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Rezension Rezension (5/5*) zu LUCRECIA515 von Lasha Bugadze.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Renie, 20. Oktober 2017.

  1. Renie

    Renie Moderator
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    Männer zum Abgewöhnen

    Ein Mann ohne Sinn und Verstand, mit der Libido eines Hengstes und dem Feingefühl einer Dampfwalze - das ist Sandro, der Protagonist aus Lasha Bugadzes erotischer Gesellschaftssatire "Lucrecia515".
    Mit Lucrecia ist hier nicht die legendäre, männermordende Giftmischerin und Ehebrecherin aus dem alten italienischen Adelsgeschlecht Borgia gemeint - obwohl sich mindestens eine ihrer Eigenschaften in diesem Roman wiederfinden. Stattdessen ist Lucrecia515 das Passwort zu Sandros E-Mail-Account, das sich seine Frau Keti mit der Hilfe eines Hackers besorgt hat.
    Keti ist eifersüchtig, zu Recht. Denn Göttergatte Sandro lässt nichts anbrennen, wenn es um amouröse Abenteuer außer Haus geht. Sandro präsentiert sich dem Leser jedoch nicht als charmanter Womanizer, der die Frauen um der Frauen Willen liebt und verwöhnt. Nein, Sandro ist eher der Jäger und Sammler. Immer auf der Jagd nach einem Stück weiblichen Fleisches, das seine Libido befriedigt, reiht er eine Frau nach der anderen in seine Sammlung "der dummen Weiber, die sich von ihm flachlegen lassen" ein. Er hat kein spezielles Beuteschema, nur willig muss sie sein. Daher scheut er sich auch nicht, sich zum Narren machen zu lassen, wenn sein Jagdopfer deutlich jünger ist als er. Es gibt Frauen, die wecken seinen Ehrgeiz. Das sind diejenigen, die ihn zunächst hinhalten. Doch am Ende kriegt er sie alle.

    "Es war unmöglich, Sandro nicht zu vertrauen. Seine Kleidung, sein Teint, seine etwas überlangen Koteletten, die rosig-gesunden Wangen - all das schloss ein Nein in jeder Hinsicht aus." (S. 15)

    Seine neueste Eroberung Ana zeigt ihm jedoch seine Grenzen auf. In ihr hat er seine Meisterin gefunden. Sie ist nicht so leicht zu knacken wie die anderen. Ana arbeitet fürs Fernsehen, hat daher einen Prominentenstatus, ist selbstbewusst. Sie sucht keine Beziehung, sondern ist lediglich auf Sex aus. Eine ungewohnte Situation für Sandro, der von seinen Frauen gewohnt ist, dass sie von einer gemeinsamen Zukunft mit ihm träumen. So ganz passen TV-Ana und Soßenfabrikant Sandro nicht zusammen. Außer dem Sex verbindet sie nichts. Ana hält ihn auf Distanz. Sie diktiert die Regeln ihres Miteinanders, was Sandro nicht wahrhaben möchte. Er kämpft, um Oberhand in dieser Verbindung zu bekommen.

    "Normalerweise war es so, dass irgendwelche Frauen ihm nachliefen, nur weil er sie ein paar Mal angerufen hatte, und jetzt schien es plötzlich so zu sein, dass Sandro verliebt war und sie tatsächlich nur Sex wollte." (S. 81)

    Und mitten in die Jagd auf Ana platzt Keti, die Ehefrau, die dank "Lucrecia515" Einblick in den Schriftverkehr zwischen Ana und Sandro hat. Die Liebes-E-Mails sind teils deftig, teils lügnerisch, teils verleumderisch. Keti wird insbesondere von Ana als die dumme gehörnte Ehefrau dargestellt, die an ihrem bequemen und sorgenfreien Leben festhält. Dafür nimmt sie auch einen Don Juan als Ehemann in Kauf. Man möchte diese Darstellung der Ehefrau unterschreiben. Viel zu tolerant und leidensfähig ist Keti - bis jetzt. Doch scheinbar hat die Liebelei zwischen Ana und Sandro das Faß zum Überlaufen gebracht. Anfangs schreibt Keti an Ana unter Sandros Namen über seinen E-Mail Account. Irgendwann gibt sie sich als die Ehefrau zu erkennen. Die Frauen bekriegen sich per E-Mail. Doch je häufiger sie sich schreiben, umso mehr Lügen und Peinlichkeiten Sandros werden enthüllt. Auch wenn Sandro es nicht wahrhaben möchte. Aber seine Felle schwimmen davon. Am Ende wird er sich als Opfer fühlen, das von seinen Frauen missverstanden und ungerecht behandelt wird.

