Wunder

Buchseite und Rezensionen zu 'Wunder' von Raquel J. Palacio
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

August ist anders. Dennoch wünscht er sich, wie alle Jungen in seinem Alter, kein Außenseiter zu sein. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Er weiß, dass die meisten Kinder nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Am liebsten würde er gar nicht auffallen. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist - wie August.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783446241756
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Rezensionen zu "Wunder"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Nov 2019 

    Eine andere Meinung

    Dieses Buch hat einige positive Aspekte, aber ist meiner Meinung nach nicht eines der besten Bücher, die ich gelesen habe, und erst recht nicht für jedes Kind geeignet.
    Es hat einen guten Ansatz und eine gut gemeinte Botschaft, die aber nicht auf beste Weise dargebracht werden. Vielleicht ist das Jammern auf hohem Niveau. Aber für einem Buch für Kinder ab 10 oder 11 aufwärts erhoffe ich mir ein gutes Sprachniveau und maßvolle Gefühlstiefe und Beschreibungen, sowie eine entweder dem Thema oder der Spannung angepasste, sinnvolle Länge. Ich maße mir nicht an besser schreiben zu können, habe aber zu diesem Thema als Jugendliche Bücher gelesen, die ich geeigneter fände. Leider schreibt der Author so genau, dass man sich kaum der deprimierenden Situation entziehen kann.

    Für mich kommt das Buch relativ schnell auf den Punkt. August hat ein deformiertes Gesicht, das er vor seinen Mitmenschen nicht verstecken kann, hat eine Oddyssee an Operationen hinter sich. Nachdem ihn seine Familie so gut es ging eine schützende Umgebung im Familienkreis ermöglicht hat, indem er zuhause von seiner Mutter unterrichtet wurde, geben ihm die Eltern nun die Möglichkeit in eine Schule zu gehen, und in die Außenwelt einzutreten. Alle Beteiligten von Familienmitgliedern bis zu Mitschülern, Sekretärinnen, Lehrern und Schulleitern versuchen ihm diesen Einstieg so sanft wie ihnen möglich zu gestalten. All dies aus dem Blickwinkel von August. Danach kommt ein langer "Klotz" an Schulerlebnissen, die in aller Detalliertheit seine Schwierigkeiten beschreiben, von seinem Aussehen und Erlebnissen mit seinen Mitmenschen. Auch ein paar Positive Erlebnisse sind dabei und wechseln sich mit den negativen ab. Sehr lange weiß man nicht, worauf das Ganze hinausläuft. Für mich war die Angelegenheit bis dahin deprimierend, und unnötig in die Länge gezogen. Ein paar Erlebnisse hätten mir gereicht. Ein sehr schlimmes Erlebnis wird zum Ende der Sicht Augusts geschildert, der vermeintliche Freund entpuppt sich als Lügner, der die Freundschaft nur vorgegaukelt hat um seinem Schulleiter zu gefallen. Plötzlich: ein Schnitt!

    Es wird aus der Sicht der Schwester berichtet. Dies ist zwar eine Interessante Art der Darstellung. Doch ist sie ebenso deprimierend wie die Augustbeschreibung davor. Schlimmer noch, weil sie das Schlimme vertieft. Sie, die ihren Bruder liebt, aber unter der Sitution leidet und in der Familie zu kurz kommt, weil der Hauptteil der Aufmerksamkeit der Familie auf dem deformierten, armen August liegt. Wieder Leid, auf andere Art.

