Der Ruf deines Herzens

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Ruf deines Herzens' von Janni Kusmagk
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Ruf deines Herzens"

Format:Broschiert
Seiten:224
EAN:9783499006906
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Rezensionen zu "Der Ruf deines Herzens"

  1. Im Leben seinem Herzen folgen

    ACHTUNG: Diese Bewertung bezieht sich auf den Hörbuch-Download!

    Cover:
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    Das Paar Janni und Peer Kusmagk mit zwei ihrer Kinder lächeln glücklich in die Kamera. Es wirkt sympathisch und man wird neugierig auf ihr Erfolgskonzept.

    Inhalt:
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    Janni und Peer lernten sich bei einer TV-Datingshow kennen und lieben. Mittlerweile sind sie verheiratet, haben drei Kinder und sind glücklich. Allerdings war das nicht immer so. In ihrem (Hör)Buch erzählen sie von ihren Problemen, wie sie diese (auch gemeinsam) bewältigen und geben Tipps, um seinem eigenen Herzen zu folgen.

    Mein Eindruck:
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    Eigentlich finde ich es prinzipiell schöner, wenn die Autoren ihre Bücher selber einsprechen, besonders bei Biographien wie dieser. Ich kannte die beiden jedoch vorher nicht, und da die Stimmen beider sehr ruhig und angenehm sind, empfand ich es nicht als störend, dass die Sprecher nicht mit den Autoren identisch waren. Das Hören empfand ich beinahe als
    meditativ.

    Auf den ersten Blick wirken beide so fröhlich, dass ich nicht gedacht hätte, welche Probleme sie bewältigen müssen bzw. in ihrer Vergangenheit bewältigt haben. Ich fand ihre offene und ehrliche Art sehr sympathisch und Mut machend. Die beiden erzählen abwechselnd aus ihrem Leben. Janni gibt Einblicke in ihre Gefühlswelt nach dem frühen Tod ihres kleinen Bruders, ihre Flugängste, wie sie ihre Bulimie bewältigt hat und auch in ihre Erlebnisse als Mutter. Peer erzählt sehr offen über seine Alkoholprobleme, seine Wutausbrüche und seine Vaterschaftserlebnisse. Zwischendurch gibt es auch immer mal Erlebnisse, auch aus ihrem Berufsleben, die einen schmunzeln lassen.
    Beide haben, wie alle Menschen, ihre Werte von ihren Eltern und ihrem Umfeld mitbekommen. Aber sie versuchen, diese nicht einfach zu übernehmen, sondern neu zu bewerten und nur das zu übernehmen, was zu Ihnen passt. Sie folgen dem Ruf ihres Herzens.

    Am Ende eines jeden Abschnitts gibt es je eine Übung für den Leser/Hörer, um achtsamer mit sich und seinen Gefühlen und Problemen umzugehen. Diese Übungen fand ich gut und hilfreich. Allerdings hätte ich mir gewünscht, sie wären in einem separaten Track ansteuerbar bzw. es gäbe sie zusätzlich als Booklet in ausgedruckter Form, damit man sie besser nachvollziehen und bei Bedarf durchführen kann. Das gleiche gilt für die Fotos, die im Buch aber leider nicht beim Hörbuch enthalten sind.
    Insgesamt hat mir das Hörbuch sehr gut gefallen. Ich fand es ermutigend, dass beide so ehrlich sind und selber auch permanent an sich und ihrer Ehe und dem Familienleben arbeiten. Die Übungen dazu sind auch klasse. Das Werk ist mehr als nur eine Biographie, es ist auch ein Hörbuch zu den Themen Achtsamkeit, (Selbst)Liebe und Glück.
    Ich werde mir zusätzlich auch das Buch besorgen, um wichtige Stellen besser markieren und nachlesen zu können.

