Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago

Buchseite und Rezensionen zu 'Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago' von Michael Sommer
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
Verlag: Beck C. H.
EAN:9783406767203
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Rezensionen zu "Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago"

  1. Es ist nicht die erste, aber

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Mär 2021 

    Es ist nicht die erste, aber sicherlich die bisher beste Darstellung der Punischen Kriege, die ich bisher gelesen habe. Dem Oldenburger Althistoriker gelingt es, die die Weltgeschichte prägenden Phase der drei mit der Zerstörung Karthagos endenden Kriege informativ und fesselnd darzustellen. In einem relativ kurzen Zeitraum von ca. 120 Jahren (264 v. Chr. -146v. Chr) vollzog sich ein völliger Wandel innerhalb der Mittelmeerwelt, der am Ende Roms Aufstieg zur Weltmacht sah. Ausgehend von einem eher zweitrangigen Anlass auf der Insel Sizilien.entwickelte sich ein Vernichtungskrieg zwischen der Seemacht Karthago und der auf Italien beschränkten Landmacht Rom. Plündernde Ex-Söldner besetzten die Stadt Messina an der Meerenge zwischen Sizilien und der Stiefelspitze Italiens, als sie die Reaktion der mit Karthago verbündeten Syrakusaner fürchteten, wandten sie sich mit der Bitte um Unterstützung an den römischen Senat. Was trieb diesen an, dem Hilfegesuch zu entsprechen? Im Vorfeld hatten die Römer eigentlich ein gutes Verhältnis zu Karthago und erkannten in einigen Verträgen deren Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer an. Doch nun riskierten sie eine Auseinandersetzung, deren Ausgang durchaus unklar war, da die Römer es anders als in ihren bisherigen inneritalischen Kriegen mit einem gleichwertigen, möglicherweise sogar übermächtigen Gegner zu tun hatten. Die Antriebsfedern waren letztendlich die zu erwartende Beute im Siegesfall und vor allem innenpolitische Beweggründe. Senatsmitglieder, die sich im sogenannten cursus honorum bewähren wollten, sahen in erfolgreich geführten militärischen Kommandos eine hervorragende Möglichkeit, sich für höhere Weihen zu profilieren. Der letztere Beweggrund war genauso wichtig für die dem ersten Punischen Krieg folgenden Auseinandersetzungen, auch mit Griechen und den Diadochenreichen. Am Ende stand der 264 nicht unbedingt absehbare Aufstieg Roms zur Weltmacht. Mit der Eroberung Siziliens hatten die Römer den ersten Schritt aus dem Festland getan, danach folgte ihe Ausdehnung in Spanien, Griechenland und Nordafrika. Der Preis dafür war sicherlich ein hoher, aber letztendlich war, so Sommer, der Bestand der römischen Suprematie in Italien, der Machtbasis Roms, nie ernsthaft in Gefahr. Selbst Hannibals Zug nach Italien führte nicht zum Zusammenbruch der römischen Macht, da die Bundesgenossen, anders als von den Karhagern erhofft, trotz aller Niederlagen fest an der Seite Roms standen. So verpuffte Hannibals Initiative letztendlich in einem Abnutzungskrieg, den die Karthager fernab ihrer Machtbasis (die zudem mit Spanien auch noch verloren ging), nicht gewinnen konnten. Nicht zufällig endete dann der zweite Punische Krieg mit der Schlacht von Zama in Nordafrika. Und das Ende Karthagos im dritten Punischen Krieg war letztendlich vorprogrammiert, denn angesichts der römischen Übermacht waren die Karthager chancenlos.

    Wie so ziemlich jede historische Darstellung beginnt Sommer mit einer Übersicht über die Quellenlage, die in diesem Fall eindeutig römisch geprägt ist. Es gibt leider nur die Sicht der Sieger auf diesen Konflikt, was alles hätten uns wohl karthagische Quellen verraten können? Und, nun völlig in kontrafaktische Geschichtsschreibung abgleitend, was wäre gewesen, wenn sich die in einer Abfolge verschiedener Kriege gegen die Römer unterlegenen Kathager, Griechen und Seleukiden verbündet hätten, wie es Hannibal gern gesehen hätte?

    Wer sich für die antike Geschichte interesssiert, sollte sich diese Studie zu Gemüte führen.

