Winter in Maine

Helmut Pöll

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So, habe heute Abend wieder angefangen mit Winter in Maine.
Es ist ganz erstaunliche, was einem beim zweiten Lesen so auffällt.

[zitat]Und mit der Trauer kroch noch etwas anderes zur Tür herein, der hauch von etwas anderem, meine ich. Es musste vom Holzstoss gekommen oder aus dem Wald hereingeweht sein, denn so ein Gefühl hatte ich noch nie gehabt.[/zitat]
Das nimmt eigentlich die ganze weitere Geschichte vorweg.
 
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Am Wochenende habe ich schon begonnen zu lesen da fiel mir schon mal der ruhige Schreibstil auf, sehr angenehm auch die Ich Erzählung. Wie Julius sein Dasein beschreibt und natürlich die 3282 Bücher mit denen er lebt, ein wahrer Genuss für uns Leser.[zitat]"Das Bücher wichtig seien, dass es aber noch wichtiger sei, sie zu lesen"[/zitat]
 
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Stimmt, @Helmut Pöll . Da bahnt sich etwas an. Wobei Julius generell keiner zu sein scheint, mit dem man sich anlegen sollte.

"[zitat]Man steigt im Wald über einen Zweig, und plötzlich steht man auf einer Veranda und muß ganz vorsichtig sein. In diesen Wäldern wohnen viele Männer, die sonst nirgens leben können. Sie leben allein und sind noch für die geringste Beleidigung empfänglich, darum sollte man sich lieber gut benehmen oder erst gar nichts sagen."[/zitat]
 

Helmut Pöll

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Stimmt, @Helmut Pöll . Da bahnt sich etwas an. Wobei Julius generell keiner zu sein scheint, mit dem man sich anlegen sollte.

"[zitat]Man steigt im Wald über einen Zweig, und plötzlich steht man auf einer Veranda und muß ganz vorsichtig sein. In diesen Wäldern wohnen viele Männer, die sonst nirgens leben können. Sie leben allein und sind noch für die geringste Beleidigung empfänglich, darum sollte man sich lieber gut benehmen oder erst gar nichts sagen."[/zitat]
Ja, da hast du sicher Recht, @Renie. Aber vielleicht wird man nach Jahrzehnten in der Einsamkeit immer weniger bereit sich auf irgendwelche Kompromisse einzulassen. Man hat ja festgestellt, dass es ohne die anderen auch ganz gut geht.
 

Renie

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Am Wochenende habe ich schon begonnen zu lesen da fiel mir schon mal der ruhige Schreibstil auf, sehr angenehm auch die Ich Erzählung. Wie Julius sein Dasein beschreibt und natürlich die 3282 Bücher mit denen er lebt, ein wahrer Genuss für uns Leser.[zitat]"Das Bücher wichtig seien, dass es aber noch wichtiger sei, sie zu lesen"[/zitat]
Der Schreibstil gefällt mir auch sehr gut. Ich treffe immer wieder auf Sätze, die man gerne 2mal liest. Diese Sätze haben eine Tiefe, die sich mir oft erst eröffnet, wenn ich diesen Satz nochmals gelesen habe. Hier ist ein Beispiel:
[zitat]Ich schaufelte die ganze Welt auf meinen Freund und spürte ihr Gewicht, als läge ich bei ihm dort im Dunkeln[/zitat].

Dies ist kein Buch, dass sich husch husch lesen lässt. Dabei würde zuviel von der tollen Sprache verloren gehen.
 

Renie

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Julius verliert mittlerweile Sympathiepunkte bei mir. Kann sich noch jemand an die TV-Serie "Der Mann in den Bergen" (Ende der 70er Jahre) erinnern? Irgendwie hatte ich, wenn ich an Julius gedacht habe, immer Grizzly-Adams vor meinem geistigen Auge gehabt. Doch mittlerweile entfernt sich Julius doch deutlich von diesem Bild. Teilweise kann ich seine Gedankengänge gar nicht mehr verstehen. Er scheint sich seine eigene Realität zu schaffen.
Mir schießen gerade einige Fragen durch den Kopf, die ich gern mit euch, @Sonnenblume und @Helmut Pöll besprechen möchte. Wo seid hr gerade in dem Buch? Ich möchte ungern etwas vorwegnehmen. (Ich bin jetzt bei Kapitel 19)
 

