Achtsam morden am Rande der Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Achtsam morden am Rande der Welt' von Karsten Dusse
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Achtsam morden am Rande der Welt"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453273566
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Rezensionen zu "Achtsam morden am Rande der Welt"

  1. 4
    06. Aug 2022 

    Selbstfindung

    Dem selbstständigen Anwalt Björn Diemel geht es eigentlich gut. Seine größte Freude ist seine kleine Tochter. Es stört in nicht so sehr, dass seine Ex-Frau einen neuen Freund hat. Nur die Feier zu seinem 45sten Geburtstag war ein ziemliches Fiasko. Also sucht Diemal mal wieder seinen Achtsamkeitsberater Joschka Breitner auf. Der rät ihm, in der Mitte des Lebens mal über dasselbige nachzudenken. Auch solle er überdenken, was er vom Leben möchte. Eine gute Möglichkeit böte eine Pilgerfahrt. Björn, der davon keine Ahnung hat, lässt sich auf das Abenteuer ein. Er will den Jakobsweg durchwandern und zu sich selbst finden.

    Ob noch mehr Tote auf sein Konto gehen werden, dass ist nicht die Frage, die sich Björn Diemel bei seinem dritten Auftritt stellt. Dieses Mal ist es nicht seine Ex-Frau, die ihn zu seinem Therapeuten schickt. Er geht von alleine hin und er macht sich auf zum Jakobsweg. Die Pilgerreise ist eine ganz neue Erfahrung, zu deren Beginn er einen freundlichen älteren Herrn, mit dem er sich sofort gut versteht. Das Pilgern erweist sich als nicht so einsam, wie es sich Björn vorgestellt hat. Dennoch schafft es Diemel, seinen Gedanken nachzuspüren und einigen unerwarteten Ereignissen auszuweichen.

    Dass Björn Diemes diesmal nicht nur die gewohnten Gedankenpfade, sondern tatsächlich auch das Land verlässt, gibt dem Roman eine neue Frische bei einem wiederum ähnlichen Muster. Vielleicht sollte man selbst auch mal die Lösung auf sich zukommen lassen. Wie sich Diemel hier wieder aus eigentlich unmöglichen Situationen herauswindet, ist schon stark. Dass dabei der Sinn des Lebens und die Nachschau in der Mitte des eigenen Daseins nicht zu kurz kommen, gibt ein zusätzliches Plus. Vielleicht ist der Gedanke an einen Pilgerweg nicht so abwegig, man muss ja keine Toten an den Hacken haben, um mal über das Leben nachzudenken. Was ist Diemel erschließt, ist manchmal schon erstaunlich und am Ende gänzlich unerwartet.

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Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein

Buchseite und Rezensionen zu 'Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein' von J.K. Rowling
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein"

Autor:
Format:Audio CD
Seiten:0
EAN:9783844545722
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Rezensionen zu "Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein"

  1. 4
    31. Dez 2021 

    Ein Weihnachtsmärchen à la J. K. Rowling...

    Jack und sein geliebtes Kuscheltier Swein sind unzertrennlich. Doch eines Tages passiert etwas Schreckliches und Swein geht verloren. Um ihn zurückzugewinnen, muss Jack ins Land der Verlorenen – einen magischen Ort voller Überraschungen und seltsamer Wesen. Dort muss er sich vielen Gefahren stellen und wird am Ende vor die größte Entscheidung seines Lebens gestellt – schließlich geht es um seinen besten Freund! (Klappentext)

    Solange Jack denken kann, gibt es sein geliebtes Kuscheltier. Das Swein, genannt DS, versteht ihn einfach immer, ganz ohne Worte, und bei ihm braucht Jack sich nicht zu verstellen. Sein vertrauter Geruch vermag ihn genauso zu trösten wie das leise Klackern seiner Bohnen im Innern. Doch nun, ausgerechnet an Heiligabend, ist DS weg, und es gibt es keinerlei Chance, ihn jemals wiederzubekommen.

