Küstenzorn: Ein Fall für Kommissarin Sanders (Die Lisa-Sanders-Reihe, Band 5)

Rezensionen zu "Küstenzorn: Ein Fall für Kommissarin Sanders (Die Lisa-Sanders-Reihe, Band 5)"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Mär 2019 

    Lost Places

    In einer verfallenen Kate im Wald wird eine Leiche mit durchgeschnittener Kehle gefunden. Es handelt sich um Torben Fenske, kein Unbekannter für die Polizei. Er wurde von mehreren Frauen wegen Gewalt, Vergewaltigung und Stalking angezeigt, aber immer nur verwarnt, bzw auf Bewährung freigelassen. Auch einen ungeklärten Vermisstenfall gibt es, der ihm zur Last gelegt wurde. Eines seiner Opfer, Petra Haffner ist verschwunden und Petras Lebensgefährte sich sicher, dass Fenske sie getötet hat.

    Nun ist eine weitere Frau verschwunden und die Spurenlage in der Wohnung weist auf eine gewaltsame Entführung hin, Fenskes DNA und Fingerabdrücke wurden gefunden, wo ist die Frau? Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Vermisste ist nun schon seit Tagen ohne Essen und Trinken.

    Es gibt eine Menge Verdächtige in diesem Fall, die gestalkten Frauen und ihre früheren Partner, denn Fenske hat ihre Leben zerstört. Kommissarin Lisa Sanders arbeitet und Hochdruck und vor allem unter großen persönlichen Stress. Sie selbst wird von ihrem früheren Lebensgefährten gestalkt und bedroht. Und wenn das alles nicht genug wäre, gibt es in der Dienststelle eine üble Intrige und offenes Mobbing gegen sie.

    Die Intrigen eine neuen Kollegin, Karin Wagner, die von ganz oben protegiert wird, nehmen einen großen, für mich zu großen Raum im Kriminalroman ein. Ein Zickenkrieg mit wechselnden Loyalitäten erschwert die Arbeit, Ermittlungen geraten in den Hintergrund. Ich fand das eigentlich zu viel des Guten. Es hat nicht nur die Spannung des Plots gebremst, es war für meinen Geschmack viel zu dick aufgetragen. In jeder Polizeidienststelle würde längst der Personalrat eingreifen. Auch das Privatleben von Lisa ist von dunklen Wolken überschattet. Als Erstleserin kenne ich vorhergegangen Fälle nicht und weiß daher nicht, wie die einzelnen Beziehungen sich entwickelt haben. Trotzdem kam ich ganz gut mit den Konstellationen klar.

    Ein solide aufgebauter, spannender Küstenkrimi, der mir mit etwas weniger privaten Verwicklungen der ermittelnden Kommissare noch besser gefallen hätte.

 

Das Böse in uns/Ausgelöscht: Zwei Smoky-Barrett-Romane in einem Band. Smoky Barrett, Bd. 3 und Bd. 4 (Smoky Barrett Sammelband 2)

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Böse in uns/Ausgelöscht: Zwei Smoky-Barrett-Romane in einem Band. Smoky Barrett, Bd. 3 und Bd. 4 (Smoky Barrett Sammelband 2)' von Cody Mcfadyen
NAN
(0 Bewertungen)

Zwei hochspannende Fälle der FBI-Ermittlerin Smoky Barrett in einem e-Book:

In "Das Böse in uns" jagt FBI-Agentin Smoky Barrett einen Serienkiller, der Filme von seinen Taten online stellt. Anscheinend will der Mörder Rache nehmen, denn jedes Opfer hatte eine Sünde begangen. Smoky steht als Nächste auf seiner Liste.

Auch in "Ausgelöscht" hat Smoky es mit dem abgrundtief Bösen zu tun: Sie muss mit ansehen, wie eine blutverschmierte Frau aus einem fahrenden Auto gestoßen wird. Sie ist nur noch eine leblose Hülle: Jemand hat die zentralen Nervenbahnen ihres Gehirns durchschnitten. Und sie wird nicht die Letzte sein ...

