Schüler als Literaturjury

Helmut Pöll

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Viele Literaturpreise werden von einer oft hochkarätigen Jury vergeben.

Die Franzosen sind mit ihrem Jugendliteraturpreis einen ganz anderen Weg gegangen. Weil sie ihrem Nachwuchs Literatur wieder nahebringen wollen wird den Jugendlichen kein von einer renommierten Jury preisgekröntes Jugendbuch vorgesetzt, sie selber sind die Jury.

Jedes Jahr diskutieren 2.000 Schüler im Unterricht miteinander über ihre Buch-Favoriten und vergeben gemeinsam den französischen Jugendliteraturpreis, den "Prix Goncourt des lycéens". Das kommt an. Nicht nur bei den Jugendlichen.

Das alljährlich von der Schülerjury ausgezeichnete Werk verkauft sich anschließend in Frankreich in der Regel doppelt so gut wie der Preisträger des angesehensten französischen Literaturpreises, des Prix Goncourt.

info.arte.tv: Frankreichs Jugend im Lesefieber

Ich bin über mein aktuelles Buch auf den Preis gestossen, das 2009 ausgezeichnet wurde
Buchinformationen und Rezensionen zu Der Club der unverbesserlichen Optimisten von Jean-Michel Guenassia
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und werde mir jetzt mal die Liste ansehen. Da findet sich bestimmt etwas für eine Leserunde.
 

Helmut Pöll

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9. Dezember 2013
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Das sind die Preisträger der letzten fünf Jahre.

2016
Buchinformationen und Rezensionen zu Kleines Land: Roman von Gaël Faye
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2015

2014
Buchinformationen und Rezensionen zu Charlotte: Roman von David Foenkinos
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2013
Buchinformationen und Rezensionen zu Die vierte Wand: Roman von Sorj Chalandon
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2012
Buchinformationen und Rezensionen zu Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joël Dicker
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Literaturhexle

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2. April 2017
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Interessant!
Über Harry Quebert müssen wir nichts mehr sagen, gell? Der war einfach zu gut!
Delphine de Vigan hatte ich zumindest schon in der Hand, die Geschichte klingt sehr fesselnd und psychologisch interessant. "Charlotte" hatte ich begonnen und weg gelegt. Der Schreibstil war so gar nicht meins. Ich meine, nur ganz kurze Sätze- es war irgendwie besonders...

Die Grundidee, dass Jugendliche ihren Preisträger selber ermitteln, finde ich gut. Die Herangehensweise ist einfach anders. Letztlich soll die Jugend zum Lesen motiviert werden, das schafft man nicht unbedingt mit "Meisterwerken".

Ich meine aber, beim deutschen Jugend Literaturpreis gibt es auch eine Kategorie, den die Jugendlichen Juroren bestimmen. Bei uns in der Bibliothek hängt immer ein Poster mit allen Gewinnern aus und ich bin sicher, daß schon gesehen zu haben.
 
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Sakuko

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27. Juni 2016
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Die Idee ist gut, aber... sind das Jugendbücher? Die, die ich erkenne, sind doch Erwachsenenliteratur. Das wäre jetzt nicht repräsentativ für das, was die Jugendlichen in meinem Umfeld so an Literatur wählen.
 

Helmut Pöll

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Die Idee ist gut, aber... sind das Jugendbücher? Die, die ich erkenne, sind doch Erwachsenenliteratur.
Das habe ich mich auch gefragt, @Sakuko . Vermutlich sind die Übergänge fließend. Harry Quebert ist ja ganz eindeutig kein Jugendbuch. Aber vielleicht kommen einfach alle Bücher zur Abstimmung, die Jugendliche lesen.
 

Sakuko

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Natürlich ist das relativ fließend, aber ich denke mir wenn bei so einer Aktion die 2000 Schüler genommen werden, die am meisten Interesse an Literatur haben, auf hohem Niveau lesen etc, dann kommt das Ergebnis zwar sehr elitär daher, aber ist vielleicht für den Durchschnittsleser in dem Alter nicht so ideal. Deswegen ist es ja ein Jugendliteraturpreis und nicht einfach ein Buchpreis.
 

Literaturhexle

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Ich habe es gefunden:
Deutscher Jugendliteraturpreis
Also in Deutschland handelt es sich auch beim Preis der Jugendjury um Jugendbücher.
Bei den benannten aus Frankreich gebe ich @Sakuko recht, eher um das, was zumindest bei uns als Erwachsenenliteratur gilt. Andere Länder, andere Sitten;)
 

Literaturhexle

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Ein Literaturpreis zeichnet aber IMMER besonders wertvolle Bücher aus- in jeder Altersgruppe. Die Preisträger sind selten das, was der breiten Masse gefällt oder dem Mainstream entspricht. Das geht für mich aber völlig in Ordnung. Für die anderen Leser gibt es schließlich noch diverse Foren oder Bestsellerlisten als Entscheidungskriterien. Die wenigsten Leser orientieren sich an Preisträgern- junge wie alte.
 
