Eine Ehe in Wien: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Eine Ehe in Wien: Roman' von David Vogel
5
5 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eine Ehe in Wien: Roman"

In den Fängen einer dunklen Liebe

In seinem Meisterwerk beschreibt David Vogel in sensibler wie schonungslos offener Sprache die Liebesqualen eines angehenden Schriftstellers und erzählt dabei von nichts Geringerem als vom Kern des Daseins: Rudolf Gordweil ist im Wien der zwanziger Jahre einer Femme fatale verfallen. Von Woche zu Woche mehr gedemütigt und erniedrigt, braucht er die Kraft des Verzweifelten, um endlich zum Befreiungsschlag auszuholen.

»Eine Ehe in Wien zählt zu den sechs, sieben besten Büchern, die mir je untergekommen sind.« Maxim Biller

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:520
EAN:
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Rezensionen zu "Eine Ehe in Wien: Roman"

  1. Häuslicher Pschoterror

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Jan 2018 

    Rudolf Gortweil ist ein junger Mann, der in Wien Mitte der 1920er Jahre lebt. Er ist Jude, mittellos und träumt von einer großen Karriere als Schriftsteller. Zwar hat er schon einige kleinere Achtungserfolge vorzuweisen, der große Durchbruch mag sich aber nicht einstellen. Dazu ist Gordweil einfach mit zu wenig Ehrgeiz bei der Sache. Er schreibt nur gelegentlich und nimmt jede Ablenkung, die sich bietet, dankbar an. So ist er natürlich immer knapp bei Kasse. Weder bringt ihm die Schriftstellerei zufriedenstellende Einkünfte, noch bemüht er sich um eine andere Arbeit. Er lebt in einfachsten Verhältnissen und rettet sich von Tag zu Tag, indem er sich bei Freunden und Bekannten kleinere Summen borgt.

    David Vogel stellt uns mit Rudolf Gordweil einen melancholischen, antriebslosen und unentschlossenen Menschen vor, bei dem es so etwas wie einen Lebensplan nicht einmal in Ansätzen gibt. Über das Stadium der Träumerei und der grandiosen Fantasien geht nie etwas hinaus. Irgendwie kann man sich für Gordweil keine Zukunft vorstellen. Eine Familie gründen und ernähren? Wie soll das gehen?

    Da lernt er durch Zufall, während er mit Freunden im Kaffeehaus sitzt, die Baronin Thea von Tako kennen. Wenn es jemals eines Beweises für das Sprichwort bedurft hätte, dass Gegensätze sich anziehen, dann wird er hier erbracht. Thea kommt aus gutem Hause, wenn auch verarmt, ist herrisch, durchsetzungsstark und macht sich im Grunde niemals Gedanken über andere.

    "Ich für mein Teil verzichte auf Erbarmen. Ich brauche es nicht. Und ich bemitleide auch kein Geschöpf auf der Welt. Dieses Empfinden fehlt mir, Gott sei Dank, völlig”, lässt Vogel sie einmal sagen. Der schwache Rudolf Gortweil verfällt ihr. Sie heiraten, gründen eine Familie und bekommen ein Kind. Für die Warnungen, die es aus dem Freundeskreis gibt, ist Rudolf taub. Aber mit der Verbindung des hilflosen Rudolf und der herrischen und grausamen Thea nimmt das Unglück seinen Lauf. Sie verachtet ihren Ehemann, beschimpft ihn, schlägt ihn sogar, während er alle Demütigungen lethargisch hinnimmt. Selbst ihr eigenes, noch völlig hilfloses Baby ist Thea einerlei.

    David Vogel gelingt es durch eine präzise Sprache und subtile Beobachtungen nach und nach eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen und die Hölle einer Ehe zu schildern, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, weil beide zu einer Verbindung nicht fähig sind. Selten werden in einem Roman häuslicher Psychoterror und menschliche Schwächen so eindringlich geschildert wie bei dieser Ehe in Wien. Aber wie kann so etwas enden? Nur so, wie Vogel es geschildert hat: in der Katastrophe.

  1. Psychogramm eines melancholischen Masochisten

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Jan 2018 

    Worum geht es?
    Der mittellose Schriftsteller Rudolf Gordweil aus dem Osten lebt in den 20er Jahren in Wien und lernt die Baronin Thea von Tako gemeinsam mit seinem Mitbewohner Ulrich in einem Café kennen.

    Sein erster Eindruck:

    "Sie hat so was an sich, du merkst es nur nicht. So eine Wiener Tradition. Biedermeierzeit. Sieh mal den herrischen Zug in der unteren Gesichtshälfte. Ich würde sie zu gern kennenlernen." (S.28)

    Er begleitet sie nach Hause, dabei überragt ihn die große Frau um Kopfeslänge. Sein zweiter Eindruck,

    "[v]ermutlich wird sie den ihr Nahestehenden häufig wehtun" (S.31), hat prophetischen Charakter.

