Eingefroren am Nordpol

Buchseite und Rezensionen zu 'Eingefroren am Nordpol' von Markus Rex
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eingefroren am Nordpol"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
EAN:9783570104149
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Rezensionen zu "Eingefroren am Nordpol"

  1. Forschung auf der Eisscholle

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Jan 2021 

    Der Autor:⠀

    Markus Rex ist Professor für Atmosphärenphysik an der Universität Potsdam und leitet auch das entsprechende Forschungsgebiet des Alfred-Wegener Instituts (AWI). Als Polar-, Klima- und Atmosphäreforscher beschäftigt er sich besonders mit dem Klimasystem der Polargebiete sowie der Ozonschicht.⠀

    Bevor er die Leitung der MOSAiC-Expedition übernahm, hatte er zur Erforschung der Klimaprozesse bereits an zahlreichen Expeditionen in der ganzen Welt teilgenommen, auch in der Arktis und Antarktis.⠀

    Zwischen Abenteuer und Forschung:⠀

    Bei “Eingefroren am Nordpol” handelt es sich um das Logbuch der einzigartigen, international besetzten Forschungsmission MOSAiC¹, geschrieben von Expeditionsleiter Markus Rex. ‘MOSAiC’ steht für ‘Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate’, also ‘multidisziplinäres treibendes Observatorium zur Erforschung des arktischen Klimas’.⠀

    Wie bitte – ‘treibendes’?⠀

    Ja, denn die beteiligten Wissenschaftler aus 20 Nationen stellten ihre Forschungen aus dem Blickwinkel einer ganz besonderen Basis heraus an! Los ging es am 20. September 2019, als das Schiff »Polarstern« den Hafen der Stadt Tromsø in Nordnorwegen verließ und sich auf die Suche nach einer geeigneten Eisscholle machte, die für die nächsten Monate, fast ein ganzes Jahr, zur treibenden Forschungsstation werden sollte – und das im Winterhalbjahr, der tiefsten Polarnacht.⠀

    Denn das Eis der Arktis ist im Winter vielerorts so dick, das selbst Eisbrecher keine Chance mehr haben, aber wenn man sich geschickt am richtigen Ort einfrieren und dann mitdriften lässt, trägt die Bewegung des Eises einen dorthin, wohin man will.⠀

    ____⠀
    ¹ als leise Kritik sei angemerkt, dass Abkürzungen nicht immer näher erläutert werden, wie zum Beispiel, was ist eine CTD-Rosette – oder eben, aus was setzt sich ‘MOSAiC’ zusammen? Letzteres wird natürlich im Laufe des Buches inhaltlich erklärt, nur fehlt die Zusammensetzung des Begriffs.⠀

    Warum das Ganze?⠀

    Das grundlegende Ziel der Expedition war das Zusammentragen wissenschaftlicher Daten aller Art in der Zentralarktis: aus dem arktischen Ozean, dem Packeis und der Atmosphäre. Daten dieser Art konnte man zuvor noch nie in diesem Umfang erheben, weil es technisch und logistisch schlicht nicht möglich war. Die Auswertung des Materials (diese wird Wissenschaftler noch einige Jahrzehnte beschäftigen) soll es in Zukunft ermöglichen, die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Komponenten des Systems Zentralarktis zu verstehen.⠀

    Wenn man sich anschaut, wie viele Länder, Institute und Wissenschaftler beteiligt waren, welche Anzahl und Vielfalt an Daten mit zig Messapparaturen erhoben wurden, was für eine enorme Vorbereitungs- und Nachbearbeitungszeit in diesem Projekt stecken, dann ist es sicher nicht übertrieben, wenn MOSAiC vielerorts als “größte Arktisexpedition aller Zeiten” angepriesen wird.⠀

