern auch als Jugendlicher, der die ersten Erfahrungen in Herzenssachen macht. Trotz aller Schufterei auf dem Hof und Querelen mit dem Vater sehen wir ihn inmitten von Gleichaltrigen, die ihre wenige freie Zeit miteinander verbringen. Hier lernt Hannes seine erste große Liebe kennen, Liebeskummer inklusive.

    "Für Mara war es nicht das Gleiche gewesen, er hatte sich das nur eingebildet, das Besondere, die Nähe, die Verbindung, so fest, dass niemand sie zerschneiden konnte."

    Die Landwirtschaft sorgt leider nur mehr schlecht als recht für den Lebensunterhalt von Hannes und seinen Eltern, genauso wie für viele andere Familien aus der Landbevölkerung. Daher organisieren sich viele Bauern in der sogenannten „Landvolkbewegung“, die sich gegen die aktuelle Politik zur Wehr setzt und dabei bei der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich ist.
    In Deutschland entwickelt sich zur gleichen Zeit der Nationalsozialismus, der von vielen (Land)bewohnern als Heilsbringer in dieser schlechten wirtschaftlichen Lage angesehen wird. So auch in Kronsnest.

    Inmitten dieser politisch aufgeheizten Atmosphäre ist es schwierig, neutral zu bleiben. Doch Hannes, genau wie andere Bewohner von Kronsnest, hat keinerlei Ambitionen, mitzulaufen, geschweige denn, sich politisch zu engagieren. Dennoch wird die Politik in kurzer Zeit Einfluss auf den Alltag in Kronsnest nehmen.

    "'Jetzt haben wir den ganzen Mist vor der Haustür. Der Brand, die Schlägereien, ich hab die ganze Zeit gedacht, so was kann's hier nicht geben, weil sich alle kennen.'"

    Ich habe den Roman „Kronsnest“ gern gelesen. Insbesondere der Anfang, der sich auf den Konflikt zwischen Vater und Sohn konzentriert, ist spannungsgeladen und lässt die Seiten nur so dahinfliegen. Sehr gut herausgearbeitet ist auch Hannes' Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein. Die Geschichte wird aus der Sicht von Hannes erzählt. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, in die Gedankenwelt des schweigsamen Hannes einzudringen, dessen Introvertiertheit typisch für den Menschenschlag der damaligen Zeit in dieser Gegend ist: es werden nicht viele Worte gemacht, ausgesprochen wird nur das Nötigste, Gefühle werden nicht gezeigt und erst recht nicht darüber gesprochen.
    Gespräche in diesem Roman, an denen Hannes beteiligt ist, werden daher von vielen unausgesprochenen Gedanken begleitet, die jedoch Dank der Erzählperspektive für den Leser ersichtlich sind.

    Es gibt nur wenige Personen in diesem Roman, denen sich Hannes gegenüber öffnet und ausspricht, was er denkt. Eine davon ist Mara, seine erste große Liebe. Szenen, die das Zusammensein von Mara und Hannes behandeln, unterscheiden sich deutlich vom Rest des Romans, der eine ernsthafte und melancholische Grundstimmung vermittelt, die aus dem harten und problembehafteten Leben der Charaktere resultiert. Denn Mara und Hannes gehen sehr unbeschwert miteinander um, flirten, haben Spaß. Zwischen den Beiden scheint sich eine Seelenverwandtschaft zu entwickeln.

    Leider kann der Roman das anfängliche Spannungsniveau, welches aus der intensiven Beschreibung den Vater-Sohn Konflikt resultiert, nicht halten. Denn mit der Zeit verliert sich die Handlung in Schilderungen des Alltags, der von harter Arbeit geprägt ist sowie der Bemühungen von Hannes, sein Gefühlsleben in den Griff zu bekommen. Erfreulicherweise gibt es aber immer noch spannende Momente, die etwas "Würze" in die Handlung bringen. Das sind Situationen, die das Aufeinanderprallen unterschiedlicher politischer Gesinnungen beschreiben und ein anschauliches Bild der Gesellschaft zur damaligen Zeit und unter dem Einfluss des jungen Nationalsozialismus zeichnen.

    Ein Highlight dieses Romans waren für mich die Beschreibungen von Natur, Landschaften und Tierwelt. Man wundert sich, wie viele unterschiedliche Vogelarten in der damaligen Zeit in dieser Gegend zuhause waren. Diese Beschreibungen vermitteln eine scheinbare Idylle, die einen starken Gegensatz zu den geschilderten Konflikten darstellt.

    Mein Fazit:
    Der Roman beginnt auf einem hohen Spannungsniveau, das allerdings im weiteren Verlauf abfällt und dem Roman dadurch einige Längen verpasst. Der Anfang dieses Romans war sicherlich stärker als das Ende. Dennoch hat mir das Gesamtpaket dieses Romans, mit seinen unterschiedlichen Themenbereichen, hier insbesondere der Vater-Sohn-Konflikt sowie der politische Aspekt gut gefallen, so dass ich ihn gern gelesen habe.

    © Renie

  1. Konnte mich nicht komplett überzeugen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Mär 2021 

    Der empfindsame Hannes lebt mit seinen Eltern auf dessen Hof, den sie gemeinsam bewirtschaften. Doch er leidet unter seinem gewalttätigen und unberechenbaren Vater. Auch in der Schule hat er es nicht leicht. Einen Ausgleich findet er in der Natur und in seinen Büchern. Als er Mara kennenlernt, überdenkt er sein Leben und er will sie unbedingt für sich gewinnen.