Zwei Teile der erfolgreichen Thriller-Reihe von Bestseller-Autor Cody Mcfadyen in einem e-Book!

Format:Kindle Edition
Seiten:913
EAN:

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Fiona: Unten im Dunkeln (Fiona Griffiths, Band 4)

Rezensionen zu "Fiona: Unten im Dunkeln (Fiona Griffiths, Band 4)"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Mär 2019 

    Die Prüfung

    Wenn sie ihm echte Fälle bringt, lässt ihr Chef sie aus dem Verlies. Eigentlich sollte Fiona Griffiths sich auf die Prüfung vorbereiten. Während der freien Tage, die sie deshalb genommen hat, macht sie vieles, Lernen ist nicht dabei. Wieder zurück im Dienst, landet sie in der Asservatenkammer, um jede Menge Beweismittel zu archivieren und zu katalogisieren. Viel lieber wäre Fiona draußen beim Polizeieinsatz. Nun, sie muss das Beste daraus machen. Die alten Fälle, die Jackson ihr gegeben hat, arbeitet sie eher nebenbei durch. Bei ihrer unnachahmlichen Spürnase dauert es nicht lange, bis aus einem vermeintlichen Unfall und einem vermeintlichen Selbstmord zwei Tötungsdelikte werden.

    In diesem vierten Band der Fiona Griffiths Reihe muss die junge Polizistin ihr ganzes Geschick aufbringen. Natürlich will sie nicht in der Asservatenkammer versauern, doch wie immer, wenn sie mal wieder naseweis war, muss sie eine Weile kleine Brötchen backen. Doch wissend um ihre Fähigkeiten lassen die Vorgesetzten ein paar Fälle sichten, deren Ermittlung zu nichts weiter geführt hat. Fiona ergreift die Chance, sich wenigstens hin und wieder auf etwas Interessantes konzentrieren zu dürfen als auf ungeordnete Beweisstücke. Einiges kommt ihr komisch vor bei den erwähnten Todesfällen. Haben die eigentlich zuständigen Beamten etwas übersehen? Nicht unbedingt, die meisten sind einfach nicht mit Fionas Fähigkeiten ausgestattet, aus kleinsten Ungereimtheiten ein Delikt herauszuschälen.

    Man will hier wirklich nicht zu viel verraten, wie Fiona aus Nichts ein Verbrechen konstruiert. Die Entdeckungen, die einem im Rahmen der Lektüre erwarten, sind einfach zu brillant und verwegen. So manches „Häh?“ entfleucht einem, gefolgt von einem „Cool“. Da wird einem beim Mitdenken schon die eine oder andere Kletterpartie abverlangt. Was einen zu Beginn manchmal zum Absetzen zwingt, wird im Verlauf der Handlung zu einem echten Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen will. So langsam schält sich auch das Große und Ganze heraus, was es angeraten erscheinen lässt, die Reihe mit Band eins zu beginnen.

    Vielleicht muss man Fiona Griffiths erst etwas besser kennenlernen, um ihre komplexe, aber durchaus sympathische Persönlichkeit erfassen zu können. Doch je länger man einen gemeinsamen Weg mit ihr beschreitet, desto wohler fühlt man sich mit ihr.
    4,5 Sterne

 

Todesschweigen: Kriminalroman

Rezensionen zu "Todesschweigen: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Feb 2019 

    Wenn schon alles zu spät ist

    Der gängige Krimi folgt normalerweise in etwa diesem Schema: Es geschieht ein Verbrechen – meistens ein Mord oder mehrere –, die Ermittler ermitteln, es gibt eine Reihe von falschen Fährten und am Schluss wird der Täter entlarvt.

    Tat, Ermittlung, Aufklärung, Ende der Geschichte.

    Nicht so in Claire Askews Debütroman, der 2016 mit dem ‘Lucy Cavendish Prize’ ausgezeichnet wurde. Die Geschichte beginnt zwar mit der Tat – einem Schulamoklauf, bei dem 13 junge Frauen getötet wurden –, aber der Täter steht nicht nur von Anfang an fest, sondern er hat sich auch schon selber gerichtet.

