Aufbrüche: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Aufbrüche: Roman' von Arianna Farinelli
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Aufbrüche: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag: S. FISCHER
EAN:9783103970470
read more

Rezensionen zu "Aufbrüche: Roman"

  1. Über Lebenswege – klug und feinfühlig erzählt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Jan 2022 

    „Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben, das kann nur Licht. Hass kann Hass nicht vertreiben, das kann nur Liebe“ (129)

    Ein Zeitungsartikel über die jungen Amerikaner, die für den IS in den Krieg zogen, hat die Autorin zu diesem Buch inspiriert. So entstand die Figur des jungen Afroamerikaner Yunus, der Kurse für Politikwissenschaft und Globalisierung bei Bruna belegte.
    Die Italienerin Bruna kam nach Amerika, weil sie sich unsterblich in Tom, der Urlaub in Italien machte, verliebte. Für ihre große Liebe hat sie ihre Heimat und ihre Familie verlassen. Als sie später eine Beziehung mit ihrem Studenten Yunus eingeht, riskiert sie einiges, was sie sich in ihrem neuen Leben hart erarbeitet hat. Die Lage wird prekär, als Bruna feststellt, dass sie schwanger ist. Und Yunus hat sich inzwischen den IS Kämpfern angeschlossen und ist nach Mossul gegangen.

    Arianna Farinelli schreibt in ihrem Roman über die Menschen unserer Zeit, über das hastige, überfüllte Leben, ständiges Streben nach Erfolg, über Familie und ihr Einfluss auf unsere Lebensweise, über soziale Ungerechtigkeit und gesellschaftliche Vorurteile. Die Autorin ist selbst Professorin für Politikwissenschaft und kennt sich unglaublich gut mit diesen brisanten Themen aus. Offen und schonungslos schreibt sie über Nationalismus und Minderheitenrechte, Rassismus, Hass und Intoleranz, Demokratie und Krieg, Identität, Gender und Sexismus.

    Die bewegende Geschichte der verbotenen Liebe von Bruna und Yunus geht tief unter die Haut. Sie lässt unsere Gedanken über all die gegenwärtigen Probleme unserer Gesellschaft kreisen. Der Schauplatz der Geschichte sind zwar die USA, aber sie könnte sich genauso gut in jedem europäischen Staat abspielen.
    Die Hauptprotagonistin Bruna spiegelt das Bild einer modernen selbstbewussten Frau wider, die Familie, Ehe und Beruf unter einem Hut zusammenbringen muss und bei der Bewältigung ihres Alltags meistens auf sich selbst gestellt ist.

    Tragisch und nahezu unbegreiflich ist für mich Yunus Geschichte, des Studenten, der James Baldwins Bücher verschlungen hat, wissbegierig war und leidenschaftlich Trompete spielte. Er müsste es eigentlich von Anfang an wissen: „Wenn Gewalt die Köpfe und Herzen ändert, dann nur, um sie zu verstümmeln“ (200)

    „Aufbrüche“ ist der erste Roman von Arianna Farinelli; mit einer bewegenden Liebesgeschichte und brisanten politischen Themen, klug und feinfühlig erzählt, bewegend, wichtig!

    Teilen
 

Konzert ohne Dichter: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Konzert ohne Dichter: Roman' von Klaus Modick
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Konzert ohne Dichter: Roman"