 

Triumph der Macht: Das römische Imperium von Hadrian bis Konstantin

Buchseite und Rezensionen zu 'Triumph der Macht: Das römische Imperium von Hadrian bis Konstantin' von  Michael Kulikowski
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Triumph der Macht: Das römische Imperium von Hadrian bis Konstantin"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:488
Verlag: wbg Theiss
EAN:9783806236699
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Rezensionen zu "Triumph der Macht: Das römische Imperium von Hadrian bis Konstantin"

  1. Anregend und fundiert

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Jan 2021 

    Generell bin ich grundsätzlich immer etwas skeptisch bei historischen Studien amerikanischer Historiker. Zu oft schon habe ich eher reißerische, aber wissenschaftlich wenig fundierte Darstellungen in den Fingern gehabt, wobei sich diese zumeist auf die Zeitgeschichte bezogen. Nun wurde von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Michael Kulikowskis "Triumph der Macht" angeboten und ich habe mir das Buch, ehrlicherweise zugegeben, auus Mangel an Alternativen zu Weihnachten schenken lassen. Doch dieses Mal wurde ich positiv überrascht. Der Historiker, der an der PennStat University lehrt, erweist sich als wissenschaftlich solide arbeitender profunder Kenner der römischen Kaiserzeit. Er beschreibt in seiner Studie den die ca 200 Jahr zwischen Kaiser Hadrian (117-131) und Constantius II (gest. 361), einen, historisch betrachtet relativ kurzen Zeitraum, in dem sich aber im römischen Imperium so einiges veränderte. Stand Hadrian, noch in der Tradition der von Augustus geschaffenen Staatsordnung, so entwickelte sich unter seinen Nachfolgern das römische Reich gravierend. Innenpolitisch wurde das Bürgerrecht letztendlich auf alle Bewohner ausgeweitet, was natürlich einen weitaus größrenen Verwaltungsaufwand und -apparat mit sich brachte. Dieser Apparat führte zur Ausbildung des neuen Ritterstandes (Fachleute aus vermögenden Familien, oft mit militärischen Anfängen), der nach und nach den Einfluss der alten Senatorenfamilien zurückdrängte. So ist es auch nicht überraschend, dass in der Transformationsphase auch Kaiser aus dieser gesellschaftlichen Schicht entstammten. Sie hatten sich als militärische Fachleute in den zahlreichen Abwehrkämpfen an den Grenzen des Reiches bewährt und wurden von ihren Armeen in gewisser Weise hochgeputscht. Um den Koloss des Riesenreichs überhaupt noch regieren zu können und um die zahlreichen Bürgerkriege zu beenden, schuf der Soldatenkaiser Diokletian die Tetrarchie, ein System mit zwei Augustie (einen für den Westen, einen für den Osten), denen jeweils ein Caesar (eine Art Juniorkaiser) zur Seite stand, wiederum mit Aufgaben an den bedrohten Grenzen versehen. Dieses System wiederum brachte dann Konstantin an die Macht, der dann das Fundament für die nächsten Jahrhunderte römisch-griechischer Geschichte bis zum Untergang Konstantinopels schuf. Nicht nur, dass er zu einer eher traditionellen Besetzung der Tetrarchie zurückkehrte (nach der Ausschaltung seiner ursprünglichen Mitkaiser ersetzte er sie durch seine Söhne), bekanntlicherweise machte er ja auch das Christentum zur Staatsreligion und leitete spätestens damit die Spätantike ein.

    All diese Entwicklungen schildert Kulikowski anregend und fundiert. In gewisser Weise ist das Buch eine gute Ergänzung zu der im letzten Jahr von mir gelesenen Studie Mischa Meiers zur Völkerwanderung.

 

Die Perserkriege

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Perserkriege' von Josef Fischer
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Perserkriege"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:224
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Die Perserkriege"