    Tat, Ermittlung, Aufklärung, Ende der Geschichte…?

    Der Fokus des Buches liegt auf dem Nachhall der Tat.
    Claire Askew porträtiert die Trauer der Angehörigen mit sensiblem Strich – ihre Wut, ihren Schmerz und ihre Schuldgefühle –, aber das Gleiche gesteht sie der Mutter des Todesschützen zu, die immerhin auch ihr Kind verloren hat. Die empörte Öffentlichkeit verlangt derweil deren Bestrafung, sogar ihren Tod, während die Presse sich mit reißerischen Schlagzeilen überbietet und zu schäbigen Mitteln greift, um an Interviews und Fotos zu kommen.

    Die Charaktere werden alle lebendig und schlüssig beschrieben. Man kann sehr gut nachempfinden, was sie bewegt, man steckt beim Lesen sozusagen in ihrer Haut. Die Autorin lässt den Emotionen Raum und verzichtet dabei auf Pathos und künstliches Drama.

    Im Mittelpunkt stehen drei Frauen:
    Moira Summers, die Mutter des Täters.

    Ihre Trauer wird von der Öffentlichkeit wütend abgetan, als habe sie kein Recht dazu, um ihren Sohn Ryan zu trauern. Sie wird als Mörderin bezeichnet, weil sie einen Mörder geboren hat, sie wird verhöhnt und bedroht. Ihr wird die Schuld gegeben, obwohl sie nichts getan hat – weil sie nichts getan hat, um es zu verhindern.

    Sie hadert mit sich, muss ihre unendliche Trauer und Mutterliebe irgendwie verbinden mit der Erkenntnis, was ihr Sohn getan hat.

    Ishbel Hodgekiss, die Muter des ersten Opfers.

    Sie trauert nicht nur um ihre Tochter Abigail, sondern muss auch erkennen, dass diese Geheimnisse vor ihr hatte und sich von ihr entfernte. Ihr Mann schreit öffentlich nach Rache, und die ohnehin angeschlagene Ehe droht daran zu zerbrechen.

    DI Helen Birch, die dem Warum nachspürt.

    Sie versucht, die Puzzleteile so zusammenzusetzen, dass sie Sinn ergeben – und ist sich gleichzeitig bewusst, dass diese Sinnsuche sinnlos ist. Was bringt es, wenn sie den Tatverlauf bis ins Kleinste kennt? Wem hilft es, wenn sie die Motive des Täters versteht? Es macht die jungen Opfer nicht wieder lebendig, und es ist niemand mehr da, den die Justiz dafür bestrafen kann.

    Durch dieses Triumvirat sieht der Leser die Geschichte dieses Amoklaufs aus jeder möglichen Perspektive.
    Ihr gemeinsamer Widersacher ist Journalist Grant Lockley, der vor nichts haltmacht für die nächste Schlagzeile, dem nichts heilig ist. Er verkörpert einen sehr interessanten Aspekt der Geschichte: die Frage, was Journalismus darf und was nicht – was sich mit dem viel beschworenen ‘berechtigten Interesse der Öffentlichkeit’ noch entschuldigen lässt.

    Wann schlägt dieses ‘berechtigte Interesse’ um in blanken Voyeurismus?

    Wie würde ich reagieren?

    Es sind Fragen wie diese, die das Buch spannend machen. Für mich ist es im Grunde eher ein Drama als ein Krimi, da die Spannung zwangsweise ganz anderer Natur ist, wenn es nicht um Tat, Ermittlung, Aufklärung geht, sondern um den emotionalen Nachhall. Auch das Tempo ist eher langsam, passt aber meines Erachtens gut zur Art dieser Erzählung.

    Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist klar und schnörkellos und transportiert die Atmosphäre und die Emotionen der Charaktere dennoch wunderbar.

    FAZIT

    Bei einem Amoklauf werden 13 junge Frauen getötet, danach erschießt der Täter sich selbst. Der Polizei bleibt nur, nach den Ursachen zu forschen.