    Fazit:
    ------------
    Ermutigende, ehrliche Biographie mit Tipps zu einem achtsameren Umgang und einem glücklicheren Leben

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Du darfst nicht alles glauben, was du denkst

Buchseite und Rezensionen zu 'Du darfst nicht alles glauben, was du denkst' von Kurt Krömer
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Du darfst nicht alles glauben, was du denkst"

Autor:
Format:Audio CD
Seiten:0
Verlag: Argon Verlag
EAN:9783839819494
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Rezensionen zu "Du darfst nicht alles glauben, was du denkst"

  1. sprachlich ziemlich schwach

    Du darfst nicht alles glauben, was du denkst. Ja, so oder ähnlich sage ich mir das auch manchmal. Denkschleifen bis zum Morgengrauen - ja , kenne ich auch. Also an dieser Stelle schon mal einen Dankesgruß an den Autor. Schön zu wissen, dass man damit nicht alleine ist, dass es anderen auch so geht. Und egal , wo und wie oft man sich in diesem Buch selber wiederfindet, damit alleine hat der Autor sein Ziel schon mal erreicht. Ein passender Titel wäre vielleicht auch" Du bist nicht allein". Ich fand es gut, dass er nur erzählt, keinerlei Hilfestellungen oder Tipps gibt, denn dafür braucht man tatsächlich einen Profi.
    Und gefährlich finde ich dieses Buch auch – für den Autor. Er gibt sich tatsächlich schutzlos preis, in den anonymen Weiten der heutigen globalen Sternchen und gefällt mir Bewertungswelt. Meine Hochachtung dafür. Den Schreibstil fand ich manchmal ein wenig zu flapsig , was zur Folge hatte , dass sich viele Aussagen von selber relativiert oder gar negiert haben. Gerade in Bezug auf das Thema : Weinen. Da hätte ein Punkt statt eines Kommas oft schon viel geholfen, um Gefühle besser zu beschreiben und darzustellen. Auch hatte ich den Eindruck , dass der Autor, trotz aller Beteuerungen perfekt zwischen sich selber und seinem Alter Ego Kurt trennen zu können, dies im Buch oft nicht geschafft hat. Gerade auch sprachlich. Dadurch geht dem Buch eine Menge an emotionaler Tiefe und Vielfalt verloren.
    Und ich als Leser habe mich oft gefragt: Und was ist jetzt mit dem vorherigen Thema . Mir war das alles ein wenig zu oberflächlich beschrieben. Ich denke hier hätte der Autor gerne noch ein paar wenige , aber gezielte Anhaltspunkte geben können. Da reichen ja minimale Sätze, wie zum Beispiel:" Ein großer Stressfaktor war für mich immer: ........" so blieben mir die wirklichen Hintergründe ein wenig zu larifari oberflächlich. Und für ein " Betroffenenbuch" doch ein wenig zu angezogen. Also im Sinne von nackig machen. Ich fand es ehrlich gesagt ein wenig unglaubwürdig, dass der Autor mal eben 10 Tage zu Hause keinen Alkohol angerührt hat, und dann für immer sorgenfrei clean sein soll. Es war auch im Buch nie wieder Thema, dass den Autor dieses Thema schmerzhaft berührt hätte, auf Feiern z. B.:
    Sprachlich hat mich dieses Buch eher genervt als berührt, weil für mich die Zusammenhänge völlig falsch rübergekommen sind. z. B. wird im gesamten Buch von " alleinerziehender" Kinderbetreuung gesprochen, und doch stellt sich in Nebensätzen immer wieder heraus: Alle Mamis der Kinder helfen mit, die Mama des Autors wohnt mit im Haus , es gibt ein Kindermädchen.... okay, Thema verfehlt. Nicht lustig für alle, die tatsächlich alleinerziehend sind.Und nicht in eine Klinik gehen können , weil sie schlichtweg niemanden zur Kinderbetreuung haben. Da hätte ich mir tatsächlich vorab sprachliche Aufklärung gewünscht.