    Bis zur Mitte etwa des Buches ist die Geschichte für mich eine einzige Trauerarie, durchbrochen von vermeintlich positiven Erlebnissen, die bis zur Mitte des Buches anhält.
    Vielleicht mag dies ja manche Menschen nicht zu unangenehm berühren, die ein besonders dickes Fell haben. Vielleicht mag dies Menschen aufrütteln, die noch nie eine Ausgrenzung erlebt haben. Aber die, die kleine Ausgrenzungen erlebt haben - wie können die länger als bis zur Mitte des Buches durchhalten, ohne einfach nur noch sich die grauen Schleier der Trostlosigkeit auf alles niedersenken zu fühlen.
    Gerade für Kinder - mit 10 oder 11 ist man ein Kind, wie wehrt man sich gegen diese Trostlosigkeit, und was bringt einen zum Weiterlesen? Wieviel Hoffnung und Vertrauen muss man haben, um bis zum Ende durchzuhalten, ohne zu wissen, ob das Ganze eine dauerhaft positive Wendung erfährt oder nicht? Ganz eindeutig ist mir dies zu lang, die Hälfte davon hätte ausgereicht, zumal alles sehr detailliert beschrieben wird, von den Gefühlen bis zu den physikalischen Ausgeprägtheiten der Deformierung.

    Ganz abgesehen von furzenden Krankenschwestern und Lehrern mit den Namen Po-Irgendwas und Arsch-irgendwas. Für mich ein kläglicher Versuch diesem tieftraurigem Thema etwas Witz überzustülpen, und dann auch noch ein relativ profaner.
    Zudem ist die Sprache der Protagonisten nicht gerade eine Gewählte. Wenn auch keine völlig dumpfe Sprechweise, in der die Personen sprechen, und wenn auch möglicherweise die Sprechweise einer aktuellen, modernen Famile unserer Zeit wiedergegeben werden soll im jeweiligen Land- schön ist es nicht. Soetwas sollten erst Jugendliche lesen, aber nicht 10 oder 11 jährige meiner Meinung nach. Die sind noch nicht gefestigt in ihrer Sprache und man hat als Adressat von Kindern auch eine Sprachverantwortung. Oder wird dadurch schlicht versucht unnötig sich aneinanderreihenden Erlebnissen etwas Schwung zu verleihen?

    So liest sich für mich auch die Nichtübersetzung von den Wörtern "Mom" und "Dad". Dies ist zwar nicht der Fehler des Authors, aber für ein Kind, das hier aufwächst sehe ich keinen Sinn diese zwei Wörter nicht zu übersetzen. Warum schreibt man dann nicht auch "sister" anstatt "Schwester", "brother" anstatt "Bruder". Es soll wohl "cool" klingen, ach, herrjeh, es ist gerade in, scheint es mir. Es klingt stark nach Youtube Gamerkanal.

    Wie der Schreiber durchaus seine "Schreibe" zeichnet, sind häufige Bilder von Fernsehserien und auch einer Sängerin, und Figuren daraus, auf die er sich bezieht, mit denen mein Sohn bis auf einen Film nichts anfangen kann, weil er sie schlicht weder gesehen, noch gehört hat. Solche Bildhilfen haben eine kurze Halbwertzeit und vermitteln entweder den Eindruck, dass man das auch sehen muss, um zu verstehen, worum es geht, oder aber, dass das normal ist. Ich finde es nicht zwangsläufig normal.

    Zum Glück muss ich das Buch nicht bis zum Ende lesen. Sollte ich es aus Solidarität tun? Mein Sohn muss darüber eine Buchbesprechung halten, es wurde ihm von der Deutschlehrerin vorgeschlagen. Was soll ich ihm raten, wenn er mir sagt - "Mama, ich mag dieses Buch nicht". Ich werde ihm sagen: "Lies es bis zum Ende. Und dann schreib auf, was Du darüber denkst. Wenn Du es nicht magst, schreib die Gründe dafür auf."

    Wir mussten in der 8. oder 9. Klasse "Unterm Rad" lesen von Herrmann Hesse. So gut er schrieb - damals versank für mich das Klassenzimmer und der Nachmittag zuhause in einer grauen, aussichtslosen Suppe. Ausweg: der Tod. Dies war die Botschaft des Buches für mich, auch wenn ich selbst soetwas nicht in Betracht als Weg für mich gezogen habe. Aber es hat mich weder zu weiterem Lesen verleitet, noch meinen Schulalltag erhellt.
    Vielleicht kommt am Ende des Buches eine Ermutigung und eine gute Wendung. Ich hoffe es. Es steht ja da, in den Inhaltsangaben, die man im Internet findet. Aber ich habe keine Lust mich durch den Rest zu quälen.

