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Zweiter Teil: In Christminster

Dieses Thema im Forum "Leserunde 'Jude Fawley, der Unbekannte'" wurde erstellt von Literaturhexle, 19. März 2019.

  1. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Hier diskutieren wir den zweiten Teil des Romans: "In Christminster", Kapitel 1 - 7.
     
  2. kingofmusic

    kingofmusic Aktives Mitglied

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    Beim Lesen ist mir gerade ein Zitat aus einem meiner Lieblingsfilme (Das letzte Einhorn) eingefallen: Wo bist du gewesen?
    Diese Frage stelle ich mir in Richtung Thomas Hardy, der sich garantiert nach dem Ende der Lektüre auf meine Liste von Lieblingsschriftstellern schleicht, nein - mit Karacho dort landet.
    Ich bin bisher absolut überwältigt von diesem Roman - der gibt einem so viel philosophisches, religiöses (auch wenn ich - trotz diakonischem Arbeitgeber - kein Ultragläubiger bin :cool:) mit auf den Weg :rolleyes:...Wenn das Jemandem hier übertrieben vorkommt - sorry, ich kann gerade nicht anders :D...
    Bin jetzt auf S. 150 (Anfang 5. Kapitel).
     
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  3. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Mein Eintrag von gestern ist leider dem schnoddrigen Internet zum Opfer gefallen :(
    Jude hat sich wieder seinem Traum von Bildung zugewandt. Es scheint schon ein gutes Stück Gesellschaftskritik offenbar zu werden, wenn Jude den Unterschied zwischen den Studierenden und sich selbst wahrnimmt, obwohl sie ihm räumlich sehr nah sind:
    Dennoch war er ihnen so fern, als lebte er auf der anderen Seite der Erde.
    Die Studenten sehen durch den Handwerker einfach hindurch. Er gilt nichts.

    Erneut verrennt er sich in eine neue Liebe, in seine Cousine Sue. Bereits im 4. Kapitel lassen manche Sätze den Schluss zu, dass diese Liebe in einer Tragödie enden wird: von folgenschweren Vorboten und von einer düsteren unheilvollen Stelle des ersten Treffens ist die Rede...

    Lehrer Phillotson hat den Aufstieg zum Pfarrer nicht geschafft. Das desillusioniert unseren Jude. Er bittet Professoren um Hilfe - doch auch die antworten nicht oder wollen unter sich bleiben.

    Nach einer durchzechten Nacht ändert Jude seine Pläne und überlegt, künftig in der Kirche Dienst zu tun. Dieses aus weltlichem Ehrgeiz und wegen sozialer Unzufriedenheit - und nicht etwa wegen theologischer Begeisterung;)
     
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  4. kingofmusic

    kingofmusic Aktives Mitglied

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    Der Unterschied zwischen Jude und den Studierenden wird hier auch sehr deutlich


    „Erst jetzt, da er seinen Sehnsuchtsort tatsächlich erreicht hatte, erkannte Jude, wie weit er wirklich entfernt war von seinem ersehnten Ziel. Nur eine Mauer trennte ihn von seinen glücklichen jungen Zeitgenossen, deren Geistesleben er teilte; Männern, die von früh bis spät nichts anderes zu tun hatten als lesen, Notizen machen, lernen und geistig verdauen. Nur eine Mauer – aber was für eine!“ (S. 122/123)



    Irgendwie verfolgt mich die Mauer gerade...:confused::D.

    Der Brief von dem Professor war ja auch böse, oder?

    Der letzte Satz von Dir bzgl. theologischer Begeisterung wird am Anfang des 3. Abschnittes noch mal etwas deutlicher hervorgehoben.
     
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  5. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Eine schöne Textstelle hast du herausgesucht, @kingofmusic ! Davon wimmelt es im Buch geradezu.
    Ja, mit Mauern hast du es gerade, aber scheint diese doch erfreulicher zu sein als jene auf der Insel ;)

    Der Brief des Professors drückt die gesamte Arroganz der gebildeten Klasse aus - und die der Reichen. Schließlich scheint ein praller Geldbeutel die Voraussetzung für ein Studium zu sein. Es ist mir sowìeso ein Rätsel wie Jude das nächtliche Lernen nach einem anstrengenden Arbeitstag schaffen soll? Wir sprechen sicher nicht von einer 39-Stunden-Woche:confused:
     
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  6. kingofmusic

    kingofmusic Aktives Mitglied

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    Na ja, wenn du wirklich von einem "Ziel" überzeugt bist, entwickelt man Kräfte, die man vorher nicht geglaubt hat zu haben. Wenn ich noch an die Zeit meiner Fernweiterbildung denke :rolleyes::D...
    Aber hat sich an der Arroganz der Reichen (ich schließe jetzt die "gebildete Klasse" mal aus, denn ich zähle uns dazu und wir sind (nach meiner Beobachtung) hier alles andere als arrogant :D) im Lauf der Jahrhunderte verändert? Nein, im Gegenteil: es wird immer schlimmer...
     
