Berlin Heat: Thriller (suhrkamp taschenbuch)

Buchseite und Rezensionen zu 'Berlin Heat: Thriller (suhrkamp taschenbuch)' von Johannes Groschupf
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Berlin Heat: Thriller (suhrkamp taschenbuch)"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:196
Verlag:
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Rezensionen zu "Berlin Heat: Thriller (suhrkamp taschenbuch)"

  1. Thriller mit prophetischem Anstrich

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Mai 2021 

    Während andere Autoren fleißig Coronabücher schreiben, ist Johannes Groschupf schon einen Schritt weiter, gibt sich prophetisch und behauptet, Corona ist vorbei. Punkt.

    Es ist Sommer, Berlin schwitzt bei mörderischen Temperaturen und gewöhnt sich daran, keine FFP2 Masken mehr tragen zu müssen. Und auch wenn es wohl ein Blick in eine sehr nahe mögliche Zukunft ist, immerhin regiert noch Frau Merkel, kommt es einem vor wie Science Fiction, schräg, gewagt, aber auch hoffnungsvoll.

    Die Pandemie ist vorbei, trotzdem hat die Welt noch mit den Folgen zu kämpfen. Es geht noch längst nicht jedem gut und Tom hat Spielschulden bei einem Kredithai. Er ist eine Art Eventmanager, der Touristen Wohnungen mit individuellen Extras vermittelt. Die Coronakrise hat er wenig erfolgreich mit Zocken überbrückt. Ihm steht das Wasser eh schon bis zum Hals, als er auch noch in einen Entführungsfall verwickelt wird.

    Es macht großen Spaß, sich in diese Nach-Corona-Zeit hineinzudenken, die der Autor mit Konsequenz und Einfühlungsvermögen detailliert vor uns ausbreitet. (Natürlich sind dann die Bierpreise gestiegen, müssen doch Bars die Defizite aufholen, klar, logisch.) Genauso einfühlsam versetzt er den Leser in die Zockerszene Berlins, wo sich heruntergekommene Gestalten am Rande der Kleinkriminalität bewegen, Drogen aller Arten kursieren und rechte Schlägerbanden aufräumen. Die Szene, die Tom in ihren Fängen hat, ist gnadenlos, genau wie die Spielsucht, die sein Handeln bestimmt.

    Dieses Buch entführt einen in die finstersten Ecken und wirkt dabei durch und durch realistisch. Es ist viel auf einmal: Der anrührende Schicksalsbericht eines Zockers, ein spannender Politthriller, lebendiges Berlin und ein prophetischer Ausblick auf das, was uns vielleicht bald erwartet.

    Ich bin beeindruckt und nehme mir vor, das Buch in 10 Jahren noch einmal zu lesen, das ist bestimmt aufschlussreich.

 

Grado in Flammen

Buchseite und Rezensionen zu 'Grado in Flammen' von  Andrea Nagele
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Grado in Flammen"

In Grado wütet ein Feuerteufel, der bereits ein Menschenleben auf dem Gewissen hat – doch die Polizei jagt ein Phantom. Commissaria Maddalena Degrassi wird von ihrer ehemaligen Dienststelle zu Hilfe gerufen. Zusammen mit ihrem Team begibt sie sich auf die fieberhafte Suche nach dem Täter, bevor es weitere Opfer gibt. Doch möglicherweise ist es dafür längst zu spät …

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:282
Verlag:
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Rezensionen zu "Grado in Flammen"

  1. Nachdem im letzten Roman der

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Mär 2021 

    Nachdem im letzten Roman der Verlobte von Maddalena Degrassi ums Leben kam, kämpft diese nun mit Depressionen, die sie auch davon abhalten, ihrem Dienst nachzugehen. Doch ein unerwartetes Treffen mit der Ehefrau eines Kollegen weckt sie aus ihrer Lethargie auf. Da trifft es sich beinahe gut, dass Grado seit längerem von einer Serie von Brandstiftungen heimgesucht wird, bei der auch ein Mensch ums Leben kommt. Ihr Chef und Schwiegervater, Commandante Scaramuzza bittet Maddalena daher, in den aktiven Dienst zurückzukehren, ein Ersinnen, dem sich die Commissaria nicht widersetzt. Beinahe so, als ob sie nie pausiert hätte, funktionert die Zusammenarbeit mit ihrem alten Team, doch die Überführung des Brandstifters gelingt am Ende ehrer zufällig.

    Mit "Grado in Flammen" lässt Andrea Nägele ihre Protagonistin den Weg ins Leben zurückfinden, was wohl das Wichtigste am Roman ist, lässt sich dadurch doch die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Reihe begründen. Daneben beschreibt die Autorin verschiedene Schicksale von Menschen in Grado, die alle irgendwie, wenn auch zum Teil nur am Rande, mit der Brandserie zu tun haben. Beinahe Mitleid hat man als Leser mit dem Verantwortlichen für die Brandstiftungen, dem das Leben besonders übel mitgespielt hat.

