Warum ist die deutsche Gegenwartsliteratur so unglaublich langweilig?

Helmut Pöll

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Ich hab zwar das Thema angefangen, Gegenwartsliteratur und mich aus dem Fenster gelehnt, aber beantworten kann ich die Frage eigentlich nicht. Einmal, weil der Begriff ja schwammig ist...
Ob sie langweilig ist, weiß ich nicht, aber dass DER TURM von Uwe TELLKAMP einfach zu kompliziert für sehr viele Leserinnen und Leser ist, weil sie sich lieber aus der realen Welt in eine Fantasywelt flüchten, das verstehe ich schon.
LITT-ART
 
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parden

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Genau - zuallererst mal die Frage nach der Definition von "Gegenwartsliteratur"! Ich habe den Eindruck, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Die Bücher, die ich darunter fassen würde, sind sehr gemischt - von Favoritenstatus bis zu geht gar nicht. Was verstehen denn "Fachleute" unter dem Begriff?!
 

KaratekaDD

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Ich habe die Artikel erst mal angelesen. BILLER empfinde ich als Frechheit.
"Als Reich-Ranicki im September 2013 starb, endete endgültig das Experiment "deutsch-jüdische Symbiose", dieser hundert Jahre währende Versuch, im romantischen Krähwinkel Deutschland eine neue Tradition des Realismus – literarisch und politisch – zu etablieren. Die Abwesenheit der jüdischen Ruhestörer tut unserer Literatur nicht gut, sie wird immer selbstbezogener, dadurch kraftloser und provinzieller."

WAS SOLL DAS DENN?

Aber, so interessant die Diskussion sein mag, es wird jeder was anderes meinen, denn die Begriffsbestimmung Gegenwartsliteratur ist schwammig. Tellkamp hab ich schon erwähnt. Die Känguru Chroniken von Marc Uwe Kling ist aber auch Gegenwartsliteratur, Was ist denn nun langweilig?
 
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Ui ui, antworte ich, antworte ich nicht ... also Der Turm von Tellkamp hab ich nicht gelesen, ob das Buch schlimm ist hinsichtlich Langweile oder vielleicht auch "kompliziertem" Sprachstil, kann ich nicht beurteilen, aber vielleicht könnten wir dieses Buch mal gemeinsam lesen.;)
Ich lese seit 3 Jahren viele deutsche Debüts und lehne mich mal aus dem Fenster, in dem ich behaupte, dass es oft grauenhaft ist, was ich zu lesen bekomme, mir meine Lebenszeit oft schmerzhaft verkürzt, dann aber wieder -vielleicht 2 von 50 Büchern- so geniale Autoren und Titel über den Weg laufen, dass ich völlig von den Socken bin. Vielleicht sollte ich mal einige hier einstellen. ;)
Letzendlich ist es ein heisses Eisen dieses Thema. Ich weiss leider nicht mehr, wer das mal sagte, aber ich habe mal gelesen, dass "Deutsche Leser hauptsächlich lesen, damit sie zu dieser Zeit ihr Gehirn nicht nutzen müssen!".
Und leider trifft das zu! Und leider geht es nicht um Qualität, sondern um Quantität, also die Verkaufszahlen bei den Verlagen. (daher die formale Stereotypie, was sich gut verkauft, wird gefordert, also vielen Autoren bleibt kein grosser Spielraum).
Ich denke manchmal, wir verblöden beim Lesen! Ausserdem geht es ja auch auf vielen Plattformen darum, möglichst viele Bücher zu lesen, da ist ein anspruchsvolles Buch hinderlich. Man will runterlesen, und ich würde das niemals an Fantasy festmachen! Ein Fantasy-Roman kann deutlich mehr Tiefe und Anspruch haben, als ein Roman aus der Gegenwartsliteratur, es ist nur die Frage, ob ich mich darauf einlasse, sozusagen den Sinn verstehe, oder ob ich auch nur die lustige Geschichte lese.
Das passiert mir ständig, dass in Leserunden die Autoren sich nach Abschluss bei mir melden und etwas sagen wie, ich sei eine der Wenigen, die überhaupt verstanden hätten, was der Sinn der Geschichte war.
Und leider wird in vielen Leserunden mehr über Kochrezepte, das Wetter oder den Garten diskutiert als über den Roman selbst.
So, aber jetzt halte ich meinen Mund!:rolleyes:
 

parden

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Ui ui, antworte ich, antworte ich nicht ... also Der Turm von Tellkamp hab ich nicht gelesen, ob das Buch schlimm ist hinsichtlich Langweile oder vielleicht auch "kompliziertem" Sprachstil, kann ich nicht beurteilen, aber vielleicht könnten wir dieses Buch mal gemeinsam lesen.;)

Je nach Zeitpunkt könnte ich mir das auch gut vorstellen. Uwe (KaratekaDD) könnte dann ja Zaungast sein...
 
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parden

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... ich habe mal gelesen, dass "Deutsche Leser hauptsächlich lesen, damit sie zu dieser Zeit ihr Gehirn nicht nutzen müssen!".