Die Chronique scandaleuse Worpswedes: Rilke und Vogeler, ihr Werk und die Frauen – und ein epochales Gemälde
In seinem neuen Roman erzählt Klaus Modick die Entstehungsgeschichte des berühmtesten Worpsweder Gemäldes, von einer schwierigen Künstlerfreundschaft – und von der Liebe. Heinrich Vogeler ist auf der Höhe seines Erfolgs. Im Juni 1905 wird ihm die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen – für sein Gesamtwerk, besonders aber für das nach fünfjähriger Arbeit fertiggestellte Bild »Das Konzert oder Sommerabend auf dem Barkenhoff«. Während es in der Öffentlichkeit als Meisterwerk gefeiert wird, ist es für Vogeler das Resultat eines dreifachen Scheiterns: In seiner Ehe kriselt es, sein künstlerisches Selbstbewusstsein wankt, und eine fragile Freundschaft zerbricht. Rainer Maria Rilke, der literarische Stern am Himmel der Worpsweder Künstlerkolonie, und sein Seelenverwandter« Vogeler haben sich entfremdet – und das Bild bringt das zum Ausdruck: Rilkes Platz zwischen den Frauen, die er liebt, bleibt demonstrativ leer. Was die beiden zueinanderführte und später trennte, welchen Anteil die Frauen daran hatten, die Kunst, das Geld und die Politik, davon erzählt Klaus Modick auf kunstvolle Weise: Auf der Reise zur Preisverleihung erinnert Vogeler sich an die Gründung der Künstlerkolonie, die Magie der ersten Begegnung mit Rilke in Florenz, die Euphorie des gemeinsamen Aufbruchs – und an Paula Modersohn-Becker und Clara Rilke-Westhoff, die Frauen, denen Rilke in einer skandalösen Dreiecksbeziehung verbunden war. Ein großartiger Künstlerroman, einfühlsam, kenntnisreich, atmosphärisch und klug.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:240
EAN:9783462049909
read more

Rezensionen zu "Konzert ohne Dichter: Roman"

  1. Das Bild eines Sommerabends

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Jul 2015 

    Schon als junger Mann ist der Künstler Heinrich Vogeler durch eine Erbschaft zu etwas Geld gekommen und hat so die Möglichkeit in Worpswede ein Haus zu erwerben, das er nach seinen Vorstellungen umgestaltet. Nach der Fertigstellung verbringt er hier mit ihm lieben Menschen aus der Worpsweder Künstlergemeinde einige laue Sommerabende, deren Stimmung er in einem großformatigen Bild festhalten möchte. Doch das Werden des Bildes nimmt Zeit in Anspruch und während die Zeit vergeht verwandelt sich das Innenleben der kleinen Gruppe. Aus den lauen Sommerabenden resultieren Trennungen und Spaltungen. Und so wirkt das Bild nicht leicht dahingewischt und sommerlich, sondern eher herbstlich konstruiert und einer besseren Vergangenheit nachtrauernd.

    Auf den Innenseiten des Einbandes ist das Bild „Das Konzert (Sommerabend)“ des Künstlers Heinrich Vogeler abgedruckt. Der Roman beschreibt zum einen die Entstehungsgeschichte des Bildes, zum anderen auch das Bild selbst. Inwieweit sich der Autor künstlerische Freiheiten gegönnt hat, lässt sich nicht beurteilen, schließlich hat er als Schriftsteller diese Freiheit. Ist man durch die Lektüre angeregt, lassen sich einige Hinweise hierzu im Internet finden, die eine interessante Ergänzung darstellen können.

    Sehr gut gelungen ist die Darstellung der Künstlerkolonie Worpswede, die Stimmung eines ländlichen Sommers, die Begegnung der suchenden Künstler mit den bodenständigen Einheimischen, die sich mit einer knorrigen Offenheit gegenüber treten. Eine Generation der Erben, die die Künste fördert und auch eifersüchtig bewacht. Eifersüchtige Künstler, denen menschliches auch nicht fremd ist. Die wechselnde Beziehung des Künstlers zu seinem Bild. Man mag nicht alles schön finden, die Künstlerseelen nicht durchgeistigt. Doch versetzt einen das Buch schon nach den ersten Seiten in die frühsommerliche Blütenpracht der Worpsweder Gärten und lässt einen ein Bild genießen, mit dem der Maler so scheint es nicht zufrieden war, das zum Glück aber die Zeit überstand und heute im Museum zu besichtigen ist.

    Teilen
 

Heimat war gestern

Buchseite und Rezensionen zu 'Heimat war gestern' von Silvia Siebler-Ferry
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Heimat war gestern"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:85
EAN:
read more

Rezensionen zu "Heimat war gestern"

  1. Die erschreckende Realität

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Jan 2022 

    Den Krieg in Syrien kennen wir, im Allgemeinen, nur als Faktensammlung aus den Nachrichten. Das Buch „Heimat war gestern“ von Autorin Silvia Siebler-Ferry beleuchtet den Krieg jedoch aus einer ganz anderen Sicht: aus der Perspektive der Opfer. Ausgangspunkt für das Buch waren Gespräche der Autorin mit aus Syrien geflüchteten Menschen, die von ihren Erlebnissen im Krieg und den Geschehnissen rund um ihre Flucht berichteten. Silvia Siebler-Ferry hat all dies in den 9 Kapiteln des Buchs in Form von kurzen Geschichten verarbeitet. Jedes der Kapitel dreht sich dabei eine andere Hauptperson.

