Über das „elende Kumpelsystem“ der Literaturkritik

supportadmin

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29. Oktober 2013
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Warum es mit der Literaturkritik seiner Meinung nach bergab geht, das erläuterte der Verleger des Berliner Verbrecher Verlages, Jörg Sundermeier, in einem Sonntagsgespräch mit dem Buchmarkt Magazin.

Laut Sundermeier sei Literaturkritik oft nicht mehr in der Lage sei, komplexe und umfangreiche Bücher angemessen zu würdigen. Als einen der Gründe dafür sieht er ein „elendes Kumpelsystem“ mit Abhänggkeiten. Wenn A also ein nettes Vorwort zum Buch von B schreibe, dann könne dieser A schlecht eine vernichtende Rezension zum selben Buch verfassen.

Seiner Ansicht nach merke man manchen Rezensionen auch an, dass der Rezensent das Werk nur teilweise gelesen oder überflogen habe.

[zitat]Und, ehrlich gesagt, manche festangestellten Literaturkritiker können viel viel mehr über edle Schuhe oder gutes Essen sagen als über die Qualität literarischer Texte. [/zitat]

Zum kompletten, sehr lesenswerten Interview geht es hier.
http://www.buchmarkt.de/content/61191-das-sonntagsgespraech.htm
 
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Sehr auffällig ist auch immer das Zusammenspiel von Rezension und Anzeige. Der Gedanke an ein gewisses Sponsoring liegt dem Leser der Zeitung dann nicht fern.
 
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Sehr auffällig ist auch immer das Zusammenspiel von Rezension und Anzeige. Der Gedanke an ein gewisses Sponsoring liegt dem Leser der Zeitung dann nicht fern.
Naja, das wird wohl so laufen, dass der sehr verehrte Inserent ganz beiläufig anmerkt, dass es toll wäre, wenn zeitgleich mit seiner 5000-Euro-Anzeige eine Rezension des Buches erschiene - und damit meint er, auch wenn es nicht explizit ausgesprochen wird, sicher keinen Verriss.
 

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Ein Verriss würde die Geschäftsbeziehungen sicherlich nicht fördern, @Helmut Pöll , aber selbst eine sehr kritische Rezension ist immer noch willkommener als ein Buch, über das gar nicht gesprochen wird.

Manche Zeitungen und Zeitschriften sind wenigstens noch so diskret und schalten die Anzeige erst in einer der folgenden Ausgaben. Andere haben sie sofort auf der nächsten Seite. Das ist schon sehr offensichtlich.

Ich würde gerne mal wissen, wie die Buchauswahl in den großen Literatursendungen zu Stande kommt. Insbesondere beim Schweizer Literaturclub.

Dort behaupten die Kritiker ja immer, sie hätten den Titel gewählt. Doch ob sie dies völlig frei tun konnten oder aus einer vorgelegten Liste und welche Begleitmaßnahmen ihre Auswahl beeinflusst haben, darüber hat noch keiner gesprochen. Das wäre doch mal ein Interview-Auftrag. Vielleicht sollte man auch einfach mal beim Sender nachfragen? ;)
 

Helmut Pöll

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Dort behaupten die Kritiker ja immer, sie hätten den Titel gewählt. Doch ob sie dies völlig frei tun konnten oder aus einer vorgelegten Liste und welche Begleitmaßnahmen ihre Auswahl beeinflusst haben, darüber hat noch keiner gesprochen. Das wäre doch mal ein Interview-Auftrag. Vielleicht sollte man auch einfach mal beim Sender nachfragen? ;)
Das ist eine wunderbare Idee, @Atalante ;)
 

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Ich würde gerne mal wissen, wie die Buchauswahl in den großen Literatursendungen zu Stande kommt. Insbesondere beim Schweizer Literaturclub.

Dort behaupten die Kritiker ja immer, sie hätten den Titel gewählt. Doch ob sie dies völlig frei tun konnten oder aus einer vorgelegten Liste und welche Begleitmaßnahmen ihre Auswahl beeinflusst haben, darüber hat noch keiner gesprochen.

Och, da die Sonnenfinsternis doch nicht die Welt hat untergehen lassen, habe ich jetzt bei den Schweizern nachgefragt. Ich bin gespannt und freue mich, mal wieder einen Beitrag über Literatursendungen zu schreiben.

Gibt es hier irgendwo eine Diskussion über Literatursendungen, @Helmut Pöll ?