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Rezension The Girls - Emma Cline

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Sakuko, 1. August 2016.

  1. Sakuko

    Sakuko Aktives Mitglied

    Registriert seit:
    27. Juni 2016
    Beiträge:
    852
    Zustimmungen:
    430


    Evie ist 1969 ein Teenager in einer kalifornischen Kleinstadt. Sie hat nur eine Freundin aus Gewohnheit, ihre Eltern sind geschieden, ihre Mutter verbringt lieber Zeit mit neuen Männern und mystischen Heilmethoden. Sie weiß nicht recht wer sie ist und was sie will.
    Dann bemerkt sie die Mädchen, junge Frauen wenig älter als sie in schmuddeligen Kleidern mit unfrisiertem, langem Haar die sich so gar nicht darum scheren, was andere von ihnen denken. Die Essen aus den Mülltonnen der Läden klauen.
    Besonders zu einer, Suzanne fühlt sie sich hingezogen und so endet sie nach einem Streit mit ihrer Mutter auf deren Ranch, einer Art Kommune geführt von dem charismatischen Russell, den alle anbeten, der bald ein Star sein wird.

    Ich muss sagen, die Autorin hat eine ganz besondere Art mit Worten. Sie schreibt sehr bildhaft und eindrücklich, unsentimental und einfühlsam.
    Leider hatte ich auch oft das Gefühl, dass die Sprache zum Selbstzweck wurde und die Geschichte und Charakterausarbeitung der Sprache untergeordnet wurden.

    So fand ich den Beginn der Geschichte noch sehr interessant. Evies Alltag: das Rumhängen mit der Freundin, Anschmachten deren älteren Bruders, eine Mutter die wenig Greifbar ist, der Vater fortgezogen; Sehr viele Drogen, Alkohol, erste sexuelle Erfahrungen. Teenagergedanken mit denen ich mich zum Teil zumindest identifizieren konnte.

    Aber leider bleibt das Buch sehr langsam. Als Evie auf der Ranch landet, ziehen sich das Buch immer länger, statt den Plot etwas anzuziehen; Alltagsausschnitte, Belanglosigkeiten werden thematisiert. Evie wird für mich immer unverständlicher. Ich kann nicht herausfinden was sie an der Gruppe und an Suzanne sieht. Warum sie all diese Dinge mitmacht, wo sie doch selbst sieht, dass einiges Fragwürdig und Unschön ist.

    Es gibt auch praktisch keine direkten Dialoge in dem Buch, alles wird wenn durch Evie nacherzählt oder zusammengefasst. Evie ist der einzige Charakter, der irgendwie emotional greifbar ist, den man verstehen könnte. Alle andern, Suzanne, Russell, die anderen Mädchen, auch Evies Eltern, bleiben schwammig, unverständliche Phantasmen.

    Dagegen kommt das Ende dann sehr rasant daher, fast aus dem Nichts, unerwartet. Auch die Nacherzählungen der schlimmen Taten, die sich Evie wohl aus Büchern und dem Fernsehen zusammen gedichtet hat wirken gegen die unwirkliche, fetzenhafte Darstellung vom Rest des Buches seltsam real und unpassend.

    Ich kann nicht sagen, das mir das Buch gefallen hat. Die Sprache ist gut, aber ich fand das Buch eigentlich zu künstlerisch.
    Es wurde zu wenig Wert auf die eigentliche Geschichte, die Charakterentwicklung, das Pacing gelegt, statt dessen wird die Sprache als Hauptträger hergenommen. Ich fand das sehr anstrengend zu lesen und ich konnte einfach nicht emotional dabei sein, weswegen mich so viele, sicher eigentlich erschütternde, schlimme Stellen absolut kalt gelassen haben.
     
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