Ein reines Wesen (Willa Stark)

Rezensionen zu "Ein reines Wesen (Willa Stark)"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Dez 2019 

    Tödliche Klinik

    Willa Stark, die österreichische Polizeiinspektorin, die schon lange in Köln arbeitet, ist endlich aus dem Koma erwacht. Zur physischen und psychischen Rehabilitation schlägt ihr Kollege und Freund Harro eine renommierte und exklusive Privatklinik im Saarland vor. Schon beim Erstgespräch trifft Willa auf eine Grundschulfreundin aus Graz, die ihr ganz aufgeregt von einem ungeklärten Todesfall in der Klinik erzählt. Einen Todesengel vermutet Nikki unter dem Personal. Obwohl Willa die Schilderungen etwas krude vorkommen, schlägt ihr Bauchgefühl an und sie beginnt zu ermitteln.

    Die Klinik wird von Dr. Schmitz und Dr. Stolz geleitet. Die wesentlich ältere Ehefrau von Stolz hat als reiche Erbin das Haus finanziert und ist die unangefochtene Chefin des Hauses. Alles wirkt sehr gediegen und seriös, doch je länger sich Willa umsieht, umso stärker wird ihr Unbehagen.

    Willa Stark ist eine außergewöhnliche Frau, sie hat meist den richtigen Riecher, auch wenn sie in ihren Ermittlungen mitunter unkonventionell und spontan vorgeht. Das macht aber auch den Reiz und die Spannung um diese Krimis aus. Es ist bereits der vierte Band dieser Reihe aus dem Conte Verlag, aber auch ein Leser ohne Vorkenntnis kommt sehr gut in diese Geschichte.

    Der Ermittlungsort Krankenhaus bietet jede Menge guten Stoff für einen straffen Spannungsbogen und als sich Harro entschließt, Willa zu unterstützen kommt noch eine weitere Komponente ins Spiel. Harro ist schon seit langem sehr in Willa verliebt. Sie allerdings sieht in ihm nur einen guten Freund – eine komplizierte Beziehung zwischen Privatleben und Beruf.

    Das ganze Umfeld der Klinik ist gut getroffen, man spürt die Atmosphäre in einem Medizinbetrieb, inklusive der Eifersüchteleien von Schwestern und Pfleger. Als sich dann noch Verbindungen zu einem ungelösten Mordfall in einer Kölner Klinik ergeben, wird die Situation für Willa fast unüberschaubar und nicht ungefährlich.

    Die Figuren in Willas Umfeld sind allesamt sehr ausdrucksstark beschrieben. Besonders mit Schwester Nikki ist Isabella Archan eine vielschichtige Charakterisierung gelungen, ich schwankte zwischen Mitleid und Abneigung und teilte damit auch Willas Einschätzung.

    Ein rundum gelungener Krimi, der mit viel Einfühlungsvermögen erzählt ist und mich bestens unterhalten und gefesselt hat.

 

Die Bildermacherin und der böse Wolf: Kriminalroman aus den Alpen (Die Bildermacherin / Kriminalroman aus den Alpen)

Rezensionen zu "Die Bildermacherin und der böse Wolf: Kriminalroman aus den Alpen (Die Bildermacherin / Kriminalroman aus den Alpen)"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Nov 2019 

    Die Fortsetzung ist gelungen

    Endlich hat Amalia auch noch den allerletzten Fotoauftrag in Berlin abgewickelt und kann ihren Umzug nach Südtirol in Angriff nehmen. Sie hat von ihrer verstorbenen Großmutter ein Haus geerbt und bei ihrem letzten Aufenthalt funkte es zwischen ihr und ihrem alten Kindheitsfreund Felix gewaltig und sie wurden ein Paar. Ungeduldig wartete er auf ihren Umzug und bei jeder neuen Verzögerung wurde er ärgerlicher. Nun hat er sich schon seit Wochen nicht gemeldet und Amalia ahnt, dass sie einiges in Ordnung bringen muss.