    Jack ist untröstlich und von einer maßlosen Wut erfüllt. Er weint, er tobt, er schreit, er wirft sämtliche Sachen in seinem Zimmer umher - doch nichts hilft. Als er schließlich ein Ersatzschwein in die Hand gedrückt bekommt, genauso eines wie DS, nur eben ganz neu, rosa statt grau, und ohne den vertrauten Geruch, wird Jacks Wut nur noch größer. Als könnte irgendetwas sein geliebtes Swein ersetzen!

    Aber es ist Heiligabend - die Nacht der Wunder und der hoffnungslosen Fälle. Und Jack staunt nicht schlecht, als das neue Schwein, auf dem er herumgetrampelt ist, das er gegen den Schrank geschleudert hat und dem er versucht hat den Kopf abzureißen, plötzlich mit ihm spricht. Das derart misshandelte Stofftier versteht Jacks Schmerz und bietet ihm an, gemeinsam mit ihm nach seinem geliebten DS zu suchen. Doch dazu müssen sie gemeinsam ins Land der Verlorenen reisen...

    Und damit beginnt ein Reigen an Abenteuern für Jack und das Weihnachtsschwein, kurzerhand WS genannt. J. K. Rowling hat ihrer Fantasie einmal mehr freien Lauf gelassen und eine neue Welt kreiert, die voller kleiner Wunder, vor allem aber voller Gefahren steckt. Verloren gegangene Dinge hoffen darauf, von ihren Besitzern wiedergefunden und damit aus dem Land der Verlorenen befreit zu werden. Doch nicht allen ist dieses Glück hold.

    Jack und das Weihnachtsschwein haben nur diese eine Nacht, um DS zu finden - ansonsten ist das geliebte Kuscheltier für immer verloren, und, noch schlimmer, Jack muss für immer im Land der Verlorenen bleiben. Leider bekommen die Verantwortlichen in diesem verborgenen Land nur zu schnell Wind davon, dass etwas in ihr Reich eingedrungen ist, was da ganz und gar nicht hingehört: ein lebendiges Kind! Und so beginnt die Jagd auf Jack und auf alle, die ihm helfen. Und es gibt den Verlierer, ein Unhold, der nur zu gern verloren gegangene Dinge verspeist...

    Eine düstere Welt ist es, die Jack und den Leser da empfängt. Zahllose Details, die von der überbordenden Fantasie der Autorin zeugen, sorgen für eine sehr bildhafte Darstellung. Das ist oftmals faszinierend, manchmal allerdings durchaus auch furchterregend. Gleichzeitig lässt J. K. Rowling wie nebenher wichtige Themen anklingen, die auch Kinder schon beschäftigen: Trauer, Abschied, der Wert von Dingen, Freundschaft, Mut, Eifersucht, Loyalität u.a.m. Verpackt in eine Geschichte wie diese, wird man durch die angerissenen Themen zum Denken angeregt, doch die Erzählung an sich steht dabei immer im Vordergrund.

    6 Stunden und 12 Minuten dauert das ungekürzte Hörspiel, das liebevoll inszeniert ist. Neben der eigentlichen Erzählerstimme, die durch die Geschichte lotst, gibt es immer wieder eingesprochene Dialoge, untermalt durch eine passende Geräuschkulisse.

    Ich hatte anfangs etwas Mühe, mich in die Geschichte hineinzufinden, der Beginn konnte mich einfach nicht fesseln. Spätestens aber nach dem Verschwinden von DS war mein Interesse geweckt. Nach dem eher trockenen und distanzierten Einstieg war ich erstaunt und erfreut, dass sich die Erzählung zunehmend spannend und emotional entwickelte, gespickt mit amüsanten Szenen.

    Ein tiefgründiges Weihnachtsmärchen, das mir unterhaltsame Stunden bescheren konnte. Ich würde mich tatsächlich nicht wundern, wenn diese Buch (deklariert für Kinder ab 8 Jahren) demnächst verfilmt werden würde. Ein wenig Magie zur Weihnachtszeit ist doch für alle schön...

