Das Schönste, was ich sah: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Schönste, was ich sah: Roman' von Asta Scheib
NAN
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Inhaltsangabe zu "Das Schönste, was ich sah: Roman"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:416
Verlag: Dtv
EAN:9783423212724

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- RuLeka vor 20 Stunden
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Träume aus Samt: Das Schicksal einer Familie (Die große Seidenstadt-Saga, Band 4)

Buchseite und Rezensionen zu 'Träume aus Samt: Das Schicksal einer Familie (Die große Seidenstadt-Saga, Band 4)' von Ulrike Renk
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Träume aus Samt: Das Schicksal einer Familie (Die große Seidenstadt-Saga, Band 4)"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:576
Verlag: Aufbau
EAN:9783746636986

Diskussionen zu "Das Schönste, was ich sah: Roman"

- RuLeka vor 20 Stunden

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Rezensionen zu "Träume aus Samt: Das Schicksal einer Familie (Die große Seidenstadt-Saga, Band 4)"

  1. gelungener Abschluss

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Sep 2020 

    Die Meyers haben es geschafft, sie sind auf dem Weg nach Amerika. Dort angekommen lernen sie erst einmal die nicht so schönen Seiten des Lebens zu kennen, aber in Chicago angekommen geht es bergauf. Die Gompetz haben sich um eine Wohnung gekümmert und was die Meyers aus Deutschland retten konnten, ist auch fast alles schon angekommen. Nun heißt es neu anzufangen und sich in der neuen Heimat, die sich noch nicht so anfühlt, einzuleben.

    Ulrike Renk schließt mit diesem Buch die Geschichte um Ruth Meyer und ihre Familie ab. Die Kernfamilie hat es geschafft und muss sich nun in Amerika ein neues Leben aufbauen. Das fällt vor allem Karl schwer, dessen Leben komplett auf den Kopf gestellt wurde. Die Frauen leben sich schneller ein und gerade Ruth und Ilse werden in ihren Umkreisen gut aufgenommen und die jüdische Gemeinschaft in Chicago hält fest zusammen. Trotzdem bleibt immer die Angst im Hinterkopf, die Angst, noch einmal alles zu verlieren und um die Verwandten, die sie in Deutschland zurück lassen mussten. Auch hier wird der Leser nicht im Unklaren gelassen, auch wenn das natürlich ein schmerzhafter Abschied ist.

    Das Buch war für mich sehr rund, ich war sofort wieder in der Geschichte und habe mit den Meyers mitgelitten und habe mich gefreut, dass sich doch vieles zum Besseren gewendet hat. Trotzdem gelingt es Ulrike Renk auch die negativen Seiten des neuen Lebens zu zeigen. Mit dem Eintritt der USA in den Krieg gelten die Deutschen plötzlich als Feinde, auch wenn sie Juden sind und verfolgt wurden. Aber trotz allen Hindernissen gelingt es der Familie sich ein neues Leben aufzubauen und für Ruth findet auch die Liebe einen Weg in ihr Leben.

    Das Buch ist deutlich positiver als die Bücher davor, was einfach daran liegt, dass das Leben hier ein Happy End geboten hat. Es bildet einen schönen Abschluss und gerade der Epilog zeigt, wie sehr sich das Leben der Familie noch zum Guten gewendet hat.

    Für mich war es ein sehr schöner und runder Abschluss der Geschichte und ich danke Ulrike Renk dafür, dass sie die Geschichte der Familie Meyer so ausführlich erzählt hat. Ein Buch hätte hier definitiv nicht gereicht.

    Von mir gibt es daher eine unbedingte Leseempfehlung nicht nur für dieses Buch, sondern für die ganze Reihe. Solche Geschichten müssen erzählt werden, damit sich Geschichte nicht wiederholt!