    Wer jetzt fürchtet, mit eiskalten Fakten erschlagen zu werden, muss sich allerdings keine Sorgen machen. Dies ist kein nüchterner, strikt auf die nackten Daten reduzierter Forschungsbericht, sondern ein Expeditionsbericht, in dem das Abenteuer nicht fehlt. Immerhin sieht Rex sich in der Tradition der legendären “Fram”-Expedition vor mehr als 125 Jahren, bei der Leiter Fridtjof Nansen sein Schiff ebenfalls willentlich einfrieren ließ.⠀

    Arktisforschung vor über einem Jahrhundert:⠀

    In Interviews schwärmt Rex von dessen gigantischer Pionierleistung, spricht davon, wie Nansen und seine Mannschaft todesmutig und entbehrungsreich drei Jahre lang isoliert im Eis festsaßen – und Messungen anstellten, die für die MOSAiC-Expedition hilfreiche Vergleichswerte darstellen, wie zum Beispiel Temperatur und Eisdicke.⠀

    Und der Vergleich war ernüchternd: die Temperatur war zum Teil geschlagene 10 Grad höher als zur Zeit der Nansen-Expedition, man fand offenes Wasser dort vor, wo Eis sein sollte… Der Klimawandel lässt sich nicht mehr leugnen – bald könnte die Arktis im Sommer komplett eisfrei sein, und das hätte Folgen für die ganze Welt.⠀

    Die Arktis ist laut Rex das Epizentrum des Klimawandels, ein System mit überaus komplexen Wechselwirkungsmechanismen. Wie bei einem Uhrwerk greift ein Teil ins andere, so dass sich einzelne Entwicklungen stets auf das Funktionieren des ganzen Systems auswirken – so ist die Arktis auch die “Wetterküche” für das Klima in unseren Breiten!⠀

    Markus Rex schreibt fundiert und dabei unterhaltsam. Im gelingt die Balance: abwechslungsreich und mit Liebe zum stimmigen Detail einerseits, wissenschaftlich untermauert und detailliert andererseits – zu trocken liest es sich so oder so nicht. Sein Logbuch ist daher nicht nur für Menschen mit Vorkenntnissen interessant, die schon mit den Abenteuern der großen Forscher wie Nansen und Amundsen vertraut sind. Auch für Laien gilt: wer sich für die Arktis, das Thema Klimaforschung oder wissenschaftliche Themen an sich interessiert, ist hier sicher nicht falsch.⠀

    Der lebhafte Stil trägt den Leser durch dieses spannende Abenteuer: angefangen bei der Suche nach der richtigen Scholle zum Andocken bis hin zur korrekten Begegnungsetikette mit Eisbären (von der Gefahr her nicht zu unterschätzen!)– oder der ernüchternden Beschreibung des schmelzenden Eises am Nordpol. Durch Covid-19 wurde der geplante Ablauf gehörig gefährdet, auf diese Probleme geht Rex nicht nur im Verlauf des Tagebuchs, sondern auch in einem eigenen Kapitel ein: “Auf Messers Schneide”.⠀

    Er schildert dem Leser die Expedition anschaulich, bringt ihm allerlei damit verbundene Themen nahe und gibt auch einen Einblick in die Schönheit der Arktis. Fakten verschiedenster Art werden locker ins Tagebuch eingeflochten, wie zum Beispiel Informationen über das Nordlicht, das Leben an Bord, die verschiedenen an der Expedition beteiligten Personen oder die Andockmanöver mit anderen Eisbrechern.⠀

    Die Gestaltung des Buches:⠀

    Das Buch enthält zahlreiche exklusive Fotos von der Expedition, die den Text wunderbar ergänzen, dazu findet sich im Vorderdeckel eine Karte der Arktis mit Markierung des Expeditionsverlauf und im Rückdeckel eine Übersicht über das Forschungscamp auf der Scholle, mit den aufgebauten wissenschaftlichen Geräten. Es handelt sich hier aber nicht um einen Bildband! Die Bilder sind daher nicht auf Hochglanzpapier und auch nicht immer auf eigenen Seiten abgedruckt, sondern fügen sich in den Textfluss ein.⠀