    Fazit: Fünf Sterne, für den Mut dieses Promis, mit seinem Leben - und Krankheitsweg schonungslos an die Öffentlichkeit zu gehen, um anderen Mut zu machen und sie für dieses Thema zu sensibilisieren. Ein Punkt Abzug für einen Schreibstil , der durch seine Unstrukturiertheit in Bezug auf Nebenprotagonisten den Autor ein wenig unschmeichelhaft dastehen lässt.

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  1. Man kann nicht immer lustig sein...

    Ich habe das Buch teils gelesen, teils als Hörbuch gehört und das nicht weil ich großer Krömer Fan bin, sondern weil mich die Thematik "Depression" gereizt hat, da ich bereits selbst betroffen war und ich auch einige kenne, die es auch getroffen hat.

    Anders als im Comedybereich beschreibt Kurt Krömer zwar auch in launiger Manier, aber nicht so derbe und heftig, wie man es aus dem TV kennt, was ich gut finde, da mir der "normale" Krömer Humor zu heftig ist.

    Das Geschilderte hat mir nicht nur eine Gänsehaut verschafft, weil es so viele Aha- Momente des Wiedererkennens gab (ja genauso hab ich auch gefühlt), sondern auch noch viel mehr für Verständnis gesorgt, denn Depression funktioniert nicht nach Schema F. Das was bei einem selbst so und so war, kann bei dem Nächsten sich schon wieder ganz anders zeigen und dennoch wird klar: jeder Betroffene leidet und du bist nicht alleine.

    Da ich eine Kombination aus selber lesen und Hören gemacht habe, war das Erlebnis für mich noch intensiver irgendwie, weil ich die Stimme des Autors so immer im Kopf hatte.

    Das Geschilderte hat mich berührt, mir Mut gemacht und mich eher aufgebaut als runtergezogen, denn meist muss man bei Themen, die einen triggern ja doll aufpassen, dass sie einen nicht in ein dunkles Loch ziehen, aber hier war das nicht der Fall.

    Nach der Lektüre war mir klar warum der Titel seit Wochen auf der Bestsellerliste steht: Weil das Thema nicht länger Tabu sein sollte, sondern in den Fokus gehört.

    Gut gefallen hat mir zudem, dass man durch die Erzählungen aus Krömers Alltag auch nochmal recherchiert nach alten Folgen "Chez Krömer" und Co und mit dem im Buch erworbenen Wissen schaut man die Folgen mit ganz anderen Augen.

    Fazit: Für mich war dieses ehrliche Sachbuch eine Achterbahnfahrt der Gefühle und ich bin Alexander Bojcan sehr dankbar dafür, dass er die Hosen runtergelassen hat. Klare Lese- und/ oder Hörempfehlung. Spitzenklasse!

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Elefant (detebe)

Buchseite und Rezensionen zu 'Elefant (detebe)' von Martin Suter
NAN
(0 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Elefant (detebe)"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag: Diogenes
EAN:9783257244700
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Die einzige Geschichte

Buchseite und Rezensionen zu 'Die einzige Geschichte' von Julian Barnes
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die einzige Geschichte"

Ungekürzte Ausgabe, Lesung. 490 Min.
Audio CD
Eine Liebe gegen alle Konventionen
"Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage." Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von 19 Jahren keine Ahnung. Mit 19 ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, mehr als 20 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist sich ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die die Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

Format:Audio CD
Seiten:0
Verlag: Argon Verlag
EAN:9783839817001
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Rezensionen zu "Die einzige Geschichte"

  1. 4
    26. Mai 2019 

    Vom Wesen der Liebe...

    Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung. Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast 30 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

    "Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage."

    Los oder Schicksal? Darüber sinniert der alte Paul in seinen Erinnerungen an seine erste Begegnung mit der großen Liebe seines Lebens. Denn bei einem Tennisturnier vor über 50 Jahren entschied das Los über die Zusammenstellung der Paare für das Mixed - und so spielten seinerzeit Paul und die fast 30 Jahre ältere Susan MacLeod ganz zufällig gemeinsam bei dem Turnier.