 

Am Rand der Dächer: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Am Rand der Dächer: Roman' von Lorenz Just
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Am Rand der Dächer: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
Verlag:
EAN:9783832181116

Diskussionen zu "Das Schönste, was ich sah: Roman"

- RuLeka vor 20 Stunden
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Rezensionen zu "Am Rand der Dächer: Roman"

  1. In der Deckung der Kindheit, im Schatten der Welt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Sep 2020 

    In seinem Debütroman kehrt Lorenz Just an Ort und Zeit seiner Kindheit zurück: das Berlin der Neunzigerjahre. Er lässt diese Ära in seinen jungen Protagonisten auferstehen, bunt und lebendig, voll roher Authentizität und dichter Atmosphäre.⠀

    Meine erste Notiz zu diesem Buch war: "Die Sprache ist außergewöhnlich – so schön. Die Kinder bewegen sich durch ihr Umfeld in Berlin wie durch ein Wunderland, eine Märchenwelt."⠀

    Tatsächlich gibt es im Text passenderweise ein paar Anspielungen auf die Bücher von Michael Ende, an deren Stil ich mich in den ersten Kapiteln erinnert fühlte: Andrej erwähnt die Uralte Morla aus der Unendlichen Geschichte, vergleicht Nachbarn, die nicht grüßen und nie freundlich sind, mit den Grauen Herren aus Momo, und man merkt, wie diese Bücher ihn beeindruckt und seine Fantasie angeregt haben.⠀

    Damit ist er ein Held ganz nach meinem Geschmack!⠀

    Auch Lorenz Just kann mit seinen Worten zaubern – keineswegs als Kopie von Ende, sondern in seiner ganz eigenen Sprache voller gelungener Metaphern und Bilder.⠀

    “Wenn ich am Abend nicht schlafen konnte und mir die Müdigkeit nur gemächlich in die Gedanken einsickerte, kam es vor, dass ich abdriftete und durch diese Lücke glitt, hinüber in die verborgenen Räume zwischen den Wänden und Böden. Dann starrte ich ins dunkle Zimmer, das plötzlich um ein Vielfaches größer erschien, oder auf die nachtschwarzen Fensterscheiben, durch die ich nur immer tiefer ins Erdreich kroch, und hatte das sichere Gefühl, auf diese andere Seite zu gehören.”⠀
    (Zitat)⠀

    Das ist manchmal poetisch – und dann wieder knallhart realistisch. Hier geht es meines Erachtens nicht so sehr darum, was WANN und WO passiert, wie die Folge der Geschehnisse sich von A bis Z genau abspult. Für mich geht es vielmehr darum, welche Gefühle ausgelöst werden, in den Kindern (später Jugendlichen) und im Leser.⠀

    Womit ich jedoch nicht sagen will, dass sich hier nichts Spannendes zuträgt!⠀

    “Keiner sagte ein Wort, starr vor Schreck blickten wir auf die brennende Wand, wo die Flammen wie aus langer Gefangenschaft befreit tanzten, fraßen, lachten. Fassungslos, dass uns die Dinge so schnell entglitten waren, standen wir in der plötzlichen Feuerkammer, aber wir waren Kinder, und eines konnten wir im Notfall immer. Anton rief: »Raus!«, packte mich am Arm, ich stieß Simon an – dann rannten wir.”⠀
    (Zitat)⠀

    Tatsächlich erleben die Protaonisten Abenteuer wie wahre Großstadtpiraten: sie klauen, kloppen sich mit anderen Gangs, verursachen einen Großeinsatz der Feuerwehr, brechen halsbrecherisch über die Dächer in Häuser ein, experimentieren mit Drogen, ballern mit Softair-Pistolen, erleben den ersten Herzschmerz, gehen ein und aus in besetzten Häusern und sehnen sich nach einem Amerika, das es so vermutlich gar nicht gab.⠀

    Schon nach kurzer Zeit hatte ich sie richtig ins Herz geschlossen. So sehr, dass ich mich geradezu fürchtete vor den ‘immer bedrohlichere(n) Abwege(n)’, die im Klappentext erwähnt werden. Ich wünschte mir, die zauberhafte Kindheit möge nie zu Ende gehen, aber wie im echten Leben bleiben den jungen Helden auch die ersten Misserfolge, Enttäuschungen und Verratserfahrungen nicht erspart. Sie sind zu authentisch, um nicht zu scheitern.⠀

    Natürlich bleibt die Wende nicht unerwähnt, aber die Charakterentwicklung der Jungen fand ich noch dramatischer und interessanter. Erwachsene sind hier übrigens nur Randerscheinungen, was mich an klassische Jugendbücher erinnert. Hier geht es nicht um den erwachsenen Blick, sondern das unverfälschte Erleben Heranwachsender, die sich selbst und ihre Welt entdecken.⠀

    Das ist oft erfrischend anarchisch, weil Regeln in dem Alter einfach ausgetestet werden müssen.⠀