    Das tolle Cover und der neugierig machende Klappentext haben mich direkt angesprochen und ich war sehr gespannt, was für eine Geschichte sich in diesem Buch verbirgt.
    Der Schreibstil ließ sich grundsätzlich gut lesen. Er war anfangs allerdings sehr nüchtern und ich musste mich da erstmal dran gewöhnen. Dann ging es deutlich besser. Dennoch fühlte ich mich nicht so ganz in der Geschichte drin, sondern eher als äußerer Betrachter.
    Zu den Charakteren konnte ich keine richtig tiefgehende Beziehung aufbauen. Der Vater von Hannes hat mich total abgestoßen, weil er nur negativ war. Seine Aggressionen und Ungerechtigkeiten haben mich fast wütend gemacht. An ihm fand ich nichts Positives. Die Mutter hat bei mir ebenfalls Unverständnis und Kopfschütteln ausgelöst. Wieso sie zu ihrem Mann hielt und sich nicht gegen ihn stellte, war für mich nicht erklärbar. Vielleicht war es der damaligen Zeit geschuldet. Und Hannes war eigentlich sympathisch, gerade weil er sich so viele Gedanken um seine Arbeitsleistung etc. machte. Doch er war ein Jugendlicher, der seinen eigenen Weg finden musste. Mir fehlte bei ihm allerdings der Tiefgang, um komplett mit ihm mitfühlen und mitfiebern zu können.
    Die Geschichte floss gemächlich dahin. Es gab einige Szenen, die die Spannungskurve erhöhten, aber nicht enorm. Es herrschte dennoch durchgehend eine Neugierde, was Hannes noch erleben wird und was die Zukunft für ihn bereit hält. 
    Was mir sehr gut gefallen hat, waren die bildhaften Beschreibungen der Landschaft und der Natur. Ebenso die Beschreibungen der Bewirtschaftung des Hofes und der tägliche Kampf ums Überleben. Das wirkte sehr authentisch und passend zur damaligen Zeit.

    Dieser Roman hat einige richtig tolle Aspekte, er konnte mich jedoch leider nicht komplett packen. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

  1. Lesenswert

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Mär 2021 

    Kronsnest, ein kleines Dorf in der Elbmarsch in den Zwanziger Jahren. Hannes lebt mit seinen Eltern auf einem kleinen Hof. Die Arbeit ist hart und trotz Schule arbeitet er wie ein Mann. Anerkennung findet er selten. Sein Vater ist ein harter, unberechenbarer Mann, der schnell die Fäuste fliegen lässt, auch Hannes ist sein Opfer. Mehr als einmal liegt er mit Prellungen und Knochenbrüchen nach einer Attacke seines Vaters im Bett. Die Mutter versucht zu vermitteln, den Vater zu beruhigen und Hannes um Verständnis zu bitten. Eine harte Jugend und der Krieg haben den Vater so verändert.
    Dann trifft Hannes mit Mara ein junges Mädchen, das so ganz anders ist, als die Mädchen, die Hannes aus dem Dorf kennt. Träumerisch, fantasievoll, mutig, rebellisch – mit Mara bekommt seine Welt einen bunten Anstrich. Aber Mara hat auch andere Seiten, sie schleppt ebenfalls eine Menge Sorgen und Ängste mich sich, die sie doch gut verbergen kann.

    Das Buch hat mich Tage nach dem Lesen noch beschäftigt. Ich war hin und her gerissen. Mir gefiel die Sprache des Autors, seine stimmungsvollen Landschafts- und Naturbeschreibungen, die ungeschönte Wirklichkeit auf einem kleinen, alten Bauernhof. Dieser Teil hat eine große Anziehungskraft auf mich gehabt. Womit ich weniger gut zurecht kam, waren die Protagonisten. Anfangs dachte ich noch, dass ihre Handlungsweise nachvollziehen kann, wenn ich sie besser kenne. Aber sie blieben mir fremd. Besonders traf das auf Hannes‘ Mutter zu. Ihre stille, schweigsame Art, ihre Unentschiedenheit störte mich, vielleicht auch, weil ich erwartete, dass sie ihren Sohn besser schützt, verteidigt….

    Wobei ich die Wortkargheit durchaus als Stilmittel erkannte. Ein verschlossener Menschenschlag, der alles mit sich selbst ausmacht und Missernten und Schicksalsschläge stoisch hinnimmt. Florian Knöppler lässt dies zwischen den Zeilen anklingen ohne die Gefühle seiner Figuren immer auszuformulieren.

    Das war schon eine Herausforderung für mich, aber wenn mich ein Buch so lange beschäftigt und ich mir auch nach dem Lesen immer wieder Gedanken über die Figuren mache, bedeutet es auch, dass der Text etwas in mir angesprochen hat. Insofern war es ein positives Leseerlebnis.