    Paul, damals Student und nur während der Semsterferien zu Besuch bei seinen Eltern, widerte die biedere englische Nachkriegsbürgerlichkeit des kleinen Städtchens an. Nichts Schlimmeres konnte er sich vorstellen als in die vorgezeichneten Fußstapfen seiner Eltern zu treten, Beruf, Häuschen, Garten, Familie, Punkt.

    Da kam Susan ihm gerade Recht, unkonventionell, verheiratet und mit bereits erwachsenen Töchtern, aber stets fröhlich und überraschend in ihrem Tun, erfrischend anders. Mit ihrer Liebe stießen sie alle vor den Kopf - nicht nur Pauls Eltern und Susans Ehemann Gordon, sondern das ganze Städtchen. Nach dem moralisch begründeten Ausschluss der beiden aus dem Tennisclub fiel dann die Entscheidung, gemeinsam fortzuziehen - nach London, in ein heruntergekommenes Haus.

    "Meiner Meinung nach ist jede Liebe, ob glücklich oder unglücklich, eine wahre Katastrophe, sobald man sich ihr voll und ganz hingibt."

    In drei Abschnitten gewährt der Autor dem Leser einen Einblick in die eine große Liebe Pauls. Der erste Abschnitt widmet sich im Wesentlichen den Gefühlen Pauls und Susans zu Beginn ihrer Beziehung, ohne jeden Zweifel, dass ihre Liebe allen Widrigkeiten würde trotzen können. Im zweiten Abschnitt wächst dann die Desillusion im Laufe der gemeinsamen Jahre, die Probleme, die alle Gefühle zu überlagern drohen. Und im letzten Abschnitt wird aus der Rückblende des nun alten Paul deutlich, wie sehr ihn diese eine große Liebe geprägt hat - über Resignation und Melancholie fand er letztlich seinen Frieden in einer großen Gleichgültigkeit.

    Erzählt wird aus der Perspektive Pauls, wobei der Autor immer wieder wechselt zwischen 'Ich', 'Du' und 'Er' als Erzähler und damit auch eine wachsende Distanzierung vom Geschehen und den Gefühlen zum Ausdruck bringt. Die geschilderten Erinnerungen werden nicht chronologisch vorgebracht, sondern springen in den Zeiten. Dennoch setzt sich zusehends das Bild einer großen Liebe zusammen, die letztlich den Widrigkeiten des Lebens nicht gewachsen ist.

    "Manchmal stellt er sich eine Frage über das Leben: Welche Erinnerungen sind wahrer, die glücklichen oder die unglücklichen?"

    Gespickt wird die Erzählung um Paul und sein Leben mit philosophischen Anklängen über das Wesen der Liebe. Immer wieder fügt Julian Barnes Zitate über die Liebe ein - jedoch ohne Nennung der Urheber, da die Worte für sich stehen sollen. Gerade der letzte Abschnitt des Romans befasst sich schwerpunktmäßig mit solchen Lebensweisheiten, was mir in der Häufung jedoch ein wenig zu viel war, da dadurch Längen entstanden, die das Lesen etwas zäh gestalteten. Die sprachliche Versiertheit Barnes jedoch war für mich von vorne bis hinten ein Genuss.

    Frank Arnold erfüllt seine Aufgabe als Sprecher der ungekürzten Hörbuchausgeabe (8 Stunden und 49 Minuten) auf angehme Weise. Ruhig und unaufgeregt folgt er dem langsamen Fluss der Erzählung, und vor allem die genannten Lebensweisheiten gewinnen dadurch an Prägnanz.

    Kein Wohlfühlroman, aber eine leise, feine Erzählung, durchzogen von einem Hauch von Melancholie, gewürzt mit einem bittersüßen Humor und dazu angetan, das eigene Leben ein wenig Revue passieren zu lassen. Gibt es tatsächlich stets nur die einzige Geschichte?