Sonnenblume

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@Renie bin bei Kapitel 48. Die TV-Serie " Der Mann in den Bergen" habe ich nicht gesehen, doch habe ich gleich mal auf Youtube reingeschaut.
Julius verliert mittlerweile Sympathiepunkte bei mir. Kann sich noch jemand an die TV-Serie "Der Mann in den Bergen" (Ende der 70er Jahre) erinnern? Irgendwie hatte ich, wenn ich an Julius gedacht habe, immer Grizzly-Adams vor meinem geistigen Auge gehabt. Doch mittlerweile entfernt sich Julius doch deutlich von diesem Bild. Teilweise kann ich seine Gedankengänge gar nicht mehr verstehen. Er scheint sich seine eigene Realität zu schaffen.
Mir schießen gerade einige Fragen durch den Kopf, die ich gern mit euch, @Sonnenblume und @Helmut Pöll besprechen möchte. Wo seid hr gerade in dem Buch? Ich möchte ungern etwas vorwegnehmen. (Ich bin jetzt bei Kapitel 19)
Julius war zufrieden mit sich und seiner Welt dafür sorgte Hobbes der Hund. Seit dem Tod Hobbes ist alles noch einsamer als schon zuvor mit der er gut zurecht kam. Und die Wut und Verzweiflung macht ihn zu einem anderen Menschen. Für mich gut nachvollziehbar. Aber er sieht eben die Grenze nicht, so groß ist der Verlust von Hobbes.
Sehr interessant ist auch die Erzählung über seinen Vater und Großvater.
 
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Julius verliert mittlerweile Sympathiepunkte bei mir. ...Teilweise kann ich seine Gedankengänge gar nicht mehr verstehen. Er scheint sich seine eigene Realität zu schaffen.....
Mir schießen gerade einige Fragen durch den Kopf, die ich gern mit euch, @Sonnenblume und @Helmut Pöll besprechen möchte. Wo seid hr gerade in dem Buch? Ich möchte ungern etwas vorwegnehmen. (Ich bin jetzt bei Kapitel 19)

Die Gedankengänge von Julius sind auch für mich irgendwann nicht mehr nachvollziehbar, aber dennoch irgendwie in sich stimmig. Das ist ja das gruselige daran. Julius wird ja zum Massenmörder, der aber völlig normal mit dieser Tatsache umgeht, @Renie

Ich bin schon etwas weiter, habe das Buch aber schon im letzten Jahr gelesen, frag also einfach ;).
 
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@Renie
Julius war zufrieden mit sich und seiner Welt dafür sorgte Hobbes der Hund. Seit dem Tod Hobbes ist alles noch einsamer als schon zuvor mit der er gut zurecht kam. Und die Wut und Verzweiflung macht ihn zu einem anderen Menschen. Für mich gut nachvollziehbar. Aber er sieht eben die Grenze nicht, so groß ist der Verlust von Hobbes.
Sehr interessant ist auch die Erzählung über seinen Vater und Großvater.

Das ist mit Sicherheit ein Erklärungsansatz, ich bin mir aber nicht sicher, ob das ausreicht.
Ich habe selten eine Figur erlebt, die so emotionslos ist. Insofern tue ich mich schwer, Wut und Verzweiflung als Ursache für sein Handeln zu verstehen.
 

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Wie ist Julius zu dem geworden, was er ist? Kann man die Ursachen in seiner Kindheit sehen? Es wäre natürlich leicht, sein Verhalten als Folge einer verkorksten Kindheit zu sehen. Ich hatte allerdings nicht den Eindruck, dass das Verhältnis zwischen Vater und Sohn gestört war. Ein Vater, der gern und viel liest und seinen Sohn zum Lesen anregt. Ein Vater, der seinem Sohn das Schießen beibringt - bei uns undenkbar, in anderen Ländern nicht abwegig -, ihm aber auch die Achtung vor dem Leben vermittelt. Mehr erfährt man nicht über die Vater-Sohn-Beziehung. Aber bedeutet dies automatisch, dass Julius in seiner Kindheit keine weiteren Moralvorstellungen vermittelt wurden, bloß, weil sie hier nicht genannt werden?
Mit Rache hat sein Verhalten auch nichts zu tun. Dafür sind seine Opfer zu willkürlich gewählt. Denn wer zuerst schießt und dann erst fragt, ob das Opfer den Hund erschossen hat, dem kann es nicht um gezielte Rache gehen.
 

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Womit ich mich auch schwer tue, ist Julius Fixierung auf seine "Shakespeare-Wörterliste". Ich verstehe nicht, warum er beim Töten Begriffe dieser Liste in seinen Wortschatz einbaut.
Vielleicht weil es ihm leichter fällt, wenn er aus seinem Vorgehen eine Art Theaterstück inszenieren kann. Dann wird sein Amoklauf eine Art Theateraufführung und er ist eine Art Shakespear'scher Held, der sich an den Bösen rächt.