    Farbig abgehobene Infokästen enthalten ergänzend zum Logbuch weitere wissenschaftliche, technische, oder politische Fakten, wie zum Beispiel Daten zum Schiff, Informationen zu verschiedenen Eisformen, Antworten auf Fragen wie “Was essen Polarfahrer?” oder “Wem gehört die Arktis?”. Diese Kästen muss man nicht unbedingt lesen, um das Logbuch an sich zu verstehen, sie sind nur ein Angebot für interessierte Leser*innen, die tiefer in die Materie eintauchen wollen.⠀

    Ein Register ermöglicht das Nachschlagen von Personen, Instituten, Fachbegriffen und diversen Schlagworten. Wie oben schon erwähnt, hätte ich mir dazu noch ein Abkürzungsverzeichnis gewünscht.⠀

    Fazit:⠀

    Am 20. September verließ die »Polarstern« den Hafen von Tromsö, um sich am Nordpol einfrieren zu lassen – an Bord Wissenschaftler aus 20 Nationen. Ziel war es, ein Jahr lang Daten zu sammeln und das System Zentralarktis zu erforschen, mit besonderem Augenmerk auf den Auswirkungen des Klimawandels. Expeditionsleiter Markus Rex berichtet im Logbuch der Expedition von Herausforderungen und Gefahren, aber auch vom Alltag auf der driftenden Eisscholle, die den Wissenschaftlern als Basis diente.⠀

    Das wirkt auf mich als Laiin wissenschaftlich fundiert, liest sich aber auch unterhaltsam – ein echtes modernes Abenteuer in der Tradition der großen Polarforscher des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Aber das Buch lässt einen auch nachdenklich und besorgt zurück, denn der Klimawandel scheint in Rex’ Aufzeichnungen mehr als offensichtlich…⠀

 

When We Left Cuba

Buchseite und Rezensionen zu 'When We Left Cuba' von Chanel Cleeton
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "When We Left Cuba"

Format:Taschenbuch
Seiten:368
Verlag: Berkley
EAN:9780451490865
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Rezensionen zu "When We Left Cuba"

  1. Till we meet again

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Dez 2020 

    November 2016: Endlich ist Fidel Castro tot. Beatriz Perez, deren Familie im Rahmen der Revolution aus Kuba fliehen musste, ist froh und erleichtert. Sie erinnert sich an ihre Ankunft in Florida. Immer wollte sie den Tod ihres Bruders rächen, Castros Leute waren Schuld daran, obwohl der Bruder doch auch gegen Batista war. Die Familie Perez möchte in Florida ähnlich weitermachen wie in Kuba, besonders der Vater möchte seinen Töchtern eine gesicherte Zukunft bieten. In der Saison 1960 gehören die Perez’ nur am Rande zur Gesellschaft, aber auch sie bei einigen Feiern dabei. Und Beatriz erlebt die Party ihres Lebens.

    Beatriz Perez ist hin und hergerissen zwischen ihrer großen Liebe zu einem Amerikaner und der Verpflichtung, die sie ihrem Herkunftsland gegenüber empfindet. Beatriz ist eine Frau, die ihrer Zeit voraus ist. Sie will nicht nur als Anhängsel einer Familie oder eines Ehemannes gesehen werden. Sie will selbst etwas erreichen. Ihr Geliebter hat da traditionellere Vorstellungen, was ihre Beziehung nicht einfacher macht. Irgendwann muss Beatriz sich entscheiden. Doch in den frühen 1960er Jahren ist der Konflikt zwischen Amerika und Kuba immer präsent. Ein Jugendfreund von Beatriz hat inzwischen Kontakt zum Geheimdienst. Wird damit der Weg zu ihrem großen Ziel bereitet?