  1. Solide Darstellung

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Dez 2020 

    Der Wiener Althistoriker hat mit "Die Perserkriege" die wohl aktuellste Darstellung dieses uralten Themas vorgelegt. Ausführlich und unter Verwendung der wenigen vorliegenden Quellen beschreibt er die Voraussetzungen, die Ursachen und den Verlauf der Auseinadersetzung zwischen Griechen und Persern in der ersten Hälfte des 5.Jahrhunderts v.Chr. Dabei ist naturgemäß wenig Neues zu erwarten, eben weil die Quellenlage so dünn ist. Im Grunde ist es beinahe nur der Vater der Geschichtsschreibung Herodot, der dazu Material liefert. Und dieses ist, wie Fischer quellenkritisch mehrfach aufzeigt, mit äußerster Vorsicht zu genießen. Die bekannten Schlachten bei Marathon, den Thermopylen und die vermutlich entscheidende Seeschlacht bei Salamis sind Allgemeingut, aber ob sie sich wirklich so zugetragen haben, wie Herodot und spätere Autoren sie beschreiben, ist äußerst zweifelhaft. Das beginnt mit den schier unglaublichen zahlentechnischen Überlegenheit der ins Feld ziehenden Perser, die wohl nur dazu dienen soll, den Mut und die Opferbereitschaft der eigenen, der griechischen Seite, zu betonen und endet mit mit einigen Details zum Schlachtverlauf, die bei genauerem Hinsehen sich als zumindest fragwürdig erweisen. Auf jeden Fall haben die Griechen wohl Fortuna an ihrer Seite gehabt, bedenkt man, dass vor der entscheidenden seeschlacht die persische Flotte durch einen heftigen Sturm bereits dezimiert wurde und dass die persischen Feldherren sich einige fatale Fehler erlaubten, unter anderem den, sich die durch die Hoplitenphalnx gekennzeichnete Kampfweise der Griechen aufdrücken zu lassen, was die eher leicht bewaffneten Perser immer wieder ins Hintertreffen brachte.

    Interessant ist vor allem das lieder sehr kurze letzte Kapitel, in dem Fischer eine universalhistorische Wertung der Perserkriege vorzunehmen, d.h. der frage nachzugehen, was gewesen wäre, wenn die Perser damals gesiegt hätten. Frührere Autoren sahen in den Kriegen stets den erfolgreichen Abwehrkampf des Westens gegenüber dem Osten (nicht zufälligerweise appellierte Göring nach Stalingrad an den Durchhaltewillen, indem er die Schlacht an den Thermopylen instrumentalisierte), wobei der westen für Freiheit und Fortschritt, der Osten für Unterdrückung und religiöse Borniertheit. Dagegen betont Fischer, dass die Perser gegenüber den unterworfenen Völkern eine weitgehende Toleranz walten ließen, was vermuten lässt, dass all das, für das das klassische Greichenland steht, auch im Fall einer Niederlage eingetreten wäre, möglicherweise wäre sogar der diesen Auseinandersetzungen folgende fatale Peloponnesische Krieg, in dem es um die Hegemonie der einstmals verbündeten Spartaner und Athener ging, ausgeblieben.

 

Germanen

Buchseite und Rezensionen zu 'Germanen' von  Matthias Wemhoff
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Germanen"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:640
Verlag:
EAN:9783806242614
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Rezensionen zu "Germanen"

  1. Abschied von schnäde-räng-täng

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Okt 2020 

    Als die Römer frech geworden, zogen sie nach Deutschlands Norden. Und wen trafen sie dort? Die Germanen. Klar doch.
    Gar nicht klar! Im Begleitband zur Ausstellung „Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme“ wird das Bild der Germanen vom Kopf auf die Füße gestellt. Bis hin zur Frage: ob es ein „Volk, das sich Germanen nannte“ überhaupt je gegeben hat.

    Damit ist der erste Themenkomplex des Buches abgesteckt: Welche Rolle spielte die Vorstellung eines einheitlichen, germanischen „Volkes“, aufgeteilt in „Stämme“, in unserer Geschichte? Wieviel Wissenschaft war darin enthalten und wieviel Sehnsucht nach mythischen Vorfahren einer deutschen Nation, oder eben eines „tausendjährigen“ deutschen Reiches. Dazu empfehle ich den wunderbar sachlichen Artikel „Wer hat Angst vor den Germanen?“ von Susanne Grunwald und Kerstin P. Hofmann am Ende des Bandes.
    Der Artikel ist ernüchternd und erleichternd – er zeigt uns die Projektionskraft, die mit den Germanen als einer Art Ur-Deutschen verbunden ist – mit dem Höhepunkt leider in der Zeit des Nationalsozialismus. Von diesen Vorstellungen müssen und dürfen wir uns verabschieden.