    © Parden

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Geld oder Lebkuchen: Fast ein Krimi

Buchseite und Rezensionen zu 'Geld oder Lebkuchen: Fast ein Krimi' von Dora Heldt
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4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Geld oder Lebkuchen: Fast ein Krimi"

Autor:
Format:Audio CD
Seiten:0
Verlag: Jumbo
EAN:9783833743641
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Rezensionen zu "Geld oder Lebkuchen: Fast ein Krimi"

  1. 4
    31. Dez 2021 

    Banküberfall - oder so...

    Ernst Mannsen hat zwar nichts gegen Weihnachten, aber die Insel ist ihm ohne Touristen zu leer, die Tage sind lang und dunkel. Seine Frau Gudrun freut sich hingegen auf den Weihnachtsmarkt, aufs Schmücken des Hauses und auf die Weihnachtsfeiertage mit der Familie. Als der gelangweilte Ernst erfährt, dass der Filialleiter der Bank mitsamt den Spenden für die bedürftigen Kinder verschwunden ist, ergreift er seine Chance auf Abwechslung: Er wird sich um das Problem kümmern! Und das Geld für die Weihnachtsgeschenke beschaffen. Sozusagen als Robin Hood von Sylt. Mit einigen Komplizen plant er einen großen Coup, der allerdings ganz anders läuft als geplant… (Klappentext)

    Ernst Mannsen ist eigentich alles andere als ein Held. Er ist eher ein sehr korrekter älterer Mann, der die Dinge gern in Ordnung hält und sich freut, wenn alles seinen rechten Gang geht. Mit seiner Frau Gudrun ist er nun schon lange verheiratet, und eigentlich ist er ganz zufrieden mit seinem Leben auf der schönen Insel Sylt. Doch nun in der Adventszeit ohne Touristen und an den zunehmend kürzeren Tagen beginnt Ernst sich zu langweilen.

    Das ändert sich als er plötzlich als Weihnachtsmann einspringen muss, da ansonsten der Weihnachtsmarkt auf Sylt und v.a. der Kinderclub ohne entsprechendes Personal dastehen würde. Denn der Bankfilialleiter Dietrich, der sonst immer den Weihnachtsmann spielt, ist spurlos verschwunden. Und mit ihm die Spendenkasse des Kinderclubs, aus der die alljährlichen Weihnachtsgeschenke für die Kinder finanziert werden. Ernst will nicht nur den perfekten Weihnachtsmann spielen, sondern auch für die Finanzierung der Präsente sorgen - denn wer will schon in enttäuschte Kinderaugen sehen?

    Nachdem ein erneutes Spendeneintreiben misslungen ist - schließlich haben ja alle schon einmal gespendet - sieht Ernst nur einen Weg: ein Banküberfall muss her! Seine Frau Gudrun ahnt nichts von seinen Plänen, das hätte sonst wohl auch einiges an Diskussionen zur Folge gehabt. Aber ob der Überfall wirklich so reibungslos gelingt wie gedacht?

    Unterhaltsam mit Flair, Spannung und Humor kommt diese Erzählung daher, ein klein wenig Emotionen inbegriffen. Wechselnde Perspektiven machen zunehmend mit den Charakteren vertraut, die vielleicht z.T. etwas klischeehaft aber dennoch liebevoll gezeichnet sind. Besonders die anfänglichen Randfiguren Martina (eine pragmatisch-nüchterne Bankangestellte, die jedoch das Herz auf dem rechten Fleck hat, wie sich schließlich zeigt) und Anton (der kleine Sohn einer alleinerziehenden Mutter, der versucht, das Leben für alle ein klein wenig schöner zu machen) hatten es mir angetan. Es tat mir fast leid, sie am Ende gehen lassen zu müssen...

    Katja Danowski ist die Sprecherin der ungekürzten Hörbuchausgabe (6 Stunden und 31 Minuten). Sie liest ohne Zweifel engagiert, jedoch wirkt der Versuch, den verschiedenen Charakteren unterschiedliche Stimmlagen zu verleihen, immer wieder zu gewollt und gequetscht. Die Stimmbänder Danowskis bieten offenbar nicht das Repertoire, das hier angestrebt wurde. Das hat mein Hörerlebnis doch etwas beeinträchtigt.