 

Finstere Havel: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Finstere Havel: Kriminalroman' von  Tim Pieper
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Finstere Havel: Kriminalroman"

Ein Auto wird aus der Havel geborgen, am Steuer eine tote Frau. Beging sie Selbstmord, war es ein Unfall oder wurde sie umgebracht? Die Ermittlungen führen Hauptkommissar Toni Sanftleben in den Naturpark Westhavelland, wo die Biologin an einem großen Flussprojekt mitarbeitete und in ihrer Freizeit den Nachthimmel erforschte. Doch am dunkelsten Ort Deutschlands ist es so finster, dass man die Gefahr nicht kommen sieht.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:310
Verlag:
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Rezensionen zu "Finstere Havel: Kriminalroman"

  1. Unfall, Selbstmord oder Mord?

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 18. Apr 2021 

    Ein Auto wird aus der Havel geborgen, am Steuer eine tote Frau. Beging sie Selbstmord, war es ein Unfall oder wurde sie umgebracht? Die Ermittlungen führen Hauptkommissar Toni Sanftleben in den Naturpark Westhavelland, wo die Biologin an einem großen Flussprojekt mitarbeitete und in ihrer Freizeit den Nachthimmel erforschte. Doch am dunkelsten Ort Deutschlands ist es so finster, dass man die Gefahr nicht kommen sieht.

    Erster Satz (S. 7): “Lautlos kam das Auto aus der Dunkelheit, rollte den Fähranleger hinunter und klatschte in die Havel.”

    Mit ‘Finstere Havel’ legt der Autor Tim Pieper bereits den fünften Band seiner Regionalkrimi-Reihe um Hauptkommissar Toni Sanftleben vor. Zwar lassen sich die Krimis unabhängig voneinander lesen, da sie in sich abgeschlossen sind, jedoch würde ich allein schon der Entwicklung der Charaktere wegen empfehlen, die Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.

    Der fünfte Band der Havelkrimis hat es wahrlich in sich. Melanie Berndt heißt die junge Frau, die tot aus der Havel geborgen wird, angeschnallt in ihrem Auto. Bis zum Schluss bleibt dabei unklar, ob es sich bei ihrem Tod um einen Unfall handelt, um einen Selbstmord oder um einen Mord. Die Ermittlungen laufen daher in alle Richtungen, und da tun sich schon bald mehr Abgründe auf als anfangs zu vermuten war.

    Die junge Biologin war hypersensibel, versuchte ihren Stress durch zu viele Sinneswahrnehmungen mit Alkohol zu betäuben und verließ schließlich Mann und Kind. Durch die Anonymen Alkoholiker schaffte Melanie es dann aber, vom Alkohol loszukommen, und tat auch sonst alles, um bei der nächsten Gerichtsverhandlung die Chance zu wahren, ein unbeschränktes Umgangsrecht für ihre kleine Tochter zu erhalten.

    Auch wenn Melanie Berndt Menschen meist mied und sich im Umgang mit ihnen oftmals unsicher und unbeholfen benahm, zeugten viele ihrer Verhaltensweisen dennoch von einem großen Einfühlungsvermögen. Wenn etwas gegen ihre Prinzipien verstieß, reagierte sie allerdings sehr spontan und kompromisslos, ohne über die möglichen Folgen nachzudenken. Dies brachte ihr nicht nur Freunde ein. Beruflich war sie aber trotz ihrer Mankos erfolgreich, was sie v.a. ihrem Chef Professor Wendschneider verdankte, der ihre Fähigkeiten zu schätzen wusste und der sie stets unterstützte.

    Je intensiver Toni Sanftleben und seine Kollegen ermitteln, desto mehr wird deutlich, dass die hypersensible und sozial unbeholfene Melanie einigen Männern in ihrem Umfeld eine große Angriffsfläche bot. Sei es ihr Mann, der die Trennung nicht akzeptieren wollte und der das Umgangsrecht mit dem Kind als Druckmittel nutzte, sei es der Professor, dessen großzügige Unterstützung womöglich so uneigennützig nicht war, oder sei es ein boshafter Nachbar oder auch dessen Cousin, die Melanie in der Vergangenheit bereits einige Male verärgert hatte. Jeder von ihnen könnte der Täter sein – wenn es denn ein Mord war…

    Durch einen stetigen Perspektivwechsel zwischen den Ermittlungen bzw. dem Geschehen um die Ermittler in der Gegenwart und mit ‚Vor einiger Zeit‘ überschriebenen Kapiteln aus der Vergangenheit sorgt Tim Pieper immer wieder für kleine Cliffhanger im Geschehen, die die Spannung aufrecht erhalten. Die Abschnitte aus der Vergangenheit bieten zudem für den/die Leser/in einen kleinen Wissensvorsprung vor Toni und seinem Team, ohne dass sie dabei zu viel verraten.

    Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, so dass sich die Seiten trotz des sehr dicht gedrängten und kleinen Schriftbildes zügig lesen lassen. Gerade die Naturbeschreibungen erscheinen sehr bildhaft und lassen Landschaften vor dem inneren Auge entstehen – teilweise gibt es da richtiggehend poetische Sätze, was ich für einen Krimi schon außergewöhnlich finde:

    „Irgendwo zersprang der Morgen, und das erste Sonnenlicht splitterte durch das Geäst." (S. 103)

    Gefallen hat mir auch, dass Tim die Charaktere unbeeinflusst von jeglicher Pandemie agieren lässt und damit auf einen Bezug zur aktuellen Lage verzichtet. So hat es mich richtig gefreut, als Tonis Kollegin einem Feuerwehrmann die Hand schüttelte – so herrlich normal, jenseits aller Rühr-mich-nicht-an-Regeln… Das mag verrückt klingen, aber mich hat das richtig erleichtert. Was mich allerdings ab und an irritierte, das ist so eine punktuelle superkorrekte Ausdrucksweise, was sich nicht nur auf die Ermittlungen bezieht und dann sozusagen unter sperrigem ‚Beamtendeutsch‘ läuft, sondern auch an anderen Stellen auftaucht, was das Ganze etwas hölzern wirken lässt. Wörter wie ‚Wirkungstreffer‘ oder ‚Blutanhaftungen‘ sind für mich einfach kein Alltags-Vokabular sondern eher Fachtermini (hier aus dem Boxsport bzw. aus einem Polizeibericht), die mich zumindest kurz stutzen lassen.