    Während er sich in Thea verliebt, bemüht sich seine gute Freundin Lotte ihn zu verführen. Doch ohne Erfolg. Gordweil glaubt fest daran, dass sie ihren gemeinsamen Freund, den Rechtsanwalt Dr. Astel irgendwann heiraten wird und erkennt nicht, dass Lotte ihn aus tiefstem Herzen liebt.

    Bereits die erste gemeinsame Nacht mit Thea offenbart den zukünftigen Charakter ihrer Beziehung:

    "Zieh dich aus, Rudi!", befahl sie mit etwas heiserer Stimme, wobei sie sich selbst die Kleider herunterriss und sie auf einen Stuhl warf. Dan packte sie Gordweil, hob ihn wie ein leichtes Spielzeug vom Boden hoch und legte ihn aufs Bett." (S.55)

    Weitere Details werden glücklicherweise ausgespart, wie bei allen Liebesszenen.

    Gordweil verfällt Thea von Tako rettungslos und vier Wochen nach ihrem ersten Treffen soll die Heirat stattfinden, dafür tritt Thea sogar zum jüdischen Glauben über. Doch zuvor trifft Gordweil auf einen Zufallsbekannten, den Franzl Heidelberger, der ihn zu sich und seiner Frau Gustl einlädt. Vordergründig scheint Franzl das Sagen in der Ehe zu haben und kommandiert Gustl herum, die jedoch unverhohlen mit Rudolf flirtet und ihn unter den ermunternden Zurufen sogar auf den Mund küsst.
    Inzwischen lernen auch Lotte, Dr. Astel und Ulrich Thea kennen und Lotte empfindet sofort tiefe Abneigung gegen die Baronin, die die Herausforderung annimmt.

    "Die Baronin lächelte ein kleines, überlegenes Lächeln. Es blitzte die absolute Gewissheit in ihr auf, dass diese Lotte auf Gordweil versessen war, sie selbst aber eindeutig die Oberhand hatte. (...) Na, sehen wir mal, wer die Stärkere ist." (S.74)

    Die personale Erzählperspektive beschränkt sich fast ausschließlich auf Rudolf, nur selten erhalten wir einen Einblick in die Gedanken Theas oder Lottes - umso aussagekräftiger erscheinen diese.

    Der Hochzeitstag ist für Gordweil "der langweiligste und bedrückendste seines Lebens. Es war ein unbehaglicher, in erstickenden, lästigen Dunst gehüllter Tag." (S.111)

    Thea zieht bei Gordweil ein, der sich schließlich doch eine Arbeit in einer Buchhandlung sucht, obwohl er seine Zeit lieber dem Schreiben widmen würde. Von Anfang (Teil II) an kommandiert sie ihn herum, trägt ihn wie ein kleines Kind, nimmt sein Geld und als Leser*in fragt man sich, warum sich Rudolf gegen diese Unterdrückung nicht wehrt. All seine Freunde kennen die Wahrheit, nur er verdrängt sie erfolgreich. In den vielen Träumen des Romans, die darauf schließen lassen, dass Vogel die Schriften Freuds gekannt hat, scheint die schonungslose Wahrheit auf, werden künftige Ereignisse vorausgedeutet und Rudolfs Seelenleben verdeutlicht, der offenkundig ein Lust am Leiden empfindet.

    Nach der ersten Ohrfeige Theas rächt sich Rudolf jedoch, indem er das eindeutige Angebot Franzl Heidelbergers Gustl zuhause zu besuchen annimmt.

    "Allerlei Kränkungen, die wie Steine in den Tiefen seiner Seele versunken lagen, hatten nun eine Art Vergeltung gefunden. Und es schien, dass auch Theas Herrschaft über ihn irgendwie Schaden genommen hatte. Daraus folgte also, dass er noch nicht völlig verloren war und kein Grund zur Verzweiflung bestand." (S.128)

    Verzweifelt scheint Lotte zu sein, die im Verlauf der Handlung zunehmend schwächer wird und die von ihrer Liebe zu Gordweil verzehrt wird.

    Währenddessen ist Thea schwanger (Teil III: Drinnen und draußen) und Gordweil glaubt, mit einem Baby werde sich alles ändern. Wir erfahren, dass er bereits als Jugendlicher Gefallen daran gefunden hat, sich selbst zu quälen, indem er sich mit einem Streichholz verbrennt. Die Vermutung, dass Gordweil ein Masochist ist, scheint sich zu bestätigen. Auch Hinweise seiner Freunde, dass seine Frau ihn betrüge, wischt er weg. In einem Selbstgespräch spricht sein Unterbewusstsein die Wahrheit aus, während er dagegen hält. "Drinnen" weiß er um seine Situation, noch nach draußen hin, betrügt er sich selbst, weil er Thea verfallen ist und er an den Quälereien einen "sonderbar, stechenden Genuss, jene perverse Lust am Leiden" empfindet." (S.383)

    Schließlich erblickt das Baby (Teil IV) Licht der Welt und es ist Rudolf, der sich um den kleinen Martin kümmert. Thea hingegen scheint keinerlei Muttergefühle zu haben, sie ist eine kalte, herrische Person ohne jegliche Empathie. Sie hat Vergnügen daran, Rudolf zu quälen.