    Cover:

    Das Cover zeigt in großen Buchstaben den Titel des Buchs, wobei das Wort „WAR“ extra großgeschrieben wurde, um Bezug zum Krieg (Englisch: „war“) herzustellen. Zudem ist durch die Buchstaben des Worts hindurch ein scheinbar hinter dem Cover liegender Layer mit einer Kriegsszene darauf zu sehen.
    Die Idee zum Cover, sowie auch deren Umsetzung sind sehr gut gelungen. Das Cover vermittelt unmissverständlich den Inhalt des Buchs, wirkt aber gleichzeitig auch wie eine Warnung und fesselt geradezu den Blick des Betrachters.

    Umfang und Einteilung:

    Das Buch ist mit 85 Seiten recht kurz, aber es ist ja auch kein Roman, sondern, wie oben bereits erwähnt, eine Sammlung von 9 Geschichten. Das Thema ist hart und die Schilderungen im Buch zum Teil sehr erschreckend, vor allem, weil sie auf wahren Erlebnissen basieren.
    Der Aufbau des Buchs und auch dessen Umfang sind für das Thema perfekt. Es wäre sicherlich möglich noch viele weitere Geschichten über viele weitere Menschen hinzuzufügen, aber allein diese 9 exemplarischen Kapitel vermitteln das Anliegen des Buchs in vollem Umfang.

    Geschichte(n):

    Jedes der Kapitel betrachtet ein anderes menschliches Schicksal während des Kriegs in Syrien und zeigt dabei in aller Härte der Realität und die Grausamkeiten des Krieges: Mord, Vertreibung, körperliche und seelische Gräuel, unschuldige Menschen, die von einem auf den anderen Moment alles verlieren und zur Flucht gezwungen werden, nur mit dem, was sie am Leib tragen. Kapitel 5 führt dabei die Geschichte der 4 „Protagonisten“, wenn sie mal so nenn darf, aus den ersten 4 Kapiteln mit ihrer Flucht aus dem Land fort. Die Schicksale der 9 Menschen, die im Buch beschrieben werden, sind zum Teil sehr unterschiedlich, aber gerade dies zeigt, wie sich der Wahnsinn des Krieges in alle Bereiche des Lebens frisst. Am Ende stehen Zerstörung, Leid, aber auch die Hoffnung beim Neuanfang in einem fremden Land.

    Schreibstil:

    Das Buch ist kompromisslos, schonungslos und sehr direkt geschrieben, ohne Schnörkel, aber auch ohne Übertreibungen oder Effekthascherei. Einige Abschnitte sind aus der Ich-Perspektive erzählt, einige aus der Perspektive eines Erzählers. Dies, aber auch der flüssige Schreibstil der Autorin, versetzen den Leser oder die Leserin direkt ins Geschehen.
    Einige Sätze und Satzzeichen sind mit Absicht nicht „regelgerecht“ aufgebaut, bzw. verwendet worden. Dieses Stilmittel verstärkt jedoch deutlich die Eindrücke, die das Buch beim Leser oder der Leserin hinterläßt und wurde von der Autorin mit Bedacht angewendet.

    Fazit:

    „Heimat war gestern“ ist, schon aufgrund seiner Thematik, sicherlich keine leichte Lektüre. Aber trotz Gewalt, Leid und Tod schafft es Autorin Silvia Siebler-Ferry den Leser oder die Leserin zu fesseln und läßt ihn, oder sie, die Schicksale dieser 9 Menschen fast hautnah miterleben. Das Buch zeigt, welche Grausamkeiten Menschen in der Lage sind, ihren Mitmenschen anzutun und vermittelt eine Botschaft, die gehört werden sollte, gehört werden muss.

    Von mir 5 Sterne.

    Teilen
 

Seiten