    Obwohl auf dem Cover ‘Krimnalroman‘ steht, gilt es hier nicht, einen Fall aufzuklären oder einen Täter zu stellen. Es geht um die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen im Angesicht einer Tragödie – Schmerz, Trauer, Wut –, aber auch um das Heischen nach Sensation und die Skrupellosigkeit der Medien (nicht nur der sozialen).

    Dennoch ist das Buch auf eher ruhige Art sehr spannend. Die Charaktere können durch emotionale Tiefe überzeugen, und auch den Schreibstil fand ich sehr ansprechend.

 

Die Richterin

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Richterin' von Liliane Fontaine
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Languedoc, Südfrankeich: ein ominöser Mord an einer Archäologin, ein toter Kapitän, ein geheimnisvolles antikes Artefakt - ein außergewöhnlicher Fall für Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt mit jeder Menge südfranzösischem Flair!

Auf dem Gelände einer archäologischen Grabung wird die Leiche der Archäologin Flavia Leone gefunden. Die Frau ist erstickt worden, und auf ihrem Gesicht liegt die Nachbildung einer antiken Totenmaske. Einige Tage später wird in Sète die Leiche von Flavias Mann entdeckt, Kapitän auf einem Cargoschiff. Bei den gerichtsmedizinischen Untersuchungen stellt sich heraus, dass das Paar auf die gleiche Art am selben Tag den Tod gefunden haben. Madame le Juge Mathilde de Boncourt, Commandant Rachid Bouraada und Lieutenant Felix Tourrain von der Police Judicaire in Nîmes nehmen die Ermittlungen auf und stoßen auf jede Menge Ungereimtheiten... 

Format:Kindle Edition
Seiten:304
EAN:

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Rezensionen zu "Die Richterin"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Feb 2019 

    Mathildes zweiter Fall

    In ihrem zweiten Fall wird die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt zu einer archäologischen Ausgrabungsstätte gerufen. Die leitende Archäologin Flavia Leone wurde tot auf der Grabungsstelle gefunden. Das Gesicht bedeckt mit einer antiken Totenmaske und unter einer Plane versteckt. Zusammen mit ihren Kollegen Commandant Rachid Bouraada und Lieutenant Felix Tourrain übernimmt sie diesen rätselhaften Fall. Es gibt einige Spuren, die im Privatbereich zu verorten sind, Flavia hatte eine Vorliebe für sehr junge Männer, aber auch im Kollegenkreis gibt es Eifer- und Rachsucht. Als dann auch noch einige Tage später Flavias Lebensgefährte tot in der gemeinsamen Wohnung entdeckt wird, nimmt der Fall erneut eine Wende.
    Wie bei ihrem ersten Südfrankreich Krimi darf auch hier die Landschaft wieder eine große Rolle spielen. Die Autorin schildert das Languedoc kenntnisreich und mit viel Sinn für bildhafte Landschaftsbeschreibung. Das erweckt bei mir Urlaubsfeeling und einen großen Wiedererkennungswert. Aber auch das Thema Archäologie wird immer wieder in kleinen Exkursen angerissen. Es ist die Stärke der Autorin Liliane Fontaine in den Krimi viel Atmosphäre und nebenbei viel Wissenswertes einfließen zu lassen.
    Mit Mathilde hat sie auch eine durchaus sympathische Hauptfigur mit Ecken und Kanten erdacht. Sie ist unangepasst und trotzt den allgegenwärtigen Rauchverboten mit ihrer Lust auf Gitanes. Sie scheut sich nicht, die Hände schmutzig zu machen, besticht aber auch durch Eleganz und modischen Schick. Das private Umfeld kommt auch nicht zu kurz, so lebt Mathilde an den Wochenende auf dem Chateau ihres Großvaters, zusammen mit der Winzerfamilie und ihrem liebenswerten Neffen Sèbastien.
    Die Ermittlungsarbeiten sind sehr anschaulich geschildert und lädt zum Miträtseln und Spekulieren ein. Allerdings hat mich das Ende dann doch sehr überrascht.
    Mir hat auch der zweite Fall sehr gut gefallen, er ist spannend, aber eben auch ein richtiger Wohlfühlkrimi. Ich finde die Autorin schreibt das französische Pendant zu englischen Landhauskrimi und trifft damit ganz meinen Geschmack.