    "Interessant, wie viel er wohl schweigend ertragen würde..." (S.243)

    Gegenüber Lotte äußert sie: "Ich könnte ihn auch rauswerfen, ich brauche ihn keineswegs. Aber ich werde es nicht tun. Nun gerade nicht. Du kriegst ihn also nicht, Ich werde ihn zu Tode foltern, zu Tode sage ich dir, aus purem Spaß - und trotzdem wird er mich von sich aus nicht verlassen." (S.269)

    Ob es ihr gelingt, ihn zu zerstören und ob seine Leidensfähigkeit ein Ende (Teil V) kennt?

    Bewertung
    Ein psychologisch sehr interessanter Roman, der uns vor Augen führt, wie der Schriftsteller Rudolf Gordweil der sadistischen, starken Thea verfällt, die ein Vergnügen daran findet, ihn zu erniedrigen und zu beherrschen. Er wiederum stellt sich als melancholischer Masochist heraus, der seine Situation verdrängt und heimlich ein Genuss am Leiden empfindet.
    Das ist zunächst sehr befremdend und man möchte Rudolf zurufen: "Wehr dich" und "Verlass diese Frau" und wünscht ihm, er möge sich Lotte zuwenden, die ihn wirklich liebt.
    Doch es kommt anders und man ahnt es bereits, dass dieser Roman kein gutes Ende nimmt.

    In vielerlei Hinsicht hat mich dieser Roman fasziniert.
    Es ist ein Psychogramm eines gegensätzlichen Paares, deren Beziehung auf Dominanz und Unterwerfung in umgekehrten Rollen basiert. Hätte Rudolf Thea unterdrückt, hätte ich nicht weitergelesen...Hier ist das Thema gerade, weil die Rollen vertauscht sind, sehr interessant.
    Faszinierend sind auch die vielen Träume Rudolfs, die prophetischen Charakter haben und gleichzeitig sein Seelenleben beleuchten. Mehr als einmal haben wir in der Leserunde Traumdeutung betrieben.
    Aber auch das Unterbewusstsein, die zweite Stimme Rudolfs, die ihn nachts, wenn er schlaflos auf dem Sofa liegt, heimsucht, offenbart die grausame Wahrheit. Faszinierend, wie es ihm gelingt, sie zu verdrängen, so lange, bis tatsächlich mehr als ein Unglück geschieht. Wieviel Leid kann ein Mensch ertragen? Wie weit muss die Erniedrigung gehen, damit er sich wehrt? Thea reizt ihre Dominanz aus und ist durchweg negativ gezeichnet, so dass sie nur Antipathien auf sich zieht, während Lotte als positive Gegenfigur konzipiert ist.

    Als letzten Punkt will ich die wunderbare Sprache des Romans hervorheben, der einerseits das Wien der 1920er Jahre bildlich vor unseren Augen entstehen lässt

    - "Die Gehsteige schwitzten schwarzen Asphaltschweiß. Man brauchte kühles, blondes, weißschäumendes Bier - zu jeder Tageszeit. Die Kleidung wurde schwer, beengte einen wie ein Panzer, und das Hemd klebte an Brust und Rücken." (S.297)

    Und andererseits Rudolfs Seelenqualen anschaulich beschreibt:

    "Sie war ein Hindernis, eine Barriere, die Quelle allen Übels. Vergeblich versuchte er auch jetzt noch manchmal, gegen derlei Ideen anzukämpfen. Sei gesamtes Innenleben war uaf Anklage und Auflehnung eingestellt. Gleichzeitig wusste er, dass er niemals die seelische Kraft aufbringen werde, sich von ihr zu befreien." (S.413)

    Im Nachwort von Maxim Biller erfahren wir, dass der Roman autobiografische Züge hat. Auch David Vogel war mit einer herrschsüchtigen Frau verheiratet, die er trotz allem geliebt hat.
    Biller verweist aber auch auf Vogels jüdische Wurzeln auf seine "jüdische Angst" vor der nächsten Katastrophe. Im Roman gibt es eine Szene, in der Gordweil, Lotte und Dr. Astel von einem Wiener wegen ihres jüdischen Aussehen beschimpft werden. Biller spekuliert darüber, ob die "gewalttätige Beziehung, die zwischen Rudolf Gordweil und Thea von Tako herrscht, das ewig kaputte, ewig gestörte Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden widerspiegeln soll" (S.522). Dafür spricht zumindest Theas "germanisches" Aussehen.

    Für mich persönlich steht eher der psychologische Aspekt im Vordergrund, die Darstellung einer krank machenden, zerstörerischen Beziehung und die Versuche Gordweils die Situation zu verdrängen, aber auch sein Eingeständnis, dass er aus dem Leiden heraus Lust empfindet.

    Ein lesenswerter Roman, der, wenn man ihn gemeinsam liest, für viel Diskussionsstoff sorgt.