    Die anfangs märchenhafte Sprache wandelt sich immer mehr ins Cineastische, je älter die Protagonisten werden.⠀
    Das ist Kopfkino vom Allerfeinsten, das ganz nebenher noch an den Gefühlsfäden zupft. Eine Notiz zu fortgeschrittener Stunde: “Ja, mach doch, Buch, du Miststück! Trampel auf meinen Gefühlen rum, ich kann das ab!” (Ich würde selber gerne wissen, was genau mich zu dieser schlaftrunkenen Äußerung getrieben hat.)⠀

    Das Ende bleibt in vielem offen, was für mich aber vollkommen in Ordnung war. Das Buch ist nur ein kleines Stück Leben, und das geht danach natürlich weiter.⠀

    Ich würde (und werde) das Buch bedenkenlos verschenken, denn ich denke, es hat für ganz unterschiedliche Leser sehr viel zu bieten. Es ist ein Bild der Zeit – und gleichzeitig ein zeitloses Bild der Kindheit und Jugend. Ob in Berlin oder sonstwo, auch heutige Jugendliche werden sich ein Stück weit in Andrej, Anton und Simon wiederfinden.⠀

    Fazit⠀

    Lorenz Just lässt seine jungen Helden Berlin erkunden, von der Zeit der Wende bis zum Beginn des Jahrtausends. Sie erleben Dinge, die für die Kindheit und Jugend im Allgemeinen typisch sind, und Dinge, die man nur in dieser Zeit und in dieser Stadt erleben konnte. Aus fantasievollen Kindern werden Jugendliche, die rauchen, Drogen nehmen, klauen und über die Dächer in Häuser einbrechen – und doch habe ich sie von der ersten bis zur letzten Seite niemals verurteilt, denn der Autor schildert sie mit viel Einfühlungsvermögen.⠀

    “Am Rand der Dächer” hat sich eingereiht in die Liste meiner Highlights im Jahr 2020 – ein großartiger Debütroman, der mich auch sprachlich begeistern konnte.⠀

 

Die Tochter des Zauberers

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Tochter des Zauberers' von Heidi Rehn
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Tochter des Zauberers"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:448
Verlag:
EAN:9783746635811

Diskussionen zu "Das Schönste, was ich sah: Roman"

- RuLeka vor 20 Stunden
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Rezensionen zu "Die Tochter des Zauberers"

  1. Im Schatten des Vaters...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Sep 2020 

    Dieser Roman gehört zu der Reihe "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe" und ist bereits der 14. Teil. Ich habe zwar viel von der Reihe gehört, lesen wollte ich diesen Titel allerdings, weil Heidi Rehn ihn geschrieben hat und ich über Erika Mann noch so gar nichts wusste.

    In der Geschichte geht es um Thomas Manns Tochter Erika, die mit ihrem Kabarett "Die Pfeffermühle" 1936 in New York Fuß fassen will. Wird ihre Crew nach Amerika einreisen dürfen? Welche Steine legt man ihr in den Weg und wird sie die überwinden können? Und was ist mit der Liebe?

    Der Roman schildert rund fünfzehn Monate aus dem Leben der wohl berühmtesten Tochter als sie in New York lebte. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir zwar die Mann Herren ein Begriff sind, ich aber vor der Lektüre noch nie etwas von Erika gehört habe. Dieser Roman konnte dies zum Glück ändern.

    Erika als Protagonistin ist so eine schillernde Persönlichkeit, dass man einfach nicht genug von ihr bekommen kann. Ich habe sehr bewundert wie sie ihren Mann steht, denn wie eine übrliche Frau der damaligen Zeit verhielt sie sich nun sicher nicht. Rauchen, Trinken, Auto fahren und Reden schwingen kann sie wie die Männer. Das fasziniert, schreckte sicher aber auch einige ab. Mir hat an ihr vor allem gefallen, dass die oberste Priorität immer ihre Familie hatte.

    Im Roman erfährt der interessierte Leser viel über die Kunstszene, berühmte Personlichkeiten tauchen auf und auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Besonders die Liebeleien Erikas haben für reichlich Spannung gesorgt und es ist schon etwas anderes, ob man etwas zu einer fiktiven Figur liest oder zu einer Person, die tatsächlich mal gelebt hat.