    Toni Sanftleben ist dem/der Reihenleser/in in seinem fünften Fall bereits bestens vertraut, und auch die Entwicklung des Charakters konnte bis dahin verfolgt werden. Auch wenn der Hauptkommissar immer schon eigenwillig und keinesfalls unkompliziert war, wirkt er hier trotz seiner unbestreitbaren Fähigkeiten als Ermittler nun zunehmend unausgeglichen. Er begeht Anfängerfehler (lässt in einer undurchsichtigen Situation sein Handy im Auto, trägt ungeeignetes Schuhwerk bei einer Verfolgungsjagd) und hat seine Emotionen zeitweise kaum noch unter Kontrolle. So beschimpft er nicht nur Zeugen, sondern kann von seinen Kollegen teilweise gerade noch daran gehindert werden, auf brutalste Art handgreiflich zu werden. Dies fand ich schon irritierend bis bedenklich, und tatsächlich scheint eine längere Auszeit für Toni nicht die schlechteste Idee zu sein…

    Alles in allem ist dieser fünfte Band aber auch wieder ein überzeugender Krimi voller Fragezeichen, die erst am Ende aufgelöst werden, und bis dahin wird der/die Leser/in wie ein Hase über das Feld der Verdächtigen gejagt, kreuz und quer durch alle möglichen Theorien, die gleich darauf doch wieder verworfen werden müssen. Tim Pieper versteht es eben, den/die Leser/in an der Nase herumzuführen.

    Glücklicherweise verriet der Autor bereits, dass es mindestens noch einen weiteren Fall für Toni Sanftleben geben wird, das wird alle Fans freuen. Mich auch.

    © Parden

  1. Unterm Sternenhimmel an der Havel lauert der Tod

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Mär 2021 

    Wo fange ich an? Bei Tim Pieper? Oder bei Otto Sanftleben? Vielleicht bei Toni Sanftleben? Das ist im Laufe der Jahre nicht so einfach. Bleiben wir besser bei den Havel-Krimis, deren fünfter nun bereits vor uns liegt.
    Die Havel, so sagt es uns Wikipedia ist der „längste rechtsseitige Fluss der Elbe“. Sie hat eine Länge von 394 Kilometer wobei es zwischen Quelle und Mündung nur einen Abstand von 94 Kilometer Luftlinie gibt. Sie entspringt bei Ankershagen in Mecklenburg-Vorpommern, was ich hier schon einmal erwähnte, und mündet in de Nähe der Stadt Havelberg in Sachsen-Anhalt in die Elbe. Es gibt die Obere, die Mittlere, die Untere Havel. Außerdem gibt es noch die Schnelle Havel.

    Dabei tut der Flusslauf der gesamten Havel eigentlich nichts zu Sache, denn Tim Pieper betrachtet in seinen Havelkrimis „nur“ kleine Gebiete in der Nähe von Potsdam oder Werder oder Babelsberg, diesmal bewegt sich Toni Sanftleben, Kriminalhauptkommissar, etwas weiter nach Westen, bis hoch in die Nähe des Naturparks Westhavelland und den dortigen Sternenpark.

    Nur der Autor kann in etwa nachvollziehen, warum Tim Pieper von nacheinander von der Dunklen, der Kalten, der Tiefen, der Stillen und nun von der Finsteren Havel schreibt. Das hat er selbst zugegeben...
    Schauen wir, was vor uns liegt.

    Die Geschichte. Finster ist es ganz sicherlich in dem Auto am Fährhafen bei Schmergow, welches da auf dem Grund der Havel liegt. In dem Auto befindet sich die Leiche einer jungen Frau, Melanie. Geschieden, Mutter einer Tochter, Biologin, wohnhaft in Rathenow, wo es den schönen Optikpark gibt. Den Ereignisort, ob es ein Tatort ist, wissen wir noch nicht, ob der Krimi, wie es sich gehört, mit einem Mord ausgeht, wissen wir auch nicht, könnt ihr auf dem folgenden Bild sehen.

    Einige Ermittlungszeit später findet sich am Nadelwehr Grütz, 98,8 km(!) vom Fähranleger bei Schmergow entfernt eine weitere Leiche namens Martin Schwarz, die schon eine Weile im Wasser treibt.

    Ob diese Ereignisorte, Tatorte sind, wissen wir noch nicht, ob der Krimi, wie es sich gehört, mit einem Mord ausgeht, wissen wir auch nicht. auf dem obigen Bild könnt ich sie sehen.

    Kriminalistisch stellen sich folgende Fragen:

    Wie sind Melanie Berndt und Martin Schwarz ums Leben gekommen? Gewaltsam durch Tötung oder durch Unfall? Wieso findet sich bei Schmergow ein Kuscheltier, das dem kleinen Sohn des Schwarz gehört? Was hat es mit dem völlig unbewohnten Mädchenzimmer im Haus von Melanie Berndt auf sich? Was hat die für seltsame Nachbarn?