    Um noch etwas hinzuzufügen: Zwar werden durch Protagonisten wie auch dem Author selbst am Anfang des Buches weise Zitate oder Lebensweisheiten geäußert, in denen man Ermutigungen finden kann. Ich empfinde es aber als nicht besonders guten Schreibstil solche Weisheiten in dieser Art anzubieten. Ein guter Schreiber lässt mich nach meinem Geschmack diese Weisheiten in der Geschichte selbst erkennen, anstatt sie ausformuliert als Krücke hinzuschreiben, als Rettungsanker, weil die Geschichte selbst es nicht leicht erkennen lässt.

    Es gibt wenige Bücher, die für mich nach einer langatmigen Mitte ein lohnenswertes Ende fanden, wenn ich mich durch die gesamte Strecke zwang. Bei einigen habe ich für mich beschlossen, dass sich mir der geistige und seelische Nähr- oder Erkenntniswert bis zur Mitte zeigt, und ich auch mal abbreche, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Dez 2017 

    Was für ein WUNDERvolles Buch

    Ein wundervolles Buch. Ein Buch mit so viel Liebe. Allen Kindern der Welt wünsche ich diese Liebe, die die Kinder dieser Familie, Olivia und August, durch die Eltern erfahren durften. Eltern mit einem demokratischen und autarken Erziehungsstil. Eine Erziehung mit Herz und Verstand ...

    Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:

    "August ist anders. Dennoch wünscht er sich, wie alle Jungen in seinem Alter, kein Außenseiter zu sein. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Er weiß, dass die meisten Kinder nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Am liebsten würde er gar nicht auffallen. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist - wie August."

    August leidet an einer seltenen Krankheit, die sich Treacher-Collin-Syndrom nennt. Es sind mehrere Defekte in den Genen. Kurz gesagt, August kommt mit einem entstellten Gesicht auf die Welt. Die Augen befinden sich zum Beispiel auf der Wange. August musste in seinem kurzen Leben mehrere Schönheitsoperationen über sich ergehen lassen … Die Ärzte gaben dem Jungen nicht viel Hoffnung was seine Lebenserwartung im Kleinkindalter betraf. Aber August hat überlebt ...

    Es ist eine große Herausforderung, August nach vier Jahren Homeschool einer öffentlichen Schule zu übergeben. Obwohl die Schule sich sehr kooperativ und tolerant zeigt, hat es August trotzdem sehr schwer mit seinen Klassenkameraden. Dort muss er sich einige bösartige Spitznamen wie z. B. Zombie anhören, und später, auf einer mehrtägigen Freizeit mit der Schule wird er von größeren Jungs verspottet und tätlich angegriffen. August wird von diesen Jungs mit Gollum verglichen und mit den Orks, Gollum und die Orks sind die hässlichen Figuren aus dem Fantasyroman Herr der Ringe. Das nimmt August psychisch sehr mit, obwohl er von seiner Familie immer zu spüren bekommen hat, dass er trotz seines Gesichtes ein wunderschönes Kind sei, denn hier zählen die inneren Werte und weniger die äußeren:

    >>Du bist wunderschön, ganz gleich, was andere sagen, Worte können dir nichts anhaben. Du bist wunderschön in jeder Weise. Ja, Worte können dir nichts anhaben.<<

    August hat Pech mit seiner Geburt, aber Glück mit seinen Eltern. Unabhängig davon, wie unschön Augusts Gesicht geformt ist, die Eltern lieben ihren Jungen trotzdem abgöttisch. Olivias Freund Justin zum Beispiel sehnt sich nach einem Vater wie August und Olivia ihn haben. Justin nimmt sich Olivias Vater zum Vorbild, er selbst möchte eines Tages für seine Kinder der Vater sein, den er selber nicht hatte … Daran kann man sehen, wie viel Glück August mit seinen Eltern hat. Viele Kinder, die mit Anomalien geboren werden, werden von den Eltern verstoßen … Es ist demnach nicht selbstverständlich, solche Eltern zu haben. Doch August hat nicht nur Glück mit seinen Eltern, er hat auch Glück mit seiner älteren Schwester Olivia, die für den Bruder einen Beschützerinstinkt entwickelt hat. Obwohl Olivia durch den Bruder von ihren Eltern stark zurück treten musste, lernte sie dadurch recht schnell selbständig zu werden. Aber sie leidet auch hin und wieder darunter, dass der Bruder so viel braucht und so viel bekommt.