    Aber sie scheint zu spät zu kommen, denn Felix hat eine neue Liebe. Dr. Beate Sommer ist die neue Frau an seiner Seite, was Amalia erst mal einen Schock versetzt. Die Sommer ist zusammen mit einer weiteren Biologin, Celina Uhlig im Pustertal. Sie sollen dort die Ansiedlung von Wölfen wissenschaftlich begleiten. Ein heikles Thema in der Bevölkerung, die Bauern und Almhirten fürchten um ihr Wild und die Jäger um ihre Reviere. Die charmante und attraktive Celina kümmert sich allerdings nicht nur um die Wölfe. Auch den meisten männlichen Bewohnern des Ortes hat sie den Kopf verdreht und in einigen Ehen hängt der Haussegen gewaltig schief.

    Doch dann ist es ausgerechnet Amalia die bei einer Skitour die übel zugerichtete Leiche von Celina Uhlig findet. Ganz offensichtlich wurde sie von Wölfen angegriffen. Amalia beweist ein weiteres Mal, dass sie über detektivischen Spürsinn verfügt und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei lernt sie auch den ausgesprochen charmanten neuen Polizeikommandanten Maresciallo Marchetti kennen.

    Ein interessantes Thema bildet den Hintergrund für den neuen Kriminalroman um Amalia Engl. Die Ansiedlung von Wölfen ist in jedem Land sehr umstritten, so sehr die Umweltschützer und Naturfreunde die Rückkehr begrüßen, so sehr stellen sich Bauern und Viehhirten quer. Die Diskussion darüber fand auch Eingang in diese Geschichte und das gefiel mir sehr gut. Auch was ein fremder und frischer Wind in einer eingeschworenen Gemeinde anrichten kann, kommt sehr gut rüber.

    Amalia ist eine taffe Frau, erfolgreich als Modefotografin will sie nun wieder in ihrer alten Heimat ansässig werden und merkt aber auch, dass sie schon ein wenig fremd geworden ist. Diesen Kontrast finde ich ebenfalls sehr reizvoll. Dann sorgen die Liebeswirren auch noch für ein turbulentes Durcheinander, was mein Lesevergnügen erhöhte. Die beiden Autorinnen, Christiane Omasreiter und Kathrin Scheck, erzählen farbig und lebendig. Die schöne, winterliche Landschaft des Pustertals bietet einen weiteren Höhepunkt. Man möchte am liebsten in den tiefverschneiten Wäldern – Wölfe hin oder her – Tourengehen und die Gegend erkunden.

    Eine gelungene Auflösung, an die ich lange nicht auf dem Schirm hatte, rundet den Krimi ab. Und es gibt Grund sich auf den nächsten Band zu freuen, denn es ist noch nicht klar, wie sich Amalia entscheidet.

 

Ein Mörder steht im Walde: Nathalie Ames ermittelt - Tee? Kaffee? Mord! 9

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein Mörder steht im Walde: Nathalie Ames ermittelt - Tee? Kaffee? Mord! 9' von Ellen Barksdale
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Davon stand nichts im Testament... Cottages, englische Rosen und sanft geschwungene Hügel - das ist Earlsraven. Mittendrin: das "Black Feather". Dieses gemütliche Café erbt die junge Nathalie Ames völlig unerwartet von ihrer Tante - und deren geheimes Doppelleben gleich mit! Die hat nämlich Kriminalfälle gelöst, zusammen mit ihrer Köchin Louise, einer ehemaligen Agentin der britischen Krone. Und während Nathalie noch dabei ist, mit den skurrilen Dorfbewohnern warmzuwerden, stellt sie fest: Der Spürsinn liegt in der Familie.

Folge 9
Die Tote von Pelham Woods Im Pelham Wood nahe Earlsraven wird eine Camperin tot aufgefunden. Offenbar hatte sie sich auf ihrem Gaskocher einen Eintopf aus Giftpilzen zubereitet, ohne zu wissen, was sie da zusammenbraut. In der Gerichtsmedizin stellt sich jedoch heraus, dass es sich um die niederländische Starköchin Keetje Koopmans handelt! Und der wäre so ein Fehler niemals unterlaufen.