 

Wolfsspiel: Kriminalroman (Kriminalromane im GMEINER-Verlag)

Rezensionen zu "Wolfsspiel: Kriminalroman (Kriminalromane im GMEINER-Verlag)"

  1. 4
    (4 von 5 *)
     - 10. Mär 2019 

    Ermittlungen zwischen Polizeiarbeit und privatem Detektivspiel.

    Im ansonsten ach so beschaulichen Lipperland treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Dieses ruft in Christian Jaschinskis „Wolfsspiel“ Kriminalhauptkommissar Florian Dreier und sein Team auf den Plan. Der Regionalkrimi ist im Februar 2019 bei Gmeiner erschienen und umfasst 314 Seiten.
    Leichenfund im Bad Salzufler Kurpark, in Nase und Ohren stecken gelbe Halmafiguren – wer ist zu einem solch perfiden Mord fähig? Während Dreier und sein Team noch im Trüben fischen, kommt es zu einem zweiten Mord, der demselben Schema folgt. Und bald steht fest: Hier hat das Ermittlerteam es mit einem Serientäter zu tun. Doch welchen Plan verfolgt er? Was steckt dahinter? Parallel dazu recherchiert auch die Richterin Tara Wolf mit ihren Freunden in diesem Fall - und nicht nur in diesem, sie macht zudem noch Jagd auf den mysteriösen Rocker, der hinter dem Mord an ihrem Mann steckt. Als sie dem Serienkiller auf die Spur kommt, gerät auch sie selbst in tödliche Gefahr …
    Ich muss gestehen, dass es mir anfangs einige Mühe bereitete, in den Kriminalroman hineinzufinden, werden Leserinnen und Leser doch gleich zu Beginn mit recht vielen Handlungssträngen und Charakteren - teils sympathischen, teils eher unsympathischen, auf jeden Fall aber zutiefst menschlichen - konfrontiert. Hat man diese Anfangshürde jedoch einmal überwunden, liest sich das Buch – nicht auch zuletzt aufgrund seiner flüssigen, klaren Sprache - zügig und spannend. Die recht kurzen Kapitel lassen beim Lesen schnell voranschreiten. Leider standen für mich schon zur Hälfte des Romans Täter und Motiv fest (und ich lag mit meiner Annahme nicht falsch), was, obgleich es auch ansonsten interessant und kurzweilig war, die Ermittlungsarbeiten weiter zu verfolgen, dem Geschehen doch ein wenig die Spannung nahm. Am Ende klärt sich die Mordserie logisch nachvollziehbar und solide auf, bedauerlicherweise bleiben allerdings einige Aspekte außen vor, so ist mir auch am Ende nicht ganz klar, was es mit den Halmafiguren auf sich hat.
    Positiv hervorzuheben sei hier dennoch der Perspektivwechsel: Immer wieder stößt man beim Lesen auf die aus der Ich-Perspektive erzählten und kursiv gedruckten Gedanken des Mörders, was einerseits beim Lesen für ein rasches Durchschauen sorgt, auf der anderen Seite aber eben auch ein gewisses Verständnis für die Taten weckt und Einsichten in die Psyche des Mörders eröffnet, sodass man am Ende die Motivation für die Morde gut nachvollziehen kann. Dieses lenkt den Blick auf einen ernsten Gedanken, der hinter diesem Roman steckt: die Selbstjustiz. Selbst wenn man, wie ich, nicht viel davon hält, bringt er Leserinnen und Leser doch ins Grübeln.
    Der gesamte Roman ist durchzogen von einem feinen, zum Teil auf hintergründigen Humor, wie z.B. das Auffinden der zweiten Leiche zeigt, bei dem es nach einer schönen Landschaftsbeschreibung heißt: „Das alles interessierte Sergej Kusainov nicht mehr. Er war tot und lag auf dem Rücken im Matsch.“ (S. 137)
    Wie es sich für einen Regionalkrimi gehört, enthält auch dieses Werk viel Lokalkolorit, was Lust darauf macht, selbst einmal das Lipperland zu besuchen – und dann hoffentlich, ohne auf einen Serienkiller zu treffen.
    Alles in allem präsentiert Christian Jaschinski mit „Wolfsspiel“ einen lesenswerten Regionalkrimi und ein sympathisches Ermittlungsteam, die förmlich nach einer Fortsetzung der Reihe rufen und Leserinnen und Lesern einige vergnügliche, interessante Lesestunden bescheren. Trotz der oben erwähnten Kritikpunkte gibt es von mir mit 3,5 von fünf Sternen eine eindeutige Leseempfehlung.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Mär 2019 