    Frau Rehn gelingt es in jedem Fall diese beeindruckende Frau dem Leser nahe zu bringen. Ich habe während und auch nach der Lektüre reichlich recherchiert zur Familie Mann, Erika im Besonderen und den vielen Stars drum rum. Wenn das ein Buch schafft, dann hat es mich richtig gepackt.

    Der Schreibstil war wie gewohnt flüssig und angenehm zu lesen. Sich nach einem stressigen (Arbeits-)Tag zu entspannen und gleichzeitig noch etwas zu lernen, ist hier gegeben.

    Fazit: Ein fesselnder Roman, der noch ewig hätte weitergehen können. Gern spreche ich eine absolute Leseempfehlung aus. Klasse! Aus der Reihe werde ich wohl jetzt öfter mal was lesen.

  1. Ein biografischer Roman

    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Aug 2020 

    „Wenn Amerika jetzt nicht aufwacht, um sich gegen Hitler zu stellen, werden wir uns eines Tages verwundert die Augen reiben, weil wir unsere Chance verpasst haben. Danke, Erika, dass Sie uns die Augen geöffnet haben.“ (Zitat Pos. 824)

    Inhalt
    Schon 1933 verlässt die Familie Mann Deutschland, um in der Schweiz zu leben. Doch Erika Mann ist das nicht weit genug weg von Nazideutschlad und sie wandert zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Klaus nach Amerika aus. Sie logieren im Hotel Bedford, wo sie auf bekannte deutsche Exilkünstler und Journalisten treffen und Erika knüpft rasch wichtige Verbindungen. Sie braucht jede Unterstützung, denn in wenigen Wochen trifft auch das Ensemble ihres Kabaretts „Die Pfeffermühle“ in New York ein, welches sie als „Peppermill“ weiterführen will. Ihr größtes Anliegen ist es, den Amerikanern die Augen über die Vorgänge in Deutschland zu öffnen und sie von den drohenden, realen Gefahren durch das NS-Regime zu überzeugen.

    Thema und Genre
    Dieser Frauenroman mit biografischem Hintergrund ist der Band 14 der Serie „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“. Im Mittelpunkt steht die Künstlerin Erika Mann, eine starke, eigenständige, engagierte Frau, die dennoch, ebenso wie ihr Bruder Klaus, ihr Leben lang im Schatten ihres berühmten Vaters Thomas stand. Themen sind die ersten Jahre der Naziherrschaft in Deutschland, Exilkunst, die großartige Kulturszene im New York der Vierzigerjahre und natürlich auch die Liebe in allen Facetten.

    Charaktere
    Der Wunsch nach einer künstlerischen Eigenständigkeit dominiert das Leben der Schauspielerin und Schriftstellerin Erika Mann, verbunden mit einen starken Drang nach persönlicher Freiheit und Ungebundenheit. Rastlos und engagiert eilt sie von Termin zu Termin und durch ihr Leben.

    Handlung und Schreibstil
    Die Geschichte spielt in den prägenden ersten Monaten in New York, zwischen September 1936 und Dezember 1937, wo Erika Mann, erst etwas über dreißig Jahre alt, wichtige Entscheidungen für ihr späteres Leben trifft. Persönlich steht sie zwischen zwei Männern und einer Frau und die Schilderung ihrer Zweifel und Überlegungen geraten etwas langatmig und bringen ihr Handeln zweitweise in die Nähe von Berechnung, was nicht zu dieser eigenwilligen, selbstbestimmten Frau passt, der die eigene Unabhängigkeit viel zu wichtig ist.
    Die Sprache ist angenehm und entspannt zu lesen. In den Schilderungen und Beschreibungen hätte ich gerne noch mehr über das Leben in der pulsierenden Weltstadt New York gelesen, über die lebhafte, bunte Künstlerszene dieser Zeit und weniger über Cocktails und Erikas unentschlossene Selbstzweifel, ihre Gefühle betreffend.

    Fazit
    Ein interessanter Frauenroman mit biografischem Hintergrund, in dessen Mittelpunkt eine oft nur als Tochter des Nobelpreisträgers Thomas Mann wahrgenommene, vielseitige und ausdrucksstarke Künstlerin steht. Die Handlung, die nur etwas mehr als ein Jahr erfasst, regt an, sich als Vertiefung durch einige der in der Literaturauswahl am Buchende genannten Titel zu lesen.

