Studie: Buchkäufer werden immer seltener

Literaturhexle

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2. April 2017
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Der Börsenverein hat wieder eine neue Studie zum Leserverhalten in Auftrag gegeben, die Ergebnisse stellte die faz.net vor kurzem vor. Dass es für den Buchmarkt schwierig ist vorherzusagen, welche Titel das Rennen machen, ist eine bekannte Tatsache. Was neuerdings Sorgen macht, sind die rund 6,4 Millionen Deutschen, die zwischen 2013 und 2017 gar kein Buch mehr (weder online noch beim Händler um die Ecke) gekauft haben, obwohl sie das zuvor regelmäßig taten. Das entspricht einem Rückgang von 18 Prozent. Nun sind die Nicht-Käufer in der Mehrheit: 2017 gaben nur noch 44% der Deutschen Geld für Bücher aus.
Die Abtrünnigen kommen aus allen Schichten, aus der Stadt und vom Land. Markant ist, dass in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen der Rückgang mit 37% besonders krass ausfällt. Nur die ganz Jungen und die Alten sind ihrem Kaufverhalten treu geblieben.

Befragt, woran es liege, dass sie keine Bücher mehr kauften, gaben die Lesemuffel an, dass die neuen Medien dafür verantwortlich seien. Der chronische Mangel an Zeit und Energie, auch dass man ständig erreichbar sein müsse. Da bleibe man schnell am Smartphone hängen, was die zur Verfügung stehende Zeit kürze.

Entsprechend findet man die ehemaligen Leser immer häufiger im Netz. Dort verführen auch die Streaming-Dienste mit Filmen und Serien für zwischendurch. Für ein Buch braucht man einfach mehr eigene Energie, kann sich nicht einfach berieseln lassen. Auch im gesellschaftlichen Umgang mit anderen sei es viel wichtiger, die angesagten Serien zu kennen als den aktuellen Bestseller.

Wir haben hier schon häufiger ähnliche Themen und Studien diskutiert. Der Untergang des Abend- und Kulturlandes wird natürlich nicht gleich drohen. Aber das breite Angebot an Informationen und Foren im Internet hat meine persönliche Lesezeit mit Sicherheit schon gekürzt. Da leuchtet es mir ein, dass mancher weniger passionierte Leser die Segel völlig streicht.

Wie erlebt ihr die Konkurrenz der neuen Medien zum guten alten Buch?

@Querleserin @Tiram @Leseglück @Helmut Pöll @Sassenach123 @Renie @Momo @Anjuta @Bibliomarie @Buchplauderer @wal.li
und alle Übrigen

http://www.faz.net/aktuell/feuillet...sucht-die-krise-des-buchhandels-15628403.html
 

Tiram

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4. November 2014
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Für mich sind die neuen Medien keine Konkurrenz. Obwohl ich viel Netflix und Amazon Prime schaue. Allerdings hat das damit zu tun, dass ich abends einfach zu müde zum Lesen bin. Während ich noch vor zwei Jahren die Abende mit dem Buch verbrachte, klappt das heute nicht mehr. Man wird nicht jünger.
So lese ich nun morgens und mach abends Handarbeit und bei der Handarbeit schaue ich halt Serien oder Booktuber bei youtube.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass 6,4 Millionen Leseratten abtrünnig geworden sein sollen. Keine Bücher mehr zu kaufen, muss ja nicht unbedingt heißen, keine mehr zu lesen.
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Bei mir sehe ich auch kein verändertes Verhalten. Ich habe schon immer viel gelesen, und dementsprechend oft Bücher gekauft. Der Fernseher läuft seit Netflix und Co nicht öfter. Der Zuwachs an neuen Büchern erscheint mir genauso groß wie eh und eh.
Durch das Internet bekomme ich in meinen Augen teilweise noch mehr Anreize. Ich stolpere ständig über Titel die sich interessant anhören. Meine bevorzugte Lesezeit ist abends, das war schon immer so. Auch wenn mein Internetkonsum über die Jahre gestiegen sein mag, habe ich mir die abendliche Lesezeit erhalten.
Von daher gehöre ich wohl nicht zu den Abtrünnigen......
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Allerdings hat das damit zu tun, dass ich abends einfach zu müde zum Lesen bin.
Das geht mir gerade abends so: Beim Lesen fallen die Augen zu, aber so ein bisschen im Netz rumgeistern, Booktubes schauen, Empfehlungen und Neuerscheinungen checken... - das geht noch. Dafür schaue ich keine Serien, nur ab und an Tatort und regelmäßig Nachrichten. In der Serienwelt bin ich unterbelichtet :D
Durch das Internet bekomme ich in meinen Augen teilweise noch mehr Anreize. Ich stolpere ständig über Titel die sich interessant anhören.
Genau das ist das Tückische, so geht es mir auch. und damit man den heißen Tipp nicht verliert, wandert er (gut für mich) auf die Wunschliste oder (gut für den Buchhandel) ins Regal.
 

Helmut Pöll

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9. Dezember 2013
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Befragt, woran es liege, dass sie keine Bücher mehr kauften, gaben die Lesemuffel an, dass die neuen Medien dafür verantwortlich seien. Der chronische Mangel an Zeit und Energie, auch dass man ständig erreichbar sein müsse. Da bleibe man schnell am Smartphone hängen, was die zur Verfügung stehende Zeit kürze.
Das glaube ich sofort. Wenn ich mir nur mal anschaue, wie viel Zeit manche Leute täglich auf facebook verbringen.. und für alle hat der Tag nur 24 Stunden.
 
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Literaturhexle

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2. April 2017
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wie viel Zeit manche Leute täglich auf facebook verbringen.. und für alle hat der Tag nur 24 Stunden.
Das ist wirkliches "Zeit verbrennen". Ruckzuck ist eine Stunde um. Immer wieder gibt es einen neuen Beitrag, ein Thread, der dich wieder woanders hinführt...
Und oft bleibt nicht mehr übrig, als wenn du Nachmittags-TV im Privatfernsehen geschaut hättest...:confused:
Aber: Es entspannt ;)
 

Helmut Pöll

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ch kann mir gar nicht vorstellen, dass 6,4 Millionen Leseratten abtrünnig geworden sein sollen. Keine Bücher mehr zu kaufen, muss ja nicht unbedingt heißen, keine mehr zu lesen.
Einmal das, man kann ja auch immer bequemer ausleihen. Zum anderen kann der eine oder andere auch Selfpublishertitel lesen, die in dieser Statistik ja nie auftauchen.
Dass Leute, die immer viel gelesen haben, plötzlich damit aufhören, kann ich mir auch schwer vorstellen. Vermutlich sind das eher Gelegenheitsleser, die ab und an mal zum Krimi gegriffen haben und dann jetzt stattdessen lieber eine tolle neue Netflix Serie schauen.

Es wäre aber schon interessant zu erfahren, wie diese 6 Millionen zustandekommen.
 

Helmut Pöll

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Wenn ein Tischler keine Tische mehr verkauft dann müsste er sich vieleicht fragen, ob er irgendetwas an seinen Tischen ändern muss. Wie oft habe ich beispielsweise gehört, dass die Fernsehzuschauer in ihrer Masse keine anspruchsvollen Serien mögen, weshalb sie auch nicht produziert wurden. Dann kam Netflix und ist genau mit diesen anspruchsvollen Serien, die angeblich niemand wollte, durchgestartet.
 
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