    Ansonsten ist dies eine unterhaltsame Geschichte, genau passend zur Adventszeit. Humorvoll ohne in Slapstick zu verfallen, gefühlvoll ohne ins Kitschige abzugleiten - ein Wohlfühlroman...

    © Parden

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  1. 4
    12. Dez 2021 

    Weihnachtskinderclub

    Ernst Mannsen ist langweilig. Seine Frau Gudrun engagiert sich für den Weihnachtsmarkt auf Sylt und für den Kinderclub. Niemand hat Ernst gefragt, ob er den Weihnachtsmann spielen möchte. Das macht immer der Bankfilialleiter Dietrich, als ob der das besser könnte. Doch Dietrich ist irgendwie weg und mit ihm die Spendenkasse. Und die Gemeinde hat verkündet, dass die Zuschüsse für das kostenlose Mittagessen, das im Kinderclub ausgegeben wird, gestrichen werden sollen. Wie soll man denn jetzt an Geld kommen? Die Kinder dürfen doch nicht enttäuscht werden. Ernst beginnt Pläne zu schmieden. Da war doch dieser Film über die Gentlemen-Bankräuber.

    Auch auf Sylt hat die Vorweihnachtszeit etwas Beschauliches. Die Bewohner wollen es sich und den Kindern schön machen. Gudrun und ihre Freundinnen schmücken und backen gerne. Ein besonderes Augenmerk haben sie auf die Kinder. Deren Augen sollen strahlen, wenn die Geschenke verteilt werden. Wie gemein, dass Dietrich mit dem Geld abgehauen ist. Neue Spenden zu organisieren, gestaltet sich schwierig. Die Leute haben ja schon einmal gegeben. Von Ernsts Plänen weiß Gudrun nichts. Das ist auch besser so. Sie würde ihm wohl ordentlich die Leviten lesen. Ein Banküberfall, so etwas kann doch nicht gutgehen.

    Dieser weihnachtliche Roman wird ganz hervorragend vorgetragen von Katja Danowski. Ihr gelingt es auf sehr angenehme Weise die weihnachtlich-nordische Stimmung einzufangen.

    Mit Wortwitz und ausgefallenen Ideen wird das weihnachtliche Thema etwas anders aufbereitet. Ernst ist ein wenig knurrig, Gudrun energisch, Der kleine Anton ist ein liebenswertes Kind, der von seiner Mutter alleine großgezogen wird. Auf turbulente Weise entwickeln sich die Ereignisse. Da gibt es Verdächtigungen, Hoffnungen und überraschende Wendungen. Über allem liegt die anheimelnde Weihnachtsstimmung, von der man beim Zuhören durchaus angesteckt wird. Für die Adventszeit ist dieses Hörbuch gerade richtig. Nicht süßlich, sondern Wärme verströmend. Kein Wunder, dass sich beim Hören gute Stimmung einstellt.

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  1. Fast ein Krimi, aber lustig

    Es ist Advent in List auf Sylt. Ernst Mannsen ist langweilig. Während seine Frau Gudrun mit den Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt beschäftigt ist, findet für Ernst nichts zu tun. Nicht einmal den Weihnachtsmann darf er für die Kinder spielen. Diese Aufgabe hat der langweilige Dietrich Stockhammer, Direktor der örtlichen Bankfiliale, bekommen. Doch dann ist Dietrich plötzlich verschwunden und mit ihm die Spendengelder für den Kinderclub. Endlich kommt Schwung in die Bude. Denn gemeinsam mit Hella, die vor vielen Jahren Schauspielerin war, plant er die Bank zu überfallen, damit er auch dieses Jahr Weihnachtsgeschenke geben kann.
    „Geld oder Lebkuchen“ ist (fast) ein Krimi aus der Feder von Dora Heldt. Mit Herz und Humor lässt sie die rührigen Senioren das Weihnachtsfest für sozial benachteiligte Kinder retten. Man merkt auch dass der Vorleserin dieses Hörbuches, Katja Danowski, die Geschichte Spaß gemacht haben muss. Schwungvoll lebt sie sich in die verschiedenen Stimmen ein.
    Natürlich läuft der Banküberfall nicht wie geplant. Was genau passiert, ist witzig und originell. Ernst hat keine Langeweile mehr, dafür Zores mit Gudrun. Hella „bekannt aus Film und Fernsehen“ bekommt ein paar große Auftritte. Die stille Heldin Martina Wolf, Bankangestellte, bekommt den größten Applaus von mir.