 

Sterben im Sommer

Buchseite und Rezensionen zu 'Sterben im Sommer' von Zsuzsa Bánk
4.25
4.3 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Sterben im Sommer"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:240
Verlag:
EAN:9783103970319

Diskussionen zu "Das Schönste, was ich sah: Roman"

- RuLeka vor 20 Stunden
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Rezensionen zu "Sterben im Sommer"

  1. Zum Sommer passt das Sterben ncht

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Sep 2020 

    Im engen Sinn ist dieses Buch kein Roman, sondern ein Erfahrungsbericht. Zsuzsa Bánk als Ich-Erzählerin erzählt darin von ihrer Familie, ihren Eltern und insbesondere ihrem betagten Vater, der im heißen Sommer 2018 einer Krebserkrankung erlag. Wer die Autorin kennt, weiß, dass sie dies in einer einzigartig sensiblen und poetischen Sprache tun kann.

    Eigentlich dachte die Familie, den Krebs besiegt zu haben, nach einigen Jahren der Ruhe tritt er jedoch mit Heftigkeit wieder hervor. Unheilbar lautet die Diagnose. Einmal noch will man wie so oft zuvor einen gemeinsamen Ungarnsommer am Balaton erleben. Doch es kommt anders: Dort angekommen geht es dem Vater schlechter, er bekommt hohes Fieber, muss operiert werden. Eine Odyssee durch die Krankenzimmer beginnt.
    „Obwohl wir in Ungarn den hell erleuchteten Sommer gesucht haben, finden wir auch diesmal Krankheit und Tod, dieses sich fest umschlingende Paar, es drängt sich auf, und man wird es nicht los, wie eine Klette haftet es, klebt an einem, es will dazugehören und tanzt mit, krallt sich fest, löst sich nicht aus seiner Umarmung.“ (Epub S. 9)

    Jeder, der bereits einen lieben Angehörigen auf ähnliche Weise verloren hat, wird sich von dieser Erzählung berührt fühlen. Die Bilder gleichen sich: Die Diagnose, die Endlichkeit der Zeit, der Wunsch, noch viel davon miteinander zu verbringen, das Bangen, das Hoffen um einen Aufschub, Gespräche mit Ärzten, das Organisieren des Sterbens…

    Während die Familie um den Vater bangt, werden auch Erinnerungen wach. Die Eltern der Autorin stammen aus Ungarn und müssen 1956 aus politischen Gründen fliehen. In Deutschland finden sie eine neue Heimat, gründen eine Familie. Sobald man wieder unbehelligt nach Ungarn reisen kann, werden die Sommer im Kreis der Großfamilie am Balaton verbracht. Herrliche Sommer sind das. Das Verhältnis der einzelnen Familienmitglieder zueinander ist gesund, die Vater-Tochter-Verbindung ungetrübt.

    Selbstkritisch hinterfragt sich die Ich-Erzählerin, warum ihr der Abschied vom Vater so schwer fällt, warum der Gedanke des „nie mehr wieder“ ihr so weh tut. „Jeden Tag geschieht es, jeder stirbt, und jeder verliert eines Tages seine Eltern. Es ist nichts Besonderes, uns allen widerfährt es. Wir werden geboren und sterben, wir verlieren jemanden ans Sterben, und eines Tages verliert uns jemand ans Sterben. Warum mache ich es zu etwas Herausragendem?“ (Epub, S. 67) Doch man kann der Trauer um einen geliebten Menschen nicht mit Vernunft begegnen. „Es zählt, dass wir es erleben. Nur wir erleben es so, nur wir erleben es auf unsere Art.“ (Epub, S.67)

    Bánk erzählt von dieser Zeit des Abschiednehmens unglaublich empathisch. Sie findet genau die richtigen Worte: „Irgendwann ist der Tod deutlicher als das Leben, sagt sie (ihre Freundin), das Leben weicht dem Tod, irgendwann ist der Zeitpunkt da, und man sieht, der Tod hat übernommen, das Leben wird weniger.“(Epub, S. 28)

    Sie schildert den Sterbeprozess eines Menschen, sie schildert die Veränderungen, die der Tod mit sich bringt, die Gedanken, die man sich machen muss, um dem Leben auch nach seinem Ende einen würdigen Abschluss zu geben, die Formalien, die nun einmal zu tun sind, das Auflösen des Nachlasses. „Wir vernichten die Konstante unseres Lebens. Die immer da war, als wir geboren wurden, mit der wir aufwuchsen, die unsere Kindheit, unser Großwerden, unser Erwachsensein, sogar unser Älterwerden begleitet hat.“ (Epub S. 107)