    © Parden

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Alter Rabe Alkohol: Einsichten aus einem Entzug

Buchseite und Rezensionen zu 'Alter Rabe Alkohol: Einsichten aus einem Entzug' von Heyne Winterfeldt
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Alter Rabe Alkohol: Einsichten aus einem Entzug"

Warum trinken, wenn man doch davon betrunken wird? Natürlich gerade deshalb, als Wahrnehmungsfilter. Wir alle müssen trinken. Aber saufen wir uns auch alle die Sinne zu? Wo ist die Grenze, der schmale Grat zwischen Genuss und Sucht und wo führt das hin und was steckt dahinter? Gibt es eine Philosophie des Saufens? Wie oft trinkst du? Was hast du mit Alkohol zu tun? Und wer von deinen Freunden, Kollegen, Bekannten oder in deiner Familie, schaut gern mal zu tief in die Flasche? Kann man aus der Sucht, dem unstillbaren Verlangen, wieder herausklettern? Und wieso hilft Laufen gegen das Saufen?

Freundlich textet der zahnlose Bettnachbar mit Berliner Akzent den frisch eingelieferten Patienten zu. Die Oberschwester berichtet über den charmanten, aber doch unnahbaren Chefarzt der Entzugsklinik, der selber gern mal einen Wein trinkt und Genussraucher ist. Die Anwältin, Dr. jur., die sich für was besseres hält, schimpft über ihren Mann und erzählt, was sie sich für die Zeit nach dem Entzug vorgenommen hat. Natürlich muss sich was ändern. - Und wer trifft sich noch im geistigen Zentrum der Klinik in der Raucherecke? Oder was denkt die Putzfrau über die Sauereien, die sie tagtäglich wegmachen muss?

Ein Erfahrungsbericht? Hat denn nicht jeder Erfahrung mit dem Alten Raben Alkohol? Flog er vorbei? Ist es ein Sachbuch? - Vielleicht eher ein poetischer Reiseführer durch die Entzugsklinik Grauenbrietzen bis hin zur Stammkneipe des Schreibers und seiner Wohnung als Rückzugshöhle während der nassen Bommerlunderwochen. Aber auch im Lehrerzimmer der Entgiftung gilt es, die blaue Fahne zu verbergen...

"Alter Rabe Alkohol" beschreibt die Sucht poetisch und amüsant aus zehn Blickwinkeln von Menschen, die mit der Klinik und dem Alkohol zu tun haben. Dazwischen sind wunderbare Gedichte vom Suff eingestreut. Der Autor war Quartalssäufer und legt mit diesem Buch sein fulminantes Debüt vor.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:248
EAN:
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Rezensionen zu "Alter Rabe Alkohol: Einsichten aus einem Entzug"

  1. 5
    31. Mär 2019 

    Einblicke, die nachdenklich stimmen...

    Ich weiß nicht, wie es anderen geht. Aber mich persönlich macht der Umgang mit einem Alkoholiker hilflos. Den ersten Obdachlosen, der mitten auf dem Bürgersteig eingeschlafen war, erlebte ich fassungslos als Kind - und die Reaktionen der Erwachsenen um mich herum machten mich nicht weniger fassungslos. Später sind mir noch einige Alkoholiker im Bekanntenkreis begegnet, vielleicht auch im Verwandtenkreis - und unter Kollegen.

    Eine Kollegin war denn auch der Grund, weshalb ich mich für dieses Buch interessierte. Stets die Hilflosigkeit im Gepäck, wusste niemand so recht mit der Alkoholkrankheit der Kollegin umzugehen, die sie zu verheimlichen suchte, die aber offensichtlich war - und uns auf eine gewisse Art und Weise auch zu Co-Abhängigen machte. Für niemanden eine schöne Situation, und die Gefühle dazu waren sehr widersprüchlicher Natur: Mitleid, Unverständnis, das Gefühl, beschützen zu müssen, Wut, Hilflosigkeit, Ohnmacht. Eine Situation, die das Arbeitsklima lange belastet hat - bis die Kollegin in Rente ging.