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Wo der Wolf lauert

Buchseite und Rezensionen zu 'Wo der Wolf lauert' von  Ayelet Gundar-Goshen
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wo der Wolf lauert"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
Verlag: Kein & Aber
EAN:9783036958491
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Rezensionen zu "Wo der Wolf lauert"

  1. Opfer oder Täter?

    Kurzmeinung: Man kann nichts hochlesen, wenn das Material dafür nicht vorhanden ist.

    Die Autorin läßt die hebräische Leilah Schuster als alleinige und nervige Icherzälerin auftreten und von ihrem Leben in Palo Alto, Silicon Valley erzählen. Sie und ihr Mann Michael sind erst im Erwachsenenalter aus Israel gekommen. Michael hat eine gute Anstellung als Informatiker in einem nicht näher bezeichneten Unternehmen, das sich unter anderem mit Waffenentwicklung beschäftigt; sie werden schnell wohlhabend. Dankbar sind sie dafür nicht.

    Weil Leilah sich nirgendwo einfügt und sich weigert, irgendwo anzukommen, dreht sich bei ihr alles darum, wie sie ihren 16jährigen Sohn beschützen kann. Sie ist besessen davon, den pubertierenden Adam vor allen und jedem, sogar vor sich selbst zu beschützen. Was wirklich passiert ist, - es gab einen tragischen Zwischenfall auf einer Party, bei dem ein schwarzer Junge zu Tode kam, interessiert Leilah nur peripher. „Er ist ein guter Junge“ wiederholt sie mantraartig über ihren Sohn, und klopft nie so hart auf den Busch, dass womöglich unangenehme Wahrheiten zu Tage treten könnten. Ist ihr geliebter Adam, Opfer, Täter oder etwa beides gleichzeitig? fragt sich mit Leilah auch die Leserin. Um keine Antwort zu bekommen.

    Der Kommentar:
    In dem vorliegenden Roman werden viele Themen in einer Art Kurzschleudergang vermixt. Auswanderung, bzw. Einwanderung, die Probleme der ersten und der zweiten Generation. Antisemitismus in den USA. Verführbarkeit der Jugend zu Gewalt, wenn sich nur der richtige Anlaß findet und ein entsprechend attraktiver Rattenfänger auf der Bildfläche erscheint, übertriebene Mutterliebe, Vertrauen und Vertrauensmissbrauch, schließlich schnöde Industriespionage.

    Natürlich versteht man die Kausalitätskette. Anschlag auf eine Synagoge. Besorgnis bis Angst. Radikalisierung und die daraus erstehenden Probleme. Trotzdem kann man den Knäuel an Themen, die in „Wo der Wolf lauert“ präsentiert werden, nicht auflösen. Es gibt keinen Fokus, nicht einmal auf die Frage, ob Adam Täter oder Opfer ist. Die geneigte Leserin hat den Eindruck, alle Missstände sollten gleichzeitig angeprangert werden, so geht vorige Frage immer wieder unter, weil im Knäuel „verwickelt“. Leider verlassen wir nie die etwas gestörte und gefärbte Innenansicht Leilahs. Und das funktioniert für mich nicht.

    Die Frage „Wie gut kennen wir unsere Liebsten?“ wird breit aufgefächert und fein durchbuchstabiert. Der Rest aber ist Themenkuddelmuddel. Der Begriff „Verantwortung“ taucht nicht ein einziges Mal auf und so hält sich mein Mitgefühl mit einer nervenden Helikoptermutter, die sich nicht traut, der Wahrheit auf den Grund zu gehen und ihrem Sohn, von dem nicht klar wird, ob er Opfer oder Täter oder vielleicht sogar beides ist, sehr in Grenzen.