    Das Leben muss weitergehen. Die zweite Hälfte des Buches ist der Trauer gewidmet, die man zulassen muss, die bei jedem Menschen ihr eigenes Tempo, ihre eigene Rhythmik hat. Da kann ich der Ich-Erzählerin zugegebenermaßen nicht immer folgen, manche Szene gerät da für mein Empfinden etwas pathetisch. Doch dieses Buch ist ein Memoir, ein sehr persönliches dazu, jeder erlebt solche Situationen anders.
    Auch die Ich-Erzählerin hat das Jahr der Trauer überwunden: „Die Toten sind nie tot. Aber wir weinen nicht mehr um meinen Vater, das Weinen um meinen Vater ist versiegt. Wir weinen über den Tod, ganz allgemein und groß. Darüber, dass die Geliebten gehen. Unsere Zeit mit ihnen begrenzt ist. Dass sie verschwinden. Nicht wieder auffindbar verschwinden.“ (Epub, S. 233)

    Dieses Buch ist sprachlich ein Kleinod, man darf sich die Sätze auf der Zunge zergehen lassen. Sie sind so treffend, so herzerwärmend. Es ist sicherlich kein Buch, das man eben so weg liest, doch es widmet sich sehr wahrhaftig einem Thema, das zum Leben gehört und dem man sich stellen sollte. Mich hat dieses Buch sehr berührt und ich empfehle es jedem, der ohne Groll an seine verstorbenen Lieben denken kann und möchte.

  1. Ein intensives, poetisches, intimes Buch über Abschied u.Trauer

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Sep 2020 

    Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es ist der heiße Sommer des Jahres 2018, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach? In »Sterben im Sommer« erzählt Zsuzsa Bánk davon..

    Schon der Klappentext verrät, dass dies kein leichtes Buch ist. Aber bereits mit ihrem Buch "Weihnachtshaus" hat Zsuzsa Bánk bewiesen, dass sie das Thema 'Trauer' sensibel und zart-melancholisch behandelt ohne sentimental zu werden, und so wurde ich neugierig.

    Hier schildert die Autorin das letzte Jahr im Leben ihres Vaters, im Januar die Diagnose, dass der besiegt geglaubte Krebs zurückgekehrt ist, unheilbar. Noch einmal will die Familie einen Sommer in Ungarn genießen, der Heimat der Eltern, aus der sie 1956 geflohen sind. Heiße, flirrende Tage am Balaton, Schwimmen am See, das Sommerhaus der Familie, ein kaltes Soproni in der Hand. Doch wird der Vater vor Ende des Urlaubs mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen, das Sterben beginnt - mit einer Odyssee an Krankenhausaufenthalten aber auch mit liebevollen Momenten.

    Dieses Buch ist ein Erfahrungsbericht, eine Familiengeschichte, eine Liebeserklärung, eine Trauerverarbeitung, eine zart gewobene Komposition aus überwältigenden Gefühlen, zermürbendem Alltag, kleinen Inseln der Ruhe, Rückblenden in die Vergangenheit, biografischen Anteilen, sehr persönlichen Einblicken. Es endet nicht mit dem Tod des Vaters, sondern zeigt auch das Jahr danach, das erste Trauerjahr.

    Eine durchaus schwere Kost, die ich oft nur in kleinen Häppchen lesen mochte, die mich aber durch die poetische Note immer wieder in den Bann zog. Wer wie ich selbst schon Eltern verloren hat, wird sich in vielen Punkten wiedererkennen, vergleichen: wie war es bei mir, bei uns? Auch dafür brauchte ich Pausen bei der Lektüre.

    Aber die Stärke Zsuzsa Bánks ist tatsächlich, dass sie Gefühle einerseits klar transportiert, dass die poetische Sprache jedoch andererseits ein Überbordern der Gefühle verhindert. Dadurch entsteht zwar ein Berührtsein, jedoch ohne Überschwemmung mit Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit.

    Ein eindringliches, poetisches, intimes Buch über Abschied und Trauer, das sicher Menschen in ähnlichen Lebenssituationen oder mit ähnlichen Erfarhungen anspricht. Für mich ein ganz besonderes Buch.