  1. Ein unspektakulärer Titel für ein spektakuläres Buch

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Jan 2018 

    „Auf dem Gang erwachte rumorend der Wasserhahn. Sofort erfüllte der Lärm die gesamte Umgebung, drang in die noch morgendlich dämmrigen Zimmer und sickerte durch den Schlummerschleier auch in Rudolf Gordweils Körper ein.“ (S. 7)

    So lauten die ersten zwei Sätze des Romans und geben wieder, was mich von den ersten Zeilen an fasziniert hat: ein unglaublich feiner Schreibstil, der das Beschriebene greifbar macht und den Leser ins Geschehen eintauchen lässt.

    Rudolf Gordweil bewohnt mit seinem Freund Ulrich zusammen ein Zimmer bei einer gutmütigen alten Zimmerwirtin. Er hat zur Zeit keine Beschäftigung, verdingt sich als Schriftsteller, was ihm dann und wann ein paar Münzen einbringt. Zu gerne flaniert er durch die Stadt Wien. David Vogel scheint eine außergewöhnliche Beziehung zu dieser Stadt gehabt zu haben, so detailliert beschreibt er die Kaffeehäuser, die Gassen, Gebäude und Menschen. Rudolf ist ein beliebter Mann, der auf einen Kreis enger Freunde zählen kann, die ihm auch finanziell regelmäßig aushelfen. Neben Ulrich sind das der Anwalt Dr. Mark Astel und Bürgertochter Lotte Bodenheim, die in ihn verliebt zu sein scheint. Regelmäßig treffen sie sich auch zusammen mit anderen Bekannten in den Lokalitäten der Stadt oder amüsieren sich im Prater. Die Figuren werden sehr genau beschrieben. Gordweil scheint ein Schnorrer (egal, ob es sich um Geld oder Zigaretten handelt) und ein Tagedieb zu sein, allerdings einer von der sympathischen Sorte. Selbst als er eine Anstellung im Buchladen zunächst nicht bekommt, erscheint er erleichtert, muss er doch seine Freiheit nicht kürzen.

    Die Situation ändert sich, als im Lokal ein fremdes Mädchen einige Tische entfernt Platz nimmt, hier taucht Gefahr für unseren Protagonisten auf: „Gordweil vermochte die Augen nicht von ihr zu lösen, spürte plötzlich eine vage Beklommenheit, wie man sie vor einem nahenden Unheil empfindet.“ (S.28)

    Diese Begegnung ist schicksalhaft. Gordweil empfindet eine undefinierbare Anziehungskraft zu dieser Baronin Thea von Tako, die nicht nur einen herrischen Zug hat, sondern auch genau weiß und tut, was sie will. Bereits nach 14 Tagen der Bekanntschaft macht sie ihm einen unromantischen Heiratsantrag: „Du wirst mich doch zur Frau nehmen, Rudolfus? Nicht wahr? Du gefällst mir, das kann ich dir offen sagen.“ (S.52)

    Gordweil ist ein kleiner, zierlicher Mann mit spärlichem Bartwuchs. Ist es das, was die dominante Frau an ihm reizt? Ist es die Namensgleichheit mit ihrem Vetter Rudolf, den sie selbst für „ein Rindvieh“ hält? Oder will die protestantische Thea ihrer Familie durch die Heirat mit einem Juden eines auswischen? So recht erfahren tut der Leser das nicht. Was jedoch schnell deutlich wird, ist Theas Vorliebe, ihren zukünftigen Ehemann zu bevormunden, zu betrügen und zu tyrannisieren. Bereits die erste Liebesnacht übersteht er nicht ohne Blessuren, Schmerz und Lust halten sich jedoch zunächst die Waage für ihn.

    Schon vor der Hochzeit bekommt Gordweil Warnungen aus seinem Bekanntenkreis, auch er selbst hat zuweilen Schwierigkeiten, seine Gefühle für Thea einzuordnen. Seine treue Freundin Lotte wird jedoch deutlich: „Die nicht…du wirst sehen…wirst es zum Schluss noch merken…Sie liebt dich nicht…Eine Frau spürt das gleich… Sie hat kein Herz…Das wirst du schon noch erfahren…“ (S.81). Ein böses Omen?

    Lotte ist das komplette Gegenteil von Thea: Sie stammt aus gutem Hause, ist ehrlich, aufrichtig und gefühlvoll. Folglich finden die beiden Frauen keinen Zugang zueinander, sie bleiben den ganzen Roman hindurch Gegenspieler.

    Wie der Buchtitel schon sagt, steht die Ehe von Rudolf und Thea im Mittelpunkt der Geschichte. Es handelt sich keinesfalls um eine typische Beziehung, da Gewalt eine Rolle spielt – mit umgekehrter Geschlechterverteilung, als man allgemein erwarten würde. Das gilt auch für die Erwerbstätigkeit: Während Rudolf überwiegend die Hausarbeit erledigt, kocht und sich später um den Nachwuchs kümmert, ist Thea fürs Geldverdienen zuständig. Dennoch wirkt die Beschreibung dieser für die 1920er Jahre untypischen Ehe an keiner Stelle lächerlich, die Ernsthaftigkeit bleibt gewahrt, obwohl die Marotten Theas immer stärker zutage treten.