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  7. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Ich befürchte, so viel kann ich dazu nicht sagen, weil ich so viele nicht persönlich kenne :D. Auch da gibt es sonne und solche...

    Die Zeiten haben sich insofern geändert, dass heute theoretisch jeder den sozialen Aufstieg schaffen kann. Dass man ein bildungsfernes oder freudloses Elternhaus natürlich auch mit Kitas, kostenfreien Schulen und Universitäten nicht ausgleichen kann, ist logisch. Man kann nur immer versuchen, die Schere zu verkleinern.
    Zu Judes' Zeiten war das noch erschreckend anders.
     
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  8. MRO1975

    MRO1975 Aktives Mitglied

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    Ein sehr schönes Zitat. Das hatte ich mir auch angestrichen. Es bringt Judes Konflikt wunderbar zum Ausdruck. Er strebt nach Bildung, reißt sich den H... auf und steht dennoch vor einer unüberwindlichen gesellschaftlichen Mauer.

    Zugang zu universitärer Bildung erhielten damals nur Angehörige höherer Schichten. Dies wurde dadurch sichergestellt, dass man für die Zulassung zum College eine gewisse Vorbildung mitbringen musste, die man nur durch eine gute Schulausbildung erwerben konnte. Hierfür hatte Arbeiterkinder weder Zeit noch Geld und selbst Jude, der sich sehr anstrengt, fehlt zumindest ein Lehrplan, Anleitung und Rat.

    Einkaufen konnte man sich natürlich auch. Geld stank noch nie.
     
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  9. MRO1975

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    Eine Frechheit nach dem Motto, Schuster bleib bei deinen Leisten! Immer schön abschirmen und unter sich bleiben. :mad:
     
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  10. MRO1975

    MRO1975 Aktives Mitglied

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    Ich stimme @Literaturhexle zu, dass es heutzutage mehr Programme und Möglichkeiten gibt, auch zu studieren, wenn man keine reichen Eltern hat. Ich habe selbst davon profitiert. Allerdings habe ich während meiner beruflichen Laufbahn auch den Eindruck gewonnen, dass der Aufstieg „natürlich“ begrenzt ist. Die Elite (Vorstände, reiche Unternehmer) bleibt gern unter sich. Ohne gute Verbindung ist es auch heute kaum möglich, ganz nach oben aufzusteigen.
     
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  11. kingofmusic

    kingofmusic Aktives Mitglied

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    Ist ja heute noch so in gewissen gesellschaftlichen Kreisen :rolleyes:...
     
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  12. MRO1975

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    Ich fand den Anfang dieses Abschnitts übrigens etwas sperrig. Die Gespräche mit den Geistern der alten Philosophen und Gelehrten bei der Wanderung durch das nächtliche Christminster. Das kam mir auch irgendwie bekannt vor - vllt. eine Anspielung auf ein Theaterstück?
     
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  13. MRO1975

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    Habt ihr das Vorwort von Hardy zur ersten Auflage am Ende schon entdeckt? Hardy erklärt, warum er später nie wieder einen Roman geschrieben hat - sehr aufschlussreich!
     
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  14. kingofmusic

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    Auf was sich Hardy bezieht, wird ja in den Anmerkungen am Schluss des Romans deutlich. Ich weiß ja nicht, welche Ausgabe du hast - @Literaturhexle und ich lesen die "Büchergilde Klassik"-Ausgabe, die aber mit der Auflage aus dem Hanser-Verlag aus 2018 identisch ist (nur mit anderem Cover).
    Ich fand´s interessant und gut zu lesen :)
     
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  15. MRO1975

    MRO1975 Aktives Mitglied

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    Ihr müsst euch auch die Erläuterungen am Ende unbedingt mal ansehen - hier werden viele Bezüge und Metaphern erklärt.

    Bei Christminster handelt es sich um Oxford und viele Schauplätze im Buch sind reale Orte.

    Lustig fand ich auch den Hinweis, dass Studenten nach Einbruch der Dunkelheit Roben tragen mussten. Eine ähnliche Pflicht gibt es ja für Rechtsanwälte. Deren Robenpflicht wurde nicht etwa aus Respekt vor dem Gericht eingeführt, sondern damit man schon von Weitem sieht, was sich da für ein Spitzbub nähert. Heutzutage ist das natürlich anders. ;)
     
  16. kingofmusic

    kingofmusic Aktives Mitglied

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    Das lese ich erst zum Schluss :D.
     
  17. kingofmusic

    kingofmusic Aktives Mitglied

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    Lustig, dass du genau in den Momenten etwas schreibst, was ich dir schreiben will :D:D:D
     
  18. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Da das Vorwort bei uns hinten Ist, habe ich es noch nicht gelesen. Hardy hat ja zahlreiche literarische Bezüge seiner Zeit eingebaut. Man kann sie im Glossar entdecken, müsste dann allerdings weiter forschen... Da hätte ich noch keine Lust zu.
    Es gibt immer mal wieder ein paar Längen im Buch. Anschließend geht es aber bislang flüssig weiter. Ich bin jetzt auf der Hälfte.
     
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