    Mit diesem zweiten Roman über die Familie Perez, die aus Kuba flüchten und sich in Amerika zurechtfinden musste, versteht es die Autorin ihre Leser zu fesseln. Beatriz’ Geschichte hat etwas ganz eigenes. Sie ist sehr modern, was ihr Probleme mit der Familie einbringt. Sie ist mutig, was sie in Gefahr bringt, und sie kann warten, bis Castro stirbt. Kuba und Amerika, so nah und doch so fern. Weniger als 200 km liegen in der kürzesten Strecke zwischen den beiden Ländern und doch könnten sie kaum weiter weg sein. Die beiden unterschiedlichen Systeme stehen sich diametral gegenüber. Man kann einiges über die Geschichte erfahren, die die Länder trennt und doch verbindet. Dazu kommt eine emotionale Liebesgeschichte, die einen berührt. Ein sehr schöner zeitgeschichtlicher Roman, den man gerne verfilmt sehen möchte.

 

Wo wir gehen: Unsere Wege durch die Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Wo wir gehen: Unsere Wege durch die Welt' von Robert Moor
NAN
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Inhaltsangabe zu "Wo wir gehen: Unsere Wege durch die Welt"

Warum wählen wir im Zweifel lieber befestigte Wege statt Trampelpfade? Warum finden Ameisen scheinbar mühelos ihren Weg durch unbekanntes Terrain? Und warum haben Lebewesen überhaupt begonnen, sich von einem Ort fortzubewegen? Als Robert Moor den Appalachian Trail entlangwanderte und endlose Kilometer auf den Weg vor seinen Füßen starrte, trieb ihn mehr und mehr die Frage um, warum es überhaupt so etwas wie Wege gibt und wie sie entstehen. Er reiste sieben Jahre lang rund um den Globus, beschritt große Routen ebenso wie schmale Cherokee-Pfade – und setzte sich der Wildnis aus. Seine eigenen Erlebnisse verbindet er aufschlussreich mit Erkenntnissen aus Wissenschaft, Geschichte und Philosophie.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:413
EAN:9783458178743
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Mein Gotland: Erzählungen von Wind, Zeit und Einsamkeit

Buchseite und Rezensionen zu 'Mein Gotland: Erzählungen von Wind, Zeit und Einsamkeit' von  Anne von Canal
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mein Gotland: Erzählungen von Wind, Zeit und Einsamkeit"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:144
EAN:9783866486232
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Rezensionen zu "Mein Gotland: Erzählungen von Wind, Zeit und Einsamkeit"

  1. Mit leichtem Gepäck

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Dez 2020 

    Als ich 2017 mit großer Freude den Roman "Whiteout" von Anne von Canal las, ahnte ich nichts von unserer gemeinsamen Leidenschaft: Gotland. Eine Begegnung dort war bisher ausgeschlossen, denn was für uns die Sommerinsel ist, ist für Anne von Canal ihr Winterparadies. Während wir kommen, wenn die Ostsee ein „freundliches“, „sommerliches“ Meer ist, in dem wir auf unseren ausgedehnten Radtouren gerne an menschenleeren Stellen baden, kennt die Autorin sie als „rauen“, „faltigen“ und „gewaltigen“ Gesellen, der bisweilen den Fährbetrieb unterbindet und die Insel komplett abschneidet.

    Was wir jedoch beide gleichermaßen lieben, sind der „Trost in dieser alten Landschaft“ und das „natürliche Einsamkeitsvorkommen“, das es, liebe Anne von Canal, auch im Sommer gibt, wenn man nicht gerade durch die mittelalterlichen Gassen von Visby schlendert. Unzählige Sätze in diesem wunderbaren Buch kann ich bedenkenlos unterschreiben, aber einer trifft ganz besonders gut auf mich zu:

    "Nach Gotland reise ich mit leichtem Gepäck." (S. 32)

    Wer Gotland liebt wie ich, geht nicht furchtlos an ein Buch über diesen Sehnsuchtsort. Wird die Insel so beschrieben, wie man sie kennt? Können andere Reisende die Seele, die man diesem Herzensplatz zuschreibt, überhaupt spüren? Die richtigen Worte für das Unsagbare finden? Entspannung schon nach wenigen Sätzen: Anne von Canal ist eine Meisterin ihres Fachs. In zehn Kapiteln über Menschen, Natur, Orte und Ereignisse erzählt sie nicht nur Geschichten über Gotland, sondern lässt uns den Wind um die Nase wehen, die Gischt spritzen, das Eis knacken und die Stille hören und kommt sich dabei selbst näher:

    "Kommen wir am Ende gar nicht des Ortes wegen, sondern nur, um uns selbst zu finden?" (S. 58)

    Da ist beispielsweise die Bugspitze eines deutschen Frachtschiffs, die in Norsholmen an der Nordspitze Fårös aus dem Meer ragt, die „Villa Villekulla“, Außendrehort der Pippi-Langstrumpf-Filme und heute im Vergnügungspark Kneippbyn aufgebaut, das Haus Ingmar Bergmans auf Fårö, der Kultort Kutens Bensin, Mischung zwischen Schrottplatz, Museum und Musikkneipe, das Lager Lingen in Havdhem, in dem deutsche und baltische Soldaten 1945 strandeten, bevor Schweden viele nach einer fragwürdigen Entscheidung an die UdSSR auslieferte, die Sommerfrische Fridhem der lungenkranken Prinzessin Eugénie oder zuletzt das große Konzert Klockrent, bei dem am 8. Juni 2013 alle über 200 Glocken der 92 alten Landkirchen und des Visbyer Doms zusammen musizierten.

    Eine Lieblingsgeschichte kann ich schwer benennen, aber das imaginäre Interview mit Ingmar Bergman, eine märchenhafte Liebschaft in Fridhem und das unvergleichliche Konzert haben mich besonders berührt.

    Zwischen den Kapiteln finden sich lesenswerte Betrachtungen zum Wesen von Inseln und dem, was sie in uns auslösen.

    Am liebsten hätte ich noch während der Lektüre die Koffer gepackt, um mit 134 Seiten umfassenden, wunderschön gestalteten Büchlein Altbekanntes wiederzusehen, Neues zu entdecken und wie immer mit dem ersten Schritt von der Fähre in einer anderen Welt sein. Vielen Dank, liebe Anne von Canal, für diese poetischen und atmosphärischen „Erzählungen von Wind, Zeit und Einsamkeit“, die mir zum Lesehighlight am Jahresende wurden. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja doch irgendwann zu Milchkaffee und Saffranspannkaka – in „unserem“ Gotland-Sommer oder in „Ihrem“ Winter?

    Der Schlusssatz aus "Whiteout" passt ebenso gut zu "Mein Gotland":

    "Dies ist ein Ort, an dem Zweifel enden."

 

Sturz ins Leere

Buchseite und Rezensionen zu 'Sturz ins Leere' von Joe Simpson
NAN
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Inhaltsangabe zu "Sturz ins Leere"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:0
Verlag:
EAN:9783453162778
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Brüste und Eier: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Brüste und Eier: Roman' von Mieko Kawakami
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Brüste und Eier: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:496
Verlag:
EAN:9783832183738
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Rezensionen zu "Brüste und Eier: Roman"

  1. Selbstbestimmtes Leben

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Jan 2021 

    Natzuko lebt allein in Tokyo und bekommt Besuch von ihrer Schwester und ihrer Nichte. Ihre Schwester, Makiko, möchte gerne ihre Brüste vergrößern lassen. Sie ist Hostess in einer Bar und alleinerziehend. Sie möchte, da sie gestillt hat, wieder wunderschöne feste, große Brüste haben. Wahrscheinlich um sich weiblicher zu fühlen. Sie zeigt ihrer Schwester verschiedene Broschüren über Kliniken. Ihre Tochter, Midoriko, macht gerade eine schwierige Teenagerphase durch. Sie hat ein Problem mit ihrer beginnenden Weiblichkeit (ihre Brüste entwickeln sich, bald bekommt sie ihre erste Regel) und kommuniziert mit ihrer Mutter und Tante nur mit einem Stift und Papier. Es kommt zu einer Eskalation der Situation....