>>Ich habe selten eine Figur erlebt, die so emotionslos ist.
Emotional ist er ja eigentlich schon, nur nicht gegenüber der Kategorie Jäger, die killt er wahllos, @Renie
 

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Vielleicht weil es ihm leichter fällt, wenn er aus seinem Vorgehen eine Art Theaterstück inszenieren kann. Dann wird sein Amoklauf eine Art Theateraufführung und er ist eine Art Shakespear'scher Held, der sich an den Bösen rächt.
@Renie

Die Idee mit der Theaterinszenierung ist interessant. Das habe ich so noch nicht gesehen. Das würde für mich auch erklären, warum Julius sein Gewissen und Schuldgefühle außen vor lassen kann. In seinem Theaterstück bestimmt er schließlich selbst die Regeln und muss sich nicht mit Gefühlen, die seiner Rache im Wege stehen könnten belasten.
 

Helmut Pöll

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Die Idee mit der Theaterinszenierung ist interessant. Das habe ich so noch nicht gesehen. Das würde für mich auch erklären, warum Julius sein Gewissen und Schuldgefühle außen vor lassen kann. In seinem Theaterstück bestimmt er schließlich selbst die Regeln und muss sich nicht mit Gefühlen, die seiner Rache im Wege stehen könnten belasten.
Ja genau. Er tut so, als würde irgendwann der Vorhang fallen und dann ist das Stück vorbei. Interessant wäre zu wissen ob er dieses "Der Vorhang fällt" für sich nicht auch schon längst sieht.
 

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Es gibt eine Stelle, die mir ganz besonders zu denken gibt. Und zwar ist es die, wo Julius Winsome an eine Polizeikontrolle kommt und dann überlegt, ob er nicht umkehren soll, um den Streifenpolizisten zu erschiessen. Dass er die Jäger richtet ist mit der Geschichte um Hobbes noch irgendwie nachvollziehbar. Aber dieser Schritt? Ist das dann die logische Konsequenz von jemandem, der eine Grenze überschritten hat, hinter der er nichts mehr zu verlieren hat?

Oder ist Julius Winsome einer, der gar nicht so friedliebend gewesen ist, wie es auf den ersten Blick scheint und im Grunde nur nie Gelegenheit für Verbrechen hatte.

Ich glaube, dass Julius einfach Angst vor der Entdeckung hat und den Tod des Polizisten als Kollateralschaden ansieht. Im Verlauf der Geschichte hatte ich den Eindruck, dass sich bei Julius ein Verfolgungswahn entwickelt. Es gibt eine Stelle, da überlegt er tatsächlich, ob Claire in sein Leben getreten ist, um ihn zu zerstören. Genauso wie er auch kurzzeitig überlegt, ob Claire den Hund getötet hat. Er verwirft zwar diese Überlegungen wieder, nichtsdestotrotz ist der Gedanke irgendwie entstanden. Ähnlich wird es bei dem Streifenpolizisten gewesen sein. So interpretiert er in das Verhalten des Polizisten, dass er entdeckt worden ist. Da er sich jedoch nicht in seiner Rache bremsen lassen will, ist der Tod des Polizisten ein notwendiges Übel für Julius.
 

Helmut Pöll

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Wie ist Julius zu dem geworden, was er ist? Kann man die Ursachen in seiner Kindheit sehen?.
Im Verlauf der Geschichte hatte ich den Eindruck, dass sich bei Julius ein Verfolgungswahn entwickelt. Es gibt eine Stelle, da überlegt er tatsächlich, ob Claire in sein Leben getreten ist, um ihn zu zerstören. Genauso wie er auch kurzzeitig überlegt, ob Claire den Hund getötet hat.
Das mit dem Verfolgungswahn ist mir auch aufgefallen, @Renie . Ich glaube mittlerweile, dass die Ursachen für sein Verhalten und auch für diesen Verfolgungswahn in seiner abgeschiedenen Lebensweise zu suchen sind. Julius ist ja kein Einsiedler, der sich mit 40 aus dem Geschäftsleben zurückgezogen hat. Er kennt die andere, die "normale" Seite überhaupt nicht, weil er sein ganzes Leben im Wald verbracht hat. Und damit weiß er im Grunde nicht wie andere Leute wirklich ticken, weil er keine Erfahrung im Umgang mit ihnen hat. Sicher ist er auch völlig ungeübt darin mit Krisensituationen umzugehen. Im Wald gibt es diese Krisen nicht. Das Holz könnte ausgehen, ein morscher Baum auf die Veranda krachen - und damit könnte er ja auch umgehen. Mit Leuten, die Hunde erschiessen, kann er nicht umgehen. Deshalb ist seine Reaktion auich so bizarr.
In der Krisensituation zieht er sich auf den Bereich zurück, den er kennt: die Literatur und insbesondere Shakespeare. Und wenn jemand weiß wie mit Schurken umzugehen ist, dann ist es doch sicher er.
 

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