    Das ist der Fall, den Toni Sanftleben mit seinen Kollegen Gesa und Phong zu lösen hat. Wie immer bei Tim Pieper sind die persönlichen Befindlichkeiten des Teams mit dabei, Gesa verliebt sich und Phong will plötzlich vom Computer auf die Straße. Wie das wohl zusammenhängt? Da Sanftlebens eigene Biografie immer der zweite Strang der Romanhandlungen war, ist dies auch hier so. Die Beziehung, die er zu Staatsanwältin Caren aufgebaut hat, ist noch relativ neu und die Bedrohung der attraktiven Juristin durch einen Stalker ist nicht vorbei.

    Das Buch. Tim Pieper streift mal wieder durch eine sehr schöne Landschaft, die er auch anschaulich beschreibt. Sternenhimmel wie am Mittelmeer? Gibts. Dieser Sternenpark im Naturpark Westhavelland liefert diese Bilder. Einfach deswegen, dass der Himmel durch wenige Lichtquellen ringsum nicht „lichtverschmutzt“ wird.
    Oder das Nadelwehr Grütz. Eine seltene interessante Anlage, davon hatte ich auch noch nie etwas vernommen und Wikipedia kann man bekanntlich nicht durchlesen.

    Regelmäßig sind die 64 Kapitel mit „Vor einiger Zeit“ überschrieben. In diesen Kapiteln können die Leserinnen und Leser die vorherigen Ermittlungsergebnisse „nachvollziehen“, denn in diesen erfahren wir, was dieser Melanie stückweise widerfuhr. Mit der Zeit wurde es nämlich ziemlich verworren, damit brachte der Autor mich Leser oft auf die Linie zurück.

    Zum Schluss bleibt, dass ich mir ein anderes Ende gewünscht hätte. Dies hier zu erläutern würde einen Spoiler zu großen Ausmaßes bedeuten. Hinzu kommt, dass diese Melanie, psychisch selbst nicht stabil, in der Masse mit teilweise verabscheuungswürdigen Männern zu tun hatte, über die "Mann" nur den Kopf schütteln kann. Der weinerliche Ex, der Chef, der seine Hände nicht bei sich lassen kann, ein Nachbar, der Tiere quält und Hassbriefe schreibt und dessen unmöglicher Cousin. Auch den Liebhaber kann ich nicht als Lichtblick betrachten. Es ist halt ein Krimi, an dieser Stelle aber nur traurig. Die jeweils genaue Rolle müssen Leserinnen und Leser schon selber herausfinden.

    Es war wieder eine spannende Geschichte, die ich gern gelesen habe. Es ist auch ein Lichtblick, dass das Hausboot, in dem Toni wohnt nun mal ablegt und die Havel in Begleitung entlang schippert. (Wann hat der Eigner das in Schuss gebracht?) Schippert er zu seinem nächsten Fall? Oder kommt doch erst mal ein „Otto“? (Das nennt man wohl einen kleinen Seitenhieb.)

    Auf jeden Fall bedanke ich mich für das Rezensionsexemplar beim Verlag und bei Tim, der der Leserunden-Community treu bleibt, die immer wieder alte Leserfreunde und -freundinnen zusammen führt.

    Übrigens bezeichnet sich der Verlag auf seiner Webseite als weltweit regional. Da gibt´s noch andere "Orte, die man gesehen haben muss". In Mecklenburg, wo die Havelquelle liegt und auch in Brandenburg.

    (Wer das Ganze bebildert sehen möchte, suche im Blog)

 

Fahrenheit 451

Buchseite und Rezensionen zu 'Fahrenheit 451' von Ray Bradbury
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Fahrenheit 451"

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:257
Verlag:
EAN:

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Rezensionen zu "Fahrenheit 451"

  1. Wichtige Gedanken, hochaktuelle Themen, spannender Plot!

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Dez 2019 

    Diese Dystopie ist 1953 erschienen und spielt in einem Staat, in dem das Besitzen und Lesen von Büchern verboten ist.
    Der Grund?
    Ein Buch rüttelt auf und stört den Staatsfrieden, den Seelenfrieden und die Gemütsruhe, weil es das freie Denken, das Hinterfragen und das Anzweifeln fördert und
    weil sich durch die Auseinandersetzung mit der Lektüre Meinungen bilden könnten. Verschiedene Meinungen, die Unzufriedenheit und Unruhe fördern könnten. Bildung, Geisteswissenschaften und Bücher müssen von der Bildfläche verschwinden.

    Ziel ist die Konformität. Der Preis dafür sind Individualität und Kreativität. Gleichheit auch was Intellekt und Bildung betrifft, wird angestrebt, um Zufriedenheit und Glück zu gewährleisten. „Ein Buch ist wie eine scharf geladene Waffe und muss entladen und vernichtet werden.“

    Illegalerweise aufgetauchte Bücher werden von der Feuerwehr verbrannt. Die Feuerwehr wurde zum „Hüter der Seelenruhe“ und zum „Glückshüter“ ernannt.

    Montag ist ein Feuerwehrmann, der, bis er der außergewöhnlichen 17jährigen Clarisse begegnet, mit sich und seinem Leben zufrieden ist. Aber Gespräche mit ihr öffnen ihm die Augen und bewirken eine Veränderung.