    Fazit: Ein Roman mit Licht- und Schattenseiten. Das Gefühl von „Kuddelmuddel“ ist bei mir leider vorherrschend geblieben. Schade eigentlich bei den aufgeworfenen brisanten Themen.

    Kategorie: Belletristik
    Verlag: Argon, 2021

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  1. Hinter der nächsten Ecke!

    Palo Alto gilt als eine der sichersten Städte der USA. Genau deswegen ist Lilach Schuster mit ihrem Mann Michael aus Israel dorthin immigriert. Der Sohn der Schusters, Adam, wächst dort auf. Adam ist ein stiller, freundlicher Jugendlicher, der besser Englisch als hebräisch spricht, seinen Hund liebt und sich für Chemie interessiert. Die Schusters führen ein gutes Leben, privilegiert, finanziell sehr gut abgesichert.

    Dann erschüttert der Anschlag eines afroamerikanischen Jugendlichen auf die örtliche Synagoge die jüdische Gemeinde. Kurz darauf stirbt Jamal, ein anderer schwarzer Junge, ein Mitschüler Adams, bei einer Party, vorgeblich an einer Überdosis.
    Lilachs heile Welt ist zerschlagen, je mehr sie über Jamals Tod erfährt und Adam eventuell damit zu tun haben könnte.

    Es ist ein grandioser Wurf, den die israelische Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen mit „Wo der Wolf lauert“ gelandet hat. Ein vielschichtiger Familienroman, der Monolog einer Mutter, die sich der Frage stellen muss: Wie gut kenne ich den, den ich am meisten liebe.

    „Wieso habe ich denn nichts gesehen?“

    Böse Dinge geschehen, schon hinter der nächsten Ecke kann der „Wolf lauern“, das muss Lilach einsehen. Und doch geht es nicht nur um Mutterliebe in diesem Roman. Antisemitismus, Rassismus, Zugehörigkeit, Mobbing, Manipulation sind die Themen, die Ayelet Gundar-Goshen hier zu einem grandiosen Lese/Hörerlebnis vermengt.

    Ein absolutes Highlight, souverän von Milena Karas direkt ins Ohr vorgelesen.

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Leute wie wir

Buchseite und Rezensionen zu 'Leute wie wir' von  Noa Yedlin
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Leute wie wir"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783036958415
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Rezensionen zu "Leute wie wir"

  1. Kunterbunt wie wir

    Klappentext:
    „Es ist nicht lange her, dass Melissa und Michael, von ihren Freunden liebevoll M&M genannt, das allseits bewunderte Paar waren. Doch jetzt ist ihre Ehe so einsturzgefährdet wie das Einfamilienhaus im Süden Londons. Melissa ist gerade Mutter geworden, aber statt Erfüllung empfindet sie Überforderung und sucht Trost bei den nigerianischen Eintöpfen und Zaubern ihrer Mutter. Das macht Michael nur noch unzufriedener, der sich ein aufregendes Leben ohne Kinder zurückwünscht. Und da gibt es noch ein anderes Paar: Damian und Stephanie – und ihre drei Kinder. Damian kommt mit dem Verlust seines Vaters nicht zurecht er und sehnt sich mehr als denn je nach … Melissa.“

