Wird die Literatur durch Trump wieder politischer?

Helmut Pöll

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Früher war nicht nur alles besser, sondern die Schriftsteller auch politischer. Sie mischten sich mehr ein, meldeten sich lautstarker zu Wort. Zumindest könnte sich im Rückblick dieser Eindruck aufdrängen.

Der Prototyp des politischen Schriftstellers ist immer noch Émile Zola, der in seinem offenen Brief „Ich klage an..“ an den französischen Staatspräsidenten die Freilassung des zu Unrecht verurteilten jüdischen Hauptmanns Dreyfus forderte. Zolas Einmischung entfachte einen innenpolitischen Sturm, der ihn zur Flucht nach England zwang und Frankreich bis in die Familien hinein spaltete. Dreyfus kam frei. Ohne Zola wäre er in der Verbannung auf der Teufelsinsel verrottet.

Aber man muss gar nicht so weit zurückgehen. In den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatten die deutschen LIteraten CSU-Chef Franz Josef Strauß als Lieblingsgegner. Der bezeichnete linke Schriftsteller schon mal als "Ratten und Schmeißfliegen“ und wurde damit zur Hassfigur. Nachdem in den letzten 20 Jahren hierzulande - und generell im Westen - die oberen Ränge der Politik eher poltergeistfreie Zonen waren, wurden auch die Literaten zahmer - mangels Gegner.

Aber jetzt hat mit Trump jemand die Bühne betreten, der die alte Ausfälligkeit wiederbelebt. Wird Literatur jetzt wieder politischer? Was meint ihr?
 
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23. März 2015
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Wir werden zunächst vermutlich abwarten müssen, wie sich der neue Präsident tatsächlich entwickelt. Wenn sich vieles von dem bewahrheitet, was wir derzeit befürchten, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das auch literarisch aufgegriffen werden wird.
 

InFo

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Ich denke nicht, denn er wird vorher die Titel verschwinden lassen. Er ist Kritikresistent und sieht jede öffentlich Position gegen ihn als Angriff. Also wird eher der Umgang, als die Literatur politischer.
 
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Renie

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Ich habe heute in der FAZ gelesen, dass Dystopien einen enormen Zulauf haben. Insbesondere Klassiker wie George Orwell's 1984 sind beliebt wie seit langem nicht mehr. Die FAZ sieht dies auch als Folge von Trump's Wahlsieg an.
Die Leser scheinen in den Dystopien viele Parallelen zu der künftigen Trump-Politik zu sehen.
 
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Sebastian

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Natürlich ist das die Folge von Trumps Wahlsieg. Ist auch nicht zum ersten Mal so, leider finde ich aber gerade den Artikel nicht wieder, der auf diese "Stoßzeiten" von dystopischer Literatur eingegangen ist.

Viel bedrückender als die Tatsache, dass diese Romane überhaupt so einen großen Anklang finden, ist für mich der damit verbundene Hintergrund: Man macht sich erst im Nachhinein schlau darüber, was für Folgen (wenn auch in einem sehr überspitzten Maß) die Wahl haben könnte. Ist das gleiche Thema wie beim Brexit, wo anschließend das Geheule groß gewesen ist.
 

Helmut Pöll

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Ich habe heute in der FAZ gelesen, dass Dystopien einen enormen Zulauf haben. Insbesondere Klassiker wie George Orwell's 1984 sind beliebt wie seit langem nicht mehr.
Dystopien entstehen ja oft als Reaktion auf eine als auf eine Gegenwart, von der man denkt, dasss sie auf dem falschen Weg ist. Ich habe heute mal eine Buchliste Dystopien angelegt. Hat noch nicht sooo viele Einträge, aber ihr könnt ja mal in Euch gehen, was da noch passen könnte.
Eine Dystopie ist ein Gegenbild zur positiven Utopie. In dystopischen Romanen hat die zivilisierte Welt, wie wir sie kennen, aufgehört zu existieren. Oft ist der beschriebene Kollaps der gesellschaftlichen Ordnung die Folge von Naturkatastrophen,...
 

Renie

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Helmut Pöll

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Viel bedrückender als die Tatsache, dass diese Romane überhaupt so einen großen Anklang finden, ist für mich der damit verbundene Hintergrund: Man macht sich erst im Nachhinein schlau darüber, was für Folgen (wenn auch in einem sehr überspitzten Maß) die Wahl haben könnte. Ist das gleiche Thema wie beim Brexit, wo anschließend das Geheule groß gewesen ist.
Stimmt schon, @Sebastian . Aber das sind wohl alles Symptome eines Gefühls, dass sich die gewohnte Ordnung auflöst. Habe dieses interessant Buch entdeckt.
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Mittels eindringlicher Portraits schafft der preisgekrönte Autor George Packer eine einzigartige literarische Collage, die eine Nation in Auflösung zeigt[/zitat]
Könnte ich mir auch gut als Leserunde vorstellen. @Renie , @sassenach, @Atalante , @Bibliomarie , @anne_weiss , @parden , @wal.li , @Momo , @Querleserin ,@CaptnMoe @Sassenach123