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Robert Menasse und die optimierte Wirklichkeit

Dieses Thema im Forum "News aus der Buchwelt" wurde erstellt von Helmut Pöll, 7. Januar 2019.

  1. Helmut Pöll

    Helmut Pöll Moderator

    Registriert seit:
    9. Dezember 2013
    Beiträge:
    5.684
    Zustimmungen:
    6.352
    Die schreibende Zunft hat schon ruhigere Zeiten erlebt als diese. Der Vorwurf: sie nimmt es mit der Wahrheit manchmal nicht mehr so genau, wenn die überarbeitete Wahrheit die schönere und passendere Erzählung bietet. Jüngster und aufsehenerregendster Fall ist der des preisgekrönten Spiegel-Journalisten Claas Relotius, in dessen Reportagen Wirklichkeit und Belletristik eine neuartige Verbindung eingegangen sind.

    Um die Frage, ob man Fiktives einfach als Faktisches ausgeben darf, drehen sich aber auch die Vorwürfe gegen den österreichischen Autor Robert Menasse. Der überzeugte Europäer Menasse war 2017 für "Die Hauptstadt", einen Roman über die EU-Kommission, mit dem deutschen Buchpreis geehrt worden.

    Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" hat Menasse in Essays und Reden Zitate des früheren rheinland-pfälzischen Europapolitikers Hallstein erfunden. "Die Abschaffung der Nation ist die europäische Idee!", zitiert der Autor Menasse den Politiker Hallstein. Diese und einige weitere Äußerungen Hallsteins sind so aber nie gefallen.

    Weiterhin behauptete Menasse, EWG-Präsident Walter Hallstein habe seine Antrittsrede im KZ-Auschwitz gehalten, dort also, wo für jedermann sichtbar sei, wohin der Nationalstaat führen könne. Eine Lüge, wie die FAZ vor einigen Tagen aufdeckte. Die angesehene Neue Zürcher Zeitung sekundierte der Welt. "Robert Menasse verdreht für seine politische Agenda die Wirklichkeit", titelten die Schweizer.

    Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Menasse prüft die rheinland-pfälzische Staatskanzlei nun, ob der Autor tatsächlich am 18. Januar die Carl-Zuckmayer-Medaille erhalten soll, die „für Verdienste um die deutsche Sprache und um das künstlerische Wort“ verliehen wird.

    Mehr Infos:
    https://www.faz.net/aktuell/feuille...hwitzer-hallstein-rede-erfunden-15967837.html

    Hallstein-Rede in Auschwitz?: Der Bluff des Robert Menasse

    Mehrfach behauptete der österreichische Schriftsteller Robert Menasse: Walter Hallstein, Begründer der europäischen Kommission, habe in Auschwitz gesprochen. Nun hat ein Historiker die Lüge aufgedeckt.
    faz.net

    https://www.nzz.ch/feuilleton/wird-...sse-wird-man-doch-so-sagen-duerfen-ld.1449192

    Robert Menasse: «Wird man doch so sagen dürfen!»

    Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse verdreht für seine politische Agenda die Wirklichkeit. Das geht bis zur Verschwörungstheorie.
    nzz.ch

    https://www.faz.net/aktuell/feuille...zuckmayer-medaille-fuer-menasse-15972369.html

    Nach erfundener Auschwitz-Rede: Rheinland-Pfalz überprüft Ehrung, Menasse hält Aufregung für „künstlich“

    Robert Menasse hat Walter Hallstein eine Rede in Auschwitz angedichtet. Jetzt wird diskutiert, ob der Schriftsteller wie geplant die Carl-Zuckmayer-Medaille erhalten soll. Der Buchpreisträger von 2017 reagiert.
    faz.net
     
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  2. KrimiElse

    KrimiElse Aktives Mitglied

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    Ich sehe das ein wenig differenzierter. Natürlich müssen ausgewiesene Zitate auch dem Wortlaut nach so gesagt worden sein, sofern sie tatsächlich als Zitat angegeben wurden.

    Doch wer hat ernsthaft geglaubt, daß eine Antrittrede zur Gründung einer westeuropäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahr 1958 auf dem Gebiet eines von der Sowjetunion kontrollierten und von Deutschland abgespaltenen Staates stattgefunden haben soll, auch wenn damals noch keine Mauer bestand und die Grenzen offen waren? Für mich ist das auf den ersten Blick eine zwar äußerst zweifelhafte, aber durchaus gewollt durchschaubare Provokation.

    Ich muß die Artikel und die Reden und Essays von Robert Menasse dazu genauer unter die Lupe nehmen, danke dir für diesen Beitrag, das ging bisher an mir vorbei.
     
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