  1. Entwicklungsroman zwischen Dorfidyll und Drittem Reich

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Mär 2021 

    Den Ort Kronsnest gibt es wirklich: Er ist in Schleswig-Holstein in der Nähe von Elmshorn an der Elbmarsch und von der Nordsee gelegen. Der Roman spielt Ende der 1920er Jahre. Im Zentrum steht Hannes, ein 16-jähriger Bauernsohn, dessen Eltern eine kleine Landwirtschaft mit wenig Vieh betreiben. Viel Arbeit ist das tägliche Brot, die kleinen Höfe haben es in Konkurrenz zu den ständig wachsenden Großbauernbetrieben immer schwerer, ihr Auskommen zu sichern. Hannes geht zwar noch zur Schule, muss aber am Hof tüchtig mit anpacken. Die familiäre Situation ist nicht einfach: Hannes Vater neigt er zu Gewaltausbrüchen und Alkoholkonsum. Er will als Patriarch das uneingeschränkte Sagen haben, was der Sohn aber mit zunehmendem Alter infrage stellt. Das führt zu handfesten Konflikten. Hannes leidet unter der mangelnden Akzeptanz seines Vaters und kämpft um Anerkennung, indem er besonders hart arbeitet und seinen Körper stählt. Die Mutter sieht die Ungerechtigkeiten, verspürt aber auch Loyalität ihrem Mann gegenüber, dessen Verhalten sie aufgrund seiner schweren Kriegsvergangenheit teilweise entschuldigt.

    Hannes ist ein sensibler, naturverbundener junger Mann, der sich trotz Arbeit und Schule Freiräume sucht. Zum Glück gibt es seinen besten Freund Thies, mit dem er Angeln geht und von einem besseren Leben träumt. Auch Lehrer Govinski fördert Hannes´ Entwicklung, indem er ihm mit Rat zur Seite steht oder interessante Bücher ausleiht.

    Als Hannes Mara und Jakob, die Kinder des Großbauern von Heesen, kennenlernt, beginnt für Hannes ein neuer Lebensabschnitt. Die Drei freunden sich an und unternehmen fortan viel miteinander. Hannes genießt diese andere Welt, ihn fasziniert Vater von Heesen, der trotz wirtschaftlicher Probleme ein liebevoller, großzügiger sowie seinen Kindern zugewandter Mensch bleibt. Zunehmend empfindet Hannes eine Seelenverwandtschaft mit Mara, denn auch sie hat hinter der unbeschwerten Fassade eigene Probleme. Allmählich entwickelt sich aus der Freundschaft eine zarte Liebe zwischen den beiden, die allerdings nicht von jedem gern gesehen wird…

    Man kann sich wunderbar in die dörflichen Strukturen dieses Landstrichs hineinversetzen, das Setting wirkt absolut lebensnah. Der Existenzkampf ist hart, die Bauern sind dem Wetter ausgeliefert, nur genaue Naturbeobachtungen schützen vor Ernteausfall. Jeder kennt jeden, Gerüchte verbreiten sich schnell. Die zeitliche Einbettung in die Weimarer Republik halte ich für sehr gut gelungen: Ohne allzu politisch zu werden, spürt man aufkeimende nationalsozialistische Tendenzen in der Landvolk-Bewegung, die zu Übergriffen auf Andersdenkende führen. Es brodelt, die zunehmende Radikalisierung hat auch Auswirkungen auf den ländlichen Raum. Die Politik entzweit Freundschaften, führt zu Gewalt, Vandalismus und Brandschatzung.

    Der Roman zeichnet sich durch großen Ideenreichtum aus. Es passiert viel, immer steht Hannes im Mittelpunkt, aus seiner Perspektive nehmen wir die Entwicklungen wahr. Hannes ist ein Charakter, der sämtliche Attribute eines literarischen Helden in sich vereint und sich im Verlauf des Geschehens weiterentwickelt. Er ist intelligent, hilfsbereit, tolerant und einfühlsam, er beweist nach außen zunehmend Stärke, bleibt im Inneren jedoch zweifelnd und nachdenklich. Als Gegenspieler verkörpert sein Vater eher das Böse und wirkt auf mich ziemlich plakativ. Viele der Nebencharaktere habe ich als weitaus stimmiger empfunden. Während sich die erste Hälfte des Buches mit dem oben beschriebenen Vater-Sohn-Konflikt beschäftigt, wechselt das zentrale Thema im zweiten Teil nahezu vollkommen. Das wird durch einen tragischen Unglücksfall, der die Gefühlswelt des Protagonisten in mehreren Beziehungen durcheinanderwirbelt, ausgelöst. Die damit einhergehenden Gedankenströme sowie die Weiterentwicklung der Liebesgeschichte zwischen Hannes und Mara konnten mich nicht durchgängig überzeugen. Manches wirkt gewollt und konstruiert auf mich. Es wird sehr viel geschwiegen im Norden, wo ein einfaches Gespräch Klärung bringen könnte.

    Trotzdem hat dieser historische Entwicklungsroman viele Stärken. Der nüchterne Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er transportiert die norddeutsche Mentalität, das Reservierte und Schweigsame, das man den Menschen dieses Landstrichs nachsagt. Die Beschreibungen von Natur und Tierwelt sowie alles rund um die Landwirtschaft zeugen von großer Nähe und wirken extrem authentisch, man kann nicht nur als Stadtmensch einiges dazulernen.

    Die wirtschaftlichen, politischen und psychischen Folgen des Großen Krieges auf die Bevölkerung, die den Weg zum Nationalsozialismus geebnet haben, werden durch die Figuren und Geschehnisse erlebbar gemacht und veranschaulicht. Dabei bleiben Hannes und sein Umfeld im Vordergrund, was ich als großes Plus empfunden habe. Die große Politik dürfte sich in Kronsnest 1928 nicht abgespielt haben. Die Handlung regt Interessierte jedoch dazu an, sich stärker mit der Weimarer Republik auseinander zu setzen.

    Hannes ist ein Sympathieträger. Wie der Autor mitteilt, plant er einen weiteren Roman, in dem man Hannes und seine Freunde Anfang der 1940er Jahre, also 12 Jahre später, wiedertreffen wird. Wir dürfen gespannt sein, was dann aus ihnen geworden ist.