    Obwohl es schwer für August auf der Schule ist, geht er tapfer seinen Weg, denn die Welt draußen ist nicht nur schlecht. Und einige seiner Schulkameraden lernen ihn schließlich kennen ... Ein einziges Mal erlebt er eine für ihn unerträgliche Situation, sodass er gar nicht mehr in die Schule gehen wollte, und fragt seine Mutter:

    >>Mom? Werde ich mir immer wegen dieser Mistkerle Sorgen machen müssen? (…) Auch wenn ich erwachsen bin, meine ich – wird das immer so sein? <<
    (…)>>Es wird immer Mistkerle auf der Welt geben. (…) Aber ich glaube ganz sicher, und Daddy glaubt das auch, dass es mehr gute Menschen auf dieser Welt gibt als böse, und die guten Menschen passen aufeinander auf und kümmern sich umeinander. <<

    Ein Jahr Schule hat August schließlich gepackt, als im neuen Schuljahr der Rektor in der Aula eine Rede an seine Schüler hält:

    >>… aber<<, fuhr er fort, >>ich wünsche mir für euch, meine Schüler, dass das, was ihr von der Middle-School auf euren Lebensweg mitnehmen könnt, das sichere Wissen ist, dass in der Zukunft, die ihr euch selbst gestaltet, alles möglich ist. Wenn jede einzelne Person in diesem Raum es sich zur Regel machen würde, wo immer sie sich befindet, wann immer es möglich ist, zu versuchen, sich etwas freundlicher zu verhalten, als notwendig ist – würde die Welt zu einem besseren Ort werden. Und wenn ihr das tut, wenn ihr euch etwas freundlicher verhaltet als notwendig, dann wird irgendjemand irgendwo und irgendwann vielleicht in jedem Einzelnen von euch das Antlitz Gottes erkennen. <<

    Da jeder Mensch von dem anderen Menschen lernen kann, unabhängig vom Alter und von der Herkunft, war auch der Rektor in der Lage von August zu lernen. August hat die Menschen in seinem Umfeld menschlicher gemacht. Durch seine Präsenz, durch sein Denken, durch sein Wirken hat er schließlich sein Umfeld positiv beeinflusst. Welch ein Verlust für die Gesellschaft, würde August weiter vor der Öffentlichkeit versteckt gehalten werden.

    Mein Fazit?

    Das Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt. August erzählt seine Sichtweise, Olivia ihre, etc. Dieser Erzählstil macht es noch zusätzlich spannend, an den Gedanken und den Gefühlen der verschiedenen Figuren teilhaben zu können. Es gibt nämlich nicht nur eine Wahrheit. Es gibt mehrere Wahrheiten und jede Wahrheit hat ihre Berechtigung ...

    Ein Buch mit so viel Weisheit; ein Buch über Freundschaft, ein Buch über familiäre Liebe, ein Buch über Schwächen und Stärken und dies nicht nur auf August bezogen. Ein Buch für Groß und Klein …

    Und den Schluss, der sich auf den Buchtitel bezieht, fand ich grandios ...

    Und es gibt zusätzlich noch so viele wunderbare Zitate in dem Buch zu lesen ...