Noch dazu kommen diese Pilze in England gar nicht vor. Damit ist klar: Keetje Koopmans wurde ermordet - nur von wem? Nathalie und Louise unterstützen den Constable auch diesmal bei seinen Ermittlungen, aber alle Verdächtigen scheinen ein hieb- und stichfestes Alibi zu haben. Doch schließlich entdeckt Nathalie ein winziges Detail, und der Mörder muss feststellen, dass die kürzeste Route nicht immer zum Ziel führt...

Format:Audible Hörbuch
Seiten:0
Verlag: Lübbe Audio
EAN:
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Rezensionen zu "Ein Mörder steht im Walde: Nathalie Ames ermittelt - Tee? Kaffee? Mord! 9"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Nov 2019 

    Giftpilze...

    Im Pelham Wood nahe Earlsraven wird eine Camperin tot aufgefunden. Offenbar hatte sie sich auf ihrem Gaskocher einen Eintopf aus Giftpilzen zubereitet, ohne zu wissen, was sie da zusammenbraut. In der Gerichtsmedizin stellt sich jedoch heraus, dass es sich um die niederländische Starköchin Keetje Koopmans handelt! Und der wäre so ein Fehler niemals unterlaufen. Noch dazu kommen diese Pilze in England gar nicht vor. Damit ist klar: Keetje Koopmans wurde ermordet - nur von wem? Nathalie und Louise unterstützen den Constable auch diesmal bei seinen Ermittlungen, aber alle Verdächtigen scheinen ein hieb- und stichfestes Alibi zu haben. Doch schließlich entdeckt Nathalie ein winziges Detail, und der Mörder muss feststellen, dass die kürzeste Route nicht immer zum Ziel führt...

    Dies ist bereits der neunte Band der bisher 11bändigen Reihe englischer Kurzkrimis, bei Audible als ungekürzte Hörbuchfassung (4 Stunden und 31 Minuten) erhältlich. Gelesen wird das Buch von Vera Teltz, die den Vortrag erneut ruhig und unaufgeregt gestaltet, dabei aber durchaus zu fesseln weiß.

    Bereits seit einigen Folgen dreht sich das Geschehen (auch) um den von Nathalie geplanten Landmarkt, wobei sich die Eröffnung aufgrund wiederholter mysteriöser Vorfälle immer wieder verzögert. Auch diesmal kommt es wieder zu unverhergesehenen Ereignissen, doch Nathalie platzt (endlich) der Kragen. Sie erreicht, dass der Landmarkt endlich eröffnen kann - doch die nächste versteckte Bedrohung lässt nicht lange auf sich warten.

    Wie in den vorherigen Folgen auch ist der Landmarkt jedoch nur ein Nebenschauplatz, der eigentliche Fall beginnt in den Wäldern rund um Earlsraven, als dort eine bekannte TV-Köchin ums Leben kommt. Nathalie und ihre Köchin Louise nehmen mit dem Dorfpolizisten die Ermittlungen auf. Diesmal führt die Spurensuche sogar bis in die Niederlande.

    Für mich war dies ein witziges Detail, da ich etliche der genannten niederländischen Ortschaften in Zeeland aus diversen Urlaubsaufenthalten kenne. Mir rollten sich allerdings etwas die Zehnägel auf, wenn Vera Teltz versuchte, die Ortschaften niederländisch auszusprechen - unsäglich. Aber dies mal nur so off topic.

    Alles in allem ein weiterer unterhaltsamer Fall aus der Cosy Crime Reihe mit den Hobbyermittlern aus Earlsraven, in dessen Pub/Café/Hotel "The Black Feather" man sich inzwischen fast schon heimisch zu fühlen beginnt. Wie immer ein angenehmes Hörerlebnis!

    Die nächste Folge steht schon in den Startlöchern...