    Wenn „Germania“ dann nur ein von den Römern benutztes Wort ist für die Gegenden rechts des Rheins und nördlich der Donau? Und wenn die „alten Germanen“ nur die Menschen waren, die damals dort gewohnt haben, wo wir (und die Dänen, Polen, Tschechen, …) heute wohnen? Dann stellt sich trotzdem – jenseits von Verklärung und Mythen – die Frage wie unsere „Vormieter“ gelebt haben. Damit sind wir beim zweiten Themenkomplex. Zur Beantwortung sind nur archäologische Funde erlaubt, die der Band – im Sinne einer „archäologischen Bestandsaufnahme“ – uns näher bringt. Die vielen Artikel namhafter Wissenschaftler beschäftigen sich mit Wohnverhältnissen, Lebenswelten, der Gesellschaft, dem Krieg und dem Verhältnis zum römischen Reich. Das ist nicht immer leicht lesbar – um es freundlich auszudrücken – auch wenn die Autor/innen (übrigens zu ein Drittel Frauen) sicherlich Ihr Bestes gegeben haben. Zum „hintereinander weg lesen“ eignet sich der Band sicher nicht.
    Aber es finden sich auch leichter anmutende Stücke. Mein Highlight: zwei germanische Breirezepte, die ich aber – man möge es mir verzeihen – nicht nachgekocht habe.

    Damit komme ich zu etwas ganz anderem: den Bildern. Und hier liegt der Reiz des Bandes: Von Ort- und Hausskizzen über wunderbare Fotos von Fundstücken bis zu großformatigen Bildern, die mit viel Fantasie das Leben der „Germanen“ ausschmücken. Höhepunkt ist das Kapitel „Germanenkult oder Mythengeschichte“ von Matthias Wemhoff mit Bildern und Erläuterungen zum Gemäldefries im Berliner Neuen Museum, das in der Berliner Ausstellung zugänglich ist.

    Die Ausstellung ist vom 17.9.2020 bis zum 21.3.2021 in der James-Simon-Galerie in Berlin zu besuchen und wandert dann in „nicht-germanische“ Gefilde links des Rheins, in das LVR-Landesmuseum Bonn (vom 6.5. bis zum 24.10.2021). ACHTUNG! Das ist KEIN AUSSTELLUNGSKATALOG, sondern ein wissenschaftlicher Begleitband! Der reichlich bebilderte Band, kostet 50€ bzw. 39€ als Museumskauf. Er wiegt stolze 2,835 kg – nichts für Leute, die in der Regel auf dem Sofa lesen, soviel kann ich bestätigen! (Das ist 1,38€ pro 100 g – viel Buch fürs Geld )

    Mir hat der Band zweierlei gebracht: den Abschied von den „alten Germanen“ (schnäde-räng-täng ) und Lust auf die Ausstellung.

 

Die Öffnung der Welt. Eine Globalgeschichte des Hellenismus. Von Alexander dem Großen bis Kaiser Hadrian: ein völlig neues Bild der griechischen Antike unter römischer Herrschaft.

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Öffnung der Welt. Eine Globalgeschichte des Hellenismus. Von Alexander dem Großen bis Kaiser Hadrian: ein völlig neues Bild der griechischen Antike unter römischer Herrschaft.' von  Angelos Chaniotis
NAN
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Inhaltsangabe zu "Die Öffnung der Welt. Eine Globalgeschichte des Hellenismus. Von Alexander dem Großen bis Kaiser Hadrian: ein völlig neues Bild der griechischen Antike unter römischer Herrschaft."

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:528
Verlag: wbg Theiss
EAN:9783806239935
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Sardinien und Korsika in römischer Zeit (Zaberns Bildbände zur Archäologie)

Buchseite und Rezensionen zu 'Sardinien und Korsika in römischer Zeit (Zaberns Bildbände zur Archäologie)' von Cinzia Vismara
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Inhaltsangabe zu "Sardinien und Korsika in römischer Zeit (Zaberns Bildbände zur Archäologie)"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:144
Verlag:
EAN:9783805335645
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Die Römer in Ungarn (Zaberns Bildbände zur Archäologie)

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Römer in Ungarn (Zaberns Bildbände zur Archäologie)' von Borhy, László
NAN
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Inhaltsangabe zu "Die Römer in Ungarn (Zaberns Bildbände zur Archäologie)"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:168
EAN:9783805348201
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Augsburgerinnen

Buchseite und Rezensionen zu 'Augsburgerinnen' von Zellhuber, Andreas
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Inhaltsangabe zu "Augsburgerinnen"

Format:Taschenbuch
Seiten:200
Verlag:
EAN:9783896399663
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Geschichte der Völkerwanderung

Buchseite und Rezensionen zu 'Geschichte der Völkerwanderung' von Meier, Mischa
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Geschichte der Völkerwanderung"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:1532
Verlag: Beck
EAN:9783406739590
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Rezensionen zu "Geschichte der Völkerwanderung"