    Die Auswirkungen dieser speziellen Verbindung sind für Rudolf und seine Freundin Lotte besonders deutlich spürbar. Ihrer Gefühlslage und –entwicklung wird weiter Raum eingeräumt, aber auf eine dermaßen packende Weise, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Mitunter geschieht dies auch durch Träume und traumähnliche Sequenzen, die Rückschlüsse zulassen. Handelt es sich hier um Einflüsse Arthur Schnitzlers und Siegmund Freuds, die ja Zeitgenossen des Autors Vogel in Wien waren?
    Hinzu tritt eine starke Symbolik, die mir beim Aufschlüsseln immer wieder Freude gemacht hat.
    So unnatürlich einem die Ehe in Wien auch anmuten mag, ist es dem Autor dennoch gelungen, ein Stück Wiener Gesellschaftsstudie in diesem Buch abzubilden. Die bildhaften Beschreibungen zeigen das Leben und die Nöte der Menschen, zeigen die Stadt Wien mit ihren Sonnen- und Schattenseiten, bei Tag und Nacht. Wer die Stadt kennt, wird Straßen und Plätze wiedererkennen. Dementsprechend schreibt auch Maxim Biller in seinem Nachwort:
    „So ist Wien neben all den Menschen die wichtigste Figur in Vogels Roman, es ist wahrscheinlich sogar die, die er am meisten liebt.“ (S.521)

    Dieser Roman erschien erstmalig 1929. Dank der vorliegenden Neuauflage des Aufbau-Verlages bin ich auf ihn gestoßen. Das Cover ist sehr auffallend gestaltet. Es zeigt eine junge Frau in einem rotem Kleid. Der Hintergrund ist schwarz, leichte Sprenkel könnte man als Sterne deuten. Ein absoluter Hingucker mit Bezug zum Inhalt. Kontrastierend dazu der eher unspektakuläre Buchtitel „Eine Ehe in Wien“ - Wie viel spannender und vielschichtiger sind doch Handlung und Charaktere!

    Dieses ist kein einfaches Buch, es ist auch kein Gute-Laune-Schmöker. Wer sich aber darauf einlässt, wird belohnt. Unbedingt lesen!

 

Hannah Arendt: Leben, Werk und Zeit. Erweiterte Ausgabe mit neuem Vorwort

Buchseite und Rezensionen zu 'Hannah Arendt: Leben, Werk und Zeit. Erweiterte Ausgabe mit neuem Vorwort' von Elisabeth Young-Bruehl
NAN
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Inhaltsangabe zu "Hannah Arendt: Leben, Werk und Zeit. Erweiterte Ausgabe mit neuem Vorwort"

[{ Hannah Arendt: For Love of the World, Second Edition By Young-Bruehl, Elisabeth ( Author ) Oct - 11- 2004 ( Paperback ) } ]

Format:Taschenbuch
Seiten:800
EAN:9783596160105
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Hannah Arendt: Ihr Denken veränderte die Welt

Buchseite und Rezensionen zu 'Hannah Arendt: Ihr Denken veränderte die Welt' von Hannah Arendt
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Inhaltsangabe zu "Hannah Arendt: Ihr Denken veränderte die Welt"

›Hannah Arendt‹ war der schwierigste Film, den ich je gemacht habe«, sagt Margarethe von Trotta. Die große Denkerin Hannah Arendt fühlte sich zeitlebens nur ihrem eigenen Verstand verpflichtet. Sich ihr zu nähern heißt für Trotta daher, »einem Menschen beim Denken zuzuschauen«. Mit dem Begleibuch zum Film eröffnet sich ein Blick hinter die Kulissen, wird das Making of in Bild und Text sichtbar. Zugleich bietet dieser Band einen Einblick in das Werk Hannah Arendts, fragt er nach dem, was uns die große Philosophin und Autorin von ›Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen‹ heute zu sagen hat.

Format:Taschenbuch
Seiten:256
EAN:9783492301756
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Was heißt persönliche Verantwortung in einer Diktatur?

Buchseite und Rezensionen zu 'Was heißt persönliche Verantwortung in einer Diktatur?' von Hannah Arendt
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Inhaltsangabe zu "Was heißt persönliche Verantwortung in einer Diktatur?"

Wie handelt man richtig, wenn das moralische "Richtig" dem gesetzlichen "Richtig" widerspricht? Wie reagiert man auf Missachtungen der Menschenrechte durch höchste Regierungsinstanzen? Wie können wir urteilen über die, in deren Haut wir nicht stecken? Mit diesen Fragen, die Hannah Arendt bereits vor über 50 Jahren beschäftigten, werden wir heute wieder verstärkt konfrontiert. Damals wie heute gilt: Persönliche Verantwortung muss sich von politischer Verantwortung unterscheiden. In Arendts klarer und bestechender Sprache gibt dieser wiederentdeckte Aufsatz Antworten auf die häufigsten Fragen unserer Zeit.