    ____________
    Wenn du die Wahl hast, ob du recht behalten oder freundlich sein sollst,
    wähle die Freundlichkeit.
    (Dr. Wayne D. Dyer)

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Mai 2017 

    Ein 6-Sterne Buch

    "Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt - es ist schlimmer." (S. 10)

    Mit diesen Sätzen endet das erste Kapitel des Jugendromans "Wunder". Sätze, die einen packen, die unter die Haut gehen und von denen es in diesem wundervollen Roman unendlich viele gibt. Die US-Amerikanerin Raquel J. Palacio hat dieses Buch im Jahre 2012 veröffentlicht, 2 Jahre später ist "Wunder" mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden.
    Ich hatte zuvor noch nie etwas von diesem Roman gehört. Glücklicherweise hat mein Sohn dieses Buch in der Schule im Deutschunterricht gelesen. Er, der selten ein Buch liest, konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen. Was hat dieser Roman an sich, dass ein 11-Jähriger alles andere um sich vergisst? Ich war neugierig und habe mich darauf hin ebenfalls von diesem wundervollen Buch verzaubern lassen.

    Klappentext:
    August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner großen Schwester Via in New York. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. August ist es gewöhnt, angestarrt zu werden, und er weiß, dass die meisten Schüler nicht absichtig gemein zu ihm sind. Sie sind bloß verunsichert. Natürlich ist es sein sehnlichster Wunsch, nicht weiter aufzufallen, ein ganz normaler Junge zu sein, Freunde zu finden. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist wie August.

    Eine Buchbesprechung mit Junior:

    Frage: Was hat dir an diesem Buch besonders gefallen?

    Junior: Einfach alles! Die Geschichte ist cool und ich mag die Charaktere.

    Renie: Ging mir genauso. Was mir besonders gefallen hat, war der Aufbau dieses Romans. Es geht ja um dieses eine Jahr in der Schule, das aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Erzählt wird in erster Linie von August. Aber auch andere kommen zu Wort: u. a. seine Schwester Via, seine Schulkollegen Jack und Summer. Dadurch wird die Handlung mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen erzählt, wobei man jederzeit erkennen kann, wer gerade erzählt. Das hat die Autorin genial hinbekommen. Es gelingt ihr, in ihrem Sprachstil zu variieren, so dass die einzelnen Charaktere sehr authentisch rüberkommen.

    Dann schreibt die Autorin auch noch sehr mitreißend. Man leidet mit den Charakteren. Ich habe tatsächlich das eine oder andere Tränchen verdrückt, habe mich aber auch manchmal schlapp gelacht, weil der Humor zu köstlich ist.

    Junior: Ich nicht. Ich fand das Buch nicht humorvoll. Laut gelacht habe ich nicht.

    Renie: Das hätte ich jetzt aber nicht gedacht.

    "Rattenjunge. Missgeburt. Monster. Freddy Krueger. E. T. Ekelfresse. Eidechsengesicht. Mutant. Ich kenne die Namen, die sie mir geben. Ich bin auf genug Spielplätzen gewesen, um zu wissen, dass Kinder gemein sein können. Ich weiß, ich weiß, ich weiß." (S. 98)

    Frage: Was hat dich an dem Buch gestört?

    Junior: Gar nix.

    Renie: Stimmt, mich hat auch gar nix gestört.

    Frage: Wer war dein Lieblingscharakter?

    Junior: August natürlich. Er hat am meisten erzählt. Ich mag es nämlich nicht, wenn ständig die Personen beim Erzählen wechseln.

    Renie: Aber das haben sie doch in diesem Buch.

    Junior: Ja, aber sie haben immer ganz schön lange erzählt, so dass ich Zeit genug hatte, mich an sie zu gewöhnen und besser kennen zu lernen.

    Renie: Aha, jetzt verstehe ich, was du meinst. Es gibt insgesamt 8 Abschnitte, die jeweils aus der Sicht eines Charakters erzählt werden. Lediglich August kommt häufiger zu Wort.

    Selbstverständlich war August auch mein Lieblingscharakter. Ich fand es bewundernswert, wie er sein erstes Jahr an einer Schule gemeistert hat und am Ende die Herzen aller erobert hat, so dass sein Aussehen völlig nebensächlich geworden ist. Mir haben aber auch die Kinder gefallen, die unvoreingenommen und neugierig an August herangegangen sind, und es riskiert haben, nicht mit dem Strom zu schwimmen. Schließlich ist ja von einigen Mitschülern ein enormer Druck auf sie ausgeübt worden, sie sind sogar gemobbt worden, weil sie sich auf Auggies Seite gestellt haben. Und trotzdem wollten sie mit ihm befreundet sein.