  1. Ein im wahrsten Sinne des Wortes gewichtiges Buch

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Apr 2020 

    Angesichts des Preises (58 €), des Umfangs (1532 Seiten, davon 1104 Seiten darstellender Text) und des Gewichts (nicht ganz 2 kg) sicherlich kein Buch für jedermann. Ich hatte es mir zu Weihnachten gewünscht und als Leseprojekt für die Sommerferien vorgenommen, doch der lockdown wegen Corona und der dadurch bedingte Umstieg auf homeschooling hat es ermöglicht, früher damit einzusteigen. Insgesamt habe ich gut fünf Wochen gebraucht (unterbrochen durch eine Romanlektüre) um dieses im doppelten Sinn gewichtige Werk zu lesen, was mal so eben nebenher auch nicht möglich ist.

    Der Althistoriker Mischa Meier beschreibt in seiner "Geschichte der Völkerwanderung" den Zeitraum vom 3. bis zum 8. Jahrhundert nach Christus, also den Übergang von der Spätantike zum Mittelalter und die Wechselwirkungen zwischen dem üblicherweise "Völkerwanderung" genannten Vorgängen mit dem allmählichen Verschwinden des Imperium Romanum.

    Nach einem anregenden Einstieg, dem Vergleich zweier strukturell ähnlicher Ereignisse (die letztlich erfolglose Belagerung Konstantinopels durch die Awaren im Jahr 626 und die Eroberung Roms durch die Westgoten im Jahr 410) stellt der Fachmann einige umfangreiche Überlegungen zur Methodik seiner Analyse an, die für Nicht-Historiker vielleicht nicht ganz so interessant sind, doch dann beginnt die Darstellung des komplexen Sachverhalts, gegliedert nach Regionen (Europa/Nordafrika/Asien) und den jeweiligen Jahrhunderten. Dabei stellt sich die Frage, ob der Begriff "Völkerwanderung" überhaupt noch zutreffend ist und nicht falsche Vorstellungen weckt, die tatsächlich auch lange, insbesondere durch die nationalbewusste deutsche Geschichtsschreibung bedient wurden, man denke an Felix Dahns "Ein Kampf um Rom". Meier macht an zahlreichen Beispielen aus den drei genannten Regionen deutlich, dass es eben keine Völker waren, die sich geschlossen auf Wanderschaft begeben haben, oft mit einer Art Domino-Effekt begründet (irgendwo beginnt in der fernen Steppe ein Volk das andere zu verdrängen, so dass irgendwann die Folgen dieser Verdrängung an den Grenzen des Imperium Romanum zu spüren sind). Tatsächlich handelt es sich bei den zahlreichen "Stämmen", seien es die West- und Ostgoten, die Vandalen, die Franken, die Berber, um nur einige von vielen Beispielen, die Meier beschreibt, eher um militärische Verbände, die, angelockt durch lange Kontakte an den Grenzen, unter der Führung sogenannter Warlords immer wieder auch in kriegerischer Absicht ins Reich einfielen, um dort zu plündern oder sich dort, anfangs noch mit Billigung der west- und oströmischen Autoritäten niederzulassen. Da diese Anführer stets unter dem Druck standen, ihre Erfolge für die ihnen zustrebenden Kämpfer zu wiederholen (schließlich wollte jeder sein Stück vom Kuchen), wurden die Raubzüge immer zahlreicher und weiträumiger. Im Fall der Hunnen führte diese Dynamik letztendlich zu ihrem Verschwinden nach Attilas Tod. Doch waren die Führer erfolgreich, dann entstanden aus diesen anfangs eher lockeren Verbänden wirkliche Ethnien, die sich mal mehr (Franken), mal weniger erfolgreich (Vandalen/Goten) im Gebiet des Imperium Romanum breit machten [in einem anderen Kontext spricht Meier von "Findelkindern der Völkerwanderung" (S. 923). eine Metapher, die meiner Ansicht nach auf viele der genannten Verbände zutrifft). Damit wiederum trugen sie nicht unerheblich zu dessen Zusammenbruch bei, wenn auch nicht allein verantwortlich (auf die innerrömischen/-byzantinischen Verhältnisse geht Meier ebenso ausführlich ein). Das Reich wurde sozusagen von außen wie von innen zerfressen, mit jeder Provinz, die dem Imperium verloren ging, verminderten sich auch Steuereinnahmen und Rekrutierungsgebiete für neue Soldaten, beides dringend notwendig, um den imperialen Anspruch aufrecht zu erhalten.

