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Rezension Rezension (5/5*) zu Unsere Seelen bei Nacht von Kent Haruf.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Mikka Liest, 1. März 2019.

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  1. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    14. Februar 2015
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    Kein Liebesroman, aber eine Geschichte voller Liebe

    Kent Haruf vollendete dieses Buch mit Hilfe seiner Frau Cathy im Jahr 2014, kurz bevor er im Alter von 77 Jahren einer Lungenerkrankung erlag. Tatsächlich verstarb er nur eine Woche, nachdem der Verlag Pan MacMillan von seiner Frau das Manuskript erhielt; veröffentlicht wurde es 2015 posthum.

    Ein letztes Geschenk an seine Leser und sicher sein persönlichstes Werk.

    »Ich werde ein Buch über uns schreiben«, sagte er im April 2014 zu Cathy. Ein Buch, in dessen Zentrum etwas stehen sollte, was er als seine liebste Erinnerung betrachtete: ihre nächtlichen Gespräche, während sie sich an den Händen hielten – ein Buch über die Liebe in ihrer reinsten Form.¹

    Und so geht es auch in “Unsere Seelen bei Nacht” um zwei alte Menschen, die nachts das Bett miteinander teilen und reden, während sie sich an den Händen halten. Sie sind jedoch nicht miteinander verheiratet, sondern verwitwet. Zusammengebracht hat sie ihre Einsamkeit, und in ihren nächtlichen Gesprächen finden sie einen neuen Lebenssinn.

    Der Autor erzählt das ohne Rührseligkeit, bar jeden Kitsches.
    Glück und sogar bescheidene Zufriedenheit sind immer nur eine Haaresbreite entfernt von Verlust und menschlicher Missgunst, und auch das wird ohne Pathos erzählt. All das, spürt der Leser, ist einfach Teil des Lebens – das eine wäre nicht wahrhaftig und glaubhaft ohne das andere.

    Wenn sich jedoch eines über die Charaktere sagen lässt, dann dies: sie harren aus, sie halten durch, sie verteidigen ihr Glück ohne unrealistische Erwartungen und dennoch voller stillen Mutes.

    Sie werden mit sparsamem Strich gezeichnet, reduziert auf das absolut Wesentliche, und entwickeln dennoch eine ungemeine Lebendigkeit und Tiefe.

    Man gewinnt den Eindruck, dass Kent Haruf nur einen winzigen Teil ihrer langen Geschichte erzählt – dass es ein Davor und Danach gibt, an denen er den Leser nicht direkt teilhaben lässt. Und darin liegt eine gewisse Hoffnung.

    Ich habe bisher drei seiner Bücher gelesen, und ihnen allen war diese grandiose Sparsamkeit anheim, diese exquisite Kargheit – das gilt nicht nur für die Charaktere, sondern auch für den Schreibstil an sich.

    Kein Wort zuviel, aber auch kein Wort zu wenig, das entwickelt eine wunderbare zarte Poesie.

    In “Die Seelen der Nacht” sind Charaktere und Schreibstil noch deutlicher auf das Wesentliche reduziert als in seinen anderen Büchern, was sicher auch daran liegt, dass ihm nur wenige Monate blieben, um es fertigzustellen, statt mehrerer Jahre.

    FAZIT

    Zwei verwitwete alte Menschen tun sich zusammen, weil sie die Einsamkeit nicht mehr aushalten. Jede Nacht teilen sie das Bett, und doch geht es dabei nicht um Sex – sie verbringen die Nacht im Gespräch. Dennoch stößt die Beziehung der beiden auf Widerstand….

    Tragischerweise erlebte Kent Haruf die Veröffentlichung des Buches nicht mehr, aber er hinterließ damit nicht nur seiner Frau ein großes Geschenk, sondern auch dem Leser. Das Buch liest sich wie eine Komprimierung all dessen, was sein Werk ausmacht, was besonders für die ruhige Schlichtheit der Sprache gilt.


     
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