    absolut gelungenes Debüt

    Im Kurpark von Bad Salzuflen liegt ein erschossener Mann. In den Nasenlöchern und den Ohren steckt jeweils ein Halma-Kegel. Florian Dreier untersucht mit seinem Team den Fall und schon bald folgt ein weiterer Toter, der nach dem gleichen Modus Operandi sein Leben verliert. Da ein Halmaspiel aus mindestens vier Farben besteht, ist zu befürchten, dass weitere Tote folgen und somit wird die Zeit zur Lösung des Falles immer knapper, um weitere Opfer zu vermeiden.

    Unterstützung bei seinen Ermittlungen erhält Dreier von Tara Wolf und ihren Freunden. Tara Wolf sorgt neben ihrer Tätigkeit als Strafrichterin auch dafür, dass Täter, denen die Justiz nicht beikommen kann, trotzdem ihre gerechte Strafe erhalten.

    Die Geschichte ist von Beginn an durchgängig spannend. Dieses liegt zum Einen an dem geschickt konstruierten Kriminalfall an sich, und zum Anderen an den klar herausgearbeiteten Charakteren, die sich auch auf die Nebendarsteller erstrecken.

    Dieses zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass man als Leser durchaus Verständnis für den Täter/die Täterin und das Tatmotiv aufbringt. Und das alleine halte ich schon für eine recht Kunst.

    Die Beziehungsgeflechte, die Christian Jaschinski hier zwischen den handelnden Personen spinnt, sind recht filigran und mitunter auch amüsant.

    Die Dialoge wirken so realistisch, wie der Schreibstil flüssig. Insofern war auch noch lange nicht die Luft heraus, als für mich bereits auf Seite 144 feststand, wer der Mörder ist. Denn ich war bereits zu sehr im Plot gefangen, um auch den weiteren Fortgang quasi inhalieren zu wollen.

    Mein Fazit: ein absolut gelungenes Debüt, das Appetit auf hoffentlich viele Fortsetzungen macht!

 

Totwasser: Kriminalroman (Linn Geller)

Rezensionen zu "Totwasser: Kriminalroman (Linn Geller)"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 17. Feb 2019 

    Die Tragödie des verblassten rosa Striches

    Vorneweg: das Buch hat einiges zu bieten, das ich an einem guten Krimi zu schätzen weiß – so erweist die Autorin sich in ihrem Debütroman als Meisterin der Winkelzüge.

    Der Fall entwickelt im Verlaufe der Handlung viele interessante Verzweigungen und Verästelungen, die Ermittler verrennen sich in unerwartete Sackgassen, das Ganze wird zunehmend komplex, ohne dadurch unglaubwürdig zu werden… Auch die Aufklärung des Falls konnte mich erfreulicherweise überraschen. (Es gibt doch nichts Schlimmeres als einen vorhersehbaren Krimi.) Ich war nahe dran an der Lösung, aber knapp daneben ist auch vorbei!

    Pluspunkte gibt es ebenfalls dafür, dass sich die Geschichte sozusagen von hinten aufrollt und dabei aus der Perspektive einer Anwältin erzählt wird statt aus Sicht einer Polizistin oder Detektivin.

    An sich liest sich das Buch spannend und unterhaltsam.
    (Mehr zum “an sich” gleich.)

