Wenn der Bestseller zum Leben nicht reicht

Helmut Pöll

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[zitat]In Zukunft wird jeder 15 Minuten weltberühmt sein[/zitat]
Dieser Satz, der dem Popkünstler Andy Warhol zugeschrieben wird, stammt tatsächlich ursprünglich von Marshall McLuhan, einem kanadischen Geisteswissenschaftler und Professor für englische Literatur. Luhans Aussage bezieht sich auf die Flüchtigkeit medialer
Aufmerksamkeit, die sich schnell einem anderen, noch interessanteren Objekt zuwendet.

In der Konsequenz bedeutet das beispielsweise, dass auch Autoren, die wir als medial sehr präsent und erfolgreich wahrnehmen, vom Schreiben alleine in der Regel nicht leben können. Die Bestsellerautorin Nina George, deren „Lavendelzimmer“ in 32 Sprachen übersetzt wurde, ist da eine Ausnahme. Im Gespräch mit der FAZ zieht die PEN-Beirätin eine ernüchternde Bilanz.

Selbst Bestsellerautoren könnten heutzutage kaum alleine vom Schreiben leben. Bodo Kirchhoff beispielsweise, der gerade den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, hält zusätzlich Schreibseminare am Gardasee ab. Andere hangeln sich von einer Förderung zur nächsten oder schreiben - im Extremfall - unter Pseudonym auch mal ein pornografisches Werk.

Mehr Infos:
www.faz.net: Überleben als Buchautor: Zur Not einen Porno schreiben
Marshall McLuhan – Wikipedia
 
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Sebastian

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Sehr interessanter Bericht, den habe ich gestern schon mal über Facebook gesehen. Ich denke mal, dass es auch ein großes Problem ist, wenn man "nur" einen Bestseller geschrieben hat. Rein rechnerisch kam dabei ein Gesamteinkommen von rund 94.000 Euro rein, wenn ich mich recht entsinne. Auf den ersten Blick `ne Menge Asche - bis man darüber nachdenkt, dass das nächste Buch sich dann aber auch wieder zumindest gut verkaufen muss, damit dieses nette Polster sich nicht zu schnell verbraucht.
 

Helmut Pöll

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Auf den ersten Blick `ne Menge Asche - bis man darüber nachdenkt, dass das nächste Buch sich dann aber auch wieder zumindest gut verkaufen muss
Hauptberufliche Autoren sind selbständig, dann muss das alles versteuert werden, Krankenversicherung, Rücklagen für die Rente, dann soll die Summe ein paar Jahre reichen, und schon ist der Bestsellerautor beim durchschnittlichen Einkommen eines Angestellten - und das auch nur, wenn er alle paar Jahre einen Bestseller schreibt. Das ist ziemlich ernüchternd.
 
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Helmut Pöll

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Ich bin von den Zahlen im FAZ-Artikel ausgegangen, die einen Bestseller mit 100.000 verkauften Büchern definieren
Ab 100000 spricht man in der Branche wohl auch von Bestseller @Sebastian , @Frank1

Allerdings sind diese Zahlen nicht in Granit gemeisselt, sondern unterliegen auch dem Wandel der Zeit. Die 100000, die FAZ und andere gerne zitieren, sind wohl heute auch die Ausnahme. Manche reden auch ab 25000 verkauften Exemplaren über einen Bestseller. In einem Interview von Deutschlandradio Kultur habe ich den interessanten Satz entdeckt.
[zitat]Wenn man auf diese Liste will, reichen heute 25.000 verkaufte Exemplare. Das waren früher viel mehr. Vor 20, 30 Jahren hätte man 100.000 Exemplare gesagt.[/zitat]
Das ist interessant. Bislang habe ich immer nur bei Indies gehört, dass man viel schneller als früher aus den Top 100 wieder herauskatapultiert wird. Das ist bei den Büchern der Verlage scheinbar nicht anders.

www.deutschlandradiokultur.de: - Wie Charts die Buchbranche steuern
Bestseller – Wikipedia
 
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Frank1

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Ab 100000 spricht man in der Branche wohl auch von Bestseller ...