    Schon bevor der Staat dieses Gesetz eingeführt hat gab es jedoch durch den rasant zunehmenden Fortschritt von Technik und Elektronik eine Abkehr von Büchern und vom Lesen. „Die Leute haben wohl selbst aufgehört zu lesen. Bedenken Sie doch, dass es der Feuerwehr kaum bedarf.“

    Es ist faszinierend. Schon vor Jahrzehnten ahnte Bradbury, dass Beobachten, Erkennen, Tiefgründigkeit, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Genießen der Geschwindigkeit und der Schnelllebigkeit zum Opfer fallen werden und dass es nicht mehr selbstverständlich sein wird, spazieren zu gehen, empathisch zuzuhören, sich achtsam aufeinander einzulassen und sich tiefgründig zu unterhalten. Stattdessen werden oberflächliches Entertainment und Ablenkung bevorzugt. Stattdessen geht es um Konsum und führt man Gespräche ohne Tiefgang.

    „Ein Hang zur Natur ist verrückt und bedarf eines Psychiaters“. Zeitmangel und Zunahme von Gewalt sind genauso wie Gleichgültigkeit, Selbstbezogenheit, und Empathielosigkeit allgegenwärtig in Bradburys Welt.

    Ein Satz, der mir sehr gut gefallen hat: „Beurteile ein Buch nicht nach dem Umschlag“. Diese Aussage gefällt mir. Sowohl im konkreten Sinne als auch als Metapher.

    Einen Kritikpunkt habe ich. Was mir nicht gefallen hat, ist, dass Bradbury seine Aussagen zu klar und direkt „an den Mann bringt“. Er wirkt ein bisschen lehrerhaft. Es ist manchmal ein bisschen so, als spreche er zu einem Kind, das sich noch schwer tut, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und das noch nicht so gut selbst denken oder Rückschlüsse ziehen kann.

    Der Roman erinnert natürlich an „1984“ (George Orwell) und „Schöne neue Welt“ (Aldous Huxley). An diese Werke kommt er meines Erachtens nicht heran. Man sollte ihn aber auch nicht damit vergleichen. Er sollte für sich stehen dürfen.

    Unterm Strich habe ich die Geschichte sehr gern gelesen. M. E. wurden wichtige Gedanken und hochaktuelle Themen in einem spannenden Plot untergebracht.

  1. Beängstigend in seiner Relevanz

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Mär 2019 

    Guy Montag ist Feuerwehrmann. In einer nicht näher definierten Zukunft ist es die Aufgabe der Feuerwehr nicht Brände zu löschen. Im Gegenteil, die Feuerwehr verbrennt – Bücher!
    Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der Papier verbrennt. Als das Buch 1953 erschien - in 200 signierten und nummerierten Exemplaren, - war die amerikanische Originalausgabe gebunden in ein asbesthaltiges Material „ von außerordentlicher Widerstandsfähigkeit gegen Pyrolyse“.
    Um das Buch zu begreifen, muss man die Zeit begreifen, aus der es stammt. Amerika war eine der Siegermächte im zweiten Weltkrieg, Anfang der 1950er Jahre befand sich Amerika aber mittendrin in einem nächsten, dem kalten Krieg. Die Angst vor der Atombombe wurde sukzessive geschürt. Die McCarthy Ära mit ihren Verhaftungen und Verhören politisch Verdächtiger beginnt. Gleichzeitig startet die Unterhaltungsindustrie mit den ersten Fernsehserien und Sitcoms.
    Ray Bradburys Held Guy Montag ist ein braver Befehlsempfänger. Seine Ehefrau Mildred verbringt den ganzen Tag mit ihrer „Familie“, den personalisierten Serien, heute würde man wohl Videowalls dazu sagen. Eines Tages trifft Guy die junge Clarisse, deren alter Onkel sich noch an ein Leben „früher“ erinnert, Plötzlich beginnt Guy sich zu fragen, ob er glücklich ist, in einer Gesellschaft, in der Bücher verboten waren, eigenständiges Denken, intellektuelle Bildung nicht erwünscht ist. Er beginnt das Verbot von Büchern zu hinterfragen. „Jeder ist geistesgestört, der wähnt, er könne die Regierung und uns hintergehen.“ erklärt Montags Befehlshaber Beatty, ein Mann der jedes Zitat erkennt und trotzdem Bücher und deren Besitzer vernichtet.
    Fahrenheit 451 ist nur jedoch bedingt eine Dystopie, beängstigend in seiner Aktualität und Relevanz. Bücher haben schon immer gebrannt. Schon Heinrich Heine schreibt 1821 „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Regierungen merken - damals wie heute - wie vorteilhaft es ist wenn Leute nichts anderes lesen „Leidenschaftliche Lippen“ und die „Faust in der Fresse“. Wenn sparen an der Bildung bedeutet, dass das Volk nicht mehr begreift, wenn Demokratie und Verfassung ausgehebelt werden, wenn sich keiner mehr dagegen wehrt, wenn das Recht der Politik folgt, dann ist Fahrenheit 451 kein Zukunftsszenario, dann sind wir mittendrin.
    Fahrenheit 451 ist vor allem eins, eine unbedingte Liebeserklärung an die Literatur und die Macht des Wortes, eine lebenslange Liebe. Lasst und diese niemals abhandenkommen!

  1. Immer noch brandaktuell

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Jan 2017 

    Dem Roman vorangestellt ist eine Einleitung Ray Bradburys aus dem Jahr 2003 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums - 1953 ist der Roman erstmals erschienen. Bradbury erzählt darin, dass "Fahrenheit 451" aus "Der Feuerwehrmann" entstanden ist und das er dieser 25000 Wörter langen Erzählung die gleiche Anzahl an Worten hinzugefügt hat - und das in nur neun Tagen. Seitdem wurde der Roman mehrfach für Theater, Film und sogar für eine Oper umgeschrieben, aber die Buchfassung hat Bradbury bewusst nie überarbeitet und widerstand der Versuchung die Geschichte abzuändern, obwohl er zahlreiche Leserbriefe erhalten hat, die nach dem Schicksal von Clarisse McClellan gefragt haben (vgl. S.13).