    Julia Hofelich hat vor einigen Jahren nicht nur selber als Rechtsanwältin gearbeitet, sondern sogar ihre eigene Kanzlei gegründet, genau wie ihre Protagonistin – sicher keine schlechte Grundlage für diesen Krimi; man merkt, dass Frau Hofelich weiß, wovon sie spricht.

    Außerdem ist ihr Schreibstil locker und durchaus angenehm. Hier kommt sicher zum Tragen, dass sie neben ihrer Tätigkeit als Rechtsanwältin auch ein Fernstudium zur Drehbuchautorin absolviert hat. Besonders die Dialoge lesen sich knackig und in einem guten Tempo.

    Nein, nicht alles ist hundertprozentig glaubwürdig. Manches erschien mir sogar etwas zu konstruiert, aber nicht in einem Ausmaß, der mir normalerweise das Buch verdorben hätte. Deshalb höre ich jetzt damit auf, um den heißen Brei herumzureden:

    Was es mir sehr schwer gemacht hat, das Buch wirklich voll und ganz zu mögen, ist Linn Geller, die Protagonistin.

    Auch hier möchte ich jedoch mit dem Positiven anfangen: Linn hätte es sich einfach machen können, indem sie das Geständnis ihrer Mandantin hinnimmt, ohne es groß zu hinterfragen, aber sie hat Prinzipien und ist entschlossen, ihnen gerecht zu werden – eine durchaus lobenswerte und sympathische Eigenschaft.

    Aber sie hat in einem Ausmaß Schwierigkeiten mit ihrem Selbstbild, dass ich es zunehmend ermüdend und sogar enervierend fand. Wenn so etwas zum Hintergrund eines Charakters gehört, gut. Wenn es hier und dort in die Handlung einfließt, auch gut.

    Wenn es aber immer wieder in den Mittelpunkt gestellt wird, ohne dass der Charakter sich merklich weiterentwickelt, dann stört es mich.

    Linn hatte vor geraumer Zeit einen schweren Autounfall, der ihr Bein zertrümmerte und ihr Gesicht zerschnitt. Es ist durchaus verständlich, dass so ein Ereignis traumatisiert und den Blick auf das Leben verändert. Aber aufgrund dessen, wie sie in den ersten Kapiteln über sich selber denkt und wie andere Menschen auf sie reagieren, bin ich davon ausgegangen, dass sie im Gesicht vollkommen entstellt ist. Doch dann denkt Linn darüber nach, dass die Narbe inzwischen zu einem ‘dünnen rosa Strich’ verblasst ist – deswegen so viel Selbstzweifel, sogar so viel Selbsthass…?

    Wenn es nur um Linns eigene Gedanken ginge, würde ich sagen, sie hat auf Grund des Traumas einfach ein gestörtes Selbstbild, aber es wird ja mehr als einmal angesprochen, wie andere auf sie reagieren.

    Es gibt auch andere Dinge, die ich ein wenig fragwürdig fand. Zum Beispiel, dass Linn sich manchmal sehr übereilt auf unklare Hinweise und unzuverlässige Zeugen stützt, ohne sie groß zu hinterfragen, so dass es mir im Erfolgsfall eher vorkam wie gut geraten. Sie wird als sehr talentierte, sogar herausragende Anwältin dargestellt, da erschien mir dieses Verhalten eher unrealistisch.

    Die anderen Charaktere haben mir überwiegend gut gefallen und ich fand sie auch gut geschrieben.

    FAZIT

    Linn Geller ist eine junge Anwältin, die gerade eine eigene Kanzlei gegründet hat und Fälle mit Werbewirksamkeit daher gut gebrauchen kann. Aber ihre Mandantin Grace Ricardi, die sie doch eigentlich nach Kräften verteidigen soll, scheint fest entschlossen, einen Mord zu gestehen, den sie nie im Leben begangen hat…

    Der Fall ist interessant, komplex und unterhaltsam, der Schreibstil liest sich sehr angenehm… Es gibt viele Eigenschaften, die für das Buch sprechen – aber mit der Protagonistin, die sich vor Selbsthass quasi zerfleischt, wurde ich leider überhaupt nicht warm.

 

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