Allerdings sind diese Zahlen nicht in Granit gemeisselt, sondern unterliegen auch dem Wandel der Zeit. ... Manche reden auch ab 25000 verkauften Exemplaren über einen Bestseller.
Genau das ist nämlich auch ein Problem: Der Begriff ist nicht eindeutig definiert. Ich habe auch schon Meinungen gelesen, dass nur das (und genau das) ein Bestseller ist, was in einer der 'offiziellen' Listen auftaucht. Dazu würde es aber schon reichen, 1 Woche mal auf Platz 100 (oder wie weit die jeweilige Liste reicht) zu stehen und in der nächsten Woche schon vergessen zu sein.
 

Helmut Pöll

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Dazu würde es aber schon reichen, 1 Woche mal auf Platz 100 (oder wie weit die jeweilige Liste reicht) zu stehen und in der nächsten Woche schon vergessen zu sein.
Im Extremfall ist das bestimmt so, @Frank1 . Wenn ein Buch aus irgendwelchen Gründen in einer Woche die Spiegel-Bestsellerliste erklimmt, dann wird der Verlag sofort seinen Aufkleber auf das Cover machen, selbst wenn sich ab Woche 2 überhaupt nichts mehr verkauft.
 

Frank1

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Wobei gerade kleinere Verlage durchaus viele der Einsendungen lesen. Eine Freundin hat bei einem lokalen Krimiverlag Praktikum gemacht und die meiste Zeit die ungefragten Einsendungen durchgesehen, angelesen und sortiert.
Ich denke die Großen bekommen so viele, dass die einfach gar nicht die Kapazitäten haben, da durch zu blicken. Besonders da sehr vieles, was Verlage so bekommen, einfach Mist ist.
 
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Sebastian

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Es gibt aber Ausnahmen! Z.B. 100fans.de

Na ja, 100fans ist ja vom Grundsatz her erstmal nur eine Crowdfunding-Plattform, selbst wenn die MVG dahinter steht. Was da nun gelesen wird und was nicht lasse ich erstmal dahingestellt. Am Ende wird dort den Lesern die Entscheidung darüber überlassen, ob ein Buch veröffentlicht wird oder nicht. Mag ja ein interessantes Prinzip sein, aber ob das wirklich funktioniert? Und wie die Qualität am Ende ist? Mal einfach gerechnet, an Hand eines Buches, welches ich willkürlich aus der Übersicht gezogen habe.

100 Fans sind nötig, um das Buch in den Verlag zu kriegen. Gehen wir von der kleinsten Crowdfunding-Stufe aus: 11,99, sind also Einnahmen von 1199 Euro. Ein freiberuflicher Lektor ballert das Ding zum Günstigstpreis von 3,50 Euro pro Normseite durch, der Einfachheit halber rechne ich 1:1, bei 195 Seiten gehen also 682,50 EUR an den Lektoren (es sei denn, das Lektorat ist in Wahrheit nicht mehr als ein Korrektorat, dann wird's logischerweise günstiger). Cover-Entwurf, auch bei einem Dumping-Designer, der jeden Auftrag braucht, ca. 180 Euro. Sind also noch 336,50 Euro übrig, von denen der Druck, der Satz usw. bezahlt werden müssen. Ob das realistisch ist? Und ob da für den Autoren was übrig bleibt? Am Ende ist das das nicht viel anders als ein DKZ-Verlag, nur drittfinanziert. Meiner Meinung nach.
 