    © Parden

    *********************************************************

    Bisher in der 'Tee? Kaffee? Mord!'-Reihe gehört sind:

    Der doppelte Monet
    Die letzten Worte des Ian O'Shelley
    Die blauen Pudel des Sir Theodore
    Der Besuch des lächelnden Belgiers
    Der Club der Giftmischer
    Tod eines Schneemanns
    Arsen und Käsekuchen
    Zum Ersten, zum Zweiten... und tot
    Ein Mörder steht im Walde

 

Das Flüstern der Stadt (Ana Martí ermittelt 1)

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Flüstern der Stadt (Ana Martí ermittelt 1)' von Rosa Ribas
NAN
(0 Bewertungen)

Ein spannender und atmosphärischer Barcelona-Krimi über die Macht des Wortes: der Überraschungserfolg aus Spanien, für alle Leser von Carlos Ruiz Zafón und Alicia Giménez-Bartlett.
Barcelona, 1952, die Zeit der Franco-Diktatur: Die junge Journalistin Ana Martí soll die Berichterstattung über den Mord an einer Arztwitwe übernehmen – die Chance, endlich Karriere zu machen. Doch Ana darf nur schreiben, was ihr in die Feder diktiert wird, denn die Polizei hat strikte Anweisung, den Fall so schnell wie möglich zu den Akten zu legen.
Dann werden im Besitz der Toten Briefe gefunden – Liebesbriefe eines Unbekannten. Anas Cousine, die Sprachwissenschaftlerin Beatriz, entdeckt darin Hinweise, die zur Lösung des Falls führen könnten. Durch ihre Nachforschungen geraten die Frauen in große Gefahr. Doch Ana und Beatriz wollen die Wahrheit ans Licht bringen, mit den einzigen Waffen, die sie den Mächtigen der Stadt entgegenzusetzen haben: dem Wissen über die Sprache und der Liebe zur Literatur …

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:512
EAN:
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Rapunzel, mein: Thriller (Ein Grall-und-Wyler-Thriller, Band 2)

Rezensionen zu "Rapunzel, mein: Thriller (Ein Grall-und-Wyler-Thriller, Band 2)"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Nov 2019 

    Rapunzels Turm

    Während ihrer Vorlesung an der Hochschule über operative Fallanalytiker erfährt Rabea Wyler vom Leichenfund eines Mädchens in Düsseldorf. Das Besondere daran, dem Mädchen fehlen beide Hände und sie wurde mit ihrem eigenen Zopf erdrosselt. Sofort klingeln bei Rabea die Alarmglocken. Vielleicht handelt es sich bei der Toten um ihre vor zwanzig Jahren verschwundene Schwester Marie. Bei den damaligen Ermittlungen fand man lediglich ihre linke Hand, mehr nicht. Rabea hatte sich nie mit dem spurlosen Verschwinden ihrer Schwester abfinden können. Jetzt auf einmal diese neue Spur. Vielleicht ist die Tote ja Marie? Ohne groß nachzudenken fährt sie nach Düsseldorf zum Tatort um dort sofort abserviert zu werden.

    Ich kannte Rabea Wyler als Fallanalytikerin bereits vom Buch "Alphabetmörder". Mir war klar, sie muss und wird auf jeden Fall nach weiteren Spuren suchen. Schön fand ich, dass es ihr gelungen ist ihren ehemaligen Kollegen Jan Grall wieder mit in die Suche einzubeziehen.

    Wieder einmal konnte Lars Schütz schon durch seinen Schreibstil bei mir punkten. Kurze knackige Kapitel und gekonnte Szenenwechsel wodurch die Spannung spürbar beim Lesen stieg. Und ihm gelingt es den aktuellen Fall spannend mit den dem damaligen Verschwinden von Rabeas Schwester zu verknüpfen. Für das Ende hatte er sich dann noch etwas ganz Besonderes überlegt, für mich eine große Überraschung womit ich nicht gerechnet hätte! Das hat mir besonders gut gefallen. Und es besteht Hoffnung auf ein Wiederlesen, was mich sehr freuen würde.

    Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung und natürlich verdiente fünf Lesesterne.

 

Schonungslos offen

Rezensionen zu "Schonungslos offen"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Nov 2019 

    Super spannend

    Die Kommissarin Alexandra und ihr Kollege Isidor ermitteln in mehreren Mord- und Vermisstenfällen. Der Serientäter ist wie ein Gespenst und es gibt keinerlei Spuren. Dann gerät Alexandra selbst in den Fokus.