    "Er ist bloß ein Junge. Der seltsamstaussehende Junge, der mir je begegnet ist, ja. Aber bloß ein Junge." (S. 148)

    Frage: Fällt dir eine Lieblingsstelle in dem Buch ein?

    Junior: Bei Auggie Doggie* musste ich grinsen.

    Renie: Hast du nicht eben gemeint, dass das Buch nicht lustig ist?

    Junior: Es ist nicht humorvoll. Denn Humor ist, wenn man ganz laut lachen muss. Bei Auggie Doggie musste ich nur grinsen.

    Renie: Aha.

    * "'Also, Auggie Doggie', sagte er, 'Der Tag war wirklich okay?' Er hatte das aus einer alten Zeichentrickserie über einen Hund namens Auggie Doggie. Er hatte mir das Video bei eBay gekauft, als ich vier Jahre alt gewesen war, und eine Zeit lang hatten wir es uns oft angesehen - vor allem im Krankenhaus. Er nannte mich Auggie Doggie und ich ihn 'lieber alter Vater', wie das Hundekind den Dackel in der Serie." (S. 74)

    Frage: Warum lautet der Titel dieses Buches "Wunder"?

    Junior: Ist doch klar. August ist ein Wunder. Er kommt mit seinem Aussehen klar und fordert andere auf, sich mit ihm zu beschäftigen. Auf dem Buchumschlag steht der Satz "Sieh mich nicht an". Am Anfang fällt es ihm zwar schwer und er hat Angst vor der Schule. Doch mit der Zeit geht es ihm immer besser und sein Aussehen ist egal. Er kommt sogar damit klar, dass er gemobbt wird. Andere Leute bringen sich um, weil sie wegen ihres Aussehens gemobbt werden. August nicht.

    Renie: Stimmt. August ist so mutig. Er beweist, dass Äußerlichkeiten völlig egal sind. Davon kann sich mancher eine Scheibe abschneiden.

    Frage: Wirst du dich in ein paar Jahren noch an dieses Buch erinnern?

    Junior: Ich glaube nicht. Es ist zwar ein außergewöhnliches Buch, und man liest so etwas nicht alle Tage. Aber es ist "nur" ein Buch und ich lese ja eigentlich nicht gern.

    Renie: Irgendwann hast du bestimmt auch Spaß am Lesen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Es gibt nicht viele Bücher, die so besonders sind wie "Wunder" und die eine Geschichte erzählen, die mitten ins Herz geht. Ich werde mich auf jeden Fall auch in ein paar Jahren noch an dieses Buch erinnern.

    © Renie und Junior

 

Dachdecker wollte ich eh nicht werden: Das Leben aus der Rollstuhlperspektive

Buchseite und Rezensionen zu 'Dachdecker wollte ich eh nicht werden: Das Leben aus der Rollstuhlperspektive' von Raúl Aguayo-Krauthausen
NAN
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Ein persönliches Plädoyer für Toleranz und Freude am Leben. Menschen tätscheln ihm den Kopf oder starren ihn an - Raúl Aguayo-Krauthausen, der aufgrund seiner Glasknochen im Rollstuhl sitzt und kleinwüchsig ist, weiß, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, mit Behinderten unverkrampft umzugehen. Dabei ist jeder zehnte Deutsche behindert, da sollten wir uns doch eigentlich an den Umgang mit jenen gewöhnt haben, die nicht "normal" sind. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Raúl Aguayo-Krauthausen sieht seine Behinderung als eine Eigenschaft von vielen. Er beschreibt mit Witz und Sachkenntnis, wie sein Alltag wirklich ist und wie ein Miteinander von behinderten und noch-nicht-behinderten Menschen aussehen kann...

Format:Hörbuch-Download
Seiten:0
Verlag: Audible GmbH
EAN:
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