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Sakuko

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Die Preisträger sind selten das, was der breiten Masse gefällt oder dem Mainstream entspricht.
[...]
Die wenigsten Leser orientieren sich an Preisträgern- junge wie alte.

Ich dachte genau das sind die Punkte, die man mit diesem Konzept hier ändern wollte? Relevanter für die Zielgruppe zu sein.

Warum Schüler als Jury hinstellen, wenn das Ergebnis dann genau so aussieht wie jeder Buchpreis für Erwachsene?
 

Literaturhexle

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Es sieht ja nicht genauso aus @Sakuko . Zumindest für den deutschen Preis kann ich das sagen. Vor ein paar Jahren habe ich manch Nominierten für den Preis der Jugendjury (hier Bsp. 2012) selbst gelesen.
Buchinformationen und Rezensionen zu Forbidden von Tabitha Suzuma
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Buchinformationen und Rezensionen zu Sieben Minuten nach Mitternacht: Roman von Patrick Ness
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Buchinformationen und Rezensionen zu Der Märchenerzähler von Antonia Michaelis
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Das waren alles Bücher, die du als (junger) Erwachsener gut lesen kannst, sie haben aber alle eine gewisse Tiefe.
Das ist nicht für alle was! Buchreihen wie "Twilight", "Harry Potter" und wie sie alle heißen, sprechen ein viel breiteres Publikum an. Sie sind auch toll und haben ihre Berechtigung. Bekommen aber eben keinen Buchpreis.
Dennoch glaube ich, dass der Preis der Jugendjury trotzdem noch deutlich mehr lesendes Publikum hat als der der Fachjury.
 
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Sakuko

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Das widerspricht sich ja nicht. Ich denke gar nicht, das man Preise an den kleinsten gemeinsamen Nenner vergeben sollte.
Sondern genau was du sagst, Bücher für Jugendliche, die die meisten gut lesen und verstehen können, die auch schwierigere Themen ansprechen, nicht seicht sind, aber auch nicht belehrend, tiefgreifend ohne zu erschlagen.

Aber vielleicht kann man das als Erwachsener gar nicht mehr einschätzen, was passt, sondern legt wieder eine eigene Erwartungshaltung drüber, was Teenager lesen wollen und sollten.
Keine Ahnung. In dem Alter habe ich Jane Austen und Tennyson gelesen.
 

Literaturhexle

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Aber sei ehrlich, du hast damit nicht dem Durchschnitt entsprochen;)
Meine Kinder haben bis zum Alter von ca. 15-16 echt viel gelesen. Querbeet. Aber nichts in der besagten Richtung. Der Sohn mochte es spannend (warrior cats, später die Reihe Top Secret und jede Menge Fantasy) und die Tochter jede Menge Mädchen-Fantasy a la Julie Kagawa....

Ich war froh, dass sie überhaupt lasen. Mehr als der Durchschnitt und trotzdem nur zur Entspannung. Ohne tief schürfende Problematik. Aber wie gesagt: alles hat seine Rechtfertigung und ich erfreue mich an der Vielfalt.
 

Helmut Pöll

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Natürlich ist das relativ fließend, aber ich denke mir wenn bei so einer Aktion die 2000 Schüler genommen werden, die am meisten Interesse an Literatur haben, auf hohem Niveau lesen etc, dann kommt das Ergebnis zwar sehr elitär daher, aber ist vielleicht für den Durchschnittsleser in dem Alter nicht so ideal.
Ja gut, das stimmt natürlich. Die 2000 Schüler werden vermutlich wirklich die sein, die sich auf Bücher einlassen wollen und gerne lesen. Das Ergebnis ist tatsächlich auf hohem Niveau, aber das halte ich auch für in Ordnung.

Für Schüler, die sich nicht so für Literatur interessieren und sich auch nicht darauf einlassen wollen, funktioniert das Konzept vermutlich auch nicht.
 
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Literaturhexle

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[QUOTE="Sakuko, post: 38422, member:QUOTE]

Aber vielleicht kann man das als Erwachsener gar nicht mehr einschätzen, was passt, sondern legt wieder eine eigene Erwartungshaltung drüber, was Teenager lesen wollen.[/QUOTE]


Da hast du unbedingt recht!
Wer sich nicht damit beschäftigt, liegt oft komplett daneben!
Zum Piepen, was wohl meinende Tanten und Omas aus den Buchladen schleppen und was bei den Beschenkten dann ungelesen im Regal verstaubt...
 

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