    "Wir sind hier, weil es letztich kein Entrinnen vor uns selbst gibt. Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht. Solange er nicht zuläßt, daß seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es für ihn keine Geborgenheit. Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich noch andere erkennen - er wird allein sein." [Richard Beauvais, 1964] (S. 31)

    Von diesem Buch erhoffte ich mir zumindest einen Einblick in die Erfahrungswelt eines Alkoholikers, und den bekam ich auch - und gleichzeitig noch viel mehr.

    Dieses Buch ist mehr als ein Erfahrungsbe richt - aber dies ist es eben auch. Der Autor ist / war ein sogenannter Epsilon-Alkoholiker, im Volksmund auch bekannt als 'Quartalssäufer'. Er schildert seinen letzten Entzug in einer Suchtklinik, bietet aber auch Einblicke in das Leben als Alkoholiker. 'Einsichten aus einem Entzug' lautet denn auch der Untertitel - und doch fasst es das auch nicht komplett.

    Es ist kein Ratgeber für Betroffene oder Angehörige, es ist auch kein Sachbuch, das über Symptome aufklärt oder über die verschiedenen Arten von Alkoholismus. In diesem Buch gewährt ein Alkoholiker einen Einblick in sein Leben - aber ohne Tränendrüse, Selbstmitleid oder halbherzige Erklärungen. Und er präsentiert dies auf eine unerwartet poetische Art, mit dazwischengeschobenen Versen, philosophischen Anklängen - und gnadenlos ehrlich.

    Dabei erzählt Heyne Winterfeldt keineswegs nur aus seiner eigenen Perspektive. Er fühlt sich erstaunlich sensibel in die verschiedensten Rollen ein - in die anderer Betroffener, in die der Nachtschwester, der Oberschwester, des leitenden Arztes, des Kneipenbesitzers, der Putzfrau - und konfrontiert den Leser so nicht nur mit den Dunkelkammern des Lebens, sondern ebenso mit der Hilflosigkeit der Gesellschaft (können Entzugskliniken wirklich mehr erreichen, als einen Ertrinkenden kurzzeitig aufs Trockene zu holen?) und womöglich auch mit seinen eigenen Gedanken.

    "Jedes Tier läuft in seiner Furcht fort und verbirgt sich, wenn es Angst hat und verletzt wurde. Der Mensch harrt aus. Bis alle Kräfte verschlissen sind und die entzündete Seele geflutet wird. Dann endlich treibt einen das Gift sicher fort, aber es spült einen ins Abseits. Mit dem Fluch, daß noch nie gefunden wurde, was man anzusteuern meinte." (S. 231)

    Mich konnte diese Mischung beeindrucken, wobei die Ohnmacht des Süchtigen, seine Verzweiflung am Leben, die Sackgasse, die er sehenden Auges einschlägt, erlebbar wird - aber gleichzeitig auch Poesie, (Selbst-)Ironie, ein Augenzwinkern und Humor ihren Raum finden. Die verschiedenen Blickwinkel auf die Erkrankung machten mich immer wieder nachdenklich, und auch wenn ich nie viele Seiten am Stück lesen konnte, weil die Melancholie doch oft greifbar war, bin ich dankbar für diesen Einblick.