    Wow, was für ein spannender Krimi, der durchaus auch in die Kategorie Psychothriller passen könnte.
    Das Buch ließ sich sehr gut und verständlich lesen. Ich kam direkt in die Handlung rein und konnte das Buch einfach nicht mehr beiseite legen. Ich musste es unbedingt in einem Rutsch zu Ende lesen. Eine tolle Sogwirkung.
    Die Charaktere wurden prima ausgearbeitet, so dass ich sie mir gut vorstellen konnte. Die beiden Ermittler mochte ich sofort sehr gerne, sie waren äußerst sympathisch. Ich empfand sie als normal, ohne irgendwelche Macken etc. Auch die Einblicke ins Privatleben fand ich sehr gut, denn dadurch kommen mir Reihen-Charaktere besonders nah und ich möchte gerne mehr von ihnen lesen – so auch hier.
    Der Aufbau der Story gefiel mir richtig gut. Zum einen begleitet man als Leser Alexandra und Isidor bei ihren Ermittlungen. Diese wurden sehr authentisch und realitätsnah beschrieben. Sie traten auch mal auf der Stelle und kamen einfach nicht weiter. Sowas gehört eben dazu.
    Daneben gab es dann einen zweiten Strang, der den Leser ganz tief in die kranke Psyche des Täters blicken lässt. In Protokollen erfährt man über ihn, seine Kindheit und wie er zum Mörder wurde. Dieser Strang hat die Spannung enorm angeheizt und ansteigen lassen. Das war hervorragend überlegt und erzählt.

    Dieser Krimi war so spannend, so dass ich ihn regelrecht inhaliert habe. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Okt 2019 

    Ein empfehlenswerter Kriminalroman

    Als Kriminalkommissarin Alexandra Rau und ihr Assistent Isidor Rogg zu einem Leichenfundort gerufen werden, ahnen sie nicht, dass der Fall sie über Wochen beschäftigen und sie an ihre Grenzen führen wird. Denn der Mord an dem jungen Sinto bleibt nicht die einzige Tat. Es scheint ein Serienmörder sein Unwesen zu treiben.

    Der unheimlich spannende Kriminalroman „Grenzenlos offen“ wird stilistisch von zwei Erzählebenen geprägt. Da ist einmal die sehr realistisch beschriebene Polizei- und Ermittlungsarbeit, die aber nie langatmig wird. Ganz im Gegenteil, ich habe jede kleine Erkenntnis und Spur der beiden Ermittler mit Spannung verfolgt.

    Der zweite Erzählstrang gibt dem Mörder eine Stimme. Wir lernen einen Mann kennen, der sich an seinen Taten ergötzt und sich gleichzeitig als Opfer eines gewalttätigen Vaters und lieblosen Mutter versteht. Er selbst nennt diese Ergüsse „Sitzung“, sie sollen ihm eine Art Selbstanalyse ermöglichen, offenbaren aber nur einen larmoyanten, sich selbst überschätzenden Charakter. Diese Kapitel waren für mich manchmal nur schwer auszuhalten.

    Sehr subtil lässt Irene Matt die Bedrohung immer stärker hervortreten, denn inzwischen ist auch Alexandra in das Visier des Mörders geraten und da der Leser hier einen Wissensvorsprung hat, steigert sich die Spannung noch einmal. Ich konnte das Buch wirklich nicht aus der Hand legen, obwohl die kleine Schrift und der enge Satzspiegel mich beim Lesen etwas anstrengten. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich finden kann.

    Sprachlich hat mich das Buch auch überzeugt, die Personenzeichnung ist gelungen und lässt vor allem die beiden Hauptprotagonisten sehr lebendig und echt wirken. So bringt Isidors Liebe zur Sprache und zu Etymologie die Ermittler sogar einmal einen Schritt weiter. Nebenbei darf dadurch auch immer wieder mal Humor aufblitzen, sehr geschickt eingesetzt um dem Leser nach einer kleinen Entspannung wieder mit einem fesselnden Twist zu überraschen.

    Ein toller Krimi/Thriller von einer Autorin, die ich bisher noch nicht kannte und der ich viele Leser wünsche. Diese Buch ließ bei mir keine Wünsche offen.