    Kronsnest ist ein für alle Altersstufen geeigneter Entwicklungsroman, angesiedelt in einer turbulenten Zeit. Er hat eine angenehme Sprache, liest sich kurzweilig und wartet mit einigen Überraschungen auf. Das Buch ist bei Pendragon in haptisch sehr ansprechender Ausstattung mit Lesebändchen erschienen.

  1. Zwischen Stereotypen und

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Mär 2021 

    Zwischen Stereotypen und Ideenreichtum.
    Kronsnest spielt im Norddeutschen in den ausgehenden 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der Erste Weltkrieg ist vorüber, zehn Jahre sind vergangen, man hat sich wieder aufgerappelt, trägt aber noch schwer an den Folgen. Wirtschaftlich. Sozial. Psychisch.

    Vielleicht hat deshalb der knapp 15jährige Hannes, der mit Vater und Mutter auf einem kleinen Hof lebt, so sehr unter den cholerischen Anwandlungen des Vaters zu leiden. Ganz genau ergründet man es nicht, warum der Vater den Sohn geradezu zu hassen scheint und ihn mehr als einmal regelrecht misshandelt. Die Mutter zwischendrin. Stille Mediatorin. Das ist kein unbekanntes Setting. Ziemlich stereotyp. Manchmal Pucki: Pferdchen, Hündchen, gezähmte Dohle.

    Was an dem Roman fesselt, sind die Beschreibungen der Landschaft und der Natur. Diese Beschreibungen sind ein wenig zu lose und unverknüpft in den Raum gestellt, aber lyrisch und schön zu lesen. Dabei nicht ausufernd.

    Was an dem Roman ebenfalls besonders zu schätzen ist, ist seine Nähe zur norddeutschen kargen Lebensweise. Das Leben als Kleinbauer ist ein fortwährender Kampf. Hier sind „Kronsnest“ Stärken angesiedelt. Die fortwährenden Rückschläge, die man erleidet, dann wieder Erfolge und Hoffnungen, unerwartete Krankheiten der Tiere, die Geld verschlingen. Die Beschreibungen landwirtschaftlichen Handelns. Hier hat mich der Roman gepackt. Dazu die politischen Unwägbarkeiten. Der Roman versucht hier etwas, er versucht, die politischen Zusammenhänge ins Boot zu holen, aber es ist zu schwach, um zu überzeugen, zu kindlich, zu naiv wird hier erzählt.

    Bedauerlicherweise bildet der bäuerliche Überlebenskampf auch nicht das Zentrum der Geschichte, sondern Hannes Gedankenwelt und die Beziehungen zu Mara, sie ist die Tochter des gebildeten Grundbesitzers in der Nachbarschaft. Kann man machen. Der Fokus aufs pubertäre Zwischenmenschliche interessiert aber die ältere Leserschaft nicht in der dargestellten Ausführlichkeit und für die jüngere ist „der Beziehungskram“ nicht modern genug. In den Dialogen und im Zwischenmenschlichen zeichnen sich dann auch die größten Schwächen von „Kronsnest“ ab. Wo der Autor sich in den Landschaftsbeschreibungen durchaus mit Sprachgewalt auszeichnet, bleibt er in den Dialogen sprachlich und inhaltlich leider alles schuldig. Die Figurenzeichnung/en ist einfach zu mager. Auf jeden Fall ausbaufähig.

    Die Handlung des Romans selbst ist denn auch unspektakulär und bleibt im Oberflächlichen, beinahe im Belanglosen stecken, obwohl es durchaus dramatische Szenen gibt, aus denen der Autor durch das Verwirklichen des ehernen schriftstellerischen Gesetzes „Show, don’t tell“ mehr hätte herausholen können. Dramatik darf man nicht verschenken!

    Fazit: Und dennoch: Der Roman hat etwas. Etwas Vielversprechendes. Etwas Erdiges. Ich bin gespannt darauf, ob im zweiten Band die "Kinderkrankheiten" des ersten Bandes überwunden werden können.

    Kategorie: Heimatroman. Belletristik.
    Verlag: Pendragon, 2021

 

Die Schokoladenvilla: Roman (Die Schokoladen-Saga, Band 1)

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Schokoladenvilla: Roman (Die Schokoladen-Saga, Band 1)' von Maria Nikolai
NAN
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Inhaltsangabe zu "Die Schokoladenvilla: Roman (Die Schokoladen-Saga, Band 1)"

Format:MP3 CD
Seiten:0
EAN:9783844535549
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Alte Sorten: Roman

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Rezensionen zu "Alte Sorten: Roman"

  1. Typisch Arenz! Einfach nur genial!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Apr 2021 

    !ein Lesehighlight 2020

    Klappentext:
    „Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Erwachsene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem die nach ihrem Aussehen.
    Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeit, die auf dem Hof anfällt, problemlos zu meistern scheint. Schon beim ersten Gespräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Erwachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine misstrauischen Fragen. Liss bietet ihr an, auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für Eine, die nie über sich spricht, die das Haus, in dem die frühere Anwesenheit anderer noch deutlich zu spüren ist, allein bewohnt? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ernten und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, deren Geschmack Sally so liebt, kommen sich die beiden Frauen näher. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden.“