Format:Taschenbuch
Seiten:96
EAN:9783492238281
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Morgan`s Hall: Band 1 (Morgan-Saga)

Buchseite und Rezensionen zu 'Morgan`s Hall: Band 1 (Morgan-Saga)' von Emilia Flynn
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Inhaltsangabe zu "Morgan`s Hall: Band 1 (Morgan-Saga)"

"Spannend, düster und hochemotional"


Leserstimmen

„Ich möchte nicht zu viel erzählen, oder verraten - aber was die Autorin hier geschaffen hat, ist ein absolutes Meisterstück!“ Mariellchen, eine Leserin

„Ich habe dieses Buch verschlungen, weil es einfach grandios erzählt ist.“ Bettina L., eine Leserin

„Ich konnte dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Immer wenn ich dachte, jetzt wird alles gut, kommt der nächste Hammer. Sicherlich kein Roman für zarte Gemüter. Für mich eine einzigartige Story in diesem Genre.“ Naomi, eine Leserin

Klappentext


1938: Die Amerikaner John und Dickie treffen in Wien auf die Halbjüdin Isabelle. Beide verlieben sich in die unbekannte Schönheit. Nachdem Hitler Österreich über Nacht besetzt, schwebt Isabelle in höchster Gefahr, doch die Männer verhelfen ihr zur Flucht.
Fortan lebt Isabelle auf Johns Landgut "Morgan`s Hall". Irgendwo im Nirgendwo der amerikanischen Einöde.
Isabelle hasst diesen geheimnisvollen Ort. Ebenso John, der sie wie sein Eigentum an sich kettet und auf ihre Liebe hofft. Dabei gehört ihr Herz nur Dickie, der Isabelle versprochen hatte, sie aus Johns Fängen zu befreien.
Aber Dickie lässt auf sich warten. Jahrelang.

Für die unglückliche Isabelle ist diese Geschichte der Beginn einer Odyssee der Einsamkeit und Depression. Gefangen auf "Morgan`s Hall" und von Heimweh geplagt, fürchtet sie, wahnsinnig zu werden.
Was ist das für ein furchtbares Flüstern, das aus den nahen Wäldern zu ihr raunt? Und was hat es mit dem seltsamen Indianer Phil auf sich?

Eine Geschichte über unerfüllte Liebe, zerstörenden Hass, die Bande einer Familie und die Frage, ob alles im Leben vorherbestimmt ist.

Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:502
Verlag:
EAN:
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Die Sommer meines Lebens: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Sommer meines Lebens: Roman' von Fiona Valpy
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Sommer meines Lebens: Roman"

Die Liebenden von der Île de Ré.

Edinburgh, 2014: Kendras autistischer Sohn hat Probleme, sich in der Welt zurechtzufinden, und darüber gerät ihre Ehe in die Krise. Dann bittet ihre Großmutter Ella, deren Erinnerungen allmählich verloren gehen, sie darum, diese für sie niederzuschreiben. Schon bald fragt sich Kendra, ob der Grund für ihre schwierige Familiengeschichte in Ellas Vergangenheit liegt.

Frankreich, 1937: Ella verbringt den Sommer an der französischen Atlantikküste. Sie lernt den Franzosen Christophe kennen und will mit ihm leben. Doch dann bricht der Krieg aus, und zurück in Schottland erreichen sie Neuigkeiten von Christophe, die ihre Pläne zunichtemachen. Lange Zeit später erhält sie dann einen Brief, der alles in Frage stellt, was Ella sich inzwischen aufgebaut hat.

Eine mutige Frau vor der Frage, welches Opfer sie für ihre große Liebe zu bringen bereit ist.

Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:338
EAN:
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Rezensionen zu "Die Sommer meines Lebens: Roman"