    Eine schöne Buchgestaltung mit Lesebändchen ist das Tüpfelchen auf dem „I“.

 

Der Zorn der Vergeltung (Ein Winter-und-Parkov-Thriller, Band 4)

Rezensionen zu "Der Zorn der Vergeltung (Ein Winter-und-Parkov-Thriller, Band 4)"

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 02. Nov 2019 

    Ein spannender Thriller mit Tiefgang

    „Ja, sie hörte es auch. Das war nicht nur der Wind, der hier rauschte un die zerbrochenen Fenster und das alte Holz ächzen ließ … da war noch etwas. Jemand.“ (Zitat Seite 102)

    Inhalt
    Ferdinand Meersen, ein angesehener Kunsthändler wird brutal ermordet und mit ihm auch seine Familie. Kriminalhauptkommissarin Marie Winter muss den BKA-Profiler Daniel Parkov, den sie beinahe drei Monate lang nicht gesehen hat, überzeugen, die Ermittlungen zu unterstützen. Der neuen Sonderermittlergruppe Apostel steht eine einflussreiche Organisation, die Vier Apostel, gegenüber, dazu eine geheimnisvolle Person, die sich Orakel nennt und die wiederum einen Profikiller auf die Vier Apostel angesetzt hat. Dieser Profikiller ist den Ermittlern immer einige Schritte voraus, woher bekommt er seine Informationen?

    Thema und Genre
    In diesem spannenden Thriller geht es um internationale Geschäfte, die Höchstgewinne einbringen, um Menschenhandel. Themen sind vor allem Schuld, Gerechtigkeit und Rache, sowie die wichtige Frage nach der Berufsethik von Ermittlern. Für Parkov ist in manchen Situationen ein Vorgehen außerhalb aller Regeln legitim, was für Marie undenkbar ist.

    Charaktere
    Parkov wird gebraucht, ist aber seit seinem letzten Einsatz immer noch gesundheitlich beeinträchtigt. Er hatte sich mehrere Monate lang auch von Winter zurückgezogen, was diese nicht versteht. Ihre Beziehung ist daher gerade problematisch, was die gemeinsame Ermittlungsarbeit teilweise schwierig gestaltet. Dazu kommen die sehr unterschiedlichen Meinungen betreffend die Wahl der Mittel, als der Einsatz extrem gefährlich wird. Diese Diskussionen machen sie zu Figuren in einem Spiel, sie können nur reagieren, statt zu agieren und das führt zu Fehlern.

    Handlung und Schreibstil
    Die Handlung ist in drei übergeordnete Teile plus Epilog eingeteilt, sowie in 65 durchlaufend nummerierte Kapitel. Der erste Teil spielt in Frankfurt, der zweite Teil führt das Team in einen kleinen Ort in Russland und der dritte Teil in die französische Schweiz. Die Ereignisse spielen innerhalb eines realistisch knappen Zeitraums, nur ein Mal gibt es einen Sprung über zwölf Tage. Der Konflikte über die Wahl des Vorgehens unter berufsethischen Gesichtspunkten führen zu Diskussionen zwischen Parkov und Winter, was teilweise den Spannungsbogen unterbricht. Doch die vielschichtige Geschichte und die rasche Aufeinanderfolge der Ereignisse bauen die Spannung sofort wieder auf. Diesmal endet der Einsatz mit einem gewaltigen Show-down und einem ebenso heftigen Cliffhanger. Doch in in einem Kapitel am Beginn des dritten Teiles hat der Autor einen wichtigen Hinweis versteckt, ein wirklich genialer Einfall.

    Fazit
    Dieser vierte Band einer Serie um den exzentrischen, unkonventionellen Profiler Parkov und die entschlossene, ebenso unnachgiebige Ermittlerin Winter enthält in kurzen Rückblicken alle notwendigen Erklärungen, um auch neu in die Serie einzusteigen. Ein packender Thriller, vielschichtig, komplex, mit überraschenden Wendungen und mit aktuellen Themen und Situationen, wo man sich als Leser unwillkürlich fragt, wie man selbst entscheiden würde. Spannende Unterhaltung mit Tiefgang.

 

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