Das ist harter Tobak, finde ich. Sicher gibt es Mainstream-Unterhaltungs-Literatur (Stichwort: Vampire), die sich einfach so runterlesen lässt. Aber es kommt doch darauf an, mit welcher Intention man liest. Und ein wenig ist es glaube ich auch eine Altersfrage. Jedenfalls habe ich in meiner Jugendzeit büchermäßig andere Vorlieben gehabt als heute - und es wandelt sich weiter. Mit der sog. "Literatur" oder "Klassikern" konnte ich damals ehrlich gesagt nichts anfangen. Ich fand einfach "Kino im Kopf" oft schöner als echte Filme. Und ist das nicht legitim? Und "Kino im Kopf" heißt doch wohl schon, dass das Gehirn dabei ganz sicher nicht abgeschaltet ist.
Heute lese ich deutlich häufiger sog. "Literatur" - zuletzt z.B. "In Almas Augen" von Daniel Woodrell, "Im Café der verlorenen Jugend" von Patrick Modiano, "Vogelweide" von Uwe Timm oder "Schwimmen mit Elefanten" von Yoko Ogawa. Dennoch lese ich auch anderes, quer durch (fast) alle Genres. Manchmal ist mir eben eher nach "leichterer Unterhaltung", auch wenn ich anderes durchaus schätzen gelernt habe. Mir geht es nicht um "viel" oder "mehr", aber ich lese nun einmal gerne, und da kommt dann einfach einiges zusammen...
 
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Das ist ja richtig, manchmal lese ich auch gerne leichte Literatur, aber auch nur manchmal, heute morgen habe ich wieder ein Buch angefangen und habe es nach wenigen Sätzen weggelegt. Es war mir so trivial und einfach, ich brauche etwas, das mich fordert, was mich zum Denken anregt oder beschäftigt. Ich sage dazu gerne immer "meinen Horizont erweiter", aber mit dem Begriff bin ich schon so oft angeeckt ... aber leider muss ich sagen, dass doch eine zunehmende Zahl an sog. Trivialliteratur, die so keinen Anspruch an den Leser stellt, in den Geschäften ausliegt oder auch auf gewissen Webseiten präsent ist. Und dann hat man natürlich bei "Nicht-Trivialer" Literatur eine Art Vollbremsung mit Bauchlandung.
Ich vergleiche das mit meinen Lehrbüchern, wenn ich lange nichts gelesen habe, dann strengt es mich an, wenn ich vermehrt Wissenschaftsbücher lese, dann bin ich von vielen Romanen genervt (also da bin ich dann gelangweilt).
Ausserdem sollte man solche Aussagen im weiteren Augenwinkel sehen und nicht nur auf sich beziehen, wenn man nicht angesprochen ist.
 

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Juli Zeh ist Gegenwartsliteratur, aber keineswegs überhochmetzt oder fad. Sie schreibt hochwertige Literatur, vergisst aber nicht, den Leser dabei in Spannung zu halten. Aber meistens ist Gegenwartliteratur trocken, ziemlich öde und, nun, fast steril und leblos. Es wird großer Wert auf ausgesuchte Sprache gelegt, Intellekt und Bezug zur Zeit, politische, gesellschaftlich etc.
An Zeh sieht man, dass man das alles eben auch lesbar und opulenter vermitteln kann.
Subjektive Grüße in die Runde
 
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Helmut Pöll

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1: ...aber vielleicht könnten wir dieses Buch mal gemeinsam lesen.;)

2: -vielleicht 2 von 50 Büchern- so geniale Autoren und Titel über den Weg laufen, dass ich völlig von den Socken bin. Vielleicht sollte ich mal einige hier einstellen. ;)

3: Letzendlich ist es ein heisses Eisen dieses Thema. Ich weiss leider nicht mehr, wer das mal sagte, aber ich habe mal gelesen, dass "Deutsche Leser hauptsächlich lesen, damit sie zu dieser Zeit ihr Gehirn nicht nutzen müssen!".

4: Ich denke manchmal, wir verblöden beim Lesen! Ausserdem geht es ja auch auf vielen Plattformen darum, möglichst viele Bücher zu lesen, da ist ein anspruchsvolles Buch hinderlich. Man will runterlesen, und ich würde das niemals an Fantasy festmachen! ..
Und leider wird in vielen Leserunden mehr über Kochrezepte, das Wetter oder den Garten diskutiert als über den Roman selbst.
So, aber jetzt halte ich meinen Mund!:rolleyes:

zu 1: ja, das könnt Ihr natürlich. Wäre schön. Es gibt hier die Lesecouch, die leider momentan im Dornröschenschlaf liegt. Da kann man sicher gemeinsam auch Tellkamp lesen. Hättest Du Lust das zu moderieren @Reisegepäck ? Außerdem gäbe es die Möglichkeit eine eigene Gruppe zu gründen, in der Gleichgesinnte nur ein bestimmtes Genre gemeinsam besprechen, z.B. Gegenwartliteratur, oder auch Fantasy.

zu 2: bitte, stell diese Bücher hier ein unter "Was liest Du" oder schreib eine Rezension oder stell es im Rahmen des Lesemontag vor. Dafür ist diese Plattform da.

zu 3: "Deutsche Leser hauptsächlich lesen, damit sie zu dieser Zeit ihr Gehirn nicht nutzen müssen!" Ich muss bei solchen pauschalen Aussagen immer schmunzeln. Vermutlich hat das jemand gesagt, der einfach mal wieder in die Schlagzeilen kommen wollte, es mangels wirklicher Substanz aber nicht schaffte, sag ich mal so böse ;) Und der Unsinn kann leider gar nicht so groß sein, als dass ihn die Presse nicht kommentarlos nachbeten und in Umlauf bringen würde.

zu 4: die Qualität der Leserunden hängt natürlich immer davon ab, wie sehr sich die Leser auf ein Buch einlassen bzw. ablenken lassen. Das kann man aber schwer steuern.
 

Helmut Pöll

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Ich habe die Artikel erst mal angelesen. BILLER empfinde ich als Frechheit.

Ach, ich denke man muss nicht jedes Wort von Maxim Biller auf die Goldwaage legen, @KaratekaDD Manches ist ganz lustig, manches einfach schön formulierte, ein wenig sinnfreie Polemik. Er provoziert gerne und schafft es damit zuverlässig in die Schlagzeilen, meistens kurz bevor er ein neues Buch herausbringt.