    Gleich vorweg: dieser Roman ist Gefühl und Gänsehaut pur und verzaubert den Leser mit seinen Worten.
    Ewald Arenz hat diesen Roman einen ganz besonderen Birnenduft gegeben, der selbst beim lesen einen förmlich entgegen springt. Seine Sprachmelodie, seine Wortwahl, seine Intention an den Leser, seine Protagonisten....dieses Gefühl des Landlebens und der Einkehr zu sich selbst, ist ihm einfach nur grandios großartig gelungen. Ich habe dieses Buch bereits im Herbst 2020 gelesen und dann nochmal im darauffolgenden Winter. Durch seine bildhaften Beschreibungen passt dieser Roman perfekt in diese Zeit und entführt den Leser. Seine Figuren Sally und Liss könnten wahrlich unterschiedlicher nicht sein und ziehen den Leser förmlich an. Man will wissen, warum beide so sind, was sie zu dieser Art bewogen hat und genau darauf baut Arenz ganz feinfühlig auf und lässt seine beiden Damen alles in aller Ruhe erklären, auflösen, ein wenig entzaubern. Arenz‘ Figuren wirken authentisch und realitätsnah. Gerade wenn man selbst auf dem Land lebt, sind solche Figuren wie Liss nichts Neues, im Gegenteil. Was ich bei Arenz so schätze, sind die kleinen Details zwischen den Zeilen, das fängt bereits beim Titel an. Diese Doppeldeutigkeiten sind kleine Highlights und lassen jedes anspruchsvolle Leserherz höher schlagen. Arenz weiß ganz genau wie er seine Leserschaft fesseln kann...auch mit „Alten Sorten“ die nie aus der Mode kommen aber dennoch aus der Reihe fallen, denn jede (Birne) ist wie sie ist, von Natur aus so gewachsen und eben einmalig - genau wie Sally und Liss.... 5 von 5 Sterne für dieses wunderbare Werk!

  1. Sinnsuche

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Aug 2020 

    Ein wunderbar empathisches Buch! Love it! Ein Buch über eine nachhallende Begegnung zweier geschundener Seelen. Eine junge Frau/ein junges Mädchen verschwindet verärgert und auch enttäuscht aus einer psychiatrischen Einrichtung, auf der Flucht vor den Regeln, den Einengungen und auf der Suche nach ... . Ja, auf der Suche nach was? Aber für so eine Frage ist Sally wahrscheinlich noch zu aufgebracht, zu sehr Rebell und sicherlich auch noch zu jung. Sally ist so richtig herrlich rotzig und gereizt von Ewald Arenz beschrieben worden. Toll! Hat mir fast genauso gefallen, wie ich auch manchmal den Kopf geschüttelt habe. Sally kommt schließlich auf ihrer Wanderung in ein Dorf und findet dort Liss. Auch sie ist vom Leben gezeichnet und zu einer Einzelgängerin geworden und nimmt Sally bei sich auf. Liss bedrängt Sally nicht, lässt sie ankommen und sich ausruhen, bindet sie etwas in die Arbeitsabläufe auf ihrem Hof ein und findet so langsam Zugang zu dem verstörten Mädchen. Liss beobachtet Sally und ihr Verhalten, erkennt Gemeinsamkeiten und eine gewisse Nähe entsteht in ihr. Und auch Sally geht es nach anfänglichem Zögern und Zaudern ähnlich. Nach und nach finden die beiden Frauen einen Zugang zueinander, öffnen sich langsam und in ihrem Tempo und helfen sich gegenseitig. Der Autor beschreibt zurückliegende Geschehnisse aus den Leben der beiden Frauen und nach und nach wird klarer, warum die beiden Frauen so sind, wie sie sind. Ewald Arenz gelingt es beide Frauen in mein Herz einziehen zu lassen! Das ist etwas, was diese Geschichte so ausmacht, diese tiefe Empathie, die zu den Hauptcharakteren entsteht. Eine wunderbare Geschichte, die ruhig noch etwas länger hätte gehen können! Love it! Und dieses Buch macht mich neugierig auf weiteres aus der Feder von Ewald Arenz, sehr neugierig!

  1. wunderschönes Buch!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Jul 2020 

    Sally ist wütend. Auf das Leben, die Leute, die ihr sagen wollen, was richtig ist und auch auf sich selbst. Da begegnet sie Liss und das erste Mal ist da ein Mensch, der sie einfach mal machen lässt. Liss lebt alleine auf einem Hof und nimmt Sally bei sich auf. Nach und nach kommen sich die beiden näher und zeigen sich gegenseitig , dass sie viel mehr als dass sind, was sie selbst in sich sehen können.

    Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Ewald Arenz nutzt einen sehr bildhaften Schreibstil, der sich auch die jeweils handelnde Person anpasst. Gerade Sally flucht am Anfang unglaublich viel und man merkt an ihrer Ausdrucksweise, wie sie immer mehr mit sich ins Reine kommt. Bei Liss bleibt der Leser die ganze Zeit außen vor, die ist sehr verschlossen. Erst gegen Ende werden ihre Gefühle richtig greifbar.

    Das Buch hat mir tolle Lesestunden beschert und mich mit einem wohligen Gefühl zurück gelassen. Von mir daher eine unbedingte Leseempfehlung!

  1. Klein, aber oho!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Jun 2019 

    Dieses Buch war etwas Besonderes.
    Sally ist aus der psychiatrischen Klinik ausgebüchst. Mit 17 Jahren mag sie zwar Probleme mit ihren Eltern und vielleicht auch mit der Magersucht haben - gängeln und vorschreiben lassen, was sie zu tun und zu lassen hat, will sie sich dennoch nicht.