    Dann kommt es zu einem Szenenwechsel. Natzuko kann jetzt von ihrer "Kunst" (Schreiben) leben. Sie schreibt mehrere Artikel in verschiedenen Illustrierte und hat ein Erzählband veröffentlich, der positiv im Fernsehen beurteilt wurde. Sie ist nun ende 30 und möchte gerne ein Kind. Da sie ein Problem mit Sex, menschliche Nähe und körperliche Intimität hat, überlegt sie sich eventuell ihrer Kinderwunsch durch eine private Samenspende zu erfüllen. Es wird ihre Odyssee beschrieben. Wie sie im Internet private Samenspender anschreibt und sich mit ihnen trifft. Dann nimmt sie an Versammlungen teil. Dort traf sie auf Menschen, die durch anonyme Samenspende gezeugt wurden. Für diese Menschen ist ihre Herkunft ein riesiges Fragezeichen, da sie nichts über ihren biologischen Vater erfahren konnten.

    Eigene Meinung:

    Der erste Teil, als ihre Schwester und ihre Nicht sie in Tokyo besucht haben, war für bedrückend. Da die Erlebnisse in der Kindheit, die die beiden Schwestern erlebt und ihr ganzes Leben begleitet, sehr bedrückend sind. Der zweite Teil empfand ich um einiges positiver und Lebensbejahender. Die Protagonistin hat mehr soziale Kontakte und ist nicht mehr so isoliert und man hat als Leser nicht mehr den Eindruck, dass sie von der Hand in den Mund lebt. Auch die Erlebnisse rund um die Samenspende und ihr Weg zu ihrem Kind haben mich sehr berührt.

    Fazit:

    Wenn man japanische Literatur mit dem reduzierten emotionalen Stil mag, kann ich das Buch sehr ans Herz legen. Es hat mich sehr berührt und, obwohl die Protagonistin ein Problem mit der Nähe, Sexualität und Initimität hat, habe ich sie am Ende sehr lieb gewonnen!

  1. Frau sein - eine Auseinandersetzung

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Dez 2020 

    Makiko und Natsuko sind Schwestern. Die Mutter floh mit den beiden Mädchen, als diese noch klein waren, vor dem gewalttätigen Ehemann zur Großmutter. Die Kindheit war entbehrungsreich. Nach dem frühen Tod der Mutter verloren die Schwestern auch bald die Großmutter. Mittlerweile erwachsen ist Makiko nun schon selbst Alleinerzieherin einer pubertierenden Tochter. Sie beschäftigt sich intensiv mit der Idee einer Brustvergrößerung. Natsuko hingegen ist beherrscht von dem Gedanken, unbedingt ein Kind bekommen zu wollen.

    „Brüste und Eier“, was für marktschreierischer Titel für die deutschsprachige Ausgabe des Romans der japanischen Schriftstellerin Mieko Kawakami. (Da ist der Originaltitel viel weniger heischend und heißt übersetzt „Sommererzählung“. Das japanische Wort natsu bedeutet Sommer und bezieht sich direkt auf die Protagonistin Natsuko. Aber das nur ganz nebenbei.)

    Es ist eine sehr ausführliche Auseinandersetzung mit Feminismus, Weiblichkeit, Sexualität, Körperbewusstsein, einzementierten sozialen Rollen.

    Erzählt wird die Geschichte in zwei zeitlichen Abschnitten. Im ersten Teil - Sommer 2008 – besucht Makiko mit ihrer zwölfjährigen Tochter Midoriko die Schwester in Tokyo mit dem Ziel, eine Klinik für eine Klinik für eine Brustvergrößerung auszuwählen. Dann erfolgt ein Bruch. Einige Jahre später steht Natsuko im Mittelpunkt des Romans. Obsessiv beschäftigt sie sich mit dem Wunsch nach einem Kind. Dazu fehlt ihr nicht nur ein Partner, sondern grundsätzliches Interesse an Sex.