    Fahrenheit 451 ist genau die Temperatur, bei der Bücherpapier zu brennen beginnt.

    Inhalt
    "Es war eine Lust, Feuer zu legen." (S.17)

    So sieht es der Feuerwehrmann Montag, der Teil einer Mannschaft ist, dazu bestimmt die wenig versteckten und übrig gebliebenen Bücher dem Feuer zum Fraß vorzuwerfen.
    Doch dann begegnet er dem unkonventionellen Mädchen Clarisse McClellan, das ihn ansieht, ihm zuhört und ihm die Frage stellt:

    "Ist es wahr, dass die Feuerwehr einst Brände bekämpfte, statt sie zu entfachen?" (S.22)

    Eine Frage, die er verneint, die aber Spuren hinterlässt.

    "Was für eine seltsame Begegnung in der Nacht. Dergleichen war ihm noch nie vorgekommen, außer damals vor einem Jahr, als er nachmittags im Park einen alten Mann getroffen und sich mit ihm unterhalten hatte..." (S.25)

    Am gleichen Abend unternimmt seine Frau, deren Leben ganz von den Fernsehwänden und deren Programm in ihrem Appartement bestimmt ist, einen Selbstmordversuch, an den sie sich am nächsten Morgen nicht erinnern will oder kann.

    Amerika hat sich zu einer Diktatur gewandelt, in der das Denken ausgeschaltet werden soll und größtenteils ist. In eine Welt, in der die Menschen rund um die Uhr berieselt werden, in der Fernsehwirklichkeit mit der "Familie" leben, keine Muße und echte Freunde mehr haben, mit Autos rasen, um sich abzulenken, um nicht miteinander reden zu müssen.

    "Die Leute reden über gar nichts. (...) Sie zählen meist nur Automarken oder Kleider oder Schwimmbäder auf und sagen >einfach toll!< Aber alle sagen dasselbe, niemandem fällt je etwas anderes ein." (S.50)

    Beim nächsten Feuerwehreinsatz weigert sich eine alte Frau ihre Wohnung zu verlassen und verbrennt mit ihren Büchern, eines davon lässt Montag mitgehen. Dieser Einsatz verändert ihn - die Mitnahme des Buches, obwohl es nicht das erste ist, die Frau, die für ihre Bücher stirbt, die Grausamkeit der Feuerwehrleute. Und Clarisse ist verschwunden - wahrscheinlich überfahren von einem rasenden Auto. Am nächsten Morgen weigert er sich zur Arbeit zu gehen, so dass ihn der Feuerwehrhauptmann Beatty zuhause besucht - im Phönixwagen der Feuerwehr, um ihn davon zu überzeugen, dass Bücher Unheil bringen:

    "Einst hatten die Bücher nur zu wenigen gesprochen, die da und dort und überall verstreut waren. Sie konnten es sich leisten, voneinander abzuweichen. Die Welt war geräumig. Aber dann begann es in der Welt von Augen und Ellbogen und Mäulern zu wimmeln." (S.78)

    - denn in einer Diktatur sind voneinander abweichende Meinungen unerwünscht.

    Beatty erläutert Montag auch, dass die Welt immer schneller wird, die Informationen immer oberflächlicher, kurzlebiger, Leben im Zeitraffer.

    "Nimm, lies, schau! Jetzt, weiter, hier, dort, Tempo, auf, ab, rein, raus, warum, wie, wer, was, wo, eh? Uh? Ruck, zuck, Bim, Bam, Bumm? Zusammenfassungen von Zusammenfassungen, Zusammenfassungen der Zusammenfassungen von Zusammenfassungen. Poliitk? Eine Spalte, zwei Sätze, ein Schlagzeile! Und dann, mittendrin, ist plötzlich nicht mehr da. Wirbel den Geist des Menschen herum im Betrieb der Verlegen, Zwischenhändler, Ansager, dass das Teufelsrad alles überflüssige, zeitvergeudende Denken wegschleudert!" (S.80)

    "Es kam nicht von oben, von der Regierung. Es fing nicht mit Verordnungen und Zensur an, nein! Technik, Massenkultur und Minderheitendruck brachten es gottlob ganz von allein fertig. Dem verdanken wir es, wenn unser Dauerglück heute ungetrübt bleibt (...)" (S.83)

    Bücher verursachen Diskussionen, provozieren, stellen unterschiedliche Meinungen dar, vertreten Minderheiten, regen zum Denken an - also weg da mit, ist der Tenor von Beattys Rede, aber die Menschen selbst haben es soweit kommen lassen.

    Montag ist jedoch nicht mehr bereit zurückzugehen, er möchte die Bücher retten, erkennt jedoch mithilfe eines Intellektuellen:

    "Was Sie brauchen, sind nicht Bücher, sondern einiges von dem, was einst in Büchern stand." (S.113)

    Während er nach einer spektakulären Flucht Verbündete findet, Menschen, die Bücher in ihrem Geist tragen, bricht der Krieg aus und die Chance auf eine neue Welt erstrahlt am Horizont.