    „Leute wie wir“ von Diana Evans ist sprachlich und emotional ein wirklich toller Roman mit einem ganz besonderen Potential. Wie der Titel schon erahnen lässt, geht es hier um Gleichberechtigung und das Normalste von der Welt: Menschen aller Rassen und Hautfarben leben zusammen. Dieses Thema wird so nie direkt angesprochen bzw. matkiert, ist aber immer wieder „lautstark“ zu erkennen. Die Geschichte um Melissa und Michael liest sich wie eine Aufnahme aus dem Nachbarhaus. Es ist eine sehr detaillierte Sichtweise des ganz normalen Lebens aber so normal ist es eben doch nicht. Melissa hat nigerianische Wurzeln und fällt auf, die zusammen mit Michael englisch-karibisches Flair mit einbringt und Damian und Stephanie sind ebenso kunterbunt zusammen gewürfelt aus aller Herren Länder. Da kommt dann auch der Vergleich mit dem bunten Stadtplan auf dem Cover ganz perfekt zur Geltung - denn harmonieren tut schlussendlich alles zusammen und genau das ist der Tenor. Jeder der Personen hat seinen eigenen Lebensrucksack zu tragen und die Gefühle laufen manchmal andere Wege als gedacht. Evans geht dabei so feinfühlig und sanft vor, das man sich richtig wegträumen kann. Ihre Sprachwahl ist geschmackvoll, respektvoll und einfühlsam. Wir erleben die „Frauen am Herd“ und die Männer, die für das Wohl der Familie jeden Tag arbeiten und leben - ein typisches Bild. Wichtig sei hier aber auch gesagt, das man seine eigene Meinung ganz weit hinten anstellen sollte und das Buch auf jeden Fall in aller Ruhe zu Ende lesen sollte ohne dabei seine Gedanken einflechten zu lassen - hier heißt es ruhig zu beobachten. Anspruchsvolles lesen mit perfekten Worten gepaart machen dieses Buch zu etwas ganz wunderbaren, denn schließlich sind alle „Leute wie wir“. Es gibt natürlich rassistische Situationen in der Geschichte, genau das ist ja auch der feine Ton. Denn genau dieser zeigt, wie verbohrt die heutige Gesellschaft immer noch ist. Diese Story ist so wunderbar gesellschaftskritisch und das Detail liegt hier zwischen den Zeilen. Wer hier ganz aufmerksam liest, erlebt einen wahren Schatz! 5 von 5 Sterne!

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Osterläuten

Buchseite und Rezensionen zu 'Osterläuten' von Friederike Schmöe
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Osterläuten"

Format:Taschenbuch
Seiten:251
EAN:9783839228494
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Rezensionen zu "Osterläuten"

  1. Ein spannender und komplexer Krimi

    Monika verschwand vor 11 Jahren . Es gab keine Spur keinen Anhaltspunkt . Deshalb ist Mia geschockt als sie Monika's Phantombild in den Nachrichten sieht . Waldarbeiter hatten ihren Schädel gefunden . Kommissar Eyrich von der Mordkommission schaltet sich ein . Für Mia beginnt mit den Befragungen alles wieder von vorn los .

    Der Schreibstil flüssig und leicht zu lesen . Die Sätze sind ab und zu wie abgehackt aber das erhöht nochmals die Spannung . Dazu kommen noch die kurzen Kapitel . Die Protagonisten sind ansprechend dargestellt zum Teil sind sie komplex angelegt .

    Fazit : Der Regionalkrimi der in Bamberg spielt , fängt Montags in der Karwoche an und hört Karsamstag auf . Schon zu Beginn baut sich die Spannung auf und nimmt dann langsam aber stetig zu . Ich hatte von Anfang an das Gefühl dass die Stimmung bedrückend und bedrohlich ist : Unterschwellig und irgendwie nicht greifbar . Außer immer die Frage was passierte genau vor elf Jahren . Mia macht einen komplexen Eindruck aber auch bei einigen anderen Charakteren wusste ich nie genau was ich von ihnen halten sollte . Die damalige Clique von Mia's Eltern hatten sie alle etwas mit dem Mord damals zu tun ? Und welche Rolle spielten sie dabei ? Deckt hier jeder jeden ? Ich war mir bis zum Schluss nicht sicher wer der Mörder sein könnte . Es ist ein toller Regionalkrimi der viele Fragen aufwirft und komplex angelegt ist . Das Ende kam für mich zu abrupt . Ich hätte mir gerne noch drei , vier Sätze dazugewünscht . Dieses Buch zählt trotzdem zu meinen Highlights .

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