    „Als Kind……spielte das gar keine Rolle, Sex oder Frausein. Irgendwie … ich weiß nicht, bin ich Kind geblieben. In Bezug auf Sexualität bin ich nicht komisch, sondern einfach nicht erwachsen geworden. Deshalb frage ich mich manchmal, ob ich wirklich eine Frau bin.“

    Mit künstlicher Befruchtung als Mittel der Wahl stößt sie aber nicht nur an die Grenzen (japanischen) Rechts, sondern auch in ihrem persönlichen Umfeld, vor allem bei ihrer Schwester, auf Unverständnis.

    „Niemand von uns kommt freiwillig auf die Welt.“

    Ein Titel, der anheizt. Themen, die brennen. Sprache, die kalt lässt: Das Buch ist in Sprache und Stil sehr distanziert, emotionslos, in vielerlei Hinsicht „sehr japanisch“, oft vortragsartig, protokollierend, wirft aber einen sehr universellen Blick auf den Optimierungsdruck, den Schönheitswahn und das Aufbegehren gegen patriarchale Strukturen, mit dem Frauen sich überall auf der Welt auseinandersetzen müssen.

  1. Eine sich verändernde patriarchale Welt

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Nov 2020 

    Bei diesem etwas eigenwilligen Titel denkt sich die Leserin/der Leser, wohin trägt mich wohl dieses Buch. Japan und dieser Titel??? Ungewöhnlich. Eigenwillig. Verwirrend. Beim Leser wird dann klarer, es geht um zwei Schwestern, eine, Makiko, trägt sich mit den Gedanken um eine Brustvergrößerung und die andere, Natsuko, denkt über ein Kind nach, dass sie sich über eine Samenbank ordern möchte. Beide sind vom Leben etwas gezeichnet, haben frühzeitig Mutter und Großmutter verloren, mussten sich allein durchschlagen. Mutter und Kinder sind vor dem aggressiven Vater geflohen, daher das allein durchschlagen. Auch sozial und finanziell stehen sie nicht auf den oberen Stufen der Karriereleiter. In den Betrachtungen über ihr Leben kommt auch ihre Umgebung zu Wort und es wird klarer, dass die patriarchale Welt Japans nicht besonders gut zu ihren Frauen und Kindern ist. Harter Tobak, aber wohl wahrer Tobak. Trotzdem etwas einseitig betrachtet in meinen Augen. Aber dies möchte ich gar nicht als Kritikpunkt erwähnen. Denn ich kann das auch gar nicht beurteilen.

    Was mich aber gestört hat war, dass diese Thematik irgendwie kühl erzählt wird, so dass das Ganze irgendwie an mir vorbei gerauscht ist. Was schade ist! Die Erzählstimme wirkt kühl/kalt und ich bin innerlich distanziert. Und das bei einer Thematik, die mich eigentlich berührt. Und ich möchte berührt werden! Schade! Die Punktevergabe ist mir hier auch nicht leichtgefallen, eigentlich wären 3,5 Punkte hier besser gewesen. Thematisch ist es ja nicht schlecht, nur erzählerisch wirkt dieses Buch etwas eigenwillig. Obwohl ich mir nicht so ganz sicher bin, ob das eventuell eine japanische Schreibe/eine japanische Erzählweise, dieses Kühle eine japanische Sichtweise ist. ... Und auch daher habe ich aufgerundet, denn thematisch gibt "Brüste und Eier" Einblicke in ein fremdes Land. Obwohl manches in diesem Land gar nicht so fremd ist. Und manches Handeln mancher Japanerin gar nicht mehr so japanisch wirkt, auch hier eine Emanzipation der Frauen einzieht, was mir wieder sehr gefällt.

 

Johnny Ohneland: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Johnny Ohneland: Roman' von Judith Zander
NAN
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Inhaltsangabe zu "Johnny Ohneland: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:528
Verlag:
EAN:9783423282352
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Dresden: Die zweite Zeit

Buchseite und Rezensionen zu 'Dresden: Die zweite Zeit' von Kurt Drawert
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Inhaltsangabe zu "Dresden: Die zweite Zeit"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:294
Verlag:
EAN:9783406754777
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