    © Parden

  1. Der letzte Sommer

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Sep 2020 

    Zsuzsa Bank, die ich seit ihrem Roman „Helle Tage“ sehr schätze, hat mich mit ihrem neuen Buch tief berührt.
    Wie der Titel schon sagt, kreist es um den Tod ihres Vaters. Wie jedes Jahr will er mit seiner Familie die Heimat Ungarn sehen, ein Sommer im Dorf, die Wärme spüren, die Gerüche atmen, die Erinnerung aufleben lassen. Doch er wird krank und nun beginnt eine Odyssee für die Autorin und die Familie. Zuerst das Krankenhaus gleich hinter der österreichischen Grenze, da fühlt man sich besser aufgehoben, als in einer ungarischen Klinik. Dann nach bangen Wochen der Transport ins Uniklinikum Frankfurt, immer mit dem Wissen, dass die letzten Tage angebrochen sind. Vor dem Sterben, beim Sterben, nach dem Sterben – sie erzählt von Gefühlen, Ängsten und Überforderung. Gleichzeitig blättert sie das Leben der Eltern auf, die nach dem Ungarn-Aufstand nach Deutschland flohen und eine neue Heimat fanden ohne die alten Bindungen je kappen zu können.
    Auch wenn die Klinikszenen manchmal kaum auszuhalten waren, wenn Frau Bank offen von der Überforderung des Personals spricht, von unsensiblen Ärzten berichtet, die wenig Zeit für den Patienten und die Angehörigen finden. In der Maschinerie des Klinikbetriebs bleibt die Menschlichkeit oft auf der Strecke.
    Trotz des ernsten Themas schwingt eine spätsommerliche Stimmung durch das Buch, manchmal traurig und fast immer melancholisch, doch auch mit der Gelassenheit, die schöne Erinnerungen mit sich bringen. Es ist ein autobiografischer Bericht, in einer wunderbar sensiblen Sprache erzählt, die mir ein Genuss war. Ich habe das Buch mit großer Empathie gelesen, es hat mich angerührt, doch wurde es nie sentimental.

  1. Elternsterben: autobiografisch.

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Sep 2020 

    Authentischer Text über den Schmerz, den es bereitet, die Eltern zu verlieren.

    Man fragt sich, ob „Sterben im Sommer“ im eigentlichen Sinne ein Roman ist. Ist der Text nicht eher ein innerer Monolog, in dem die Autorin die Krebserkrankung ihres Vaters zu verarbeiten sucht und sein Verschwinden begreifen will?

    „Sterben im Sommer“ ist eine Auseinandersetzung mit dem Verschwinden der Eltern, deren Ausgeliefertsein an den Tod, eine Auseinandersetzung mit Tod und Sterben schlechthin, eine sehr persönliche Auseinandersetzung und ein sehr persönliches Erleben. Anders als viele Autoren, die eine Elternbeziehung im Nachhinein aufarbeiten, ist die von Szusza Bánk ohne Groll, erfüllt von tiefer Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre.

    Die ungarisch stämmige Autorin erlebt mit den in den 50ern aus Ungarn geflüchteten Eltern nach dem Verschwinden des Eisernen Vorhangs viele Sommer in der alten Heimat der Eltern. Sie lernt die Großeltern kennen. Diese alte Heimat ist irgendwie auch die ihre. Dennoch ist sie bereits weiter entfernt als ihr lieb ist, die Fachbegriffe für die spezifische Krankheit sind in ihrem Ungarisch nicht vorhanden. Sie muss sie im Gespräch mit den Verwandten suchen. Und mit dem Vater verliert die Familie auch den Familiensommersitz, an dem Vater, Mutter, Kind(er) und Enkel beieinander waren. Abschied auf vielen Ebenen steht an. Davon schreibt die Autorin. Sie ist ganz nah und ungeschminkt und dennoch in all ihrem Schmerz nie peinlich.

    Als der Vater während des letzten Sommerurlaubs in Ungarn so krank wird, dass ein Krankenhausaufenthalt nicht mehr aufschiebbar ist – und es der Familie der Autorin klar wird, dass der Abschied unabänderlich bevorsteht, versuchen alle, noch so viele Stunden des Beieinanderseins herauszuholen wie nur möglich.