    Nach ihrer Flucht trifft sie auf Bäurin Liss, die ihren geerbten Hof mit großer Selbstverständlichkeit versorgt. Sie bietet Sally eine Bleibe an. Zwischen den auf den ersten Blick ungleichen, in ihrer Struktur aber wesensverwandten Frauen entwickelt sich eine labile Freundschaft. Lisa erkennt sich selbst in ihrer Jugend wieder, Sally bewundert die ältere Frau und vor allem die Bodenständigkeit ihres Schaffens sowie die Tatsache, dass sie nichts von der Jüngeren fordert und sie nicht einengt.

    Allmählich gesundet Sally und hilft gleichzeitig Liss, über die Brüche und Verluste in ihrem Leben hinwegzukommen. Natürlich suchen die Eltern nach Sally, was zusätzliche Spannung birgt...

    Der kleine Roman besticht durch seine prägnante Aussagekraft, seine bildgewaltigen Beschreibungen von Natur, Landwirtschaft und Gefühlslagen. In jeder Minute könnte ich mich zu 100 % in die Charaktere einfinden. Das setzt große Empathie, großes Einfühlungsvermögen voraus. Auf unprätentiöse Weise fühlte ich mich zum Ende hin mehrfach schwer berührt.

    Ein großer kleiner Roman. Ohne Wenn undAber: 5/5 Sterne !

  1. Eine Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Frauen

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Jun 2019 

    Sally ist ein junges Mädchen, 17 Jahre alt, zornig und auf der Flucht. Auf der Flucht vor der Klinik, in die ihre Eltern sie haben einweisen lassen, um sie von ihren Essstörungen kurieren zu lassen. Auf der Flucht vor ihren Eltern. Und irgendwie auch auf der Flucht vor sich selbst.
    Lizz ist eine Frau mittleren Alters, von ihrer Vergangenheit geprägt, und hat sich auf ihren Hof zurück gezogen, den sie allein bewirtschaftet.
    Bis die beiden eines Tages im Weinberg auf einander treffen.
    Mit Lizz und Sally treffen hier zwei unterschiedliche Frauen aufeinander. Doch, so unterschiedlich sie auch zu sein scheinen, so haben sie doch eine ähnliche Vergangenheit. Es scheint einer innere geistige Verbindung zwischen beiden zu geben.
    Lizz nimmt Sally zu sich auf den Hof, lässt sie ohne Nachfragen bei sich wohnen. Allmählich beteiligt sich Sally an der Arbeit auf dem Hof, lernt Brot backen, keltern, hilft bei der Weinlese und bei der Ernte seltener Birnensorten. Und bei all der Arbeit lernen beide Frauen sich zu öffnen und über ihre Gefühle zu reden. Es entwickelt sich ein besonderes freundschaftliches Verhältnis. Als jedoch Sallys Eltern auftauchen, um sie in ihr altes Leben zurück zu bringen, bahnt sich eine Katastrophe an.

    In einer gefühlvollen und bildlichen Sprache beschreibt der Autor die Geschichte von Lizz und Sally. Als Leser hat man immer wieder den Eindruck, dass man die Waldluft riechen und die Birnen schmecken kann. Ewald Arenz ist es gelungen Gefühle in Worte zu packen. Und so wird daraus ein Buch, das den Leser mitreißt, schmunzeln lässt aber auch nachdenklich macht.
    Das Cover ist einfach gehalten aber dennoch ansprechend. Es passt sehr gut zur beschriebenen Schlichtheit des Hofes.
    Beides zusammen, Inhalt und äußere Gestaltung machen aus diesem Buch ein kleines Meisterwerk, das unter die Haut geht und einen so schnell nicht wieder loslässt.

  1. Leise und berührend

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Mai 2019 

    Sally rebelliert, gegen alles und Jeden. Sie ist wütend auf ihre Eltern, auf die Psychiater der Klinik, die ihr sagen, was sie tun muss um ihr Leben zu leben und wie sie mit ihren Essstörungen umgehen muss. Sie ist aus der Klinik geflohen und trifft auf Liss, eine knapp 50jährige Frau, die allein auf einem großen Bauernhof am Weinberg lebt. Liss nimmt Sally auf, und mit ihrem Pragmatismus beruhigt sie Sally, sie nimmt sie wie sie ist, sie legt ihr keine Verpflichtungen oder Empfehlungen nahe.

    Beide beginnen vorsichtig, Vertrauen zueinander zu fassen und nähern sich aneinander an. Sally beginnt wieder zu essen, ohne dass es verlangt wird, sie findet großes Vergnügen an einfachen Kartoffeln oder an den Birnen alter Sorten, die Liss in ihrem Obstgarten anbaut.
    Liss findet in Sally’s rebellischer Art sich selbst wieder, als junges Mädchen musste sie gegen ihren Vater und die von ihm auferlegten Zwänge ankommen. Davon getrieben flüchtet sie in eine Ehe und bekommt neue Fesseln angelegt, die sie bis zur Unerträglichkeit erdrücken.

    Ewald Arenz versteht es auf einzigartige Weise, den Leser in die Geschichte zu holen. Schon auf den ersten Seiten spürt man die Wärme der Sonne des Spätsommertages, riecht die Erde, sieht das Flirren und die Insekten in der Luft. Sprachlich zaubert er Bilder, die die Einfachheit des Lebens auf dem Bauernhof mit viel Arbeit, aber auch dem großen Vergnügen und der Zufriedenheit nach körperlicher Arbeit lebendig werden lassen. Damit schafft er große Nähe zu den Figuren und zur Geschichte. Mit viel Warmherzigkeit und Liebe hat Ewald Arenz die beiden versehrten Frauen gestaltet, er vergibt ihnen ihre Schwächen, lässt sie aufstehen und kämpfen, auch wenn sich beide dabei stützend aneinander lehnen müssen.