    Doch die Kontakte zwischen den Römern und den sogenannten Barbaren (wobei dieser Begriff verallgemeinert und den Fremden immer wieder die gleichen stereotypen Verghaltensweisen, schwankend zwischen Untieren und edlen Wilden"zuweist, Meier unterscheidet in diesem Kontext eher zwischen innen und außen) waren nicht nur kriegerisch. Das Einsickern von Menschen, Handelsgütern und kulturellen Vorstellungen beiderseits der Grenzen führte auch zu Annäherungen, die die o.g. Unterscheidung fragwürdig machten. So gab es durchaus Römer unter den Hunnen, und andererseits waren viele der bekannten "germanischen" Heermeister eher Römer denn "Barbaren.

    Gegen Ende seiner Darstellung widmet sich Meier dann ausgiebig den Entwicklungen im byzantinischen Reich, das durch zahlreiche Naturkatastophen, Kriege mit den Persern und damit verbundene Gebietsverluste sowie innere Unruhen, bedingt durch den Laien immer wieder verwirrende religiöse Auseinandersetzungen über die Natur Jesus regelrecht in Endzeiterwartungen erstarrte. Die zunehmende religiöse Durchdringung des Alltags, gipfelnd in der beinahe gottgleichen Selbstdarstellung der Kaiser sowie die Zusammenarbeit mit arabischen Stämmen zur Abwehr der Perser ebnete Meier zufolge auch dem Aufstieg des Islam ein stückweit den Weg.

    Alles in allem ein durchasu gewichtiges Buch, das jedem historisch interessiertem Leser empfohlen werden kann.

 

Die Vandalen: Aufstieg und Fall eines Barbarenreichs

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Vandalen: Aufstieg und Fall eines Barbarenreichs' von Steinacher, Roland
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Vandalen: Aufstieg und Fall eines Barbarenreichs"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:545
Verlag:
EAN:
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Rezensionen zu "Die Vandalen: Aufstieg und Fall eines Barbarenreichs"

  1. Geschichte der Spätantike, auf die Vandalen fokussiert

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Mär 2020 

    Es ist schwer, dieses Buch mit Sternen zu bewerten. Anerkennung verdient in jedem Fall der Versuch, die Geschichte der Spätantike durch die Sicht auf dieses Volk, das seinen kurzen, aber nachhaltigen Auftritt in der Zeit der Völkerwanderung hatte, zu fokussieren. Aber genau darin liegt auch die "Schwäche" des Buches. Denn Zeugnisse über die Vandalen lassen sich nur aus römischen Geschichtsquellen ableiten, Selbstzeugnisse sind so gut wie nicht vorhanden. Insofern erfährt der Leser wenig Neues, sofern er bereits Bücher über die Spätantike, den Untergang des römischen Reiches oder die Völkerwanderung gelesen hat. Die Vandalen sind als Zaungäste immer dabei gewesen, in Steinachers Darstellung stehen sie im Mittelpunkt.

    Wenig weiß man über die Ursprünge dieses kriegerischen Volkes, das immerhin für gut hundert Jahre das römische Afrika beherrschte und einmal Rom eroberte und plünderte, was ihren Namen zum Inbegriff des Vandalismus machte. Doch dabei waren sie so gar nicht anders als andere Stämme der Völkerwanderungszeit, die ebenfalls zum Untergang des weströmischen Reiches beitrugen.

    Anders als die Franken hielten die Vandalen als Herrscherkaste in Nordafrika an ihrem Arianismus fest, anders als die Goten kam es auch nicht zu einem friedlichen Nebeneinander von Arianern und Katholiken, im Gegenteil, letztere wurden von den Vandalen heftig verfolgt. Dies erklärt vielleicht auch zum Teil, warum sich das Vandalenreich nicht gegen das relativ schwache oströmische Expeditionsheer durchsetzen konnte und sang- und klanglos aus der Geschichte verschwand. Doch mit dem Verschwinden der Vandalen war Nordafrika keineswegs befriedet, immer wieder kam es zu Aufständen einzelner verbliebener Vandalengruppen und der Mauren, bis die Provinz im Zuge der Islamisierung endgültig verloren ging.

    Steinachers Buch über Aufstieg und Fall eines Barbarenreiches, so der Untertitel, vermag in jedem Fall den Leser zu fesseln, auch wenn dessen Wissen nur bedingt erweitert wird.

 

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