    "Sie waren durchaus nicht sicher, dass das, was sie im Kopf mit sich führten, jede künftige Morgenröte in reinerem Licht erstrahlen lassen würde; nichts war sicher, nur dass die Bücher hinter ihrer Stirn aufgehoben waren, dass die Bücher dort warteten, eingeschweißt, auf Käufer, die später einmal vorbeikommen mochten, manche mit sauberen, andere mit schmutzigen Fingern." (S.202)

    Die Büchermenschen vergleichen die Menschen mit dem Vogel Phönix, allerdings wissen wir Menschen

    "Was wir seit tausend Jahren an Wahnsinn angestellt habe, und solange wir das wissen und es uns immer wieder zu Gemüte führen, besteht Hoffnung, dass wir eines Tages doch einmal aufhören, diese verdammten Scheiterhaufen zu errichten und mitten hinein zu springen." (S.212)

    Ein etwas pathetischer, aber doch hoffnungsvolles Ende.

    Bewertung
    Ein starker Roman, die eine Zukunft malt, wie wir sie hoffentlich nicht erleben müssen - eine Welt ohne Bücher und schlimmer (fast) ohne das Wissen darum, was in ihnen geschrieben steht.

    Beeindruckt hat mich die Weitsicht Bradburys im Jahre 1953, er selbst spricht im Nachwort von der Prophezeiung des Hauptmanns Beatty:

    "Denn wenn sich die Welt mit Nichtlesern, Nichtlernern, Nichtwissern füllt, braucht man Bücher nicht mehr zu verbrennen, oder? Wenn sich die Welt mit Breitband-Basketball und Football in MTV ertränkt, braucht es keinen Beattys mehr, die Kerosin anzünden oder Leser jagen." (S.227)

    Eine sehr eindringliche Warnung und Bradbury nimmt interessanterweise die Eltern, Lehrer und Schüler in die Pflicht, "setzen Sie sich sich zu Ihrem Kind, schlagen Sie ein Buch auf, und beginnen Sie zu lesen." (S.227)

    Er selbst ist ein Liebhaber von Bibliotheksregalen, was auch in seiner Erzählung "Das Böse kommt auf leisen Sohlen" durchscheint, der entscheidende Kampf zwischen Gut und Böse spielt sich dort in einer Bibliothek ab. Und wie jene lange Erzählung ist auch dieser Roman sprachlich außergewöhnlich, wenn auch nicht so metaphernreich.

    Ein Roman, der zu Recht in Schulen gelesen wird - ein Plädoyer für das Lesen und immer noch brandaktuell ;)

  1. Ein Leben ohne Bücher?

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Apr 2016 

    Interessant finde ich ja schon mal, wie das Buch entstand. Gar nicht mit einem Mal als Roman, sondern vorab als Geschichten. Selbst ein Theaterstück hat er draus gemacht und eine Opernfassung geschrieben.

    Was für ein trauriges Leben muss das sein, keine Bücher besitzen zu dürfen. Montag scheint ja ein Geheimnis zu haben, ob es mit Büchern zusammenhängt? Wenn ja, hoffe ich nicht, dass er sich mal verrät. Mit solchen Gesprächen scheint er sich jedenfalls in Gefahr zu begeben:

    Montag besah sich die Karten in seiner Hand. „Ich – ich war in Gedanken bei dem Feuer von voriger Woche. Ich dachte an den Mann, dessen Bibliothek wir erledigten. Was geschah mit ihm?“ „Er wurde schreiend in eine Irrenanstalt eingeliefert.“
    „Er war doch nicht geistesgestört.“
    Beatty ordnete gelassen seine Karten. „Jeder ist geistesgestört, der meint, er könne die Regierung und uns hintergehen.“
    „Ich habe versucht mir vorzustellen“, sagte Montag, „wie einem dabei zumute ist. Ich meine, wenn die Feuerwehr unsere Häuser und unsere Bücher anzündet.“
    „Wir haben keine Bücher.“
    „Aber wenn wir welche hätten.“
    „Hast du denn welche?“
    „Nein.“ Montag sah über die andern hinweg auf die Wand mit den maschinengeschriebenen Verzeichnissen einer Million verbotener Bücher. Ihre Namen gingen jahraus, jahrein in Flammen auf unter seiner Axt und seinem Schlauch, der nicht Wasser, sondern Kerosin spie.

    Montags Entwicklung finde ich sehr interessant. Mit seiner Frau kann er ja wohl schon lange nicht mehr reden. Die ist den ganzen Tag von ihrer Familie an den Wänden umgeben. Lässt sich von Musik und Werbung berieseln. Selbst beim Schlafen hat sie diese Ohrstöpsel in den Ohren. Hat nicht mal mitbekommen, dass sie zu viele Schlaftabletten genommen hat.
    Und hat panische Angst, an diesem Leben was zu verändern. Ich bin gespannt auf ihre weitere Reaktion, nachdem Montag ihr die Bücher gezeigt hat, die er versteckt hat.

    Auf ein schönes Wortspiel Bradburys bin ich bei Wikipedia gestoßen: Montag ist ein amerikanischer Papierhersteller und Faber kenne ich als Bleistifthersteller.