    „Alte Sorten“ ist ein leise erzähltes kraftvolles und warmherziges Buch über einen Neuanfang, das ich sehr gerne gelesen habe.

  1. Vertrauen und Freundschaft

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Mai 2019 

    Sally rebelliert gegen eine Umgebung, die sie krank macht. Sie lehnt sich ihrer Eltern auf, die nur das Beste für sie wollen, aber eher das Beste für sich meinen, gegen Psychologen, die ihr sagen, wie sie ihr Leben in Griff bekommt, ihre Essstörung und ihre Selbstverletzungen. Deshalb haut sie aus der Klinik ab. Zufällig begegnet sie Liss, eine Frau in mittleren Jahren, die allein auf einem Bauernhof lebt.

    Liss nimmt Sally auf, ohne viel zu fragen. Zum ersten Mal begegnet das junge Mädchen einem Menschen, der sie annimmt, wie sie ist ohne ihr zu sagen, wie sie sein sollte. Ganz allmählich und ohne große Worte knüpfen die zwei Frauen ein Band, öffnen sich allmählich und fassen Vertrauen zueinander.

    Wenn auch auf den ersten Blick die Beiden grundverschieden scheinen, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten. Liss erkennt sich in der rebellischen Sally wieder und erinnert sich schmerzhaft an ihre Kindheit und Jugend voller Enttäuschungen und Zwang.

    In einer zarten, einfühlsamen Sprache entwickelt der Autor die Geschichte der beiden Frauen. Wie sie sich in der alltäglichen und harten Arbeit auf dem Hof sich langsam näher kommen, wie Sally plötzlich Verantwortung für sich übernehmen kann und über den Geschmack von reifen Birnen oder einfachen Kartoffeln auch wieder essen lernt, hat mich tief beeindruckt. Farbig und bildhaft beschreibt der Autor die Landschaft oder die Erntearbeit, ich hatte das Aroma der Früchte auf der Zunge und fühlte Wind und Sonne. Es ist eine Leichtigkeit in der Geschichte, trotz des ernsten Hintergrunds von Verlust und Schuld. Eine harte Schale umgibt die Seelen von Liss und Sally, aber sie bricht langsam auf und es ist die schriftstellerische Kunst des Autors den Leser daran teilhaben zu lassen.

    Das Buch von Ewald Arenz besticht nicht nur durch die wunderschöne Sprache, sondern auch durch die äußere Gestaltung. Ein zartes Titelbild und ein schöner Einband mit Lesebändchen haben mich sofort eingenommen.

    Der Roman gehört zu den Büchern, die mich lange beschäftigen und begleiten werden und den ich nur wärmstens empfehlen kann.

  1. Ein bezauberndes und einfühlsames Werk

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Mai 2019 

    Ein bezauberndes und einfühlsames Werk

    Alte Sorten von Ewald Arenz

    Was muss geschehen, damit zwei beschädigte Seelen sich heilen? Sie müssen sich treffen! Genau dies geschieht in diesem bezaubernden Roman.
    Sally ist frustriert, sie will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie erträgt keine Gespräche mehr mit Menschen die ihr erzählen möchten, was gut für sie ist. Um dem allem zu entfliehen flüchtet das junge Mädchen aus der Therapieeinrichtung und trifft auf Liss. Liss betreibt einen Hof und nimmt das Mädchen auf. Zu Beginn leben die beiden mehr oder weniger nebeneinander her. Liss erwartet von Sally keine tiefsinnigen Gepsräche, sie bietet ihr ein Dach über dem Kopf und erbittet ab und an Hilfe auf dem Hof. Durch diese Hilfe bekommt Sally Einblicke in die Arbeiten die in der Landwirtschaft anfallen und lernt sich neu kennen. Nach und nach öffnen sich die beiden Frauen und man erkennt, dass beide viel ertragen mussten.

    Dieser Roman ist eine echte Perle. Die Erzählweise ist sehr einnehmend, die Handlung sehr fesselnd, obwohl alles ein gemächliches Tempo hat. Die Beschreibung der Natur und der Tätigkeiten lässt den Leser alte Erinnerungen wieder aufleben. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Probleme der beiden Frauen zwar ernst genommen werden, aber nicht den Fokus dieses Romans bilden. Im Gegenteil, er erzählt die Geschichte von Liss und Sally auf ihrem Weg der Selbstfindung!

  1. Leise und eindrucksvoll erzählt

    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mai 2019 

    „In Sally wurde es das erste Mal seit langer Zeit für einen Augenblick ganz still, und sie bewegte sich nicht, um diese Stille nicht gleich wieder zu verlieren.“ (Zitat Seite 17, 18)

    Inhalt:
    Sally, jung, Schülerin kurz vor dem Abitur, gerade wieder in einer psychotherapeutischen Klinik, verlässt diese und macht sich auf den Weg, einfach weg. Irgendwo zwischen Weite und Feldern, nahe bei einem Dorf, trifft sie auf die ältere Liss, die alleine einen Hof bewirtschaftet. Liss, schweigsam, unangepasst, findet in Sally viel von sich selbst in jungen Jahren wieder. Sie lädt Sally ein, bei ihr auf dem Hof zu übernachten und aus einer Nacht werden viele Tage. Es ist Herbst und gemeinsam erledigen sie die anfallenden Arbeiten – und aus dem ersten Schweigen werden Gespräche und gegenseitiges Verständnis.