    Arme (georgische) Gesellschaft. Was ist nur mit deinen Männern los? Sandro steht in diesem Roman stellvertretend für seine Geschlechtsgenossen. Denn man wird irritiert feststellen, dass das Fremdgehen bei den Männern in diesem Roman zum guten Ton gehört, von diesen mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit betrieben wird sowie beliebtes Thema bei Männergesprächen ist. Der Autor Lasha Bugadze stellt dabei die männlichen Charaktere in seinem Buch mit all ihren Makeln dar: Bauch(ansatz), Haarausfall, Koteletten, Alkoholismus, Selbstherrlichkeit. Dadurch macht er aus den Herren der Schöpfung tragische Gestalten in der Midlife-Crisis, die eher Mitleid als Verachtung verdienen. Das ist im Übrigen das Schöne an diesem Buch. Die Frage nach Sympathie oder Antipathie für die Charaktere stellt sich nicht, sondern eher "Wer verdient das größere Mitleid? Männlein oder Weiblein?"

    Denn auch die Frauen präsentieren sich bei Lasha Bugadza nicht gerade als die Krone der Schöpfung. Frauen, die sich bereitwillig zum Mittel sexueller Befriedigung degradieren lassen und sich dann noch für dumm verkaufen lassen, sind peinlich. Wie schön, dass am Ende bei Bugadze die Frauen Oberwasser haben und dadurch wieder Punkte gut machen können.

    "Hysterisch sollte ich werden, mich wie ein Verrückter bei allen entschuldigen und mit Schweiß und Blut beweisen, dass ich das alles niemals wiederholen würde ....." (S. 303)

    Die Zeiten der parfümierten Liebesbriefe sind leider vorbei. Heutzutage müssen E-Mails, SMS und Skype als probates Kommunikationsmittel der Liebe und Leidenschaft herhalten. Lasha Bugadze hat für seinen Roman einen sehr modernen Aufbau gewählt. Geschickt bindet er die Texte der modernen Kommunikationsmittel in die Handlung und den Erzähltext ein. Man trifft auf Sandros Gedankengänge, verfolgt Gespräche zwischen Freunden und betrachtet die Handlung aus unterschiedlichen Perspektive, so auch aus der Sicht von Keti oder Ana. Und für den Leser, der auch mal sein Glück beim Fremdgehen versuchen möchte, gibt es detaillierte Verhaltensregeln für den Umgang mit den Frauen (sowohl der Eigenen als auch der bzw. den Anderen).

    Sex findet in diesem Roman ebenfalls statt. Schließlich reden wir von einer erotischen Gesellschaftssatire. Nur, dass der Sex in diesem Roman die Erotik einer Darmspiegelung hat und eher mit dezentem Ekel und Unwohlsein als mit anregendem Kribbel wahrgenommen wird. Das Erotischste an diesem Buch ist für mich daher das Buchcover mit der leichtbekleideten Dame sowie der langen Beine. Doch das ist gut so, steht doch die Satire im Vordergrund und nicht der Sex.

    Fazit:
    Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Thema wie "der (georgische) Mann als notorischer Schürzenjäger" derart packen kann. Doch genau das ist passiert. Ich habe mich köstlich amüsiert, gewundert, aufgeregt, geärgert und hatte Mitleid. Ein herrliches Buch!

    © Renie

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  2. Buecherfan12

    Buecherfan12 Neues Mitglied

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    Ich habe den Artikel bis zum Ende gelesen, obwohl soawas eigentlich überhaupt nicht mein Thema ist. Irgendwie faszinierend.
     
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