 

SIMULATION: Die perfekte Illusion - Die perfekte Droge

Buchseite und Rezensionen zu 'SIMULATION: Die perfekte Illusion - Die perfekte Droge' von Matthias Clostermann
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "SIMULATION: Die perfekte Illusion - Die perfekte Droge"

Für den Computerspiele Entwickler Alex Stein geht ein Traum in Erfüllung. Sein gewagtes Projekt, mittels künstlicher Intelligenz und der Steuerung des menschlichen Nervensystems die virtuelle Realität zu revolutionieren, scheint tatsächlich zu funktionieren. Sein Prototyp erzeugt Simulationen für alle Sinne, die von realem Leben kaum zu unterscheiden sind. Alex Karriere in der Londoner Computerspiele Firma Realmind Systems entwickelt sich rasant. Doch während er in immer perfektere Simulationen eintaucht, beginnt sein reales Leben auseinander zu fallen. Viel zu spät bemerkt er, dass seine Erfindung nicht nur ein Spiel, sondern auch eine tödliche Droge ist, die zur Bedrohung für die gesamte Menschheit wird. Auf der Suche nach der Wahrheit hinter der künstlichen Welt muss er sich der eigenen, bitteren Realität stellen - einer Realität, der er mit aller Macht entfliehen wollte…

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:174
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Berlin Heat: Thriller (suhrkamp taschenbuch)"

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Rezensionen zu "SIMULATION: Die perfekte Illusion - Die perfekte Droge"

  1. Ein Spielesimulator außer Kontrolle

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Feb 2021 

    Alex und Roger arbeiten für die Realmind Systems AG . Sie entwickeln ein Simulationsprogramm mittels künstlicher Intelligenz . Immer mehr zieht es Alex in die Simulationen hinein während er seine schwangere Frau und die normale Realität vernachlässigt .

    Die Spannung ist schon auf den ersten Seiten spürbar danach steigert sie sich von Kapitel zu Kapitel . Dabei ist der Schreibstil leicht und zügig zu lesen . Die Protagonisten passen sehr gut zur Geschichte sie sind glaubwürdig und ansprechend dargestellt .

    Fazit: Die einzelnen Kapitel sind nicht allzu lang so dass immer eine gewisse Spannung vorhanden ist . Faszinierend für mich war die selbstlernende Intelligenz , in dieser Geschichte wird sie Mutter genannt . Ich bin mit einer gewissen Skepsis an das Buch herangegangen auch weil mich das Cover nicht sehr angesprochen hatte . Aber mit jeder Seite die ich gelesen habe hat mich die Story mehr und mehr in ihren Bann gezogen . Da nicht allzu viele Charaktere mitspielen , was ich sehr angenehm empfand , ist dieser Thriller übersichtlich und ich kam zügig durch das Buch . Das Ende war für mich schön und ich empfand sogar Ruhe nach diesen atemberaubenden Seiten . Ich bin während des lesens von skeptisch auf begeistert umgestiegen . Für mich ist dieses Buch ein Lesehighlight und kann es absolut empfehlen .

 

Der Liebhaber meines Mannes

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Liebhaber meines Mannes' von Bethan Roberts
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Liebhaber meines Mannes"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:253
Verlag:
EAN:

Diskussionen zu "Berlin Heat: Thriller (suhrkamp taschenbuch)"

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Rezensionen zu "Der Liebhaber meines Mannes"

  1. Ménage à trois

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Mär 2021 

    Hier geht es um eine Unheil bringende Ménage à trois und wir befinden uns im Brighton der Endfünfziger Jahre und in einem zweiten Handlungsstrang in Peacehaven im Jahre 1999. Patrick, Tom und Marion sind die leidtragenden Personen in dieser Geschichte. Marion fühlt sich zum wunderbaren Tom hingezogen, der etwas eigenartig wirkt und heiratet ihn schließlich, trotz der Warnung von Tom’s Schwester Sylvie. Weltfremd und ignorant würde ich Marions Handlungsweisen beschreiben. Als Tom Marion seinen Freund Patrick vorstellt und eine gewisse Ménage à trois entsteht, zumindest bis zu einer unheilvollen Eskalation, einer Eskalation, die aus dem Egoismus und der Dummheit entsteht. "Der Liebhaber meines Mannes" ist eine Geschichte über die Intoleranz, ist eine Geschichte über den Egoismus. England und seine Haltung der Homosexualität gegenüber wird thematisiert, die Unterdrückung der Homosexuellen wird gezeigt, das Buch ist damit eine Gesellschaftskritik, aber genauso ist es eine Kritik am Menschen und seinem unerschöpflichen Egoismus, ebenso wie es eine Kritik an der Dummheit des Menschen ist. Ebenso wie diese Unterdrückung Homosexueller nicht allein auf Englands Fahnen steht, oder auf vergangene Zeiten begrenzt ist. Auch das sollte allen Lesenden klar sein. Keine leichte Kost, aber ein Buch, dass ich sehr gern gelesen habe.

    Sein einziges Manko, es erreicht mich nicht richtig, was einerseits am etwas distanzierten Ton liegen könnte, andererseits auch an einer Erzählstimme. Marion, eine Erzählstimme, die in ihrer Dummheit und ihrem Egoismus gar nicht begreift, was sie da eigentlich macht und mich einfach nur aufregt. Selbst Jahre später scheinen die Folgen ihrer Taten dieser Marion immer noch nicht klar zu sein. Aber auch Marion ist ein Opfer, könnte über alles geredet werden und gäbe es keine Stigmatisierung, wäre dies vielleicht nicht so geschehen. Wobei ja damit doch etwas Emotion da war. … Gegen Ende des Buches wird die Handlung auch etwas emotionaler für mich, was ich mir aber insgesamt etwas mehr gewünscht hätte.

 

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