    Thema und Genre:
    In diesem Roman geht es um das Erwachsenwerden, Erziehung, Familie. Doch auch gegenseitiges Verständnis und Aufbegehren gegen Vorurteile und Zwänge sind Themen. Gleichzeitig erfährt der Leser viel über das realistische Landleben, Obstbau und alte Obstsorten.

    Charaktere:
    Liss und Sally, die beiden Hauptprotagonistinnen sind eigenwillig und für die Menschen um sie herum „anders“. Das Leben besteht für Liss‘ Vater aus Arbeit und genauer Ordnung, Bücher und Bildung passen nicht in dieses Leben. Doch Liss widersetzt sich der Enge des Dorflebens, auch wenn sie an den Hof zurückkehrt.
    Sally ist jung, begabt, doch sie hat ihren eigenen Willen und ihre eigene Meinung, manchmal ist sie auch einfach eine Suchende. Ihre Eltern meinen es gut, verstehen sie aber nicht. So wie die meisten Erwachsenen mit Unverständnis auf Sally und ihre Probleme reagieren. Bei Liss, die sie nicht drängt, sondern wartet, bis Sally selbst entscheidet, fühlt sie sich akzeptiert.

    Handlung und Schreibstil:
    Die Geschichte spielt im Herbst, zwischen Anfang September und Mitte Oktober, auf einem großen Hof irgendwo auf dem Land in der Nähe eines Dorfes. Rückblenden in Form von Erinnerungen der beiden Protagonistinnen ergänzen die Handlung. Der Roman ist ein einzelne Kapitel eingeteilt, die als Überschrift das jeweilige Datum tragen. Im Mittelpunkt steht jeweils Sally oder Liss, sodass der Leser die Ereignisse auch aus verschiedenen Perspektiven erfährt. So erhält der Roman zusätzliche Tiefe. Die Spannung ergibt sich einerseits aus dem schrittweisen Annähern der beiden Frauen, den ebenso auftretenden Missverständnissen, andererseits aus der Frage, warum die Dorfbewohner Liss meiden.
    Der Autor erzählt leise, eindrücklich, gibt jeder der beiden Frauen die passende Sprache. Intensive Schilderungen der Natur, der alten Obstsorten und des Landlebens im Herbst ergänzen die Geschichte, großartig, aber realistisch und ohne falsche Romantik.

    Fazit:
    Ein leises, eindrucksvolles Buch, in dessen Mittelpunkt zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Frauen stehen, die bald erkennen, wie viel sie gemeinsam haben. Eine Geschichte und Sprache, die den Leser sofort in ihren Bann zieht und noch lange in den Gedanken bleibt.

 

Weihnachten am Ku'damm

Buchseite und Rezensionen zu 'Weihnachten am Ku'damm' von Brigitte Riebe
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Weihnachten am Ku'damm"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
EAN:9783805200738
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Die Wahrheit über Metting

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Rezensionen zu "Die Wahrheit über Metting"

  1. Metting war überall

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Nov 2020 

    Tomás Lebesanft wächst in einem kleinen Provinzstädtchen auf. Seine Eltern betreiben ein Altenheim und so denkt der kleine Tom lange, dass es nur alte Menschen gibt. Es sind die bleiernen 60/70iger Jahre, die Schule geprägt von reaktionären Lehrern, deren Ausbildung noch von vergangenen Zeiten überschattet wurde. Er ist Legastheniker, was damals als „zurückgeblieben“ interpretiert wird. Eine weiterführende Schule wird ihm verwehrt. Sein bester Freund ist ebenso Außenseiter, Filip, der als Zigeunerjunge bezeichnet wird. Vermisst irgendjemand in der Schule ein Teil, wird sofort Filips Schultasche durchsucht. Vorurteile, die von den Lehrern sogar noch befeuert wurden.

    Die Ehe der Eltern ist seltsam unterkühlt, genau wie sein Verhältnis zu ihnen. Es gibt nur eine Person, die Tom wichtig ist, Marieluise die ins Altersheim der Eltern zieht. Eine alte Dame, aber jung in ihren Ansichten und Toms Bezugsperson und seine erste Liebe.

    30 Jahre später kehrt Tom in sein Heimatstädtchen zurück….

    Für mich war dieser Roman eine Zeitreise in meine eigene Vergangenheit, Schulzeit in der gleichen Zeit mit ähnlichen Erfahrungen. Da wurden Erinnerungen wach, die mich schmerzlich berührten. Es sind vor allem die kleinen Beobachtungen die Tom Liehr so wunderbar schildern kann und die einprägsame Bilder hervorrufen. Die selbstherrlichen Charaktere der braven Bürger - man ist ja schließlich wieder wer – die zu üblen Vorurteilen gegenüber Fremden führen. Ein dunkler Teint, ein fremd klingender Name reicht zur Ausgrenzung schon aus. Das alles ist mir aus der Erinnerung nur allzu vertraut.

    Der Autor schreibt sehr einfühlsam, für mich auch mit Emotionen verbunden. Das liegt sicher an meiner Generation, ich bin nicht sicher, ob jüngere Leser das ebenso spüren. Aber für alle Leser gleich interessant ist die Menschlichkeit des Romans. Es ist ein Loblied auf die Freundschaft, ein Geschichte über das oft schmerzhafte Erwachsenwerden und ein Zeitbild aus der Provinz gleichermaßen.

 

Sieben Jahre: Roman

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