    © Parden

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Nachtlichter

Buchseite und Rezensionen zu 'Nachtlichter' von Amy Liptrot
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Nachtlichter"

Gebundenes Buch
Die ursprüngliche Kraft einer einzigartigen Landschaft lässt alte Wunden heilen: Mit Anfang dreißig spült das Leben Amy Liptrot zurück an den Ort ihrer Kindheit - die Orkney Islands, im dünn besiedelten Schottland wohl die abgelegenste Region. Hier schwimmt die britische Journalistin morgens im eiskalten Meer, verbringt ihre Tage als Vogelwärterin auf den Spuren von Orkneys Flora und Fauna und ihre Nächte auf der Suche nach den "Merry Dancers", den Nordlichtern, die irgendwo im Dunkeln strahlen. Und hier beginnt sie nach zehn Jahren Alkoholsucht wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Mit entwaffnender Ehrlichkeit erzählt Amy Liptrot von ihrer Kindheit, ihrem Aufbruch in die Stadt, nach Edinburgh, weiter nach London. Vom wilden Leben, dem Alkohol, dem Absturz. Vom Entzug und der Rückkehr zu ihren Wurzeln auf Orkney, wo sie der Natur und sich selbst mit neuen Augen begegnet.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442757336
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Rezensionen zu "Nachtlichter"

  1. Einfühlsam und Berührend

    Inhalt:Die ursprüngliche Kraft einer einzigartigen Landschaft lässt alte Wunden heilen: Mit Anfang dreißig spült das Leben Amy Liptrot zurück an den Ort ihrer Kindheit - die Orkney Islands, im dünn besiedelten Schottland wohl die abgelegenste Region. Hier schwimmt die britische Journalistin morgens im eiskalten Meer, verbringt ihre Tage als Vogelwärterin auf den Spuren von Orkneys Flora und Fauna und ihre Nächte auf der Suche nach den »Merry Dancers«, den Nordlichtern, die irgendwo im Dunkeln strahlen. Und hier beginnt sie nach zehn Jahren Alkoholsucht wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Mit entwaffnender Ehrlichkeit erzählt Amy Liptrot von ihrer Kindheit, ihrem Aufbruch in die Stadt, nach Edinburgh, weiter nach London. Vom wilden Leben, dem Alkohol, dem Absturz. Vom Entzug und der Rückkehr zu ihren Wurzeln auf Orkney, wo sie der Natur und sich selbst mit neuen Augen begegnet.

    Mein Fazit:
    In diesem Buch schildert die Autorin ihre Alkoholsucht auf eine besonders einfühlsame Art und Weise die beim Lesen sehr Nahe geht - vermutlich da es sich um ihre persönliche Erfahrung handelt. Auf Grund dieser persönlichen Note ist das Buch etwas ganz besonderes. Ich kann es absolut weiterempfehlen.
    Auch nach dem Lesen beschäftigte mich das Buch noch eine Weile - es handelt sich also um nichts, was mann sofort wieder beiseite legt.

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  1. Berührend

    Amy ist auf den Orkneys aufgewachsen. Die kargen, rauen, sturmumtosten Inseln im Norden Schottlands. Ihr Vater litt seit seiner Jugendzeit unter manisch-depressiven Schüben, verbrachte oft viele Monate in Kliniken auf dem Festland. Die Mutter flüchtete sich immer mehr in eine übersteigerte Religiosität, wurde eine „wiedergeborene Christin“. Die Verhältnisse waren prekär, die langen Abwesenheiten des Vaters führten den kleinen Bauernhof oft bis an den Rand des Ruins. Kein Wunder, dass Amy gleich nach Schule und Ausbildung die Flucht nach London antrat. Sie wollte unbeschwert leben, Freunde und ihren Platz in der Welt finden. Doch zwischen Studium und kleinen Jobs überwiegen bald die Partys, die Drogen und der Alkohol. Immer mehr verliert Amy ihr Ziel aus den Augen. Dies alles erfahren wir aus den Rückblenden, inzwischen ist Amy nach langer Alkoholsucht auf die Orkneys zurückgekehrt. Sie sucht in der Einsamkeit seelische Heilung und einen Neuanfang.
    In ihrem autobiographischen Roman lässt mich die Autorin Amy Liptrot teilhaben an ihrem Leben, ihren Nöten und den Weg zurück in eine fragile Normalität. Das hat eine ganz besondere Eindringlichkeit, der ich mich nicht entziehen konnte. Wie die Natur ihr hilft, wieder in ein seelisches Gleichgewicht zu kommen, ist berührend geschrieben. In ihrem Bericht schont sie sich nicht, sie legt ihr Leben offen. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch auch ein Baustein zur ihrer Heilung war, vielleicht habe ich deshalb so unmittelbar von ihrer Ehrlichkeit angesprochen gefühlt.
    Dazu kommt die raue, abweisend wirkende Natur der Inseln, die wunderschön beschrieben werden. Man spürt den ewigen Wind, die salzige Luft auf der Haut, sieht mit Amy das magische Strahlen der Nordlichter, so eindringlich und lebendig ist die Schilderung.
    Das Buch hat mich sehr berührt, wie Amy in gefundenem Treibholz oder im Vogelzug eine Parallele zu ihrem Leben zieht, sind schöne Bilder, die lange nachklingen.