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Am Ende ist das das nicht viel anders als ein DKZ-Verlag, nur drittfinanziert. Meiner Meinung nach.
Sehe ich auch so, @Sebastian . Der Unterschied zu DKZ ist eigentlich nur, dass der Autor die Kosten auf mehrere Schultern verteilen kann. Meine Erfahrung nach ebbt die anfängliche Begeisterung für irgendein Projekt sehr schnell ab, sobald jemand dann persönlich (nicht die anderen ;)) etwas bezahlen soll. Sicher gibt es immer wieder Enthusiasten, die mitmachen, die breite Masse ist es nicht.
Mag ja ein interessantes Prinzip sein, aber ob das wirklich funktioniert?
Ich erinnere mich dunkel an einige solcher Crowdfunding-Projekte in den letzten Jahren, die ich aber alle aus den Augen verloren habe bzw. auch wieder verschwunden sind.
 
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"Am Ende ist das das nicht viel anders als ein DKZ-Verlag, nur drittfinanziert."
Da muss ich die Damen und Herren von 100fans.de in Schutz nehmen. Es ist kein "Pseudoverlag". Über meine Tantiemen kann ich mich nicht beschweren weil ich doppelt so viel ausgeschüttet bekomm vergleichsweise zu jedem anderen Verlag. Die Mehrarbeit für das Crwodfunding darf man natürlich nicht mitrechnen...
 
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"Wobei gerade kleinere Verlage durchaus viele der Einsendungen lesen. Eine Freundin hat bei einem lokalen Krimiverlag Praktikum gemacht und die meiste Zeit die ungefragten Einsendungen durchgesehen, angelesen und sortiert.
Ich denke die Großen bekommen so viele, dass die einfach gar nicht die Kapazitäten haben, da durch zu blicken. Besonders da sehr vieles, was Verlage so bekommen, einfach Mist ist"

Das Verlagswesen ist knallhartes Geschäft!
Mit jedem Buch geht der Verleger ein finanzielles Risiko ein, welches bei größeren Auflagen schnell in die Hundertausende geht... Deswegen nehmen die meisten Verlage keine ungefragt eingesendeten Manuskripte in die Hand sondern bleiben bei altbewährtem!
 
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Helmut Pöll

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Müssen sie ja nicht weil wir dummen Autoren ihnen unser geistiges Eigentum freiwillig hinterhertragen...
Die Verlage sind aktuell in einer relativ bequemen Position. Die Möglichkeiten des Selfpublishing haben zwar für viele Autoren ganz neue Perspektiven gebracht, einen vollen Markt aber noch voller gemacht. Der Buchmarkt ist überschwemmt von Manuskripten. An diesem Überangebot haben natürlich auch die Verlage ihren Anteil.

Ich denke die Großen bekommen so viele, dass die einfach gar nicht die Kapazitäten haben, da durch zu blicken.
Ich kenne mittlerweile einige Verlagsleute und habe auch wieder auf der Messe u.a. darüber gesprochen. Ein konkretes Beispiel: Berliner Verlag, der 10 Bücher im Jahr macht. Unverlangte Manuskripte bekommt er aber 400 im Jahr. Die kann er gar nicht alle sorgfältig sichten. Dazu bräuchte der kleine Verlag 1-2 Vollzeitkräfte, die er sich nicht leisten kann. Oder er legt die Kosten für die zwei Stellen auf die Buchpreise um, dann haben wir aber sofort wieder die Diskussion über zu hohe Buchpreise.
Bei den Großen ist es erstaunlicherweise nicht besser. Auch die sind personell nicht überbesetzt. Manuskripte werden oft von Praktikanten gesichtet oder von externen Mitarbeitern, die man bei Bedarf zukauft. Dafür muss aber immer neu Geld bewilligt werden, wofür sich der Antragsteller durch einen langwierigen bürokratischen Prozess wühlen muss. Am Ende des Tages lassen sie es dann lieber.
 
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Bei mir war es so, dass die Verlage ewig gebraucht haben. Nach 6 Monaten kamen erst die Zu/Absagen da war es aber schon zu spät. Meine Geduld war erschöpft, außerdem steckt man nach Abschluss eines Buches schon mit dem Kopf in den Wolken. Nicht weil man abhebt sondern weil man angefixt ist und gleich mit dem nächsten Machwerk beginnt. es ist ein sehr einnehmendes Hobby :)
 
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