Von Tuppi, Krawitter und Schweinchen Jo

Klara Bellis

Autor
23. März 2014
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„Klassische Kindergeschichten der DDR“ ist der Untertitel dieses reich bebilderten Vorlesebuchs und als ich es von einer Freundin geschenkt bekommen hatte, ballte sich eine Ladung Vorurteile in meiner Brust zusammen. Ich bin ein „Kind der DDR“ und zwar eines von denen, die nicht der Ostalgie verfallen sind und sich noch dumpf daran erinnern können, das vieles, was in der DDR veröffentlicht wurde, von der Ideologie durchzogen war, was mich damals ziemlich genervt hatte. Deshalb wanderte das Buch auch ganz nach hinten ins Regal. Doch vor ein paar Wochen habe ich es hervorgekramt und meinem Kind daraus vorgelesen, da alle anderen Bücher schon durch- und vorgelesen waren. Und was soll ich sagen? Ich war positiv überrascht. Viele der kleinen Geschichten sind richtige Perlen. Bei der einen oder anderen dachte ich: „Naja, DDR eben.“ Aber das hielt sich sehr in Grenzen.
Bei jeder Geschichte lässt sich der ganz individuelle Schreibstil des Autoren oder der Autorin erkennen. Beim Vorlesen hatte ich oft das Gefühl, dass es den Schreibenden damals richtig Spaß gemacht haben muss, diese kleinen Textschmuckstücke zu formulieren und daran herumzufeilen. Ein Eindruck, den ich bei den modernen Sammlungen von Kindergeschichten zum Vorlesen bisher nicht hatte. Auch wenn dort die Texte von vielen verschiedenen Autoren stammen, klingt im Grunde jeder Text wie der andere. Gut formuliert, vermutlich alle Standards eingehalten, aber ohne Seele und bei fast jedem Text denke ich: „Das kann ich auch. Vielleicht sogar noch besser.“ Bei den Texten aus „Von Tuppi, Krawitter und Schweinchen Jo“ dagegen musste ich beim Vorlesen öfter denken: „Darauf muss man erst mal kommen!“

 
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