  1. Ein Sommer am Atlantik

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Jan 2019 

    Die junge Ella verbringt 1938 ein zauberhaften Sommer auf der Ile de Ré bei einer französischen Freundin ihrer Mutter. Mit Sohn Christophe verbindet sie bald mehr als eine Freundschaft. Es scheint, sie hat die Liebe ihres Lebens gefunden. Doch schon ihren nächsten Sommerbesuch muss sie abbrechen. Der Krieg ist ausgebrochen und Christophe wird zur Armee eingezogen. Auch Ella meldet sich als Freiwillige zum Frauenhilfscorps der Army. Dann erhält sie eine schreckliche Nachricht aus Frankreich, die ihre Zukunftspläne zunichtemachen.
    60 Jahre später bittet Ella ihre Enkelin Kendra ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Ella ist am Ende ihres Lebens angekommen und spürt, wie sich ihre Erinnerungen allmählich auflösen. Sie möchte aber ihre Geschichte an ihre Kinder, vor allem an ihre Tochter, weitergeben. Für Kendra werden Ellas Geschichten auch zum Spiegel ihrer eigenen Situation. Ihre Ehe ist in einer Krise, ihr Mann und sie sind überfordert von den Problemen mit dem autistischen Sohn Finn. Ihre Liebe scheint verloren zu gehen, während sie versuchen, den Alltag zu bewältigen.
    Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Die Erinnerungen von Ella führen nach Frankreich, berichten von unbeschwerten Sommerwochen und dem Zauber der ersten großen Liebe, über die bereits die dunklen Wolken der Kriegszeiten drohen. Ihre Erzählungen reichen bis ins Jahr 1970 und berichten von Hoffnung und zerplatzten Träumen, von Verzicht und neuem Glück. Dieser Zeitraum nimmt nicht nur den größten Teil des Romans ein, er ist auch der Teil, der mich am meisten gefesselt hat. Eine starke Frau, die am Ende ihres Lebens zurückblickt und ihr Schicksal Revue passieren lässt – das hat mich wirklich berührt und auch die historischen Details, die den Zweiten Weltkrieg aus der Sicht Englands und Frankreichs erzählen, fand ich sehr interessant.
    Die Szenen vom Sommer auf der Atlantikinsel sind zauberhaft erzählt, Wind und Sonne, der Duft der Gräser und Kräuter, das wirkt lebendig und erzeugt farbige Bilder in meiner Vorstellung und nimmt mich mit auf die Insel.
    Dagegen wirkt Kendra und ihr Familienproblem fast ein bisschen blass. Obwohl sehr sympathisch geschildert und ihr Nöte greifbar sind, ist eindeutig Ella die prägnanter gezeichnete Figur.
    Ein warmherziger Roman, der obwohl manche traurige Szene enthält, einen optimistischen Ausblick auf das Leben hat. Ich habe mich davon wirklich anrühren lassen und bin auf Stunden die in Geschichte eingetaucht.

 

Die verlorene Schwester: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die verlorene Schwester: Roman' von Linda Winterberg
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die verlorene Schwester: Roman"

Das Leben, von dem wir träumten.

Bern, 1968: Nach dem Tod des Vaters werden die Schwestern Marie und Lena der kranken Mutter von der Fürsorge entrissen. Die Mädchen werden getrennt und an Pflegefamilien „verdingt“, bei denen sie schwer arbeiten müssen. Als eine der beiden schwanger wird, soll ihr das Baby weggenommen zu werden. Doch sie will die Hoffnung nicht aufgeben, mit ihrem Kind in Freiheit zu leben – und auch ihre Schwester wiederzufinden. Jahre später zeigt sich eine Spur, die nach Deutschland führt.

"Die Verdingkinder in der Schweiz sind ein Thema, das betroffen macht und nicht vergessen werden darf." Ulrike Renk, Autorin von "Die Zeit der Kraniche"

Format:Kindle Edition
Seiten:442
EAN:
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Rezensionen zu "Die verlorene Schwester: Roman"

  1. Verlorene Kinder

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Dez 2018 

    Es ist nicht nur die Geschichte von Anna, sondern auch die der Schwester Marie und Lena. Wobei Anna und die Schwestern Jahre trennen. In zwei verschiedenen Zeitepochen erfahren wir von ihrem Leben. Marie und Lena, die in Bern 1968 nach dem Tod des Vaters in ein Heim kommen wohl ihre Mutter noch lebt, werden beide von der Fürsorge abgeholt und als sogenannte "Verdingkinder" zu anderen Familien gegeben.

    Annas Geschichte spielt 2008 in der Schweiz. Wie die Frauen zueinander finden, was sie verbindet, das ist eine Geschichte, die unbedingt gelesen werden muss.

    Beide Handlungsstränge verknüpfen sich perfekt miteinander und so erfährt man stückchenweise immer mehr über die schreckliche Vergangenheit, bis sich zum Ende hin ein vollendetes Bild ergibt.

    Die Autorin hat es wieder einmal verstanden eine Geschichte zu verfassen, die einem von der ersten Zeile weg fesselt. Man will einfach wissen, was weiter passiert. So ist es ein ereignisreicher Roman geworden der in einem spannenden Finale endete.

    Die Autorin hat sich hier einem Thema angenommen, von dem ich so gar nichts wusste. Die sogenannten Verdingkinder wurden seit 1800 bis ca. 1980 in der Schweiz an Familien vermittelt. Hierbei handelte es sich oft um Kindern aus Heimen, oder aber auch aus sozial schwachen Familien. Jedoch waren diese Familien meist keine Pflegefamilien, sondern die Kinder mussten dort schwer für ihr Essen arbeiten. Sie wurden selten gut behandelt, oftmals durften sie nur selten die Schule besuchen.

    Diese Geschichte der Kinder und später der Frauen hat mich tief betroffen gemacht. Ich frage mich, wie sich diese altbackene Regel so lange hat halten können. Warum haben die Behörden damals dieses Spiel so lange mitgemacht?

    Mir hat dieses Buch ungemein gefallen. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen und vergebe nur zu gerne fünf Lesesterne.

 

Das Palais Reichenbach

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Palais Reichenbach' von Josephine Winter
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Palais Reichenbach"

1926. Die Goldenen Zwanziger Jahre. In Berlin tobt das pralle Leben, Kunst und Kultur blühen auf, die Menschen amüsieren sich in den Filmpalästen und Tanzlokalen der Stadt.