    Szusza Bánk hat mit „ Sterben im Sommer“ einen sehr persönlichen Text, sogar einen schönen Text geschrieben, der berührt und mitnimmt und eine gewisse Allgemeingültigkeit besitzt, weil alle Menschen ihre Eltern an den Tod verlieren werden oder bereits verloren haben, sofern kein Unglück geschieht, das die natürlichen Verhältnisse umkehrt.

    Man hätte allerdings ein wenig mehr in die Familiengeschichte eintauchen wollen, das hätte den Text mehr zu einem „richtigen“ Roman gemacht.

    Fazit: Dieser Text wäre noch besser geworden, wenn man mehr Hintergründe geliefert bekommen hätte, einen Hauch weniger Trauer und ein klein bisschen Nähkästchen. Wie ist es den Eltern ergangen im „Ausland“. Wie weit sind sie heimisch geworden, welche Rolle hat die ungarische Herkunft für die Autorin selber gespielt? So ist dieser der Text eine Spur zu gefühllastig für fünf Sterne. Aber vier sind allemal drin.

    Kategorie: Anspruchsvoller Roman
    Verlag: S.Fischer, 2020

 

Das siebte Kreuz: Roman aus Hitlerdeutschland

Buchseite und Rezensionen zu 'Das siebte Kreuz: Roman aus Hitlerdeutschland' von Anna Seghers
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Inhaltsangabe zu "Das siebte Kreuz: Roman aus Hitlerdeutschland"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:448
Verlag:
EAN:9783746634692

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- RuLeka vor 20 Stunden
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Hamster im hinteren Stromgebiet

Buchseite und Rezensionen zu 'Hamster im hinteren Stromgebiet' von Joachim Meyerhoff
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Hamster im hinteren Stromgebiet"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag:
EAN:9783462000245

Diskussionen zu "Das Schönste, was ich sah: Roman"

- RuLeka vor 20 Stunden
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Rezensionen zu "Hamster im hinteren Stromgebiet"

  1. Unterhaltsam und berührend

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Aug 2020 

    Wenn man schon das ein oder andere Buch des Autors gelesen hat, fühlt sich dieses hier ein bisschen an wie Nachhausekommen. Man klappt es auf und ist direkt wieder drin. Da ist er wieder, dieser unnachahmliche Erzählton und auch diese Welt, in die man schon einmal hineinblicken durfte, die zufällig das ereignisreiche Leben des Autors und somit speziell und sehr persönlich ist.

    Diesmal wird es sogar erschütternd persönlich. Joachim Meyerhoff erzählt, wie er mit 51 Jahren einen Schlaganfall bekam, ihn er- und überlebte. - Es kann noch nicht sehr lange her sein. Alles Gute!

    Das ist eine einschneidende Erfahrung, plötzlich, ohne Vorwarnung, wird man mitten aus dem Leben gerissen und ist eigentlich zu jung und zu gesund, um je diese Möglichkeit in Betracht gezogen zu haben. So eine Situation bringt einen zum Nachdenken und jemand wie Herr Meyerhoff macht das gründlich. Neben dem tragikomischen Bericht über seine Zeit im Krankenhaus, erinnert er sich an viele Episoden aus seinem Leben, teils um sein angeschlagenes Gehirn zu trainieren, teils aber auch um sich zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Er erzählt liebevoll von seiner Familie und schließt nebenher auch ein klein wenig diese entsetzliche Lücke von etwa 30 Jahren seines Lebens, die wir verpasst haben.

    Offen, schonungslos ehrlich, mit einer gewaltigen Portion köstlichstem Galgenhumor und sagenhafter Eloquenz bewältigt der Autor eine dramatische Lebenskrise und lässt uns daran teilhaben. Ich bin berührt und beeindruckt.

 

Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit: Michael Ende - Roman eines Lebens

Buchseite und Rezensionen zu 'Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit: Michael Ende - Roman eines Lebens' von Charlotte Roth
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Inhaltsangabe zu "Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit: Michael Ende - Roman eines Lebens"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
Verlag: Eisele Verlag
EAN:9783961610693

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Die Scham (Bibliothek Suhrkamp)

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Scham (Bibliothek Suhrkamp)' von Annie Ernaux
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Inhaltsangabe zu "Die Scham (Bibliothek Suhrkamp)"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:110
Verlag:
EAN:9783518225172

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