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Rezension Rezension (5/5*) zu Todesfrist: Thriller von Andreas Gruber.

Dieses Thema im Forum "Krimis & Thriller" wurde erstellt von Mikka Liest, 3. April 2019.

  1. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

    Registriert seit:
    14. Februar 2015
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    »Sehen Sie diese drei Finger? Drei Sätze! Schaffen Sie das?«

    Nach heutigen Standards kann oder mag man sich gar nicht mehr vorstellen: ein renommierter Arzt und Psychiater, der als erster Vertreter der Jugendpsychiatrie in Deutschland galt, auch in der Armenklinik tätig war und selber Kinder hatte, veröffentlichte 1844 ein Bilderbuch, in dem Kinder auf vielfältig Weise grausam zu Tode kommen, verstümmelt werden oder anderweitig zu Schaden kommen. Sie verbrennen, verhungern, werden von Hunden gebissen oder bekommen die Daumen abgeschnitten.

    Die Rede ist natürlich von Heinrich Hoffmann und seinem umstrittenen Klassiker “Struwwelpeter”. Zwar kann man das Buch nicht einfach so im Licht heutiger Pädagogik sehen, dennoch wirkt es auf den heutigen Leser unnötig grausam.

    Andreas Gruber geht da noch einen Schritt weiter: sein Killer nimmt das Buch als Vorlage…
    …allerdings sind seine Opfer keine Kinder, sondern Erwachsene.

    Alleine für diesen Einfall verdient das Buch schon Pluspunkte für Originalität, doch das verblasst geradezu neben der geballten Wunderlichkeit und sarkastischen Brillanz des männlichen Protagonisten: Maarten Sneijder.

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    M.S.S.: »Maarten S. Sneijder, wenn ich bitten darf. Und das hier dauert bedauerlicherweise wohl länger als drei Sätze?«

    Mikka: »Kann ich diese Rezension bitte ohne Einmischung weiterschreiben?«

    M.S.S.: »Ob Sie das können, bezweifele ich doch sehr.«

    Mikka: »Sehen Sie diese drei Finger? Drei Minuten Klappe halten! Schaffen Sie das?«
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    Ja, das S ist wichtig, und das lässt er auch niemanden vergessen – wofür das Initial steht, ist allerdings paradoxerweise sein Geheimnis. Sneijder ist hochintelligent, macht sich durch seine schroffe Art jedoch nur wenige Freunde: er ist nicht nur ätzend sarkastisch, sondern lässt sein Gegenüber auch deutlich spüren, was er von ihm hält – meistens nicht viel. Regeln und Umgangsformen? Das ist was für Leute, die die Wahrheit nicht aushalten können.

    Er leidet unter unerträglichen Clusterkopfschmerzen, weswegen er sich oft zwei Akupunkturnadeln in die Hände steckt, und raucht Joints, um einen besseren Draht zur Gedankenwelt des Mörders zu bekommen.

    Kurz gesagt: Maarten S. Sneijder ist eine Nummer für sich – und ich liebe ihn.

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    M.S.S.: Ich gebe hiermit zu Protokoll, dass das Gefühl nicht erwidert wird.

    Mikka: Das waren keine drei Minuten.
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    Doch man kann sich im Verlaufe des Buches des Gedankens nicht erwehren, dass er unter all dem Stacheltiergehabe eigentlich gar nicht so übel ist. Zu dem Schluss kommt auch die junge Ermittlerin Sabine Nemez, die von Sneijder… Naja, herumkommandiert wird – man könnte aber auch sagen, unter die Fittiche genommen. Irgendwie.

    Sie ist ein sehr starker Charakter und passt perfekt zu Sneijder, die beiden ergänzen sich wunderbar. (Was wohlgemerkt nichts mit Romantik zu tun hat, denn Sneijder ist schwul.) Sie steht ihm in Intelligenz nicht nach und ist willens, Wagnisse einzugehen – wie das Wagnis, mit Sneijder zusammenzuarbeiten.

    Dass die Geschichte originell ist, habe ich schon erwähnt…

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    M.S.S.: Hat es dann einen besonderen Grund, warum Sie sich endlos wiederholen?

    Mikka: Immer noch keine drei Minuten.
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    …und sie ist großartig konstruiert.

    Die Handlung ist komplex, hat tolle Wendungen und verfällt nie in Klischees, sondern spielt höchstens damit. Und das ist nicht nur todspannend, sondern einfach rundum unterhaltsam — wobei Sneijder für mehr Humor sorgt, als ihm selber wahrscheinlich recht wäre.

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    M.S.S.: Korrekt.
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    Zuletzt noch ein paar Worte zum Schreibstil…

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    M.S.S.: Sie haben ja keine Ahnung, wie froh mich das Wort “Zuletzt” stimmt.
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    Der Schreibstil ist fantastisch, und Andreas Gruber schreibt einfach mit Biss und Humor, ohne das dabei die Spannung flöten geht.

    FAZIT

    Wer Thriller liebt, einer Prise Humor nicht abgeneigt ist und Maarten S. Sneijder noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen. Dieses Mal bekommt der misanthropische niederländische Ermittler es zusammen mit der Münchner Kommissarin Sabine Nemez mit einem Mörder zu tun, der ein altes Kinderbuch als Vorlage für seine Taten nimmt, und das ist so originell wie spannend – und es macht einfach Spaß, Sneijder dabei zuzusehen, wie er halt Sneijder ist.


     
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  2. ElisabethBulitta

    ElisabethBulitta Aktives Mitglied

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    Sehr schön. Das Buch muss ich mir merken. Danke für den Tipp!
     
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