Für die adelige Familie Reichenbach hingegen sind es schwere Zeiten: Der einstige Reichtum ist nur noch Fassade, und das Volk verlangt die Enteignung des deutschen Adels. Da Fürst Paul als Familienoberhaupt der drohenden Katastrophe tatenlos zusieht, ist Fürstin Juliane gewillt, alles zu tun, um die Familie zu retten. Doch ihre drei Kinder haben ganz eigene Pläne und Sorgen. Während Prinz Fridolin Karriere in der Deutschnationalen Volkspartei machen will, muss Prinz Georg ein dunkles Geheimnis vor seiner Familie verbergen. Und Prinzessin Ina begegnet dem glücklosen Schriftsteller Theodor Barbach, der sie schon bald vor die schwerste Entscheidung ihres Lebens stellt ...

Format:Kindle Edition
Seiten:283
EAN:
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Rezensionen zu "Das Palais Reichenbach"

  1. Die 20er Jahre in Berlin

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Nov 2018 

    Wir befinden uns 1926 in Berlin. Die Stadt ist wie in einem Rausch. Es sind die goldenen Zwanziger. Alle ist im Umbruch. Kunst und Kultur lassen die Stadt erblühen, es gibt die ersten Filmpaläste und in den Tanzlokalen singt Cläre Walldorf.

    Aber für den Adel brechen schwere Zeiten an. Das Volk ist in Aufruhr und verlangt die Enteignung des deutschen Adels. Für Fürst Paul von Reichenbach dagegen sind die Zeiten noch viel schwieriger. Der Familie droht der Bankrott. Retten kann die Familie nur die Heirat seines Sohnes mit einer sehr reichen Frau. Noch besser wäre es, wenn alle drei Kinder eine angemessene Partie machen würden.

    Doch alle drei Kinder haben andere Pläne und Geheimnisse, die in jedem Fall nicht denen des Fürstenpaares entsprechen. Der Fürst steht dem Ruin hilflos gegenüber. Nicht jedoch seine Frau Juliane, sie ist willens alles zu tun, um das Haus Reichenbach vor dem Untergang zu bewahren.

    Dieses in drei Teile gegliederte Buch bewegt sich chronologisch durch die Ereignisse. Angefangen im März 1926 und endend im Oktober selbigen Jahres bekommen wir einen kleinen Abriss von den finanziellen Sorgen der Fürstenfamilie Reichenbach. Es gibt genug Adelsfamilien, denen es gelungen ist, ihren Wohlstand und Reichtum beizeiten ins Ausland zu verlagern. Hier hat der Patriarch bereits das erste Mal versagt. Sich Ratschläge in dieser Situation einzuholen, war zu dieser Zeit einfach unmöglich. Über Geld spricht man nicht, man hat es! Zu Zeiten der Monarchie bekam der Fürst noch eine Apanage, diese Zeiten sind vorbei. Aber das Geld wird weiter verbraucht, als käme neues nach. Der Zusammenbruch ist unausweichlich.

    Mir hat dieser Ausflug ins Berlin der Zwanziger gut gefallen. Die Autorin hat aber nicht nur das Leben der hohen Gesellschaft dargestellt, auch ihre Angestellten werden mit ihren Problemen und Sorgen sehr gut dargestellt. Für mich waren aber die Protagonisten die drei Kinder, die allesamt mit ihren Sorgen und Nöten auf sich allein gestellt waren. Mit den Eltern konnten sie darüber auf keinen Fall reden. Letztlich waren alle drei in der Zwickmühle und sahen für sich kaum einen Ausweg aus dem Dilemma. Auch hier ist dann der Spruch für dieses Buch passend "Adel verpflichtet". Das Ende hatte für mich so den Anschein, als wenn man direkt für ein weiteres Buch ansetzen könnte. Hier bin ich gespannt, denn da könnte noch so einiges erzählt werden.

    Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Das Buch las sich ausgesprochen flüssig und angenehm. Ich vergebe sehr gerne eine Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

 

One Summer: America 1927 (Bryson, Band 2)

Buchseite und Rezensionen zu 'One Summer: America 1927 (Bryson, Band 2)' von Bill Bryson
NAN
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Inhaltsangabe zu "One Summer: America 1927 (Bryson, Band 2)"

America 1927
Broschiertes Buch
In the summer of 1927, America had a booming stock market, a president who worked just four hours a day (and slept much of the rest), a devastating flood of the Mississippi, a sensational murder trial, and an unknown aviator named Charles Lindbergh who became the most famous man on earth. It was the summer that saw the birth of talking pictures, the invention of television, the peak of Al Capone's reign of terror, the horrifying bombing of a school in Michigan, the thrillingly improbable return to greatness of an over-the-hill baseball player named Babe Ruth, and an almost impossible amount more. In this hugely entertaining book, Bill Bryson spins a story of brawling adventure, reckless optimism and delirious energy. With the trademark brio, wit and authority that has made him Britain's favourite writer of narrative non-fiction, he brings to life a forgotten summer when America came of age, took centre stage, and changed the world for ever.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:672
Verlag: Black Swan
EAN:9780552779401
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