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Rezension Rezension (5/5*) zu Unsere Seelen bei Nacht von Kent Haruf.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Momo, 13. Februar 2018.

  1. Momo

    Momo Platin Mitglied

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    Beiträge:
    914
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    Autor bricht Tabus

    Was für ein schönes Buch, auch wenn mich die Thematik am Ende sehr nachdenklich und traurig gestimmt hat.

    Es ist eine recht dünne Lektüre, die schnell ausgelesen ist.

    Die Handlung spielt in Holt, eine Kleinstadt von Colorado.

    Addie Moore, eine alte Dame von siebzig Jahren, ist Witwe und lebt allein in ihrem Haus. Sie hatte zwei Kinder, doch ein Kind, ein Mädchen, verunglückte mit elf Jahren bei einem Verkehrsunfall, als es draußen auf der Straße mit ihrem fünfjährigen Bruder Gene spielte. Conny war der Liebling ihres Vaters. Und als das Mädchen starb, hatte der kleine Gene die ganze Trauer abbekommen, aus der sich der Vater nie ganz erholen konnte, und somit verlor Gene nicht nur seine geliebte Schwester, symbolisch gesehen auch seinen Vater. Gene hatte dadurch ein seelisches Trauma entwickelt, zum einen, weil seine Schwester verunglückte und er dabei Schuldgefühle entwickelte, und zum anderen, weil der Vater mit dem Tod seiner Tochter aufgehört hatte, seinen Sohn zu lieben …

    Man erfährt noch etwas über die Ehe zwischen Addie und ihrem Mann, Details hierzu sind dem Buch zu entnehmen.

    In Addies Nachbarstadt lebt der pensionierte Lehrer Louis Waters, auch Witwer. Seine Kernfamilie bestand aus einer Tochter namens Holly und seiner Frau Diana. Louis hatte sich, als seine Tochter noch klein war, in eine andere Frau namens Tamara verliebt, auch Lehrerin von Beruf und fing mit ihr ein Verhältnis an, das so stark war, dass Louis seine eigene Familie verlassen musste, um zu dieser Frau zu ziehen, die sich wiederum von ihrem Mann getrennt hatte. Louis versuchte der Tochter dieser neuen Frau ein guter Vater zu sein, und ab hier schalteten sich bei ihm sämtliche Alarmglocken ein. Ihm wurde bewusst, dass während er dem fremden Kind ein guter Vater sein wollte, würde er seine eigene Tochter vernachlässigen. Somit zog er wieder zu seiner Familie und verließ Tamara, weil er keine Lust hatte, so viele Menschen durch diese Beziehung zu verletzen.

    Von diesen und anderen Geschichten erfährt man, als Addie und Louis eine recht außergewöhnliche Beziehung in der Nacht eingehen. Unsere Seelen bei Nacht, ein getroffener Buchtitel, bekommt erst eine Figur, wenn man das Buch gelesen hat.

    Addie fühlt sich einsam, sehnt sich besonders in den Nächten, die durch die Stille recht lang wirken, einen Freund. Addie konnte vor lauter Einsamkeit nicht schlafen, wegen der vielen Gedanken, die sie beschäftigten.

    Sie entwickelt eine Vision. Sie besucht Louis, und unterbreitet ihm den Vorschlag, die Nächte bei ihr im Bett zu verbringen, ohne an Sex zu denken. Eine mutige alte Dame ...

    Für Louis ist Addies Beziehungsidee recht außergewöhnlich, ist ihr aber nicht abgeneigt und sagt zu. Und somit verbringt Louis seine Nächte bei Addie im Bett, und so erzählen sie sich gegenseitig aus ihrem vergangenen Leben …

    Es gibt Gerede in der Nachbarschaft, aber Addie kümmert sich nicht darum. Sie scheint eine patente Frau zu sein, die sich überhaupt nichts um das Geschnatter anderer Leute macht...

    Dass die beiden ihre Nächte zusammen verbringen, verbreitet sich wie ein Lauffeuer, das bis zu Addies Sohn dringt … Gene hat allerdings eigene Probleme mit seiner Frau. Dadurch, dass er sein Kindheitstrauma nicht aufgearbeitet hat, leidet seine Familie darunter, vor allem der kleine Sohn Jamie. Gene hat auch beruflich wenig Erfolg, zapft immer wieder an den Ressourcen seiner Mutter an.

    Genes Frau zieht aus, und er wird mit dem Kleinen alleine nicht fertig, und bringt ihn gegen den Willen des Jungen für mehrere Wochen zu seiner Mutter. Jamie sehnt sich nach seinen Eltern … Addie tut alles für den Enkel, damit er sich wohlfühlt. Das Kind findet so langsam Zugang auch zu Louis. Es entsteht eine Freundschaft zwischen ihnen, da Louis, Addie und das Kind viele Dinge unternehmen, die dem Jungen Freude bereiten …

    Nachdem Gene und seine Frau wieder zusammengefunden haben, holt er sein Kind zurück. Zu Hause erfährt er von ihm, dass Louis die Nächte im Bett der Großmutter zugebracht hat, und er zwischen Addie und Louis gelegen hatte,da er so ängstlich war, alleine im fremden Bett zu schlafen. Das ist für Gene skandalös und verbietet seine Mutter, sich weiterhin mit Louis zu treffen, und erpresst sie. Sollte sie sich für Louis entscheiden, dürfe sie ihren Enkel nicht mehr wieder sehen ...


    Mein Fazit?

    Ein gesellschaftskritischer Roman, der zum Nachdenken anregt. Wer diktiert wem, was man zu tun oder zu lassen hat? Es sind gesellschaftspolitische Erwartungen, die zu erfüllen sind, von dem auch ältere Menschen nicht verschont werden.
    Deshalb hat der Autor ein sehr wichtiges und kritisches Thema angeschnitten, das uns alle angeht, aber in der Gesellschaft ein absolutes Tabuthema ist.

     
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