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Rezension Rezension (5/5*) zu Niemand weiß, dass du hier bist: Roman von Nicoletta Giampietro.

Dieses Thema im Forum "Historische Romane" wurde erstellt von MRO1975, 3. April 2019.

  1. MRO1975

    MRO1975 Aktives Mitglied

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    Wahre Freundschaft ist unbezahlbar

    Siena im Jahr 1942. Noch hat der Krieg die Stadt nicht erreicht, noch träumen die italienischen Faschisten vom Sieg. Zu den Träumern gehört anfangs auch der Junge Lorenzo. Er ist 12 und hat den größten Teil seiner Kindheit in Tripolis verbracht. Als sein Vater - obwohl kriegsuntauglich - als Offizier eingezogen wird, wird Lorenzo zu seiner Tante Chiara und seinem Onkel Nonno nach Siena geschickt. Die Mutter bemüht sich in Rom und Tripolis um eine Versetzung ihres Mannes.

    Lorenzo freundet sich zunächst mit dem Nachbarsjungen Franco an. Franco und seine Familie sind glühende Faschisten und Lorenzo fühlt sich von ihnen angezogen. Doch nach und nach bekommt das Bild von der schönen heilen Faschistenwelt Risse. Ganz langsam und Stück für Stück lernt Lorenzo hinter die Fassade zu sehen, die letztlich völlig in sich zusammenbricht. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Erkenntnis leistet neben seiner Tante Chiara und dem Arzt und Freund der Familie Matteo vor allem sein neuer Freund Daniele.

    Mit Daniele verbinden Lorenzo viele gemeinsame Interessen, mehr als mit Franco. Dass Daniele Jude ist, stört Lorenzo nicht und lässt ihn eher am Dogmatismus der Faschisten zweifeln. Als Lorenzo zufällig erfährt, dass die jüdische Bevölkerung Sienas deportiert werden soll, entschließt er sich daher, Danieles Familie zu warnen. Doch seine Warnung wird nicht ernst genommen. Die Eltern Danieles werden verschleppt - nur Daniele kann fliehen. Lorenzo beschließt, ihn zu verstecken. Dieses Unterfangen stellt sich allerdings als viel schwieriger heraus, als Lorenzo angenommen hatte. Nicht nur muss Lorenzo eine sichere Unterkunft für Daniele finden. Er muss vor allem Nahrung für einen heranwachsenden Jungen auftreiben, ohne das dies jemand merkt. Dies stellt sich als fast unmöglich heraus und die Jungen müssen all ihren Einfallsreichtum aufbieten, um für Daniele Essen zu besorgen.

    Währendessen nehmen die Kriegswirren zu und der Krieg kommt Siena immer näher. Lorenzo wird selbst unmittelbar in Kriegshandlungen verwickelt und lernt, dass es nicht immer einfach ist, Freund und Feind zu unterscheiden.

    Mir gefiel die Geschichte über die Freundschaft der Jungen, und zwar sowohl die zwischen Lorenzo und Daniele als auch die zwischen Lorenzo und Franco. Für beide Freundschaften gibt es gute Gründe und diesen werden anschaulich aus Sicht Lorenzos erzählt. Mit Daniele verbinden ihn gemeinsame Interessen. Franco war dagegen der erste Junge, mit dem er sich in Siena angefreundet hat und Franco hat ihm öfter geholfen. Dass Lorenzo sich zwischen den beiden hin- und hergerissen fühlt, ist daher sehr glaubhaft und gut nachzuvollziehen.

    Interessant und sehr lesenswert fand ich zudem die vielen für mich nicht geläufigen Informationen über den italienischen Faschismus und den Verlauf der letzten Kriegsjahre aus italienischer Sicht. Die Autorin hat viele Hintergrundinformationen geschickt in die Handlung eingebaut, ohne dass man sich dabei belehrt fühlt. Dabei hat sie zudem viel Wert darauf gelegt, alle Beteiligten differenziert darzustellen. Die Partisanen sind nicht alle gut; die Nazis nicht alle schlecht und selbst unter den Bewohnern von Siena gibt es sowohl Widerständler als auch solche, die ihr Fähnlein nach dem Wind hängen.

    Der leichte, sehr bildhafte Schreibstil tut sein Übriges, dass das Buch sich recht schnell wegliest. Die Bilder der Stadt Siena tauchen ohne Probleme vor dem inneren Auge auf.

    Zu kritisieren gibt es daher wenig. Einziger kleiner Minuspunkt ist aus meiner Sicht, dass man zum Schluss hin den Eindruck gewinnt, dass die Autorin etwas zu viel hineingepackt hat. Die eine oder andere Wendung hätte nicht sein müssen und wirkte etwas hineingeschrieben. Den positiven Gesamteindruck schmälert das aber kaum. Daher gibt es von mir 4,5/5 Sternen und eine Leseempfehlung.


     
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  2. KrimiElse

    KrimiElse Bekanntes Mitglied

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    Ich habe das Buch auch hier und freue mich nach deiner Rezi darauf. Ich hatte es mir geholt weil ich wenig vom Italienische. Faschismus weiß und sowas gerne zunächst in einen Roman verpackt lese und dann mehr nachschlage. Das scheint bei diesem Buch gut gelungen zu sein.
     
  3. MRO1975

    MRO1975 Aktives Mitglied

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    Ja, dann wird dir das Buch sicher gefallen. Die italienische Geschichte wird hier mit leichter Hand hineingestrickt und macht Lust auf mehr!
     
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