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  1. Ein stürmisches Leben am Rand der Klippen

    Amy Liptrot ist Anfang dreißig, als sie zurückkehrt zu den Orkney-Inseln, den Ort, an dem sie geboren und aufgewachsen ist. In der rauen, abgelegenen Gegend im äußersten Norden Schottlands, umgeben von viel Meer, will sie nach langer Alkoholsucht wieder zurück in ein geregeltes, zufriedenes Leben finden. Dabei konnte sie es mit 18 Jahren gar nicht erwarten, ihr Zuhause zu verlassen und in die Großstadt nach London zu ziehen. Ihr Vater ist manisch-depressiv, ihre Mutter extrem religiös. Doch in der Metropole vermisst sie erstaunlich oft ihre alte Heimat. Immer ausgiebiger greift sie zum Alkohol. Auch mit Drogen hat sie Erfahrungen gemacht. Sie verliert die Kontrolle, ihre Beziehung geht in die Brüche. Nach einer Therapie soll schließlich die Heimkehr auf die Orkneys dafür sorgen, dass sie wieder heilt.

    Mit erstaunlicher Direktheit und Offenheit schildert Amy Liptrot in dem Memoir "Nachtlichter" von ihrer Kindheit auf den Inseln, ihren Erfahrungen auf dem britischen Festland und ihrem wilden Leben.

    Meine Meinung:

    Besonders eindrucksvoll sind die Schilderungen der Natur. Eindringlich und intensiv zeichnet sie die Landschaft der Orkneys, sodass viele Bilder vor dem inneren Auge auftauchen und Fernweh nach den Inseln auslösen. Der Wind, der fast niemals still ist. Die rauen und gefährlichen Klippen. Das ungestüme Meer. Dabei scheint die Außenwelt auch ein Sinnbild für die Gefühle der Journalistin zu sein, die bis zu ihrer Rückkehr - metaphorisch formuliert - ein stürmisches Leben am Rand der Klippen geführt hat.

    Kunstvoll verwebt die Autorin aktuellere Ereignisse mit Rückblenden in die Vergangenheit. Mit mutiger, schonungsloser Ehrlichkeit und Deutlichkeit beschreibt und reflektiert sie ihre Sucht und ihren Absturz. Damit konnte sie mich fesseln und berühren. Allerdings macht sie es dem Leser mit dem ungewohnten Erzählstil nicht immer leicht. Wörtliche Rede ist nur sehr selten im Buch zu finden. Hinzukommt, dass die deutsche Übersetzung offensichtlich an einigen Stellen nicht besonders elegant ist und kleinere Schwächen offenbart, beispielsweise bei der Passage, als es um ihren zweiten Vornamen geht.

    Positiv bewerte ich dagegen wiederum neben dem geschmackvollen Cover die Landkarten am Anfang des Buches und das Glossar.

    Mein Fazit:
    Die autobiografische Lektüre ist definitiv ein besonders, ein außergewöhnliches, ein beeindruckendes Buch. Es ist jedoch inhaltlich wie sprachlich keine leichte Kost.

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